Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

„FINLAND’S GREATEST HITS“

18.12.2025
UEFA Conference League
Selhurst Park
Zuschauer: 21.302

LONDON – Stell dir vor der Fünfte aus der Premier League bestreitet ein Heimspiel und du kannst eine Stunde vor dem Anpfiff im Ticketshop vor Ort einfach so drei Eintrittskarten auswählen. Der wunderbaren „Conference League“ sei Dank spielte es keine Rolle, dass es wegen eines angeblichen Geoblockers online vorab mit der Ticketbeschaffung nicht klappte. General Sale bei Crystal Palace und Tickets für Jedermann – und das obwohl für beide Teams noch einiges auf dem Spiel stand an diesem Abend.

Während bei Palace mit einem Sieg die Play-Offs hätten vermieden werden können, benötigten die Gäste aus Finnland jeden Punkt für das erstmalige Bestehen einer Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend traten einige hundert Fans aus der Region Savo die lange Reise nach London an und lieferten über 90 Minuten grundehrlichen Support ab. Die meisten Anhänger von KuPs sahen zwar aus wie erlebnisorientierte Fußballmenschen halt aussehen, aber wirklich organisiert traten die Finnen nicht auf und auch der Altersschnitt hinterließ einen munter durchgemischten Eindruck. Aber gerade dieser authentische Auftritt erzeugte letztlich Sympathien.

Hinter dem Eintritt in den Selhurst Park standen aber – wie gesagt – noch einige Fragezeichen. Tickets für das Match waren online einfach nicht zu kriegen. Egal mit welchem Endgerät, in welchem Land und mit oder ohne VPN – der Zugriff auf den Warenkorb wurde immer wieder geblockt. Karten im Shop gab es immerhin reichlich und das ohne Auflagen. Die Hoffnungen ruhten auf der guten, alten Tageskasse und da Onkel Rainer neuerdings eine frühe Verbindung am Donnerstag vom Flughafen Schwechheim nach London anbietet, gab es auch keinerlei Zeitprobleme am Spieltag. Nachdem man am Bahnhof „Norwood Junction“ in einem immer voller werdenden Pub versank, ging es dann zu Fuß eine gute Stunde vor dem Anpfiff zum Stadion. Am Ticket Office gab es nicht mal eine Schlange.

Vor rund 6 Jahren wurde der Erstbesuch im Selhurst Park absolviert. Mit zwei Praktikanten im Schlepptau war das Spiel trotzdem die richtige Wahl an diesem Abend, obwohl auch ein ungekreuzter Ground zur Verfügung stand. Das Stadion und die Lage waren Überzeugung genug für einen Revisit. Auf dem alten Main Stand wurde sich diesmal direkt gegenüber der Gästefans platziert. Und das war ein guter Ort, denn die Nummer 17 von Palace – Christantus Uche – erzielte per Außenrist direkt nach fünf Minuten auf dieser Seite das traumhafte 1:0. Nach diesem Tor gab es noch ein paar gute Aktionen von den Briten und keine einzige Torchance für die Finnen. Bei Palace standen ein 16- und 17-Jähriger in der Startelf und vor allem der jüngste Akteur auf dem Platz – Joel Drakes-Thomas – überzeugte durch gepflegte Ballbehandlung.

So hätte der Europapokal-Abend auch zu Ende gehen können. Irgendwann wäre vielleicht das 2:0 gefallen. Doch die B-Elf von Palace hatte dann doch nicht genug Substanz und Kuopio griff nach dem letzten Strohhalm. Keine Stunde war gespielt, da stand es nach einem Doppelschlag plötzlich 1:2, wobei der letzte Treffer nach einem Eckball etwas glücklich zu Stande kam. Aber egal – jetzt hatten wir ein Fußballspiel und wer hätte ernsthaft gedacht, dass dieser Abend noch in eine Europapokal-Schlacht mündet? Das Heimpublikum war nur kurz konsterniert und gab der Mannschaft akustisch bald wieder Auftrieb. Dabei muss gesagt werden, dass die „Fanatics“ auf der Hintertortribüne trotz der jahrelangen Beständigkeit immer noch wie die Karikatur einer Ultragruppe wirken. Am Anfang waren die Jungs gesanglich noch motiviert, aber auch weil der harte Kern nur aus ein paar Dutzend Leuten besteht, hatte der Auftritt rasch keine Wirkung mehr.

Trotzdem war das Publikum spätestens nach einer Roten Karte für die Finnen ab Minute 73 wieder da und als kurz darauf per Kopfball der Ausgleich fiel, stand das Spiel auf Messers Schneide. KuPs warf sich in jeden Ball und nachdem einige brenzlige Situationen überstanden waren, rissen die Gäste mit dem Schlusspfiff die Arme in die Höhe. Der aktuelle Meister der Veikkausliiga übersteht erstmals in seiner Geschichte eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb! Finland’s greatest Hits at Selhurst Park – die Jungs aus Kuopio feierten eine wahre Abrissparty auf dem „Arthur Wait Stand“.

Und Palace? Die müssen am Samstag (!) schon wieder bei Leeds United ran, weswegen Coach Oliver Glasner die Ehrenrunde in den Play-Offs dank der Startelf-Rotation „ein wenig in Kauf nahm“. Den Finnen dürfte dieser Umstand egal gewesen sein. Allein der Torschütze zum 1:0 für die Engländer weist einen doppelt so hohen Marktwert auf wie der gesamte Kader von KuPs. (mm)

Real Betis Balompié – Vitória SC – 2:2

Real Betis Balompié – Vitória SC – 2:2

„NEUES KAPITEL FÜR BETIS?“

06.03.2025
UEFA Conference League
Estadio Benito Villamarín
Zuschauer: 44.366

SEVILLA – Real Betis Balompié war das zentrale Ziel eines einwöchigen Spanien-Aufenthalts. Dementsprechend wurde die Terminierung der Primera División genauestens verfolgt und schließlich rot eingekreist. Heimspiel gegen Las Palmas am Sonntag. Passt. Doch gut eine Woche vor der Tour überschlugen sich die Ereignisse. Von Flughafenstreiks bis Krankenhausaufenthalten war alles dabei. Aufgrund diverser organisatorischer Dinge musste ein früherer Flug gebucht werden – und dafür kam als Abflugort nur Karlsruhe/Baden-Baden in Frage. Mit zwei Kindern im Gepäck wurde sich in Süddeutschland ein neuer Flughafenground abgeholt. Das klappte besser als gedacht.

Es gab aber auch gute Nachrichten: Kurz nach der Buchung ploppte bei einem Blick in die Ticker-App das Conference-Legaue-Spiel von Betis auf. Das war bis dahin gänzlich unbekannt. Achtelfinale, 25€ Eintritt und das ganze Wochenende in Andalusien zur freien Verfügung. Top! Das war alles so spontan, dass der Kick bis Stunden vor dem Anpfiff noch als Europa-League-Spiel im Kopf herumgeisterte.

Durch das absolute Verkehrsdickicht und den Berufsverkehr der 700.000-Einwohner-Stadt ging es per Bus zum „Estadio Benito Villamarín“, benannt nach einem Vereinspräsidenten. Der Puffer von über einer Stunde schmolz und schmolz, während es vom Himmel anfing zu tröpfeln. Es folgte der Klassiker: Einmal das Stadion umrunden, auf dem Weg zum richtigen Eingang. Auf Block 6 folgt Block 8 und natürlich steht Block 7 auf der Karte. Ordner Nr. 1 schickt einen nach links. Ordner Nr. 2 nach rechts. Als wäre man in einem Sketch gefangen. Als Block 7 dann endlich auf der Nordseite entdeckt wurde, schoss die Laune weiter in den Keller: Eine Riesenschlange hatte sich an dem Gate formiert. Nur mit etwas Vordrängeln war der Anpfiff nicht in Gefahr und die Kids mussten auch noch durch das Drehkreuz geschmuggelt werden. In diesem Falle sind Hektik und Menschenmengen immer gut und die 50€ für die Nachwuchshopper waren leicht eingespart.

Schließlich fand man sich 5 Minuten vor dem ersten Pfiff ganz oben im dritten Rang wieder. Conference-Debüt für den Landboten und das Spiel ließ nicht zu wünschen übrig. Das lag auch an den Gästen, die munter nach vorne spielten, in Führung hätten gehen müssen und von rund 1500 „White Angels“ begleitet wurden. Nach der Pause zog Betis an und ging durch Cédric Bakambu und Isco zwei Mal in Führung. Im Gegenzug und aus dem Nichts traf Guimãres jeweils mit Sonntagsschüssen zum Ausgleich. Jubel im Gästeblock, Fassungslosigkeit bei Beits, die eine passable Runde spielen und zu Hause gerade Real Madrid besiegten. Am Ende aber gute Unterhaltung und ein durchaus gerechtes Ergebnis.

Das Estadio Benito Villamarín ist der erwartet steile Zahn, mit schönen Abnutzungsspuren und Blick über Sevilla. Ein klassisch-spanischer Pott, den es laut den kühnen Renovierungsplänen ab Sommer so nicht mehr geben soll. Schade drum, aber vielleicht läutet Betis als Mitfavorit auf den Europapokal ja bald ein neues Kapitel ein. (mm)

FC Petrocub Hîncesti – Pafos FC – 1:4

FC Petrocub Hîncesti – Pafos FC – 1:4

„MOLDAUISCHER GRIFF NACH DEN STERNEN!“

03.10.2024
UEFA Conference League
Zimbrustadion
Zuschauer: 3.200

CHIȘINĂU – Es ist Mittwochabend und das Abenteuer beginnt am Flughafen Hamburg. Der letzte Flug des Tages verlässt den Hamburger Boden und hebt mit einer rappelvollen Maschine der Airline „HiSky“ direkt in die moldauische Hauptstadt Chișinău ab. Nach der Ankunft in der Stadt treffe ich einen weiteren HSV-Fan aus Hamburg. Nach dem Austausch unserer Kontaktdaten planten wir, die kommenden Tage gemeinsam zu verbringen. Für mich stand zunächst der Weg zu meiner Unterkunft in der Nähe des Flughafens auf dem Programm. Die Stunde Fußweg mitten in der Nacht in einer fremden Umgebung und der Respekt vor den umherstreunenden Straßenhunden waren mir zu heikel, um diesen Weg ohne Hilfe zurückzulegen. Yandex, eine Taxi-App aus Russland, schien die beste Option zu sein. Jedoch scheiterte ich an der Bestätigung meiner Telefonnummer und den hohen Gebühren. Also musste ich mich wohl oder übel auf die Taximafia einlassen.

Der Festpreis von 20 Euro für die kurze Fahrt kam mir überteuert vor. Aber eine Alternative war nicht in Sicht. Nach etwa einer Minute Telefonat wollte der Fahrer den Preis erhöhen, was ich ablehnte. Dank Google Maps, das ich zur Navigation aktiviert hatte, lotste ich den Fahrer zu meiner Unterkunft. Ich drückte ihm 400 Lei in die Hand, erhielt einen verärgerten Blick und stieg aus dem Auto.

Am nächsten Tag machte ich mich von der Unterkunft aus auf in die Innenstadt. Da Google Maps keine öffentlichen Verkehrsanbindungen anzeigte, fragte ich im Hotel nach. Die Angestellte zeigte mir auf der Karte die nächste Bushaltestelle und ein Bild der Abfahrtszeiten. Rund 30 Minuten später war ich bereits im Herzen der Stadt.

Der Anpfiff war für 22:00 Uhr angesetzt. Daher nutzte ich die Zeit, um mir die Stadt anzusehen. Wer sich für ostblockhafte Romantik interessiert, sollte unbedingt das „Hotel National“ besuchen, das in den Nationalfarben gestrichen ist. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Triumphbogen und der Park Valea mit seiner schönen Cascada.

Wie bereits erwähnt, hatte ich einen HSV-Fan aus Hamburg kennengelernt. Wir verabredeten uns im Restaurant „La Placinte“, wo uns die einheimischen Gerichte überzeugten.

Schließlich meldete sich der Gastgeber meiner neuen Unterkunft. Er verlangte nun das Geld für das Hotel und die Eintrittskarte, die er für mich organisiert hatte. Also kurz zum Hotel, das Geld übergeben und einige weitere Sehenswürdigkeiten besichtigen.

Als der Abend näher rückte, machte ich mich mit dem Linienbus auf den Weg zum Stadion. Das Zimbrustadion stand schon lange auf meiner Bucket List. Die eindrucksvolle Wandmalerei an einem Wohnblock und die reflektierten Flutlichter in den Fenstern zogen mich in den Bann. Zudem hatte der Hamburger SV bereits 2007 in diesem Stadion im Intertoto-Cup gegen Dacia Chișinău gespielt – ein weiterer Grund für meinen Besuch.

Heute war der FC Petrocub Hîncesti in der UEFA Conference League der Gastgeber und zugleich war es deren erstes Spiel in diesem Wettbewerb. Gegen den zypriotischen Vertreter FC Pafos hatte man nicht viel zu verlieren. Hîncesti wurde von einigen Fans unterstützt, die mit dem Auto angereist waren. Normalerweise spielt der Verein im Hîncești Municipal Stadium.

Der FCP-Mob betrat lautstark den Block und unterstützte seine Mannschaft mit Trommeln, Fahnen und Gesängen. Auch die Gäste aus Zypern hatten einige Fans und Fahnen mitgebracht.

Bereits nach 15 Sekunden gab es die erste große Chance für die Gäste, die jedoch in letzter Sekunde auf der Linie gerettet wurde. Großartige Stimmung kam in der 26. Spielminute auf, als ein Strafstoß für den FCP verhängt wurde, den Lungu zum 1:0 verwandelte. Die Freude über das Tor währte jedoch nur kurz. Sechs Minuten später erzielte Correia den Ausgleich. Nur vier Minuten danach sorgte Pafos-Spieler Jaja mit einem Traumtor für das 1:2, was zugleich der Halbzeitstand war. Nach dem Seitenwechsel dominierten die Gäste weiter das Spiel. In der 52. Minute war es Correia, der seinen zweiten Treffer des Abends erzielte. Das Spiel plätscherte nun vor sich hin, und es gab nur noch einen Treffer zu bewundern. Nach einem sehenswerten Zusammenspiel war es Name, der zum 1:4 einnetzte. Das Tor überstand die VAR-Überprüfung und war gleichzeitig das Endergebnis.

Nach dem Spiel ging es wieder mit dem Bus zurück zur Unterkunft. Die Stadt hatte für das heutige Spiel die Busfahrzeiten verlängert. Irgendwann werde ich bestimmt noch einmal für den HSV hierher reisen. (fj)