Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

Sporting Charleroi – Standard de Liège 2:0

„BELGIEN WIR LIEBEN DICH”

18.01.26
Pro League
Stade du Pays de Charleroi
Zuschauer: 13.623

CHARLEROI – Nachdem Kollege (mm) bereits am Freitag nach Belgien fuhr, zog ich am Samstag nach und kreuzte mit Waregem den nächsten Ground in der “Pro League”. Am Abend trafen sich in Mouscron unsere Wege, wo sich mit Stade Mouscronnois der faktische Nachfolgerverein von Royal Excel in den bezahlten Fußball zurückkämpft.

Am Sonntagmorgen wurde die Reisegruppe um drei Redakteure erweitert, die über Nacht aus Schwechheim mit dem “grünen Hotel” nach Brüssel kamen. Das passte super, denn bereits um 09.30 Uhr rollte in der Randgemeinde Saint-Josse-ten-Noode im “Stade Communal Georges Pètre” (sehr zu empfehlen!) der Ball.

Das war jedoch nur der Auftakt für einen Sahnetag im Königreich. Anschließend fuhren wir in den Norden in die Kleinstadt Boom, die neben dem weltweit bekannten Festival “Tomorrowland” mit dem “Gemeentelijk Parkstadion” eine echte Groundperle bietet. Die Dichte an alten Stadien bei unseren Nachbarn und die hopperfreundlichen Ansetzungen sind einfach geweldig/magnifique/wunderbar, je nachdem wo man sich gerade im Land befindet. Die kleine Frituur mit nur einem Vierertisch als Sitzgelegenheit lieferte ebenso ab und im Prinzip war die Gruppe schon da hochzufrieden.

Allerdings stand mit dem “Choc Wallon” das Highlight des Wochenendes noch bevor. Charleroi ist wahrlich keine Schönheit, doch auch hier gilt: je hässlicher die Stadt, desto mehr halten die Bewohner zu ihrem Fußballverein. Sportlich standen die “Zebras” eigentlich immer im Schatten der “Rouches”, die jedoch in den letzten Jahren nachgelassen haben. Charleroi zog unter der Woche ins Pokalhalbfinale ein und ging hoch motiviert in den wallonischen Kracher.

Unterstützung von den Rängen gab es zunächst durch eine Choreo, womit die Ultras zum Gefecht riefen. Auf Seiten der 1.200 Gäste durften wir eine opulente Pyroshow mit Bengalos und jeder Menge Raketen bewundern, die auf jeden Fall derbywürdig war. Was für ein Start!

Die Gastgeber spielten vom Anpfiff weg konzentriert nach vorne und nach gerade einmal sechs Minuten der erste “Choc”: Scheidler köpfte eine Flanke vom Deutschen Pflücke ins Netz und drehte an der Lautstärke. Wir waren auf der Gegengerade und besonders gefiel uns, dass im Anschluss die Normalos gerne in die Gesänge mit einstiegen. Insbesondere das “Aux Armes” schepperte ordentlich.

Die “Zebras” blieben dynamisch und attackierten weiter. Das 2:0 leitete erneut Pflücke ein, dessen Pass Bernier mit einer tollen Einzelleistung veredelte. Schon da war klar, dass der gebürtige Dresdner “Man of the Match” sein wird. Von Standard kam auf dem Rasen so gut wie nichts. Deutlich mehr lief im Gästeblock: der Support ebbte nie ab und in der zweiten Halbzeit ploppten durchgängig Fackeln. Ebenso konnte sich das Kurvenbild sehen lassen, da gab es nichts zu mäkeln.

Charleroi verpasste es trotz bester Chancen, die Partie endgültig zu entscheiden. Aber eigentlich wusste jeder im Stadion, dass da nichts mehr anbrennen konnte. In den letzten zehn Minuten stand die gesamte Gegengerade und in der Nachspielzeit machten die Ultras mit einer Pyroshow den Derbysieg quasi offiziell.

Wirklich beseelt vom bisher besten Hoppertag in Belgien spulten wir die fast 650 Kilometer Rückfahrt nach Schwechheim wie auf Schienen ab. Dieses Land macht einfach immer wieder Spaß und natürlich kommen wir wieder! (hr)

Club Brugge KV – RAAL La Louvière – 2:3

Club Brugge KV – RAAL La Louvière – 2:3

„BRÜGGE SEHEN… UND GLEICH WIEDER ABHAUEN!“

16.01.2026
Pro League
Jan-Breydel-Stadion
Zuschauer: 24.013

BRÜGGE – Das Wochenende am Freitag startete in Brügge. Eine gern genommenes Ausflugsziel für Touristen aus aller Welt. Auch für mich war es nicht der erste Besuch in der Stadt, die seit dem Jahre 2000 zum „UNESCO-Weltkulturerbe“ zählt. Von dem kulturellen Wert der Altstadt konnte ich mich vor 10 Jahren überzeugen, als vor dem EM-Gruppenspiel der Deutschen gegen die Ukraine in Lille lieber in Brügge genächtigt und die Europameisterschaft mit ein paar Kannen „Straffer Hendrik“ eingeläutet wurde.

Ein Besuch beim Club Brügge blieb bisher aus. Das Spiel gegen La Louvière bildete den Jahresauftakt in die Pro League. Obwohl ja bis kurz vor Silvester gegen den Ball getreten wurde, gönnte sich Belgien eine kleine Winterpause und legte dann wieder mit dem Pokal los. Der komentenhafte (Wieder-)Aufstieg von La Louvière wurde letztes Jahr mit dem Durchmarsch in die Pro League gekrönt. Noch 2022 fand sich der Verein, der 2009 fusioniert war und die Heimspiele teilweise in Charleroi austrug, in der viertklassigen 2. Division wieder. Für die Fanszene aus La Louvière um die Hauptgruppen „Wolf Side“ und „Green Boys“, steht in diesem Jahr also die erste Saison in der Eliteliga seit 20 Jahren auf dem Programm. Und die Jungs aus La Louvière erschienen zahlreich – komplett in Schwarz gekleidet, wie man es aus vorangegangenen Spiele schon kannte.

Der „FC Brügge“, wie der 1891 gegründete Verein mit der Stammnummer 3 gerne in Deutschland genannt wird, verabschiedete sich mit 3 Liga-Siegen in Folge und auf Platz 2 in die Winterpause. Im Pokal war in Charleroi unter der Woche Endstation und die Kritik der heimischen Presse fiel harsch aus. Dieser Eindruck setzte sich im Jan-Breydel-Stadion fort, das gut besetzt war, aber eine Stimmung wie beim Kaffeekranz mit Tante Mathilde verbreitete. Die „North Fanatics“ schliefen beim Support fast ein und überhaupt besteht der Kern der harten Fans hinter dem Tor nur aus ein paar dutzend Leuten – zumindest bei diesem Spiel. Ein Kaffeetrinker-Publikum, das an die Pendants in den Niederlanden erinnert. Dabei war die „North Side“ zusammen mit den Jungs aus Den Haag ja praktisch in den gesamten 90er-Jahren in aller Munde. Das war die erste Enttäuschung des Abends.

Die zweite Enttäuschung folgte auf dem Rasen, wo La Louvière als Kellerkind sehr engagiert auftrat, dann aber nach einem Doppelschlag aus dem Nichts 0:2 hinterlag. Brügge war mit den ersten beiden Chancen in Führung gegangen und tat dann gar nichts mehr für das Spiel. Das zweite Tor erzielte Romeo Vermant, der auch kürzlich für die Nationalmannschaft debütierte. Ein Blick auf seinen Geburtsort Gelsenkirchen lässt die Familienhistorie erahnen: Vater Sven Vermant dürfte bei Schalke 04 noch in guter Erinnerung sein. Der Wendepunkt der Partie dann jedoch in der 39. Minute, als der Equadorianer Joel Ordóñez nach einem VAR-Entscheid vom Platz gestellt wird und für kurze Zeit im Publikum sogar mal sowas wie Hass mitschwingt.

Im zweiten Abschnitt belagern die Gäste lange Zeit den gegnerischen Strafraum, bis nach einer guten Stunde der Anschlusstreffer fällt. Es entwickelt sich das typische Fußballspiel, in dem die zurückliegende Mannschaft auf den Ausgleich drückt. Das 2:2 gelingt um die 80. Minute herum und die Körpersprache der Heimelf lädt La Louvière anschließend ein auf Sieg zu spielen. Den Rest besorgt Reservekeeper Nordin Jackers, als er kurz vor Schluss durch den Strafraum geistert und den Gästen tatsächlich noch der Auswärtssieg gelingt. Torwart-Legende Simon Mignolet fällt aktuell verletzt aus und die etatmäßige Nummer 2, Dani van den Heuvel, musste das Spiel im ersten Abschnitt verletzungsbedingt verlassen.

Zu oft gelingt den Favoriten mit Verwaltungsfußball der knappe Sieg. An diesem Abend hat der Verein, dem zuletzt der märchenhafte Aufstieg in die höchste Liga glückte, eine neue Episode geschrieben und mit dem unvorhergesehen Ausgang dieses Spiels für ein versöhnliches Ende gesorgt. La Louvière – der Lichtblick an diesem düsteren Ort mit seinem verwöhnten Publikum. Das an und für sich schmucke Jan-Breydel-Stadion mag im Hellen etwas mehr begeistern. Für uns hieß es nach 90 Minuten, angelehnt an den Filmklassiker von Martin McDonagh: Brügge sehen… und gleich wieder abhauen! Colin Farrell wäre sicher stolz auf uns gewesen.

Das galt aber nur für den Fußball. Die Altstadt um das Weltkulturerbe ist nach wie vor unbedingt sehenswert und begeistert sowohl am Tag als auch in der Nacht. (mm)

KRC Mechelen – KSK Heist – 1:3

“WO EIN WILLE IST, IST EIN WEG”

27.09.2025
Tweede Klasse Amateurs VV B
Oscar Vankesbeeck Stadion
Zuschauer: 932

MECHELEN – Die serbischen Fleischplatten waren kaum verdaut, da rief innerlich schon das nächste Lieblingsland: Belgien. Schnell die Arbeitswoche hinter sich gebracht und am Freitagabend über die A1 von Schwechheim nach Lohne, um einen weiteren Schritt Richtung Komplettierung der Regionalliga Nord zu machen. Am Samstag sollte vor Mechelen noch Waregem fallen, allerdings legte “Essevee” bei der Ticketbeschaffung reichlich Steine in den Weg und ich verzichtete dankend. Stattdessen fuhr ich “etwas” weiter westlich nach Dünkirchen, wo ich im runderneuerten “Stade Marcel Tribut” satte acht Tore sah. Es lief schon fast wieder zu gut.

Doch zu früh gefreut: auf dem Weg nach Mechelen brannte vorne links die Glühlampe durch. Ich fuhr erst einmal weiter nach Flandern und hielt letztlich an der Tankstelle direkt gegenüber vom Oscar Vankesbeeck Stadion. Dort kaufte ich mir ein Ersatzleuchtmittel und hatte dabei schon den Automechaniker meines Vertrauens im Ohr: “Das Wechseln ist beim Micra immer super nervig.” In der Tat artete das Ganze in einer Fummelei sondergleichen aus. Doch getreu dem Motto des KRC “WAAR EEN WIL IS, IS EEN WEG” schaffte ich nach über einer halben Stunde den Austausch.

Leider schmolz damit auch der Puffer für die Frituur weg. Statt einer gemütlichen Fressorgie bestellte ich Friet, Mexicano und Kipcorn zum Mitnehmen und wollte am Auto in der Nähe des Stadions essen. Allerdings brauchte die Fettschmiede plötzlich sehr lange für die Zubereitung und erst nach einer gefühlten Ewigkeit hielt ich eine große Tüte Frittiertes in der Hand. Schnell zurück zum Ground, wo ich etwa die Hälfte in mich reinstopfte. Leben am Limit.

Noch schnell die Reste Saus Andalous aus den Mundwinkeln gewischt, dann konnte es rüber gehen. Wo soll man bei diesem Stadion anfangen? Die Stehstufen ringsrum mit den abgestützten Wellenbrechern wie aus längst vergangenen Zeiten? Die massive Haupttribüne? Die verwilderten Bereiche auf der Gegengerade? Eine echte Perle und sicher bei vielen Hoppern weit oben auf der Liste. Der Abriss wurde schon diskutiert, zieht sich aber hoffentlich noch lange hin.

So spektakulär das alles ist, so nüchtern sieht die sportliche Realität bei Racing aus. Die Gastgeber finden sich inzwischen in der 4. Liga wieder und empfingen im “Regioderby” KSK Heist. Die Gäste hatten einen kleinen Mob mitgebracht, der mit Rauchtöpfen zu Beginn seine eigene Party startete. Zaghafte Gesänge von Heist wurden aber aus der Ecke der Haupttribüne jedes Mal britisch mit “Your support is shit” quittiert. Allgemein wirkte das Fanumfeld wie teilweise auch anderswo in Belgien/Niederlande casual.

Auf dem Platz erzielten die Gäste mit der ersten Chance das 0:1. Zwar glichen die Grün-Weißen zehn Minuten später aus, mussten sich am Ende aber geschlagen geben. Im Anschluss zog ich mir nach diesem langen Tag in der Unterkunft noch den Rest (kalter) Fritten rein. Schmeckt nicht, gibt’s nicht. Oder: Wo ein Wille ist, ist ein Weg! (hr)

RAAL La Louvière – Standard de Liège – 0:2

RAAL La Louvière – Standard de Liège – 0:2

“NEUES STADION – JETZT SCHON EINE KATASTROPHE?“

26.07.2025
Jupiler Pro League
Easi Arena
Zuschauer: 8.050

LA LOUVIERE — In Belgien gab es für einen Freund die Möglichkeit mit Dender und La Louvière die Liga zu komplettieren. Ganz entspannt fuhren mit morgens aus Schwechheim los, steuerten die Frituur an und hauten uns den Magen voll mit Pommes, Mexicano und Co. Gesättigt enterten wir den Ground in Dender und sahen ein absolutes Drecksspiel. Schnell ging es nach Wallonien zum nächsten Ort.
Zwei Stunden vor Anpfiff checkten wir im Hotel ein, holten uns ein Dosenbier beim nächsten Kiosk und gingen ganz lässig und voller Vorfreude zum Neubau des Aufsteigers. Eine Stunde vor Anpfiff wunderten wir uns, warum tausende Leute an einem Eingang stehen. Ist das der Eingang für die Ultras? Nein, uns wurde schnell klar, alle Heimfans müssen durch einen Eingang. Nur für VIP und für die Gäste gibt es einen separaten Eingang. 7.500 Leute müssen durch ein Tor mit exakt vier Scannern. Nach 35 Minuten waren wir am Scanner und natürlich funktionierte dieser nicht. 2/3 Tickets waren „ungültig“. Dies war aber nicht nur bei uns so, sondern bei fast allen Zuschauern. Als wir dann endlich im Innenbereich waren, atmeten wir erstmal tief durch und entdeckten die Pommesbude. Für 11,50 gab es das Schlachtschiff von „Baguette“ mit Pommes, Dönerfleisch und und und. Ich kann euch sagen, dass Ding hat mich gekillt. 10 Minuten vor Anpfiff gingen wir zu unseren Plätzen und sahen draußen noch eine 100 Meter lange Schlange. Sehr viele Zuschauer sahen hier nicht den Anpfiff, obwohl sie frühzeitig am Stadion waren. Wer kommt bitte auf so eine dumme Idee bei einem neuen Stadion nur einen Eingang zu installieren? Ich will nicht wissen, was passiert, wenn hier mal Panik entsteht. Also kommt bitte rechtzeitig hier an. Es kann dauern.

Im Innenbereich kommt man dann fast komplett rum und relativ schnell entdeckten wir unsere Plätze in der ersten Reihe. Da fragten wir uns, wo sind denn die Gästefans? Der Block blieb leer. Während des Spiels sickerten dann die Informationen durch die Groundhopperszene im Block U. Für alle Gäste gibt es hier in diesem kleinen Stadion nur 450 Tickets. Dazu müssen die Ultras mit Bussen anreisen. Die geringe Anzahl an Karten und die Anreisebedingungen fanden die Ultras von Lüttich nicht so toll und blieben dem Spiel lieber fern. Auf der anderen Seite präsentierten uns die Ultras La Louvière ein schönes Kurvenbild, nur leider zeigten sie uns keine Choreografie oder ähnliches. Beim ersten Heimspiel nach dem Aufstieg im neuen Stadion haben wir uns etwas erhofft, wurden aber nicht belohnt. Ist manchmal so.

Viel zu feiern hatte die Kurve aber nicht, denn das Urgestein der Pro League zeigte den Neulingen in den ersten 30 Minuten die Visiten auf und spielte den Gegner förmlich „her“. In der zweiten Hälfte fand der Gastgeber dann ins Spiel und generierte ein paar Chancen, aber wirklich richtig brenzlig wurde es für Lüttich nicht. Der VAR pfiff der Heimelf zwanzig Minuten vor Ende ein Tor weg, was sicherlich nochmal für Spannung gesorgt hätte. Unterm Strich fehlte ihnen aber die berühmte „Kaltschnäuzigkeit“. Naja, man ist ja auch noch neu in diesem Gefilde und es kommen auch noch einfachere Gegner. Ob diese dann mit Gästen kommen, bleibt abzuwarten.

Platziert würden sie dann auf die Hintertorseite mit Blick auf die Ultras und dem etwas in die Jahre gekommenen Wohnblock. Sonst sieht man hier nur grün, denn das ganze Stadion ist in Grün gefärbt und wird auch grün angeleuchtet. Platz ist hier nur für 8.500 Leute, da die Bauherren nicht erwartet haben, dass sie in den nächsten Jahren in die erste Liga aufsteigen würden. Mich persönlich holt das Stadion nicht ab, dafür war ich aber völlig gesättigt und genoss neben der reichhaltigen Portion Fastfood auch das leckere Komplettierungsbier des Kollegen. Glückwünsche gehen raus! (mb)

RSC Anderlecht U19 – Black Star U19 – 7:1

Guten Morgen! Auch am Karfreitag zeigen wir euch die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE. Für die 45. Ausgabe befinden wir uns in Belgiens Hauptstadt Brüssel, wo quasi direkt am Atomium gekickt wird. Denn im Schatten vom „Stade Roi Baudouin“ befindet sich das „kleine Heyselstadion“ und hier finden regelmäßig die Heimspiele der RSC Anderlecht Jugendabteilung statt. Ein Besuch lohnt sich definitiv, denn der Ground verfügt über gleich zwei überdachte Tribünen, wovon eine mit schönen alten Sitzschalen und Holzbänken ausgestattet ist. Der Schwechheimer Landbote wünscht frohe Ostertage!


02.03.2025
Klein Heyselstadion
RSC Anderlecht U19 – Black Star U19 – 7:1

RAAL La Louvière – SV Zulte-Waregem (0:0)

Guten Morgen und bonjour zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 35. Ausgabe dieser Reihe begrüßen wir heute einen belgischen Superstar. Die Rede ist vom „Stade du Tivoli“ in La Louvière. Der Verein mit seinem Stadion ist seit einiger Zeit in aller Munde. Einerseits sorgt die stimmungsvolle Fanszene fast jede Woche für bunte Bilder, andererseits hat sich der Verein aus den Niederungen des belgischen Amateurfußballs bis in den Aufstiegskampf der zweiten Liga hochgekämpft.

Und in dem Tempo soll es auch weitergehen: Direkt neben dem alten Stadion entsteht nämlich eine neue Arena. Lifehack vom letzten Sonntag: Wir verwetten drei Gulden darauf, dass der „Nouveau Tivoli“ in diesem Jahr nicht mehr fertig wird. Je länger in der alten Bude gespielt wird, desto besser. Der alte „Tivoli“ sieht auf Bildern zwar recht gut sortiert aus, aber das täuscht. Drei von vier Dächern wurden mal erneuert und eine andere Gegengerade aufgestellt. Insgesamt ist der Ground aber überzogen mit einer fetten Schicht Patina – und sowas müssen sich neue Arenen ja bekanntlich erst verdienen.


Stade du Tivoli
La Louvière
02.02.2025

RAAL La Louvière – SV Zulte-Waregem (0:0)

RSD Jette – RFC Union La Calamine – 2:3

Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (22). Die 22. Ausgabe führt uns ins Nachbarland der Pommes. Genießt doch mal in der vereinseigenen Frituur eine Pommes mit Sauce Andalouse. Beim RSD Jette im “Stade Communal de Jette” kann man es sich mal gönnen, oftmals wird Samstagabend um 19:30 angepfiffen und bietet somit den perfekten Tagesabschluss. Es ist sicherlich nicht die einzige BILDERBUCHBUDE in Belgien, aber es ist unsere erste aus Belgien.

16.09.2023
Stade Communal de Jette
RSD Jette – RFC Union La Calamine – 2:3

RFC Tilleur – RFC Meux – 2:2

RFC Tilleur – RFC Meux – 2:2

„AMATEURFUẞBALL IN DER WALLONIE – „MAGNIFIQUE!“

01.12.2019

Zweite Amateurklasse Belgien

Stade du Buraufosse

Zuschauer: Ca. 250

SAINT-NICOLAS – Ich fahre mit dem Auto einmal quer durch Lüttich. Eben noch rheinischer Singsang in Aachen und nicht mal eine halbe Stunde später bewegt man sich in einem ganz anderen Kulturkreis. Sicher, die Stadt ist aschgrau, aber – nicht zuletzt mit der reißenden Maas im Stadtbild – irgendwie auch wieder authentisch. Nächstes Mal steige ich auch aus, jetzt muss ich aber erstmal weiter nach Tilleur, einem Stadtteil von Saint-Nicolas, das in den Ardennen-Ausläufern über Lüttich thront. Zwischendurch, auf den fast serpentinenartigen Straßen, hat man einen wunderbaren Blick auf die eben genannte belgische Großstadt. Ich halte sogar an, um von dem Panorama ein Foto zu machen. Wer hätte das gedacht – im Zentrum der belgischen Schwerindustrie? In Tilleur angekommen, verbleiben nicht mal mehr 20 Minuten bis zum Anpfiff. Das Stadion bettet sich in eine Hügellandschaft und als ich eine Anhöhe zum „Stade du Buraufosse“ hochfahre und schließlich aussteige, höre ich schon das französische Kauderwelsch vom Stadionsprecher durch die Straßen scheppern. Jetzt aber nichts wie hin!

Doch zwischendrin muss ich ein paar Mal stoppen. Von der Straße, gewissermaßen von oben, kann man in den Ort des Geschehens hineinblicken und das lässt die Vorfreude steigen. Vierte Liga, Vorort von Lüttich. Da denkt man sich nichts bei. Doch der RFC Tilleur und seine Spielstätte, wäre allein einen Besuch in der Wallonie wert! Allein die Aussicht über den Ort und das stählerne Eisenbahnviadukt hinter der Gegengerade – wow! An zwei völlig verschiedenen, übertrieben-große Tribünen bleiben die Blicke hängen. Und dann ist da noch die brachliegende, steile und total verwitterte Hintertorseite. Die ganze Anlage wirkt einfach nur total ursprünglich, authentisch, cool, verschlafen, abgefahren, lässig. Das absolute Gegenteil von den minimalistischen Sportplätzen, die heutzutage überall gebaut werden. Das ist einfach Amateurfußball mit Herz und Historie – und keine gnadenlose Effizienz in jeder Betonritze. Ob man in Tilleur irgendwann mal höherklassig gespielt hat, habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Aber ein paar Aufkleber im Stadion zeugen schon davon, dass hier hin und wieder auch mal supportet wird und immerhin ist man auf der vierten Liga-Ebene ja gar nicht so weit vom professionellen Sport entfernt.

Es sind auch die kleinen Details, mit denen der Ort punktet. Angefangen von uralten Urinal-Anlagen bis hin zu achtlos weggeworfenen Zigarrenstummeln. Aber selbst wenn man alles aufzählt, die Stimmung, die das „Stade du Buraufosse“ transportiert, kann man nicht vollends einfangen. Die andere Hintertorseite wurde zu einer Art „Lounge“ ausgebaut. Dort gibt es verglaste Sicht auf das Spielgeschehen und reichlich Getränke. In das Haus darf jeder Besucher rein, auf einem der Stühle Platz nehmen und bei angenehmen Temperaturen das Spiel verfolgen. Einen Aufpreis muss man dafür nicht zahlen und auch diese Räumlichkeiten haben schon einige Jahre auf dem Buckel. Für mich kommt das natürlich nicht in Frage. Den ersten Abschnitt sehe ich ganz entspannt von der Sitzplatztribüne. Nachdem die Akteure mit Dutzenden aufgeregten Kindern einmarschieren, geht es auf dem Rasen gleich zur Sache. Tilleur führt nach einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze etwas überraschend mit 1:0. Meux ist Tabellenzweiter, der Gastgeber im „unteren Niemandsland“ der Tabelle unterwegs. Wenig später gleichen die Gäste in ihren giftgrünen Trikots den Spielstand aus. Das Tor – fast eine Dublette von der Gegenseite. Als der Pausenpfiff ertönt, liegt Meux dann sogar in Front. Mit fortlaufender Spieldauer konnte man mehr und mehr die Kontrolle über die Begegnung gewinnen. Die Partie sprüht vor Spielwitz und tödlichen Pässen. Chancenwucher und Torwartparaden hüben wie drüben. Ein hervorragendes Spiel in der vierten Liga.

Das Publikum wirkt eher gesetzt, aber es sind zahlreiche Kinder im Stadion, die zwischen den Sitzreihen herumtollen. Ich hab’s mir auf dem hinteren Teil der Tribüne gemütlich gemacht, wo sich fast keine Menschenseele verirrt. Außer der Dorftrottel, der mit einer Buddel Wein in der Hand Selbstgespräche führt und immer wieder laute Rülpsgeräusche von sich gibt, mich aber in Ruhe lässt. Vielleicht schauen sich 250 bis 300 Zuschauer mit mir zusammen das Spiel an. Schwierig zu beurteilen, da das Stadion einfach überdimensioniert ist und sich einige Leute bei den niedrigen Temperaturen ins Häuschen verkrochen haben. Der überzogene Eintrittspreis von 12 Euro, mag auch etwas abschrecken. Doch mit der Akustik unter dem Blechdach der großen Sitzplatztribüne, können selbst 200 Fans ein bisschen Stimmung machen.

In der Pause gibt es – standesgemäß – eine große Portion Fritten, von der ich bis zum Abend werde zehren können. Ich bestelle mir mein Essen auf Französisch und bin auch ein bisschen stolz darauf, dass niemandem bei der Bestellung auffällt, dass ich offensichtlich fremd hier bin. Der schnauzbärtige Imbisswirt gibt sich wirklich Mühe, die Bestellungen rasch abzuarbeiten, trotzdem muss ich fast 10 Minuten warten. Als die Spieler einlaufen, habe ich meinen Snack endlich in der Hand und wandere in der zweiten Halbzeit auf die Gegengerade, die über einen Gästekäfig verfügt und sonst nur Stufen zum Stehen anbietet. Auf der Tribüne, wo vielleicht einige Tausend Leute raufpassen, stehen wir gerade mal zu dritt. Nach anfänglicher Überlegenheit der Gäste, kontert sich Tilleur ins Spiel zurück und erzielt nach schnellem Spiel den Ausgleich. Anschließend vergibt man sogar noch Siegchancen, aber auch Meux hat den Dreier einige Male auf dem Fuß. An der Seitenlinie pöbelt es das ein oder andere Mal auf Französisch und auch die zwei wackeren Senioren neben mir auf der Tribüne, legen sich mächtig ins Zeug. Beide Trainer werden schließlich ermahnt – doch auf dem Platz bleibt es bei dem gerechten Remis. Amateurfußball in Wallonien – Magnifique!