FC Sevilla – Rayo Vallecano de Madrid – 1:1
„PAÑOLADA & MARADONA“
08.03.2026
La Liga
Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán
Zuschauer: 37.178
SEVILLA – Irrer Plan an diesem verlängerten Wochenende, das Zielspiel in Sevilla mit 4 Flügen über den UK zu erreichen. Aber sind wir mal ehrlich: Für insgesamt 130€ wäre ich bei den aktuellen Spritpreisen höchstens in die Tschechei gekommen. Für den Plan mit den Flugzeugen gab es einen Kick in der Uckermark und zwei Spiele in England als Zugabe. Am Samstag ging es vom BER nach Manchester und über das Spiel und den Tag in Blackpool berichteten wir gestern.
Mit einem 6-Uhr-Flug wurde am Sonntag also die iberische Halbinsel angesteuert. In Manchester am Airport kann man immer noch gut pennen, wenn es drauf ankommt. Aber nach einer harten Woche und einem Kapselhotel in Berlin, dauerte es doch etwas länger, bis ich auftaute. Trotz 5-6h Tiefschlaf am Airport und im Ryanair-Bomber. In Sevilla sah ich auf dem Weg in die Stadt zunächst viele Regenschirme und biss mir in den Finger. Mit dem ganz pünktlichen Flieger ging sich das Vorspiel in der höchsten andalusischen Spielklasse auf dem fünften Level gerade so aus. Es sollte in den Vorort Tomares gehen. Doch angekommen an der Plaza de Armas, rauschte der passende Bus mit einem Affenzahn an der Haltestelle vorbei. Busse sind echt die letzte Option in der Nahverkehrskette und der „M-161“ verkehrt am Sonntag in Sevilla nur stündlich.
Da „Bolt“ ständig belegt war und viel zu hohe Preise forderte, stieg ich in das nächstbeste Taxi. Neulich hatte ich mir den Luxus schon in Gelsenkirchen gegönnt, nun in Andalusien. Die 12€ waren wieder sehr gut investiert und pünktlich bei Ankunft strahlte die Sonne auf den Ort herab. Das Gekicke in den unteren spanischen Ligen ist wirklich hochwertig und die Versorgung in aller Regel bestmöglich. Frühstück gab es für 4€. Montadito ab 2,50€. Cerveza für 1,50€. Da tat es umso mehr weh, dass die sympathischen Lokalmatadoren von der U.D. Tomares das Spiel in der Nachspielzeit durch einen Doppelschlag verloren. Viel Glück weiterhin im Abstiegskampf!
Nach ein bisschen Erholung in der Zeit zwischen Spiel eins und zwei wurde schließlich der Bus zum „Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán“ bestiegen. Frühzeitig, denn um ein Ticket kümmerte ich mich im Vorfeld nicht. Karten dürfte es bei dem aktuellen Zuschauerschnitt genug geben und da die Spanier nicht in der Lage sind Print@home in Hardtickets umzutauschen, entschied ich mich vor Ort für den Gang zum Schalter. Auch wenn die Knie etwas schlackerten: Alles kein Thema und mit dem „echten“ Ticket in der Hand konnte schließlich das Stadion in Ruhe einmal umrundet werden. Mit diesem Riesenpott in Sevilla haben sie sich von außen eine Menge Mühe gegeben. Sowohl tagsüber als auch nachts, mit der rotbeleuchteten Fassade, steht man mit offenem Mund vor der Arena, die viel größer wirkt, als die Kapazität von gut 40.000 Zuschauern verrät.
Auch drinnen füllte sich das Stadion besser als gedacht. Zuletzt fanden grade mal rund 30.000 Zuschauer den Weg zum siebenmaligen (!) Europa-League-Sieger. Die fetten Zeiten bei Sevilla sind vorbei. In La Liga dümpelt der ehemalige Verein von Diego Maradona im tiefsten Mittelfeld herum. Für den Europacup haben sich die Sevillista schon länger nicht mehr qualifiziert. Und mit Spielbeginn starteten die Zuschauer eine sogenannte „Pañolada“. Eine Protestaktion mit weißen Taschentüchern. Vermutlich aufgrund der aktuell perspektivlosen Lage. Hinzu kommt, dass Real Betis dem FC in den letzten Jahren in der Stadt den Rang abgelaufen hat. Frustrierend. Doch bei dem Groundhopper sorgte die „Pañolada“ für große Augen. Es war nämlich richtig Musik in dem Laden.
Die Heimelf ging schließlich recht früh per Kopf in Führung und die Stimmung hätte schlechter sein können. Auch Rayo brachte etwa 200 Leute mit zum Auswärtsspiel und supportete was das Zeug hielt. In so einer großen Arena geht das natürlich gerne unter. Die Gäste konnten mit dem Wiederanpfiff ausgleichen und fortan lief bei Sevilla fast gar nichts mehr zusammen. Bei einem Blick auf den Kader erlaube ich mir die Erkenntnis, dass die Elf auf den Schlüsselpositionen schlichtweg zu alt besetzt ist. Die Premier-League-Legenden César Azpilicueta und Alexis Sánchez in allen Ehren – beide gehen auf die 40 zu. Der Chilene hätte übrigens beinahe noch per Kopf zum Sieg getroffen. Ansonsten wirkt das Konterspiel vom großen FC Sevilla etwa so behäbig wie das Aufbauspiel vom HSV. Und das kann nicht sein.
Entsprechend enttäuscht reagierte der Heimanhang nach dem Abpfiff. Krass, wie nah in Spanien manchmal grenzenloser Support und bodenlose Enttäuschung zusammenhängen. Wenn sich der Spieß in der Stadt jetzt umdreht, war das noch nicht alles. Denn wir erinnern uns: Der Konkurrent Betis spielte nach einer legendären Phase in den 90er-Jahren einige Jahre zweite Liga. Davon ist der FC zumindest noch weit entfernt. Das Stadion war nach fünf Minuten trotzdem wortlos geräumt.
Wie dem auch sei, mir hat der 24h-Trip nach Sevilla einmal mehr sehr gefallen. Damit habe ich jetzt innerhalb von exakt 367 Tagen die drei großen Arenen in Sevilla besucht und von allen Spielen hier übrigens Bericht erstattet. Die persönliche Sevilla-Trilogie ist damit abgeschlossen. Links zu den anderen Spielberichten packe ich in die Kommentare. Das „Estadio Benito Villamarín“ von Betis wird aktuell umgebaut. Danach ist die Hütte vom FC Sevilla dran. Die WM 2030 ist nicht mehr so weit entfernt. Als Ausweichstadion nutzen beide Teams in den Sanierungsphasen jeweils das Olympiastadion „Cartuja“. (mm)














