Arka Gdynia – Lechia Gdańsk – 2:2

Arka Gdynia – Lechia Gdańsk – 2:2

“TRAUMTORE IM DERBY”

27.02.2026
Ekstraklasa
Stadion Miejski w Gdynia
Zuschauer: 14.401

GDYNIA – Die Sehnsucht nach dem östlichen Nachbarland ist nicht messbar. Viel zu selten verschlägt es mich hierhin. Es gibt niedrige Preise, leckere Küche und oft attraktive Fußballspiele. Die Bedingungen könnten schlechter sein. Wochen vor dem Spiel sickerte durch, dass die Gäste aus Danzig das Spiel heute nicht besuchen durften. Der Ticketverkauf lief an und es gab die Möglichkeit, in Verbindung mit einem Ticketkauf für das Spiel zwei Wochen zuvor ein Vorkaufsrecht für das Derby zu erwerben. Somit ging es dank arbeitgeberfreundlicher Abflugzeit nachmittags mit der einzigen brauchbaren Flugverbindung aus Schwechheim ins Land der Zlotys. Den Untersatz mit den vier Reifen sackte man noch ein. Der Preis hingegen wirkte fast schon unschlagbar, gebucht wie immer im Terminal und bezahlt für zwei Tage Mietdauer: 13€. Teuer wird es mittlerweile leider auch an polnischen Tankstellen. Unter 1,55€/Liter Benzin habe ich nichts mehr gefunden. Der ständige Kampf zwischen Tschechien und Polen im Preisunterbieten geht somit aktuell ganz klar an das Honza-Land! In der Warteschlange erzählte ich, dass man nicht so viel Zeit hatte, weil man schnell zum Derby musste, das katapultierte mich auf Platz eins der Warteschlange. Geduld ist nicht immer gegeben, der Puffer war eng bei der späten Abflugzeit.

Die Haupttribüne betraten wir somit 15 Minuten vor Anpfiff. Auf der Gegengerade lag die Choreo bereit, es startete mit einem Intro aus Papier. Der Capo heizte über das Stadionmikrofon das gesamte Stadion nochmal mächtig ein. Das Spiel startete fulminant: Durch ein Traumtor in der sechsten Minute der ersten Halbzeit ging Arka in Führung. Wow, schaut euch das Geschoss gerne mal im Internet an. Mit links abgezogen, perfekt ins Eck – ideal, um in ein Derby zu starten! Die Ohren wurden betäubt durch die Stimmung der Heimseite, das dreifache Organ der polnischen Kibice brachte die Trommelfelle zum Beben. Die Choreo zu Ehren des Bündnisses zwischen Arka, Cracovia und Lech startete, diese wurde in passenden Farben untermalt. Vor dem Stadion brachten Batterien die zusätzliche Lautstärke und der Rauch der Pyrotechnik nebelte das Stadion ordentlich ein. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie.

Nach Wiederanpfiff gab es die nächste Pyroshow, diesmal die passenden Farben mit mehreren Bengalen verteilt im Block. So bringt Polen Spaß, auch ohne Gäste. Mit zehn Minuten Nachspielzeit ging es zum Pausentee. Es waren noch gar nicht alle Zuschauer wieder auf ihren Plätzen, da klingelte es zum zweiten Mal im Kasten von Lechia. Wieder ein Distanzschuss, dieses Mal nicht so spektakulär, aber mindestens genauso wertvoll. Erneut der perfekte Start in die Halbzeit. Auf schwierigem Geläuf entwickelte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt eine richtige Schlacht. Von nun an drehte sich das Spiel: Lechia glich innerhalb von drei Minuten aus – der Nachteil muss erwähnt werden. Was wäre in diesem Moment im Gästeblock los gewesen? Sofern man das Spiel nicht aktiv verfolgt, fallen einem die Tore wahrscheinlich nicht einmal auf, ohne Jubelszenen der Anhängerschaft.

Auf der Heimseite wurden in der Folge zahlreiche Chancen vergeben, die Heimkurve erhängte vor der Tribüne eine Puppe mit Materialien des Feindes, gleichzeitig besang man seine zahlreichen Freunde aus dem großen Land. Chancen wurden keine mehr genutzt und so verstrichen die letzten Minuten des Spiels. Nach dem Abpfiff ging es 90 Minuten südlich von Gdynia zur Augenpflege. Polnische Hotels sind einfach eine Faszination, fast immer ein riesiges Zimmer, gemütliches Bett und selten über 20 Euro. Dieses Land kann man nur lieben.

Am Sonnabend stand dann der Showdown des schlesischen Klassikers zwischen GKS Katowice und dem Klub von Lukas Podolski an. Eine Choreo über die Gegengerade und Fankurve präsentierten hier die Heimfans, ansonsten gab es kein großes Spektakel. Nach dem ereignisreichen Derby am Vortag, schien der Reisegruppe langsam das “Polen-Glück” auszugehen. Zuvor besuchten wir allerdings GKS Bełchatów, ein Verein mit großer Vergangenheit. In der Saison 2006/07 wurde der Klub polnischer Vizemeister. In den darauffolgenden Jahren sank das sportliche Niveau und im Jahr 2022 folgte die Insolvenz. Mittlerweile gilt der Verein als Bestandteil der III Liga, Grupa I. Die heimischen Kibice sorgten für eine stimmungsvolle Atmosphäre, in so einer Liga fanden sich immerhin 1.157 Zuschauer ein. Für mich ein unerwartetes Highlight zwischen den Spielen in der polnischen Ekstraklasa.

Da der unterklassige Amateurfußball noch in der Winterpause schlummerte, gab es am Sonntag keinen Kick in Polen für uns. Es wäre auch durchaus schwierig, denn kurz nach der deutschen Kaffee- und Kuchenzeit brachte Wizz Air die Reisegruppe zurück ins wunderschöne Schwechheim. Am Abend empfingen die Rothosen den Dosenclub aus Leipzig. Die Ansetzung um 19:30 Uhr spielte uns natürlich in die Karten, von wegen diese Zeiten-Einführung gilt für Vereine, die am Donnerstagabend europäisch spielen. Es ist immerhin schon das zweite Duell, welches die Rauten am Sonntagabend zu dieser Zeit austragen mussten. Polen, wir sehen uns wieder zur Roulade, Łomża-Honigbier, Kielbasa oder Hot-Dogs an der Orlen Tankstelle! Und an Wizz Air: Bietet doch mal bitte die Verbindung Schwechheim-Katowice oder Krakau an. Träumen darf man ja auch mal.. (tp)

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