„OSTERÜBERRASCHUNG MIT CHOREOS UND IRON MAIDEN“
04.04.2026
Série A
Estádio São Januário
Zuschauer: 20.072
RIO DE JANEIRO – Beeindruckt von den Erlebnissen der Redaktionskollegen (tp) und (fj) in Südamerika letztes Jahr stand für mich fest, dass ich 2026 nachziehe. Vor einem halben Jahr sah ich für Ostern erschwingliche Flüge von Schwechheim über Madrid nach Rio de Janeiro und zurück. Nebenbei auch noch zwei Urlaubstage gespart, da fiel die Entscheidung nicht schwer.
Schwerer war hingegen die Ticketbeschaffung. Vereine in Brasilien mit einer Stadionkapazität von 20.000 Zuschauern und mehr müssen ihre Karten mit biometrischer Erfassung verkaufen. Vor Ort schaut man in eine Kamera und nach Bestätigung der eigenen Visage öffnet das Drehkreuz. Ich fühlte mich an China erinnert und war erschrocken, dass sich dieser Mist immer weiter verbreitet.
Aber es nützte nichts, schließlich sollte ja der Länderpunkt fallen. Die Registrierung mit Reisepass und Selfie klappte schon in Deutschland, aber kurz vor dem freien Verkauf konnte ich mich nicht mehr einloggen. Die Funktion „Passwort vergessen“ klappte auch nicht und so musste ein neuer Account her.
Allerdings war der Reisepass ja bereits hinterlegt und so nahm ich den alten, der noch in der Schublade lag. Ging letztendlich, war aber super nervig. Im Nachgang stellte sich heraus, dass das System wegen meiner deutschen E-Mail-Adresse Zicken machte. Nehmt besser Google oder Hotmail.
Vorm „Clássico da Amizade“ verbrachte ich den Tag zunächst in Leblon und Ipanema am Strand. Das Lebensgefühl „Alegria“ ist wirklich ansteckend und ich fühlte mich in Rio auf Anhieb wohl. Caipirinha und das kühle Bier in der „Camisinha“ zu fairen Preisen sorgten für ein Dauergrinsen. Später genoss ich noch eine üppige Feijoada, die selbst einen guten Esser wie mich pappsatt machte.
Irgendwann wurde es aber Zeit für Fußball und ich traf mich mit (bd) aus Meppen und seiner Frau auf der Ballermeile in Stadionnähe. Grüße gehen raus! Es gab dutzende Grillstände und auch hier frisch Gezapftes zu zivilen Preisen. Im Viertel sind die Graffiti unübersehbar und die Huldigung an die Vereinslegende Roberto Dinamite sollte später noch eine Rolle spielen.
Etwa 45 Minuten vor Anpfiff betraten wir das altehrwürdige „Estádio São Januário“, welches mit seiner Hufeisenform recht selten sein dürfte. Vasco plant einen Neubau, der sich hoffentlich noch hinzieht. Die langgezogene Stehkurve ist schon phänomenal.
Auch wenn die Freundschaft in den letzten Jahren etwas bröckelte, durften die Gäste aus Botafogo den kurzen Weg fahren. Die Show des Abends sollte aber der „Força Jovem do Vasco“ vorbehalten sein, die so richtig auftischte.
Zum Einlauf der Mannschaften zogen die Fans gleich drei Blockfahnen hoch. Zusätzlich gab es ein Hochziehelement auf unserer Seite, dass eine Collage aus Zeitungsartikeln von früheren Derbysiegen zeigte. Ich bin so gar kein Musikkenner, aber die Verbundenheit der Força Jovem zu Iron Maiden war auch für mich nicht zu übersehen.
Ich kam gar nicht mit dem Fotografieren hinterher, denn die Torcida hatte bereits die Kurve komplett mit schwarzem Rauch eingenebelt. So viel Rauch hatte ich zuletzt beim Belgradderby im September gesehen und der Anpfiff verzögerte sich um mehrere Minuten.
Auch vom Support her machte Vasco einfach nur Spaß und gefühlt hatte sich die Reise schon gelohnt. Doch das war noch nicht alles. Zur zweiten Halbzeit zeigte die linke Seite eine Blockfahne mit dem Konterfei von Dinamite, der unglaubliche 698 Tore für Vasco schoss. Auf der rechten Seite war ein Meer von weißen Klatschstangen und die Botschaft, dass heute der 12. Mann das Spiel gewinnt.
Tatsächlich erzielte David nach einer Stunde das 1:0 und sorgte für grenzenlose Ekstase im Estádio. Allerdings währte die Freude nur kurz, weil Botafogo per Kopf ausglich. Auf den Rängen setzte die Torcida mit einer Blinkershow ein letztes Highlight, denn Matheus Martins brachte die Heimseite mit einem Traumtor von der Sechzehnerkante in den Knick zum Schweigen.
Danach waren nur noch die Anhänger von „Fogo“ zu hören und die Gäste brachten die Führung über die Zeit. War es verdient? Keine Ahnung. An diesem Abend stand der Fanauftritt im Fokus. Vorher hatte ich viel Positives über Vasco gehört, aber das war eine echte Osterüberraschung und Brasilien sortiert sich in meinem „Länder-Ranking“ weit oben ein. (hr)












