Glentoran FC – Dungannon Swift FC – 5:0

„ILLEGAL IM OVAL“

09.04.2026
NIFL Premiership
The Oval
Zuschauer: 2.210

BELFAST – Ebenso wie am Vortag den „Dalymount Park“ in Dublin, steuerte ich auch das legendäre „The Oval“ nach fast 10 Jahren zum zweiten Mal an. Beim ersten Mal ging der Besuch sprichwörtlich in die Hose. Ich erzähle es kurz und knapp: Auf dem Weg nach Belfast wurde damals noch irgendeine Klosterruine besichtigt. Es regnete schon den ganzen Tag. Auf dem steilen Weg dort hin rutschte ich aus und purzelte den morastigen Pfad ab. Unten lag ich wie ein Kanarienvogel im Matsch. Bis auf ein paar Blaue Flecken blieb ich körperlich unversehrt. Aber meine Garderobe war nicht mehr vorzeigbar. Unter dem Gelächter meiner Kameraden und von oben bis unten mit Schlamm besudelt, musste ich nur in Unterhose und mit geliehenem Pullover eines Mitreisenden im Mietwagen Platz nehmen.

Den Spielbesuch in Belfast konnte ich knicken und musste mich im Zentrum um neue Klamotten kümmern. Immerhin zogen wir alle zusammen über die Einkaufsmeile von Belfast und die Klamotten von dort hielten jahrelang. Jedes Mal musste ich an die Geschehnisse denken, wenn ich die schwarze „Übergangsjacke“ aus Belfast anzog. Und damit auch an den Sehnsuchtsort „The Oval“. Nun war es also so weit. Die Terminierung passte gut in unseren Pärchenurlaub. Am letzten Tag sollte es ohnehein nach Nordirland gehen. Am Spieltag selbst regnete es zunächst auch nicht. Diesmal sollte mir der Ground nicht durch die Lappen gehen. Dachte ich.

Denn wir hatten ein ganz anderes Problem. Da bei dieser Reise hauptsächlich Irland im Fokus stand und Belfast maximal einen halben Tag beehrt werden sollte, vergaßen wir im morgendlichen Abreisestress die Reisepässe zu Hause. Ich biss mir auf die Lippe. Und das mit der Vorgeschichte von damals. Eine kurze Recherche ergab zum Glück, dass zwischen der Republik Irland (EU) und Nordirland (UK) keine Grenzkontrollen stattfinden. Zunächst war der Plan, die Grenze irgendwo in einem Dorf zu passieren. Doch schließlich waren wir uns unserer Sache sicher – ab über die M1. Alles was einem auf der Strecke erwartet, ist ein Schild: „Willkommen in Nordirland“. Sollte man im Anschluss nicht polizeilich auffallen, steht dem Fußballbesuch nichts mehr im Wege.

Illegal ging es also ins Oval. Schon eine Stunde vor dem Anpfiff steuerten wir den legendären Spielort der „Glens“ an und fanden einen Parkplatz, vielleicht 50m vom Eingang entfernt. Bei Glentoran geht es in allen Belangen gemütlich zu. Für 15£ bekommt der Groundhopper am Kassenhäuschen ein weiteres Hardticket für die Galerie in die Hand gedrückt. Mit der Karte darf man jeden Sektor des Stadions betreten. Alles ist geöffnet. Vom Rasenwall hinter dem Tor, bis zum Auswärtsblock. Dungannon rückte mit etwa 20 Leuten an, darunter ein Schreivogel besonderer Güte, der es locker mit den hiesigen Möwen aufnehmen konnte. Als der Himmel nach gut einer Viertelstunde seine Schleusen öffnete und sich ein Platzregen über Belfast ergoss, flüchtete der kleine Mob auf die überdachte Gegentribüne. Für die Swifts geht es um nichts mehr. Der letztjährige Aufsteiger und Pokalsieger ist auf den letzten Drücker in die Meisterrunde gerutscht und feierte somit den sicheren Klassenerhalt. Das Saison-Highlight fand im vergangenen Sommer statt: Die Gäste traten in der Conference League beim FC Vaduz an und siegten dort mit 1:0. Das Rückspiel verlor man 0:3 nach Verlängerung. Aber, egal.

Ganz anders bei Glentoran. Mit einem Sieg drei Spieltage vor Schluss an diesem Samstag gegen Dungannon war klar: In zwei Wochen können sich die „Glens“ aus eigener Kraft zum Meister krönen! Es wäre der erste Titel seit 17 Jahren. Im Fernduell mit Larne zog der Spitzenreiter zunächst davon und Glentoran benötigte in diesem Spiel im Idealfall einen hohen Sieg. Für Spannung war also reichlich gesorgt. Der Kantersieg gelang, auch dank der Mithilfe des gegnerischen Torwarts, der mindestens drei Treffer verschuldete. Aber auch ohne Torwartfehler waren die Gäste in diesem besseren Regionalliga-Spiel dem Druck irgendwann nicht mehr gewachsen. Zumindest in der zweiten Halbzeit fielen zwei schön herausgespielte Treffer.

Glentoran bleibt zwei Spieltage vor Schluss weiterhin drei Punkte hinter den Jungs aus Larne. Der Clou: Am morgigen Freitag kommt es in „The Oval“ zum direkten Duell der beiden Kontrahenten. Durch den 5:0-Sieg gegen die Swifts reicht dem GFC ein einfacher Sieg für die Tabellenführung und beide Teams würden punktgleich in den finalen Spieltag gehen. Wir drücken dem sympathischen Verein aus Belfast die Daumen! Das Stadion ist eine Wucht, vor allem die große Haupttribüne lässt die Kinnlade herunterklappen. Alles wirkt irgendwie so geordnet, dabei knabbert der Zahn der Zeit an jeder Ecke. Allein der Hafenblick, die spielenden Kinder auf dem Wall und die Flugzeuge, die über den Ground segeln, wären das Eintrittsgeld wert. Da kümmert es auch nicht, dass selbst im spannenden Meisterschaftsrennen gerade mal 2000 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden. Zwei illegal eingereiste Besucher aus Schwechheim kommen noch dazu. (mm)

Portadown FC – Glenavon FC – 3:1

Portadown FC – Glenavon FC – 3:1

“UND BELFAST WAR VOLL SCHMERZLICHKEIT, DER ABSCHIED TAT NICHT WEH”

04.10.2025
NIFL Premiership
Shamrock Park
Zuschauer: 2.322

PORTADOWN – Am Tag der Deutschen Einheit machte ich mich von Lübeck über Stansted auf den Weg nach Dublin. Nachdem der erste Flug pünktlich war, verzögerte sich der Abflug nach Dublin. Auf der Insel tobte ein starker Wind, sodass die Landung zunächst nicht durchgeführt werden konnte. Nachdem die Maschine ein paar Runden gedreht hatte, setzte Rainer bekanntlich hart auf der Landebahn auf.

Der erste Bus von Dublin nach Belfast wurde verpasst, sodass ich ein neues Ticket buchen musste. Auf dem Weg nach Belfast checkte ich noch einmal den Social-Media-Account von Cliftonville – und wenig später lief es mir eiskalt den Rücken hinunter: GAME OFF.
Absage wegen gesundheitlichen Risikos durch den Sturm. Bereits letztes Jahr wurde versucht, diesen Ground zu kreuzen. Jedoch verstarb am Spieltag ein Spieler der Mannschaft, wodurch das Spiel logischerweise abgesagt wurde.

Also musste eine Alternative her.
Im Windsor Park sollte Linfield spielen, und zunächst wurde bekannt gegeben, dass das Spiel stattfindet. Wenig später war auch diese Nachricht wieder hinfällig – sowohl dieses als auch alle anderen Spiele wurden abgesagt. Somit führte mich der Weg in den Wetherspoon, wo Freunde an mich gedacht hatten, sich solidarisch zeigten und mir Cider spendierten.

Nach dem Frustsaufen ging es weiter zum Belfast International Airport. Am nächsten Morgen sollte es zurück nach Stansted gehen, um dann Portsmouth zu kreuzen.

Am Gate wurde der Boardingpass kontrolliert – doch wenige Sekunden später wurde der Prozess abgebrochen: Das Flugzeug stand nicht bereit. Verspätung um 1,5 Stunden. Es hätte einen neuen Zug gebraucht, um das Spiel noch zu erreichen, doch die Verspätung zog sich immer weiter. Erst stand auf der Anzeigetafel 13:00 Uhr statt 06:55 Uhr, später 16:30 Uhr und schließlich 17:30 Uhr.
Somit ging auch bei Portsmouth der zweite Anlauf in die Hose, nachdem ich 2023 bereits durch Krankheit gescheitert war.

Da hatte ich genug.
Schnell in die Futbology-App geschaut – und siehe da: Mit dem Kick Portadown FC – Glenavon FC wurde sogar ein Derby gefunden. Ich rief jemanden vom Verein an, um sicherzugehen, dass das Spiel wirklich zu 100 % stattfindet. Als dies bestätigt wurde, startete ich eine neue Tour. Boardingpass zerrissen – und im Bus nach Belfast fragte ich einen Kollegen spontan nach einem Ticket für den Sonntag-Kick Everton – Crystal Palace. Wenig später konnte ich eine Karte erwerben und buchte anschließend einen Flug nach Liverpool sowie einen neuen Rückflug nach Hamburg.

Das neue Tourprogramm stand, und pünktlich kam ich mit dem Bus aus Belfast in Portadown an. Nach 16 Stunden am Airport wurde es höchste Zeit, etwas zu essen – denn Snacks oder Essensgutscheine hatte Ryanair natürlich nicht angeboten. So besuchte ich ein indisches Restaurant und war mit dem Chicken mehr als zufrieden.

Nach all dem Stress spazierte ich weiter zum Stadion – und es war ein Gefühl von Glück, endlich die Flutlichtmasten zu sehen und wenig später den Ground zu betreten.
In diesem Moment war es für mich der schönste Ground der Welt – und auch wenn das übertrieben klingen mag, konnte der Shamrock Park nüchtern betrachtet absolut überzeugen. Besonders die alte Tribüne, die leider nicht mehr geöffnet ist, lässt die Herzen jedes Fußball-Nostalgikers höherschlagen.

Es folgte ein Besuch im Fanshop. Die Artikel gefielen mir gut, besonders das Gründungsjahr 1887, das mir sofort ins Auge fiel. Diese schöne Zahl entdeckte ich auch auf einer Mütze – und als ich nach dem Preis fragte, wurde mir die Mütze kostenlos angeboten, da der Bommel fehlte: DEAL!

Das Stadion war zwar nicht ausverkauft, aber gut besucht. Im Gästeblock fiel mir eine Erzgebirge Aue-Fahne auf. Die Fans von Glenavon und Aue pflegen ein freundschaftliches Verhältnis – Grund dafür ist ein nie ausgetragenes Europapokalspiel der beiden Vereine, das wegen des Kalten Krieges abgesagt wurde. Nachgeholt wurde die Partie schließlich im Juli 2025 im Mourneview Park – über 1000 Fans aus dem Erzgebirge reisten damals an.

Heute aber war Derbyzeit, und im Gästeblock wurde blauer Rauch gezündet, der durch den Wind allerdings stark verwehte und kein besonders schönes Bild ergab. Im Heimblock wurde immer wieder eine Fahnen geschwenkt und Gesänge angestimmt. Dank der Fans konnte überhaupt angepfiffen werden – sie hatten zuvor mehrere Sturmschäden am Stadion beseitigt.

Zur Pause stand es 0:1 für die Gäste, und ich stattete dem Club 91 (Social Club) einen Besuch ab. Dort bestellte ich mir einen frisch gezapften Apple Cider. Schade, dass man alkoholische Getränke nach wie vor nicht auf der Tribüne trinken darf.

In der zweiten Halbzeit machte ich noch ein paar Fotos und setzte mich dann auf einen freien Platz. Plötzlich hörte ich hinter mir Deutsch. Ein kurzer Blick – und schon wurde sich klassisch norddeutsch mit einem „Moin“ begrüßt. Es entstand ein nettes Gespräch, und gemeinsam sahen wir, wie Portadown das Spiel zu einem 3:1-Derbysieg drehte.

Der Ground war damit eingetütet. Zu meinem Glück wurde ich von den beiden deutschen Groundhoppern nach dem Spiel mit ihrem bestellten Taxi mitgenommen.

Der Tag endete am Flughafen von Dublin – mit einer weiteren Airport-Nacht und der Hoffnung, dass der Rest der Tour nun endlich glatt laufen würde. (fj)