03.01.2026 Isthmian League Premier Division New Lodge Zuschauer: 1.700
BILLERICAY – In Southend steht ein hervorragendes Stadion. Zumindest, wenn man den Bildern von Europlan und Co. glauben darf. In Wirklichkeit dauerte mein Besuch in Southend allerdings gerade einmal eine gute Stunde. Denn gegen 12:30 Uhr wurde nach einer Platzinspektion bekanntgegeben: „GAME OFF – FROZEN PITCH“.
Da mir bereits andere Spielorte an diesem Samstag bekannt waren, an denen es dieselbe Meldung gab, war ich auf eine Alternative vorbereitet. Bei der Auswahl mussten vor allem folgende Faktoren berücksichtigt werden: auf dem Weg in Richtung Portsmouth gelegen und ein Kunstrasenplatz mit Ausbau. Fündig wurde ich schließlich in Billericay, wo Futbology mir eine Ansetzung um 15:00 Uhr in der siebten Liga ausspuckte.
Also ging es knappe 20 Minuten zurück in Richtung London, und schon war ich in der genannten Stadt. Und da auch diese über einen Wetherspoon verfügt, wurde direkt das nächste der über 800 „Spoon-Kreuze“ gemacht.
Wenig später ging es dann zum „New Lodge“, der Heimat des Billericay Town FC.
Schnell wurde klar, dass es die absolut richtige Entscheidung war. Tribünen auf allen vier Seiten, eine davon mit einem beeindruckenden Wandbild ausgestattet. Überall sind die verschiedensten Schilder zu entdecken. Ich weiß nicht, ob mir „PLEASE LEAVE QUIETLY WITH RESPECT FOR OUR NEIGHBOURS“,
„Don’t be upset by the result you didn’t get with the work you didn’t do“
oder:
„NO ENTRY TO THE PITCH IF YOU ARE NOT WEARING THE CORRECT FOOTWEAR“ am besten gefallen hat.
Am beeindruckendsten war vermutlich die „Wembley Wall“, auf der die Spiele aufgeführt sind, bei denen der Klub im FA-Vase-Finale in Wembley stand. Von einem Wembley-Finale war man an diesem Tag zwar weit entfernt, gefallen hat es mir dennoch sehr, da sich bei mir eine gewisse Schwäche für den Non-League-Fußball entwickelt hat. Fast immer gibt es ein Vereinspub, in dem man seinen Cider bekommt. Und vor allem darf man diesen – im Gegensatz zu den Profiligen – auch auf der Tribüne trinken.
Im Spiel konnten die Gäste mit dem kuriosen Namen Hashtag FC mit 1:2 gewinnen. Viel spannender war jedoch der Sonnenuntergang und der tief stehende Mond, der sich über einer der Tribünen blicken ließ.
Insgesamt bedaure ich, dass der Platz in Southend nicht bespielbar war und erst um 12:30 Uhr feststand, dass nicht gespielt wird. Mehrere Fans hatten über 100 Pfund für die Auswärtstour investiert, ohne ein Spiel ihrer Mannschaft sehen zu können. Bei anderen Vereinen wurde sogar noch kurzfristiger abgesagt – teils erst kurz vor dem Anpfiff. Dennoch wurde das Beste aus der Situation gemacht, und ich weiß es zu schätzen, einen neuen Ground kennengelernt zu haben. Das macht das Hoppen aus. (fj)
Dobré ráno und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (83).
Heute führt uns die Reise in die Nordböhmische Stadt Louny (🇨🇿). Hier im Velodrom, (auch Cyklistický stadion genannt) wo damals der SK Louny seine Spiele ausgetragen hat fand zu Silvester das wohl letzte Spiel statt. 1950 überzeugte der Radrennfahrer Josef Klobása die Stadtverwaltung eine Rennbahn zu bauen, 1956 wurde die Radrennbahn eröffnet. In den Jahren 1957 und 1958 fanden Erneuerungen statt, ehe am 10.05.1958 die ersten Radrennen stattgefunden haben. Jetzt allerdings liegt das Velodrom brach und zerfällt nach und nach. Die Redaktion wünscht euch allen einen schönen Freitag und kommt gut ins Wochenende.
31.12.2025 TJ Sokol Pátek – FC Crimmitschau. Cyklistický Stadion Louny (Velodrom).
LENS – Das ganze Wochenende mit dem Ziel ein Abendspiel am Samstag in Brüssel zu verfolgen, wurde über den Haufen geworfen, als man die Ansetzungen der Ligue 1 entdeckte. Der aktuell besten Mannschaft Frankreichs wurde ein Heimspiel um 17 Uhr zugelost. Mit einem Sieg konnte Lens in der Tabelle wieder auf Rang 1 springen, nachdem PSG am Vortag durch einen 3:0-Erfolg zu Hause gegen Lille für eine Nacht die Tabellenführung übernahm.
Bereits weit vor dem Spiel parkten wir unser vierrädriges Gefährt in der City von Lens. Da an diesem Samstag ein „Dreierhopp“ durchgeführt werden sollte, wurde die Lage vor Ort zwecks Parkplatzsuche vor dem Spiel schon mal inspiziert. Dabei ging man auch die Straße ab, in der Daniel Nivel 1998 von deutschen Hooligans folgenschwer verprügelt wurde. Nichts dort erinnert an den Vorfall von damals, trotzdem war man in den engen, schmuddeligen Gassen rund um den Bahnhof gedanklich irgendwie schnell wieder im Sommer 1998. Gänsehaut. Auch wenn der betreffende Straßenzug hinter der „Rue Romuald Provust“ mittlerweile abgerissen wurde.
Mit ein paar Parkplatztipps im Kopf ging es anschließend rund 10km südlich nach Vimy. Hier rollte der Ball in der fünftklassigen National 3. Das Spiel hatte alles zu bieten, was ein hochklassiges Amateurspiel ausmacht. Leider auch gut 15 Minuten Nachspielzeit, die uns im Hinblick auf das Lens-Spiel etwas in Bedrängnis brachten. Abpfiff in Vimy gegen 16:30 Uhr, Ankunft in Lens um 16:43 Uhr. Parkplatz etwas „wildwest“, aber das bleibt in einer 35.000-Einwohner-Stadt mit einem Stadion für 41.000 Besucher sowieso nicht aus. Zu Fuß ging es schnellen Schrittes zum Stadion, die Wege hatten wir ja schon ausgekundschaftet.
Doch in der Hektik passierten zwei Dinge: Beim Überholen einer Menschengruppe rutschte ich auf dem durchweichten Rasen aus und fiel auf die Seite. Die Hüfte tut immer noch weh. Der klassische Schmerz eines „Eisbeins“, das man früher bei Schulhof-Raufereien kassiert hat. So ähnlich wie pubertierende Jugendliche, verhielt sich auch das Publikum in Lens, das mich nach dem Sturz wirklich herzhaft ausjohlte, statt mal zu fragen, ob ich mich verletzt habe. Es ging schnell weiter zum Stade Bollaert, von einem Eisbein lassen wir uns in Frankreich nicht aufhalten. 10 Minuten blieben noch bis zum Anpfiff. Doch dort angekommen, landete ich in der falschen Schlange und wurde nach 2-3 Minuten mit dem Hinweis „zwei Mal links“ weggeschickt.
Nun war die Verwirrung groß und guter Rat teuer, denn bei „zwei Mal links“ angekommen, war ich definitiv falsch. Auf dem Weg um das Stadion passierte ich riesige Einlassschlangen und im Innern wurde bereits die heiße Phase zum Einlauf der Mannschaften eingeläutet. In solchen Momenten läuft das Gehirn manchmal anders bei mir: Ich musste rein in das Stadion, koste es, was es wolle. Auf dem Weg zurück fiel eine Ecke hinter einem Imbisswagen auf, eigentlich wollte ich nur mal auf die Tribünen blinzeln und mir einen schnellen Überblick verschaffen, da erspähten meine Augen doch tatsächlich ein unverschlossenes Tor im Gitterzaun. Zack, war ich drin und hinter dem Rücken vom Ordner im Stehplatzblock verschwunden.
Es war 5 vor 5 und die Anpfiff-Zeremonie fing kurz darauf an. Punktlandung und immerhin ein Happy End nach dem Sturz. So voller Adrenalin bemerkte ich das „Aua“ sowieso erst in der zweiten Halbzeit. Vielleicht hatten die Akteure auf dem Platz auch Schuld an dem Adrenalin-Abfall. Denn gerade von Lens kam im ersten Abschnitt einfach gar nichts. Jeder Ball in die Spitze war zu lang geraten und abgesehen von einem Schuss nach 5 Minuten, musste der Gästekeeper kein einziges Mal eingreifen. Der Vorletzte aus Auxerre mühte sich nach Kräften und konnte gut mithalten. Der Auswärtsblock war nahezu ausverkauft und die 90 Minuten supporteten die Auxerrois munter durch.
Das Spiel war auch das Duell der Kleinstädte in der Ligue 1. In beiden Orten wohnen etwa je 35.000 Menschen. 38.000 davon verschlug es an diesem Tag ins Stade Felix-Bollaert-Delalis, das mit seinen vier Single-Tribünen unglaublich viel Größe ausstrahlt. Dank des falschen Blocks, in den ich geraten war, konnte ich die Gästefans nur im Seitenprofil sehen, dafür hatte ich den perfekten Überblick auf die Heimszene, die in drei Areas auf jeder Seite vertreten ist. Nur die Haupttribüne hat mit Support nicht so viel zu tun. Sehr löblich auch, dass auf den übrigen drei Tribünen im Unterrang gestanden wird – auch auf der Gegengeraden. Dementsprechend ist das Stadion permanent in Bewegung. Vorher galt es allerdings noch einen fünfzehnminütigen Stimmungsboykott zu überstehen, der auch in Frankreich dem Hang zu Kollektivstrafen geschuldet war. Pünktlich nach einer Viertelstunde wurde der Support mit einer Pyro-Show eröffnet. In der zweiten Halbzeit gedachten die „Red Tigers“ auf der Gegengerade mit ähnlichen Effekten zudem einem verstorbenen Mitglied.
Auf dem Platz erwischte Lens nicht den besten Tag. Aber zusammen mit dem Publikum reichte es für zumindest eine erfolgreiche Aktion: Nach gut einer Stunde versenkte Wesley Saïd den Ball per Dropkick im Netz, ließ „Les Sang et Or“ jubeln und verhalf seinem Team zur Rückkehr auf Platz 1. 10 Spiele in Folge hat RCL nun gewonnen, 9 davon in der Ligue 1. Die Stadt wandelt auf dem Pfad von 1998. In diesem Schicksalsjahr verprügelten deutsche Hooligans nicht nur französische Gendarmen – Racing Lens gelang am Ende der Saison auch der Gewinn der bisher einzigen nationalen Meisterschaft in Frankreich. Punktgleich lag man vor dem FC Metz auf dem ersten Platz im Klassement. PSG wurde Achter, selbst Auxerre landete in der Abschlusstabelle damals vor dem Hauptstadtklub. (mm)
18.01.26 Pro League Stade du Pays de Charleroi Zuschauer: 13.623
CHARLEROI – Nachdem Kollege (mm) bereits am Freitag nach Belgien fuhr, zog ich am Samstag nach und kreuzte mit Waregem den nächsten Ground in der “Pro League”. Am Abend trafen sich in Mouscron unsere Wege, wo sich mit Stade Mouscronnois der faktische Nachfolgerverein von Royal Excel in den bezahlten Fußball zurückkämpft.
Am Sonntagmorgen wurde die Reisegruppe um drei Redakteure erweitert, die über Nacht aus Schwechheim mit dem “grünen Hotel” nach Brüssel kamen. Das passte super, denn bereits um 09.30 Uhr rollte in der Randgemeinde Saint-Josse-ten-Noode im “Stade Communal Georges Pètre” (sehr zu empfehlen!) der Ball.
Das war jedoch nur der Auftakt für einen Sahnetag im Königreich. Anschließend fuhren wir in den Norden in die Kleinstadt Boom, die neben dem weltweit bekannten Festival “Tomorrowland” mit dem “Gemeentelijk Parkstadion” eine echte Groundperle bietet. Die Dichte an alten Stadien bei unseren Nachbarn und die hopperfreundlichen Ansetzungen sind einfach geweldig/magnifique/wunderbar, je nachdem wo man sich gerade im Land befindet. Die kleine Frituur mit nur einem Vierertisch als Sitzgelegenheit lieferte ebenso ab und im Prinzip war die Gruppe schon da hochzufrieden.
Allerdings stand mit dem “Choc Wallon” das Highlight des Wochenendes noch bevor. Charleroi ist wahrlich keine Schönheit, doch auch hier gilt: je hässlicher die Stadt, desto mehr halten die Bewohner zu ihrem Fußballverein. Sportlich standen die “Zebras” eigentlich immer im Schatten der “Rouches”, die jedoch in den letzten Jahren nachgelassen haben. Charleroi zog unter der Woche ins Pokalhalbfinale ein und ging hoch motiviert in den wallonischen Kracher.
Unterstützung von den Rängen gab es zunächst durch eine Choreo, womit die Ultras zum Gefecht riefen. Auf Seiten der 1.200 Gäste durften wir eine opulente Pyroshow mit Bengalos und jeder Menge Raketen bewundern, die auf jeden Fall derbywürdig war. Was für ein Start!
Die Gastgeber spielten vom Anpfiff weg konzentriert nach vorne und nach gerade einmal sechs Minuten der erste “Choc”: Scheidler köpfte eine Flanke vom Deutschen Pflücke ins Netz und drehte an der Lautstärke. Wir waren auf der Gegengerade und besonders gefiel uns, dass im Anschluss die Normalos gerne in die Gesänge mit einstiegen. Insbesondere das “Aux Armes” schepperte ordentlich.
Die “Zebras” blieben dynamisch und attackierten weiter. Das 2:0 leitete erneut Pflücke ein, dessen Pass Bernier mit einer tollen Einzelleistung veredelte. Schon da war klar, dass der gebürtige Dresdner “Man of the Match” sein wird. Von Standard kam auf dem Rasen so gut wie nichts. Deutlich mehr lief im Gästeblock: der Support ebbte nie ab und in der zweiten Halbzeit ploppten durchgängig Fackeln. Ebenso konnte sich das Kurvenbild sehen lassen, da gab es nichts zu mäkeln.
Charleroi verpasste es trotz bester Chancen, die Partie endgültig zu entscheiden. Aber eigentlich wusste jeder im Stadion, dass da nichts mehr anbrennen konnte. In den letzten zehn Minuten stand die gesamte Gegengerade und in der Nachspielzeit machten die Ultras mit einer Pyroshow den Derbysieg quasi offiziell.
Wirklich beseelt vom bisher besten Hoppertag in Belgien spulten wir die fast 650 Kilometer Rückfahrt nach Schwechheim wie auf Schienen ab. Dieses Land macht einfach immer wieder Spaß und natürlich kommen wir wieder! (hr)
10.01.2026 Malaysian League Super Sultan Hassanal Bolkiah Stadium Zuschauer: 10.200
BANDA SERI BEGAWAN – Bereits im November 2024 hatte ich das Königreich Brunei erstmals auf dem Zettel, verwarf die Pläne jedoch kurzfristig wieder, da der Länderpunkt ins Wasser zu fallen drohte. Die heimische, reine Amateurliga glänzt mit regelmäßigen Spielabsagen. Brunei DPMM FC – größter Verein im Land – spielte in der Singapore Premier League mit, musste seine Heimspiele jedoch häufig im Exil austragen, um Reisekosten und -wege der restlichen Vereine zu reduzieren. Der Wechsel in die malaysische „Liga Super“ zur Saison 2025/2026 bescherte dem Landboten endlich wieder verlässliche Termine. So wurde kurzfristig der AirAsia-Bomber aus Kuala Lumpur gebucht, um ein WE auf Borneo zu verbringen.
Der deutsche Pass ermöglicht ein Visa on Arrival, es ist lediglich online eine Einreiseanmeldung vorzunehmen, wobei die Seite jedoch sehr verbuggt ist und man sich eine Weile fragt, ob die Übermittlung denn nun geklappt hat. Der Flug schaffte es dann dank starker Gewitter und Regenfälle in die Top 3 der unangenehmsten Landungen. Im dritten Anlauf schaffte es der Kapitän, den Vogel sicher zu landen. Die Einreise lief anschließend problemlos und kostete kaum Zeit.
In Brunei erfolgt die Fortbewegung leider nicht mit dem geliebten „Grab“. Wer die teure Taximafia umgehen will, nutzt die App „Dart“. Busse fahren nur sehr unregelmäßig oder fallen ganz aus, da sie von Einheimischen kaum genutzt werden. Es besitzt einfach jeder seine eigene Kutsche im Ölstaat.
Auf dem Weg zum Hotel gab es dann leider die erste Hiobsbotschaft: Der geplante Freitagsdoppler fiel dem Regen zum Opfer. Zumindest kommunizierte „Liga Brunei“ auf Instagram zeitnah die Absage, was die Anreise ersparte. Da der Regen weiterhin nicht aufhören wollte, wurde im sehr zu empfehlenden „Higher Hotel“ die Zeit zum Schuhetrocknen genutzt und später noch der Kollege (tp) gebührend empfangen, der einen anderen Flieger nach Borneo wählte.
Samstag zeigte sich das Königreich dann von einer ganz anderen Seite. Die Sonne dominierte die Lage schon früh am Morgen und von Regen keine Spur. So wurde der Tag ausgiebig mit Sightseeing verbracht. Das Highlight war eine 1,5-stündige Fahrt mit dem Wassertaxi. Unser Top-Lad-Kapitän führte uns zu abgelegenen Mangrovenwäldern, wo sowohl Nasenaffen als auch Krokodile gesichtet werden konnten – ein Highlight für den Mitteleuropäer, der Zoos meidet. Zum Abschluss fuhren wir durch Kampong Ayer, das sogenannte Klein-Venedig: Ein Stadtteil von Banda Seri Begawan, der auf dem Wasser errichtet wurde.
Bewusst hungrig ging es dann zum abendlichen Highlight, dem 16. Spieltag der Malaysian League Super. Bereits 2,5 Stunden vor Spielbeginn kamen wir am Stadion an, um uns ausgiebig durch die vielen Streetfoodstände zu probieren. Mehr hierzu im in Kürze erscheinenden Sonderteil #schwechheimisst.
Brunei DPMM FC spielte bereits bis 2009 einige Jahre im malaysischen Verband, bevor der Wechsel nach Singapur erfolgte. Bereits in den Jahren 2017-2025 gab es trotz sportlicher Erfolge (u. a. zweifacher Meister) mehrfach Versuche, der indonesischen oder auch malaysischen Liga erneut beizutreten. Dies scheiterte jedoch häufig an der Local-Player-Regel: Spieler aus Brunei wären unter die Ausländerregel gefallen und hätten nur begrenzt eingesetzt werden dürfen. Da nach der letzten Saison zwei Vereine aus finanziellen Gründen in Malaysia kein Team mehr für die erste Liga meldeten und dem Verband somit die Vereine ausgingen, wurden die Regelungen etwas gelockert. Einzige Bedingung für die Austragung der Heimspiele in Brunei war, dass sämtliche Reisekosten der Gastvereine getragen werden müssen. Da dem Kronprinzen sowohl der Verein als auch die staatliche Airline gehören, war dies wohl kein Hindernis.
Der Rekordmeister und heutige Gast aus dem Klang Valley, Selangor FC, entpuppte sich als wahrer Zuschauermagnet. Über 10.000 Zuschauer sind zumindest in dieser Saison ein Rekordwert. Brunei, sehr holprig in die Saison gestartet (u. a. mit einer 0:10-Niederlage beim Plastikclub Johor), performt mittlerweile besser, war jedoch in diesem Spiel den favorisierten Gästen deutlich unterlegen, und das 2:5 auf der Anzeigetafel bildete den Spielverlauf gut ab.
Die Gäste wurden von ca. 400 Awayfans begleitet, wobei auch „ultrasel“, der wohl beste Ultrahaufen des Landes, mit gut 100 Schlachtenbummlern vertreten war. Dank der kürzlichen sportlichen Neuaufstellung im Verein, beendete man auch den fast drei Monate andauernden Stimmungsboykott – zur Freude beider Redakteure. Solltet ihr mal im Raum Kuala Lumpur unterwegs sein und die Wahl zwischen Kuala Lumpur City und Selangor haben, wählt immer die Jungs aus Shah Alam. Die Kurve ist an guten Tagen wirklich sensationell.
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass es Gerüchte gibt, die einen Wechsel zurück in die Singapore Premier League zur neuen Saison prophezeien, da sich DPMM von den Schiedsrichtern benachteiligt fühlt. Angesichts des Zuschauerschnitts halten wir diesen Schritt jedoch für unwahrscheinlich. Brunei hat definitiv Bock auf Heimspiele. (CvS)
16.01.2026 Pro League Jan-Breydel-Stadion Zuschauer: 24.013
BRÜGGE – Das Wochenende am Freitag startete in Brügge. Eine gern genommenes Ausflugsziel für Touristen aus aller Welt. Auch für mich war es nicht der erste Besuch in der Stadt, die seit dem Jahre 2000 zum „UNESCO-Weltkulturerbe“ zählt. Von dem kulturellen Wert der Altstadt konnte ich mich vor 10 Jahren überzeugen, als vor dem EM-Gruppenspiel der Deutschen gegen die Ukraine in Lille lieber in Brügge genächtigt und die Europameisterschaft mit ein paar Kannen „Straffer Hendrik“ eingeläutet wurde.
Ein Besuch beim Club Brügge blieb bisher aus. Das Spiel gegen La Louvière bildete den Jahresauftakt in die Pro League. Obwohl ja bis kurz vor Silvester gegen den Ball getreten wurde, gönnte sich Belgien eine kleine Winterpause und legte dann wieder mit dem Pokal los. Der komentenhafte (Wieder-)Aufstieg von La Louvière wurde letztes Jahr mit dem Durchmarsch in die Pro League gekrönt. Noch 2022 fand sich der Verein, der 2009 fusioniert war und die Heimspiele teilweise in Charleroi austrug, in der viertklassigen 2. Division wieder. Für die Fanszene aus La Louvière um die Hauptgruppen „Wolf Side“ und „Green Boys“, steht in diesem Jahr also die erste Saison in der Eliteliga seit 20 Jahren auf dem Programm. Und die Jungs aus La Louvière erschienen zahlreich – komplett in Schwarz gekleidet, wie man es aus vorangegangenen Spiele schon kannte.
Der „FC Brügge“, wie der 1891 gegründete Verein mit der Stammnummer 3 gerne in Deutschland genannt wird, verabschiedete sich mit 3 Liga-Siegen in Folge und auf Platz 2 in die Winterpause. Im Pokal war in Charleroi unter der Woche Endstation und die Kritik der heimischen Presse fiel harsch aus. Dieser Eindruck setzte sich im Jan-Breydel-Stadion fort, das gut besetzt war, aber eine Stimmung wie beim Kaffeekranz mit Tante Mathilde verbreitete. Die „North Fanatics“ schliefen beim Support fast ein und überhaupt besteht der Kern der harten Fans hinter dem Tor nur aus ein paar dutzend Leuten – zumindest bei diesem Spiel. Ein Kaffeetrinker-Publikum, das an die Pendants in den Niederlanden erinnert. Dabei war die „North Side“ zusammen mit den Jungs aus Den Haag ja praktisch in den gesamten 90er-Jahren in aller Munde. Das war die erste Enttäuschung des Abends.
Die zweite Enttäuschung folgte auf dem Rasen, wo La Louvière als Kellerkind sehr engagiert auftrat, dann aber nach einem Doppelschlag aus dem Nichts 0:2 hinterlag. Brügge war mit den ersten beiden Chancen in Führung gegangen und tat dann gar nichts mehr für das Spiel. Das zweite Tor erzielte Romeo Vermant, der auch kürzlich für die Nationalmannschaft debütierte. Ein Blick auf seinen Geburtsort Gelsenkirchen lässt die Familienhistorie erahnen: Vater Sven Vermant dürfte bei Schalke 04 noch in guter Erinnerung sein. Der Wendepunkt der Partie dann jedoch in der 39. Minute, als der Equadorianer Joel Ordóñez nach einem VAR-Entscheid vom Platz gestellt wird und für kurze Zeit im Publikum sogar mal sowas wie Hass mitschwingt.
Im zweiten Abschnitt belagern die Gäste lange Zeit den gegnerischen Strafraum, bis nach einer guten Stunde der Anschlusstreffer fällt. Es entwickelt sich das typische Fußballspiel, in dem die zurückliegende Mannschaft auf den Ausgleich drückt. Das 2:2 gelingt um die 80. Minute herum und die Körpersprache der Heimelf lädt La Louvière anschließend ein auf Sieg zu spielen. Den Rest besorgt Reservekeeper Nordin Jackers, als er kurz vor Schluss durch den Strafraum geistert und den Gästen tatsächlich noch der Auswärtssieg gelingt. Torwart-Legende Simon Mignolet fällt aktuell verletzt aus und die etatmäßige Nummer 2, Dani van den Heuvel, musste das Spiel im ersten Abschnitt verletzungsbedingt verlassen.
Zu oft gelingt den Favoriten mit Verwaltungsfußball der knappe Sieg. An diesem Abend hat der Verein, dem zuletzt der märchenhafte Aufstieg in die höchste Liga glückte, eine neue Episode geschrieben und mit dem unvorhergesehen Ausgang dieses Spiels für ein versöhnliches Ende gesorgt. La Louvière – der Lichtblick an diesem düsteren Ort mit seinem verwöhnten Publikum. Das an und für sich schmucke Jan-Breydel-Stadion mag im Hellen etwas mehr begeistern. Für uns hieß es nach 90 Minuten, angelehnt an den Filmklassiker von Martin McDonagh: Brügge sehen… und gleich wieder abhauen! Colin Farrell wäre sicher stolz auf uns gewesen.
Das galt aber nur für den Fußball. Die Altstadt um das Weltkulturerbe ist nach wie vor unbedingt sehenswert und begeistert sowohl am Tag als auch in der Nacht. (mm)
PORTSMOUTH — Am Samstag brachte uns British Airways pünktlich nach London. Dort gab es im Wetherspoon ein paar leckere Kaltgetränke und im Tagesverlauf auch zwei neue Grounds. Weitere Infos über den Tag gab es am Mittwoch im Bericht zu Charlton vs. Chelsea zu lesen.
Am Sonntag öffneten sich die kleinen Äuglein um acht Uhr, da wir heute ein paar Meter gen Süden machen wollten. Pünktlich um neun Uhr standen wir bei Avis vor der Tür, um unseren Leihwagen abzuholen. Der Verkäufer wollte uns natürlich über den Tisch ziehen und behauptete in seinem „Paperwork“, dass ich einer zusätzlichen Versicherung zugestimmt hätte. Bei der Auflistung der Kosten fiel mir dies jedoch sofort auf und konnte entsprechend „korrigiert“ werden. Kurze Zeit später saßen wir in der Mistkarre und fuhren mit zwei kleinen Umwegen nach Portsmouth. Es ist natürlich immer suboptimal, wenn das Navigationsgerät kurz vor einem Autobahnkreuz ausfällt. Trotzdem kamen wir zeitig in Portsmouth an, parkten das Gefährt mit vier Reifen in einem Parkhaus und klapperten ein paar Spots ab. Per Uber ging es dann schlussendlich aus dem Pub zum Fratton Park.
Vor Ort tauschten wir unsere vier QR-Codes aus dem General Sale gegen eine Gebühr von drei Pfund in Hardtickets um und bewegten uns in den legendären Fratton Park. Nach einer kurzen Verwirrung auf der Tribüne saßen wir schließlich auch auf unseren Plätzen. Der gute Ordner konnte nicht lesen und schickte uns zunächst in den Lower Stand, obwohl wir Tickets für den Oberrang hatten. Schwamm drüber, denn drei Minuten später explodierte der Fratton Park: Der Zweitligist konnte sensationell das 1:0 gegen den Tabellenführer der Premier League erzielen. Die Freude hielt jedoch nicht lange, denn fünf Minuten später erzielte Arsenal durch ein Eigentor den Ausgleich zum 1:1. Die rund 3.000 mitgereisten Fans jubelten und wollten die Heimfans verspotten. Das kam natürlich nicht gut an, sodass es für den neutralen Beobachter einige lustige Gesänge in Richtung der Gäste gab. Auf dem Rasen hatte die Blue Army allerdings nichts mehr zu feiern, denn die Gunners zeigten eindrucksvoll, warum sie momentan das beste Team in England sind. Die Jungs können schon gut zocken. Somit nahm der Spielverlauf nach dem kurzen „Hoch“ seinen erwarteten Lauf. Trotzdem blieb das Stadion – wie sonst in England – nicht ruhig. Jede Aktion wurde kommentiert und gestikuliert. „You are a wanker“ war dabei einer der netteren Sätze, die in Richtung der Spieler und des Schiedsrichters fielen. Wir haben uns gut amüsiert und alles gefeiert.
Unterm Strich war das Spiel um 15:53 Uhr vorbei und wir fuhren ohne Probleme zurück nach London. Am Airport trafen wir unseren Reporterkollegen FJ, der von der Isle of Man nach Heathrow gereist war. Mister FJ war ganz gespannt auf unseren Bericht aus der Hafenstadt, da er bereits drei Touren nach Portsmouth gebucht hatte, die alle ins Wasser fielen – zuletzt erst letzte Woche aufgrund eines „frozen pitch“. Da hilft nur ein leckeres Cider am Airport! Mit 45 Minuten Verspätung ging es dann für uns mit der „Standby Crew“ zurück nach Schwechheim.
Im Flieger schwelgten wir in Erinnerungen an diesen tollen Trip in England. Der FA Cup ist es einfach: Bei den Partien Klein gegen Groß sind die Fans lautstark dabei und pushen ihre Spieler nach vorne. Wäre es in der Liga auch so, hätten viele Redakteure eine ganz andere Meinung zur „Insel“. Es ist nicht immer eine Library – manchmal wird aus der alten Bibliothek auch ein Tollhaus mit vier uralten Stands und ordentlich Gepöbel. (mb)
Herzlichen willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 82. Ausgabe unserer beliebten Kategorie melden wir uns aus Deutschland zurück! Bevor der hiesige Amateurfußball unter der aktuellen Schneedecke völlig in Vergessenheit gerät, gibt es einen Schwenk in die Landesliga Westfalen. Hereinspaziert in die ehrwürdigen „Kampfbahn Schwansbell“, wo der Lüner SV seine Heimspiele austrägt.
Der Spielort wurde im Jahre 1952 errichtet und erlebte in den 1960er- und 70er-Jahren legendäre Spiele. In der zweitklassigen Regionalliga West empfing der LSV unter anderem Borussia Dortmund zum Punktspiel. Viel verändert hat sich in der Kampfbahn seitdem nicht. Vor etwa 15 Jahren gab es eine kleine Frischzellenkur für das Stadion, aber die schiefen Stufen und die Tribüne aus jener Zeit sind geblieben.
Ein echter Geheimtipp im dichtbesiedelten NRW, der viel zu selten genannt wird, wenn es um die Groundperlen im Ruhrgebiet geht.
10.01.2026 Isle of Man Football League Nivision Stadium Zuschauer: 50
DOUGLAS – Es ist Freitag, der 09.01.2026. Der Schulunterricht ist abgesagt. Eine große Boulevardzeitung spricht von Lebensgefahr und rät dringend dazu, unbedingt zu Hause zu bleiben. Zuhause zu bleiben wäre für mich jedoch nur dann eine Option gewesen, wenn mein Freitagabendflug von Hamburg nach Manchester gestrichen worden wäre. Und nachdem ich in der Woche zuvor bereits zwei Spielabsagen erlebt hatte, wäre es die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahne gewesen, wenn auch dieser Plan nicht hätte realisiert werden können.
Doch es kam anders. Das Unwetter war letztlich nicht so dramatisch, und mit nur einer halben Stunde Verspätung brachte mich die Airline meines Vertrauens auf meine Lieblingsinsel: England. Dieses Mal sollte es allerdings nur ein Zwischenstopp sein. Weniger als zehn Stunden nach der Landung in Manchester saß ich bereits im Flieger von Liverpool zur Isle of Man. Mit rund 25 Minuten Flugzeit dürfte es mein bislang kürzester Flug gewesen sein.
Nach der Ankunft auf der Isle of Man wurde der Tag zunächst im 2025 eröffneten Wetherspoon geplant. Gerne wäre ich mit der Isle of Man Steam Railway gefahren, doch die Fahrzeiten sind leider nur von März bis November. Stattdessen spazierte ich ein wenig an der Küste entlang. Von Douglas bis Onchan benötigte ich etwa 45 Minuten, und unterwegs gab es einiges zu fotografieren. Besonders beeindruckend fand ich die Steilküste direkt am Meer.
Der Ground des ersten Spiels des Tages war nicht mehr weit entfernt. So schaute ich bereits einige Stunden vor dem Anpfiff vorbei, um herauszufinden, ob das Spiel tatsächlich stattfinden würde. In einer Werkstatt, die zum Stadion gehört, fragte ich einen Mitarbeiter nach Informationen. Er rief schließlich einen Kollegen an, und die Anstoßzeit um 14:00 Uhr wurde bestätigt. Genug Zeit also, um mir weiterhin ein Bild von der Umgebung zu machen.
Nach einem Spaziergang in der Natur war ich etwa eine Stunde vor Spielbeginn zurück im Stadion. Die Eckfahnen wurden aufgestellt, die Spieler wärmten sich auf. Dem Länderpunkt – ob er nun einer ist oder nicht – stand nichts mehr im Weg. Ziemlich erleichtert setzte ich mich auf die Tribüne und genoss einfach den Ort. Von der Haupttribüne an der Seitenlinie hat man nicht nur einen tollen Blick auf die alte Tribüne, die sozusagen das Herzstück des Stadions ist, sondern auch die beste Sicht auf die Irische See.
Doch damit nicht genug: Das Nivision Stadium, mitten im Onchan Park gelegen, ist wirklich außergewöhnlich. Rund um den Platz liegen mehrere Autoreifen, dahinter befindet sich eine Radrennbahn beziehungsweise eine Speedway-Strecke. Hier wurde sogar schon eine Rad-Weltmeisterschaft ausgetragen. Heute finden neben Fußball auch Stockcar-Veranstaltungen statt. Entlang der Bahn stehen überall mehr oder weniger demolierte Fahrzeuge sowie mehrere Ampeln.
Die Ampel für den heutigen Kick zeigte glücklicherweise Grün, und das Spiel der Isle of Man Football League wurde pünktlich angepfiffen. Das Niveau der Liga ist klar auf Amateur-Ebene angesiedelt. Alle Teams stammen von der Isle of Man, sogar auf Linienrichter wurde bei diesem Spiel verzichtet. Die Partie begann zunächst ausgeglichen, entwickelte sich jedoch schnell zu einer klaren Angelegenheit. Am Ende stand ein deutliches 6:1 für den Gastgeber.
Nach dem Spiel stärkte ich mich erneut im Wetherspoon, bevor es weiter zu „The Bowl“ ging, der Heimat des FC Isle of Man. Dieser Verein ist – im Gegensatz zu den anderen Teams der Insel – an das englische Ligasystem angebunden und spielt in der North West Counties Football League Division One. Die meisten Spieler stammen ebenfalls von der Isle of Man, spielten zuvor bei kleineren Vereinen und treten nun auf einem höheren sportlichen Niveau an. Der Endstand in diesem aus meiner Sicht sehr „sterilen“ Stadion lautete 0:1 aus Sicht der Gastgeber gegen den Burscough FC.
Insgesamt war es ein schöner Ausflug auf die Insel. Empfehlenswert ist es allerdings, länger als nur einen Tag zu bleiben, um noch mehr von der Isle of Man zu sehen. Aus Zeitgründen musste ich allerdings schon am Sonntagmorgen den Rückweg antreten. Leider wurden mir durch den Sturm Steine in den Weg gelegt und der Flug wurde gestrichen. Also schnell zum Schalter. Entweder Manchester oder London-Heathrow. Da mein Anschluss in Manchester ohnehin nicht mehr zu erreichen war, wurde es Heathrow. Mein erster Flug mit einer Propellermaschine dauerte knapp 90 Minuten, und schon war ich in Heathrow.
Da an diesem Wochenende eigentlich ein FA-Cup-Wochenende geplant war, hatte ich tatsächlich noch einen Rückflug von Heathrow nach Hamburg in der Tasche. Kurz noch im Wetherspoon in Terminal 5 einen Cider getrunken und dort die Landboten-Besatzung getroffen, die am Wochenende das FA-Cup-Programm durchgezogen hatte. Mit etwas Verspätung hob der BA-Airbus dann aber schließlich nach Hamburg ab. (fj)
LONDON – Charlton Athletic gegen Chelsea, das ganz große Los am Samstagabend der 3. Runde des FA Cups. Das erste FA-Cup-Spiel für beide Londoner Klubs in diesem Jahr. Denn: Dritte Runde FA Cup bedeutet zugleich erste Runde für die Erst- und Zweitligisten. In England werden die ersten Runden ohne die Profis ausgetragen. Eigentlich eine klare Sache, dachte ich mir: Charlton wird ordentlich auf die Mütze bekommen. Die Restchance auf ein wirklich attraktives und spannendes Fußballspiel bestand dennoch. Aus diesem Grund bemühte ich mich rechtzeitig, an Tickets für diese Partie zu kommen. Problemlos konnte über ein bis zwei verschiedene Kontakte ein Mitglied von Charlton Athletic ausgemacht werden. Für das Spiel wurde recht schnell ‚Sold-Out‘ gemeldet, umso glücklicher war unsere Reisegruppe, dass wir die Tickets in den Händen hielten. Und damit noch nicht genug: Es sollte sich wirklich lohnen.
In der ersten Halbzeit kämpfte Charlton Athletic um jeden Ball. Chelsea klar besser, war mit 74 % Ballbesitz die dominierende Mannschaft. Dennoch: Der Kampfgeist der Addicks war einfach ausgesprochen hoch. Die gesamte erste Halbzeit schafften sie es, kein Gegentor zuzulassen. Ein, zwei gute Chancen hatten sie selbst, aber das Durchdringen der Defensive von Chelsea war dann schon der Knackpunkt. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit passierte es dann doch noch: Hato traf in der 49. Minute zum 1:0 für Chelsea.
Die Stimmung war überragend. Es war ein Flutlichtspiel, das den Rahmen würdigte. Beide Seiten, vor allem die von Charlton Athletic, feuerten ihre Mannschaft durchgehend an. Hier passte wirklich alles: Spektakulärer Ground, das Flutlicht war an, ein schnelles, attraktiv Spiel und sehr gute Stimmung. Das bekommt man in England nicht alle Tage. Aber wenn all diese Komponenten aufeinandertreffen, dann macht es einfach nur Spaß auf der Insel. Der Spaß, zumindest für Charlton Athletic, war allerdings schnell vorbei. Bereits in der 50. Minute traf Adarabioyo zum 2:0 für Chelsea. Nun hörte man den Away End etwas deutlicher – aber nicht lange. In der 57. Minute traf Leaburn für Charlton – Anschlusstreffer. Die Stimmungslage kippte schnell, die Athletic-Fans drehten durch, Chelsea wurde ganz leise. Aber auch dieser Zwischenstand erwies sich als äußerst unkostant: Nur fünf Minuten später traf Guiu für Chelsea. 3:1 – erst mal kurz durchatmen. Man merkte den Leuten um uns herum die Anspannung förmlich an, aber auch ich selbst fieberte für Charlton mit.
Irgendwie finde ich den Ground „The Valley“ schon seitdem ich mich mit Groundhopping auseinandersetze, sehr cool. Das Vereinslogo mit einem Schwert in der Mitte setzt dem Ganzen noch die Krone auf. In London habe ich in den ersten vier Ligen nun fast alle Vereine besucht. Auf das Spiel bei Charlton Athletic freute ich mich schon ewig und irgendwie passt hier einfach alles vor Ort. Bereits vor dem Spiel habe ich mir bei einem Fanshop am Straßenrand eine Mütze für 15£ besorgt. Zuletzt habe ich mir einen Fanartikel im Spätherbst ’24 bei Hajduk Split gekauft, davor wahrscheinlich fünf, sechs Jahre nirgendswo. Ich sammle schließlich Stadien und keine Fanartikel. Aber alle paar Jahre muss auch ich zuschlagen, wenn es mir so richtig gut gefällt. So ein Tag war nun mal wieder bei Charlton Athletic gekommen – einfach schön hier im Bezirk Greenwich!
Zwei Tore Abstand – geht hier noch was? Eine halbe Stunde ist immerhin noch zu spielen, dachten sich die meisten Leute um uns herum. Sie hörten einfach nicht auf, ihre Mannschaft lautstark zu unterstützen. Wahnsinn, wahrscheinlich die beste Stimmung, die ich in meinen bisher 35 besuchten Paarungen in England erleben durfte. Die Mannschaft kämpfte ebenfalls bis zum bitteren Ende. Ein schneller Treffer, dann ist alles wieder drin. Aber es sollte einfach nicht sein: In der 91. sowie 94. Minute machte Chelsea den Sack zu – 5:1 Endstand. Unabhängig vom Ergebnis war das ein irre spannendes Spiel mit wirklich beeindruckender Stimmung in einem der schönsten Stadien, die ich bisher in England besucht habe. Auch mit Tom, der uns dankenswerterweise die Karten besorgte, verstanden wir uns super. Er war hochkonzentriert aufs Spiel fokusiert und nahm sich dennoch immer mal wieder die Zeit, mir ein paar Dinge über das Stadion, den Stadtteil und vor allem den Verein zu erzählen. Leider fehlte uns die Zeit für einen gemeinsames Pub Beusch, da meine Reisegruppe und ich zuvor noch bei Leyton Orient waren. Tom, ich werde wieder kommen. A beer is on me mate (hd)
08.01.2026 Liga 4 Jawa Tengah Stadion Dr. H. Moch Soebroto Zuschauer: 2.378
MAGELANG – Am Tag darauf, vom gestrigen Bericht über Bali United, hob also der Flieger in Richtung Semarang ab. Das Ziel war die Insel Java. Was mich hier erwartete, war mir noch völlig ungewiss. Als ich die Buchung abschloss, war das Zweitligaspiel zwischen Kendal Tornado FC und PSS Sleman noch im Stadion Jatidiri angesetzt. Der Jackpot: Die Fans des Gastes sollen zu den besten des Landes gehören. Eine Reise wäre nicht schön, wenn nicht auch mal etwas schief läuft und sich dadurch neue Türen öffnen. So auch hier, das Spiel wurde leider knapp zwei Wochen vorher in das Stadion Sriwedari in Surakarta verlegt. Als dann zwei Tage vor dem Termin die Info veröffentlicht wurde, dass Zuschauer leider nicht zugelassen sind, bereute ich schon fast meine Entscheidung. Als dann der Flieger von Denpasar nach Semarang eine Stunde Verspätung verkündete, verpasste ich dadurch meinen gebuchten Bus nach Surakarta. Nach Landung schnell ein Grab gebucht, die Kosten hielten sich im Rahmen für eine fast zweistündige Fahrt und der Besuch in diesem Spielort ist zu empfehlen. Die Frage, ob ich das Spiel überhaupt besuchen darf, war noch ungewiss. Vor Ort kam dann die Bestätigung: “Wow, from Germany?“ Yes! Zack, so saß ich relativ schnell zwischen den Familienmitgliedern beider Mannschaften.
Doch warum diese Zeilen hier sind, sollte der Bericht eigentlich über das Spiel in Magelang berichten. Neben mir im Stadion Sriwedari saß ein wichtiger Kontakt im Laufe meiner Reise, er zeigte mir Profile bei Instagram, die mir helfen, Spiele zu finden, besonders im Amateurbereich. Zudem erzählte ich ihm, welche Spiele für mich interessant waren, weil: Achtung, viele Spiele im Amateurbereich werden ohne Zuschauer ausgetragen. Gründe hierfür sind verschieden, oft ist der Grund: es gibt kein vernünftiges Sicherheitskonzept für den Austragungsort. Der Kontakt wusste ebenso gut Bescheid, wo und welche Fans aktuell zu ihren Spielen fahren dürfen. Somit gab er mir klare Empfehlungen: Dienstag (06.01.26): Ein Spiel in der vierten Liga in Yogyakarta, zwar ohne besondere Fanszene, dafür mit vielen Zuschauern und Catering durch „fliegende“ Verkäufer. Das Spiel wurde im Netz als “Big Match” angekündigt. Zum Ende hin waren sicherlich 500 Zuschauer anwesend, grandios! Für den Mittwoch (07.01.26) gab er mir das Spiel zwischen Persik Kendal und Persibara. Kurz und knapp: Eine singende Heimkurve und ein Gästeblock, gefüllt mit circa 40 Fans. Dritter Tipp: Das Spiel dieses Berichts am 08.01.26. Die Nummern der zuständigen Ticketchefs oder Instagram-Profile der Vereine gab er mir auch noch mit. Solche Menschen sind Gold wert! Somit habe ich während meines Aufenthaltes in Indonesien jeden Tag ein Spiel sehen können, wer kann das schon behaupten? Für das Spiel im Stadion Dr. H. Moch Soebroto habe ich meinen eigentlich geplanten Rückflug am Spieltag sausen lassen und mir einen neuen Flug aus Surabaya nach Kuala Lumpur am Freitag gebucht. Es hat sich gelohnt!
Über die offizielle Verbandsseite findet man lediglich Ansetzung für die erste, zweite und dritte Liga. Die ersten beiden Ligen spielen im Land verteilt, auf den vielen Inseln und Regionen gibt es Vereine. Die dritte Liga hingegen ist aufgeteilt in vier Gruppen und je nach Region wird der Verein in die jeweilige Gruppe aufgeteilt. Der Account auf Instagram: “pssijateng” postet Ansetzungen unterklassiger Vereine im zentralen Teil Javas. Wer also mal vor Ort sein sollte, für den lohnt sich der Blick auf das Profil. Zudem hat die dritte Liga ein eigenes Profil, wo man die Ansetzungen nochmal überprüfen kann. „liga3matches“. Der komplette Spieltag wird dort inklusive Spielort gepostet. Viele Vereine spielen in kleinen schönen Stadien. Zudem hat jeder Verein, zumindest die welche ich besucht habe, ein eigenes Profil bei Instagram und pflegt dort Informationen ein.
Der Tag der Partie in Magelang startete früh, ich wollte unbedingt noch ein bisschen mehr Natur sehen. Bei Google fand ich den “Suroloyo Peak”. Die Fahrt mit dem Grab dorthin war billig, im Internet fand ich den Eintrittspreis von 10.000 IDR. Vor Ort wollte es keiner haben, auch hier wieder das Thema in der Hauptreisezeit wird es hier sicherlich etwas kosten. Wir reden hier übrigens von umgerechnet 50 Cent! Rund eine Stunde führte mich der Grab Fahrer zu meinem ausgewählten Punkt, als Einheimischer wie er sagte, sei er das erste Mal überhaupt hier oben gewesen. Er freute sich richtig, ich überzeugte ihn, auf mich zu warten, damit wir privat die Fahrt weiterfahren können. Eine weise Entscheidung, denn ob mich ein weiterer Grab Fahrer hier oben wieder abgeholt hätte, ich wage es zu bezweifeln. Eine sogenannte Win-Win Situation. Von dem Suroloyo Peak geht es ungefähr 5 Minuten in einem fitten sportlichen Zustand die Treppen hinauf auf den Berg, der Ausblick ist der Wahnsinn und lohnt sich allemal!
Nach der Entspannungs-Wanderung brachte mich der Fahrer zum Borobudur Tempel, ich informierte mich im Vorfeld nicht über diesen Tempel. “Einfach mal hinfahren und gucken.” Als ich an der Kasse ankam und die Kassiererin 445000 IDR haben wollte (ca. 23€) drehte ich wieder um und besuchte lieber einen anderen Tempel, der nicht so auf den Massentourismus aus ist. In meinen Augen definitiv zu viel Geld, egal wie spektakulär er sein soll. Kultur macht mir nur Spaß, wenn es entweder gar nichts kostet oder in einem angemessenen Verhältnis zum Preis steht. Da fahre ich lieber in die Natur, erlebe die Einheimischen und habe einen wunderbaren Ausblick über die Landschaft! Zum Glück darf jeder Mensch selber entscheiden, was er eben machen will und was nicht. Mein Grabfahrer war schockiert über den Preis und sagte selbst: Er war noch nie drin und das obwohl er als Einheimischer nur umgerechnet 5€ Eintritt zahlen müsste. Als Beispiel: Im letzten Jahr habe ich für das “Cristo Redentor” 20€ bezahlt, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt inklusive An- und Abreise mit dem Zug. Mein Fahrer ist übrigens gerne bereit, Leser von uns über die Insel Java zu kutschieren. Wer Bedarf hat, dem darf ich die Nummer weiterleiten. So unterstützt man Einheimische statt irgendwelche Leute oder Firmen, denen das Geld sowieso schon aus dem Hintern rauskommt. In Magelang selbst gibt es noch den “Mount Tidar”, einen ungefähr 500 Meter hohen Berg, der bestiegen werden kann. Affen bewohnen diesen Felsen und oben hat man ebenso einen schönen Blick über die Stadt und das Tal.
Das Mittagessen genehmigte ich mir in einem der bestbewerteten Restaurants der Stadt. Zu einem Preis von umgerechnet 2€ bekommt der Gast von der Speisekarte ein perfekt gegrilltes Stück Hähnchen inklusive Reis. Diese Preise kann man nur lieben. Falls jemand mal in Magelang sein sollte: “Lombok Idjo Magelang”. Als Europäer gilt hier natürlich besondere Vorsicht, ich esse nicht in jedem Laden das Stück Hähnchen. Andere Länder, andere Sitten. Ich hatte aber bei keinem meiner Aufenthalte im Restaurant danach Probleme mit der Verdauung oder Ähnlichem. Zumindest nicht vom Essen.
Nach einer kurzen Abkühlung im Pool des gebuchten Hotels ging es zum Stadion. Das liegt außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums, welches geprägt von Streetart des heimischen Vereins ist. Am Stadion wurde ich schon freundlich vom Offiziellen erwartet, ich sprang auf seinen Roller und er brachte mich auf die VIP Tribüne. In Indonesien habe ich bisher sehr freundliche Menschen kennengelernt, egal ob Taxifahrer, Hotelrezeptionist, Einheimische irgendwo in der Stadt oder Ähnliches. Alle freuen sich und viele winken einem ganz interessiert zu. Zum Start der Partie war das Stadion quasi leer, nach ein paar Minuten trudelten die Fans von PPSM Magelang ein, auf der Gegengerade wurde sich mit einer Musikbox eingestimmt. Zu “Country Roads” oder „Don’t Look Back in Anger” sang der Block mit. Ab der 30. Spielminute kam auch die Trommel zur Hilfe, die Musikbox wurde ausgestellt und der Support der mittlerweile höheren Anzahl an Supportern gestartet.
Der Heimverein und das finde ich ja immer irgendwie stark, wurde mir als typischer „Verlierer Verein“ vorgestellt. Für solche Vereine habe ich einfach ein Herz, umso faszinierender, wie sehr dieser Verein von den Leuten der Stadt getragen wird! Als Grund für das späte Ankommen im Stadion, wurde mir die Arbeit der Leute genannt. Anpfiff war auch am Mittwoch um 15:00 Uhr Ortszeit. Das 0:1 für den heutigen Gast, bekamen gar nicht mal so viele Fans mit. Den Ausgleich vor der Halbzeit hingegen schon, der Jubel war brachial. Herrliche Szenen – ich spreche hier von der vierten Liga in Indonesien. Einfach nur top top top!
In der zweiten Halbzeit setzte sich der Gast durch und führt aktuell die Tabelle an, gilt somit als Aufstiegsaspirant. Die Liga ist mit 27 Vereinen in sieben Gruppen aufgeteilt worden. Nach der Gruppenphase geht es in die KO-Runde. Der Erstplatzierte, Zweitplatzierte und die zwei besten Drittplatzierten kämpfen um den Aufstieg in Liga 3.
Nach dem Spiel ging es per organisiertem Fahrer des Vereins (!) zurück nach Yogyakarta, die neue Flugbuchung brachte einige Strapazen mit sich. Der Zug von Yogyakarta nach Surabaya fuhr knapp 5 Stunden und kostete umgerechnet 10,50€. Gebucht habe ich diesen zwei Tage vor Abfahrt. Wahnsinnig gastfreundlich, als ich meinem Kontaktmann von den Strapazen und Herausforderung erzählte, nur damit ich dieses Spiel und das Stadion noch mitnehmen kann, strahlte er vor Begeisterung. Er war stolz auf das, was seinen Verein ausmacht. Und ich war glücklich, denn das Land Indonesien gefiel mir wahnsinnig gut. Ich würde sagen, es reiht sich in meinen TOP-5 bereisten Ländern ein, es stimmt einfach vieles! Als kleine Anekdote, am Bahnhof angekommen, standen 5 Züge an der Anzeigetafel: Alle “on time”. Grüße nach Deutschland, wenn mir mal ein Leser so ein Bild vom Hamburger, Berliner oder Münchner Hauptbahnhof schicken kann, geht das nächste Bier auf mich. Unser Zug rollte selbstverständlich pünktlich auf die Minute in Surabaya ein und ab ging es zum Flughafen. (tp)
04.01.2026 Super League Kapten I Wayan Dipta Stadium Zuschauer: 8.501
GIANYAR – Die Reise ging weiter. Nach den Berichten aus Äthiopien und Bangladesch ging es für mich nach Indonesien. Die Auswahl, aus Dhaka in ein anderes Land zu fliegen, war begrenzt, keine Destination war gerade billig, außer zahlreiche Inlandsflüge oder Indien. Das war für mich keine Option, da investiere ich doch lieber mal ein paar Groschen mehr und somit hatte ich freie Auswahl. Für das gleiche Geld kam Malaysia, Thailand oder eben Indonesien ins Gespräch. Thailand veröffentlichte Mitte Dezember immer noch keine weiteren Spiele für den Januar und Malaysia kommt irgendwann sowieso in meine Reiseroute. Für einen schmalen dreistelligen Betrag ging es also nach Denpasar. Über die Insel Bali habe ich schon so einiges gehört: „Bali oder Ballermann” ist quasi das “Arda Güler oder Messi” der deutschen Reisebüros. Massen an Touristen strömen hier über das Jahr verteilt ein. Wer mehr Fakten zur Insel und Tipps haben will, dem empfehle ich den Beitrag vom Kollegen (hd) bei uns auf dem Profil (30.09.2025). Dafür bin ich einfach nicht zuständig, mich interessiert eigentlich nur Fußball, Fans, günstiges Konsumieren und alle anderen Spartipps.
Die Einreise nach Indonesien verlief sehr simpel, wenn Touristen sich vorher informieren. Wenn nicht, müssen sie sich in langen Schlangen zum Ausfüllen der sogenannten “Arrival Card” anstellen. Meine Person betrifft es zum Glück nicht, ganze zwei Minuten habe ich mich vorab damit befasst. “Visa on Arrival” gibt es zudem, zahlt man mit Bargeld (Euro wird akzeptiert), spart man sich auch noch die 5% Bearbeitungsgebühr bei Kreditkartenzahlungen. Wusste ich vorher auch nicht, aber Euro dabei zu haben schadet nirgendwo auf diesem Planeten. Der entsprechende QR-Code für die Arrival Card muss nach den Passkontrollen vorgezeigt werden, somit dauerte meine Einreise keine 15 Minuten. Ab in die Abholzone vom Grab und auf ins Hotel. Verkehr? Auch hierüber habe ich so einiges Schlechtes gehört. Bei meinem Aufenthalt war es weder am Sonntag noch am Montag dermaßen gefüllt, überall war gutes Durchkommen und die Routen dauerten vielleicht mal +10 Minuten. Vollkommen okay, ist halt nicht Rio de Janeiro, sondern am Ende nur Bali. Aber klar, der Faktor wird sein: Es ist eben keine Hauptreisezeit auf Bali.
Ab zu den wichtigen Themen: Der Spielort des Erstligisten liegt weit außerhalb, das Hotel wurde in der Nähe des Stadions gebucht. Die Eintrittsberechtigung auf der Gegengerade kostete 4€ und war lediglich online zu erwerben, der Verein pflegt das Instagram-Profil täglich mit News. Eine Tageskasse wird nicht beworben und gesehen hab ich auch keine, schade für die Sammler unter uns, somit bleibt den Fanatikern das Abspeichern in die Wallet oder das PDF ausdrucken. (GROẞER MIST!!)
Arema FC? Wieso kam mir der Verein so bekannt vor? Ein trauriger Hintergrund. Am 01.10.2022 geschah in Indonesien eine der größten Katastrophen im Fußball. Das Kanjuruhan Stadion war der tragische Ort einer ausgebrochenen Massenpanik. Nach dem Spiel zwischen Arema FC und Persebaya stürmten die Fans des Gastgebers den Platz. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Fans zurück auf die Tribünen zu scheuchen. Was folgte, sind Bilder, die um die Welt gingen. Eine dreistellige Anzahl an Todesopfern. Schweigeminuten in vielen Ländern, auch in Europa. Der Fußball in Indonesien lag brach, die Liga wurde zu Recht ausgesetzt. Momente, die kein Fußballfan, Konzertgänger oder sonst jemand erleben möchte. Doch auch in Deutschland habe ich schon oft Situationen erlebt, wo es brenzlig wurde, weil irgendwelche „Sicherheitsbedingungen“ ausprobiert werden. Oft lag es an der Besonnenheit einiger Fußballfans, die zum Glück die Nerven behalten haben. Ich denke mal, jeder Leser der ein paar Spiele insbesondere als Auswärtsfan mitgemacht hat, weiß wovon ich hier schreibe. Wir können nur hoffen, dass solche Vorfälle nicht oder am besten nie wieder vorkommen.
Der zweimalige Meister von der Touristeninsel Bali agiert aktuell unter dem dritten Vereinsnamen seiner Geschichte. Nach der ersten Nennung als “Putra Samarinda” gab es im Jahr 2003 durch finanzielle Engpässe einen Zusammenschluss mit dem Verein Persisam. Nach der Entscheidung ging es dann weiter mit dem Namen: “Persisam Putra Samarinda”. Zu guter Letzt wurde 2014, mit dem Hintergedanken, einen Erstligisten auf Bali zu festigen, der Verein erneut umbenannt zu Bali United FC, so steht der Name auch 11 Jahre danach noch. Die Namensänderung hatte auch einen Umzug des Stadions mit sich, vor dem Jahr 2014 absolvierte man die Heimspiele noch im Stadion Segiri. Die Spielstätte liegt auf der Insel Borneo und in der Stadt Samarinda. Aktuell spielt in dem Stadion ein Erstligist, welcher auch aus der Stadt Samarinda kommt: Borneo FC Samarinda. Irgendwie ist alles schon verrückt.
Besonders erstaunt war ich, als ich im schönen Stadion angekommen bin. Die Nordseite des Stadions war noch nicht gefüllt. Über Instagram entdeckte ich das Profil der “northsideboys12”. Hier wurde ein Aufruf gepostet, heute zahlreich und leidenschaftlich, ihre Tridatu-Warriors zu unterstützen. Auf der anderen Seite war der Gästeblock. Zum Start der Partie übernahmen die mitgereisten Anhänger ganz klar die Oberhand. Ich war erstaunt, wie viele Supporter diesen Weg auf sich nehmen. Sofern die Reise mit Autos oder Bussen bewältigt wurde, sind es laut Google Maps immerhin rund 10 Stunden Fahrt + die Überfahrt mit der Fähre. Wahnsinn! Im Laufe der Spielzeit füllte sich der benachbarte Block noch mit weiteren Anhängern des Gastes, so waren es am Ende sicherlich gut und gerne 2.000 Fans aus Malang. Das Spiel startete zäh und wurde auch nicht großartig erwähnenswert. In der zweiten Halbzeit fiel das Tor für die Heimmannschaft. Währenddessen genoss ich die Stimmung der Fans, die Version mit Trommeln von “You’ll Never Walk Alone” habe ich vorher nie gehört. Kurios, aber irgendwie auch interessant.
Mit dem vorbestellen Grab ging es in den Pool der Unterkunft, während der “Regenzeit” in Indonesien gibt es richtig gute Unterkünfte für unter 20€ zu erwerben. Das ist top, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es unbedingt großartig teurer wird. Vielleicht sollte man seine Augen breiter fächern und nicht nur in beispielsweise Kuta oder Sanur nach Unterkünften Ausschau halten. Den Bericht schrieb ich am vierten Tag meines Indonesien-Aufenthalts. Meine Arme, Nacken und Beine erhielten einen kostenfreien Sonnenbrand. Obacht, also auch während der Regenzeit. Von der Insel Bali ging es schon nach 24 Stunden Aufenthalt, der Weg führte mich auf die Insel Java. Weg von den Touristen-Horden dieser Welt, gefällt es mir doch meistens irgendwo am besten, wo sich eben nicht die Masse aufhält. Ein weiterer Bericht aus Indonesien wird sicher noch folgen, wir lesen uns! (tp)
02.01.2025 Deutsche Eishockey-Liga (DEL) Mehrzweckhalle am Ostbahnhof Zuschauer: 14.200
BERLIN – Nach einem wunderbaren Ausflug tags zuvor in London zu Leyton Orient, wollte nicht mehr viel klappen. Zu spät machte ich mich auf zum „Alexandra Palace“, um noch für das Viertelfinale der Darts-WM auf dem Schwarzmarkt rumzublöken. Das Bierchen in der High Road schmeckte einfach zu gut. Trotzdem wurde noch ein Blick auf die windigen Typen vor dem „Ally Pally“ geworfen und ein 125£-Ticket auf 50 Pfund gedrückt. Luke Littler war mit seiner Session aber fast schon durch und am Ende fiel die Entscheidung auf: Geld sparen. Der Abend fand seinen lockeren Ausklang im Wetherspoon an der Baker Street.
Einfach Füße hoch und im Hotel chillen, kam nicht in Frage, da auf ein Hotelbett verzichtet wurde. Der Grund: Ein 6-Uhr-Flug vom Horror-Airport Stansted, für den aktuell die Empfehlung ausgesprochen wird, wegen Personalmangel 3 Stunden früher anzureisen. 10 Tage zuvor wurde man Augenzeuge von diesem „Personalmangel“, als der Flieger zurück nach Schwechheim erst 15min vor dem Abflug bestiegen werden konnte. Immerhin öffnet die Sicherheitskontrolle in STN mittlerweile um kurz nach 2 und während sich die Massen an Passagieren in der Fresshalle breitmachte, wurde einfach schon der Weg Richtung Ryanair-Gates eingeschlagen und in aller Ruhe und ohne weitere Mitschläfer ein paar Stunden auf einer Sitzbank abgeratzt.
Ganz früh in Berlin angekommen, hieß es: Zeit totschlagen im Stadtteil Steglitz. Zwischen Karstadt, Bierpinsel und Streuselkuchen herrscht hier eine Atmosphäre wie vor dem Mauerfall. Dazu die grauen Gesichter und der Schneeregen an diesem zweiten Tag des Jahres. Das war gut um ein bisschen runterzukommen, nach dem actionreichen Tag in London. Gegen 12 Uhr sollte ich von der Familie eingesammelt werden und danach stand das Naturkundemuseum auf dem Programm. Vorher äußerte der Sohnemann noch den Wunsch mal zum Eishockey gehen zu wollen. Und siehe da: Am Abend spielten die Eisbären und bei Kleinanzeigen ploppte eine frische Anzeige für das ausverkaufte Spiel auf: „Ticket für 25€ wegen Krankheitsfall abzugeben, Übergabe vor der Eishalle.“ So fand das Wochenende doch noch ein versöhnliches Ende im Sinne des Sports, wenn auch mit 24 Stunden Verspätung. In der Not frisst der Groundhopper eben Eisbären oder Löwen.
Was sollte da noch schiefgehen? Nichts. Allerdings hatten wir nur nur 1 Ticket. Ob Kinder ohne Ticket mit in die Halle dürfen? Das Internet spuckte unterschiedliche Meldungen darüber aus. Also ging es am Abend Richtung Ostbahnhof und das Motto lautete: „Wird schon schiefgehen“. Und genauso kam es: Am Einlass wurde uns erklärt, dass nur Kinder bis zum dritten Lebensjahr ohne Karte reindürfen. Schließlich wurde der Gang zur Information empfohlen, wo unserem Erstklässler mit seinem Hundeblick ohne Diskussionen eine Schoßkarte ausgehändigt wurde, weil das Spiel offiziell als ausverkauft galt – dafür klingelte auch nochmal ein kleiner Betrag in der „Kaffeekasse“. So gewinnt man neue Fans.
In der ausverkauften Halle war es natürlich kein Problem zwei Sitzplätze nebeneinander zu finden. Am Ende war aber auch hier Glück im Spiel. Denn in der zweiten Drittelpause kamen die eigentlichen Dauerkarteninhaber der Plätze vorbei, um den liebgewonnenen Sitznachbarn „Hallo“ zu sagen und stolz mitzuteilen, dass sie für diesen Tag VIP-Plätze gewonnen hatten. Läuft in Berlin. Das kann man über die Eisbären aber aktuell nicht wirklich sagen. Der amtierende Meister kämpft zur Stunde noch um die Teilnahme an den Play-Offs und auch gegen Frankfurt stand am Ende eine unnötige Niederlage auf dem Videowürfel.
Dabei gingen die Eisbären am 70. Geburtstag der kanadischen Klublegende Peter John Lee früh in Führung. Zuvor führte eben jener Peter Lee schon durch das Programm vor dem Spiel und durfte den symbolischen Bully vor dem eigentlichen Face-off durchführen. Gut was los also in der modernen Arena, auch wenn hier auf Pyro-Effekte zum Einlauf der Akteure verzichtet wird, aber das tut dieser eventisierten Sportart mal ganz gut. Während sich das Spiel auf überschaubarem Niveau einpendelte und mit dem 1:0 in die Drittelpause ging, lieferten sich die „Hartmut-Nickel-Kurve“ und der Gästeblock nette Wechselgesänge und immer wieder wurde gemeinsam gegen die Adler Mannheim Stimmung gemacht, die zeitgleich eine herbe Niederlage beim Tabellenletzten in Dresden einstecken mussten.
Die „Freunde aus Frankfurt“ bedankten sich im zweiten Drittel mit der überraschenden Führung. Nun kam endlich mal Spannung in die Partie und die Eisbären berannten das Gästetor. Der Puck zappelte aber erst im letzten Drittel im gegnerischen Netz. Während nun alle in der Halle heiß auf die Schlussoffensive waren, gelang den Löwen im Gegenzug sofort wieder der Führungstreffer. Ein komisches Spiel, dem Berliner Powerplay in der Schlussphase fehlte es an den letzten Zentimetern Präzision und so verließen die Berliner Eishockey-Fans nach dem Ertönen der Schlusssirene fluchtartig und enttäuscht die Arena, während der kleine, kompakte Gästeblock seine Mannschaft abfeierte.
Die viel zitierte „gute Stimmung“ bei den Eisbären ist natürlich relativ, wenn man aus dem Fußball-Business kommt. Es gibt eine nette Kurve mit viel Bewegung und Gesang und dazu passend: Dynamo-Support für den Verein aus Hohenschönhausen. Dass nahezu jedes Spiel ausverkauft gemeldet wird, beeindruckt mittlerweile. Und der Rahmen in der DEL, fast immer mit zwei Fanszenen, hat schon ordentlich an Attraktivität gewonnen. Am Ende ist es halt ein Eishockey-Event mit all seinen Vor- und Nachteilen. So sah das auch der Sohnemann, der die Veranstaltung zwar cool fand, aber auch ein bisschen langweilig. Amen. (mm)
30.12.2025 Premier League Emirates Stadium Zuschauer: 60.207
LONDON – Der Tag startete entspannt im Lieblings-Wetherspoon am Ealing-Broadway. Hier, in einem kleinen Außenbezirk Londons, zahlt man für sein IPA on Draught 3,2£ statt 7,9£ in den Pubs des Zentrums. Selbst in unserer geliebten Kette muss man mitten in London mittlerweile knapp 6£ auf den Tresen legen.
Etwas aufgeregt war ich ja schon, sollte es heute endlich zum letzten „großen“ Premier-League-Verein gehen. Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham sowie Chelsea können als „erledigt“ betrachtet werden. Arsenal ist der letzte Große auf meiner persönlichen Liste. Und schon kommt die große Frage auf: Kann man bei Arsenal eigentlich wirklich von einer Bibliothek sprechen? „The Library“, ein Begriff, den jeder schon einmal im Zusammenhang mit Arsenal gehört haben sollte. Nachdem es für Arsenal damals aus dem Highbury Ground in das neu geschaffene Emirates Stadium ging, welches etwas über 60.000 Plätze fasst, dachten sich die Reichen und Schönen: „Das kann ja nur großartig werden.“ Sie sollten sich irren! „50 % Asiaten, keine Stimmung, scheiß Kommerz-Ground.“ So in etwa klingt es, wenn man andere Fußballreisende nach ihren Erlebnissen bei den „Gunners“ fragt. Kann ich das bestätigen? Die einfache Antwort lautet ganz klar: Nein! Ich habe mich tatsächlich gewundert, wie gut die Stimmung ist.
Mittlerweile kommen scheinbar wieder mehr junge Leute an Karten bei den großen Vereinen Englands und interessieren sich für den Fußball, aber eben auch ums Drumherum. Fünf bis sechs Dutzend Jugendliche haben für ordentlich Stimmung gesorgt und ebenfalls dafür, dass diese auf die ganze Hintertortribüne überschwappte. So oder so ähnlich habe ich es auch letztes Jahr schon an der Craven Cottage beim Fulham FC gesehen. Sowohl damals als auch heute bei den Gunners waren die jungen Erwachsenen mit Trommeln und zwei bis drei Schwenkfahnen ausgestattet. Chapeau, es passiert was auf der Insel. Aber eine Bitte an das Nachwuchs-Fanklientel: Bitte schön ‚Casual British‘, nicht zu sehr ‚Ultrà‘ Jeder wünscht sich doch, dass es nördlich von Calais weiterhin traditionell zugeht.
Was war sonst noch so los bei den Gunners?
Die Spieler legten den Fans so kurz nach dem Boxing Day noch nachträglich ein Geschenk unter den Baum. Sie bekamen ein wunderschönes Fußballspiel mit insgesamt fünf Toren. Zwar ging es in der ersten Halbzeit relativ zaghaft los, doch das waren ja nur die ersten 45 von 90 Minuten. Ich war noch nicht ganz vom Bierstand wieder an meinem Platz, als es das erste Mal knallte. 48. Minute: Gabriel trifft für Arsenal – 1:0.
Dann ging es ganz schnell: Bereits vier Minuten später traf Zubimendi zum 2:0. Die Fans rasteten aus, der Away End, in einem Eckblock im Unterrang positioniert, wurde langsam immer stummer. Aston Villa sah in den nächsten 30 Minuten keine einzige Chance mehr. In der 69. Minute traf Trossard zum 3:0 für Arsenal. Knapp zehn Minuten später machte Gabriel Jesus den Sack zu: 4:0 Arsenal. Einen Ehrentreffer konnte Ollie Watkins in der 94. Minute noch für „The Villans“ erzielen, interessiert hat es eigentlich niemanden mehr.
Fröhlich und überraschend positiv war ich nach dem Spiel gestimmt: 60.000 Zuschauer, fünf Tore und wirklich gute Stimmung für englische Verhältnisse. Arsenal, ich werde wiederkommen. (hd)
Herzlich willkommen zur BILDERBUCHBUDE der Woche (81). Wir befinden uns im Stadtteil Perivale in London. Hier trägt Hanwell City FC seine Heimspiele im Reynolds Field aus. Den Ground erreicht man über die U-Bahn-Haltestelle Perivale oder alternativ per Bus.
Apropos Bus: Genau dieses Gefährt macht diesen Ground so besonders. Ein schöner roter Doppeldecker steht im Stadion parat und dient des öfteren als Verkaufsbude für „Burger and Beer“. Hier in der 7. Liga in England ist die Welt noch in Ordnung, hier darf man Mensch sein und sein Bier am Spielfeldrand schlürfen.
27.12.2025 Reynolds Field Hanwell Town FC – Uxbridge FC – 1:1
OXFORD – Als ich neulich beim gemütlichen Kaminabend mit einem Glas Bier in der Hand meine Jahresstatistik für Facebook erstellte, bemerkte ich, dass ich 2025 tatsächlich in England die meisten auswärtigen Spiele besucht habe. Mit 13 gesehenen Spielen im Vereinigten Königreich liege ich damit unweit hinter Deutschland – 33 Spiele waren es hier. Eins davon war am 29.12. in Oxford, der Stadt, die oftmals als Filmkulisse für Harry Potter diente.
Auch die Swansea-Fans waren da. Sie waren augenscheinlich auf den Spuren von Harry Potter, allerdings machten sie sich nicht in der Bibliothek der Innenstadt bemerkbar, sondern im Away End im Kassam Stadium. Ungefähr 1.000 Fans dürften mitgereist sein. Das Stadion von Oxford United, etwas außerhalb am Stadtrand gelegen, ist eigentlich relativ langweilig. Es verfügt über drei voneinander getrennte Tribünen, und man sitzt, wie so oft in England, nah am Spielfeldrand und ist somit direkt am Geschehen. Hinter den Tribünen gibt es Cider, Bier und Pie – alles wie immer auf der Insel.
Der Spielverlauf gestaltete sich anfangs direkt attraktiv, ein schnelles Spiel mit schnellen Toren. Schon in der 14. Minute traf Vipotnik für die Swans zum 0:1. Die Fans drehten durch und wurden ab hier eigentlich nicht mehr richtig leise. So soll es sein! Vipotnik kennt der eine oder andere sicherlich vom NK Maribor. Von den Heimfans kam meist nicht allzu viel, ein paar Schlachtrufe wirkten ganz nett. Lediglich „Yellows!“-Wechselgesänge schwappten auf die Menge rüber und animierten einige Briten zum Mitmachen. Die zweite Halbzeit war ebenfalls schnell und chancenreich, aber klingeln sollte es im Kasten nicht mehr. Nach Abpfiff gingen wir zügig zur Busstation, wo wir ewig auf einen Bus warteten – der aber einfach nicht eintreffen wollte.
Also haben wir uns kurzerhand mit einem anderen deutschen Fußballfan, der vor Ort war, ein Uber geteilt und sind zurück in die beschauliche Innenstadt von Oxford gefahren. Nachmittags waren wir noch im Wetherspoon „Swan & Castle“, um nun nahegelegen an der Gloucester Road, dem Busbahnhof von Oxford, dem zweiten Spoon der Stadt einen Besuch abzustatten. Das war für mich JD Pub Nr. 132. Es gibt noch einen dritten in Oxford, weit außerhalb vom Stadtzentrum gelegen und auch nicht in Stadionnähe, weshalb dieser noch auf einen weiteren Besuch warten muss.
Aber vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren, denn Oxford United plant schon wieder einen Neubau. Das Kassam Stadium, gerade mal geschätzt 15 Jahre alt, ist irgendwie nicht mehr so „in“. Nun möchte die Stadt zusammen mit Oxford United ein neues Stadion, auch wieder außerhalb der Stadt, bauen. Nördlich gelegen, in Kidlington, soll ein „voll elektrisches“ Stadion entstehen. Eine traurige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass doch gerade England für die Stadien mitten in der Stadt, zwischen Wohnblocks und Kneipen, bekannt ist. Apropos Neubau: Während wir nachmittags im Spoon dinieren, hat mir ein Kontakt von uns doch tatsächlich noch eine Zugangsberechtigung für das anstehende Arsenal-Heimspiel besorgt. Was im „Emirates Stadium“ los war, lest ihr morgen beim Schwechheimer Landboten. (hd)
03.01.2026 Dhaka Senior Division League Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium Zuschauer: 50
DHAKA – Die Hauptstadt von Bangladesch dürfte nicht nur bei Groundhoppern eher weiter unten auf der Wunschliste stehen, gilt sie doch als dreckigste Stadt der Welt. Doch günstige Flugverbindungen mit Stopp in Bahrain führten mich und (tp) in Versuchung und so drückten wir Ende November den Buchungsknopf.
Nach der Landung wurden für die Einreise 50 USD fällig. Das ganze Prozedere war schon recht chaotisch und nur ein Vorgeschmack auf das, was uns vor der Ankunftshalle erwartete.
Dort drängten sich Menschenmassen und die bewaffnete Polizei bildete ein Spalier, damit die Fluggäste überhaupt rauskommen konnten. Draußen steigt einem sofort ein beißender Geruch aus Abgasen in die Nase. Es kratzt im Hals und man muss husten. Dazu ein Höllenlärm durch die hupenden Autos, abgeranzten Busse und Auto-Rikschas in den verstopften Straßen. An vielen Stellen liegt Müll herum.
Wir liefen erst einmal weg vom Airport, fanden aber nach kurzer Zeit eine Auto-Rikscha zum Hotel. Unter Mithilfe der Einheimischen wurde dem Fahrer der Weg gezeigt und mit den Worten „It’s OK, not too much“ sein Fahrpreis bestätigt. Hier zeigte sich zum ersten Mal die menschliche Seite dieser Megacity. Komplett erschlagen von den Eindrücken fielen wir drei Stunden nach der Landung ins Bett.
Am nächsten Morgen lief alles zunächst entspannt. Uber funktionierte und brachte uns mit relativ wenig Stau zum „Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Fluss neben der Straße glich einer Kloake und die Sichtweite betrug durch den Smog vielleicht 100 Meter. Ich hatte mit Manila erst neulich eine sehr dreckige Stadt gesehen und auch bei meinen ersten China-Reisen vor über 10 Jahren einiges erlebt, aber Dhaka toppt leider alles.
Trotz der schwierigen Lebensumstände waren auch hier die Menschen freundlich und neugierig. Der Trainer vom T&T Club erzählte, dass der Kunstrasen erst vor zwei Monaten verlegt wurde. Seitdem werden hier alle Spiele der „Dhaka Senior Division League“ ausgetragen.
Das Stadion mit seinen zwei großen Stehkurven mitten im Großstadtchaos wirkte surreal. Zudem wohnten einige Familien in der Haupttribüne und Kinder nutzten das Areal als Spielplatz. Sportlich wertvoll war die Partie eher weniger. Der Star war hier ganz klar der Ground. Und wie sollte es auch anders sein trafen wir noch einen weiteren Hopper aus Schwechheim, Grüße gehen raus!
Tatsächlich absolvierten wir an diesem Tag sogar noch einen Doppler. Etwa zwei Stunden nördlich von Dhaka in Gazipur traf in der „Premier League“ die Polizeimannschaft auf Rahmatganj. Es gab sogar eine Eintrittskarte und die Ränge in dem Cricketground füllten sich mit zunehmender Dauer immer weiter.
Nach dem Spiel bahnten wir uns mit Auto-Rikschas in Etappen den Rückweg in den Moloch, da kein Uber-Fahrer annehmen wollte. Auch hier vermittelten die Einheimischen. Der letzte Fahrer sorgte mit seiner spektakulären Fahrweise abermals für einen erhöhten Puls. Beim Anfahren machte sein Gefährt wie ein bengalischer Tiger einen Satz nach vorne und landete immer beinahe im Heck des Vordermanns, aber nur fast. Dhaka eben.
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich schon wieder im klimatisierten Airport auf dem Rückweg nach Deutschland. Bei aller Kritik an den Zuständen bei uns hat mir der Ausflug nach Dhaka erneut gezeigt, wie gut wir es immer noch haben. (hr)
31.12.2025 Ethiopian Premier League Adama Science and Technology University Stadium Zuschauer: 110
ADAMA – Bei diesem Reiseziel fallen bei einigen Leuten aus meinem privaten und beruflichen Umfeld die Hände über das Gesicht zusammen. Äthiopien! Aus Mailand sollte es über Jeddah in dieses noch unbesuchte Land gehen. Die Hauptstadt Addis Abeba, mit rund fünf Millionen Einwohnern, steht wahrscheinlich nicht bei jedem Reisebegeisterten auf Platz eins der Wünsche. Ein paar Hürden sind zu überwinden, der einheimische Kalender tickt ein wenig anders als auf vielen Teilen der Welt. Beispiel: Am 03.01.2026 schreibe ich diesen Bericht, laut dem äthiopischen Kalender haben wir den 25.04.2018. Die Geburt Christi ist nach ihrem Kalender später erfolgt und zudem hat das Kalenderjahr 13 Monate. Zusätzlich ticken die Uhren ebenfalls anders. Die einheimischen Uhren laufen nach dem Aufgang der Sonne. Geht die Sonne auf, startet der Tag für die Einheimischen. Warum ist das so wichtig?
Auf Facebook gibt es Profile, die Auskunft über die aktuellen Spiele der Liga geben. “Ethiopian Football Federation” ist meiner Meinung nach das Inhaltlich am sinnvollsten. Die Spiele der Ligen werden mit Zeit, Datum und Spielort veröffentlicht, doch Obacht! Auch hier gelten die Zeitangaben inklusive Datum nach dem einheimischen Kalender und Uhrzeit. Für unseren Aufenthalt mussten wir also die Zeitangabe mit +6 Stunden berechnen. Die Spiele der ersten Liga finden aktuell in Addis Abeba, Awassa oder in unserem Spielortes dieses Berichts (Adama) statt. Am ersten Aufenthaltstag gab es für uns somit die Gelegenheit das Stadion in Addis zu besuchen und am Tag darauf nach Adama zu fahren. Ideal, die Termine waren zuverlässig und sie wurden allesamt eingehalten.
Adama liegt circa 90 Minuten Autofahrt südöstlich von der Hauptstadt entfernt. Sofern man den Großstadtdschungel überstanden hat, geht es auf die Autobahn. Hervorragend ausgebaut, bessere Straßenverhältnisse als auf der A7 Richtung Süden nach Hannover. Auch der beschriebene Dschungel ist nicht so extrem, die Straßenverhältnisse in der Großstadt waren deutlich besser als erwartet. Mit der Taxi-App “Ride” bekommt man schnell einen Fahrer.
Wir haben uns für die Variante eines persönlichen Fahrers entschieden, wir wollten kein Risiko eingehen. Die Maut kostete umgerechnet 90 Cent. Der Fahrer stand den ganzen Tag für uns zur Verfügung, nach seinem eigenen Willen verbrachte er sogar das Spiel ebenfalls im Stadion. Die Länderpunkt-Runde Bier hat er leider förmlich ausgelassen. Doch, kein Problem: Der Bierpreis in einem Lokal liegt bei ungefähr 60 Cent! Und auch sonst: Dieses Land bringt Spaß, entgegen der Erwartung.
Beide Vereine verfügten über einen Edelfan. Der Anhänger und wahrscheinlich auch Mitarbeiter oder Kunde der Bank, trudelte das komplette Spiel entlang der Gegengerade. Verhalf seinem Team quasi lautstark als Co-Trainer. Sein Verein wurde gegründet von der “Commercial Bank of Ethiopia”. Der noble Fan des Gastes trug einen blau-weißen Sportanzug, wesentlich behutsamer verfolgte er das Gekicke auf dem Rasen.
Zum Ende des Spiels freute sich unser Fahrer auf den Schlusspfiff. Dank ihm kamen wir rechtzeitig in der Nähe des Airports an. In einem ausgesuchten Lokal genossen wir billiges Bier, einen Mega-Cheeseburger mit Pommes (2,64€) und den nebenbei laufenden Africa Cup. Geiles Land, nette Leute und Hammer Preise. Das freut die Redaktion. Die Reise ging ja noch weiter, wohin? Das erfahrt ihr morgen. (tp)
01.01.2026 League One Brisbane Road Zuschauer: 8.643
LONDON – Frohes neues Jahr! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fast vier Wochen Fußballpause wären zu herb gewesen, also wurde für den 1. Januar eine Ticket-Anfrage „übernommen“, die ich für einen Kollegen in die Umlaufbahn der britischen Fußballwelt geschickt hatte. Für Brentford gegen Tottenham sollte ein Ticket her. Dann wurde das Spiel allerdings verlegt, dem Kollegen passte der Termin nicht mehr in den Kram und im Falle einer positiven Nachricht, wäre ich einfach als Ticket-Holder eingesprungen. Anlass für diesen Plan waren auch 20€-Flüge vom reaktivierten Flughafen Schwechheim, direkt vor der Tür. 20h-Trip nach London mit zwei Spielen. Das klang verlockend und unkompliziert.
Der Haken an der Sache: Beim FC Brentford gibt es mittlerweile so heftige Ticket-Auflagen, dass selbst mit den besten Kontakten eine Karte schwierig wird. Tickets gibt es nur in der vereinseigenen App und diese können nicht beliebig weitergeschickt werden. Nur Mitglieder-verifizierte Accounts sind in der Lage so ein Ticket sichtbar zu machen. Das heißt also, für eine Karte benötigt man die Zugangsdaten inklusive Passwort eines Mitglieds. Natürlich kann mit einer Membership auch nur 1 Ticket gekauft werden und vielleicht hätte es sogar geklappt mit einer Einlassberechtigung – aber ich sag es mal ohne Umwege: Die Bettelei war mir zu dumm. Viel Geld gespart für ein frustrierendes 0:0, das es am Ende geworden ist. Ein Mitglied der Redaktion wurde vorm Stadion beim Sichten des Schwarzmarkts von der Polizei sogar mit einem Platzverweis belegt.
Brentford: Wir sehen uns irgendwann in der Championship oder League One wieder. Am Ende kackt die Ente. Die Daumen sind gedrückt. Vielleicht folgt hier die Tage nochmal ein „Classic-Bericht“ aus dem „Griffin Park“, Brentfords alter Heimat. Um mal zu veranschaulichen, wie beschissen sich die Dinge im Westen der Stadt entwickelt haben.
Der Trip nach London wurde natürlich trotzdem angetreten. Schließlich war der Tisch für das 15-Uhr-Spiel vor Ort reichhaltig gedeckt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Charlton Athletic und Leyton Orient entschied man sich am Ende für die Brisbane Road. Stadtderby gegen Wimbledon und zusammen mit einem Kollegen vom „Intourist Babelsberg“ konnten vor und nach dem Spiel noch ein paar Pints geleert werden. Nachdem zusammen vor dem Spiel im Zentrum noch ein Blick auf die „London Parade“ abfiel, ging es zurück in den Nordosten der Stadt. Klassische Straßenzüge mit Pubs und Ladenzeilen verrieten uns, dass wir hier richtig waren. Viel Stadtteil-Flair rund um die Brisbane Road ließ die Vorfreude auf den Kick steigen, für den es am Tag zuvor nur noch Resale-Karten gab. Wollen wir mal hoffen, dass Leyton bei dem anhaltenden Erfolg das Ticketing nicht auch bald auf eine App abwälzt.
Nach 6 Siegen in den letzten 6 Spielen in der Vor-Saison, erreichten die „O’s“ nämlich nach dem Wiederaufstieg 2023 sensationell die Play-Offs für die zweite Liga gegen – genau: Charlton Athletic! In einem engen Spiel vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley musste der Außenseiter den „Addicts“ mit einem 1:0-Sieg den Vortritt lassen. 2019 war Orient erst aus der National League in die EFL zurückgekehrt. Der rasante Aufstieg hat übrigens Folgen, so wurden im Herbst letzten Jahres Neubaupläne für ein Stadion bekanntgegeben.
Ganz so weit ist man bei Orient am ersten Tag des Jahres 2026 dann aber doch noch nicht. Die Brisbane Road wurde auf der alten Tribüne mit Solarpanels ausgestattet, ansonsten ist im Leyton-Stadion alles wie immer und auch die Mannschaft hat sich wieder im unteren Mittelfeld der Liga eingruppiert. Mit Fußballfeinkost war nicht zu rechnen, zumal Wimbledon als Aufsteiger und Tabellennachbar in der League One das Rad vermutlich nicht neu erfunden hatte. Daher erfreuten wir uns zunächst nur an dem Ground, der irgendwie traditionell ist, aber teilweise auch neu und herausgeputzt. Integriert in den Stadtteil, mit Wohnblöcken an den Ecken und einer alten Tribüne. Die Proportionen und die Atmosphäre stimmen bei Leyton einfach, zudem ist man unglaublich nah dran am Spielgeschehen, wie es sich auf der Insel gehört.
Nach 5 Minuten klingelte es auch schon direkt vor der Nase. Orient ging in Führung. Das Jahr war 15 Stunden und ein paar Minuten alt, da konnte schon festgehalten werden: 2026 läuft gut an! In der Folge machte sich auch der volle Gästeblock das ein oder andere Mal bemerkbar. Das lag daran, dass die Anfangsoffensive der Heimelf langsam verpuffte. Wimbledon fand in alter Manier und mit kompromissloser Zweilampfstärke zunehmend in die Spur zurück. Per Eigentor gelang tatsächlich der verdiente Ausgleich und für die zweite Hälfte deutete sich an, dass die Gäste nicht locker lassen würden. Nach 5 sieglosen Spielen hintereinander hatte der AFC was gut zu machen und mit einem trockenen Schuss gelang nach über einer Stunde schließlich die Führung. Nun war der laute Gästeblock der Star dieser Veranstaltung.
Orient hatte der Spielweise von Wimbledon nichts mehr entgegenzusetzen. Das verdeutlichte die Tatsache, dass die Zuschauer trotz des knappen Rückstands die Spielstätte ab der 80. Minute verließen. Als dann kurz vor Schluss ein Freistoß über eine schlecht gestellte Mauer zum Endstand ins Tor segelte, saßen wir binnen Sekunden fast alleine im Stadion. Das ist in England auch nicht anders – darf man bei all den Lobliedern in diesem Text nicht unerwähnt lassen. Dafür explodierte erneut der gut aufgelegte Gästeblock und Wimbledon feierte den dringend benötigten Auswärtssieg. Fußball ist halt ein Geben und Nehmen – auf dem Platz und auch bei solchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel dem Ticketing. (mm)
28.12.2025 Serie A Stadio Giovanni Zini Zuschauer: 14.286
CREMONA – Einen Absatz lang gibt es eine Reise in die Vergangenheit. Wir blicken zurück auf den Oktober 2022. Redakteur (fj) und meine Wenigkeit waren an einem regnerischen Sonntag in Turin beim Spiel im “Stadio Olimpico Grande Torino”. Der Zeitplan war eng getaktet, wie so oft als Groundhopper. Geplant war, die Partie in der heutigen Spielpaarung am damaligen Sonntagabend zu verfolgen. Ihr könnt es euch denken, das vorab Spiel inklusive der damaligen Nachspielzeit zögerte sich heraus. Die Marathon artigen Sporteinlagen nach Abpfiff blieben erfolglos, der gebuchte Zug wurde verpasst. Wir wurden die Tickets auch nicht mehr los und die Zusatzkosten explodierten. Es musste ein neuer Zug gebucht werden, aber immerhin hat ein Spiel des US Alessandria in der Serie C stattgefunden. Die Alternative war noch zu erreichen, um später wieder in Milano bei der Unterkunft aufzukreuzen. Zu den Jahren Anfang der Zwanziger ein teures Vergnügen und nicht unbedingt in jedem Budget enthalten. Mittlerweile wurde die Lücke und der absolut schwarze Tag von beiden Redakteuren abgehakt und das Stadion besucht.
Drei Jahre später ergab sich mir die Chance, die gleiche Paarung in diesem Stadion zu sehen. Mein innerer Monk findet sowas immer gut. Unsere heutige Reisegruppe startete früh aus Pisa, wozu dies später gut sein sollte, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst sollte der Magen mit einem Frühstück gefüllt werden. Apfelkuchen statt Cornetto und dazu natürlich einen Cappuccino. Diese süße Mentalität am Morgen kann man nur mögen. Danach startete die Fahrt und bis Cremona ohne Vorkommnisse. Kurz vor der Abfahrt zeigte Google Maps rot. Die Mautstelle nach der Ausfahrt Cremona wurde von der Staatsmacht kontrolliert, dies sorgte natürlich für einen längeren Stau. Alle Gäste aus Napoli mussten sich mit ihren Autos hinter der Mautstelle sammeln. Eine ganze Stunde kostete uns die Sperrung der Polizei. Wenn man es positiv sieht: Die Gäste waren anwesend.
Letzterer Satz war auch die Quintessenz, rund 2.500 Tifosi nahmen den weiten Weg auf sich. Eine stattliche Zahl. Die Neapolitaner sind in der Tabelle dicht dran an den Topklubs aus Mailand. Das Spiel ist in der Serie A, wie eigentlich immer. Vieles spielt sich im Mittelfeld und in der Abwehr ab, irgendwann fällt dann ein Tor für den Favoriten oder es fällt keins. Die großen Sensationen bleiben oft aus, so auch an diesem Tag. Für Sensationen in den letzten Jahren sorgte dieser Spieler: Im Sturm bei den Gastgebern probierte sich Jamie Vardy. Als Teil des Sensations-Teams von Leicester City in der Saison 2015/2016. 81 Punkte holte das Team um Jamie Vardy in dieser Spielzeit. Nur die Torjägerkrone erhielt er mit seinen 24 Toren nicht. Mit seiner Statistik bei Leicester City von 183 Toren in 440 Spielen bleibt er wahrscheinlich der beste Torschütze. Seit September/2025 schnürt er seine Schuhe für Cremonese, vier Tore gelangen ihm bisher in der laufenden Saison.
Das eigentliche Highlight befand sich aber definitiv im Gästeblock. Für die erste Liga in Italien, wo ich persönlich Stimmung beispielsweise in der Serie B oder C besser finde, war das am heutigen Tag großes Kino. Das bekannte Knie wippte mit. Glückselig wurde nach dem Abpfiff das Stadion verlassen. Der Weg ging in die Unterkunft und zum Füttern der dritten Pizza am dritten Tag des Aufenthalts in Italien. Italien ist einfach jede Reise wert. (tp)
Happy New Year! Und somit herzlich willkommen zur ersten BILDERBUCHBUDE der Woche im neuen Jahr (80). Wir befinden uns im Cougar Park in Keighley, einem wunderschönen Rugby-Ground, in dem Eccleshill United aktuell seine Heimspiele in der Northern Counties East Premier Division (neunte Liga) austrägt. Im Sommer des vergangenen Jahres absolvierte zudem der PSV Braunschweig hier ein internationales Testspiel. Besonderes Highlight dieses Stadions ist der Danny Jones Stand, der bereits seit 1947 existiert. Leider gibt es jedoch Pläne, die rund 500 Plätze fassende Tribüne umfangreich zu modernisieren. Ein konkreter Baubeginn ist bislang allerdings nicht bekannt. Dennoch solltet ihr die Chance nutzen, diese Groundperle zu kreuzen, bevor es womöglich zu spät ist.
27.12.2025 Cougar Park Eccleshill United – Campion AFC 0:1
30.12.2025 Premier League Old Trafford Zuschauer: 74.000
MANCHESTER — Die Ticketbeschaffung bei Manchester United für ein Spiel in der Premier League war über Jahre hinweg nahezu unmöglich. Manchester meldete bereits vor Saisonbeginn stets „Sold Out“ für alle Spiele. Mittlerweile spielen die Reds jedoch seit Jahren einen absolut bescheidenen Ball auf gepflegtem Rasen, und auch die Touristen werden dadurch weniger.
Mit diesem Hintergrundwissen klickte ich mich am 30.09.2025 durch die Ticketseite von Manchester United und entdeckte für dieses Spiel tatsächlich einen freien Verkauf. Die Flüge waren noch nicht gebucht und eine grobe Planung existierte ebenfalls noch nicht, aber die ersten Tickets landeten sofort im Warenkorb. Old Trafford war gebucht, egal wann dieses Spiel angesetzt werden würde. Erst Anfang November wurde die Partie terminiert, und ab diesem Zeitpunkt begann die Feinplanung für diese letztlich erfolgreiche Tour.
In den Tagen zuvor verweilten wir an der Nordseeküste, da Sunderland und Middlesbrough ihren Weg in den virtuellen Informer gefunden hatten. Pünktlich wurde dort ausgecheckt, anschließend ging es mit dem Flixbus nach Manchester. Dort checkten wir im Ibis ein und verprassten gegen 17:30 Uhr unser letztes Restaurantguthaben auf der Amex im „The Ivy“.
Per Straßenbahn fuhren wir anschließend zum Old Trafford und steuerten zunächst den Mega Store an, um zu prüfen, ob es dort vielleicht ein geniales Schnäppchen zu ergattern gibt. Fünf Minuten später hielten wir jeweils ein Trikot aus der Vorsaison für unschlagbare 24 £ in den Händen. Mit den neuen Utensilien stellten wir uns in die Schlange am Eingang und wurden von oben bis unten komplett gefilzt. So etwas hatte ich in England noch nie erlebt. Sekunden später zeigte der Ticketscanner die gelbe Ampel, das Drehkreuz öffnete sich, und wir befanden uns in dieser altehrwürdigen Stätte.
Im Stadion wurden wir von einem Ordner direkt auf unsere Plätze geschickt, denn im Gang stehen und noch schnell ein Foto machen ist hier „nicht erlaubt“. Wenig später begann das Spiel ohne großes Einlaufprozedere.
Auf dem Rasen waren sich alle sicher, dass es heute einen Heimsieg geben würde, denn die Gäste hatten seit Anfang Oktober keinen Punkt mehr geholt und davor insgesamt nur zwei Zähler gesammelt. Doch wie sollte es anders kommen: United bekam überhaupt nichts auf die Kette, der Trainer wechselte zur Halbzeit den einzigen fähigen Spieler und Torschützen aus, und Wolverhampton spielte wie in den Jahren zuvor. In der 89. Minute erzielten die Red Devils zwar den vermeintlichen Siegtreffer, doch der Torschütze stand im Abseits. Unterm Strich geht das Remis in Ordnung, da auch die Wolves einige Chancen liegen ließen. In der zweiten Hälfte gab es zudem noch ein paar lustige Anekdoten, die ich mit euch teilen möchte. Der Schiedsrichter pfiff gleich zwei falsche Einwürfe zurück, und Manchester erhielt eine Ecke, weil der Torwart den Ball zu lange in den Händen hielt. Ein „gellendes Pfeifkonzert“ begleitete die Spieler in die Kabine und uns aus dem Stadion.
Auf der Pressekonferenz behauptete der Trainer, dass die Reservespieler nicht die Qualität für die erste Elf hätten. Wenn sich Ruud van Nistelrooy, Paul Scholes und Ryan Giggs über die aktuelle United Elf unterhalten würden, könnten sie vermutlich ganze Seen mit Tränen füllen, denn diese Truppe ist schlichtweg schlecht. Das hat nichts mehr mit dem unbesiegbaren Manchester von früher zu tun. Mittlerweile ist es nur noch eine mittelmäßige Premier League Mannschaft. Man kann nur hoffen, dass Sir Alex Ferguson bei diesem Team auf der Tribüne niemals einen Herzinfarkt erleidet.
Für uns war es trotz der bodenlosen Performance der Reds ein schöner Abend in einem genialen Stadion. Old Trafford gehört definitiv auf die Bucketlist aller Groundhopper, und man kann nur hoffen, dass die neuen Stadionpläne niemals realisiert werden und im „Litter“ verschwinden. (mb)
26.12.2025 League Two Prenton Park Zuschauer: 7.933
BIRKENHEAD – Schon seit mehreren Jahren führt mich der Fußball zur Weihnachtszeit auf die Insel. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Tour geplant, deren Auftakt in Birkenhead stattfinden sollte.
So landete die vierköpfige Gruppe in Liverpool, stärkte sich bei Wetherspoon und machte sich schließlich auf den Weg zum Prenton Park, der Heimat der Tranmere Rovers.
Schon bei der Ankunft wurde uns warm ums Herz: ein herrliches englisches Stadion, das 1912 eröffnet wurde, mitten in einem Wohngebiet liegt, über vier unterschiedliche Tribünen verfügt und mit erstklassigen Flutlichtmasten ausgestattet ist.
Wir verfolgten das Spiel von der Fantribüne „The Kop“, wo es unter dem Dach zeitweise Support mit Trommelbegleitung gab.
Die Partie endete mit einem 1:0-Erfolg. Whitaker erzielte in der 23. Minute den einzigen Treffer des Spiels. Für mich war es bereits das zweite Spiel der Tranmere Rovers. Das erste sah ich Anfang 2020 im FA Cup, als der Underdog Tranmere Rovers einen 0:3-Rückstand noch in ein 3:3 umwandeln konnte. Im Rückspiel, das es damals bei einem Unentschieden noch gab und inzwischen durch eine Verlängerung ersetzt wurde, gelang den Rovers sogar ein 2:1-Erfolg.
27.12.2025 Serie B Stadio Alberto Picco Zuschauer: 9.251
LA SPEZIA – Nach dem Lesen der Überschrift sollte bei einigen die Aufmerksamkeit da und der Ohrwurm zurück sein, gern geschehen!
Dieser Bericht knüpft an den Ostermontag an, an dem ich eigentlich mit Kollege (tp) Spezia und Parma kreuzen wollte. Leider machte uns das Ableben des Heiligen Vaters einen Strich durch die Rechnung und die Grounds mussten vertagt werden.
Doch vor Jahresende ergab die Terminierung eine neue Chance und wir entschieden uns für Spezia. Bei herrlichem Sonnenschein und über 15 Grad trafen wir uns in der ligurischen Hafenstadt. In puncto Wetter greift man bei Bella Italia eben selten daneben.
Im Abstiegsduell empfingen die „Aquilotti“ die Delfine von der Adria. Das „Stadio Alberto Picco“ war gut gefüllt und die Ticketpreise ab neun Euro wirklich fair für die Serie B. Allerdings nicht im Gästeblock, dazu später mehr.
Die „Curva Ferrovia“ legte auch gleich ordentlich los mit vertrauten Melodien und den italienischen „Bodenbengalos“. Manchmal wünsche ich mir eine kontrollierte Zündung für einen besseren Effekt, aber so ist es hier eben. Auch so setzte sich häufiger einiges an Rauch unter dem Dach fest.
Aus Pescara waren etwa 400 Tifosi angereist, von denen die Szene erst mit Verspätung im Gästeblock ankam. Der Mob machte zunächst seinem Ärger über die teuren Gästekarten Luft (25 Euro) und peitschte anschließend den Tabellenletzten nach vorne. Ein wirklich guter Auftritt. Mir fiel auch wieder eine sehr alte Zaunfahne von 1976 auf. Teilweise sind die Jungs in Italien ja selbst noch auf dem Zaun und das kann man gar nicht hoch genug anrechnen.
Auf dem Rasen machten die Adler von Ex-Milanstar Donadoni die bessere Figur und gingen schon nach acht Minuten durch einen satten Schuss von di Serio in Führung. Doch Pescara antwortete mit einem Knaller unter die Latte, wobei die Nachspielzeit der ersten Hälfte schon abgelaufen war. Das Schiedsrichtergespann lief unter nicht so weihnachtlich-harmonischen Rufen in die Kabine.
Im zweiten Durchgang trafen beide Aluminium und später sah es nach der typischen Punkteteilung im Keller aus. Doch nach etwas Pingpong im Strafraum in der 92. Minute schaltete Artistico (ja, der Name ist korrekt) am schnellsten und spitzelte die Kugel zum 2:1 ins Netz. Kollektive Ekstase bei den „Bianconeri“ und ein extrem wichtiger Sieg im Abstiegskampf.
Nach dem Spiel vertraten wir uns an der mit Palmen gesäumten Promenade noch ein wenig die Beine. Ohne die Weihnachtsdeko hätte man denken können, es sei Frühling. Übrigens ist La Spezia der ideale Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den malerischen „Cinque Terre“. Allerdings rief in unserem Fall erneut der Calcio und wir steuerten Pisa für das Abendspiel an. (hr)
28.12.2025 Premier League Stadium of Light Zuschauer: 46.675
SUNDERLAND — Zum ersten Mal in meinem Leben gönne ich mir über die Feiertage die volle Portion England. Zehn Tage im Land der Erfinder der Wetherspoon-App. In den letzten Jahren war ich über den Jahreswechsel immer mal wieder für ein paar Tage vor Ort, allerdings nie vom Boxing Day bis ins neue Jahr. Dieses Jahr sollte es – dank fairer Flug- und Hotelpreise – das „All-in-Paket“ werden. In den ersten beiden Tagen lief in Bradford und Burnley alles reibungslos, und auch heute lieferte Flixbus auf ganzer Linie. Da am Sonntag in England fast gar nicht gespielt wird, war schnell klar: Es kann nur nach Sunderland gehen. Der heutige Gegner war kein Geringerer als die Farke-Truppe, die ich zuletzt am 29.12.2024 gesehen hatte.
Da wir hier mittlerweile über ein Premier-League-Spiel sprechen, ist die Ticketbeschaffung natürlich wieder ein Knackpunkt. Kein General Sale, und die Karten gingen im Mitgliederverkauf weg wie warme Semmeln. Zum Glück konnten uns ein England-Experte aus unserem Redaktionsumfeld sowie ein weiterer Deutscher helfen. Beide verfügten über eine Booking History aus der letzten Saison und hatten damit Zugang zu den Tickets. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die beiden Top Lads!
Nach der Ankunft in Newcastle brachten wir unser Gepäck ins Hotel und fuhren anschließend mit der Metro zum Stadium of Light. Wer die Netflix-Dokumentation „Sunderland ’Til I Die“ in voller Länge durchgesuchtet hat, erkennt hier sofort die ein oder andere Wandbemalung sowie den Weg zum Stadion wieder. Besonders prägend in Erinnerung geblieben sind mir auch die Ticketdrucker im Ticket Office. Wir gingen direkt dorthin, um unsere QR-Codes gegen Hardtickets zu tauschen, wurden jedoch enttäuscht: Es gibt nur noch digitale Tickets. Willkommen in der Premier League!
So gelangten wir ohne weitere Kontrolle ins Stadion und gönnten uns vor dem Anpfiff noch ein paar Chicken Tenders mit Pommes. Der Preis an der Kasse war zwar ein anderer als auf dem Preisschild, aber über einen „Rabatt“ regt man sich bekanntlich nicht auf. Geschmacklich war das Essen für englische Stadionverhältnisse absolut in Ordnung – ein Foto war es dennoch nicht wert.
Im Stadion trennten sich dann unsere Wege, da unsere Plätze in den Bereichen P6 und P16 lagen. Ein Platzwechsel während des Spiels war nicht möglich, da wirklich kein einziger Platz frei war. Beim Einlaufen der Teams wurden beide Mannschaften mit einem kleinen Feuer begrüßt. Leeds und Sunderland spielten in der ersten Halbzeit mutig nach vorne, und zur Freude der meisten Fans gingen die „Black Cats“ nach 28 Minuten in Führung. Kurz nach dem Pausentee erzielte Leeds den Ausgleich und ließ den Gästeblock eskalieren. Die Mannschaft von Daniel Farke drängte anschließend sehr dominant auf das 2:1, brachte den Ball trotz eines Expected-Goals-Werts von 2,03 jedoch kein zweites Mal über die Linie. Trotz Aufstieg und veränderter Favoritenrolle ziehen sie ihren ansehnlichen Fußball weiterhin konsequent durch und haben nun sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Für einen Aufsteiger ist das nach 18 Spielen ein Top-Ergebnis. Der ein oder andere Sunderland-Fan war nach dem Spiel etwas enttäuscht, da die Jungs das letzte Heimspiel des Jahres nicht gewinnen konnten. Dennoch sollte man nicht vergessen, wo Sunderland herkommt: 2022 stieg man in die Championship auf, und dreieinhalb Jahre später steht man mit 28 Punkten auf Platz sieben – nur vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Das ist schlichtweg sensationell.
Sensationell war die Stimmung vor Ort zwar nicht, für Premier-League-Verhältnisse jedoch sehr gut und leidenschaftlich. Sie hat uns definitiv abgeholt, und wir verließen das Stadium of Light rundum zufrieden.
Allen Netflix-Abonnenten kann ich nur empfehlen, nach der Dokumentation selbst nach Sunderland zu reisen und das „Matchday“-Erlebnis mitzunehmen. Das hat richtig Bock gemacht und rundet für mich die Sunderland-Story perfekt ab. (mb)
Das Redaktionsteam vom Schwechheimer Landoten wünscht allen Lesern eine gute Verdauung nach den zwei Speisereichen Tagen bei Muttern und Vatern. Nachdem der ganze Weihnachtstrubel vorbei ist, hat der Groundhopper noch zwei Ziele in den letzten Tagen im Kopf. Entweder der Boxing Day oder die Vierschanzentournee. Passend dazu wollen wir euch mit der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (79) auf die Festtage in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen einstimmen. Nichts passt da besser, als die einzige Skisprungschanze Europas, die auch für Profifußball genutzt wird. Auf der Salpausselkä-Schanze flogen einst Janne Happonen & Matti Hautamäki tausenden frenetischen Fans entgegen und ließen die Massen im Winter eskalieren. Im Sommer geht es eher ruhiger zu, wenn der FC Lahti an Ort und Stelle gegen den Ball tritt. Nach einem schwierigen Jahr in der zweiten Liga durfte im Oktober 2025 wieder gefeiert werden, denn nächstes Jahr spielen ihre schwarzen Drohnen wieder erstklassig.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die Fotografen in der Runde: Wer vorm Spiel ein Foto vom Absprungbalken machen möchte, sollte vor dem Mannschaftsbus da sein, denn ab 90 Minuten vor Anpfiff wird der Aufgang gesperrt.
14.07.2019 Lahden Stadion FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0
21.12.2025 Oberliga Nord Ice House Wedemark Zuschauer: 2.700
WEDEMARK – Alle Fußballspiele am Sonntag waren unerreichbar, obwohl der Flieger aus London schon um 11 Uhr in Schwechheim auf dem Flughafen aufsetzte. Ein Blick in den Randsport-Spielplan spuckte gleich mal das Eishockey-Derby in Hannover aus. Haken: Das Spitzenspiel war ausverkauft. Doch dank einer Annonce im Landboten dauerte es nicht lange, bis uns ein Ticket für das Oberliga-Spiel zugespielt wurde.
Ausgetragen wird dieses Duell allerdings nicht in Hannover, sondern in Mellendorf, in der Wedemark. Da Mellendorf auf der Strecke Buchholz/Nordheide – Hannover liegt und von der Bahn bedient wird, ging es mit dem Auto am dunkelsten Tag des Jahres zunächst nach Buchholz. 1 Stunde und 45 Minuten später steht man vor der Eishalle, wenn der Zug pünktlich ist. In der Bahn war gar nichts los, so dass man sich mit einem Blick auf das Ticket nochmal vergewissern musste, ob das Spiel wirklich an diesem Sonntag um 19 Uhr ausgetragen werden sollte. Aus dem Norden scheinen keine Fans für dieses Spiel anzureisen. Die kommen wohl alle aus dem Süden: Denn die Schlange vor der Eishalle begann 45 Minuten vor dem ersten Bully schon auf der B3, 200 Meter vor der eigentlichen Kontrolle.
Eigentlich wollte ich nicht vordrängeln. Nach ein paar Minuten des Wartens preschte ich nach vorne, um zu schauen bis wohin die Schlange geht und überhaupt, was da vorne los ist. Danke an den Autofahrer, der etwa bei der Hälfte der Schlange lauthals hupte, das Fenster runterkurbelte und mich mit dem Worten bedachte: „Runter von der Straße, du Bastard!“. Diese Worte legitimierten mich einfach in die Schlange zu hüpfen, ohne böse Blicke zu ernten. Im Gegenteil, die Leute hatten Verständnis für mich. Auch ohne Drängeln wäre es eine Punktlandung gewesen, denn das Spiel fing 10 Minuten später an.
Drinnen platzte die kleine, kompakte Eishalle schon aus allen Nähten und die Scorpions hatten eine Choreo zum fünfzigjährigen Bestehen des Deutschen Meisters von 2010 angekündigt. Streng genommen haben die Scorpions von 2025 nichts mit dem Vorgängerverein aus der Wedemark gemein, denn die DEL-Lizenz wurde 2013 nach einem letzten Platz an die Schwenninger Wild Wings verhökert. 1996 gab es die Zeitenwende im Hannoveraner Eishockey, als die Indians aus der DEL abstiegen und die Scorpions, noch unter der Bezeichnung des Stammklubs ESC Wedemark, in die höchste Klasse aufstiegen. Als in den 90er-Jahren die Kommerzialisierung im Eishockey voranschritt, benannte sich der Verein in „Hannover Scorpions“ um und trug auch eine Weile seine Spiele in der Halle auf dem Expo-Gelände aus.
Das soll es an dieser Stelle aber gewesen sein mit tiefgründigen Infos in Sachen Eishockey. Denn für eine Spielanalyse fehlt mir die Kompetenz. Dass die Scorpions seltener den Puck verloren und öfter zentral vor dem Tor zum Schuss ansetzten, fiel selbst mir auf. Aber dafür hätte ein Blick auf die Anzeigetafel gereicht, auf der nach dem ersten Drittel ein 3:0 prangte. Die Indians kamen im zweiten Drittel nochmal kurz ran, aber das 4:1 wenig später nahm selbst dem Eishockey-Laien die Spannung. Die Choreo zeigte einen großen Wimpel und ein paar zeitungsausschnittmäßige Motive, die für die Machart der Tribüne durchaus zu gefallen wussten, wie man so schön sagt.
Stimmungsmäßig hatten die Scorpions alles im Griff und stellten hinter dem Tor und auf einer Stehergeraden eine nette Crowd. Während die zuvor gelobten Indians zwar einen Block auf der Geraden vollkriegten, aber ziemlich passiv blieben, abgesehen von ein paar Gesängen und Fahnen vor und nach dem Spiel. Der harte Kern hinter dem Tor auf der Heimseite fiel durch dieselben Casual-Klamotten wie beim Fußball auf. Die Hassgesänge auf die Indians waren kernig und auch das eher gutbürgerliche Publikum auf der Geraden stieg in die Gesänge mit ein. Als am Ende ein „Derbysieger“-Plakat präsentiert wurde, durfte man die Kurve nicht fotografieren. Schließlich wurde die Mannschaft auf dem Eis mit dem Plakat abgefeiert und nach ein paar letzten Fotos ging es zu Fuß bei eiskaltem Wind zum Bahnhof, wo die RB38 nach Buchholz schon wartete.
Die letzte Verbindung in den Norden war pünktlich. Das war wichtig, denn es folgte die dunkelste Nacht des Jahres, nicht nur kalendarisch, an diesem Tag der Sonnenwende. Bis Soltau schnurrte die Bahn auf der Schiene, als der Zug dann ein paar Minuten zu lange am dortigen Bahnhof zum Stehen kam, wurde man schon stutzig. Die Durchsage: „Kurzfristiger Personalausfall, bitte alle mal aussteigen“, war dann der Anfang vom Ende. Mit mir wollten sich noch zwei weitere Fahrgäste, die kaum Deutsch sprachen, dieses Himmelfahrtskommando antun bzw. waren auf einen nun organisierten SEV nach Buchholz angewiesen, der nach einer halben Stunde kommen sollte. Natürlich kam der Bus nicht. Wenn man sich auf eines im Schienenverkehr verlassen kann: Dass wenig klappt.
Zwei Stunden vergingen ohne jedes Ereignis, bis man die ersten Maßnahmen ergriff, inzwischen war es etwa 1 Uhr nachts. Zunächst wurde bei der Polizei angerufen, um den Vorfall für spätere Handlungen zu registrieren. Dann rollte doch noch eine Regionalbahn vom gleichen Beförderer ein und der angekommene Zug mit Endstation Soltau wurde kurzerhand „besetzt“.
Schnell sprang ich in die kuschelig-warme Bahn um dem Zugpersonal die Pistole auf die Brust setzen, dass ich das Gefährt nicht verlassen würde, bis ein Transport für mich und die weiteren Leidtragenen nach Buchholz bereitstünde. Natürlich wurde sich beim Personal auch zeitgleich für die Maßnahme entschuldigt. Aber das kennen wir ja auch vom Fußball: Protest funktioniert nicht, ohne wehzutun. Nach zwei Stunden in der Kälte und ohne jede Perspektive auf einen Weitertransport, wurde es langsam auch gesundheitlich bedenklich. Die drei Stunden in der Eishalle kamen ja noch dazu.
Für meine Situation hatte das angekommene Personal kaum Verständnis. Stattdessen wurde gleich mal nachgeguckt ob der SEV nicht schon gefahren war und meine Wenigkeit für dumm verkauft. Anschließend verständigten die Bediensteten via Fahrdienstleiter die Polizei und mir wurde Angst gemacht, dass ich den Einsatz bezahlen müsste. Dass man den Passagieren gegenüber eine Fürsorgepflicht besitzt, spielte selbstredend keine Rolle. Schließlich trudelte unser Freund und Helfer mit großem Getöse im Bahnhof ein und forderte mich auf den Zug zu verlassen.
Ohne weitere Aufforderung überreichte ich den Polizisten meinen Personalausweis und die Beamten waren wohl überrascht, dass sie keinen alkoholisierten Penner vor sich hatten. Der Polizeimensch hatte schnell Verständnis für mich, konnte die Situation aber nicht lösen. Stattdessen wurde mir mitgeteilt, dass eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohe. Von Fürsorgepflichten und anderen Sachverhalten zu meinem Nachteil war natürlich auch hier wieder keine Rede. Man stelle sich nur vor, ich hätte unseren 5-jährigen Nachwuchs-Redakteur mit auf diese Reise genommen. Am Ende hieß es, ich hätte „Glück gehabt, dass von einer Anzeige abgesehen werde“ und ich entgegnete, dass ich höchstens Pech gehabt hätte, bei dem was hier abgelaufen ist.
Der nächste Schock dann, als ich mein Handy an die Powerbank stöpseln will und das Ding nicht lädt. Powerbank kaputt und um halb 2 in Soltau an diesem Pissnelkenbahnhof mit 10% Akku unterwegs. Na, gute Nacht. Immerhin muss man sagen, dass die Polizei soweit war, mir ein warmes Plätzchen auf der Wache anzubieten und „ein Ladekabel haben wir auch“, hieß es von Seiten der Beamten. Als ich im Kopf hin und herwog, ob es nun ein Taxi auf eigene Kosten wird oder freiwillig die Wache, kam tatsächlich der SEV-Bus um die Ecke gewackelt. Mit zweieinhalb Stunden Verspätung.
Immerhin gab es noch einen Anpfiff für den Busfahrer vom Zugpersonal, das ich aufgehalten hatte, und Augenzeugen, dass der Bus nicht schon ohne mich abgefahren war. Dass der Bus um 3 Uhr nachts noch an jeder Milchkanne anhalten muss, weil theoretisch jemand vier Stunden bei der Kälte in Büsenbachtal (die Haltestelle gibt es wirklich) hätte warten können, veranlasste mich zu dem Gedanken, trotzdem (!) ein Taxi zu rufen. Schließlich war klar, dass man Schwechheim nicht vor 4 Uhr erreichen würde und nächsten Morgen wartete eine wichtige Redaktionssitzung. Es gewann der Masochist in mir und ich stieg in den Bus, der für die 45 Kilometer fast 2h benötigte. Zum Glück musste zwischendrin nicht der Busfahrer gewechselt werden, der dann nicht kam.
Wir wünschen allen Lesern und auch dem Beförderer „Start Niedersachsen Mitte GmbH“ mit Sitz in Soltau schöne Feiertage. Eigentlich empfehlen wir hier sonst den Konsum von Fanzines, aber schon vor über 2000 Jahren hieß es in der Bibel, nach Lukas, Kapitel 6, Vers 35: „Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, wo ihr nichts zurückerhofft. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist auch gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! (mm)
20.12.2025 2.Bundesliga Holstein Stadion Zuschauer: 15.034
KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?
Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.
Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.
Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.
Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.
Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild. Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.
Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.
Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)
21.12.2025 Eredivisie De Adelaarshorst Zuschauer: 9.997
DEVENTER – Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Bevor es wieder auf große Tour zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr gehen soll, wurde das letzte Wochenende im eigenen Bett verbracht. Nach dem Sonnabend in heimischen Gefilden bot sich am vierten Advent ein Tagesausflug in das direkte Nachbarland an. Die Eagles waren zuletzt negativ in vielen Deutschen Mündern. Das europäische Auswärtsspiel der Schwaben schlug Wellen: übertriebene Polizeigewalt oder ein Spieler mit einer obszönen Geste gegenüber Angelo Stiller. Absurd und zum Fremdschämen. Das Stadion zählt zu den schwierig zu besuchenden Stadien der höchsten Spielklasse des Landes. Eine Hand wäscht die andere und so versorgt mich ein Kontaktmann über den Zweitmarkt des Vereins in der Woche vor dem Spiel.
Die kleine Stadt liegt in einem Radius: “Tagestour-möglich”. Nach knapp vier Stunden parkten wir das Gefährt des Tages in unmittelbarer Nähe der Spielstätte. In der “Cafeteria Johnny’s” gab es heiße Waren aus dem schwimmenden Fett. Nicht der beste Schuppen, aber mit wenig Zeit zwischen Ankunft und Anpfiff kann man diesen Laden mal ansteuern. Für Kipcorn, Fritten und Krokett muss einfach Zeit sein. Die Häuser rund um das Stadion wurden schick hergerichtet. Überall wehen kleine Fahnen des Vereins. Besonders auffällig ist die gestrickte Ware in Vereinsfarben um jede Regenrinne herum. Die Stadt lebt ihren Verein und ihren diesjährigen Pokalsieger. Der erste Titel nach 92 Jahren ohne Feier. Der Klub startet in die vierte Saison als Erstligist in Folge.
Die Gäste aus Groningen füllten ihren Auswärtsblock und starteten mit einer Pyroshow in das Spiel. (Achtung, aufmerksame Leser: Ja, schon wieder ein Bericht mit Beteiligung aus dem hohen Norden) Meine Sicht hinter dem Tor auf den Gästebereich im Stadion war suboptimal, aber hier will man nicht meckern. Das Foto im Bericht stammt von meinem Mitfahrer, danke dafür! Das Spiel ist schnell erzählt, Endstand 1:1 und irgendwie war es die typische Marke eines Spiels im Tulpenland. Alles wie immer und so trat man zufrieden die Heimreise an. Ein Kreuz mehr in der Liga und Sonntagabend pünktlich zum Tatort wieder in Schwechheim. Gelungener Tagesausflug! (tp)
LONDON – Für die Tage um den 4. Advent stand ein Touri-Wochenende in London mit zwei Praktikanten und wenig Fußball an, aber der berühmte 15-Uhr-Slot am Sonnabend konnte natürlich nur mit einem Spiel gefüllt werden. Und während meine beiden Mitreisenden Eichhörnchen am Buckingham Palace streichelten, ging es am Nachmittag auf eigene Faust zur Loftus Road, in den Stadtteil Shepherd’s Bush. In der Zeit, in der es noch kein EU-Daten-Roaming gab – und im UK wird es demnächst ja vielleicht wieder rückgängig gemacht – verlief ich mich am Spieltag mal im Londoner Westen und musste im strömenden Regen das Spiel an der Loftus Road quittieren. Seitdem stand noch eine Rechnung mit QPR offen.
Mit dem E-Ticket in der Tasche ging es ganz gemütlich die etwa 10 Minuten Fußweg vom Bahnhof zum Stadion. Vor Ort wird das Ticket sogar gebührenfrei in ein Hardticket umgetauscht. England halt. Das Stadion liegt mitten im Wohngebiet, wirkt von außen aber völlig unscheinbar. Innen fällt gleich die Enge auf und eine schöne Schicht Patina, die sich wie Puderzucker auf das Stadion gelegt hat. Verbeueltes Metall, Flutlichtmasten mit Flugrost, bröckelnder Beton und ausgeblichene Farbe. Außerdem sorgen die sogenannten „Safe-Standing-Plätze“ hinter dem Tor für Wohlgefallen und hier ist man noch so nah am Geschehen dran, dass die Spieler beim Einwurf mit den Zuschauern sprechen können. Der alte „Griffin Park“ vom Nachbarn aus Brentford wurde immer genannt, wenn es um den letzten Sehnsuchtsort in Englang ging, aber nur ein paar Kilometer weiter – in Shepherd’s Bush – steht eine weitere Zeitkapsel, die aktuell auch nicht von irgendwelchen kühnen Neubauplänen bedroht ist.
Als Gast an diesem 22. Spieltag kündigte sich der englische Meister von 2016 an: Leicester City. Der Neunte empfing den Zehnten. Nichts Besonderes und das sah wohl auch Leicester so, die den Auswärtsblock irgendwie einigermaßen füllten, aber gar nicht auf sich aufmerksam machten. Keine Zaunfahnen, keine Gesänge und farblich fiel man auch nicht auf. Dazu kam ein Spiel, bei dem der PL-Absteiger von Beginn an nichts zu melden hatte. Schon nach 2 Minuten klingelte es im LCFC-Kasten und gerade, als die Gäste etwas besser ins Spiel kamen, legt QPR nach. Damit nicht genug, kurz darauf folgte das 3:0 und die Loftus Road verwandelte sich in ein Tollhaus, das zwischen den ganzen Toren immer wieder Hits wie „Zombie“ von den Cranberries oder „Last Christmas“ von George Micheal aus vollen Kehlen zum Besten gab. Es verging keine Minute, in der nicht gesungen und abgefeiert wurde. Es ist lange her, dass man auf der Insel von so einer ausgelassenen Stimmung umgeben war. Stichwort: Zeitkapsel.
Der absolute Höhepunkt folgte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als der Senegalese Amadou Salif Mbengue praktisch von der Torauslinie den Ball ins Tor drosch und die Loftus Road endgültig im Freudentaumel versank. 4:0 zur Halbzeit: Die Spieler und Zuschauer der „R’s“ verabschiedeten sich ungläubig und euphorisiert in die Pause. Damit war aber auch klar, dass das Spiel entschieden war. QPR würde einen Gang zurückschalten und Leicester versuchen, sich noch irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Nach einem guten Beginn der „Hoops“ und keinem weiteren Treffer, kam es auch genauso: Die Rangers wollten nicht, Leicester konnte nicht mehr. Obwohl die Gäste zu keiner einzigen Chance im ganzen Spiel kamen, erhielten die „Foxes“ in der Schlussphase einen Handelfmeter. Doch auch der ging an den Pfosten, immerhin wurde der Nachschuss hineingestolpert, was zum Endstand führte. Die große Zeit von Leicester scheint endgültig vorbei zu sein. Aber die große Zeit von QPR hat vielleicht gerade wieder begonnen. (mm)