Bali United FC – Arema FC – 1:0

Bali United FC – Arema FC – 1:0

“EIN ORT DER GLÜCKSELIGKEIT“

04.01.2026
Super League
Kapten I Wayan Dipta Stadium
Zuschauer: 8.501

GIANYAR – Die Reise ging weiter. Nach den Berichten aus Äthiopien und Bangladesch ging es für mich nach Indonesien. Die Auswahl, aus Dhaka in ein anderes Land zu fliegen, war begrenzt, keine Destination war gerade billig, außer zahlreiche Inlandsflüge oder Indien. Das war für mich keine Option, da investiere ich doch lieber mal ein paar Groschen mehr und somit hatte ich freie Auswahl. Für das gleiche Geld kam Malaysia, Thailand oder eben Indonesien ins Gespräch. Thailand veröffentlichte Mitte Dezember immer noch keine weiteren Spiele für den Januar und Malaysia kommt irgendwann sowieso in meine Reiseroute. Für einen schmalen dreistelligen Betrag ging es also nach Denpasar. Über die Insel Bali habe ich schon so einiges gehört: „Bali oder Ballermann” ist quasi das “Arda Güler oder Messi” der deutschen Reisebüros. Massen an Touristen strömen hier über das Jahr verteilt ein. Wer mehr Fakten zur Insel und Tipps haben will, dem empfehle ich den Beitrag vom Kollegen (hd) bei uns auf dem Profil (30.09.2025). Dafür bin ich einfach nicht zuständig, mich interessiert eigentlich nur Fußball, Fans, günstiges Konsumieren und alle anderen Spartipps.

Die Einreise nach Indonesien verlief sehr simpel, wenn Touristen sich vorher informieren. Wenn nicht, müssen sie sich in langen Schlangen zum Ausfüllen der sogenannten “Arrival Card” anstellen. Meine Person betrifft es zum Glück nicht, ganze zwei Minuten habe ich mich vorab damit befasst. “Visa on Arrival” gibt es zudem, zahlt man mit Bargeld (Euro wird akzeptiert), spart man sich auch noch die 5% Bearbeitungsgebühr bei Kreditkartenzahlungen. Wusste ich vorher auch nicht, aber Euro dabei zu haben schadet nirgendwo auf diesem Planeten. Der entsprechende QR-Code für die Arrival Card muss nach den Passkontrollen vorgezeigt werden, somit dauerte meine Einreise keine 15 Minuten. Ab in die Abholzone vom Grab und auf ins Hotel. Verkehr? Auch hierüber habe ich so einiges Schlechtes gehört. Bei meinem Aufenthalt war es weder am Sonntag noch am Montag dermaßen gefüllt, überall war gutes Durchkommen und die Routen dauerten vielleicht mal +10 Minuten. Vollkommen okay, ist halt nicht Rio de Janeiro, sondern am Ende nur Bali. Aber klar, der Faktor wird sein: Es ist eben keine Hauptreisezeit auf Bali.

Ab zu den wichtigen Themen: Der Spielort des Erstligisten liegt weit außerhalb, das Hotel wurde in der Nähe des Stadions gebucht. Die Eintrittsberechtigung auf der Gegengerade kostete 4€ und war lediglich online zu erwerben, der Verein pflegt das Instagram-Profil täglich mit News. Eine Tageskasse wird nicht beworben und gesehen hab ich auch keine, schade für die Sammler unter uns, somit bleibt den Fanatikern das Abspeichern in die Wallet oder das PDF ausdrucken. (GROẞER MIST!!)

Arema FC? Wieso kam mir der Verein so bekannt vor? Ein trauriger Hintergrund. Am 01.10.2022 geschah in Indonesien eine der größten Katastrophen im Fußball. Das Kanjuruhan Stadion war der tragische Ort einer ausgebrochenen Massenpanik. Nach dem Spiel zwischen Arema FC und Persebaya stürmten die Fans des Gastgebers den Platz. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Fans zurück auf die Tribünen zu scheuchen. Was folgte, sind Bilder, die um die Welt gingen. Eine dreistellige Anzahl an Todesopfern. Schweigeminuten in vielen Ländern, auch in Europa. Der Fußball in Indonesien lag brach, die Liga wurde zu Recht ausgesetzt. Momente, die kein Fußballfan, Konzertgänger oder sonst jemand erleben möchte. Doch auch in Deutschland habe ich schon oft Situationen erlebt, wo es brenzlig wurde, weil irgendwelche „Sicherheitsbedingungen“ ausprobiert werden. Oft lag es an der Besonnenheit einiger Fußballfans, die zum Glück die Nerven behalten haben. Ich denke mal, jeder Leser der ein paar Spiele insbesondere als Auswärtsfan mitgemacht hat, weiß wovon ich hier schreibe. Wir können nur hoffen, dass solche Vorfälle nicht oder am besten nie wieder vorkommen.

Der zweimalige Meister von der Touristeninsel Bali agiert aktuell unter dem dritten Vereinsnamen seiner Geschichte. Nach der ersten Nennung als “Putra Samarinda” gab es im Jahr 2003 durch finanzielle Engpässe einen Zusammenschluss mit dem Verein Persisam. Nach der Entscheidung ging es dann weiter mit dem Namen: “Persisam Putra Samarinda”. Zu guter Letzt wurde 2014, mit dem Hintergedanken, einen Erstligisten auf Bali zu festigen, der Verein erneut umbenannt zu Bali United FC, so steht der Name auch 11 Jahre danach noch. Die Namensänderung hatte auch einen Umzug des Stadions mit sich, vor dem Jahr 2014 absolvierte man die Heimspiele noch im Stadion Segiri. Die Spielstätte liegt auf der Insel Borneo und in der Stadt Samarinda. Aktuell spielt in dem Stadion ein Erstligist, welcher auch aus der Stadt Samarinda kommt: Borneo FC Samarinda. Irgendwie ist alles schon verrückt.

Besonders erstaunt war ich, als ich im schönen Stadion angekommen bin. Die Nordseite des Stadions war noch nicht gefüllt. Über Instagram entdeckte ich das Profil der “northsideboys12”. Hier wurde ein Aufruf gepostet, heute zahlreich und leidenschaftlich, ihre Tridatu-Warriors zu unterstützen. Auf der anderen Seite war der Gästeblock. Zum Start der Partie übernahmen die mitgereisten Anhänger ganz klar die Oberhand. Ich war erstaunt, wie viele Supporter diesen Weg auf sich nehmen. Sofern die Reise mit Autos oder Bussen bewältigt wurde, sind es laut Google Maps immerhin rund 10 Stunden Fahrt + die Überfahrt mit der Fähre. Wahnsinn! Im Laufe der Spielzeit füllte sich der benachbarte Block noch mit weiteren Anhängern des Gastes, so waren es am Ende sicherlich gut und gerne 2.000 Fans aus Malang. Das Spiel startete zäh und wurde auch nicht großartig erwähnenswert. In der zweiten Halbzeit fiel das Tor für die Heimmannschaft. Währenddessen genoss ich die Stimmung der Fans, die Version mit Trommeln von “You’ll Never Walk Alone” habe ich vorher nie gehört. Kurios, aber irgendwie auch interessant.

Mit dem vorbestellen Grab ging es in den Pool der Unterkunft, während der “Regenzeit” in Indonesien gibt es richtig gute Unterkünfte für unter 20€ zu erwerben. Das ist top, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es unbedingt großartig teurer wird. Vielleicht sollte man seine Augen breiter fächern und nicht nur in beispielsweise Kuta oder Sanur nach Unterkünften Ausschau halten. Den Bericht schrieb ich am vierten Tag meines Indonesien-Aufenthalts. Meine Arme, Nacken und Beine erhielten einen kostenfreien Sonnenbrand. Obacht, also auch während der Regenzeit. Von der Insel Bali ging es schon nach 24 Stunden Aufenthalt, der Weg führte mich auf die Insel Java. Weg von den Touristen-Horden dieser Welt, gefällt es mir doch meistens irgendwo am besten, wo sich eben nicht die Masse aufhält. Ein weiterer Bericht aus Indonesien wird sicher noch folgen, wir lesen uns! (tp)

FC Winterthur – FC Basel – 1:2

FC Winterthur – FC Basel – 1:2

„RACLETTE STATT KUNST“

07.12.2025
Super League
Stadion Schützenwiese
Zuschauer: 8.700

WINTERTHUR – Eigentlich sollte hier ein Text aus Bern stehen. Doch statt ins Wankdorfstadion ging es ins Elisabeth-Schwarzhaupt-Krankenhaus nach Schwechheim. Kein Flieger in die Schweiz und kein Spektakel bei den Young Boys Bern, dafür eine Irrfahrt ins Hospital und Schlagseite in der Notaufnahme. Der Daumen unseres Redakteurs (tp) hing nach einem tiefen Glasschnitt am seidenen Faden und die Reise ins Ausland wurde gestrichen. Wie gut, dass ein Teil der Redaktion ein Wochenende zuvor in der Schweiz weilte.

Die Entscheidung letzte Woche einen Bericht aus St. Gallen oder Winterthur zu bringen, war ohnehin eine ganz knappe gewesen. Hätten wir einen Volksentscheid ausgerufen, dann wäre das Votum vermutlich 51:49 ausgefallen. Aber so folgt an dieser Stelle nochmal ein kurzer Abriss über den Besuch beim FC Winterthur, auch weil sich tatsächlich letzte Woche neue Entwicklungen angekündigt haben, die wir hier gerne erwähnen möchten.

Nach einer Sightseeing-Runde im schönen St. Gallen ging es per Zugfahrt nach Winterthur. Hier profitierte man tatsächlich von einer Zugverspätung der SBB, ohne die Winterthur eine halbe Stunde später erreicht worden wäre. Auch in der sechstgrößten Stadt der Schweiz wurde eine kleine Touri-Runde durch den Stadtkern gedreht und der Ort als eher unspektakulär eingestuft. Nach der Bummelei und vor dem Fußballspiel musste noch ein kleines Problem gelöst werden – der Rucksack stand dem Spielbesuch im Weg. Die Schließfächer im Hauptbahnhof waren alle belegt und Plan B sah vor, wahllos in einem Hotel nachzufragen ob die Tasche gegen einen kleinen „Obolus“ verwahrt werden könne. Nur war in der Altstadt irgendwie kein großes Hotel aufzutreiben und der Weg ging schon wieder Richtung Spielort, um sich vielleicht irgendwie ins Stadion reinzusabbeln…

Am Rande der Altstadt passiert man ein großes Gebäude – das Kunstmuseum. Und da fiel plötzlich der Groschen: In den Museen gibt es ja oft Spinde, um seine Habseligkeiten zu verschließen. Und das Kunstmuseum Winterthur ist in dieser Hinsicht wirklich exzellent aufgestellt. Abschließbare Schränke ohne Gebühr bietet das KMW an. Zugegeben: Die feine englische Art war das nicht, aber der Zweck heiligt die Mittel. Außerdem sollte sich der „Move“ auch noch etwas rächen. Beim Verlassen des Museums musste an der Kasse unbedingt noch die Öffnungszeit ermittelt werden, diese fiel mit 17 Uhr positiv aus. Doch auf dem Weg zum Stadion fing es an zu tröpfeln. Und der Regenschirm? Der lag im Spind. Nochmal ins Museum? Das wäre einmal zu viel gewesen.

Also ab zur Schützenwiese – und viel zu früh hinein in die Bude. Das Stadion war am Ende ausverkauft und auch aufgrund der stolzen Preispolitik in der Schweiz lag der gebuchte Platz hinter dem Tor, neben den Gästefans. Ein Weg zur Haupttribüne bestand nicht, das einzige Tor war bewacht und abgeschlossen. Auch Regenschutz war kaum vorhanden. Die Hoffnung noch ein Stückweit auf der Geraden zu stehen, wie das gegenüber bei der „Sirupkurve“ der Fall ist, erfüllte sich nicht. Immerhin biegt sich in Winterthur die Kurve etwas Richtung Eckfahne, so dass die Sicht auf die Gästefans am Ende ganz passabel ist. Für 25 Franken ist das okay. Basel konnte den Block restlos füllen und punktete mit Dauersupport. Allerdings verzichtete der FCB auf jegliche Effekte und auch die Mitmachquote fiel teilweise mager aus, so dass die „verklausulierte Sicht“ auf die Gästefans am Ende nicht wirklich schadete.

Die Veranstaltung gefiel eher aus Sicht des Heimvereins. „Winti“ steht auf dem letzten Platz der Super League. Dennoch ist aktuell fast jedes Spiel ausverkauft und der Verein scheint einfach tief verankert zu sein im Ort. Das geflickschusterte Stadion vereint die ganze Silhouette der Stadt. Der große Klotz hinter dem Gästeblock ist das „Sulzer-Hochhaus“. Bis 2003 das höchste Gebäude der Schweiz. Hinter der „Bierkurve“ grüßt der Turm der St.-Peter-und-Paul-Kirche und der Bahnhof ist auch keine 10 Fußminuten von der Schützenwiese entfernt.

Das Stadion ist wirklich unkonventionell und bringt Spaß. Neben einer alten Haupttribüne gibt es Stufen hinter dem Tor und ausgerechnet die neue Tribüne auf der Längsseite ist eine reine Stehplatztribüne. Entsprechend authentisch ist die Stimmung Einfach top! Doch nur ein paar Tage später flatterte die Nachricht ins Haus, dass dem FCW 35 Millionen Franken bewilligt wurden, um das Stadion auszubauen. Die Hintertorseiten sollen durch neue Tribünen ersetzt werden.

Es könnte gut sein, dass das modifizierte Stadion in der zweiten Liga eingeweiht wird. Denn „Winti“ konnte sich an diesem verregneten Sonntag-Nachmittag nicht mit einem Punktgewinn belohnen, dabei spielten die Nordostschweizer den Favoriten teilweise an die Wand. Ex-Bundesliga-Keeper Marwin Hitz im Kasten der Basler scheint nicht viel von seinen Fähigkeiten verlernt zu haben und vereitelte Chance um Chance. Der FCB verwandelte gleich die erste Möglichkeit nach rund einer halben Stunde in Person von Xherdan Shaqiri. Doch der FCW glich direkt nach der Pause per Kopfball aus. Auch danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Basel ein VAR-Elfmetergeschenk nicht verwandeln konnte. Ein Punkt für beide Teams wäre echt okay gewesen, doch die Gäste duselten Sekunden vor Schluss nach einer Ecke mit mehreren abgeblockten Schüssen noch einen Ball ins Netz – und ließen sich nach einer überaus mäßigen Leistung am Ende als großer Sieger feiern. Wird schon seinen Grund haben, warum Winti auf dem letzten Platz steht.

Nach dem Schlusspfiff führte der Weg über die Haupttribüne aus dem Stadion heraus – netterweise wurde nun das Eisentor geöffnet. Auf der Tribüne fand sich nicht nur eine Eintrittskarte als Souvenir, sondern auch ein herrenloser Regenschirm und nachdem der Niederschlag mit dem Spielende nochmal eine Schippe draufgelegt hatte, ging sich der Weg zum Museum mehr oder weniger trockenen Fußes aus. Den Rucksack aus dem KMW zu holen, war anschließend überhaupt kein Problem und das Geld, das man für die Schließfächer oder den Museumseintritt gespart hatte, landete letztlich auf dem Weihnachtsmarkt und sorgte für einen vollen Magen. Raclette und Gerstensuppe waren für den Redakteur aus dem fernen Schwechheim genauso „unique“ wie das wunderbar zusammengewürfelte Stadion Schützenwiese. (mm)

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

„AUF DIE SCHWEIZ IST VERLASS“

06.12.2025
Super League
Kybunpark
Zuschauer: 18.854

SANKT GALLEN – Die Anreise nach St. Gallen lief wie folgt ab: Autofahrt von Schwechheim nach Potsdam, Zugpendel via Leipzig, paar Stunden Schlaf in Berlin, Flug nach Basel, Tingelfahrt mit der Bahn über Deutschland nach Gottmadingen, Weihnachtsmarkt-Besuch in Konstanz und schließlich eine 30-minütige Zugfahrt mit der SBB nach St. Gallen, die fast so teuer war, wie alle anderen Fahrten und Flüge zusammen. Dabei hätte man noch locker im Hotel am Bahnhof in St. Gallen einchecken können. Doch die Schweizer Bundesbahn hat – wie erwähnt – ihren Preis und wartete in Konstanz nicht wenige Minuten auf die Anschlussreisenden.

Das Spiel war dadurch zum Glück nie in Gefahr, doch natürlich galt es das Gepäck vorher noch wegzubringen und das kann immer knifflig werden, wenn man es vorher nicht mehr ins Hotel schafft. Durch die spätere Bahn ging es sofort zum Stadion. Der „kybunpark“ liegt außerhalb, aber sowohl Bus- als auch Zugverbindungen bringen den Fußballkonsumenten in 5-10 Minuten zur Arena, die ein klassischer Neubau aus den 2000ern ist. Recherchen und Nachfragen hatten ergeben, dass es keine Taschenaufbewahrung gibt. Da aber eh der Umtausch von E- in Hardticket anstand, wurde an der Kasse auf doof gestellt – und siehe da: Es gibt Schließfächer. Kostenlos. Perso gegen Schlüssel. Auf die Schweiz ist eben Verlass – im Stadion wie auf der Schiene.

Nun lief die Zeit wieder gemächlich, wie den ganzen Tag über eigentlich schon. Durch die frühe Landung um 7.30 Uhr am EuroAirport in Basel gönnte man sich den Luxus bei der Anreise die „Banane“ über Deutschland zu fahren, was im Besitz des Deutschland-Tickets sehr viel Geld spart und zur Folge hatte, im südbadischen Gottmadingen auf einer alten Holztribüne noch kostenneutral Landesliga schauen zu können. Über die Schweiz wird ja immer viel gemeckert, das ist altbekannt, aber die hohen Kosten für Zugfahrten sind seit dem letzten Besuch bei den Eidgenossen irgendwie explodiert. Gut 60€ für etwas über 1h Fahrt mit der Regionalbahn an 2 Tagen oder umgerechnet gut 100 Straßenkilometer, das ist schon eine Ansage. Wenn man die moderaten Spritpreise sieht, die sich simultan zu Deutschland ziemlich genau zwischen 1 und 2 Euro bewegen, kann man das doch auch als Schweizer nicht gutheißen, für ein Massentransportmittel den zigfachen Preis wie für den Individualverkehr zu berappen.

Zum Glück wurde nicht viel Strecke auf Schweizer Gebiet zurückgelegt. Und abgesehen vom letzten verpassten Zug verlief der Tag ohne Ärgernisse. Hinein ging es in den „kybunpark“ zum Top-Spiel in der „Super League“. 25 CHF für ein Sitzplatz war hier ein mehr als fairer Kurs, doch der gebuchte Platz hinter dem Tor hatte zur Folge, dass man die Auswärtsfans nur im Seitenprofil sah und sowohl Gitterstäbe als auch Netze die Sicht auf’s Spielfeld trübten. Tickets auf den Geraden für 80 CHF waren nicht vermittelbar. Immerhin genoss man an der Ecke vom Block perfekte Sicht auf die Choreo des „Espenblocks“. Hier wurde eine Blockfahne mit „grünen Weihnachtsmännern“ passend zum Nikolaustag hochgezogen und mit Blinkern und „Schneekonfetti“ komplettiert. Sah knuffig aus und unter dem Strich überrascht die Heimkurve schon auch durch ihre Größe. Die Hintertorseite war voll, die Mitmachquote stabil und mit ihren olivgrünen Einheitsjacken gab der Espenblock ein gutes Bild ab. Auf die Schweiz ist Verlass.

Ab der Halbzeit wurden die Eingänge nicht mehr überwacht. So ging sich der zweite Abschnitt mit Frontalsicht von der Haupttribüne auf den Gästeblock aus. Über Zürich müssen wir da eigentlich nicht reden. Auch der Auswärtsblock pickepackevoll, mit viel Chaos, Lautstärke und Pyro. Dazu kam das Spiel, in dem Zürich mit gezielten, schnellen Angriffen zwei Mal in Führung ging. St. Gallen als Tabellenzweiter zunächst mit viel Mut am Ball und dem schnellen Ausgleich, doch im zweiten Abschnitt ging den Hausherren die Puste aus, das galt auch ein wenig für die Kurve. Zürich machte seine Sache nämlich wirklich gut, beschäftigte die „Espen“ in der eigenen Hälfte und hätte noch höher gewinnen können. Durch den Auswärtssieg mischt der FCZ wieder im Meisterschaftsrennen mit. Seit dem Trainerwechsel im Oktober befindet sich „Züri“ im Aufwind.

An der Spitze der Liga thront weiterhin – sensationell – der Aufsteiger aus Thun mit nun 6 Punkten Vorsprung. Doch nun, wo es Richtung Meisterschaftsrunde geht, scharren auch die großen Vereine mit den Hufen. Mittendrin liegt der FC St. Gallen weiterhin auf Rang zwei. Wenn es mit dem Titel klappen sollte, wäre es die dritte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und die erste seit dem Jahr 2000. Wenn es nicht klappt, wäre es auch nicht so schlimm: Auf den zweiten Titel wartete der älteste Fußballverein Kontinentaleuropas (Gründungsjahr: 1879) satte 96 Jahre. Wie gesagt: In der Schweiz sollte man viel Zeit mitbringen. (mm)

FC Winterthur – FC Basel – 0:2

FC Winterthur – FC Basel – 0:2

„E CHLIINI ZIITREIS IN WINTI“

30.03.2025
Super League
Stadion Schützenwiese
Zuschauer: 8.700

WINTERTHUR – Inzwischen ist die Schweiz auch für mich schon eine Art Sehnsuchtsort geworden. Sei es die außergewöhnliche Landschaft, die freundlichen Menschen oder die hervorragende Infrastruktur. Mag sich nach üblichem Blabla aus dem Reiseführer anhören, meine ich aber so zu 100 Prozent. Nicht zuletzt zieht mich auch die Fankultur der Eidgenossen an und bisher gab es auf jeder Tour mindestens ein Highlight.

Nach dem Freitagabend in Aarau und einem Dreierhopp von Vorarlberg über Liechtenstein bis in den Tessin teilten tp und ich uns am Sonntag auf. Er zum Züriderby, ich nach Winterthur. Etwa 20 Minuten vor Anstoß kam ich auf der bereits proppevollen Schützenwiese an. Winti ist zwar abgeschlagen Tabellenletzter, doch das hält die Leute offensichtlich nicht vom Kommen ab. Auch die Gäste aus Basel waren selbstredend mit voller Kapelle angereist und der Stadionsprecher sollte später „räschtlos usverchauft“ melden.

Das Stadion wirkt wie eine kleine Zeitreise in die guten, alten Tage. Bereits um 1900 wurde hier gegen den Ball getreten. Heute sind drei von vier Tribünen in dem engen Rechteck reine Stehbereiche und selbst auf der Haupttribüne gibt es eine Art Dammsitz. Im Jahr 2015 wurde zwar die Gegengerade neu gebaut, die „versaut“ aber nicht den Gesamteindruck. In den Ecken verfolgen die Zuschauer nur von der Werbebande getrennt das Geschehen und die Kleinsten nehmen in der “Sirupkurve” Platz. Gut zu sehen im Hintergrund ist auch die Kirche St. Peter und Paul, die zwischendurch auch noch die Glocken läutete.

Auf den Rängen gaben die Basler wie erwartet den Ton an. Klatscheinlagen, melodische Gesänge, gutes Kurvenbild. Die Bierkurve versuchte im Rahmen der Möglichkeiten dagegen zu halten, aber so richtig laut wurde es dann nur bei den Schlachtrufen. Später hielten beide Fanszenen Spruchbänder gegen Kollektivstrafen hoch. Winti auf Schweizerdeutsch, Basel auf Französisch. Anhänger von Servette hatten beim Bundesgericht gegen eben diese Beschwerde eingelegt, wurden aber im Februar abgewiesen.

Fußballerisch war der FCB im ersten Durchgang überlegen, kreierte aber erst nach der Pause echte Torchancen. Keine fünf Minuten nach Wiederanpfiff besorgte Shaqiri nach Vorlage von Rüegg mit einem satten Schuss vom 16er das 0:1. Der anschließende provokante Jubel vor der Bierkurve sollte später noch eine Rolle spielen. Im Gästeblock stieg blauer, roter, und gelber Rauch auf. Dazu gingen noch ein paar Fackeln an.

Von da an hatten die Gäste das Spiel komplett im Griff. In der 70. Minute schob Traoré nach Vorlage von Captain Shaqiri den Ball durch die Hosenträger von Kapino, was das Spiel natürlich irgendwo entschied. Winti kam zu keiner nennenswerten Torchance mehr und es blieb beim 0:2. In der Nachspielzeit kochten die Gemüter hoch und es kam zu einer Rudelbildung, bei der Shaqiri erneut Richtung Heimfans meckerte und folgerichtig Gelb kassierte. Während Basel an Tabellenführer Servette dran bleibt, geht der FCW Ende April höchstwahrscheinlich mit einem mageren Punktekonto in die Abstiegsrunde. Aber egal ob erste oder zweite Liga, die Schützenwiese ist definitiv einen Besuch wert! (hr)

Grasshopper Club Zürich – FC Zürich – 1:2

Grasshopper Club Zürich – FC Zürich – 1:2

“DERBYZEIT IN ZÜRICH”

30.03.2025
Super League
Stadion Letzigrund
Zuschauer: 21.497

ZÜRICH – Das Derby in Zürich war für mich der Hauptgrund für ein Wochenende in der schönen Schweiz. Das Land gefällt mir immer mehr und neben der schönen Landschaft bringt der Fußball oft gute Fanszenen mit sich. Das Stadion Letzigrund fehlte mir noch in der eigenen Sammlung. Saniert wurde das Schmuckstück für die EM 2008, wobei besonders die vielen Flutlichtmasten herausstechen. Es dient als Heimspielstätte für beide Erstligisten. Die Pläne für einen Neubau des Hardturm-Stadion stehen fest, aber der Baustart zögert sich noch hinaus.

Nach einem Spaziergang am Zürichsee machte ich mich auf den Weg zum Letzigrund. Geprägt von dermaßen viel Streetart vom FCZ gefiel mir die Stadt. Der Verein ist im Stadtbild, auf den Autobahnen und in den umliegenden Dörfern sehr präsent. Einen kleinen Geheimtipp für alle Liebhaber des Amateurfußballs haben wir noch parat: um 11:00 Uhr -eine wunderbare Anstoßzeit, um Spiele zu doppeln- wurde im Ort Oberrieden gegen den Ball getreten. Der dazugehörige “Sportplatz Cholenmoos” verfügt zwar nur über einen Kunstrasen mit Stufenausbau, dafür ist aber das Panorama mit Blick auf den Zürichsee fantastisch.

Besonders freute ich mich auf den Auftritt der Zürcher Südkurve. Als ich am Stadion angekommen war sah ich schon den Aufruf, dass heute alle Fans um 16:00 Uhr am Platz sein sollten. Choreo! So muss es sein und die Vorfreude stieg weiter. Auf der Heimseite wurde ebenfalls eine Aktion vorbereitet. Die Grasshoppers machten sich direkt beliebt und begrüßten lautstark die Gäste mit einem freundlichen “Hurensöhne FCZ”. So muss ein Derby sein!

Im Gästeblock zog die Südkürve eine unglaublich detailreiche Choreo nach oben. Vom Polizeistaat, San Siro über weiße Reeboks, Bier oder Ronaldo gab es allerlei Motive. Da kann man nur den Hut ziehen. Ergänzt wurde das Ganze mit dem Spruch: “MIR HÄND MEH VERGÄSSE ALS ANDERI JE ERLÄBED”. Auf Heimseite feierte man das Geburtsjahr 1886 des Vereins. “DÄ ERSCHT CLUB VO DÄ STADT” war hier das Motto und unterstrich das zehn Jahre längere Bestehen.

Aus sportlicher Sicht hat aktuell der FCZ die Nase vorn und mit hoher Wahrscheinlichkeit nehmen sie dieses Jahr an der Meisterrunde teil. Der GCZ dagegen liegt auf dem 11. Tabellenplatz und wird wohl in die Abstiegsrunde müssen. Das erste Tor für die Gäste fiel in der Nachspielzeit der ersten Hälfte und die Fans feierten den Treffer noch zum Anfang der zweiten Halbzeit mit Gesängen. Der Torschütze Jean-Philippe Gbamin kickte vorher übrigens unter anderem in Mainz. Im zweiten Durchgander legte Bledian Krasniqi nach. Acht Minuten vor dem Ende machte es Adama Bojang mit dem Anschlusstreffer nochmal spannend, aber auch der eingewechselte EX-HSVer Sonny Kittel brachte nicht die Wende.

Es bleibt festzuhalten, dass dieses Derby vielleicht nicht Massen anzieht. Mit 21.497 Zuschauern war es dennoch gut besucht und nicht weit entfernt vom ausverkauften Stadion. Beide Fanszenen lieferten ab, aber ich bin heiß auf den Schweizer Klassiker. Das Duell zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich steht weit oben auf der Bucket-List. Die nächste Tour kommt bestimmt. Die Choreo der Südkurve war für mich zudem ein kleiner Teaser für das nächste Wochenende. Endlich wieder Italien. Das Leben ist schön! (tp)

FC Luzern – FC St. Gallen 1879 – 2:0

FC Luzern – FC St. Gallen 1879 – 2:0

02.02.2025
Super League
Swissporarena
Zuschauer: 14.360

„WÖSSE, WOMER ÄNEGHÖRT. SIT 1901“

LUZERN – Ich möchte unsere Leser nicht langweilen, aber auch für diesen Bericht nutzte ich die Auswärtsfahrt des eigenen Vereins für einen Ausflug in ein Nachbarland. Darüber hinaus konnte ich eine offene Rechnung mit Luzern begleichen, aber dazu später mehr.

Mit der Terminierung von Bayern-Holstein am Samstag und Luzern-St. Gallen am Sonntag waren die Würfel gefallen. Obendrein ließ sich die Tour mit einem Kundentermin in der bayrischen Landeshauptstadt verbinden, was die Kosten enorm drückte. Danke Chef!

Nach Erledigung der Pflicht traf man sich am Freitagabend im Augustinerkeller und läutete bei zivilen Preisen für Speis und Trank zünftig das Wochenende ein. Leicht verkatert ging es am Samstag erneut vom Augustinerkeller zur Arena nach Fröttmaning, wo sich Holstein unterm Strich respektabel schlug. Wer weiß, ohne die mal wieder gnadenlos bestraften Fehler wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.

Am Sonntagmorgen in der Früh klingelte dann der Wecker erbarmungslos. Aber es nützt ja nichts, denn mit der Schweiz lockte eines meiner Lieblingsländer. Die SBB lieferte wie immer ab und überpünktlich erreichte ich Luzern. Mein zweiter Aufenthalt hier, denn vor über drei Jahren wollte ich den FCL in der Conference League gegen Feyenoord sehen. Auch damals in Verbindung mit der Arbeit, aber aufgrund der Covid-Auflagen kam ich partout nicht an ein Ticket ran.

Das war diesmal kein Problem und der Gegner hieß St. Gallen. Über die letzten Jahre hat sich doch eine innige Feindschaft mit den Ostschweizern entwickelt und die war schon vor Anpfiff spürbar. Die Sympathiebekundungen Richtung Gästeblock kamen brachial laut rüber, fanden aber auch entsprechende Erwiderung.

Es war also alles angerichtet und „Lozärn“ zeigte mit Einlauf der Mannschaften eine Choreographie mit dem Jahr der Vereinsgründung. Eingerahmt wurden die großen Zahlen von blau-weißen Fahnen über den gesamten Sektor sowie entsprechenden Rauchtöpfen. Auf der anderen Seite blieb ein (Pyro)intro aus, stattdessen protestierte der Espenblock gegen den Einsatz von Gummigeschossen und die Sprechchöre bekamen durchaus Unterstützung von der Heimseite.

Auf dem Platz setzte „Sangallä“ zunächst die Akzente, auch wenn dabei kaum klare Torchancen heraussprangen. Wie so oft im Fußball machte es der Gegner besser und Grbic ließ in der 40. Minute die Allmend zum ersten Mal beben. Einzelne Fackeln ploppten und mit der Führung ging es auch in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel spielten beide Teams mit offenem Visier. Hüben wie drüben ergaben sich gute Tormöglichkeiten, die aber ungenutzt blieben. Auf den Rängen zog die Heimkurve über die 90 Minuten durch, bei den Gästen fiel der Support mit zunehmender Dauer ab. Allerdings muss ich anmerken, dass St. Gallen erst vor wenigen Tagen noch 50 Stadionverbote wegen Vorfällen in der Conference League verteilte. Unter diesen Voraussetzungen war der Auftritt absolut in Ordnung.

Fünf Minuten vor dem Ende machte Owusu den Deckel endgültig drauf. Völlige Ekstase bei den Gastgebern und die letzten Pyrovorräte mussten dran glauben. Auf und neben dem Platz wurden meine Erwartungen mal wieder erfüllt und erneut kann ich festhalten: die Schweizer Liga lohnt sich auch abseits der großen Fanszenen aus Basel und Zürich. (hr)

FC Basel – Grasshopper Club Zürich – 0:1

FC Basel – Grasshopper Club Zürich – 0:1

“SIEG FÜR DEN AUßENSEITER”

14.12.2024
St. Jakob-Park
Super League
Zuschauer: 23.468

BASEL – Das Rahmenprogramm stand schnell fest, denn der Herzensverein spielte am Samstagmittag im Donaustadion in Ulm. Für mich als leidgeprüften Fan lief das Spiel wie erwartet. Der HSV holte gegen einen Verein aus der unteren Tabellenhälfte wieder einmal nur einen Punkt. Getreu dem Motto “mühsam ernährt sich das Eichhörnchen” leisteten die Hanseaten erneut Aufbauhilfe. Dafür sollte der Abend mit einem Revisit in Basel vollendet werden, wo ich vor drei Jahren zum ersten Mal ein Kreuz setzte.

Der FC Basel war vor der Partie Tabellenzweiter, während sich die Gäste aus Zürich auf dem vorletzten Tabellenplatz befanden. Klarer konnten die Vorzeichen kaum sein. Mit an Bord beim GCZ war mit Sonny Kittel ein bekannter ehemaliger HSVer. Über Zwischenstationen in Polen und Australien fand er den Weg in die schöne Schweiz. Leider durfte er ausgerechnet bei diesem Spiel keine einzige Minute auf dem Rasen stehen und aus unserem persönlichen Wiedersehen wurde nichts.

Die Muttenzerkurve startete mit einer detaillierten Choreo in das Spiel: “WAS UNS SÖTT SPALTE VEREINT UNS NUR NO MEE”. Geniales Bild und verfeinert mit dem schönen Einsatz von Pyrotechnik. Die ersten Minuten nach Anpfiff des Spiels zeigten direkt, was für eine Wucht in dieser Heimkurve steckt. Prägnante Melodien gepaart mit einer sehr guten Mitmachqoute. So darf es gerne immer sein! Die Grasshoppers füllten den oberen Gästeblock zahlenmäßig gut und glänzten in meinen Augen ebenso mit dem Stilmittel Pyrotechnik. Die Schweiz lieferte wie auf meiner November-Tour erneut ab!

Die Basler dominierten das Spiel und ließen über die gesamte Spieldauer quasi nur eine Tormöglichkeit zu, die aber von Noah Persson eiskalt genutzt wurde. Der Gästeblock rastete kollektiv aus und untermalt wurde der Treffer in der 21. Minute mit Pyrotechnik. Infolgedessen waren die Spieler vom FCB zwar bemüht, aber es gelang ihnen kein Torerfolg. Somit konnten die Grasshoppers die wahrscheinlich nicht eingeplanten Punkte mit nach Zürich nehmen.

Für unsere Reisegruppe ging es nach dem Spiel noch südlicher. Ein weiter Weg stand bevor, sollte sich aber lohnen. Der Bericht für das angepeilte Spiel folgt. (tp)

FC Lausanne-Sport – Servette FC – 1:0

FC Lausanne-Sport – Servette FC – 1:0

“VOLLTREFFER PER RETTUNGSTAT”

03.11.2024

Super League

Stade de la Tuilière

Zuschauer: 11.274

LAUSANNE – Nach dem Choreo-Spektakel in St.Gallen am Vorabend ging es für unsere Reisegruppe relativ ausgeschlafen in den Schweizer Süden. Die Nacht wurde im Züricher IBIS verbracht für einen relativ schmalen Taler. Generell kann ich von intakten Preisen in der Schweiz sprechen. Vorbereitung ist eben alles! Auf dem Weg lag natürlich noch ein Vorspiel vom FC Billens, die Anstoßzeit um 10:30 Uhr passt perfekt in den Tagesablauf. Idyllisch wie so oft in der Schweiz wurde hier vor erstaunlich vielen Zuschauern das Spiel neben fliegenden Bällen und laufen Kühen seelenruhig hinter dem Platz entlang. Ein herrlicher Start am sonnigen Sonntag. Fliegende Bälle? Es ist passiert, wahrscheinlich jede Person, die gerne Amateurspiele live vor Ort verfolgt, wartet auf diesen einen Moment. Eine Rettungstat im Spiel vom Verteidiger trifft den Schreiberling perfekt am Oberschenkel, ein bisschen weiter höher und der Tag wäre wahrscheinlich gelaufen gewesen. Ich habe so lange auf diesen “Abschuss-Moment” gewartet, endlich war es so weit. Leicht erschrocken konnte man sich am Ende doch darüber freuen, ich würde den Ball auch immer wieder lieber nehmen als die Frontscheibe unseres Mietwagens.

Nach dem Abpfiff ging es zügig nach Lausanne, das Highlight des Tages stand auf dem Programm. Das “Derby du Lac Léman” zwischen dem Gastgeber und Servette FC. Die Städte trennen circa 60 Kilometer Autobahn und liegen beide am allseits bekannten Genfersee. Eine wunderschöne Gegend, der Stadtspaziergang blieb aber aus, für den Zweitligisten in der Stadt Lausanne sollte man sowieso irgendwann nochmal dahin fahren. Die sportliche Situation ist relativ einfach beschrieben, die Gäste spielen im oberen Tabellenbereich gut mit und die Heimmannschaft befindet sich im Mittelfeld mit Blick nach oben.

Zum Intro des Spiels gab es auf der Heimseite eine Choreo und abgerundet wurde die Aktion von bengalischen Fackeln. Ein nettes Bild, im Gästeblock wurden gleichzeitig Fackeln angerissen und sämtliche Raketen flogen in den sonnigen Himmel. Das beeindruckende Bild gaben hier die Gäste ab. Auf dem Rasen war von den Gästen bis auf sehr wenige Ausnahmen gar nichts zu sehen, den 2. Platz, den sie vor dem Spiel hatten, sahen wir gar nicht. Ein ängstlicher Auftritt im Derby, schon in der 17. Minute traf Lausanne per Elfmeter zum 1:0. Passend zum Tor, erstrahlt die Heimkurve mit einer schönen Pyroshow.

Was mir sehr positiv auffiel, es gibt keine nervigen Stadiondurchsagen bei der Zündung von Pyrotechnik. Hier kann man schöne Pyroshows genießen, bei diesem Spiel waren es auch viele. In der Heimkurve brannte es gefühlt wirklich 90 Minuten. Wofür muss ein nerviger Stadionsprecher darauf aufmerksam machen, seinen Einheitsbrei ins Mikro zu sprechen? Hier kann meiner Meinung nach die Schweiz durchaus mal Vorbild für viele andere Ligen sein. Der einzige Elfmeter des Tages blieb auch das einzige Tor des Tages. Das Spiel plätschert so vor sich hin und mit Abpfiff gab es schöne Jubelszenen im Heimblock.

Nach dem Spiel begann das Chaos, von dem empfohlenen Parkplatz, welcher übrigens kostenfrei war, ging es bis zur Hauptstraße und dann war maximal Schritttempo angesagt. Abfahrtstau vom Allerfeinsten und eine Menge Geduld war hier erforderlich. Nach dem Stau ging es für uns noch nach Lörrach, eine deutsche Stadt in der Grenzregion zur Schweiz und Frankreich. Das Lörracher Döner Haus sollte besucht werden, endlich wieder eine warme Mahlzeit zum Abend. Somit ist eine weitere Tour vorbei und die Erkenntnis ist wie so oft dieselbe. Die Schweiz hat sich in das Reporter-Herz geschlichen und einen festen Platz erobert. (tp)

FC St. Gallen – FC Sion – 1:1

FC St. Gallen – FC Sion – 1:1

“MACH MIT – SCHREI DRUF LOOS!“

02.11.2024
Super League
kybunpark
Zuschauer: 17.160

SANKT GALLEN – Weiter ging die wilde Fahrt durch die Schweiz. Nach dem tollen Sightseeing in Bern sammelte mich die Hamburger Abteilung gegen Nachmittag ein und unsere Reisegruppe war komplett. Am Halloween-Abend schauten wir in Genf bei Servette gegen Luzern vorbei und sahen einen top Auftritt der Gästefans. Zum Einlauf der Mannschaften gab es ein Intro sowie eine Pyroeinlage unter dem Motto „uf Schrett ond Trett debii“. Die Spruchbänder waren dabei allesamt mit weißen Fußabdrücken versehen, nettes Detail. Servette hielt sich eher zurück und setzte wie Bern zuvor auf Einzelfackeln. Verständlich, denn die Konzentration galt dem Derby bei Lausanne wenige Tage später. Auch dazu gibt es einen Bericht von uns, also unbedingt weiter den Landboten lesen.

Genf sollte allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf das sein, was wir in Sankt Gallen erlebten. Davor zogen wir uns unter anderem Austria Lustenau im Bregenzer „Exil“ rein. Schönes Stadion am Bodensee. Im Sommer geht es zurück ins runderneuerte Reichshofstadion mit Eröffnung hoffentlich gegen die Freunde aus Augsburg, wie uns ein Fan erzählte.

Am Abend trafen wir überpünktlich am kybunpark direkt an der Autobahn ein. Auch hier wieder das Schweizer Prinzip Stadion+Shoppingcenter. Im Stadionumlauf fielen uns direkt die Spruchbänder mit der Forderung auf, heute 15 Minuten früher auf den Plätzen zu sein. Da schlug das Redakteursherz natürlich gleich höher und wir erwarteten Großes.

So sollte es auch kommen. Auf allen Sitzschalen im Heimbereich war ein Päckli mit Poncho, Kassenrolle, einem wirklich hochwertigen Seidenschal sowie die Choreoanweisung geklebt. Unter dem Motto „Mach mit – schrei druf loos!“ kündigte der Espenblock die größte Choreographie der Vereinsgeschichte an. Im Vorfeld fanden wir keinerlei Hinweise darauf und der 145. Vereinsgeburtstag war bereits im April. Vielleicht kann ein Leser die Redaktion erhellen?

In den Minuten vorm Anpfiff zogen die Fans ihre Ponchos an. Oberrang grün, Unterrang weiß. Bereits das gab ein gutes Bild ab. Mit Einlaufen der Mannschaften war die Ganzstadionchoreo komplett: Es wurden insgesamt fünf Blockfahnen hochgezogen, darauf stellvertretend Fans aus allen Altersgruppen abgebildet. Sehr geil!

Im Anschluss folgten mehrere abgestimmte Gesänge und Hüpfeinlagen, bevor in der 40. Minute die Ponchos umherflogen. Der Espenblock bot dabei durchgehend ein gutes Kurvenbild mit vielen Schwenkern, Fahnen und Doppelhaltern. Gerne hätte sich die Stimmung häufiger auf das ganze Stadion übertragen können, wobei das aber Meckern auf hohem Niveau ist. Umso großzügiger zeigten sich die „Normalos“ beim Spendensammeln, als vor unseren Augen ein 200-Franken-Schein in die Dose wanderte. Die Schweizer haben es ja.

Untersützt von den Ansagen des Stadionsprechers flogen in der 60. Minute die grünen und weißen Kassenrollen und sorgten für das nächste Highlight. Den Abschluss bildete in der Schlussviertelstunde die Schalparade mit den erwähnten Seidenschals und die Sankt Galler trällerten auf die Melodie von „Country Roads“ das Espenmoos-Lied. Wirklich tolle Momente, die wieder einmal zeigten: Unverhofft kommt oft.

Gebannt von all den Choreo-Elementen blieb der Notizblock für den Spielbericht quasi leer. Das Unentschieden ging wohl in Ordnung, bedeutete für „Sangallä“ aber das achte sieglose Spiel in Folge. Natürlich wollen wir die Gäste nicht unter den Tisch fallen lassen, die 90 Minuten teilweise hörbar durchsupporteten. Sehr zufrieden und mit vielen Eindrücken im Gepäck erreichten wir kurz nach Mitternacht die Unterkunft in Zürich. (hk)

BSC Young Boys – FC Basel – 3:2

BSC Young Boys – FC Basel – 3:2

“BÄRN ISCH E HOCKEYSTADT!?”

30.10.2024
Super League
Stadion Wankdorf
Zuschauer: 30.024

BERN – Erneut lockte ein Feiertagswochende mit einer Hoppingtour, die im persönlichen Jahresrückblick weit vorne liegen wird. In der Schweiz rissen wir gleich mehrere Knallerspiele ab und die Berichte dazu gehen in den nächsten Tagen online. Idealerweise konnten wir die Tour mit dem Pokalauftritt des eigenen Vereins verbinden. In meinem Fall allerdings ging die KSV am Dienstagabend in Köln nach einer gruseligen Vorstellung unter und ich fiel ziemlich genervt ins Hostelbett.

Am Morgen danach war die Enttäuschung schon halbwegs verflogen, denn in dieser Saison kann es eh nur um den Klassenerhalt gehen und das ist erkennbar schwer genug. Von Köln aus lieferte die DB überraschend zuverlässig ab und nach etwa sechs Stunden erreichte ich Bern. Die Bundesstadt präsentierte sich in einer dicken Nebelsuppe und so fiel das Knipsen der Sehenswürdigkeiten eher mager aus. Das holte ich am nächsten Morgen nach und bei klarem Wetter wackelte ich über die Nydeggbrücke hoch zum Rosengarten. Toller Ausblick! Sehr zu empfehlen ist auch ein Spaziergang weiter unten an der Aare entlang.

Zurück zum fußballerischen Teil der Reise. In der Schweizer Liga stand eine englische Woche mit dem Topspiel Young Boys gegen Basel an. Die Historie des Wankdorfstadions dürfte jedem bekannt sein, der sich nur ansatzweise mit Fußballgeschichte auseinandersetzt. Im Neubau befinden sich im Erdgeschoss wie in der Schweiz fast schon üblich Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomie. Immerhin brachten es die Verantwortlichen nicht übers Herz, die originale Longines-Uhr mit abzureißen und platzierten diese vorm Stadion.

Draußen nahm ich noch den Marsch der Basler vom Bahnhof zum Stadion wahr, die mit voller Kapelle den Gästeblock enterten. Mit Anpfiff setzten die Jungs und Mädels gleich ein Ausrufezeichen mit einer Pyroshow aus gelben und roten Fackeln. Es folgten Spruchbänder und Sticheleien mit dem Vorwurf, dass Bern doch nur eine Stadt für Eishockey sei. Der Support konnte sich über 90 Minuten mit einer guten Lautstärke sehen und hören lassen.

Auf Heimseite gab es leider kein Intro. Sportlich befand sich der amtierende Meister mit bis dahin nur zwei Siegen in einer handfesten Krise und auch diesmal sah es zunächst nicht gut aus. Die Truppe vom FCB um die Altstars Shaqiri und Hitz im Tor ging nach 19 Minuten in Führung und brachte das Stadion zum Schweigen.

Allerdings drehten die Berner im zweiten Durchgang die Partie (auch dank zweier Eigentore) und stellten auf 3:1. In der Ostkurve klackten jeweils zum Torjubel einige Fackeln und mit der Führung im Rücken wurde die Stimmung bei den Gäubschwarzen immer besser. Durch den Anschlusstreffer in der 89. Minute war in den Schlussminuten nochmal Zittern angesagt, doch es blieb beim Heimsieg. Im Anschluss feierten Fans und Mannschaft ausgiebig und die letzten Fackeln mussten dran glauben. Gerne hätte die Stimmung noch mehr aufs ganze Stadion überschwappen dürfen, aber unter dem Strich ist Bern für mich mehr als nur eine Hockeystadt. (hk)

AEK – PAOK – 2:2

“DOPPELKOPFADLER UNTER SICH”

07.04.2024

OPAP Arena

Super League

Zuschauer: 31.080

ATHEN – Wenige Tage nach dem Athener Derby wurde es Zeit für das nächste Traditionsduell in der griechischen Hauptstadt. In der Meisterrunde traf AEK auf PAOK, wobei die Gastgeber nach der Derbyniederlage bei Panathinaikos unter Zugzwang standen.

Beide Vereine verbindet eine gemeinsame Gründungsgeschichte. Nach der Vertreibung aus Konstantinopel gründeten Griechen in den 1920er Jahren sowohl in Athen als auch in Thessaloniki neue Sportvereine. Der Bezug zur alten Heimat wurde sowohl im Vereinsnamen („K“ für Konstantinopel) sowie im Vereinswappen (Doppelkopfadler als Symbol des Byzantinischen Reiches) verankert.

Damit begann allerdings auch die Rivalität. Beide sehen sich als „Erben“ des griechisch geprägten Vereins Pera, der im Zuge der Vertreibung zwangsweise einen türkischen Namen bekam.

100 Jahre später steht AEK bei 13 Meisterschaften und diese sollte zum Vereinsgeburtstag natürlich verteidigt werden. Nach fast zwei Jahrzehnten im Olympiastadion konnten die Gastgeber im September 2022 endlich ihre neue Arena im Norden Athens einweihen und man kann hier wirklich sagen: „mal etwas anderes“.

Benannt nach der (H)agia Sophia Kathedrale spiegeln die vier tragenden Säulen den byzantinischen Stil wieder. Ferner beherbergt das Stadion ein Museum zur Geschichte der Vertriebenen. Eine Doppelkopfadler-Skulptur auf dem Vorplatz darf natürlich nicht fehlen.

Nun aber zum Spiel. Gästefans auch hier verboten, das nur der Vollständigkeit halber. Wie schon im Bericht zu Panathinaikos-AEK angedeutet, halten sich die Ultras mit Pyrotechnik aktuell weitestgehend zurück. So bestand das Intro aus ein paar Kassenrollen, Wunderkerzen sowie schwarzen und gelben Luftballons im Eck-Oberrang. Dafür wusste allerdings das Einsingen akustisch zu überzeugen.

Spätestens mit dem 1:0 war das gesamte Stadion auf Betriebstemperatur. Gate 21 konnte die Stimmung immer wieder anfachen und mitunter war es sehr laut. Mit einer Zwei-Tore-Führung sah AEK wie der sichere Sieger aus, vergeigte den Vorsprung aber durch dicke Fehler in der Abwehr. (hr)

Panathinaikos – AEK – 2:1

Panathinaikos – AEK – 2:1

“BEIM BARTE DES ZEUS ! ATHENER DERBY UNTER BESONDEREN VORZEICHEN”

03.04.2024

Stadio Apostolis Nikolaidis

Super League

Zuschauer: 12.101

ATHEN – Ursprünglich war die Tour nach Athen im Rahmen einer Englischen Woche für den Januar geplant. Allerdings verhängte die griechische Regierung nach mehreren Zwischenfällen einen Zuschauerausschluss für zwei Monate und es musste umgebucht werden. Nach einem kurzen Check des Rahmenterminkalenders fiel die Wahl auf den Doppelspieltag nach Ostern mit der Hoffnung auf ein bisschen Normalität und natürlich gute Spiele. Tatsächlich hatte ich dann bei der Terminierung der Meisterrunde Glück und erwischte die zwei Traditionsduelle Panathinaikos-AEK und AEK-PAOK.

Nach Ablauf der zwei Monate waren Zuschauer bei den Spielen tatsächlich wieder erlaubt, jedoch mehr oder weniger auf Bewährung. Flogen früher massenhaft Gegenstände und wurden die Stadien in Pyro-Orgien komplett in Rauch gehüllt, droht die Politik aktuell mit weiteren Geisterspielen auch bei kleinen Vergehen. Darüber hinaus soll die Videoüberwachung intensiviert und eine Art „griechische Passolig“ eingeführt werden. Details wusste keiner, den ich im Stadion fragte. Typisch Griechenland.

Apropos Stadion. Nach dem Genuss einer leckeren Pita für absolut faire 3,20 Euro traf ich circa eine Stunde vor Anpfiff am Apostolis Nikolaidis ein. Was für eine Perle! Es bröckelt an allen Ecken und Enden. Offiziell beträgt die Kapazität nur knapp 16.000 Zuschauer, aber die zwei wuchtigen Kurven hinter dem Tor lassen es größer erscheinen. Rundherum finden sich viele Graffiti und im Inneren der Tribünen haben weitere Sportabteilungen von Panathinaikos ihre Trainings/Wettkampfmöglichkeiten. Übrigens baut Panathinaikos nach langem Rechtsstreit seit einem Jahr einen neuen Stadionkomplex, der 2026 fertig sein soll.

Das ist allerdings Zukunftsmusik und im April 2024 stand erstmal der Kampf um die Meisterschaft an.

Im kleinen Athener Derby war Panathinaikos gegen AEK fast schon zum Siegen verdammt. Wie üblich bei Duellen der Big Five in Griechenland waren Gästefans verboten. Wie erwartet verzichtete Gate 13 auf eine Pyroshow, allerdings auch auf eine Choreo oder sonstige Aktion. Schade. Mit dem 0:1 nach nur 5 Minuten wurde es auch sehr leise im Stadion.

Allerdings drehte Panathinaikos das Spiel noch in der ersten Halbzeit. Nach einem geilen Torjubel ging dann auch die ein oder andere Fackel an und natürlich wurde die Stimmung merklich besser. Neben Wechselgesängen gab es auch Schlachtrufe, bei denen alle Tribünen mit einstiegen. Trotz Dauerdruck in den letzten 20 Minuten brachten die Gastgeber das 2:1 über die Zeit und sicherten sich den Derbysieg.

Mit Blick auf die schwierigen Vorzeichen war ich unterm Strich mit diesem Derby zufrieden. (hr)