FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

FSV Frankfurt 1899 – Kickers Offenbach – 2:4 n.E.

„REVISIT FOR NOTHING – DANKE, DEUTSCHE BAHN!“

13.02.2026
Hessenpokal
Stadion am Bornheimer Hang
Zuschauer: 6.414

FRANKFURT – Am Donnerstag-Abend entschied sich für mich das Freitagsprogramm. Die dt. Rennrodler räumten in Milano/Cortina im Teamwettbewerb die Goldmedaille ab und mit der „BahnCard 25 Probe Gold“, die man im Vorfeld für läppische 19€ erworben hatte, gab es am Folgetag beliebig viele freie Fernfahrten mit der DB! Danke Deutsche Bahn, danke Team Deutschland!

Ein Flug von Berlin um 10 Uhr am Samstag in den UK, war schon lange gebucht. Normalerweise wäre man gemütlich am Vortag mit der Regionalbahn von Schwechheim nach Berlin gefahren: Amateurkick und günstiges Hotelzimmerchen, nächsten Tag ausgeschlafen nach Manchester. Aber was ist schon normal in diesem Winter? In Berlin wurde bereits in der Vorwoche eine Generalabsage ausgesprochen. Dank der Goldmedaille gab es aber sehr gute Alternativen for nothing.

Bedingung war natürlich auch eine nächtliche ICE-Rückfahrt nach Berlin. Möglichst vor Mitternacht, damit man den Zug nicht bezahlen musste. Ab Köln und Frankfurt fuhr jeweils ein ICE um 23:30 Uhr mit passender Ankunftszeit Richtung Hauptstadt. In NRW hätte man in Velbert einen neuen Ground besuchen können. Aber die kalten Temperaturen und der Neubau irgendwo im Nirgendwo schreckten ab. Es wurde der Bornheimer Hang, der in „glorreichen Corona-Zeiten“ vor 5 Jahren mal als Geisterspiel gegen den Bahlinger SC besucht wurde. Da man damals auch sehr edel vom FSV behandelt wurde und dem Verein die letzten Bierreserven aus dem Kühlschrank abluchste, stand ein weiterer Höflichkeits-Besuch bei dem Regionalligisten noch aus.

Trotz Schneefall gingen alle Fahrten pünktlich über die Bühne und in Bornheim angekommen, wurde dieser interessante Stadtteil bei rund 10 Grad Außentemperatur einmal mehr unter die Lupe genommen. Zu Fuß ging es dann pünktlich zum FSV. Aus der Löwengasse kommend, genießt man einen hervorragenden Blick von oben auf die Bude. Das Stadion wurde ja vor etwa 15 Jahren rundum modernisiert, gefällt aber trotzdem mit seinen unüberdachten Kurven. Offenbach war zahlreich angereist, konnte den Block aber nicht komplett füllen. Von der FSV-Szene nahm ich ehrlicherweise das erste Mal richtig Notiz. Ein ganz kleiner Haufen, der aber permanent Lärm erzeugte und in Bewegung war.

Das Spiel konnte mit beiden Kurven nicht wirklich mithalten – bezeichnend. Schon früh war absehbar: Das wird hier heute kein Spektakel. Zwei Teams außer Form und auf dem Rasen stand mit dem Halbfinaleinzug eine Menge auf dem Spiel. Aufregung gab es vor allem an der Seitenlinie, wo es zu Rudelbildungen kam. Der FSV mag das talentiertere Team zusammenhaben, was sich aktuell in der Tabelle widerspiegelt. Offenbach stellte die guten Ansätze aus dem ersten Abschnitt nach der Pause ein und übte sich in planlosem Offensivspiel mit katastrophalen Abschlüssen. Die Frankfurter waren näher am Duselsieg, die Gäste mussten einen Ball auf der Linie retten. In der Nachspielzeit kam der OFC jedoch zwei Mal gefährlich nah vor das Tor.

Wie dem auch sei: Entscheidung im Elfmeterschießen nach 90 torlosen Minuten. Die Gastgeber vergeigten gleich den ersten Versuch, Offenbach traf mit jedem Schuss. Besonderheiten gab es sonst keine. Immerhin klappte die Nachtfahrt zum BER reibungslos. Der Zug kam sogar 14 Minuten zu früh in der Hauptstadt an. Das ist fast mehr wert als ein gutes Fußballspiel. (mm)

FSV Frankfurt – Bahlinger SC – 4:2

FSV Frankfurt – Bahlinger SC – 4:2

„DER SCHIEBER VON BUTZBACH“

08.05.2021

Regionalliga Südwest

Stadion am Bornheimer Hang (PSD Bank Arena)

Zuschauer: 0

FRANKFURT – Auch in Frankfurt sind die Geschäfte momentan mehrheitlich geschlossen. Ansonsten macht sich „Corona“ an diesem schönen Frühlingstag in der hessischen Finanzmetropole nicht sonderlich bemerkbar. In Bornheims Stadtmitte fühlt man sich im Markttreiben gar wie in der Portobello Road in dem Film „Notting Hill“, für den der gleichnamige Londoner Stadtteil Pate stand. Fußball wird natürlich wie eh und je gespielt und in einem ziemlichen Kontrast zu der aktuellen Verfügungslage steht auch die Veranstaltung beim FSV Frankfurt. Zunächst mal: In der Regionalliga Südwest geht es sowohl für die Bornheimer als auch für die Gäste aus dem Kaiserstuhlgebirge um gar nichts mehr.

Auch sonst kann man diesen unspektakulären Kick als ziemlich lockere Veranstaltung durchwinken. Die Tribüne ist für ein Geisterspiel gut besucht. Augenscheinlich tummeln sich auch einige Angehörige in dem Stadion, einem Betonpalast, keine zehn Jahre alt, der aussieht wie ein Neubau aus den 80er-Jahren – unförmig und grau. Das seltsame Gebäude, aus dem die Hintertortribüne besteht, könnte auch in der JVA Butzbach stehen. Aber egal, schließlich zählen ja die inneren Werte. Und da kann man sich vorstellen, dass man hier schöne Fußballnachmittage erleben kann, vor halbwegs gefüllten Rängen. Und außerdem: Das Catering hat man – im Vergleich zu anderen Vereinen – nicht gänzlich eingestellt und serviert seinen geladenen Gästen zumindest Getränke. Das heißt für mich und die meisten anderen Stadiongänger: Endlich mal wieder Live-Fußball und Bier. Das Leben kann so einfach sein…

Dieses Motto gilt auch für die Männer, die sich auf dem Rasen duellieren. Bei den Gästen vom BSC spielt der Trainer an der Außenlinie eine lebendige Rolle. Immer wieder kommandiert und gestikuliert Dennis Bührer – ehemaliger Profi in Freiburg und Dresden – seine Elf nach vorne. Mit Erfolg, denn die gut strukturierten Bahlinger gehen schnell und etwas überraschend mit 2:0 in Führung. Ein zweifelhafter Elfmeter und ein ganz feines Hinterkopfballtor sorgen für ein komfortables Resultat. Der Elfmeter produziert überdies die wunderbare Stilblüte, dass die halbe Tribüne – namentlich der Staff vom FSV Frankfurt – lauthals „Schieber“ ins Rund brüllt. Für mich jetzt schon ein Highlight des Jahres.

Kurz vor der Pause verkürzen die Frankfurter etwas glücklich durch einen Beintunnler zum 1:2. Und wie das immer so ist: Die Gästemannschaft, der Außenseiter, knickt ein. Da nützt den Badenern auch ein überragender Hasan Pepic nichts, der die Abwehrspieler zuvor im Alleingang nass gemacht hat und dessen Bruder Mirnes in den Bundesligen kein Unbekannter ist. Noch bevor man Geld bei Sportwettenanbieter platzieren kann, gleichen die Hessen mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit aus. Gerade mal 30 Sekunden sind vielleicht gespielt, da steht es nach einem Konter 2:2. Die derben Zwischenrufe in hessischer Mundart verstummen endgültig, nachdem man in Folge eines Eckballs durch den starken Abwehrspieler Jesse Sierck den Zwei-Tore-Rückstand in eine Führung dreht.

Die tapferen Gäste hätten einen Punkt verdient und geben nicht auf, treffen in der Nachspielzeit sogar den Pfosten, doch zuvor macht der Sohnemann von Torwartlegende Dieter Burdenski den Deckel drauf, in dem er einen Konter zum 4:2-Endstand veredelt. Dieser Fabian Herbert Burdenski kam irgendwann mal vom SSV Jeddeloh zum FSV Frankfurt und hatte zuvor schon – passend zu den aktuellen, restriktiven Verhältnissen im Fußball – fernab der öffentlichen Wahrnehmung in Polens Ekstraklasa ein bisschen Karriere gemacht. Ein würdiger Schlusspunkt dieser Partie ist schließlich, dass man mir das letzte Bier aus dem Kühlschrank aushändigt. In dieser Disziplin meldet der FSV Frankfurt heute „ausverkauft“.

mm