Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

„AM ENDE KACKT DIE ENTE“

01.01.2026
League One
Brisbane Road
Zuschauer: 8.643

LONDON – Frohes neues Jahr! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fast vier Wochen Fußballpause wären zu herb gewesen, also wurde für den 1. Januar eine Ticket-Anfrage „übernommen“, die ich für einen Kollegen in die Umlaufbahn der britischen Fußballwelt geschickt hatte. Für Brentford gegen Tottenham sollte ein Ticket her. Dann wurde das Spiel allerdings verlegt, dem Kollegen passte der Termin nicht mehr in den Kram und im Falle einer positiven Nachricht, wäre ich einfach als Ticket-Holder eingesprungen. Anlass für diesen Plan waren auch 20€-Flüge vom reaktivierten Flughafen Schwechheim, direkt vor der Tür. 20h-Trip nach London mit zwei Spielen. Das klang verlockend und unkompliziert.

Der Haken an der Sache: Beim FC Brentford gibt es mittlerweile so heftige Ticket-Auflagen, dass selbst mit den besten Kontakten eine Karte schwierig wird. Tickets gibt es nur in der vereinseigenen App und diese können nicht beliebig weitergeschickt werden. Nur Mitglieder-verifizierte Accounts sind in der Lage so ein Ticket sichtbar zu machen. Das heißt also, für eine Karte benötigt man die Zugangsdaten inklusive Passwort eines Mitglieds. Natürlich kann mit einer Membership auch nur 1 Ticket gekauft werden und vielleicht hätte es sogar geklappt mit einer Einlassberechtigung – aber ich sag es mal ohne Umwege: Die Bettelei war mir zu dumm. Viel Geld gespart für ein frustrierendes 0:0, das es am Ende geworden ist. Ein Mitglied der Redaktion wurde vorm Stadion beim Sichten des Schwarzmarkts von der Polizei sogar mit einem Platzverweis belegt.

Brentford: Wir sehen uns irgendwann in der Championship oder League One wieder. Am Ende kackt die Ente. Die Daumen sind gedrückt. Vielleicht folgt hier die Tage nochmal ein „Classic-Bericht“ aus dem „Griffin Park“, Brentfords alter Heimat. Um mal zu veranschaulichen, wie beschissen sich die Dinge im Westen der Stadt entwickelt haben.

Der Trip nach London wurde natürlich trotzdem angetreten. Schließlich war der Tisch für das 15-Uhr-Spiel vor Ort reichhaltig gedeckt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Charlton Athletic und Leyton Orient entschied man sich am Ende für die Brisbane Road. Stadtderby gegen Wimbledon und zusammen mit einem Kollegen vom „Intourist Babelsberg“ konnten vor und nach dem Spiel noch ein paar Pints geleert werden. Nachdem zusammen vor dem Spiel im Zentrum noch ein Blick auf die „London Parade“ abfiel, ging es zurück in den Nordosten der Stadt. Klassische Straßenzüge mit Pubs und Ladenzeilen verrieten uns, dass wir hier richtig waren. Viel Stadtteil-Flair rund um die Brisbane Road ließ die Vorfreude auf den Kick steigen, für den es am Tag zuvor nur noch Resale-Karten gab. Wollen wir mal hoffen, dass Leyton bei dem anhaltenden Erfolg das Ticketing nicht auch bald auf eine App abwälzt.

Nach 6 Siegen in den letzten 6 Spielen in der Vor-Saison, erreichten die „O’s“ nämlich nach dem Wiederaufstieg 2023 sensationell die Play-Offs für die zweite Liga gegen – genau: Charlton Athletic! In einem engen Spiel vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley musste der Außenseiter den „Addicts“ mit einem 1:0-Sieg den Vortritt lassen. 2019 war Orient erst aus der National League in die EFL zurückgekehrt. Der rasante Aufstieg hat übrigens Folgen, so wurden im Herbst letzten Jahres Neubaupläne für ein Stadion bekanntgegeben.

Ganz so weit ist man bei Orient am ersten Tag des Jahres 2026 dann aber doch noch nicht. Die Brisbane Road wurde auf der alten Tribüne mit Solarpanels ausgestattet, ansonsten ist im Leyton-Stadion alles wie immer und auch die Mannschaft hat sich wieder im unteren Mittelfeld der Liga eingruppiert. Mit Fußballfeinkost war nicht zu rechnen, zumal Wimbledon als Aufsteiger und Tabellennachbar in der League One das Rad vermutlich nicht neu erfunden hatte. Daher erfreuten wir uns zunächst nur an dem Ground, der irgendwie traditionell ist, aber teilweise auch neu und herausgeputzt. Integriert in den Stadtteil, mit Wohnblöcken an den Ecken und einer alten Tribüne. Die Proportionen und die Atmosphäre stimmen bei Leyton einfach, zudem ist man unglaublich nah dran am Spielgeschehen, wie es sich auf der Insel gehört.

Nach 5 Minuten klingelte es auch schon direkt vor der Nase. Orient ging in Führung. Das Jahr war 15 Stunden und ein paar Minuten alt, da konnte schon festgehalten werden: 2026 läuft gut an! In der Folge machte sich auch der volle Gästeblock das ein oder andere Mal bemerkbar. Das lag daran, dass die Anfangsoffensive der Heimelf langsam verpuffte. Wimbledon fand in alter Manier und mit kompromissloser Zweilampfstärke zunehmend in die Spur zurück. Per Eigentor gelang tatsächlich der verdiente Ausgleich und für die zweite Hälfte deutete sich an, dass die Gäste nicht locker lassen würden. Nach 5 sieglosen Spielen hintereinander hatte der AFC was gut zu machen und mit einem trockenen Schuss gelang nach über einer Stunde schließlich die Führung. Nun war der laute Gästeblock der Star dieser Veranstaltung.

Orient hatte der Spielweise von Wimbledon nichts mehr entgegenzusetzen. Das verdeutlichte die Tatsache, dass die Zuschauer trotz des knappen Rückstands die Spielstätte ab der 80. Minute verließen. Als dann kurz vor Schluss ein Freistoß über eine schlecht gestellte Mauer zum Endstand ins Tor segelte, saßen wir binnen Sekunden fast alleine im Stadion. Das ist in England auch nicht anders – darf man bei all den Lobliedern in diesem Text nicht unerwähnt lassen. Dafür explodierte erneut der gut aufgelegte Gästeblock und Wimbledon feierte den dringend benötigten Auswärtssieg. Fußball ist halt ein Geben und Nehmen – auf dem Platz und auch bei solchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel dem Ticketing. (mm)

Burton Albion – Peterborough – 0:1

Burton Albion – Peterborough – 0:1

“BURTON STATT WEST BROM”

18.10.2025
League One
Pirelli Stadium
Zuschauer: 3.876

BURTON – Nach einer Reise durch die Nacht mit mehreren Busfahrten kam ich am frühen Samstagmorgen in Burton-on-Trent an. Der Grund, warum ich überhaupt hier war, war ein ganztägiger Streik des Busunternehmens CrossCountry. Ursprünglich wollte ich das Spiel West Brom gegen P.N.E. sehen und anschließend noch das Spiel in Leicester besuchen – doch zumindest West-Brom muss an einem anderen Tag fallen.

Stattdessen fand ich mich in der Stadt der Bierbrauer wieder: Burton. Unter anderem wird hier das Bier: Carling gebraut. An der Brauerei vorbei gelangte ich schließlich in den Wetherspoon, um mir ein klassisches Frühstück zu gönnen. Im Anschluss daran spazierte ich zum Stadion, wo ich bereits vom Maskottchen Billi begrüßt wurde.

Schnell noch die Eintrittskarte abgeholt – und schon war ich auf meinem Platz. Für mich ging es in den Sitzbereich des Gästeblocks, da der Online-Ticketkauf über Burton erfolglos geblieben war. Die Sicht war allerdings hervorragend. Zum Intro zogen die Burton-Fans zwei Blockfahnen hoch; außerdem wurde ein großer Doppelhalter der Brewers Union präsentiert.

Das Spiel war über 90 Minuten hinweg ziemlich unspektakulär und phasenweise recht langweilig. Zumindest die Gästefans hatten ihren Spaß und feierten sogar ihren Ballbesitz. Doch es gab noch mehr zu feiern: “We scored a goal!” durfte angestimmt werden, nachdem Collins in der 65. Minute einfach mal abzog und den Ball ins Netz beförderte. Die Spannung blieb bis zum Schluss. Bei der letzten Aktion des Spiels – einem Freistoß – konnten einige Gästefans vor Nervosität kaum noch hinsehen. Und auch wenn es in der 81. Minute noch Rot für T. Lees gab, brachte der Gast das Ergebnis über die Zeit. Die Fans von Peterborough freuten sich über den Auswärtssieg – da war ich bereits auf dem Weg zum nächsten Spiel. (fj)

Cambridge United FC – Burton Albion FC – 1:0

Cambridge United FC – Burton Albion FC – 1:0

„DAS SCHLECHTESTE UND NICHTS ANDERES!“

26.10.2024
League One
Abbey Stadium
Zuschauer: 6.874

CAMBRIDGE – Der Blick vor dem Spiel auf die Tabelle, war ziemlich gruselig. Cambridge und Burton blieben in den jeweils ersten zehn Spielen der Saison ganze 19 Mal sieglos. Den einzigen Dreier der Saison konnte Cambridge am Spieltag zuvor einfahren. Folglich empfing an diesem 12. Spieltag der Vorletzte der Tabelle das Schlusslicht. Allerdings stand es gerade um die Gastgeber auch schon schlechter in der Vergangenheit. Erst 2014 stieg die Universitätsstadt aus der National League wieder in den Profi-Fußball auf. In den 2000ern hatte man Insolvenz anmelden müssen und sogar das Stadion verkauft. Bis in die 50er-Jahre hieß der Verein übrigens „Abbey United“, was den Stadionnamen erklärt.

Aber Cambridge ist zurück. Seit vier Jahren nun sogar wieder in der League One. Auch das Stadion hat man zurückerworben. Und das ist auch gut so. Denn diese wahre Perle britischer Stadionkultur bedarf einer behüteten Behandlung. Durch die Pleitephase des Vereins wurde an der Newmarket Road viel konserviert. Passend zu dem Halloween-Klimbim in den Schaufenstern der Straße, könnte man neckisch festhalten: Das „Abbey Stadium“ ist ein mumifiziertes Relikt aus der Vergangenheit.

Vor allem eine Hintertorseite und die alte Haupttribüne überzeugen auf ganzer Linie. Teile der Tribünen stammen noch aus den 1930er-Jahren. Und das Beste: In Cambridge kann man noch stehen! Nicht nur hinter dem Tor, auch auf einer der Geraden! Geil! Und ein unglaublicher Verstärker für die doch manchmal etwas lahmende Fankultur auf der Insel.

Bei der mäßigen Aussicht im beinharten Abstiegskampf der League One, würden einige Zuschauer mit Sicherheit auch einen Sitzplatz in Kauf nehmen, wenn am Ende der Klassenerhalt gelänge. Ähnliche Antworten hätte man wahrscheinlich aus dem einigermaßen gut gefüllten Away-End bekommen. Zur Erinnerung: Burton Albion ist nach nun mehr 12 Spielen noch ohne Sieg. Und so ähnlich traten sie auch in Cambridge auf. Wenn es gar nicht anders ging, spielte man auch mal am gegnerischen 16er mit, zuvorderst war man aber bemüht, jeden Torschuss von CUFC mit 22 Beinen abzuwehren. Das gelang auch gut und heraus kam das allseits beliebte Gurkenspiel, das aber einfach hervorragend zu den Gegenbenheiten vor Ort passt. Passend war am Ende dann auch das Tor des Tages fünf Minuten vor dem Ende: Unübersichtliches Herumgestocher nach einem Torwartfehler, mündete schließlich in einem Abstauber und ließ die Stehplatztribüne komplett ausrasten.

Das war spielerisch vermutlich das Schlechteste, was England zu bieten hat. Aber ganz ehrlich: Hier im „Abbey Stadium“ will man nichts anderes sehen. (mm)

Barnsley FC – Northampton Town FC – 1:1

Barnsley FC – Northampton Town FC – 1:1

„LETZTER SPIELTAG BEI THE TYKES“

27.04.2024

Oakwell-Stadion

League One

Zuschauer: 15.108

Barnsley – Nach einer nächtlichen FlixBus-Fahrt und einem Flug von Berlin nach Manchester führte mich der Weg über Huddersfield nach Barnsley. Ein Verein, der 1887 gegründet wurde – vielversprechend!

Sportlich geht es am 46. und letzten Spieltag der League One noch um einiges für die „Tykes“. Ein Sieg gegen Northampton würde den Einzug in die Play-Offs sichern. Gegen 11:00 Uhr erreichte ich die 91.000-Einwohnerstadt in South Yorkshire. Das Oakwell-Stadion, das nur 15 Minuten vom Bahnhof entfernt ist, beeindruckte sofort und findet einen Platz in der englischen „Hall of Fame“. Atemberaubend-schöne Flutlichtmasten und vier unterschiedliche Tribünen lassen das Fußball-Herz höher schlagen.

Sowohl die Akteure auf dem Platz als auch die Fans neben dem Platz machten keine Werbung für den englischen Fußball. Die Fangesänge beschränkten sich auf gelegentlich angestimmte Klassiker, wie z.B. „Your Shit Bastard“ nach den Eckbällen oder „Barnsley Till I Die“.

Die Begegnung war geprägt von vielen Fehlpässen und wenig herausgespielten Torchancen, die meistens aus einfachen Fehlern des Gegners resultierten. Möglichkeiten mit viel Potenzial wurden leichtfertig verschenkt und die Gäste wussten sich oft nur noch mit dem Kick and Rush zu helfen.

Immerhin gab es in der ersten Halbzeit einen Treffer zu bewundern, als sich der Barnsley-Spieler Kane ein Herz nahm und aus der Distanz einfach mal abzog – das verdiente 1:0. Die zweite Halbzeit ähnelte der ersten sehr. Mehr Ballbesitz für den Gastgeber, aber wenig Chancen auf beiden Seiten. Erst in der Schlussphase meldete sich der Gast und kam zu gefährlichen Torchancen.

In der sechsten Minute der Nachspielzeit gelang Apperè dann tatsächlich noch der Ausgleich zum 1:1. Der Punkt reicht Barnsley am Ende jedoch, um die Saison auf dem sechsten Platz abzuschließen und nun in die Play-Offs zu gehen. Mit der Leistung vom Sonnabend dürfte ein Aufstieg jedoch zu einer Mammutaufgabe werden. (fj)