Crystal Palace F.C. – Rayo Vallecano de Madrid – 1:0

„LANGE NACHT FÜR DAS KLEINE FINALE“

27.05.2026
UEFA Conference League
Zentralstadion
Zuschauer: 39.176

LEIPZIG – Statt Kreisliga in Kiel, stand an diesem Mittwoch-Abend das Conference-League-Finale auf dem Tagesplan. Durch den Umstand, dass das Endspiel in Leipzig ausgetragen wurde, wollte die Hälfte der Redaktion die Gelegenheit nutzen und in diesem immer noch neuen UEFA-Wettbewerb ein Finale vor Ort abstauben. Das war keine schlechte Idee, denn das Auto füllte sich rasch, Tickets für die Partie waren auf solidem Preisniveau verfügbar und der Turnierbaum ab dem Viertelfinale ließ ein Endspiel mit interessanter Beteiligung vermuten. Als das erste Ticketfenster der UEFA öffnete, waren drei Redakteure nach drei Minuten versorgt und es war schnell klar: Es wird eine lange Nacht für das kleine Europapokal-Finale.

Das Spiel wies fast dieselbe Struktur auf wie die Autobesatzung aus der Redaktion. Für zwei von uns (mm & hr) war es die zweite Finalteilnahme auf europäischem Parkett. Für mich nach 16 Jahren Abstinenz das zweite Endspiel und unser Fahrer (mb) feierte seine Final-Premiere. Palace nahm auch das erste Mal überhaupt am Europopokal teil, während Rayo bei dem einzigen Auftritt im Europapokal vor 25 Jahren im UEFA-Cup-Viertelfinale gegen Deportivo Alavés stand, die es am Ende ja bekanntlich in ein spannendes Finale schafften. Der Endspielort lag damals auch in Deutschland: In Dortmund verloren die Spanier gegen den FC Liverpool mit 5:4. Einen ähnlichen Spielverlauf erhofften wir uns auch für unser Spiel, wenn wir gefragt worden wären.

Dass es vermutlich kein Spiel mit Achterbahn-Charakter wird, ließ sich schon ein bisschen ablesen. Beide Teams wurden von mir während der Saison jeweils einmal live unter die Lupe genommen. Palace gar in der Gruppenphase dieses Wettbewerbs. Gegen Kuopio PS gab es mit der B-Elf mit Ach und Krach ein Remis, während Rayo Anfang März bei einem 1:1 im „Éstadio Ramón Sánchez Pizjuán“ beobachtet werden konnte. Die Spielbesuche sind hier übrigens nachzulesen. Wunderdinge waren nicht zu erwarten, aber für englische und spanische Verhältnisse rechneten wir mit einer manierlichen Crowd im Stadion.

Vor der Abfahrt musste zunächst jedoch das Handy von Redakteur (fj) eingesackt werden. Da das Ticket für mich über seinen Account bestellt wurde, war eine elektronische Übertragbarkeit ausgeschlossen. Nur „überschüssige“ Karten sind zur Weiterleitung freigegeben. Die App konnte auch nicht mit den entsprechenden Zugangsdaten auf einem fremden Handy geöffnet werden, da der Account mit dem Gerät, auf dem die App installiert wurde, verknüpft ist. Es half nichts, das Telefon musste mit nach Leipzig. Zum Glück sind wir ein verschworener Haufen und (fj) war jüngst von einem wochenlangen Südafrika-Trip zurückgekehrt. Das wär’s noch gewesen, wenn mein Finalticket unerreichbar in Afrika auf Reisen gewesen wäre. Die abschließende Bewertung dieser Ticket-Richtlinien erspare ich mir an dieser Stelle gerne. Am Ende hat alles geklappt.

Sowohl die Engländer als auch die Spanier füllten ihre Kurven vollständig und entrollten zum Einlauf der Teams eine Blockfahne. Dazu wurde Pyro kredenzt und bei Rayo mittels farbiger Papiertafeln auch noch ein „tierisches Bild“ in der Kurve erzeugt. Das war auf beiden Seiten für englische und spanischen Verhältnisse sicherlich oberstes Bord. Wenn die jeweiligen Szenen hinter dem Tor gesanglich am Quirl drehten, schepperten viele Dezibel durch das Rund. Das hat schon Bock gemacht und ließ bei dem milden Frühsommerwetter richtige Turnierstimmung aufkommen. Bei der Stimmung konnte das Spiel – wie erwartet – zunächst nicht mithalten. Im ersten Abschnitt agierten die Teams noch sehr zaghaft. Palace mit mehr Ballbesitz, aber ohne Druck im gegnerischen Strafraum.

Das änderte sich mit dem Wiederanpfiff. Sofort setzten die Engländer die etwas nervösen Spanier unter Druck, erzielten per Abstauber durch Jean-Philippe Mateta den goldenen Treffer des Abends und hätten direkt nachlegen können. Für Rayo war gegen die Physis der Premier-League-gestählten CPFC-Akteure irgendwie kein Kraut gewachsen. Zweite Bälle bei den Spaniern blieben Mangelware und die wenigen Schüsse auf den Kasten von Dean Henderson waren einfach zu unplatziert. Noch einmal flogen – wie beim 1:0 – die Bierbecher nach dem Schlusspfiff durch die Palace-Kurve und der Favoritensieg bedeutete für die Redaktion immerhin keine weiteren Überstunden. Als letztes Mitglied der Autobesatzung erreichte ich Schwechheim um kurz vor 5. Während der Fahrt überlegten wir, wer wohl im nächsten Jahr ins Finale kommt. (mm)

FC Sevilla – Rayo Vallecano de Madrid – 1:1

FC Sevilla – Rayo Vallecano de Madrid – 1:1

„PAÑOLADA & MARADONA“

08.03.2026
La Liga
Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán
Zuschauer: 37.178

SEVILLA – Irrer Plan an diesem verlängerten Wochenende, das Zielspiel in Sevilla mit 4 Flügen über den UK zu erreichen. Aber sind wir mal ehrlich: Für insgesamt 130€ wäre ich bei den aktuellen Spritpreisen höchstens in die Tschechei gekommen. Für den Plan mit den Flugzeugen gab es einen Kick in der Uckermark und zwei Spiele in England als Zugabe. Am Samstag ging es vom BER nach Manchester und über das Spiel und den Tag in Blackpool berichteten wir gestern.

Mit einem 6-Uhr-Flug wurde am Sonntag also die iberische Halbinsel angesteuert. In Manchester am Airport kann man immer noch gut pennen, wenn es drauf ankommt. Aber nach einer harten Woche und einem Kapselhotel in Berlin, dauerte es doch etwas länger, bis ich auftaute. Trotz 5-6h Tiefschlaf am Airport und im Ryanair-Bomber. In Sevilla sah ich auf dem Weg in die Stadt zunächst viele Regenschirme und biss mir in den Finger. Mit dem ganz pünktlichen Flieger ging sich das Vorspiel in der höchsten andalusischen Spielklasse auf dem fünften Level gerade so aus. Es sollte in den Vorort Tomares gehen. Doch angekommen an der Plaza de Armas, rauschte der passende Bus mit einem Affenzahn an der Haltestelle vorbei. Busse sind echt die letzte Option in der Nahverkehrskette und der „M-161“ verkehrt am Sonntag in Sevilla nur stündlich.

Da „Bolt“ ständig belegt war und viel zu hohe Preise forderte, stieg ich in das nächstbeste Taxi. Neulich hatte ich mir den Luxus schon in Gelsenkirchen gegönnt, nun in Andalusien. Die 12€ waren wieder sehr gut investiert und pünktlich bei Ankunft strahlte die Sonne auf den Ort herab. Das Gekicke in den unteren spanischen Ligen ist wirklich hochwertig und die Versorgung in aller Regel bestmöglich. Frühstück gab es für 4€. Montadito ab 2,50€. Cerveza für 1,50€. Da tat es umso mehr weh, dass die sympathischen Lokalmatadoren von der U.D. Tomares das Spiel in der Nachspielzeit durch einen Doppelschlag verloren. Viel Glück weiterhin im Abstiegskampf!

Nach ein bisschen Erholung in der Zeit zwischen Spiel eins und zwei wurde schließlich der Bus zum „Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán“ bestiegen. Frühzeitig, denn um ein Ticket kümmerte ich mich im Vorfeld nicht. Karten dürfte es bei dem aktuellen Zuschauerschnitt genug geben und da die Spanier nicht in der Lage sind Print@home in Hardtickets umzutauschen, entschied ich mich vor Ort für den Gang zum Schalter. Auch wenn die Knie etwas schlackerten: Alles kein Thema und mit dem „echten“ Ticket in der Hand konnte schließlich das Stadion in Ruhe einmal umrundet werden. Mit diesem Riesenpott in Sevilla haben sie sich von außen eine Menge Mühe gegeben. Sowohl tagsüber als auch nachts, mit der rotbeleuchteten Fassade, steht man mit offenem Mund vor der Arena, die viel größer wirkt, als die Kapazität von gut 40.000 Zuschauern verrät.

Auch drinnen füllte sich das Stadion besser als gedacht. Zuletzt fanden grade mal rund 30.000 Zuschauer den Weg zum siebenmaligen (!) Europa-League-Sieger. Die fetten Zeiten bei Sevilla sind vorbei. In La Liga dümpelt der ehemalige Verein von Diego Maradona im tiefsten Mittelfeld herum. Für den Europacup haben sich die Sevillista schon länger nicht mehr qualifiziert. Und mit Spielbeginn starteten die Zuschauer eine sogenannte „Pañolada“. Eine Protestaktion mit weißen Taschentüchern. Vermutlich aufgrund der aktuell perspektivlosen Lage. Hinzu kommt, dass Real Betis dem FC in den letzten Jahren in der Stadt den Rang abgelaufen hat. Frustrierend. Doch bei dem Groundhopper sorgte die „Pañolada“ für große Augen. Es war nämlich richtig Musik in dem Laden.

Die Heimelf ging schließlich recht früh per Kopf in Führung und die Stimmung hätte schlechter sein können. Auch Rayo brachte etwa 200 Leute mit zum Auswärtsspiel und supportete was das Zeug hielt. In so einer großen Arena geht das natürlich gerne unter. Die Gäste konnten mit dem Wiederanpfiff ausgleichen und fortan lief bei Sevilla fast gar nichts mehr zusammen. Bei einem Blick auf den Kader erlaube ich mir die Erkenntnis, dass die Elf auf den Schlüsselpositionen schlichtweg zu alt besetzt ist. Die Premier-League-Legenden César Azpilicueta und Alexis Sánchez in allen Ehren – beide gehen auf die 40 zu. Der Chilene hätte übrigens beinahe noch per Kopf zum Sieg getroffen. Ansonsten wirkt das Konterspiel vom großen FC Sevilla etwa so behäbig wie das Aufbauspiel vom HSV. Und das kann nicht sein.

Entsprechend enttäuscht reagierte der Heimanhang nach dem Abpfiff. Krass, wie nah in Spanien manchmal grenzenloser Support und bodenlose Enttäuschung zusammenhängen. Wenn sich der Spieß in der Stadt jetzt umdreht, war das noch nicht alles. Denn wir erinnern uns: Der Konkurrent Betis spielte nach einer legendären Phase in den 90er-Jahren einige Jahre zweite Liga. Davon ist der FC zumindest noch weit entfernt. Das Stadion war nach fünf Minuten trotzdem wortlos geräumt.

Wie dem auch sei, mir hat der 24h-Trip nach Sevilla einmal mehr sehr gefallen. Damit habe ich jetzt innerhalb von exakt 367 Tagen die drei großen Arenen in Sevilla besucht und von allen Spielen hier übrigens Bericht erstattet. Die persönliche Sevilla-Trilogie ist damit abgeschlossen. Links zu den anderen Spielberichten packe ich in die Kommentare. Das „Estadio Benito Villamarín“ von Betis wird aktuell umgebaut. Danach ist die Hütte vom FC Sevilla dran. Die WM 2030 ist nicht mehr so weit entfernt. Als Ausweichstadion nutzen beide Teams in den Sanierungsphasen jeweils das Olympiastadion „Cartuja“. (mm)