„DON’T WORRY…“
08.04.2026
Premier League
Dalymount Park
Zuschauer: 4.018
DUBLIN – „Wiedergutmachungstour“ auf die irische Insel nach knapp 10 Jahren. Sowohl der „Dalymount Park“ in Dublin, als auch das berühmte „The Oval“ in Belfast, hätten schon lange auf der persönlichen Bucket List abgehakt sein können, wären mir und meinen Reisekollegen damals nicht einige schicksalhafte Dinge passiert. Zu Glentoran und „The Oval“ komme ich im Laufe der Woche noch. Bei den Bohemians war es eher eine Fehlplanung: Drei Tickets für das Derby gegen Shamrock am Spieltag zu bekommen, erwies sich vor Ort als unlösbare Aufgabe. Aus Mangel an Karten ging es damals zu St. Patrick’s und nun konnten die beiden prestigeträchtigen Grounds auf einer neuerlichen Irland-Tour gekreuzt werden – und diesmal in einer ganz anderen Konstellation: Im Pärchenurlaub. Glück mit dem Spielplan und alles unter einem Hut. Das war nur gerecht nach so einer langen Wartezeit.
Zunächst ging es aber da weiter, wo es damals aufgehört hatte. Der Besuch bei den „Gypsies“ genannten Bohemians, hing die ganze Zeit in der Luft und war von vornherein wieder spontan geplant. Die ersten Tage verbrachten wir an der malerischen Westküste und die „Zurückverlegung“ nach Dublin sollte wetterabhängig erfolgen. Tatsächlich kündigte sich eine große Regenfront am Freitag über Kerry an und gegen Mittag fuhren wir etwas früher als geplant Richtung Osten. Statt der anvisierten 4 Stunden war die Fahrzeit nun mit 6 Stunden angegeben. Gut 1500km Linksverkehr in dieser Woche blieben nicht folgenlos – beim Wenden in Dingle machte die Mietkarre Bekanntschaft mit einem irischen Kantstein, was am Stoßfänger deutliche Spuren hinterließ. Mal gucken, wie das „Don’t worry“ von der Mietwagenstation mit meiner Kreditkarte korrespondieren wird…
Ich schweife ab. Doch die Laune war nicht wirklich gut und hinzu kam ein Déjà-vu: Das Spiel bei den „Boh’s“ war erneut ausverkauft. Selbst bei so einem 08/15-Gegner muss man bei dem mitgliedergeführten Traditionsverein das Ticketing mittlerweile genau verfolgen. Egal, für den Fall war die Erstliga-Partie in Dundalk geplant. Doch dank der 6h-Fahrt wurde auch dieser Plan zur Hängepartie. In Irland gibt es aktuell ziemlich krasse Proteste, die an die „Trecker-Demos“ in Deutschland vor 2 Jahren erinnern. Dadurch wird zur Zeit die Benzinversorgung teilweise lahmgelegt und Fahrzeuge blockieren die Autobahnen. Der Mob entzündet Lagerfeuer auf den „Motorways“ und hält die ganze Nacht Wache. Diverse Baustellen kommen dazu. Harte Zeiten.
Aber ich schweife schon wieder ab. Am Ende entschied ich mich für die Bohemians und gegen Dundalk – denn Gästetickets konnte man im Online-Shop für das Spiel noch problemlos buchen. Irgendwie würde ich mich vor Ort schon in den neutralen Bereich reinschnacken. Am Dalymount Park angekommen, war die erste Option zunächst, einfach mit der Karte den Eingang für die Heimfans zu testen. Und siehe da: Auf dem Gerät flammte ein grünes Licht auf und ich war drin! Auf der Hintertortribüne, perfekt.
Sligo flutete nach Anpfiff den kleinen „Mono-Stand“, aber im Notfall wäre auch dort noch Platz gewesen. Die „Szene“ besteht wohl eher aus Allesfahrern. Im Gegensatz zu den „Gypsies“, die über eine kleine Ultra-Gruppe verfügen, die zum Einlauf der Teams ordentlich zündelte. Alles in allem ging es auf der Haupt- und Hintertortribüne schon kompakt zu. Unter den Augen unzähliger deutscher Dublin-Touristen, kochte im Nieselregen der irischen Hauptstadt richtig authentische Fußball-Atmosphäre auf. Ich hätte nie gedacht, dass Songs der Gruppe „Spandau Ballett“ mal für Gänsehaut bei mir sorgen. Aber die Haupttribüne interpretierte den Hit „Gold“ wirklich exzellent. Kompliment! Es ging nahtlos weiter, denn die „Boh’s“, die oben in der Tabelle mitmischen, trafen früh zur Führung. Nichts deutete auf einen Punktverlust hin, bis Sligo kurz vor der Pause per Hacke zum Ausgleich traf. Erstmals jubelte der „Mono-Stand“, was die Heimszene nicht unberührt ließ. Hier merkt man die kulturelle Nähe zum Vereinten Königreich – „You only sing when you’re winning“.
Im zweiten Durchgang kam es noch schlimmer für Dublin. Direkt nach Wiederanpfiff gelang den Rovers die Führung. Für die Gäste eine Art Befreiungsschlag, denn bis dahin hütete man mit 5 Pünktchen gerade mal so den vorletzten Platz. Der elfmalige irische Meister wäre vielleicht zurückgekommen, doch ein Platzverweis verwässerte das ohnehin schon eher limitierte Spiel zusehends, am Ende fuhr Sligo den nicht unverdienten Auswärtssieg ein. „Don’t worry“, möchte man den Bohemians da zuflüstern. Trotz der überraschenden Niederlage steht der Verein weiter an dritter Stelle der Premier Division.
Nicht traurig sein – das könnte vielleicht auch bald für die Groundhopper-Zunft gelten. Denn das Stadion soll schon lange umgebaut werden. Das war bereits vor 10 Jahren der Plan. Seitdem wurde übrigens die halbierte Gegengerade abgerissen und der „Mono-Stand“ als Stahlrohrkonstrukt errichtet. Die Haupttribüne mit der Kirche im Hintergrund und die Hintertorseiten sind noch immer dieselben. Vor allem die gesperrte Seite hinter dem Tor gibt einen ganz wunderbar-morbiden Eindruck ab. Gut, dass der Besuch geklappt hat. Noch ein Fail bei den Bohemians wäre vielleicht nicht mehr drin gewesen. (mm)

















