Blackpool F.C. – Wigan Athletic F.C. – 1:1

Blackpool F.C. – Wigan Athletic F.C. – 1:1

„DAS STADION ZUR HUNGRIGEN MÖWE“

07.03.2026
League One
Bloomfield Road Stadium
Zuschauer: 11.140

BLACKPOOL – Das Ziel an diesem letzten Winter-Überbrückungswochenende lautete eigentlich: Spanien. Aber von Schwechheim kam man einfach nicht gut in den Zielort nach Andalusien. Darum wurde sich für England als „Drehscheibe“ entschieden. Für’n Zwanni hob der Rainer aus Berlin nach Manchester ab und nächsten Tag ging es für eine ähnliche Summe nach Sevilla.

Dazwischen mussten 20h an einem Samstag in Nordengland bespielt werden. Das ist natürlich im Ballungsraum Manchester am traditionellen Spieltag kein Problem. Doch das Gesamtpaket musste stimmen und so blieb Blackpool als Favorit übrig. In der League One stand ein Lokalderby gegen Wigan Athletic auf dem Plan. Es war gar nicht einfach ein Ticket für das Match zu bekommen. Dafür war eine mehrfache „Booking History“ erforderlich. Zum Glück fand sich ein England-Liebhaber im Schwechheimer Kosmos, der die Voraussetzungen erfüllte. Für den stolzen Preis von 29£ ging es mit dem Ticket in der Innentasche, per Direktverbindung auf der Schiene, vom Airport MAN in die Stadt am Wasser.

Vor Ort angekommen, wurde man direkt von Eindrücken erschlagen. In Blackpool herrscht 365 Tage im Jahr 24/7 Remmidemmi. Über allem thront der berühmte „Tower“, den man von fast überall in der Stadt sieht. Blackpool ist eine einzige Ballermeile. Hier dreht sich alles um Glücksspiel, Junggesellenabschiede und Fish & Chips. Die Promenade zieht sich über mehrere Kilometer und bei Ebbe konnte ich ganz gemütlich einen Spaziergang bis zum Ende des Strands machen, der passenderweise mit einer Achterbahn abschließt. Wahnsinn, wie trashig das alles teilweise wirkt, wenn zum Beispiel „Spongebob Schwammkopf“ die Gäste der Stadt von einer Straßenlaterne grüßt. Eine Mischung aus Reeperbahn und Las Vegas, gespickt mit hungrigen Möwen. Welcome to Blackpool! Aber ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde: Mir hat’s gefallen.

Nur ein paar hundert Meter von der Ballermeile entfernt liegt die „Bloomfield Road“. Wie vieles in Blackpool, hat auch der Fußballverein schon bessere Zeiten gesehen. Vor allem in der Nachkriegszeit heimste der BFC mit der Mittelfeld-Legende Sir Stanley Matthews Titel ein und stellte viele Spieler für die „Three Lions“ ab. Übrigens: Eine Statue für Sir Stanley Matthews sucht man vor Ort vergebens. Jeweils ein Denkmal hat der Verein James Armfield und Stanley Mortensen gewidmet. Das sagt wohl einiges über die Spielerqualität der damaligen Generation aus. Eine Gedenktafel hängt zudem für Kevin Olsson am Stadion. Der 17-Jährige war vor 52 Jahren das erste Todesopfer der Hooligan-Bewegung.

Eine Menge Geschichte also rund um die Bloomfield Road. Dass es nicht einfach werden würde, dass das Drittligaspiel zweier Abstiegskandidaten da mithält, war klar. Doch die „Seasiders“ gingen per Kopf sehr früh in diesem Duell in Führung und so kam selten Langeweile auf. Beide Teams taktierten wenig rum. Wigan mag mehr Talent besitzen, Blackpool hatte mehr Spielanteile. Den Gästen gelang kurz vor der Pause mit einem beherzten Schuss aus einer Überzahl-Situation der Ausgleich. Im zweiten Abschnitt gab der BFC den Ton an, doch eine Großchance von den „Latics“ landete am Innenpfosten. Das größte Spektaktel in der zweiten Halbzeit waren die ausgehungerten Möwen, die sich zu Dutzenden zusammenrafften, um nach dem Abzug der Zuschauer gezielt fette Beute zu machen.

Mit dem Punkt können beide Vereine sicher erstmal leben. In der Tabelle bewegen sich die Teams gerade so über dem Strich. Bis in die 1950er-Jahre muss man übrigens gar nicht zurückgehen, um bessere Zeiten in der Historie der Vereine zu finden. Wigan konnte 2013 den FA Cup gewinnen. Im Finale besiegte der damalige Erstligist Manchester City mit 1:0. Die letzte Saison von Blackpool in der Premier League liegt auch „erst“ 15 Jahre zurück. Umso erstaunlicher, dass es sowohl für die „Seasiders“ als auch für Wigan nun um den beinharten Klassenkampf in der League One geht. Aus diesem Blickwinkel ist auch die Kulisse von über 11.000 Zuschauern und der zahlenmäßig ziemlich gute Auswärtssupport positiv einzuschätzen.

Das Stadion ist ein „typischer Engländer“ und etwas langweilig. Immerhin hat man die Gästetribüne modernisiert, die anlässlich der letzten Premier-League-Saison in aller Eile errichtet wurde. Falls Blackpool den Gang in die League Two antreten sollte, dürfte endgültig auch die halbe Kapazität des Stadions ausreichen. Wie man der Überschrift entnehmen kann, plädieren wir für eine Umbenennung des Spielorts, um mal ein bisschen „Pep“ in die Sache reinzubringen. (mm)