OXFORD – Als ich neulich beim gemütlichen Kaminabend mit einem Glas Bier in der Hand meine Jahresstatistik für Facebook erstellte, bemerkte ich, dass ich 2025 tatsächlich in England die meisten auswärtigen Spiele besucht habe. Mit 13 gesehenen Spielen im Vereinigten Königreich liege ich damit unweit hinter Deutschland – 33 Spiele waren es hier. Eins davon war am 29.12. in Oxford, der Stadt, die oftmals als Filmkulisse für Harry Potter diente.
Auch die Swansea-Fans waren da. Sie waren augenscheinlich auf den Spuren von Harry Potter, allerdings machten sie sich nicht in der Bibliothek der Innenstadt bemerkbar, sondern im Away End im Kassam Stadium. Ungefähr 1.000 Fans dürften mitgereist sein. Das Stadion von Oxford United, etwas außerhalb am Stadtrand gelegen, ist eigentlich relativ langweilig. Es verfügt über drei voneinander getrennte Tribünen, und man sitzt, wie so oft in England, nah am Spielfeldrand und ist somit direkt am Geschehen. Hinter den Tribünen gibt es Cider, Bier und Pie – alles wie immer auf der Insel.
Der Spielverlauf gestaltete sich anfangs direkt attraktiv, ein schnelles Spiel mit schnellen Toren. Schon in der 14. Minute traf Vipotnik für die Swans zum 0:1. Die Fans drehten durch und wurden ab hier eigentlich nicht mehr richtig leise. So soll es sein! Vipotnik kennt der eine oder andere sicherlich vom NK Maribor. Von den Heimfans kam meist nicht allzu viel, ein paar Schlachtrufe wirkten ganz nett. Lediglich „Yellows!“-Wechselgesänge schwappten auf die Menge rüber und animierten einige Briten zum Mitmachen. Die zweite Halbzeit war ebenfalls schnell und chancenreich, aber klingeln sollte es im Kasten nicht mehr. Nach Abpfiff gingen wir zügig zur Busstation, wo wir ewig auf einen Bus warteten – der aber einfach nicht eintreffen wollte.
Also haben wir uns kurzerhand mit einem anderen deutschen Fußballfan, der vor Ort war, ein Uber geteilt und sind zurück in die beschauliche Innenstadt von Oxford gefahren. Nachmittags waren wir noch im Wetherspoon „Swan & Castle“, um nun nahegelegen an der Gloucester Road, dem Busbahnhof von Oxford, dem zweiten Spoon der Stadt einen Besuch abzustatten. Das war für mich JD Pub Nr. 132. Es gibt noch einen dritten in Oxford, weit außerhalb vom Stadtzentrum gelegen und auch nicht in Stadionnähe, weshalb dieser noch auf einen weiteren Besuch warten muss.
Aber vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren, denn Oxford United plant schon wieder einen Neubau. Das Kassam Stadium, gerade mal geschätzt 15 Jahre alt, ist irgendwie nicht mehr so „in“. Nun möchte die Stadt zusammen mit Oxford United ein neues Stadion, auch wieder außerhalb der Stadt, bauen. Nördlich gelegen, in Kidlington, soll ein „voll elektrisches“ Stadion entstehen. Eine traurige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass doch gerade England für die Stadien mitten in der Stadt, zwischen Wohnblocks und Kneipen, bekannt ist. Apropos Neubau: Während wir nachmittags im Spoon dinieren, hat mir ein Kontakt von uns doch tatsächlich noch eine Zugangsberechtigung für das anstehende Arsenal-Heimspiel besorgt. Was im „Emirates Stadium“ los war, lest ihr morgen beim Schwechheimer Landboten. (hd)
03.01.2026 Dhaka Senior Division League Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium Zuschauer: 50
DHAKA – Die Hauptstadt von Bangladesch dürfte nicht nur bei Groundhoppern eher weiter unten auf der Wunschliste stehen, gilt sie doch als dreckigste Stadt der Welt. Doch günstige Flugverbindungen mit Stopp in Bahrain führten mich und (tp) in Versuchung und so drückten wir Ende November den Buchungsknopf.
Nach der Landung wurden für die Einreise 50 USD fällig. Das ganze Prozedere war schon recht chaotisch und nur ein Vorgeschmack auf das, was uns vor der Ankunftshalle erwartete.
Dort drängten sich Menschenmassen und die bewaffnete Polizei bildete ein Spalier, damit die Fluggäste überhaupt rauskommen konnten. Draußen steigt einem sofort ein beißender Geruch aus Abgasen in die Nase. Es kratzt im Hals und man muss husten. Dazu ein Höllenlärm durch die hupenden Autos, abgeranzten Busse und Auto-Rikschas in den verstopften Straßen. An vielen Stellen liegt Müll herum.
Wir liefen erst einmal weg vom Airport, fanden aber nach kurzer Zeit eine Auto-Rikscha zum Hotel. Unter Mithilfe der Einheimischen wurde dem Fahrer der Weg gezeigt und mit den Worten „It’s OK, not too much“ sein Fahrpreis bestätigt. Hier zeigte sich zum ersten Mal die menschliche Seite dieser Megacity. Komplett erschlagen von den Eindrücken fielen wir drei Stunden nach der Landung ins Bett.
Am nächsten Morgen lief alles zunächst entspannt. Uber funktionierte und brachte uns mit relativ wenig Stau zum „Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Fluss neben der Straße glich einer Kloake und die Sichtweite betrug durch den Smog vielleicht 100 Meter. Ich hatte mit Manila erst neulich eine sehr dreckige Stadt gesehen und auch bei meinen ersten China-Reisen vor über 10 Jahren einiges erlebt, aber Dhaka toppt leider alles.
Trotz der schwierigen Lebensumstände waren auch hier die Menschen freundlich und neugierig. Der Trainer vom T&T Club erzählte, dass der Kunstrasen erst vor zwei Monaten verlegt wurde. Seitdem werden hier alle Spiele der „Dhaka Senior Division League“ ausgetragen.
Das Stadion mit seinen zwei großen Stehkurven mitten im Großstadtchaos wirkte surreal. Zudem wohnten einige Familien in der Haupttribüne und Kinder nutzten das Areal als Spielplatz. Sportlich wertvoll war die Partie eher weniger. Der Star war hier ganz klar der Ground. Und wie sollte es auch anders sein trafen wir noch einen weiteren Hopper aus Schwechheim, Grüße gehen raus!
Tatsächlich absolvierten wir an diesem Tag sogar noch einen Doppler. Etwa zwei Stunden nördlich von Dhaka in Gazipur traf in der „Premier League“ die Polizeimannschaft auf Rahmatganj. Es gab sogar eine Eintrittskarte und die Ränge in dem Cricketground füllten sich mit zunehmender Dauer immer weiter.
Nach dem Spiel bahnten wir uns mit Auto-Rikschas in Etappen den Rückweg in den Moloch, da kein Uber-Fahrer annehmen wollte. Auch hier vermittelten die Einheimischen. Der letzte Fahrer sorgte mit seiner spektakulären Fahrweise abermals für einen erhöhten Puls. Beim Anfahren machte sein Gefährt wie ein bengalischer Tiger einen Satz nach vorne und landete immer beinahe im Heck des Vordermanns, aber nur fast. Dhaka eben.
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich schon wieder im klimatisierten Airport auf dem Rückweg nach Deutschland. Bei aller Kritik an den Zuständen bei uns hat mir der Ausflug nach Dhaka erneut gezeigt, wie gut wir es immer noch haben. (hr)
31.12.2025 Ethiopian Premier League Adama Science and Technology University Stadium Zuschauer: 110
ADAMA – Bei diesem Reiseziel fallen bei einigen Leuten aus meinem privaten und beruflichen Umfeld die Hände über das Gesicht zusammen. Äthiopien! Aus Mailand sollte es über Jeddah in dieses noch unbesuchte Land gehen. Die Hauptstadt Addis Abeba, mit rund fünf Millionen Einwohnern, steht wahrscheinlich nicht bei jedem Reisebegeisterten auf Platz eins der Wünsche. Ein paar Hürden sind zu überwinden, der einheimische Kalender tickt ein wenig anders als auf vielen Teilen der Welt. Beispiel: Am 03.01.2026 schreibe ich diesen Bericht, laut dem äthiopischen Kalender haben wir den 25.04.2018. Die Geburt Christi ist nach ihrem Kalender später erfolgt und zudem hat das Kalenderjahr 13 Monate. Zusätzlich ticken die Uhren ebenfalls anders. Die einheimischen Uhren laufen nach dem Aufgang der Sonne. Geht die Sonne auf, startet der Tag für die Einheimischen. Warum ist das so wichtig?
Auf Facebook gibt es Profile, die Auskunft über die aktuellen Spiele der Liga geben. “Ethiopian Football Federation” ist meiner Meinung nach das Inhaltlich am sinnvollsten. Die Spiele der Ligen werden mit Zeit, Datum und Spielort veröffentlicht, doch Obacht! Auch hier gelten die Zeitangaben inklusive Datum nach dem einheimischen Kalender und Uhrzeit. Für unseren Aufenthalt mussten wir also die Zeitangabe mit +6 Stunden berechnen. Die Spiele der ersten Liga finden aktuell in Addis Abeba, Awassa oder in unserem Spielortes dieses Berichts (Adama) statt. Am ersten Aufenthaltstag gab es für uns somit die Gelegenheit das Stadion in Addis zu besuchen und am Tag darauf nach Adama zu fahren. Ideal, die Termine waren zuverlässig und sie wurden allesamt eingehalten.
Adama liegt circa 90 Minuten Autofahrt südöstlich von der Hauptstadt entfernt. Sofern man den Großstadtdschungel überstanden hat, geht es auf die Autobahn. Hervorragend ausgebaut, bessere Straßenverhältnisse als auf der A7 Richtung Süden nach Hannover. Auch der beschriebene Dschungel ist nicht so extrem, die Straßenverhältnisse in der Großstadt waren deutlich besser als erwartet. Mit der Taxi-App “Ride” bekommt man schnell einen Fahrer.
Wir haben uns für die Variante eines persönlichen Fahrers entschieden, wir wollten kein Risiko eingehen. Die Maut kostete umgerechnet 90 Cent. Der Fahrer stand den ganzen Tag für uns zur Verfügung, nach seinem eigenen Willen verbrachte er sogar das Spiel ebenfalls im Stadion. Die Länderpunkt-Runde Bier hat er leider förmlich ausgelassen. Doch, kein Problem: Der Bierpreis in einem Lokal liegt bei ungefähr 60 Cent! Und auch sonst: Dieses Land bringt Spaß, entgegen der Erwartung.
Beide Vereine verfügten über einen Edelfan. Der Anhänger und wahrscheinlich auch Mitarbeiter oder Kunde der Bank, trudelte das komplette Spiel entlang der Gegengerade. Verhalf seinem Team quasi lautstark als Co-Trainer. Sein Verein wurde gegründet von der “Commercial Bank of Ethiopia”. Der noble Fan des Gastes trug einen blau-weißen Sportanzug, wesentlich behutsamer verfolgte er das Gekicke auf dem Rasen.
Zum Ende des Spiels freute sich unser Fahrer auf den Schlusspfiff. Dank ihm kamen wir rechtzeitig in der Nähe des Airports an. In einem ausgesuchten Lokal genossen wir billiges Bier, einen Mega-Cheeseburger mit Pommes (2,64€) und den nebenbei laufenden Africa Cup. Geiles Land, nette Leute und Hammer Preise. Das freut die Redaktion. Die Reise ging ja noch weiter, wohin? Das erfahrt ihr morgen. (tp)
01.01.2026 League One Brisbane Road Zuschauer: 8.643
LONDON – Frohes neues Jahr! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fast vier Wochen Fußballpause wären zu herb gewesen, also wurde für den 1. Januar eine Ticket-Anfrage „übernommen“, die ich für einen Kollegen in die Umlaufbahn der britischen Fußballwelt geschickt hatte. Für Brentford gegen Tottenham sollte ein Ticket her. Dann wurde das Spiel allerdings verlegt, dem Kollegen passte der Termin nicht mehr in den Kram und im Falle einer positiven Nachricht, wäre ich einfach als Ticket-Holder eingesprungen. Anlass für diesen Plan waren auch 20€-Flüge vom reaktivierten Flughafen Schwechheim, direkt vor der Tür. 20h-Trip nach London mit zwei Spielen. Das klang verlockend und unkompliziert.
Der Haken an der Sache: Beim FC Brentford gibt es mittlerweile so heftige Ticket-Auflagen, dass selbst mit den besten Kontakten eine Karte schwierig wird. Tickets gibt es nur in der vereinseigenen App und diese können nicht beliebig weitergeschickt werden. Nur Mitglieder-verifizierte Accounts sind in der Lage so ein Ticket sichtbar zu machen. Das heißt also, für eine Karte benötigt man die Zugangsdaten inklusive Passwort eines Mitglieds. Natürlich kann mit einer Membership auch nur 1 Ticket gekauft werden und vielleicht hätte es sogar geklappt mit einer Einlassberechtigung – aber ich sag es mal ohne Umwege: Die Bettelei war mir zu dumm. Viel Geld gespart für ein frustrierendes 0:0, das es am Ende geworden ist. Ein Mitglied der Redaktion wurde vorm Stadion beim Sichten des Schwarzmarkts von der Polizei sogar mit einem Platzverweis belegt.
Brentford: Wir sehen uns irgendwann in der Championship oder League One wieder. Am Ende kackt die Ente. Die Daumen sind gedrückt. Vielleicht folgt hier die Tage nochmal ein „Classic-Bericht“ aus dem „Griffin Park“, Brentfords alter Heimat. Um mal zu veranschaulichen, wie beschissen sich die Dinge im Westen der Stadt entwickelt haben.
Der Trip nach London wurde natürlich trotzdem angetreten. Schließlich war der Tisch für das 15-Uhr-Spiel vor Ort reichhaltig gedeckt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Charlton Athletic und Leyton Orient entschied man sich am Ende für die Brisbane Road. Stadtderby gegen Wimbledon und zusammen mit einem Kollegen vom „Intourist Babelsberg“ konnten vor und nach dem Spiel noch ein paar Pints geleert werden. Nachdem zusammen vor dem Spiel im Zentrum noch ein Blick auf die „London Parade“ abfiel, ging es zurück in den Nordosten der Stadt. Klassische Straßenzüge mit Pubs und Ladenzeilen verrieten uns, dass wir hier richtig waren. Viel Stadtteil-Flair rund um die Brisbane Road ließ die Vorfreude auf den Kick steigen, für den es am Tag zuvor nur noch Resale-Karten gab. Wollen wir mal hoffen, dass Leyton bei dem anhaltenden Erfolg das Ticketing nicht auch bald auf eine App abwälzt.
Nach 6 Siegen in den letzten 6 Spielen in der Vor-Saison, erreichten die „O’s“ nämlich nach dem Wiederaufstieg 2023 sensationell die Play-Offs für die zweite Liga gegen – genau: Charlton Athletic! In einem engen Spiel vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley musste der Außenseiter den „Addicts“ mit einem 1:0-Sieg den Vortritt lassen. 2019 war Orient erst aus der National League in die EFL zurückgekehrt. Der rasante Aufstieg hat übrigens Folgen, so wurden im Herbst letzten Jahres Neubaupläne für ein Stadion bekanntgegeben.
Ganz so weit ist man bei Orient am ersten Tag des Jahres 2026 dann aber doch noch nicht. Die Brisbane Road wurde auf der alten Tribüne mit Solarpanels ausgestattet, ansonsten ist im Leyton-Stadion alles wie immer und auch die Mannschaft hat sich wieder im unteren Mittelfeld der Liga eingruppiert. Mit Fußballfeinkost war nicht zu rechnen, zumal Wimbledon als Aufsteiger und Tabellennachbar in der League One das Rad vermutlich nicht neu erfunden hatte. Daher erfreuten wir uns zunächst nur an dem Ground, der irgendwie traditionell ist, aber teilweise auch neu und herausgeputzt. Integriert in den Stadtteil, mit Wohnblöcken an den Ecken und einer alten Tribüne. Die Proportionen und die Atmosphäre stimmen bei Leyton einfach, zudem ist man unglaublich nah dran am Spielgeschehen, wie es sich auf der Insel gehört.
Nach 5 Minuten klingelte es auch schon direkt vor der Nase. Orient ging in Führung. Das Jahr war 15 Stunden und ein paar Minuten alt, da konnte schon festgehalten werden: 2026 läuft gut an! In der Folge machte sich auch der volle Gästeblock das ein oder andere Mal bemerkbar. Das lag daran, dass die Anfangsoffensive der Heimelf langsam verpuffte. Wimbledon fand in alter Manier und mit kompromissloser Zweilampfstärke zunehmend in die Spur zurück. Per Eigentor gelang tatsächlich der verdiente Ausgleich und für die zweite Hälfte deutete sich an, dass die Gäste nicht locker lassen würden. Nach 5 sieglosen Spielen hintereinander hatte der AFC was gut zu machen und mit einem trockenen Schuss gelang nach über einer Stunde schließlich die Führung. Nun war der laute Gästeblock der Star dieser Veranstaltung.
Orient hatte der Spielweise von Wimbledon nichts mehr entgegenzusetzen. Das verdeutlichte die Tatsache, dass die Zuschauer trotz des knappen Rückstands die Spielstätte ab der 80. Minute verließen. Als dann kurz vor Schluss ein Freistoß über eine schlecht gestellte Mauer zum Endstand ins Tor segelte, saßen wir binnen Sekunden fast alleine im Stadion. Das ist in England auch nicht anders – darf man bei all den Lobliedern in diesem Text nicht unerwähnt lassen. Dafür explodierte erneut der gut aufgelegte Gästeblock und Wimbledon feierte den dringend benötigten Auswärtssieg. Fußball ist halt ein Geben und Nehmen – auf dem Platz und auch bei solchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel dem Ticketing. (mm)
28.12.2025 Serie A Stadio Giovanni Zini Zuschauer: 14.286
CREMONA – Einen Absatz lang gibt es eine Reise in die Vergangenheit. Wir blicken zurück auf den Oktober 2022. Redakteur (fj) und meine Wenigkeit waren an einem regnerischen Sonntag in Turin beim Spiel im “Stadio Olimpico Grande Torino”. Der Zeitplan war eng getaktet, wie so oft als Groundhopper. Geplant war, die Partie in der heutigen Spielpaarung am damaligen Sonntagabend zu verfolgen. Ihr könnt es euch denken, das vorab Spiel inklusive der damaligen Nachspielzeit zögerte sich heraus. Die Marathon artigen Sporteinlagen nach Abpfiff blieben erfolglos, der gebuchte Zug wurde verpasst. Wir wurden die Tickets auch nicht mehr los und die Zusatzkosten explodierten. Es musste ein neuer Zug gebucht werden, aber immerhin hat ein Spiel des US Alessandria in der Serie C stattgefunden. Die Alternative war noch zu erreichen, um später wieder in Milano bei der Unterkunft aufzukreuzen. Zu den Jahren Anfang der Zwanziger ein teures Vergnügen und nicht unbedingt in jedem Budget enthalten. Mittlerweile wurde die Lücke und der absolut schwarze Tag von beiden Redakteuren abgehakt und das Stadion besucht.
Drei Jahre später ergab sich mir die Chance, die gleiche Paarung in diesem Stadion zu sehen. Mein innerer Monk findet sowas immer gut. Unsere heutige Reisegruppe startete früh aus Pisa, wozu dies später gut sein sollte, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst sollte der Magen mit einem Frühstück gefüllt werden. Apfelkuchen statt Cornetto und dazu natürlich einen Cappuccino. Diese süße Mentalität am Morgen kann man nur mögen. Danach startete die Fahrt und bis Cremona ohne Vorkommnisse. Kurz vor der Abfahrt zeigte Google Maps rot. Die Mautstelle nach der Ausfahrt Cremona wurde von der Staatsmacht kontrolliert, dies sorgte natürlich für einen längeren Stau. Alle Gäste aus Napoli mussten sich mit ihren Autos hinter der Mautstelle sammeln. Eine ganze Stunde kostete uns die Sperrung der Polizei. Wenn man es positiv sieht: Die Gäste waren anwesend.
Letzterer Satz war auch die Quintessenz, rund 2.500 Tifosi nahmen den weiten Weg auf sich. Eine stattliche Zahl. Die Neapolitaner sind in der Tabelle dicht dran an den Topklubs aus Mailand. Das Spiel ist in der Serie A, wie eigentlich immer. Vieles spielt sich im Mittelfeld und in der Abwehr ab, irgendwann fällt dann ein Tor für den Favoriten oder es fällt keins. Die großen Sensationen bleiben oft aus, so auch an diesem Tag. Für Sensationen in den letzten Jahren sorgte dieser Spieler: Im Sturm bei den Gastgebern probierte sich Jamie Vardy. Als Teil des Sensations-Teams von Leicester City in der Saison 2015/2016. 81 Punkte holte das Team um Jamie Vardy in dieser Spielzeit. Nur die Torjägerkrone erhielt er mit seinen 24 Toren nicht. Mit seiner Statistik bei Leicester City von 183 Toren in 440 Spielen bleibt er wahrscheinlich der beste Torschütze. Seit September/2025 schnürt er seine Schuhe für Cremonese, vier Tore gelangen ihm bisher in der laufenden Saison.
Das eigentliche Highlight befand sich aber definitiv im Gästeblock. Für die erste Liga in Italien, wo ich persönlich Stimmung beispielsweise in der Serie B oder C besser finde, war das am heutigen Tag großes Kino. Das bekannte Knie wippte mit. Glückselig wurde nach dem Abpfiff das Stadion verlassen. Der Weg ging in die Unterkunft und zum Füttern der dritten Pizza am dritten Tag des Aufenthalts in Italien. Italien ist einfach jede Reise wert. (tp)
Happy New Year! Und somit herzlich willkommen zur ersten BILDERBUCHBUDE der Woche im neuen Jahr (80). Wir befinden uns im Cougar Park in Keighley, einem wunderschönen Rugby-Ground, in dem Eccleshill United aktuell seine Heimspiele in der Northern Counties East Premier Division (neunte Liga) austrägt. Im Sommer des vergangenen Jahres absolvierte zudem der PSV Braunschweig hier ein internationales Testspiel. Besonderes Highlight dieses Stadions ist der Danny Jones Stand, der bereits seit 1947 existiert. Leider gibt es jedoch Pläne, die rund 500 Plätze fassende Tribüne umfangreich zu modernisieren. Ein konkreter Baubeginn ist bislang allerdings nicht bekannt. Dennoch solltet ihr die Chance nutzen, diese Groundperle zu kreuzen, bevor es womöglich zu spät ist.
27.12.2025 Cougar Park Eccleshill United – Campion AFC 0:1
30.12.2025 Premier League Old Trafford Zuschauer: 74.000
MANCHESTER — Die Ticketbeschaffung bei Manchester United für ein Spiel in der Premier League war über Jahre hinweg nahezu unmöglich. Manchester meldete bereits vor Saisonbeginn stets „Sold Out“ für alle Spiele. Mittlerweile spielen die Reds jedoch seit Jahren einen absolut bescheidenen Ball auf gepflegtem Rasen, und auch die Touristen werden dadurch weniger.
Mit diesem Hintergrundwissen klickte ich mich am 30.09.2025 durch die Ticketseite von Manchester United und entdeckte für dieses Spiel tatsächlich einen freien Verkauf. Die Flüge waren noch nicht gebucht und eine grobe Planung existierte ebenfalls noch nicht, aber die ersten Tickets landeten sofort im Warenkorb. Old Trafford war gebucht, egal wann dieses Spiel angesetzt werden würde. Erst Anfang November wurde die Partie terminiert, und ab diesem Zeitpunkt begann die Feinplanung für diese letztlich erfolgreiche Tour.
In den Tagen zuvor verweilten wir an der Nordseeküste, da Sunderland und Middlesbrough ihren Weg in den virtuellen Informer gefunden hatten. Pünktlich wurde dort ausgecheckt, anschließend ging es mit dem Flixbus nach Manchester. Dort checkten wir im Ibis ein und verprassten gegen 17:30 Uhr unser letztes Restaurantguthaben auf der Amex im „The Ivy“.
Per Straßenbahn fuhren wir anschließend zum Old Trafford und steuerten zunächst den Mega Store an, um zu prüfen, ob es dort vielleicht ein geniales Schnäppchen zu ergattern gibt. Fünf Minuten später hielten wir jeweils ein Trikot aus der Vorsaison für unschlagbare 24 £ in den Händen. Mit den neuen Utensilien stellten wir uns in die Schlange am Eingang und wurden von oben bis unten komplett gefilzt. So etwas hatte ich in England noch nie erlebt. Sekunden später zeigte der Ticketscanner die gelbe Ampel, das Drehkreuz öffnete sich, und wir befanden uns in dieser altehrwürdigen Stätte.
Im Stadion wurden wir von einem Ordner direkt auf unsere Plätze geschickt, denn im Gang stehen und noch schnell ein Foto machen ist hier „nicht erlaubt“. Wenig später begann das Spiel ohne großes Einlaufprozedere.
Auf dem Rasen waren sich alle sicher, dass es heute einen Heimsieg geben würde, denn die Gäste hatten seit Anfang Oktober keinen Punkt mehr geholt und davor insgesamt nur zwei Zähler gesammelt. Doch wie sollte es anders kommen: United bekam überhaupt nichts auf die Kette, der Trainer wechselte zur Halbzeit den einzigen fähigen Spieler und Torschützen aus, und Wolverhampton spielte wie in den Jahren zuvor. In der 89. Minute erzielten die Red Devils zwar den vermeintlichen Siegtreffer, doch der Torschütze stand im Abseits. Unterm Strich geht das Remis in Ordnung, da auch die Wolves einige Chancen liegen ließen. In der zweiten Hälfte gab es zudem noch ein paar lustige Anekdoten, die ich mit euch teilen möchte. Der Schiedsrichter pfiff gleich zwei falsche Einwürfe zurück, und Manchester erhielt eine Ecke, weil der Torwart den Ball zu lange in den Händen hielt. Ein „gellendes Pfeifkonzert“ begleitete die Spieler in die Kabine und uns aus dem Stadion.
Auf der Pressekonferenz behauptete der Trainer, dass die Reservespieler nicht die Qualität für die erste Elf hätten. Wenn sich Ruud van Nistelrooy, Paul Scholes und Ryan Giggs über die aktuelle United Elf unterhalten würden, könnten sie vermutlich ganze Seen mit Tränen füllen, denn diese Truppe ist schlichtweg schlecht. Das hat nichts mehr mit dem unbesiegbaren Manchester von früher zu tun. Mittlerweile ist es nur noch eine mittelmäßige Premier League Mannschaft. Man kann nur hoffen, dass Sir Alex Ferguson bei diesem Team auf der Tribüne niemals einen Herzinfarkt erleidet.
Für uns war es trotz der bodenlosen Performance der Reds ein schöner Abend in einem genialen Stadion. Old Trafford gehört definitiv auf die Bucketlist aller Groundhopper, und man kann nur hoffen, dass die neuen Stadionpläne niemals realisiert werden und im „Litter“ verschwinden. (mb)
26.12.2025 League Two Prenton Park Zuschauer: 7.933
BIRKENHEAD – Schon seit mehreren Jahren führt mich der Fußball zur Weihnachtszeit auf die Insel. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Tour geplant, deren Auftakt in Birkenhead stattfinden sollte.
So landete die vierköpfige Gruppe in Liverpool, stärkte sich bei Wetherspoon und machte sich schließlich auf den Weg zum Prenton Park, der Heimat der Tranmere Rovers.
Schon bei der Ankunft wurde uns warm ums Herz: ein herrliches englisches Stadion, das 1912 eröffnet wurde, mitten in einem Wohngebiet liegt, über vier unterschiedliche Tribünen verfügt und mit erstklassigen Flutlichtmasten ausgestattet ist.
Wir verfolgten das Spiel von der Fantribüne „The Kop“, wo es unter dem Dach zeitweise Support mit Trommelbegleitung gab.
Die Partie endete mit einem 1:0-Erfolg. Whitaker erzielte in der 23. Minute den einzigen Treffer des Spiels. Für mich war es bereits das zweite Spiel der Tranmere Rovers. Das erste sah ich Anfang 2020 im FA Cup, als der Underdog Tranmere Rovers einen 0:3-Rückstand noch in ein 3:3 umwandeln konnte. Im Rückspiel, das es damals bei einem Unentschieden noch gab und inzwischen durch eine Verlängerung ersetzt wurde, gelang den Rovers sogar ein 2:1-Erfolg.
27.12.2025 Serie B Stadio Alberto Picco Zuschauer: 9.251
LA SPEZIA – Nach dem Lesen der Überschrift sollte bei einigen die Aufmerksamkeit da und der Ohrwurm zurück sein, gern geschehen!
Dieser Bericht knüpft an den Ostermontag an, an dem ich eigentlich mit Kollege (tp) Spezia und Parma kreuzen wollte. Leider machte uns das Ableben des Heiligen Vaters einen Strich durch die Rechnung und die Grounds mussten vertagt werden.
Doch vor Jahresende ergab die Terminierung eine neue Chance und wir entschieden uns für Spezia. Bei herrlichem Sonnenschein und über 15 Grad trafen wir uns in der ligurischen Hafenstadt. In puncto Wetter greift man bei Bella Italia eben selten daneben.
Im Abstiegsduell empfingen die „Aquilotti“ die Delfine von der Adria. Das „Stadio Alberto Picco“ war gut gefüllt und die Ticketpreise ab neun Euro wirklich fair für die Serie B. Allerdings nicht im Gästeblock, dazu später mehr.
Die „Curva Ferrovia“ legte auch gleich ordentlich los mit vertrauten Melodien und den italienischen „Bodenbengalos“. Manchmal wünsche ich mir eine kontrollierte Zündung für einen besseren Effekt, aber so ist es hier eben. Auch so setzte sich häufiger einiges an Rauch unter dem Dach fest.
Aus Pescara waren etwa 400 Tifosi angereist, von denen die Szene erst mit Verspätung im Gästeblock ankam. Der Mob machte zunächst seinem Ärger über die teuren Gästekarten Luft (25 Euro) und peitschte anschließend den Tabellenletzten nach vorne. Ein wirklich guter Auftritt. Mir fiel auch wieder eine sehr alte Zaunfahne von 1976 auf. Teilweise sind die Jungs in Italien ja selbst noch auf dem Zaun und das kann man gar nicht hoch genug anrechnen.
Auf dem Rasen machten die Adler von Ex-Milanstar Donadoni die bessere Figur und gingen schon nach acht Minuten durch einen satten Schuss von di Serio in Führung. Doch Pescara antwortete mit einem Knaller unter die Latte, wobei die Nachspielzeit der ersten Hälfte schon abgelaufen war. Das Schiedsrichtergespann lief unter nicht so weihnachtlich-harmonischen Rufen in die Kabine.
Im zweiten Durchgang trafen beide Aluminium und später sah es nach der typischen Punkteteilung im Keller aus. Doch nach etwas Pingpong im Strafraum in der 92. Minute schaltete Artistico (ja, der Name ist korrekt) am schnellsten und spitzelte die Kugel zum 2:1 ins Netz. Kollektive Ekstase bei den „Bianconeri“ und ein extrem wichtiger Sieg im Abstiegskampf.
Nach dem Spiel vertraten wir uns an der mit Palmen gesäumten Promenade noch ein wenig die Beine. Ohne die Weihnachtsdeko hätte man denken können, es sei Frühling. Übrigens ist La Spezia der ideale Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den malerischen „Cinque Terre“. Allerdings rief in unserem Fall erneut der Calcio und wir steuerten Pisa für das Abendspiel an. (hr)
28.12.2025 Premier League Stadium of Light Zuschauer: 46.675
SUNDERLAND — Zum ersten Mal in meinem Leben gönne ich mir über die Feiertage die volle Portion England. Zehn Tage im Land der Erfinder der Wetherspoon-App. In den letzten Jahren war ich über den Jahreswechsel immer mal wieder für ein paar Tage vor Ort, allerdings nie vom Boxing Day bis ins neue Jahr. Dieses Jahr sollte es – dank fairer Flug- und Hotelpreise – das „All-in-Paket“ werden. In den ersten beiden Tagen lief in Bradford und Burnley alles reibungslos, und auch heute lieferte Flixbus auf ganzer Linie. Da am Sonntag in England fast gar nicht gespielt wird, war schnell klar: Es kann nur nach Sunderland gehen. Der heutige Gegner war kein Geringerer als die Farke-Truppe, die ich zuletzt am 29.12.2024 gesehen hatte.
Da wir hier mittlerweile über ein Premier-League-Spiel sprechen, ist die Ticketbeschaffung natürlich wieder ein Knackpunkt. Kein General Sale, und die Karten gingen im Mitgliederverkauf weg wie warme Semmeln. Zum Glück konnten uns ein England-Experte aus unserem Redaktionsumfeld sowie ein weiterer Deutscher helfen. Beide verfügten über eine Booking History aus der letzten Saison und hatten damit Zugang zu den Tickets. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die beiden Top Lads!
Nach der Ankunft in Newcastle brachten wir unser Gepäck ins Hotel und fuhren anschließend mit der Metro zum Stadium of Light. Wer die Netflix-Dokumentation „Sunderland ’Til I Die“ in voller Länge durchgesuchtet hat, erkennt hier sofort die ein oder andere Wandbemalung sowie den Weg zum Stadion wieder. Besonders prägend in Erinnerung geblieben sind mir auch die Ticketdrucker im Ticket Office. Wir gingen direkt dorthin, um unsere QR-Codes gegen Hardtickets zu tauschen, wurden jedoch enttäuscht: Es gibt nur noch digitale Tickets. Willkommen in der Premier League!
So gelangten wir ohne weitere Kontrolle ins Stadion und gönnten uns vor dem Anpfiff noch ein paar Chicken Tenders mit Pommes. Der Preis an der Kasse war zwar ein anderer als auf dem Preisschild, aber über einen „Rabatt“ regt man sich bekanntlich nicht auf. Geschmacklich war das Essen für englische Stadionverhältnisse absolut in Ordnung – ein Foto war es dennoch nicht wert.
Im Stadion trennten sich dann unsere Wege, da unsere Plätze in den Bereichen P6 und P16 lagen. Ein Platzwechsel während des Spiels war nicht möglich, da wirklich kein einziger Platz frei war. Beim Einlaufen der Teams wurden beide Mannschaften mit einem kleinen Feuer begrüßt. Leeds und Sunderland spielten in der ersten Halbzeit mutig nach vorne, und zur Freude der meisten Fans gingen die „Black Cats“ nach 28 Minuten in Führung. Kurz nach dem Pausentee erzielte Leeds den Ausgleich und ließ den Gästeblock eskalieren. Die Mannschaft von Daniel Farke drängte anschließend sehr dominant auf das 2:1, brachte den Ball trotz eines Expected-Goals-Werts von 2,03 jedoch kein zweites Mal über die Linie. Trotz Aufstieg und veränderter Favoritenrolle ziehen sie ihren ansehnlichen Fußball weiterhin konsequent durch und haben nun sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Für einen Aufsteiger ist das nach 18 Spielen ein Top-Ergebnis. Der ein oder andere Sunderland-Fan war nach dem Spiel etwas enttäuscht, da die Jungs das letzte Heimspiel des Jahres nicht gewinnen konnten. Dennoch sollte man nicht vergessen, wo Sunderland herkommt: 2022 stieg man in die Championship auf, und dreieinhalb Jahre später steht man mit 28 Punkten auf Platz sieben – nur vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Das ist schlichtweg sensationell.
Sensationell war die Stimmung vor Ort zwar nicht, für Premier-League-Verhältnisse jedoch sehr gut und leidenschaftlich. Sie hat uns definitiv abgeholt, und wir verließen das Stadium of Light rundum zufrieden.
Allen Netflix-Abonnenten kann ich nur empfehlen, nach der Dokumentation selbst nach Sunderland zu reisen und das „Matchday“-Erlebnis mitzunehmen. Das hat richtig Bock gemacht und rundet für mich die Sunderland-Story perfekt ab. (mb)
Das Redaktionsteam vom Schwechheimer Landoten wünscht allen Lesern eine gute Verdauung nach den zwei Speisereichen Tagen bei Muttern und Vatern. Nachdem der ganze Weihnachtstrubel vorbei ist, hat der Groundhopper noch zwei Ziele in den letzten Tagen im Kopf. Entweder der Boxing Day oder die Vierschanzentournee. Passend dazu wollen wir euch mit der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (79) auf die Festtage in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen einstimmen. Nichts passt da besser, als die einzige Skisprungschanze Europas, die auch für Profifußball genutzt wird. Auf der Salpausselkä-Schanze flogen einst Janne Happonen & Matti Hautamäki tausenden frenetischen Fans entgegen und ließen die Massen im Winter eskalieren. Im Sommer geht es eher ruhiger zu, wenn der FC Lahti an Ort und Stelle gegen den Ball tritt. Nach einem schwierigen Jahr in der zweiten Liga durfte im Oktober 2025 wieder gefeiert werden, denn nächstes Jahr spielen ihre schwarzen Drohnen wieder erstklassig.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die Fotografen in der Runde: Wer vorm Spiel ein Foto vom Absprungbalken machen möchte, sollte vor dem Mannschaftsbus da sein, denn ab 90 Minuten vor Anpfiff wird der Aufgang gesperrt.
14.07.2019 Lahden Stadion FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0
21.12.2025 Oberliga Nord Ice House Wedemark Zuschauer: 2.700
WEDEMARK – Alle Fußballspiele am Sonntag waren unerreichbar, obwohl der Flieger aus London schon um 11 Uhr in Schwechheim auf dem Flughafen aufsetzte. Ein Blick in den Randsport-Spielplan spuckte gleich mal das Eishockey-Derby in Hannover aus. Haken: Das Spitzenspiel war ausverkauft. Doch dank einer Annonce im Landboten dauerte es nicht lange, bis uns ein Ticket für das Oberliga-Spiel zugespielt wurde.
Ausgetragen wird dieses Duell allerdings nicht in Hannover, sondern in Mellendorf, in der Wedemark. Da Mellendorf auf der Strecke Buchholz/Nordheide – Hannover liegt und von der Bahn bedient wird, ging es mit dem Auto am dunkelsten Tag des Jahres zunächst nach Buchholz. 1 Stunde und 45 Minuten später steht man vor der Eishalle, wenn der Zug pünktlich ist. In der Bahn war gar nichts los, so dass man sich mit einem Blick auf das Ticket nochmal vergewissern musste, ob das Spiel wirklich an diesem Sonntag um 19 Uhr ausgetragen werden sollte. Aus dem Norden scheinen keine Fans für dieses Spiel anzureisen. Die kommen wohl alle aus dem Süden: Denn die Schlange vor der Eishalle begann 45 Minuten vor dem ersten Bully schon auf der B3, 200 Meter vor der eigentlichen Kontrolle.
Eigentlich wollte ich nicht vordrängeln. Nach ein paar Minuten des Wartens preschte ich nach vorne, um zu schauen bis wohin die Schlange geht und überhaupt, was da vorne los ist. Danke an den Autofahrer, der etwa bei der Hälfte der Schlange lauthals hupte, das Fenster runterkurbelte und mich mit dem Worten bedachte: „Runter von der Straße, du Bastard!“. Diese Worte legitimierten mich einfach in die Schlange zu hüpfen, ohne böse Blicke zu ernten. Im Gegenteil, die Leute hatten Verständnis für mich. Auch ohne Drängeln wäre es eine Punktlandung gewesen, denn das Spiel fing 10 Minuten später an.
Drinnen platzte die kleine, kompakte Eishalle schon aus allen Nähten und die Scorpions hatten eine Choreo zum fünfzigjährigen Bestehen des Deutschen Meisters von 2010 angekündigt. Streng genommen haben die Scorpions von 2025 nichts mit dem Vorgängerverein aus der Wedemark gemein, denn die DEL-Lizenz wurde 2013 nach einem letzten Platz an die Schwenninger Wild Wings verhökert. 1996 gab es die Zeitenwende im Hannoveraner Eishockey, als die Indians aus der DEL abstiegen und die Scorpions, noch unter der Bezeichnung des Stammklubs ESC Wedemark, in die höchste Klasse aufstiegen. Als in den 90er-Jahren die Kommerzialisierung im Eishockey voranschritt, benannte sich der Verein in „Hannover Scorpions“ um und trug auch eine Weile seine Spiele in der Halle auf dem Expo-Gelände aus.
Das soll es an dieser Stelle aber gewesen sein mit tiefgründigen Infos in Sachen Eishockey. Denn für eine Spielanalyse fehlt mir die Kompetenz. Dass die Scorpions seltener den Puck verloren und öfter zentral vor dem Tor zum Schuss ansetzten, fiel selbst mir auf. Aber dafür hätte ein Blick auf die Anzeigetafel gereicht, auf der nach dem ersten Drittel ein 3:0 prangte. Die Indians kamen im zweiten Drittel nochmal kurz ran, aber das 4:1 wenig später nahm selbst dem Eishockey-Laien die Spannung. Die Choreo zeigte einen großen Wimpel und ein paar zeitungsausschnittmäßige Motive, die für die Machart der Tribüne durchaus zu gefallen wussten, wie man so schön sagt.
Stimmungsmäßig hatten die Scorpions alles im Griff und stellten hinter dem Tor und auf einer Stehergeraden eine nette Crowd. Während die zuvor gelobten Indians zwar einen Block auf der Geraden vollkriegten, aber ziemlich passiv blieben, abgesehen von ein paar Gesängen und Fahnen vor und nach dem Spiel. Der harte Kern hinter dem Tor auf der Heimseite fiel durch dieselben Casual-Klamotten wie beim Fußball auf. Die Hassgesänge auf die Indians waren kernig und auch das eher gutbürgerliche Publikum auf der Geraden stieg in die Gesänge mit ein. Als am Ende ein „Derbysieger“-Plakat präsentiert wurde, durfte man die Kurve nicht fotografieren. Schließlich wurde die Mannschaft auf dem Eis mit dem Plakat abgefeiert und nach ein paar letzten Fotos ging es zu Fuß bei eiskaltem Wind zum Bahnhof, wo die RB38 nach Buchholz schon wartete.
Die letzte Verbindung in den Norden war pünktlich. Das war wichtig, denn es folgte die dunkelste Nacht des Jahres, nicht nur kalendarisch, an diesem Tag der Sonnenwende. Bis Soltau schnurrte die Bahn auf der Schiene, als der Zug dann ein paar Minuten zu lange am dortigen Bahnhof zum Stehen kam, wurde man schon stutzig. Die Durchsage: „Kurzfristiger Personalausfall, bitte alle mal aussteigen“, war dann der Anfang vom Ende. Mit mir wollten sich noch zwei weitere Fahrgäste, die kaum Deutsch sprachen, dieses Himmelfahrtskommando antun bzw. waren auf einen nun organisierten SEV nach Buchholz angewiesen, der nach einer halben Stunde kommen sollte. Natürlich kam der Bus nicht. Wenn man sich auf eines im Schienenverkehr verlassen kann: Dass wenig klappt.
Zwei Stunden vergingen ohne jedes Ereignis, bis man die ersten Maßnahmen ergriff, inzwischen war es etwa 1 Uhr nachts. Zunächst wurde bei der Polizei angerufen, um den Vorfall für spätere Handlungen zu registrieren. Dann rollte doch noch eine Regionalbahn vom gleichen Beförderer ein und der angekommene Zug mit Endstation Soltau wurde kurzerhand „besetzt“.
Schnell sprang ich in die kuschelig-warme Bahn um dem Zugpersonal die Pistole auf die Brust setzen, dass ich das Gefährt nicht verlassen würde, bis ein Transport für mich und die weiteren Leidtragenen nach Buchholz bereitstünde. Natürlich wurde sich beim Personal auch zeitgleich für die Maßnahme entschuldigt. Aber das kennen wir ja auch vom Fußball: Protest funktioniert nicht, ohne wehzutun. Nach zwei Stunden in der Kälte und ohne jede Perspektive auf einen Weitertransport, wurde es langsam auch gesundheitlich bedenklich. Die drei Stunden in der Eishalle kamen ja noch dazu.
Für meine Situation hatte das angekommene Personal kaum Verständnis. Stattdessen wurde gleich mal nachgeguckt ob der SEV nicht schon gefahren war und meine Wenigkeit für dumm verkauft. Anschließend verständigten die Bediensteten via Fahrdienstleiter die Polizei und mir wurde Angst gemacht, dass ich den Einsatz bezahlen müsste. Dass man den Passagieren gegenüber eine Fürsorgepflicht besitzt, spielte selbstredend keine Rolle. Schließlich trudelte unser Freund und Helfer mit großem Getöse im Bahnhof ein und forderte mich auf den Zug zu verlassen.
Ohne weitere Aufforderung überreichte ich den Polizisten meinen Personalausweis und die Beamten waren wohl überrascht, dass sie keinen alkoholisierten Penner vor sich hatten. Der Polizeimensch hatte schnell Verständnis für mich, konnte die Situation aber nicht lösen. Stattdessen wurde mir mitgeteilt, dass eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohe. Von Fürsorgepflichten und anderen Sachverhalten zu meinem Nachteil war natürlich auch hier wieder keine Rede. Man stelle sich nur vor, ich hätte unseren 5-jährigen Nachwuchs-Redakteur mit auf diese Reise genommen. Am Ende hieß es, ich hätte „Glück gehabt, dass von einer Anzeige abgesehen werde“ und ich entgegnete, dass ich höchstens Pech gehabt hätte, bei dem was hier abgelaufen ist.
Der nächste Schock dann, als ich mein Handy an die Powerbank stöpseln will und das Ding nicht lädt. Powerbank kaputt und um halb 2 in Soltau an diesem Pissnelkenbahnhof mit 10% Akku unterwegs. Na, gute Nacht. Immerhin muss man sagen, dass die Polizei soweit war, mir ein warmes Plätzchen auf der Wache anzubieten und „ein Ladekabel haben wir auch“, hieß es von Seiten der Beamten. Als ich im Kopf hin und herwog, ob es nun ein Taxi auf eigene Kosten wird oder freiwillig die Wache, kam tatsächlich der SEV-Bus um die Ecke gewackelt. Mit zweieinhalb Stunden Verspätung.
Immerhin gab es noch einen Anpfiff für den Busfahrer vom Zugpersonal, das ich aufgehalten hatte, und Augenzeugen, dass der Bus nicht schon ohne mich abgefahren war. Dass der Bus um 3 Uhr nachts noch an jeder Milchkanne anhalten muss, weil theoretisch jemand vier Stunden bei der Kälte in Büsenbachtal (die Haltestelle gibt es wirklich) hätte warten können, veranlasste mich zu dem Gedanken, trotzdem (!) ein Taxi zu rufen. Schließlich war klar, dass man Schwechheim nicht vor 4 Uhr erreichen würde und nächsten Morgen wartete eine wichtige Redaktionssitzung. Es gewann der Masochist in mir und ich stieg in den Bus, der für die 45 Kilometer fast 2h benötigte. Zum Glück musste zwischendrin nicht der Busfahrer gewechselt werden, der dann nicht kam.
Wir wünschen allen Lesern und auch dem Beförderer „Start Niedersachsen Mitte GmbH“ mit Sitz in Soltau schöne Feiertage. Eigentlich empfehlen wir hier sonst den Konsum von Fanzines, aber schon vor über 2000 Jahren hieß es in der Bibel, nach Lukas, Kapitel 6, Vers 35: „Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, wo ihr nichts zurückerhofft. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist auch gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! (mm)
20.12.2025 2.Bundesliga Holstein Stadion Zuschauer: 15.034
KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?
Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.
Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.
Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.
Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.
Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild. Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.
Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.
Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)
21.12.2025 Eredivisie De Adelaarshorst Zuschauer: 9.997
DEVENTER – Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Bevor es wieder auf große Tour zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr gehen soll, wurde das letzte Wochenende im eigenen Bett verbracht. Nach dem Sonnabend in heimischen Gefilden bot sich am vierten Advent ein Tagesausflug in das direkte Nachbarland an. Die Eagles waren zuletzt negativ in vielen Deutschen Mündern. Das europäische Auswärtsspiel der Schwaben schlug Wellen: übertriebene Polizeigewalt oder ein Spieler mit einer obszönen Geste gegenüber Angelo Stiller. Absurd und zum Fremdschämen. Das Stadion zählt zu den schwierig zu besuchenden Stadien der höchsten Spielklasse des Landes. Eine Hand wäscht die andere und so versorgt mich ein Kontaktmann über den Zweitmarkt des Vereins in der Woche vor dem Spiel.
Die kleine Stadt liegt in einem Radius: “Tagestour-möglich”. Nach knapp vier Stunden parkten wir das Gefährt des Tages in unmittelbarer Nähe der Spielstätte. In der “Cafeteria Johnny’s” gab es heiße Waren aus dem schwimmenden Fett. Nicht der beste Schuppen, aber mit wenig Zeit zwischen Ankunft und Anpfiff kann man diesen Laden mal ansteuern. Für Kipcorn, Fritten und Krokett muss einfach Zeit sein. Die Häuser rund um das Stadion wurden schick hergerichtet. Überall wehen kleine Fahnen des Vereins. Besonders auffällig ist die gestrickte Ware in Vereinsfarben um jede Regenrinne herum. Die Stadt lebt ihren Verein und ihren diesjährigen Pokalsieger. Der erste Titel nach 92 Jahren ohne Feier. Der Klub startet in die vierte Saison als Erstligist in Folge.
Die Gäste aus Groningen füllten ihren Auswärtsblock und starteten mit einer Pyroshow in das Spiel. (Achtung, aufmerksame Leser: Ja, schon wieder ein Bericht mit Beteiligung aus dem hohen Norden) Meine Sicht hinter dem Tor auf den Gästebereich im Stadion war suboptimal, aber hier will man nicht meckern. Das Foto im Bericht stammt von meinem Mitfahrer, danke dafür! Das Spiel ist schnell erzählt, Endstand 1:1 und irgendwie war es die typische Marke eines Spiels im Tulpenland. Alles wie immer und so trat man zufrieden die Heimreise an. Ein Kreuz mehr in der Liga und Sonntagabend pünktlich zum Tatort wieder in Schwechheim. Gelungener Tagesausflug! (tp)
LONDON – Für die Tage um den 4. Advent stand ein Touri-Wochenende in London mit zwei Praktikanten und wenig Fußball an, aber der berühmte 15-Uhr-Slot am Sonnabend konnte natürlich nur mit einem Spiel gefüllt werden. Und während meine beiden Mitreisenden Eichhörnchen am Buckingham Palace streichelten, ging es am Nachmittag auf eigene Faust zur Loftus Road, in den Stadtteil Shepherd’s Bush. In der Zeit, in der es noch kein EU-Daten-Roaming gab – und im UK wird es demnächst ja vielleicht wieder rückgängig gemacht – verlief ich mich am Spieltag mal im Londoner Westen und musste im strömenden Regen das Spiel an der Loftus Road quittieren. Seitdem stand noch eine Rechnung mit QPR offen.
Mit dem E-Ticket in der Tasche ging es ganz gemütlich die etwa 10 Minuten Fußweg vom Bahnhof zum Stadion. Vor Ort wird das Ticket sogar gebührenfrei in ein Hardticket umgetauscht. England halt. Das Stadion liegt mitten im Wohngebiet, wirkt von außen aber völlig unscheinbar. Innen fällt gleich die Enge auf und eine schöne Schicht Patina, die sich wie Puderzucker auf das Stadion gelegt hat. Verbeueltes Metall, Flutlichtmasten mit Flugrost, bröckelnder Beton und ausgeblichene Farbe. Außerdem sorgen die sogenannten „Safe-Standing-Plätze“ hinter dem Tor für Wohlgefallen und hier ist man noch so nah am Geschehen dran, dass die Spieler beim Einwurf mit den Zuschauern sprechen können. Der alte „Griffin Park“ vom Nachbarn aus Brentford wurde immer genannt, wenn es um den letzten Sehnsuchtsort in Englang ging, aber nur ein paar Kilometer weiter – in Shepherd’s Bush – steht eine weitere Zeitkapsel, die aktuell auch nicht von irgendwelchen kühnen Neubauplänen bedroht ist.
Als Gast an diesem 22. Spieltag kündigte sich der englische Meister von 2016 an: Leicester City. Der Neunte empfing den Zehnten. Nichts Besonderes und das sah wohl auch Leicester so, die den Auswärtsblock irgendwie einigermaßen füllten, aber gar nicht auf sich aufmerksam machten. Keine Zaunfahnen, keine Gesänge und farblich fiel man auch nicht auf. Dazu kam ein Spiel, bei dem der PL-Absteiger von Beginn an nichts zu melden hatte. Schon nach 2 Minuten klingelte es im LCFC-Kasten und gerade, als die Gäste etwas besser ins Spiel kamen, legt QPR nach. Damit nicht genug, kurz darauf folgte das 3:0 und die Loftus Road verwandelte sich in ein Tollhaus, das zwischen den ganzen Toren immer wieder Hits wie „Zombie“ von den Cranberries oder „Last Christmas“ von George Micheal aus vollen Kehlen zum Besten gab. Es verging keine Minute, in der nicht gesungen und abgefeiert wurde. Es ist lange her, dass man auf der Insel von so einer ausgelassenen Stimmung umgeben war. Stichwort: Zeitkapsel.
Der absolute Höhepunkt folgte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als der Senegalese Amadou Salif Mbengue praktisch von der Torauslinie den Ball ins Tor drosch und die Loftus Road endgültig im Freudentaumel versank. 4:0 zur Halbzeit: Die Spieler und Zuschauer der „R’s“ verabschiedeten sich ungläubig und euphorisiert in die Pause. Damit war aber auch klar, dass das Spiel entschieden war. QPR würde einen Gang zurückschalten und Leicester versuchen, sich noch irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Nach einem guten Beginn der „Hoops“ und keinem weiteren Treffer, kam es auch genauso: Die Rangers wollten nicht, Leicester konnte nicht mehr. Obwohl die Gäste zu keiner einzigen Chance im ganzen Spiel kamen, erhielten die „Foxes“ in der Schlussphase einen Handelfmeter. Doch auch der ging an den Pfosten, immerhin wurde der Nachschuss hineingestolpert, was zum Endstand führte. Die große Zeit von Leicester scheint endgültig vorbei zu sein. Aber die große Zeit von QPR hat vielleicht gerade wieder begonnen. (mm)
18.12.2025 UEFA Conference League Selhurst Park Zuschauer: 21.302
LONDON – Stell dir vor der Fünfte aus der Premier League bestreitet ein Heimspiel und du kannst eine Stunde vor dem Anpfiff im Ticketshop vor Ort einfach so drei Eintrittskarten auswählen. Der wunderbaren „Conference League“ sei Dank spielte es keine Rolle, dass es wegen eines angeblichen Geoblockers online vorab mit der Ticketbeschaffung nicht klappte. General Sale bei Crystal Palace und Tickets für Jedermann – und das obwohl für beide Teams noch einiges auf dem Spiel stand an diesem Abend.
Während bei Palace mit einem Sieg die Play-Offs hätten vermieden werden können, benötigten die Gäste aus Finnland jeden Punkt für das erstmalige Bestehen einer Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend traten einige hundert Fans aus der Region Savo die lange Reise nach London an und lieferten über 90 Minuten grundehrlichen Support ab. Die meisten Anhänger von KuPs sahen zwar aus wie erlebnisorientierte Fußballmenschen halt aussehen, aber wirklich organisiert traten die Finnen nicht auf und auch der Altersschnitt hinterließ einen munter durchgemischten Eindruck. Aber gerade dieser authentische Auftritt erzeugte letztlich Sympathien.
Hinter dem Eintritt in den Selhurst Park standen aber – wie gesagt – noch einige Fragezeichen. Tickets für das Match waren online einfach nicht zu kriegen. Egal mit welchem Endgerät, in welchem Land und mit oder ohne VPN – der Zugriff auf den Warenkorb wurde immer wieder geblockt. Karten im Shop gab es immerhin reichlich und das ohne Auflagen. Die Hoffnungen ruhten auf der guten, alten Tageskasse und da Onkel Rainer neuerdings eine frühe Verbindung am Donnerstag vom Flughafen Schwechheim nach London anbietet, gab es auch keinerlei Zeitprobleme am Spieltag. Nachdem man am Bahnhof „Norwood Junction“ in einem immer voller werdenden Pub versank, ging es dann zu Fuß eine gute Stunde vor dem Anpfiff zum Stadion. Am Ticket Office gab es nicht mal eine Schlange.
Vor rund 6 Jahren wurde der Erstbesuch im Selhurst Park absolviert. Mit zwei Praktikanten im Schlepptau war das Spiel trotzdem die richtige Wahl an diesem Abend, obwohl auch ein ungekreuzter Ground zur Verfügung stand. Das Stadion und die Lage waren Überzeugung genug für einen Revisit. Auf dem alten Main Stand wurde sich diesmal direkt gegenüber der Gästefans platziert. Und das war ein guter Ort, denn die Nummer 17 von Palace – Christantus Uche – erzielte per Außenrist direkt nach fünf Minuten auf dieser Seite das traumhafte 1:0. Nach diesem Tor gab es noch ein paar gute Aktionen von den Briten und keine einzige Torchance für die Finnen. Bei Palace standen ein 16- und 17-Jähriger in der Startelf und vor allem der jüngste Akteur auf dem Platz – Joel Drakes-Thomas – überzeugte durch gepflegte Ballbehandlung.
So hätte der Europapokal-Abend auch zu Ende gehen können. Irgendwann wäre vielleicht das 2:0 gefallen. Doch die B-Elf von Palace hatte dann doch nicht genug Substanz und Kuopio griff nach dem letzten Strohhalm. Keine Stunde war gespielt, da stand es nach einem Doppelschlag plötzlich 1:2, wobei der letzte Treffer nach einem Eckball etwas glücklich zu Stande kam. Aber egal – jetzt hatten wir ein Fußballspiel und wer hätte ernsthaft gedacht, dass dieser Abend noch in eine Europapokal-Schlacht mündet? Das Heimpublikum war nur kurz konsterniert und gab der Mannschaft akustisch bald wieder Auftrieb. Dabei muss gesagt werden, dass die „Fanatics“ auf der Hintertortribüne trotz der jahrelangen Beständigkeit immer noch wie die Karikatur einer Ultragruppe wirken. Am Anfang waren die Jungs gesanglich noch motiviert, aber auch weil der harte Kern nur aus ein paar Dutzend Leuten besteht, hatte der Auftritt rasch keine Wirkung mehr.
Trotzdem war das Publikum spätestens nach einer Roten Karte für die Finnen ab Minute 73 wieder da und als kurz darauf per Kopfball der Ausgleich fiel, stand das Spiel auf Messers Schneide. KuPs warf sich in jeden Ball und nachdem einige brenzlige Situationen überstanden waren, rissen die Gäste mit dem Schlusspfiff die Arme in die Höhe. Der aktuelle Meister der Veikkausliiga übersteht erstmals in seiner Geschichte eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb! Finland’s greatest Hits at Selhurst Park – die Jungs aus Kuopio feierten eine wahre Abrissparty auf dem „Arthur Wait Stand“.
Und Palace? Die müssen am Samstag (!) schon wieder bei Leeds United ran, weswegen Coach Oliver Glasner die Ehrenrunde in den Play-Offs dank der Startelf-Rotation „ein wenig in Kauf nahm“. Den Finnen dürfte dieser Umstand egal gewesen sein. Allein der Torschütze zum 1:0 für die Engländer weist einen doppelt so hohen Marktwert auf wie der gesamte Kader von KuPs. (mm)
Es ist Freitag, und für viele ist es heute der letzte Arbeitstag im Jahr 2025. Wir haben euch in diesem Jahr viele schöne Stadionperlen präsentiert und möchten euch nun auch zur Weihnachtszeit euer Herz erwärmen. Für die 78. Ausgabe befinden wir uns in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Im Stadion Romprim bekommt der Satz „Fußball live“ eine eigene Bedeutung. Wir hoffen, dass das letzte Bundesliga-Wochenende genauso schön wird wie die Sprecherkabine!
29.11.2025 Stadion Romprim FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1
GRONINGEN – Am 13.12. erreichte ich Groningen sicher und pünktlich mit dem FlixBus. Nur wenige Minuten später saß ich bereits im Zug nach Assen. Nach einem kurzen Stopp in einer Frituur stand der erste Ground des Tages auf dem Programm. Meine Wahl war auf ein Spiel im CATAWIKI Sportpark gefallen, da der Ground laut Bildern auf Europlan und Futbology über eine ansprechende Tribüne verfügen sollte.
Die Ernüchterung folgte jedoch prompt: Seit September dieses Jahres ist die Tribüne bereits Geschichte. Immerhin wurden einige Sitzschalen auf den Stufen des Stadions platziert. Sportlich bot die Partie dennoch einiges. In einem intensiven Spiel gelang es den Gästen von IJsselmeervogels, einen 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 umzuwandeln. Kurz vor Spielende vergaben sie sogar die große Chance auf den Sieg per Elfmeter.
Das eigentliche Highlight der Tour sollte jedoch am Abend folgen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem letzten Spiel im legendären Stadion Oosterpark wurde diese Partie nun im Neubau ausgetragen. Ein würdiger Anlass, um die alte Spielstätte mit zahlreichen Aktionen zu ehren.
Rund um das Stadion erinnerten Fotos und Texte an die frühere Heimat des Vereins. Die Mannschaft lief in eigens gestalteten Sondertrikots auf, während auch die Anzeigetafel optisch an vergangene Zeiten angelehnt war. Die aktive Fanszene beteiligte sich mit großem Engagement: Vor dem Spiel wurde zu einem Fanmarsch vom Oosterpark zum Stadion aufgerufen. Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten die Fans auf nahezu allen Tribünen – Gästeblock und VIP-Bereich ausgenommen – eine beeindruckende Choreografie. Dargestellt war das berüchtigte alte Stadion, mittig das bekannte Eingangstor, unter dem sinnbildlich ein Vater mit seinem Sohn stand. Ergänzt wurde das Bild durch einen der markanten alten Flutlichtmasten. Der gezündete grüne Rauch kam dabei leider nicht ganz zur gewünschten Geltung.
Auf der Piet-Fransen-Tribüne formten hochgehaltene Pappen den Schriftzug „Oosterpark“. Auch auf der Koeman-Tribüne wurde mit Pappen gearbeitet. Unterhalb der VIP-Boxen rundeten schwenkende Fahnen in den Vereinsfarben Grün und Weiß das stimmungsvolle Gesamtbild ab.
Für einen kurzen Moment schien es, als sei der Oosterpark wieder zum Leben erwacht. Und als wollte es der Zufall so, endete auch dieses Spiel mit dem gleichen Ergebnis wie vor 20 Jahren. Groningen dominierte die Partie über weite Strecken und nutzte eine lange Überzahl konsequent, um am Ende einen souveränen 3:0-Erfolg einzufahren.
Während die Fans den Sieg noch ausgiebig feierten, verließ ich zügig das Stadion und machte mich auf den Weg zum FlixBus, der mich zurück nach Hamburg bringen sollte. (fj)
07.12.2025 Super League Stadion Schützenwiese Zuschauer: 8.700
WINTERTHUR – Eigentlich sollte hier ein Text aus Bern stehen. Doch statt ins Wankdorfstadion ging es ins Elisabeth-Schwarzhaupt-Krankenhaus nach Schwechheim. Kein Flieger in die Schweiz und kein Spektakel bei den Young Boys Bern, dafür eine Irrfahrt ins Hospital und Schlagseite in der Notaufnahme. Der Daumen unseres Redakteurs (tp) hing nach einem tiefen Glasschnitt am seidenen Faden und die Reise ins Ausland wurde gestrichen. Wie gut, dass ein Teil der Redaktion ein Wochenende zuvor in der Schweiz weilte.
Die Entscheidung letzte Woche einen Bericht aus St. Gallen oder Winterthur zu bringen, war ohnehin eine ganz knappe gewesen. Hätten wir einen Volksentscheid ausgerufen, dann wäre das Votum vermutlich 51:49 ausgefallen. Aber so folgt an dieser Stelle nochmal ein kurzer Abriss über den Besuch beim FC Winterthur, auch weil sich tatsächlich letzte Woche neue Entwicklungen angekündigt haben, die wir hier gerne erwähnen möchten.
Nach einer Sightseeing-Runde im schönen St. Gallen ging es per Zugfahrt nach Winterthur. Hier profitierte man tatsächlich von einer Zugverspätung der SBB, ohne die Winterthur eine halbe Stunde später erreicht worden wäre. Auch in der sechstgrößten Stadt der Schweiz wurde eine kleine Touri-Runde durch den Stadtkern gedreht und der Ort als eher unspektakulär eingestuft. Nach der Bummelei und vor dem Fußballspiel musste noch ein kleines Problem gelöst werden – der Rucksack stand dem Spielbesuch im Weg. Die Schließfächer im Hauptbahnhof waren alle belegt und Plan B sah vor, wahllos in einem Hotel nachzufragen ob die Tasche gegen einen kleinen „Obolus“ verwahrt werden könne. Nur war in der Altstadt irgendwie kein großes Hotel aufzutreiben und der Weg ging schon wieder Richtung Spielort, um sich vielleicht irgendwie ins Stadion reinzusabbeln…
Am Rande der Altstadt passiert man ein großes Gebäude – das Kunstmuseum. Und da fiel plötzlich der Groschen: In den Museen gibt es ja oft Spinde, um seine Habseligkeiten zu verschließen. Und das Kunstmuseum Winterthur ist in dieser Hinsicht wirklich exzellent aufgestellt. Abschließbare Schränke ohne Gebühr bietet das KMW an. Zugegeben: Die feine englische Art war das nicht, aber der Zweck heiligt die Mittel. Außerdem sollte sich der „Move“ auch noch etwas rächen. Beim Verlassen des Museums musste an der Kasse unbedingt noch die Öffnungszeit ermittelt werden, diese fiel mit 17 Uhr positiv aus. Doch auf dem Weg zum Stadion fing es an zu tröpfeln. Und der Regenschirm? Der lag im Spind. Nochmal ins Museum? Das wäre einmal zu viel gewesen.
Also ab zur Schützenwiese – und viel zu früh hinein in die Bude. Das Stadion war am Ende ausverkauft und auch aufgrund der stolzen Preispolitik in der Schweiz lag der gebuchte Platz hinter dem Tor, neben den Gästefans. Ein Weg zur Haupttribüne bestand nicht, das einzige Tor war bewacht und abgeschlossen. Auch Regenschutz war kaum vorhanden. Die Hoffnung noch ein Stückweit auf der Geraden zu stehen, wie das gegenüber bei der „Sirupkurve“ der Fall ist, erfüllte sich nicht. Immerhin biegt sich in Winterthur die Kurve etwas Richtung Eckfahne, so dass die Sicht auf die Gästefans am Ende ganz passabel ist. Für 25 Franken ist das okay. Basel konnte den Block restlos füllen und punktete mit Dauersupport. Allerdings verzichtete der FCB auf jegliche Effekte und auch die Mitmachquote fiel teilweise mager aus, so dass die „verklausulierte Sicht“ auf die Gästefans am Ende nicht wirklich schadete.
Die Veranstaltung gefiel eher aus Sicht des Heimvereins. „Winti“ steht auf dem letzten Platz der Super League. Dennoch ist aktuell fast jedes Spiel ausverkauft und der Verein scheint einfach tief verankert zu sein im Ort. Das geflickschusterte Stadion vereint die ganze Silhouette der Stadt. Der große Klotz hinter dem Gästeblock ist das „Sulzer-Hochhaus“. Bis 2003 das höchste Gebäude der Schweiz. Hinter der „Bierkurve“ grüßt der Turm der St.-Peter-und-Paul-Kirche und der Bahnhof ist auch keine 10 Fußminuten von der Schützenwiese entfernt.
Das Stadion ist wirklich unkonventionell und bringt Spaß. Neben einer alten Haupttribüne gibt es Stufen hinter dem Tor und ausgerechnet die neue Tribüne auf der Längsseite ist eine reine Stehplatztribüne. Entsprechend authentisch ist die Stimmung Einfach top! Doch nur ein paar Tage später flatterte die Nachricht ins Haus, dass dem FCW 35 Millionen Franken bewilligt wurden, um das Stadion auszubauen. Die Hintertorseiten sollen durch neue Tribünen ersetzt werden.
Es könnte gut sein, dass das modifizierte Stadion in der zweiten Liga eingeweiht wird. Denn „Winti“ konnte sich an diesem verregneten Sonntag-Nachmittag nicht mit einem Punktgewinn belohnen, dabei spielten die Nordostschweizer den Favoriten teilweise an die Wand. Ex-Bundesliga-Keeper Marwin Hitz im Kasten der Basler scheint nicht viel von seinen Fähigkeiten verlernt zu haben und vereitelte Chance um Chance. Der FCB verwandelte gleich die erste Möglichkeit nach rund einer halben Stunde in Person von Xherdan Shaqiri. Doch der FCW glich direkt nach der Pause per Kopfball aus. Auch danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Basel ein VAR-Elfmetergeschenk nicht verwandeln konnte. Ein Punkt für beide Teams wäre echt okay gewesen, doch die Gäste duselten Sekunden vor Schluss nach einer Ecke mit mehreren abgeblockten Schüssen noch einen Ball ins Netz – und ließen sich nach einer überaus mäßigen Leistung am Ende als großer Sieger feiern. Wird schon seinen Grund haben, warum Winti auf dem letzten Platz steht.
Nach dem Schlusspfiff führte der Weg über die Haupttribüne aus dem Stadion heraus – netterweise wurde nun das Eisentor geöffnet. Auf der Tribüne fand sich nicht nur eine Eintrittskarte als Souvenir, sondern auch ein herrenloser Regenschirm und nachdem der Niederschlag mit dem Spielende nochmal eine Schippe draufgelegt hatte, ging sich der Weg zum Museum mehr oder weniger trockenen Fußes aus. Den Rucksack aus dem KMW zu holen, war anschließend überhaupt kein Problem und das Geld, das man für die Schließfächer oder den Museumseintritt gespart hatte, landete letztlich auf dem Weihnachtsmarkt und sorgte für einen vollen Magen. Raclette und Gerstensuppe waren für den Redakteur aus dem fernen Schwechheim genauso „unique“ wie das wunderbar zusammengewürfelte Stadion Schützenwiese. (mm)
GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.
Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.
Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.
Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!
Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?
Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)
12.12.2025 Landespokal Hamburg Stadion Hoheluft Zuschauer: 1.512
HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.
Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.
Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.
Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.
Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)
04.12.2025 Shopee-Cup – ASEAN Club Championship Thuwunna Stadium Zuschauer: 201
YANGON – Reisen nach Asien verlangen dem gemeinen Hopper immer ein gewisses Maß an Geduld, Flexibilität und Leidensfähigkeit ab. Spontane Spielabsagen oder Verlegung in andere Spielorte, natürlich beides kurzfristig und häufig nicht kommuniziert, Flugverschiebungen oder auch ganze Stornierungen stehen häufig auf der Tagesordnung. Nachdem aus vorgenannten Gründen die Komplettierung der ersten Liga in Singapur scheiterte, musste man auch um den Länderpunkt Myanmar zittern, nachdem der gebuchte Flug von 4 Uhr morgens auf 13 Uhr verlegt wurde. Es blieben somit keine drei Stunden zwischen geplanter Landung und Anstoß. Um es vorwegzunehmen: Auf eines ist in Asien dann doch relativ Verlass, die Flieger heben zumeist pünktlich ab, und so war der Stempel bereits 20 Minuten vor avisierter Landung im Pass. Aber von vorn: Bereits im September fiel mir bei der Planung diese Partie im Shopee Cup ins Auge und so wurden die Flüge gebucht und das E-Visum beantragt. Hierbei empfiehlt sich rechtzeitiges Handeln, zwar wird eine Bearbeitungszeit von 7 Tagen angegeben, dies ist aber nur als Richtwert zu verstehen und hat den Einen oder Anderen schon den LP gekostet, da der Flug ohne Visum nicht angetreten werden konnte.
Der Shopee-Cup ist ein Wettbewerb mit Sponsornamen und wurde vor zwei Jahren reformiert wieder neu aufgelegt. Es ist eine internationale Meisterschaft nur für die 11 südostasiatischen Länder, es qualifizieren sich die Meister und Pokalsieger. Länder mit schwächeren Ligen, wie zum Beispiel Timor-Leste oder Brunei, durchlaufen vorher eine Qualifikation. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mannschaften. Die Termine sind sehr verlässlich und lassen auch eine längerfristige Planung zu. Mit Landung dauerte es dann keine 10 Minuten bis man den Grenzer von der vorhandenen Hotelbuchung und Rückflug überzeugen konnte und der Stempel geschwungen wurde. Am Airport gibt es dann die Möglichkeit eine eSim zu kaufen, welche mit ca. 8€ kein allzugroßes Loch im Reisebudget hinterlässt. Da im Land die gängigen Kartenaussteller keine Zahlungen zulassen, sollte man ausreichend Bargeld mitnehmen. Grab funktioniert mit Barzahlung einwandfrei. Der Umtauschkurs am Flughafen war deutlich besser, als vorher im Netz nachzulesen war. Es empfiehlt sich trotzdem vorerst nur kleinere Summen zu tauschen, da der Kurs in der Stadt dann doch nochmal besser ist. (1:4500 anstatt 1:3500). Es existiert zudem auch ein Schwarzmarkt mit Geldtausch aus dem Kofferraum, dieser wurde jedoch nicht genutzt; Kurse sollten hier aber nochmal besser sein. Das vorher auf Booking gebuchte Hotel konnte sogar in Euro bezahlt werden. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns vom Flughafen direkt zum Ground zu düsen. Das Gepäck gaben wir im Goal Hotel zur Verwahrung ab, wobei man hier nicht einmal unser Tipp annehmen wollte. Das Thuwunna Stadium ist das Nationalstadion von Myanmar und neben den Länderspielen finden hier auch sämtliche internationale Clubspiele statt. Bei unserer Stadionrunde vor dem Spiel fiel uns auf, dass wir hier nicht nur eine traumhafte Gammelbude erwischt haben, sondern dass sich auch einige Menschen im Umlauf häuslich eingerichtet haben und wir gerade durch ihre Wohnzimmer spazierten. Gastgeber am heutigen Tag war Shan United, ein professioneller Verein aus Taunggyi, im Shan-Staat von Myanmar. Der 2005 gegründete Club ist der aktuelle Ligakrösus mit 5 Meisterschaften in Folge. Auf der sehr aktuellen Instagramseite des Clubs verrät man auch mit Stolz, dass man bereits seit 88 Ligaspielen ungeschlagen ist. International reißt man jedoch keine großen Bäume aus und so gab es eine verdiente 0:3 Niederlage gegen den vietnamesischen Vertreter Nam Dinh FC, den ich bereits letztes Jahr besuchen durfte. Nam Dinh kann man getrost als Traditionsverein bezeichnen, der nicht zuletzt dank eines potenten Sponsors, der auch im offiziellen Namen wiederzufinden ist, zu alter Stärke zurückgefunden hat. So konnte man auch unter Mithilfe einiger überwiegend brasilianischer Legionäre zuletzt zwei Meistertitel in Folge feiern.
Nach dem Spiel ging es zum Hotel zum schnellen Check In und man verabredete sich mit einer Hopperlegende, die zufällig mit gleichem Ziel im Flieger saß zum Länderpunktbier. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur 19th Street, dem Hotspot für abendliche Aktivitäten in Yangon. Aber auch schon der Weg dorthin war ein Schmankerl: unzählige teils katzengroße Ratten, die sich zwischen schlafenden Obdachlosen und Müllbergen austobten säumten unser Weg. Auch das ist eben die Realität in einem der ärmsten Ländern der Welt und ließ einen mal wieder erden. Die andere Seite der Medaille wurde dann in der angesprochenen Partymeile vorgefunden, in der viele überwiegend junge Myanmaren die Nacht zum Tag machten. Wir schlossen uns an, genossen unser gezapftes LP Bier für umgerechnet 86 Cent und beobachteten das Treiben und die zunehmenden Alkoholleichen. 23 Uhr war dann aber in allen Läden Schluss und die Straßen waren auffallend leer auf unserem Nachhauseweg. In Myanmar hat die aktuell regierende Militärjunta eine Ausgangsperre von 0 bis 4 Uhr durchgesetzt, was auch zur Folge hat, dass die Grab App nicht funktioniert. Der Folgetag wurde mit Sightseeing gut rumgebracht, wobei besonders die Pagoda auf jeden Fall zu empfehlen ist. Insgesamt ein sehr interessanter Aufenthalt, man ist vielen netten Menschen begegnet und die vom Auswärtigen Amt genannten Horrorszenarien können definitiv nicht bestätigt werden. Vom Landboten gibts daher eine Reiseempfehlung – natürlich ohne Haftung. (CvS)
Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und somit auch eine neue Ausgabe von der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (77). Heute stellen wir die Kampfbahn Rote Erde vor, besser bekannt als Stadion Rote Erde, das sich direkt hinter der Osttribüne des Westfalenstadions befindet. Der Begriff Rote Erde ist eine historische Bezeichnung für das Westliche Westfalen zwischen Niederrhein und Weser. Das Stadion wurde von 1924 bis 1926 von Arbeitslosen im Rahmen von Notstandsarbeiten erbaut, und ist für mehrere Veranstaltungen erbaut wurden (Fussbal, Boxen, Leichtathletik). 1929 fand hier das Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft 1928/29 statt, zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC, das die Alte Dame mit 4:1 für sich entschied. Die Rekordkulisse stammt vom 19.01.1948 und beträgt 46.000 Zuschauer im Oberligaspiel zwischen dem BVB und dem S04. Die heutige Kapazität beträgt nur noch 25.000.
29.04.2023 Stadion Rote Erde Borussia Dortmund II – SV Elversberg
LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten. Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.
Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen. Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.
Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)
06.12.2025 Super League Kybunpark Zuschauer: 18.854
SANKT GALLEN – Die Anreise nach St. Gallen lief wie folgt ab: Autofahrt von Schwechheim nach Potsdam, Zugpendel via Leipzig, paar Stunden Schlaf in Berlin, Flug nach Basel, Tingelfahrt mit der Bahn über Deutschland nach Gottmadingen, Weihnachtsmarkt-Besuch in Konstanz und schließlich eine 30-minütige Zugfahrt mit der SBB nach St. Gallen, die fast so teuer war, wie alle anderen Fahrten und Flüge zusammen. Dabei hätte man noch locker im Hotel am Bahnhof in St. Gallen einchecken können. Doch die Schweizer Bundesbahn hat – wie erwähnt – ihren Preis und wartete in Konstanz nicht wenige Minuten auf die Anschlussreisenden.
Das Spiel war dadurch zum Glück nie in Gefahr, doch natürlich galt es das Gepäck vorher noch wegzubringen und das kann immer knifflig werden, wenn man es vorher nicht mehr ins Hotel schafft. Durch die spätere Bahn ging es sofort zum Stadion. Der „kybunpark“ liegt außerhalb, aber sowohl Bus- als auch Zugverbindungen bringen den Fußballkonsumenten in 5-10 Minuten zur Arena, die ein klassischer Neubau aus den 2000ern ist. Recherchen und Nachfragen hatten ergeben, dass es keine Taschenaufbewahrung gibt. Da aber eh der Umtausch von E- in Hardticket anstand, wurde an der Kasse auf doof gestellt – und siehe da: Es gibt Schließfächer. Kostenlos. Perso gegen Schlüssel. Auf die Schweiz ist eben Verlass – im Stadion wie auf der Schiene.
Nun lief die Zeit wieder gemächlich, wie den ganzen Tag über eigentlich schon. Durch die frühe Landung um 7.30 Uhr am EuroAirport in Basel gönnte man sich den Luxus bei der Anreise die „Banane“ über Deutschland zu fahren, was im Besitz des Deutschland-Tickets sehr viel Geld spart und zur Folge hatte, im südbadischen Gottmadingen auf einer alten Holztribüne noch kostenneutral Landesliga schauen zu können. Über die Schweiz wird ja immer viel gemeckert, das ist altbekannt, aber die hohen Kosten für Zugfahrten sind seit dem letzten Besuch bei den Eidgenossen irgendwie explodiert. Gut 60€ für etwas über 1h Fahrt mit der Regionalbahn an 2 Tagen oder umgerechnet gut 100 Straßenkilometer, das ist schon eine Ansage. Wenn man die moderaten Spritpreise sieht, die sich simultan zu Deutschland ziemlich genau zwischen 1 und 2 Euro bewegen, kann man das doch auch als Schweizer nicht gutheißen, für ein Massentransportmittel den zigfachen Preis wie für den Individualverkehr zu berappen.
Zum Glück wurde nicht viel Strecke auf Schweizer Gebiet zurückgelegt. Und abgesehen vom letzten verpassten Zug verlief der Tag ohne Ärgernisse. Hinein ging es in den „kybunpark“ zum Top-Spiel in der „Super League“. 25 CHF für ein Sitzplatz war hier ein mehr als fairer Kurs, doch der gebuchte Platz hinter dem Tor hatte zur Folge, dass man die Auswärtsfans nur im Seitenprofil sah und sowohl Gitterstäbe als auch Netze die Sicht auf’s Spielfeld trübten. Tickets auf den Geraden für 80 CHF waren nicht vermittelbar. Immerhin genoss man an der Ecke vom Block perfekte Sicht auf die Choreo des „Espenblocks“. Hier wurde eine Blockfahne mit „grünen Weihnachtsmännern“ passend zum Nikolaustag hochgezogen und mit Blinkern und „Schneekonfetti“ komplettiert. Sah knuffig aus und unter dem Strich überrascht die Heimkurve schon auch durch ihre Größe. Die Hintertorseite war voll, die Mitmachquote stabil und mit ihren olivgrünen Einheitsjacken gab der Espenblock ein gutes Bild ab. Auf die Schweiz ist Verlass.
Ab der Halbzeit wurden die Eingänge nicht mehr überwacht. So ging sich der zweite Abschnitt mit Frontalsicht von der Haupttribüne auf den Gästeblock aus. Über Zürich müssen wir da eigentlich nicht reden. Auch der Auswärtsblock pickepackevoll, mit viel Chaos, Lautstärke und Pyro. Dazu kam das Spiel, in dem Zürich mit gezielten, schnellen Angriffen zwei Mal in Führung ging. St. Gallen als Tabellenzweiter zunächst mit viel Mut am Ball und dem schnellen Ausgleich, doch im zweiten Abschnitt ging den Hausherren die Puste aus, das galt auch ein wenig für die Kurve. Zürich machte seine Sache nämlich wirklich gut, beschäftigte die „Espen“ in der eigenen Hälfte und hätte noch höher gewinnen können. Durch den Auswärtssieg mischt der FCZ wieder im Meisterschaftsrennen mit. Seit dem Trainerwechsel im Oktober befindet sich „Züri“ im Aufwind.
An der Spitze der Liga thront weiterhin – sensationell – der Aufsteiger aus Thun mit nun 6 Punkten Vorsprung. Doch nun, wo es Richtung Meisterschaftsrunde geht, scharren auch die großen Vereine mit den Hufen. Mittendrin liegt der FC St. Gallen weiterhin auf Rang zwei. Wenn es mit dem Titel klappen sollte, wäre es die dritte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und die erste seit dem Jahr 2000. Wenn es nicht klappt, wäre es auch nicht so schlimm: Auf den zweiten Titel wartete der älteste Fußballverein Kontinentaleuropas (Gründungsjahr: 1879) satte 96 Jahre. Wie gesagt: In der Schweiz sollte man viel Zeit mitbringen. (mm)
06.12.2025 Championship Bramall Lane Zuschauer: 28.044
SHEFFIELD – Dass mich der Fußball jedes Jahr zum Boxing Day auf die Insel bringt, ist mittlerweile zur Tradition geworden. Auch dieses Jahr ist wieder eine Tour über die Feiertage geplant, denn das langfristige Ziel ist klar: der Besuch aller Stadien der ersten vier Profiligen – kurz: „die 92“. Eigentlich sollte es zum Neujahrskick nach Sheffield gehen, um Sheffield United gegen Leicester zu sehen. Doch am Nikolaustag wurde tatsächlich Sheffield United gegen Stoke City angesetzt und um 19:30 Uhr das FA-Cup-Spiel zwischen Chesterfield und Doncaster. Perfekt zum doppeln, da beide Städte nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen.
Nach der Anreise aus Berlin über Manchester wurde Sheffield pünktlich erreicht und nur 20 Minuten später standen wir bereits vor dem Stadion von Sheffield United: der Bramall Lane, dem ältesten Fußballstadion der Welt, in dem noch heute professioneller Fußball gespielt wird. Es wurde 1855 eröffnet, und das erste Spiel fand 1862 gegen den FC Hallam statt – jenen Verein, der bis heute auf dem ältesten Fußballplatz der Welt (Sandygate Road) spielt. Die Stadt Sheffield steckt voller Tradition, denn mit Sheffield FC ist hier auch der älteste Fußballverein der Welt beheimatet. Heute sollte es jedoch, wie erwähnt, zum Championship-Spiel von Sheffield United gegen den Tabellenvierten Stoke City gehen. Die Ausgangslage schien klar: Nach 18 absolvierten Spielen und 19 Punkten stand Sheffield vor der Partie auf Rang 19. Doch statt der erwarteten Heimniederlage kam alles anders. Sheffield dominierte das Spiel und führte zur Halbzeit durch Treffer von Guinness, Seriki und Bamford bereits mit 3:0. Einen weiteren Treffer erzielte Peck in der 77. Minute souverän vom Punkt und wurde von den eigenen Fans mit Sprechchören gefeiert.
Mit dem 4:0-Endstand kann man nun selbstbewusst in die englische Woche und das Heimspiel gegen Konkurrent Norwich gehen. Nach der Insolvenz von Sheffield Wednesday, die wegen eines Punktabzugs aktuell bei –10 Punkten stehen und wohl den Weg in die League One antreten müssen, bleibt zu hoffen, dass zumindest ein Verein aus Sheffield in der zweithöchsten Spielklasse verbleibt. Das Spiel in Chesterfield wurde pünktlich erreicht, doch Will Grigg und Co. konnten sich nicht für die 1:5-Pleite bei Doncaster in der EFL Trophy revanchieren und schieden nach einer 1:2-Heimniederlage nun auch aus dem FA Cup aus. (fj)
LEIPZIG – Am Wochenende wartete die Schweiz. Doch über den Anreiseweg und die Freitagabend-Beschäftigung wurde lange Zeit gegrübelt. Schließlich stach ein 6-Uhr-Flug von EasyJet ab Berlin ins Auge, der am Samstag nach Basel abheben sollte. Preislich lagen wir hier bei 3-4 Schachteln Zigaretten, hinzu kam ein Ersparnis in Sachen Übernachtungskosten: Die paar Stunden bis zum Boarding nickerte man am BER ab. Um so richtig müde am Flughafen anzukommen, sollte es kein neuer Ground in der Hauptstadt werden, stattdessen wurde ein Revisit im Bruno-Plache-Stadion vorgezogen. Beim „Bruno“ lag nach einem torlosen Erstbesuch noch eine offene Rechnung vor.
Die Fahrt mit der einzig dafür in Frage kommenden Bahnverbindung klappte hervorragend und in Leipzig angekommen, fuhr die Straßenbahn ebenso zügig Richtung Probtsheida. Erstes Erschrecken an der Kasse. Die „Loksche“ nimmt aktuell Kurs auf die 3. Liga und die Tageskarten-Preise wurden schon mal angepasst: 20€ für den Stehplatz auf dem „Dammsitz“. In der Bundesliga gäbe es Proteste gegen so eine Preisgestaltung. Für 4€ oben drauf ging es auf die „Zusatztribüne“ zwischen Heimkurve und Haupttribüne, die vor 5 Jahren noch nicht im Rund stand.
Die Zusatztribüne passt nicht gut ins „Bruno“. Aber als Groundhopper hat man dort alles im Blick und wird höchstens von ein paar Rentnern flankiert. Alles im Blick zu haben, sollte sich durchaus lohnen. Denn in den ersten 12 Minuten wurde nicht mehr geschwiegen, stattdessen startete Zwickau mit einem Intro, in dem gegen Polizeiwillkür protestiert wurde. Der Block war dabei oben und unten mit einer Stoffbahn eingerahmt. Blinker ergänzten das Kurvenbild optisch ansprechend. Gute Aktion und auch in der Folge präsentierten sich die etwa 800 Auswärtsfahrer aus Westsachsen von ihrer besten Seite. Der FSV hatte in der zweiten Halbzeit dann sogar ein „Double Feature“ am Start: „25 Jahre Ultras Dynamo“ feierte Zwickau mit der Dresdner Zaunfahne vor’m Block, dazu eine Pyroshow und durchgehender Support. „Red Kaos“ wird selten genannt, wenn es um die Top-Acts im Osten geht. Im „Bruno“ lieferten die Gäste aber einmal mehr ab, während die Heimkurve übersichtlich blieb.
Wie dem auch sei, der Kommentar von den Leipzigern ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten: „Zwickau f*ickt Dynaaamoooo in den A*rsch!“ schallte es aus der düsteren Kurve. Die Szenerie in Probstheida so kernig wie eh und je – nach dem Eindruck von vor 5 Jahren hatte man zwar mit einer größeren Freakshow gerechnet, aber das mag an der Dunkelheit gelegen haben. Über 6000 Zuschauer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zeugen jedenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an dem Traditionsverein, der übrigens nie eine DDR-Meisterschaft einheimsen konnte. Bis zu diesem Spieltag thronte die „Loksche“ an der Spitze der Liga und verlor kein einziges Heimspiel. Doch der Zug hat eine Bremse und die heißt Zwickau! Spielerisch kam Lok von Beginn an gut in die Partie, kassierte nach einer torlosen Vorstellung in der ersten Halbzeit jedoch einen Platzverweis – im Gegenzug traf Zwickau per Ecke zur Führung.
Leipzig mühte sich wieder Zug in die Partie zu bringen. Doch nun sah man dem FSV das Formhoch an – seit Oktober ist die Elf von Rico Schmitt ungeschlagen. Und eben jener Trainerfuchs sorgte mit einer perfekt eingestellten Mannschaft dafür, dass sich sein Team in keiner Situation die Butter vom Brot nehmen ließ. Im Gegenteil: Defensiv mussten die Gäste keine brenzlige Situation mehr überstehen und vorne trafen die Zwickauer ein weiteres Mal. Aus einer Chance machte der FSV zwei Tore, denn der Endstand entsprang einem Handelfmeter. Kurz vor Schluss gab es dennoch Aufregung auf der Gästebank, als der Busfahrer der Zwickauer von einem Becher getroffen wurde und sich eine Platzwunde zuzog. Mit dem Sieg schleichen sich die Gäste in die Spitzengruppe, doch Lok bleibt aktuell noch Tabellenerster. Ob das herrlich abgerockte Bruno-Plache-Stadion auch so bleibt, sollten die Leipziger den Aufstieg in die 3. Liga packen, steht in den Sternen. Bereits in der Sommerpause wurde eine Rasenheizung installiert und zuvor schon um Spenden für das Stadion gebeten.
Zwar gab es beim zweiten Besuch erneut kein Heimtor zu bestaunen, aber die Nullnummer von einst ist damit getilgt. Die Zeitenwende in Leipzig kann kommen. Viel Glück in der Rückrunde! (mm)
HAMBURG – Anmerkung der Redaktion: Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)
29.11.2025 Verbandsliga Sachsen-Anhalt Stadion am Schillerpark Zuschauer: 80
DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.
Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.
Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.
Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.
Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.
Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.
Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)
In Polen gibt es noch einige wunderschöne Grounds. Unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (76) stammt diesmal aus der Woiwodschaft Zachodniopomorskie. Sie ist inzwischen allerdings nicht mehr ganz so leicht zu kreuzen, denn KS Stal Szczecin trägt seine Heimspiele nur noch selten im Stadion Stoczniowy aus – meist spielt der Klub stattdessen auf dem Kunstrasenplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Das Stadion wirkt, als sei es völlig aus der Zeit gefallen. Kaputte Stufen, marode Zäune und verwitterte Bänke lassen das Herz jedes Groundhoppers höherschlagen und sorgen gleichzeitig für ungläubiges Staunen: Stal Szczecin bestritt hier einst immerhin 13 Spielzeiten in der zweiten Liga. Wer heute Glück hat und den Ground dennoch kreuzen kann, trifft dort allerdings nicht mehr auf Gegner wie Arka Gdynia, Lechia Gdańsk oder Jagiellonia Białystok, sondern eher auf MKS Osadnik Myślibórz oder KS Wołczkowo-Bezrzecze
22.05.2021 Stadion Stoczniowy KS Stal Szczecin – DKS Jantar Dziwnów – 0:1