Ümraniyespor – Bodrum Belediyesi Bodrumspor – 1:0

„BILETINIAL PROBLEME ÜBER DEN DÄCHERN VON ISTANBUL“

23.11.2025
Ümraniye Belediyesi Şehir Stadyumu

1. Lig
Zuschauer: 500

    ISTANBUL — Der letzte Tag der Istanbul Tour begann mit einer kleinen Weltreise durch Istanbul. Mit der Fähre und mehreren Bussen brauchten wir knapp zwei Stunden von unserer Unterkunft am Galata Kulesi bis nach Ümraniye, und wir waren bei weitem noch nicht am Ende von Istanbul.
    Am Stadion angekommen trafen wir auf zwei weitere Deutsche, die versuchten, Karten für das Spiel zu bekommen. Normalerweise würde man mit der Passo App ganz entspannt Tickets für ein Spiel in der zweiten Liga bekommen, aber nicht bei Ümraniyespor. Denn seit kurzer Zeit müssen die Zweitligisten ihre Karten nicht mehr über Passo verkaufen, sondern können dies auch auf anderen Wegen tun. Die Karten müssen jedoch über ein Portal verkauft werden, bei dem man sich mit seinem Pass registrieren und den Account per SMS aktivieren muss. Nur kommt bei Biletinial eben nicht immer eine SMS an. Der eine Deutsche bekam einfach keine SMS zur Aktivierung und durfte deswegen tatsächlich nicht ins Stadion. Von den Ordnern und Verkäufern gibt es auch kein Mitleid. Entweder man hat bei Biletinial einen gültigen Account, oder man muss draußen bleiben. Für die Groundhopper heißt das scheußliche Duo in der Türkei also seit neuestem Passo und Biletinial.
    Wir hatten glücklicherweise gute Kontakte zum Verein und ersparten uns diesen Mist.

    Wir kamen wie alle Nicht VIPs auf die Hintertortribüne, wo sich die Ultras rechts neben uns formierten. Der Support ging rund 20 Minuten vor Anpfiff los und wurde nur für die Hymne unterbrochen. Viele jüngere Türken standen im Block und machten mit. Wer nicht ordentlich mitmachte, wurde vom Capo höchstpersönlich entfernt. Zucht und Ordnung bei Ümraniyespor!
    Auf dem Rasen wurde in den ersten 24 Minuten ebenfalls ordentlich aufgeräumt, denn sowohl bei Ümraniyespor als auch bei Bodrum musste einer duschen gehen. Zwei rote Karten nach 24 Minuten hatte ich auch noch nie. Auf ein Tor mussten wir bis zur 69. Minute warten. Der Gastgeber konnte quasi aus dem Nichts treffen und brachte dieses eine Tor über die Zeit. Warum Bodrum vor dem Spieltag Zweiter war, ist mir schleierhaft. Von denen kam gar nichts. Für Ümraniyespor waren die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt Gold wert. Nach dem Spiel wurde noch ein Foto mit der Mannschaft und den Fans gemacht. Möglicherweise sieht man mich als Fotograf von oben.

    Das Highlight vor Ort ist natürlich die Lage des Stadions. Von der Hintertortribüne kann man die Skyline von Istanbul sehen und die anatolische Seite in ihrer vollen Pracht bestaunen. Viel mehr Panorama geht beim Fußball in Istanbul wahrscheinlich nicht.

    Der ursprüngliche Plan war, nach dem Spiel eigentlich noch zu Besiktas zu fahren, aber dort ist es nicht möglich, seinen Rucksack abzugeben. Ohne Rucksack hätten wir jedoch nicht zum Stadion fahren können, da unser Flieger um 21:55 Uhr Ortszeit abhob. Bei einem Anstoß um 17 Uhr und einem Ende kurz nach 19 Uhr ist die Zeit für einen Umweg leider nicht drin.
    Deswegen fuhren wir nicht zu Besiktas, sondern stiegen ins Taxi, um noch etwas Leckeres zu essen. Unser Taxifahrer war tatsächlich bis vor dieser Saison noch Stadionsprecher bei Ümraniyespor und zeigte uns stolz seine Fotos aus der Zeit in der Super Lig. Zufälle gibt es!
    Er lieferte uns in Kadiköy ab und dort fanden wir schnell einen Laden mit viel Fleisch. Die Grillteller wurden serviert und es war einfach nur köstlich! Ein gelungener Abschluss einer schönen Tour am Bosporus.
    Trotzdem muss man sagen, dass die Ticketbeschaffung einem die Nerven raubt. So gerne ich auch in der Türkei bin und zum Fußball gehe, aber diese Umstände sind einfach bescheiden. (mb)

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    „PASSO-WAHNSINN AM BOSPORUS“

    22.11.2025
    RAMS Park
    Süper Lig
    Zuschauer: 44.556

    ISTANBUL — Mein Vater und ich machen jedes Jahr eine Vater- und Sohn-Tour mit Fußball, Sightseeing und ein paar leckeren Kaltgetränken. Dieses Jahr lockte uns Pegasus mit super Flugzeiten und einem fantastischen Preis von 85 Euro für Hin und Rückflug in die Türkei. Freitagmorgen landeten wir pünktlich um 05:55 Uhr in Istanbul, fuhren in die Stadt und gönnten uns erst einmal mit einem anderen Redakteur ein leckeres türkisches Frühstück. Im weiteren Verlauf des Tages besuchten wir noch ein paar Arbeitskollegen und inhalierten den einen oder anderen Raki sowie ein paar Efes auf einer Bootstour.

    Am Samstagabend sollte dann das Hauptspiel unserer Tour stattfinden: das Heimspiel von Galatasaray mit den Stars um Icardi, Sané und Gündoğan. Um Zutritt zu einem Süper-Lig-Spiel zu haben, muss man die Hürde „Passo“ meistern. Und hier wurde es dann tatsächlich mal wieder anstrengend. Drei Tage vorher kamen die Tickets in den Verkauf und natürlich konnten nur Personen mit dem Galatasaray-Logo auf ihrer Passo-Tickets kaufen. Mein Vater und ich hatten aber nur eine neutrale Passo, damit wir auch weitere Spiele besuchen können. Daher bin ich beim ersten Versuch der Beschaffung gescheitert, denn auch eine neutrale Karte kann man nicht umwandeln. Somit hieß es, schnellstmöglich zwei neue Passo-Karten mit dem Galatasaray-Logo zu besorgen. Über zwei Handys kaufte ich zeitgleich die Karten und kehrte in den Ticketshop zurück.

    Nächste Hürde: Pro Account kann nur eine Karte gekauft werden. Also blätterte ich auf beiden Handys hin und her und suchte einen Block, in dem ich zwei Plätze nebeneinander beziehungsweise übereinander fand. In Kategorie 7 von 11 wurde ich fündig und wählte parallel jeweils eine Karte aus. Eine kaufte ich mit meiner Mastercard, die andere mit der Visacard. Ein paar Minuten später waren die Karten im Warenkorb und wir waren pro Karte 102 Euro ärmer. Mir schlotterten nach dem Kauf die Knie und ich brauchte erst einmal etwas zu trinken.

    Mit der Bestellbestätigung und unseren Reisepässen ging es dann zur Kasse, und dort erhielten wir problemlos unsere Zugangsberechtigung. Da wir uns bei den hohen Kosten die volle Gala-Experience gönnen wollten, holten wir uns vorher für einen Zehner noch ein Trikot auf dem Basar und wurden auch im offiziellen GS-Shop fündig. Für uns gab es je ein T-Shirt für 11,50 Euro und für einen geschätzten Kollegen besorgte ich noch das neue Legendentrikot. Dieses ist so beliebt, dass Gala in den ersten vier Tagen schon mehr als drei Millionen Euro damit eingenommen hat!

    Mit den hohen Ticketpreisen und der ganzen Euphorie der fanatischen Fans kann man das Star-Ensemble gut bezahlen. Im Stadion liefen wir dann natürlich auch einem weiteren Deutschen in die Arme, der uns bestätigte, dass die Tickets bei Gala immer so teuer sind. Für Champions-League-Spiele gegen St. Gilloise oder Bødo Glimt muss man hier für ein normales Ticket auch mal umgerechnet 300 Tacken auf den Tisch legen.

    Nun fragt man sich natürlich, ob es sich lohnt, für 100 Euro ein Fußballspiel in der Türkei zu sehen. Ich kann dies definitiv mit „Ja“ beantworten, denn was hier auf den Rängen abging, war absolut krass.
    Zum Anpfiff erhob sich das komplette Stadion und blieb stehen. Über 90 Minuten stand das gesamte Stadion und feuerte ihre Elf lautstark an. Wenn der Gegner am Ball war, gab es jedes Mal ein Pfeifkonzert, das immer lauter wurde, je länger der Gegner am Ball blieb. Nach 22 Minuten waren jedoch alle Heimfans schockiert, denn Gençlerbirliği konnte in Führung gehen. Das Stadion war aber nur gut drei Minuten leise, denn kurz nachdem die ersten Spieler des Gastes den sterbenden Schwan spielten, war die Stimmung wieder voll da. Insgesamt acht verschiedene Spieler von Gençlerbirliği lagen in der ersten Hälfte am Boden. Was für eine Heuchlertruppe! Zur Pause musste sich jedoch etwas ändern. Ilkay Gündoğan kam rein und Gala wirkte wie ausgewechselt. Direkt zu Beginn der zweiten Hälfte drehte Gala das Spiel in wenigen Minuten und das Dach flog weg. Alter Falter, war das laut! Das Stadion bebte und nachdem ein Schauspieler der Gäste frühzeitig vom Platz musste, war eigentlich alles klar.

    Trotz Überzahl mussten alle Gala-Fans noch zittern, da Gençlerbirliği noch einmal rankam und bei Sané und co die Knie schlotterten. Der Kollege neben uns musste frühzeitig raus, da er es nicht mehr aushielt. Er war nervlich völlig am Ende. 124 Minuten nach Anpfiff konnten alle Heimfans durchatmen: Die drei Punkte blieben im RAMS Park!

    Wir gingen entspannt aus dem Stadion, bekamen sofort die erste Metro und waren keine 40 Minuten später schon in einer Bar am Hotel, wo wir uns noch zwei leckere Efes auf den gelungenen Abend gönnten.

    Es war unglaublich anzuschauen, wie spielbezogen der Support der Fans ist. Hier leidet jeder bei jedem Fehlpass mit und jeder Ballgewinn wird frenetisch gefeiert. Das 3:2 war für alle Fans eine Achterbahn der Gefühle. Vom totalen Tiefpunkt bis zum tollsten Tag ihres Lebens war in 90 Minuten alles dabei. Mega!

    Nach diesem tollen Abend waren auch alle Passo-Probleme bei uns vergessen. Wahrscheinlich gehört dieses Leiden um die Zugangsberechtigung in der Türkei für uns Ausländer einfach dazu. Die Fans leiden mit ihrer Mannschaft und wir Ausländer leiden am Handy an der Passo-App. (mb)

    Fenerbahçe SK – Kayserispor- 3:3

    Fenerbahçe SK – Kayserispor- 3:3

    “PASSOLIG-CHAOS AM BOSPORUS”

    20.04.2025
    Süper Lig
    Şükrü Saracoğlu Stadyumu
    Zuschauer: 42.000

    ISTANBUL – Nachdem der Karfreitag in England verbracht wurde, ging es mit Wizz Air für schlappe 35 Pfund von London-Gatwick nach Istanbul. Das Osterwochenende kam mir bei der Tourplanung gelegen, um Galatasaray, Fenerbahçe und/oder Başakşehir zu kreuzen.

    Circa eine Woche vor dem Spieltag wurde die Terminierung bekannt gegeben und damit stand fest, dass Galatasaray nicht realisiert werden konnte. Zumindest Sonntag gab es die Möglichkeit, den kontinentalen Doppler mit Başakşehir und Fenerbahçe anzugehen. Für Samstag fand ich einen Amateurkick auf „www.amatorfutbol.org“. Außerdem stand ein Zweitligaspiel bei Pendikspor und etwas Sightseeing an.

    Das Programm stand fest, doch die eine Frage war noch unbeantwortet. Welche Passolig hole ich mir? Entschieden habe ich mich zunächst für eine Passolig ohne Logo. Mit dieser Karte war es ungefähr drei Tage vor dem Spiel problemlos möglich, Karten für Pendikspor und Başakşehir für jeweils umgerechnet 2,50 Euro zu erwerben.

    Schwieriger war es dann, ein Ticket für das Spiel Fenerbahçe gegen Kayserispor zu kaufen. Leider war die Partie warum auch immer als Risikospiel eingestuft worden und dadurch unmöglich mit der Passolig ohne Logo eine Karte zu kaufen.

    Auch gab es einen Member-Sale. Der freie Verkauf startete erst einen Tag vor dem Spiel gegen 11:00 Uhr. Die Tickets gingen trotz Preisen von über 100 Euro weg wie warme Semmeln. Schließlich gab es nur noch Karten im Gästeblock. Also brauchte ich nun eine Passolig mit dem Logo von Kayserispor.

    Zwar gelang es mir, über den Reisepass diese zweite Passolig Karte zu erwerben.
    Tickets kaufen konnte ich dennoch nicht, da die Accounts von Passo und Passolig verknüpft werden mussten. Dazu fehlte mir aber eine Handynummer, mit der ich gebührenfrei SMS empfangen konnte. Meine erste Idee war, eine SIM-Karte mit türkischer Nummer in den Straßen von Istanbul zu kaufen. Die Verkäufer wollten allerdings umgerechnet 45 Euro haben, was mir eindeutig zu viel war. Somit schilderte ich dem Gastgeber vom Hotel mein Problem und er war bereit, mir zu helfen. Er stellte mir eine türkische Nummer zu Verfügung und nach langem hin und her konnte am Morgen des Spieltags tatsächlich ein Ticket im Gästeblock erworben werden.

    Bevor es aber in das Stadion gehen sollte, wo u. a. 2009 das UEFA-Cup Finale zwischen Shakhtar Donezk und Werder Bremen stattfand, stand zunächst das Spiel auf der europäischen Seite bei Başakşehir an. Nach einem nicht länger erwähnenswerten Spiel kam die nächste Aufgabe: innerhalb von 3,5 Stunden von Ground A zu B zu gelangen. Was sich einfach anhört, ist in einer Weltstadt wie Istanbul eine echte Herausforderung.

    Der Linienbus kam einfach nicht und statt einer riskanten Verbindung mit mehrfachen Umsteigen, bestellte ich ein UBER. Das traf dann auch zwei Minuten nach Bestellung ein. Leider stand das Auto gefühlt die ganze Fahrt im Stau, doch schließlich kamen wir 45 Minuten vor Anpfiff am Stadion an.

    Doch einfach reingehen und Fußball schauen war nicht. Denn leider mangelte es an Beschilderungen und Ordnern, die sich am Stadion auskennen. Somit wurde ich von einem Ordner zu einem falschen Eingang gelotst und hatte wertvolle Zeit durch das Warten am Stadioneingang vergoldet. Ein anderer Ordner schickte mich einmal um das Stadion rum, wo ich wie ein Bekloppter hin sprintete und schweißgebadet ankam.

    Doch dann das nächste Problem. Der an der Passolig Box abgeholte Tagespass wurde abgelehnt und der Ordner schickte mich zu einer anderen Passbox. “Double Entry“ und „Cancellation“ waren die Sätze, die der Mann am Schalter mir über eine Übersetzungsapp anzeigte. Nach der Frage, wo ich das Ticket gekauft habe, antwortete ich Passo App und er buchte mir eine neue Eintrittskarte.

    Etwa zehn Minuten vor dem Anpfiff sollte es nun in das Stadioninnere gehen.
    Doch dann die nächste Einlasskontrolle, die hier von der Polizei durchgeführt wurde.
    Der Beamte bat mich darum, die Schuhe auszuziehen und alles aus den Jackentaschen zu nehmen. Insgesamt überprüfte der Polizist fünf mal, ob sich denn wirklich keine verbotenen Gegenstände wie Powerbank, Geldmünzen etc. in der Jacke befinden. Ein anderer Hopper aus Deutschland und ich schüttelten nur noch den Kopf und philosophierten darüber, wenn selbiges in Deutschland passieren würde. Vermutlich wäre schon bei der Passolig keine Fanszene mehr im Stadion zu sehen.

    Pünktlich zur Nationalhymne betrat ich dann aber den überschaubaren Gästeblock und sah eine riesige Türkei-Fahne auf der benachbarten Tribüne. Das Stadion ist ähnlich laut wie bei meinem Besuch von Besiktas vor zwei Jahren. Besonders laut waren die Pfeifkonzerte. Doch auch die Schlachtrufe kamen zum Teil brachial rüber.

    Auf dem Rasen kam die Elf von Jose Mourinho nicht über ein 3:3 hinaus. Der Ausgleich fiel zur Freude der mitgereisten Fans aus Kayseri erst in der 90. Minute und auch in den sechs Minuten Nachspielzeit waren Dzeko, Kostic und Co. nicht dazu in der Lage, das Spiel doch noch für sich zu entscheiden.

    Nach dem Abpfiff mussten alle Personen im Gästeblock noch etwa 45 Minuten warten (unabhängig von Touri oder Fan), ehe das Stadion verlassen werden konnte.
    Ist das nicht schon Freiheitsberaubung? Interessant war die Dreiviertelstunde dennoch. Die vom Ergebnis enttäuschten Fenerbahçe-Anhänger suchten die Konfrontation mit allem, was sie finden konnten. Dennoch war ich glücklich, als ich wieder in Freiheit war.

    Als Dank kaufte ich dem Hotel-Host noch eine Packung Baklava, die am Abend nach dem Spiel gemeinsam mit einem türkischen Tee verzehrt wurde. Vielen Dank für die Gastfreundlichkeit. (fj)

    Bursaspor – Anadolu Üniversitesi – 4:1

    Bursaspor – Anadolu Üniversitesi – 4:1

    “ÜBER VIERZIGTAUSEND TÜRKISCHE KROKODILE“

    16.02.2025

    3. Lig Grup 1
    Yüzüncü Yıl Atatürk Stadyumu
    Zuschauer: 41.270

      BURSA – Nach den Stationen Zypern/Nordzypern, Ägypten und Saudi-Arabien wurde es für den Landboten langsam Zeit, wieder Richtung Schwechheim aufzubrechen. Bei der Tourplanung kamen wir recht schnell auf Istanbul als Zwischenstation statt direkt von Riad den Rückflug anzutreten. Als sich dann noch ein Heimspiel von Bursaspor herauskristallisierte, drückten wir auf den Buchungsknopf.

      Der ein oder andere dürfte die neue Euphorie um den Klub aus der Heimat des Iskender Kebap mitbekommen haben. Nach der Meisterschaft 2010 und weiteren sportlichen Erfolgen geriet Bursaspor später in finanzielle Nöte und sackte immer weiter ab. Im letzten Sommer folgte sogar der Abstieg in die vierte Liga und es musste ein Neuanfang her. Die Klubführung holte mit Pablo Batalla den Topscorer aus der Meistersaison als Trainer zurück.

      Trotz des sportlichen Niedergangs halten die Fans ihren „grünen Krokodilen“ die Treue und kommen in Scharen zu den Heimspielen. Der Zuschauerschnitt liegt etwa bei 40.000, was für die vierte Liga aktuell wohl weltweit einmalig sein dürfte. Auch bei unserem Spiel gegen den kleinen Universitätsverein aus Eskişehir wurde diese Marke geknackt.

      Wir kamen etwa zwei Stunden vor Anpfiff am Stadion an, in dem übrigens auch bei der Europameisterschaft 2032 gekickt wird. Allein die Fassade mit dem stilisierten Krokodil schockt einfach und auch von innen wirkt das Ganze sehr stimmig. Die Dachkonstruktion erinnert etwas an das Volksparkstadion in Schwechheim.

      Was dann folgte, haute die Reisegruppe aus den Socken. Angepeitscht von Vorsängern auf jeder Tribüne zog das komplette Publikum mit und der Begriff Hexenkessel war hier wirklich mal angebracht. Die Fans auf der Gegengerade standen 90 Minuten und auch bei uns gegenüber der Hauptgruppe „Teksas“ war ordentlich was los. Die Gesänge kamen mitunter brachial laut rüber und die Mitmachquote blieb bis etwa zur 70. Minute sehr hoch.

      Auch das Geschehen auf dem Rasen sorgte für beste Stimmung. Bursa ließ zunächst einige Chancen aus, ging dann aber doch kurz vor Pausenpfiff in Führung. Im zweiten Durchgang erhöhte Ozek per Elfmeter. Anadolu kam in der 79. Minute nochmal ran, aber in der Nachspielzeit bissen die Krokodile doppelt zu und siegten mit 4:1. Bursa steht souverän an der Tabellenspitze und dürfte im Sommer aufsteigen. Wir vom Landboten wünschen dem Verein weiterhin viel Erfolg und empfehlen allen Lesern einen Besuch bei den Krokos. Es lohnt sich! (hr)

      Alibeyköy Spor – Istanbul Beylikdüzüspor 1-2

      „VOM ARARAT ZUM BOSPORUS“

      05.04.2024

      Bölgesel Amatör Lig

      Alibeyköy Stadi

      Zuschauer: 250

      ISTANBUL – Nach 11 Spielen in Armenien ging es für unseren Autor Hannes per Nachtflug nach Istanbul. Diese Anreise hatte es in sich.

      Nachdem Kollege Timo am Mittwoch mit einem kurzen Zwischenstop in Österreich weiter nach Italien flog, begann für mich die wohl beschissenste Situation die man auf einer Reise nur haben kann. Beschissen im wahrsten Sinne des Wortes, denn es handelte sich um ungewöhnlich unschönen Durchfall. Am Mittwoch habe ich mir bei der Zweitvertretung vom FC Noah so einen gewaltigen Sonnenstich eingefangen, dass ich in der Nacht auf Donnerstag mehr Zeit auf und über der Schüssel verbracht habe als im Bett. Soweit so gut:

      Am Donnerstag war allerdings geplant um 12:00 Uhr auszuchecken und die Zeit bis zum Abflug, Freitag, 01.00 Uhr, noch irgendwie rumzukriegen. Mit ordentlich Toilettenpapier bewaffnet zog es mich in den „englischen Park“ von Yerevan. Salzbrezeln, Cola sowie Wasser wurden im schattigsten Plätzchen der Stadt vernichtet und dabei gebetet, dass eben genanntes hoffentlich lange drin bleibt. Direkt neben den Park befindet sich ein Einkaufszentrum mit guten Toiletten, was etwas Ruhe schaffte.

      Gegen 16:00 Uhr war ich dann noch beim Pyunik FC um den 6. von insgesamt 8 Grounds der ersten armenischen Liga zu kreuzen. Da die Toiletten Situation vor Ort auch hier für passabel erklärt werden konnte, ging ich recht entspannt auf die Tribüne und war überracht sogar einen kleinen Gästemob erspähen zu können. Neben dem 30 Mann Pjunik Mob konnten ungefähr 50 Gäste aus Gyumri gezählt werden. An dieser Stelle ein kurzer Sidefact: Armenien ist das wahrscheinlich bescheidenste Land welches ich bisher bereist habe wenn es um das Thema Bierspezialitäten geht. Lediglich das Gyumri Gold konnte halbwegs überzeugen, wo wir wieder bei den Gästen wären. Das Bierrating von Armenien wurde auch schon von einem Fussballfan aus Berlin thematisiert, welcher ebenfalls das Buch „,Englische Wochen in Armenien“ geschrieben hat.

      Aber zurück zum eigentlichen Thema: Das Spiel endete 1-1 und der FC Shirak aus Gyumri kann damit mehr als zufrieden sein.

      Nachdem Spiel fuhr ich zurück zum Hotel um meinen Rucksack abzuholen und bestellte mir ein Taxi zum Airport. Noch kurz vom mehr als netten Gastgeber verabschiedet, war ich froh gegen 22 Uhr an der Sicherheitskontrolle zu stehen. In der Apotheke am Airport habe ich mir noch (scheinbar) russische Tabletten gegen Übelkeit und Erbrechen gekauft da mir schon wieder mega schlecht war. Kurz vorm Boarding also zwei Teile reingeworfen und tatsächlich ging es mir relativ schnell besser. Die Wahrheit hinter diesen Tabletten ist vermutlich nicht, dass es einem plötzlich wesentlich besser geht, sondern vielmehr dass man vorallem ruhig und müde wird. Schlussendlich brachte aber auch das nichts, denn: Die gesamte Besatzung inklusive der ca. 150 Passagiere wartete nur noch auf das „Ready for Take Off“ des Captains doch stattdessen kam vom zuletzt genannten eine Durchsage auf armenisch, das Anschallzeichen ging aus und die Maschine wurde von mehreren Polizeiautos von der Startbahn zurück geführt. Nunja, so langsam fühlte ich mich wie Christoph Maria Herbst in „Stromberg – Der Film“ und fragte laut: „Haben sie dass gerade gehört ? Dass war mein Geduldspfaden und dieser ist so eben gerissen“. Gehört haben das sicher einige, verstanden hat es definitiv niemand da ich in dieser Maschine der einzige deutschsprachige Passagier war.

      1 1/2 Stunden später wurde ein mir unbekannter Passagier von der Polizei aus dem Flugzeug geholt und es konnte endlich losgehen. Gegen 04:00 Uhr am „neuen“ IST Airport gelandet und gegen 05:00 Uhr schlussendlich im Hotel. Lange war die Freude nicht mehr so groß über ein Bett, eine Toilette und vorallem ein bisschen Privatsphäre.

      Halbwegs ausgeschlafen ging es am Freitag Mittag dann per Metro und Tram zum türkischen 5. Ligisten „Alibeyköy Spor“. Istanbul Card, türkische SIM und ein paar tausend Lira hatte ich mir bereits auf dem Hinweg nach Armenien besorgt, da mein Stopover am SAW fast 8h Betrug.

      In Alibeyköy befindet sich das kleine Stadion vom Stadtteilverein, welches für ungefähr 3000 Zuschauer Platz bietet. Die kleine Tribüne auf der Gegengeraden wurde vor ein paar Jahren abgerissen. Theoretisch handelt es sich bei dem Stadion um ein „Allseater“, so wirklich viele Sitzschalen waren allerdings nicht mehr vorzufinden.

      In der ersten Halbzeit passierte bis kurz vor Schluss nicht wirklich viel. Das Spiel pletscherte so vor sich hin und die ca. 30-40 Jungs von Alibeyköy unterstützen umzingelt von der türkischen Polizei ihre Mannschaft akribisch. Kurz vor der Halbzeitpause dann aber der Schock: Ausgelöst durch ein Foul von einem Alibeyköy Spieler brach auf dem Platz eine Schlägerei aus. Da aber nur ein einziger Spieler abtransportiert werden musste, beließ der Unparteiische es bei einer gelben Karte und ließ die letzen zwei Minuten zu Ende Spielen. Nach der Halbzeitpause stellte die Gruppe von Alibeyköy den Support überraschend ein und zog sich sogar komplett aus dem Stadion zurück. Ich frage mich weiterhin ob der Mob mit der Leistung ihrer Mannschaft unzufrieden war oder ob es an den eigentlich sehr entspannten Polizisten lag. Das Spiel wurde wieder angepfiffen und die Gäste sind wesentlich stärker aus der Pause zurückgekommen und haben das Spiel verdient mit 1-2 gewonnen.

      Nachdem Abpfiff habe ich den Fehler gemacht und habe statt der Tram den Bus genommen. Um 17:15 Uhr in Istanbul nicht unbedingt die beste Idee, da ich statt angegebenen 34 Minuten ungefähr 1 1/2 Stunden bis nach Taksim gebraucht habe.

      (hd)