FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2
„AUF DIE SCHWEIZ IST VERLASS“
06.12.2025
Super League
Kybunpark
Zuschauer: 18.854
SANKT GALLEN – Die Anreise nach St. Gallen lief wie folgt ab: Autofahrt von Schwechheim nach Potsdam, Zugpendel via Leipzig, paar Stunden Schlaf in Berlin, Flug nach Basel, Tingelfahrt mit der Bahn über Deutschland nach Gottmadingen, Weihnachtsmarkt-Besuch in Konstanz und schließlich eine 30-minütige Zugfahrt mit der SBB nach St. Gallen, die fast so teuer war, wie alle anderen Fahrten und Flüge zusammen. Dabei hätte man noch locker im Hotel am Bahnhof in St. Gallen einchecken können. Doch die Schweizer Bundesbahn hat – wie erwähnt – ihren Preis und wartete in Konstanz nicht wenige Minuten auf die Anschlussreisenden.
Das Spiel war dadurch zum Glück nie in Gefahr, doch natürlich galt es das Gepäck vorher noch wegzubringen und das kann immer knifflig werden, wenn man es vorher nicht mehr ins Hotel schafft. Durch die spätere Bahn ging es sofort zum Stadion. Der „kybunpark“ liegt außerhalb, aber sowohl Bus- als auch Zugverbindungen bringen den Fußballkonsumenten in 5-10 Minuten zur Arena, die ein klassischer Neubau aus den 2000ern ist. Recherchen und Nachfragen hatten ergeben, dass es keine Taschenaufbewahrung gibt. Da aber eh der Umtausch von E- in Hardticket anstand, wurde an der Kasse auf doof gestellt – und siehe da: Es gibt Schließfächer. Kostenlos. Perso gegen Schlüssel. Auf die Schweiz ist eben Verlass – im Stadion wie auf der Schiene.
Nun lief die Zeit wieder gemächlich, wie den ganzen Tag über eigentlich schon. Durch die frühe Landung um 7.30 Uhr am EuroAirport in Basel gönnte man sich den Luxus bei der Anreise die „Banane“ über Deutschland zu fahren, was im Besitz des Deutschland-Tickets sehr viel Geld spart und zur Folge hatte, im südbadischen Gottmadingen auf einer alten Holztribüne noch kostenneutral Landesliga schauen zu können. Über die Schweiz wird ja immer viel gemeckert, das ist altbekannt, aber die hohen Kosten für Zugfahrten sind seit dem letzten Besuch bei den Eidgenossen irgendwie explodiert. Gut 60€ für etwas über 1h Fahrt mit der Regionalbahn an 2 Tagen oder umgerechnet gut 100 Straßenkilometer, das ist schon eine Ansage. Wenn man die moderaten Spritpreise sieht, die sich simultan zu Deutschland ziemlich genau zwischen 1 und 2 Euro bewegen, kann man das doch auch als Schweizer nicht gutheißen, für ein Massentransportmittel den zigfachen Preis wie für den Individualverkehr zu berappen.
Zum Glück wurde nicht viel Strecke auf Schweizer Gebiet zurückgelegt. Und abgesehen vom letzten verpassten Zug verlief der Tag ohne Ärgernisse. Hinein ging es in den „kybunpark“ zum Top-Spiel in der „Super League“. 25 CHF für ein Sitzplatz war hier ein mehr als fairer Kurs, doch der gebuchte Platz hinter dem Tor hatte zur Folge, dass man die Auswärtsfans nur im Seitenprofil sah und sowohl Gitterstäbe als auch Netze die Sicht auf’s Spielfeld trübten. Tickets auf den Geraden für 80 CHF waren nicht vermittelbar. Immerhin genoss man an der Ecke vom Block perfekte Sicht auf die Choreo des „Espenblocks“. Hier wurde eine Blockfahne mit „grünen Weihnachtsmännern“ passend zum Nikolaustag hochgezogen und mit Blinkern und „Schneekonfetti“ komplettiert. Sah knuffig aus und unter dem Strich überrascht die Heimkurve schon auch durch ihre Größe. Die Hintertorseite war voll, die Mitmachquote stabil und mit ihren olivgrünen Einheitsjacken gab der Espenblock ein gutes Bild ab. Auf die Schweiz ist Verlass.
Ab der Halbzeit wurden die Eingänge nicht mehr überwacht. So ging sich der zweite Abschnitt mit Frontalsicht von der Haupttribüne auf den Gästeblock aus. Über Zürich müssen wir da eigentlich nicht reden. Auch der Auswärtsblock pickepackevoll, mit viel Chaos, Lautstärke und Pyro. Dazu kam das Spiel, in dem Zürich mit gezielten, schnellen Angriffen zwei Mal in Führung ging. St. Gallen als Tabellenzweiter zunächst mit viel Mut am Ball und dem schnellen Ausgleich, doch im zweiten Abschnitt ging den Hausherren die Puste aus, das galt auch ein wenig für die Kurve. Zürich machte seine Sache nämlich wirklich gut, beschäftigte die „Espen“ in der eigenen Hälfte und hätte noch höher gewinnen können. Durch den Auswärtssieg mischt der FCZ wieder im Meisterschaftsrennen mit. Seit dem Trainerwechsel im Oktober befindet sich „Züri“ im Aufwind.
An der Spitze der Liga thront weiterhin – sensationell – der Aufsteiger aus Thun mit nun 6 Punkten Vorsprung. Doch nun, wo es Richtung Meisterschaftsrunde geht, scharren auch die großen Vereine mit den Hufen. Mittendrin liegt der FC St. Gallen weiterhin auf Rang zwei. Wenn es mit dem Titel klappen sollte, wäre es die dritte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und die erste seit dem Jahr 2000. Wenn es nicht klappt, wäre es auch nicht so schlimm: Auf den zweiten Titel wartete der älteste Fußballverein Kontinentaleuropas (Gründungsjahr: 1879) satte 96 Jahre. Wie gesagt: In der Schweiz sollte man viel Zeit mitbringen. (mm)

























