CFR 1907 Cluj – Universitatea Cluj – 3:2

CFR 1907 Cluj – Universitatea Cluj – 3:2

„ODE AN DIE FREUDE“

07.02.2026
Liga I
Stadionul Dr. Constantin Rădulescu
Zuschauer: 9.358

CLUJ-NAPOCA – Ein unverhofft freies Wochenende traf auf eine Geburtagsparty am Freitag-Abend. Erst am Samstag und Sonntag sollte ich freie Hand haben in Sachen Fußball. 48h Zeit. Eingeschränkter Radius? Vielleicht. Doch da tauchte in einer Suchmaschine ein Billigflug von Dortmund nach Cluj für den Samstag-Nachmittag auf. Zufälligerweise war auch das Cluj-Derby am Abend angesetzt. Landung: 17 Uhr. Anpfiff: 20 Uhr. Rückflug: 6 Uhr. Prima, alles in der Tüte und nächsten Tag in NRW noch viel Zeit für schöne Dinge.

Mit ein paar Höflichkeitsbierchen im Kopf ging es also gegen 1 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag ins Bett und um 6 schellte schon wieder der Wecker. Der Schlaf war selig, die Motivation groß und die 3,5h Autofahrt von Schwechheim zum DTM völlig ereignislos. Kurz vor Dortmund flackerte jedoch eine Flugverspätung von 1h auf. So wurde aus dem 13h- ein 12h-Trip und es verblieben vor Ort zweieinhalb Stunden bis zum Anpfiff. Die Verspätung verringerte sich sogar noch etwas und das „Bolt“ vom Airport zur Altstadt benötigte gerade mal rund 10 Minuten. Klappte wie am Schnürchen und für den recht schmucken Stadtkern von „Klausenburg“ reichen 1-2h im Zeitplan vollkommen aus, inklusive Verpflegung.

Zu Fuß ging es anschließend eine ordentliche Steigung hinauf zum „Stadiumi Dr. Constantin Rădulescu“. In der Stadt herrschte noch nicht wirklich Derby-Stimmung und vor dem Ground fielen vor allem Polizisten auf. Überall schwerbehelmte „Jandarmeria“. Im Stadion selbst füllte Uni die einzige Hintertortribüne, während sich eine halbe Stunde vor dem Anpfiff noch Rätsel auftaten, welchen Bereich die Heimfans einnehmen würden. Erst kurz vor dem Anpfiff wurde ein großer Block auf der Gegentribüne bevölkert.

Los ging das Derby ohne wirkliche Choreos und mit einer zehnminütigen Abtastphase – doch dann krachte es richtig. Gerade als Uni mit einer Pyro-Show startete, erzielte CFR per Kopf das 1:0. Die Gästekurve glühte und kurz darauf stand auch der Rasen in Flammen. Der Fackeln entledigte man sich im Gästeblock, in dem das rotglühende Feuer einfach auf’s Spielfeld geworfen wurde. Das ergab ein Bild wie im Bürgerkrieg. Doch das beeindruckte niemanden. Gerade der CFR-Torwart bewegte sich völlig unaufgeregt zwischen den ganzen Feuerquellen. Das Spiel wurde nur kurz unterbrochen, damit die Feuerwehr das Brenngut einsammelte. Stadion-Ansagen gab es keine. Hinzu kamen massig Gegenstände, die von der Tribüne auf das Spielfeld flogen. Immer wieder steckten Fahnenstangen wie Speere im aufgeweichten Rasen.

Als kurz darauf nach einem kapitalen Abwehrfehler das 2:0 fiel, war sogar der Gästeblock kurz ruhig. Uni stellte die größere Crowd. Doch CFR hatte mit diesem Spielverlauf natürlich gute Karten. Ein bisschen Gänsehaut machte sich breit, als Uni geschlossen nach dem Anpfiff rumänische Textzeilen zu der Gassenhauer-Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ durch’s Rund schickte. Insgesamt legten die Gäste gesanglich einen richtig guten Auftritt auf’s Parkett und waren von Anfang an auf Krawall gebürstet, was sich später noch bewahrheitete.

Eine Ode an die Freude war dieser Abend aber vor allem für das Heimteam. Für die „Eisenbahner“ bedeutete die klare Führung ein überraschendes Ergebnis. Blieb CFR in dieser Saison doch hinter den Erwartungen zurück und stand in der Tabelle bis dahin hinter dem großen Rivalen, wo es noch um die Teilnahme an den Play-Offs geht. Das Anschlusstor ließ nicht lange auf sich warten und so entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Als alle Beteiligten gedanklich schon fast in der Kabine waren, fiel in der Nachspielzeit wiederum nach einem großen Bock in der Defensive das 3:1.

Nun würde es schwer für die „Studenten“ werden und das bestätigte sich. Uni übernahm das Kommando, CFR schaltete von Offensive auf Defensive um. Bis in die Schlussphase beruhigte sich das Geschehen auf Rasen und Rängen etwas. Doch Minuten vor dem Ende gelang den Gästen der ersehnte Anschlusstreffer zum 3:2. Die spannende Nachspielzeit hatte einen Pfostentreffer für die Eisenbahner parat. Fast wäre Uni in einer Szene zuvor der Ausgleich per Fallrückzieher gelungen. Irre auch, was nach dem Spiel abging: Wütende Funktionäre gingen auf wütende Funktionäre los. Gerade als der Uni-Block das Tor zum Spielfeld aufgebrochen hatte, rückte eine Hundertschaft Polizei ins Stadion vor und verhinderte mit gehörig viel Pfefferspray den Platzsturm.

Der leichte Juckreiz in Augen und Lunge war das Signal für den Abzug. So schnell wie ich gekommen war, saß ich auch schon wieder im Flieger. Unglaublich, was man an einem halben Tag alles so erleben kann. (mm)

FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

Es ist Freitag, und für viele ist es heute der letzte Arbeitstag im Jahr 2025. Wir haben euch in diesem Jahr viele schöne Stadionperlen präsentiert und möchten euch nun auch zur Weihnachtszeit euer Herz erwärmen. Für die 78. Ausgabe befinden wir uns in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Im Stadion Romprim bekommt der Satz „Fußball live“ eine eigene Bedeutung. Wir hoffen, dass das letzte Bundesliga-Wochenende genauso schön wird wie die Sprecherkabine!


29.11.2025
Stadion Romprim
FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

Flacãra Moreni – CSO Tricolorul Breaza (5:0)

Bunã ziua aus Rumänien und herzlich Willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (73). Das Wochenende steht vor der Tür und damit auch wieder eine Länderspielpause. Fluch und Segen zugleich, der eigene Verein pausiert in den meisten Fällen und damit auch die europäischen Ligen. Zeit zum Hoppen für mehrere Leute, ab in die Niederungen des Fußballs. Genau, an der Basis. Dort, wo es sich nicht um Millionen, Spielergehälter oder Sponsoren dreht. So auch in Rumänien, in der kleinen Stadt Moreni steht ein wahres Schmuckkästchen. Dieser Ground überzeugt mich bei meinem Besuch in allen Belangen! Schaut euch die Bilder an und setzt den Ground auf eure To-Do Liste. Wir wünschen eine angenehme Länderspielpause!


31.10.2025
Stadionul Flacara
Flacãra Moreni – CSO Tricolorul Breaza (5:0)

FC Petrolul Ploieşti – FC Botoșani – 2:1

24.11.2023: FC Petrolul Ploieşti – FC Botoșani – 2:1

„DER ‚AUSVERKAUFTE‘ LÄNDERPUNKT“

Stadion „Ilie Oană“

Zuschauer: 7.800

SuperLiga României

Rumänien/1. Liga

PLOIEŞTI – Für die Reisegruppe „Linkshänder“ waren ein Tag vor der Abreise eigentlich alle Fragen geklärt. Die Karten fürs Bukarest-Derby waren eingepackt, die Unterhosen abgezählt und bei Wizz Air hatten auch alle erfolgreich eingecheckt.

Bis gegen 18 Uhr die seltsame Nachricht durchsickerte: Das Spiel am Freitag ist ausverkauft! Bitte was? Petrolul Ploieşti verkaufte die Karten für dieses Spiel nur im Paket mit dem Derby gegen Rapid. Der Verein postete auch fröhlich, dass das Spiel morgen ausverkauft ist und es keine Karten mehr gibt. Auf Nachfrage beim Verein kam dann die Rückmeldung „es wird noch wenige Karten an der Tageskasse geben“. Spoiler alert: vor Ort war es nicht im Ansatz ausverkauft und es gab auch reichlich Karten für alle die hier verweilen.

Am Freitag ging es dann relativ pünktlich mit Wizz Air nach Bukarest. Die Bolt-App wurde angeworfen und los ging es nach Ploiesti. Im Bolt-Taxi orderten wir uns noch schnell ein Hotel direkt am Stadion. Kurz die Sachen ins Hotel gebracht, ein Wegbier mitgenommen und ab ging es ins Stadion: Für umgerechnet drei Euro gab es dann zahlreiche Tickets an der Tageskasse, aber leider kein grandioser Verkauf. Kalte alkoholfreie Getränke und kalte Wurst im „Fransk Hotdog“. Klasse, Lasse!

Pünktlich zum Anstoß erahnten wir hier zwei Fanblocks. Beide platzierten sich jeweils hinterm Tor und waren fast gleich stark vertreten. Die 399 Kilometer aus Botoşani nahmen exakt zwei Top-Lads auf. Lustige Anekdote zu den beiden: Beide saßen einzeln und feierten nicht zusammen.

In der ersten Hälfte passierte nicht allzu viel. Beide Teams hatten jeweils eine Chance und Heim wurde durch den VAR ein Elfmeter aberkannt. In der zweiten Hälfte ging der Favorit schnell mit 2:0 in Führung. Am Ende wurde es nochmal spannend, da die Gäste einen Handelfmeter verwandelten. Für die Botoşani-Kicker reichte es aber am Ende trotzdem nicht zum Punkt. Auf den ersten Saisonsieg warten sie auch heute noch. Für die beiden Gästefans ging es dann wahrscheinlich wieder allein nach Hause.

Wir suchten nachdem Spiel noch erfolglos ein Restaurant oder eine Kneipe. Fündig wurden wir nur in der angrenzenden Tankstelle. In der Hotellobby gab es dann noch das ein oder andere Dosenbier. Viel mehr bekommt man in Ploieşti nicht geboten.

Das Stadion wurde 2011 eröffnet und ist ein klassischer Neubau, wie er auch in Regensburg stehen könnte. Vier Tribünen und eine schicke Außenfassade, die nicht wirklich in die Plattenbau-Umgebung passt. (MB)