SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

„BAU DIR DEINEN TAG IN DESSAU!“

29.11.2025
Verbandsliga Sachsen-Anhalt
Stadion am Schillerpark
Zuschauer: 80

DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.

Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.

Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.

Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.

Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.

Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.

Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)