SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

SG BSG Kali Werra Tiefenort – SG Empor Kloster – 5:0

„GESAMTKUNSTWERK KAFFEETÄLCHEN“

29.03.2026
Kreisliga Westthüringen/Staffel II
Waldstadion Kaffeetälchen
Zuschauer: 240

BAD SALZUNGEN – Statt 7:9-Derby-Spektakel im Steigerwald hieß es für 75% der „Reisegruppe Thüringen“ am Sonntag: Waldstadion Kaffeetälchen! Die Spielstätte in der Kreisliga Westthüringen/Staffel II wurde für dieses Wochenende zum Zielspiel auserkoren. Etwas irre, wenn man nur auf das sportliche Niveau schaut, aber absolut erklärbar, sobald das Kaffeetälchen seinen Vorhang öffnet!

„Groundhoppers Dream“ in dem Ortsteil der Stadt Bad Salzungen, denn das kultige, kleine Stadion der Tiefenorter fliegt seit gut einem Jahrzehnt durch den medialen Fußball-Kosmos und ist bei Fußball-Touristen auf dem ganzen Kontinent in aller Munde. Vollkommen zu Recht, der Spielort im Wald strahlt nicht nur Fußball-Romantik vom Feinsten aus, sondern bekommt auch noch den Stempel „unique“ verpasst. Gerade die Stufen in der Kurve lassen das Herz höherschlagen. Erst wenn man oben am höchsten Punkt steht, entfaltet das Panorama seine volle Wirkung.

Der erste Blick am Eingang kann das Feeling noch nicht ganz transportieren. Die Aufmerksamkeit für das Waldstadion ist Fluch und Segen zugleich. Denn plötzlich ist in der zentralen Stadt des Wartburg-Kreises Geld für Neuerungen bei der BSG vorhanden. Der Kelch „Kunstrasen“ ist an der Spielstätte nochmal vorübergangen. Für alle weiteren Maßnahmen, die da folgen mögen, wurde bereits eine „Baustraße“ an der Gegentribüne fertiggestellt, die zeigt, wie moderne „Spundwände“ aus Fertigbeton den nostalgischen Eindruck sprengen könnten.

Zum Glück reden wir hier noch im Konjunktiv. Denn bis auf die Zuwegung zum Stadion, hat sich bis heute der Zahn der Zeit im Kaffeetälchen durchgesetzt. In der Kurve oben angekommen, schleicht sich eher die Befürchtung ein, dass irgendein Landrat oder eine Bezirksregierung diese steilen, schiefen Ränge vielleicht bald mal sperren könnte. Nehmen wir diese Gedankenspiele lieber schnell wieder mit nach Schwechheim und widmen uns dem Spieltagsgeschehen. Rund 250 Zuschauer waren an diesem Sonntag-Nachmittag ins Kaffeetälchen geströmt, davon sicher 10% Groundhopper aus allen Teilen Deutschlands. Die 3€ Eintritt werden mit einer sehr schönen Eintrittskarte belohnt und auch sonst gibt es ein paar nette Souvenirs an den Verkaufsständen zu erwerben. Der „Roster“ vom Grill kann auf ganzer Linie überzeugen und macht dem Bundesland alle Ehre.

Auch ein paar Dutzend Gästefans und vier Zaunfahnen hatten sich auf der Gegengerade eingefunden. Die SG Empor Kloster stammt ebenfalls aus einem Ortsteil der Kreisstadt Bad Salzungen. Im Kaffeetälchen stand also ein waschechtes Derby auf dem Programm. Der ehemalige DDR-Ligist traf auf den Tabellenletzten aus Kloster. Das Spiel lief von Beginn an nur in eine Richtung. Die spielerischen Darbietungen von Kali Werra waren von „hoch droben“ aus der Kurve wirklich schön anzusehen. Der Jubel auf den Rängen und der euphorische Stadionsprecher trugen ihren Teil zu einem mehr als gelungenen Nachmittag bei. Spätestens nach einem Platzverweis für den Kloster-Keeper war der Drops gelutscht und immer wieder konterte sich Tiefenort mit schnellen Stafetten vor das Tor, so dass das Endergebnis am Ende kein Zufall war.

Kein Zufall ist letztlich auch das „Gesamtkunstwerk Kaffeetälchen“, das auf ganzer Linie überzeugt. Nicht zuletzt die Groundhopper-Community mit ihren ständigen Besuchen und der medialen Aufmerksamkeit hat dafür gesorgt, dass das Stadion mittlerweile wie ein Denkmal gepflegt und erhalten wird. Besonderen Dank gebührt in diesem Zusammenhang natürlich Jonas Schulte, der diesen Sehnsuchtsort einst „wachküsste“, wie es Christoph Biermann in der Zeitschrift „11 Freunde“ beschrieb.

Dieser Zustand hält nachwievor an. Das Märchen vom Froschkönig passt ganz gut in das verwunschene Kaffeetälchen. (mm)

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