Eisbären Berlin – Löwen Frankfurt – 2:3
„IN DER NOT FRISST DER GROUNDHOPPER EISBÄREN“
02.01.2025
Deutsche Eishockey-Liga (DEL)
Mehrzweckhalle am Ostbahnhof
Zuschauer: 14.200
BERLIN – Nach einem wunderbaren Ausflug tags zuvor in London zu Leyton Orient, wollte nicht mehr viel klappen. Zu spät machte ich mich auf zum „Alexandra Palace“, um noch für das Viertelfinale der Darts-WM auf dem Schwarzmarkt rumzublöken. Das Bierchen in der High Road schmeckte einfach zu gut. Trotzdem wurde noch ein Blick auf die windigen Typen vor dem „Ally Pally“ geworfen und ein 125£-Ticket auf 50 Pfund gedrückt. Luke Littler war mit seiner Session aber fast schon durch und am Ende fiel die Entscheidung auf: Geld sparen. Der Abend fand seinen lockeren Ausklang im Wetherspoon an der Baker Street.
Einfach Füße hoch und im Hotel chillen, kam nicht in Frage, da auf ein Hotelbett verzichtet wurde. Der Grund: Ein 6-Uhr-Flug vom Horror-Airport Stansted, für den aktuell die Empfehlung ausgesprochen wird, wegen Personalmangel 3 Stunden früher anzureisen. 10 Tage zuvor wurde man Augenzeuge von diesem „Personalmangel“, als der Flieger zurück nach Schwechheim erst 15min vor dem Abflug bestiegen werden konnte. Immerhin öffnet die Sicherheitskontrolle in STN mittlerweile um kurz nach 2 und während sich die Massen an Passagieren in der Fresshalle breitmachte, wurde einfach schon der Weg Richtung Ryanair-Gates eingeschlagen und in aller Ruhe und ohne weitere Mitschläfer ein paar Stunden auf einer Sitzbank abgeratzt.
Ganz früh in Berlin angekommen, hieß es: Zeit totschlagen im Stadtteil Steglitz. Zwischen Karstadt, Bierpinsel und Streuselkuchen herrscht hier eine Atmosphäre wie vor dem Mauerfall. Dazu die grauen Gesichter und der Schneeregen an diesem zweiten Tag des Jahres. Das war gut um ein bisschen runterzukommen, nach dem actionreichen Tag in London. Gegen 12 Uhr sollte ich von der Familie eingesammelt werden und danach stand das Naturkundemuseum auf dem Programm. Vorher äußerte der Sohnemann noch den Wunsch mal zum Eishockey gehen zu wollen. Und siehe da: Am Abend spielten die Eisbären und bei Kleinanzeigen ploppte eine frische Anzeige für das ausverkaufte Spiel auf: „Ticket für 25€ wegen Krankheitsfall abzugeben, Übergabe vor der Eishalle.“ So fand das Wochenende doch noch ein versöhnliches Ende im Sinne des Sports, wenn auch mit 24 Stunden Verspätung. In der Not frisst der Groundhopper eben Eisbären oder Löwen.
Was sollte da noch schiefgehen? Nichts. Allerdings hatten wir nur nur 1 Ticket. Ob Kinder ohne Ticket mit in die Halle dürfen? Das Internet spuckte unterschiedliche Meldungen darüber aus. Also ging es am Abend Richtung Ostbahnhof und das Motto lautete: „Wird schon schiefgehen“. Und genauso kam es: Am Einlass wurde uns erklärt, dass nur Kinder bis zum dritten Lebensjahr ohne Karte reindürfen. Schließlich wurde der Gang zur Information empfohlen, wo unserem Erstklässler mit seinem Hundeblick ohne Diskussionen eine Schoßkarte ausgehändigt wurde, weil das Spiel offiziell als ausverkauft galt – dafür klingelte auch nochmal ein kleiner Betrag in der „Kaffeekasse“. So gewinnt man neue Fans.
In der ausverkauften Halle war es natürlich kein Problem zwei Sitzplätze nebeneinander zu finden. Am Ende war aber auch hier Glück im Spiel. Denn in der zweiten Drittelpause kamen die eigentlichen Dauerkarteninhaber der Plätze vorbei, um den liebgewonnenen Sitznachbarn „Hallo“ zu sagen und stolz mitzuteilen, dass sie für diesen Tag VIP-Plätze gewonnen hatten. Läuft in Berlin. Das kann man über die Eisbären aber aktuell nicht wirklich sagen. Der amtierende Meister kämpft zur Stunde noch um die Teilnahme an den Play-Offs und auch gegen Frankfurt stand am Ende eine unnötige Niederlage auf dem Videowürfel.
Dabei gingen die Eisbären am 70. Geburtstag der kanadischen Klublegende Peter John Lee früh in Führung. Zuvor führte eben jener Peter Lee schon durch das Programm vor dem Spiel und durfte den symbolischen Bully vor dem eigentlichen Face-off durchführen. Gut was los also in der modernen Arena, auch wenn hier auf Pyro-Effekte zum Einlauf der Akteure verzichtet wird, aber das tut dieser eventisierten Sportart mal ganz gut. Während sich das Spiel auf überschaubarem Niveau einpendelte und mit dem 1:0 in die Drittelpause ging, lieferten sich die „Hartmut-Nickel-Kurve“ und der Gästeblock nette Wechselgesänge und immer wieder wurde gemeinsam gegen die Adler Mannheim Stimmung gemacht, die zeitgleich eine herbe Niederlage beim Tabellenletzten in Dresden einstecken mussten.
Die „Freunde aus Frankfurt“ bedankten sich im zweiten Drittel mit der überraschenden Führung. Nun kam endlich mal Spannung in die Partie und die Eisbären berannten das Gästetor. Der Puck zappelte aber erst im letzten Drittel im gegnerischen Netz. Während nun alle in der Halle heiß auf die Schlussoffensive waren, gelang den Löwen im Gegenzug sofort wieder der Führungstreffer. Ein komisches Spiel, dem Berliner Powerplay in der Schlussphase fehlte es an den letzten Zentimetern Präzision und so verließen die Berliner Eishockey-Fans nach dem Ertönen der Schlusssirene fluchtartig und enttäuscht die Arena, während der kleine, kompakte Gästeblock seine Mannschaft abfeierte.
Die viel zitierte „gute Stimmung“ bei den Eisbären ist natürlich relativ, wenn man aus dem Fußball-Business kommt. Es gibt eine nette Kurve mit viel Bewegung und Gesang und dazu passend: Dynamo-Support für den Verein aus Hohenschönhausen. Dass nahezu jedes Spiel ausverkauft gemeldet wird, beeindruckt mittlerweile. Und der Rahmen in der DEL, fast immer mit zwei Fanszenen, hat schon ordentlich an Attraktivität gewonnen. Am Ende ist es halt ein Eishockey-Event mit all seinen Vor- und Nachteilen. So sah das auch der Sohnemann, der die Veranstaltung zwar cool fand, aber auch ein bisschen langweilig. Amen. (mm)









