Holstein Kiel – 1.FC Kaiserslautern – 3:0

“DER FCK BRENNT – ABER KIEL BLEIBT EISKALT“

17.04.2026
2.Bundesliga
Holstein Stadion
Zuschauer:15.034

KIEL – Mein zehntes Spiel mit Beteiligung von Holstein Kiel führte mich ins Holstein-Stadion, wo der Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern zu Gast war.

Ein Freitagabendspiel, das mich sofort reizte – und so sicherte ich mir kurzerhand über den Holstein-Fan H. R. eine Eintrittskarte. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

Die Anreise mit der Bahn verlief reibungslos. Bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff befand ich mich im alten Gästeblock des Stadions – jenem Ort, an dem ich mir früher selbst die Stimme heiser geschrien hatte.

Diesmal betrachtete ich das Spiel mit neutraler Perspektive. Insgeheim drückte ich jedoch den Gästen die Daumen. Fritz Walter, der „Betze brennt“ – mehr Argumente braucht es kaum.

Gebrannt hat es an diesem Abend allerdings vor allem im Gästeblock: Zum Intro präsentierte sich ein beeindruckendes rot-weißes Fahnenmeer, und der gesamte Block erstrahlte in leuchtendem Rot. Gefühlt bei jedem Liedwechsel wurden neue Fackeln entzündet.

Doch auch die Anhänger von Holstein Kiel zeigten große Leidenschaft. Beim Einlaufen der Mannschaften erhellte die Westkurve das Stadion mit einem eindrucksvollen Lichterbild. Auf einem Spruchband war zu lesen:
„WIR FOLGEN DIR WOHIN ES GEHT – AUCH BIS ANS ENDE DIESER WELT.“
Eine Aussage, die beinahe an ein Nena-Konzert erinnerte – doch die Bühne bildete an diesem Abend die 2. Bundesliga.

Nach dem wichtigen Auswärtssieg in Düsseldorf trat die „Walter-Elf“ mit großem Selbstbewusstsein auf. Bereits in der 16. Minute erzielte Tohumcu mit einem sehenswerten Treffer die Führung. Die Gäste hingegen präsentierten sich über die gesamte Spielzeit hinweg schwach und fanden kaum ins Spiel. Innerhalb von nur vier Minuten erhöhten Harres (36.) und Zec (40.) und entschieden die Partie frühzeitig. Der 3:0-Halbzeitstand war hochverdient und wirkte am Ende sogar noch schmeichelhaft für die Gäste.

Dennoch verdienen die Fans aus Kaiserslautern größten Respekt: An einem Freitagabend rund 1400 Kilometer in den Norden zu reisen – für ein Spiel, das sportlich kaum noch Bedeutung hatte –, eine deutliche Niederlage hinzunehmen und dennoch ununterbrochen zu unterstützen, zeugt von außergewöhnlicher Leidenschaft und Qualität.

Auch inhaltlich setzten die Fans ein starkes Zeichen: Anhänger beider Vereine protestierten gemeinsam mit Spruchbannern gegen das Polizeigesetz in Schleswig-Holstein sowie gegen die Anstoßzeit am Freitagabend. Im Gästeblock wurden zudem kritische Botschaften zu Print@home-Tickets und zur Berliner Polizei präsentiert.

Insgesamt bleibt dieser Spieltag als gelungener Ausflug in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein in Erinnerung. (fj)

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

“BERLIN HAT BOCK AUF DIE HERTHA”

02.12.2025
DFB Pokal
Olympiastadion Berlin
Zuschauer: 51.193

BERLIN – DFB-Pokal in Deutschland. Grund genug, auch unter der Woche mal den Weg in die Hauptstadt auf sich zu nehmen. Den Arbeitstag hinter sich gebracht und rechtzeitig die Segel gestrichen. Ein Auto mit voller Besatzung aus Schwechheim nahm den kurzen Weg auf sich. Es fühlt sich schon fast wie Zuhause an, zählt es mittlerweile auch als mein zweitmeist besuchtes Stadion im deutschen-Profifußball. Das Auto wurde souverän in einer Nebenstraße abgestellt. Routiniert und zielorientiert den Weg in die blau-weiße Welt gestartet. Zuerst ging es zu den Traditions-Tickets der Herthaner. Was eine geile Aktion, für fünfzig Cent gibt es das Papierticket als Alternative für dieses trostlose print@home-Ticket des Vereins. Macht bitte weiter damit und danke für das kurze aber nette Gespräch!

Die roten Teufel aus der Pfalz mal wieder in der geschichtsträchtigen Spielstätte. Da werden wahrscheinlich nicht nur meine Erinnerungen wach, im Jahr 2024 spielten die Lautrer im Finale des Pokals gegen das Bayerkreuz. Mein erstes besuchtes Finalspiel in Deutschland, ein phänomenaler Auftritt der Jungs und Mädels vom Betzenberg. Für viele ein Highlight ihrer aktiven Fan-Karriere. Und heute? Circa 5.000 Fans nahmen den Weg unter der Woche auf sich, die ersten zwölf Minuten wurden auf beiden Seiten wie im Ligaalltag geschwiegen.

Während des Boykotts klingelte es das erste Mal im Kasten, die Alte Dame traf zum 1:0. Bitterer hätte die Partie für die Gäste kaum starten können. Nach dem wirklichen Anpfiff zum Spiel zeigte die Ostkurve die heutige Choreo: “Sehet die Fahne der alten Dame, fliehet ihr feindlichen Dämonen“. Der Startschuss war gesetzt. Ein solides Bild und ein brachialer Support der Herthaner. Wie so oft, kam es darauf an, lieferten die Fans ab. Oftmals gab es an diesem Ort Fan-Invasionen anderer großer Vereine. Die Ostkurve ist bei jedem dieser besuchten Spiele meinerseits mindestens mal konkurrenzfähig oder sogar besser. Die aktuelle Leistung stimmt, ein Lauf in der Liga und heute auf dem Platz sah es richtig gut aus. Die Angriffe und Abläufe stimmten, die Abwehr der Gäste wurde fast schon überrollt. Die Zuschauer wirkten fasziniert vom Auftritt ihrer Dame. Kurz vor dem Pausentee stand es 3:0, Marlon Ritter gelang noch der Anschluss. Ein kurzes Gefühl von erneuter Spannung bis zur 60. Minute. Hertha drehte wieder auf, die nächsten drei Tore und die Stimmung im Stadion erreichte erneut Höhepunkte. “Einer geht noch, einer geht noch rein” schallte es durch das weite und kalte Rund.

Der Mythos des Pokals lebt weiterhin, schafft es Hertha dieses Jahr bis ins Finale? Ein Traum vieler Herthaner, der sich vielleicht mal ergeben sollte. Der heutige Gast hat es vorgemacht, auch ein aktueller Zweitligist und schlafender Riese kann es verwirklichen. Mit Spannung warten wir auf die Auslosung. Für uns ging es mehr als zufrieden zurück ins Bett. 2 1/2 Stunden später erreichten wir die Heimat, hätte man ein Bezirksliga-Spiel in Lüneburg mit Anpfiff um 20:00 Uhr vor der Haustür gesehen, wären wir allesamt später zu Hause gewesen. DFB-Pokal um 18:00 Uhr, in meinen Augen eine top Anstoßzeit! (tp)