FC Rot- Weiß Erfurt – FC Carl- Zeiss Jena – 7:9 n.E

FC Rot- Weiß Erfurt – FC Carl- Zeiss Jena – 7:9 n.E

“DERBY OHNE GNADE“

29.03.2026
Landespokal Thüringen
Steigerwaldstadion
Zuschauer: 15.040

ERFURT – Fast sechs Jahre sind vergangen, seit ich zuletzt das Steigerwaldstadion in Erfurt betreten habe. Die Erinnerung daran ist wenig glanzvoll: ein Oberliga-Spiel gegen Inter Leipzig, ausgetragen unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie, vor spärlicher Kulisse und ohne echte Atmosphäre.

Umso größer war nun die Vorfreude, dieses traditionsreiche Stadion endlich unter würdigen Bedingungen zu erleben. Pünktlich zum Verkaufsstart sicherte ich mir daher eine Karte für das Thüringen-Derby gegen Jena. Nur kurze Zeit später vermeldete der FC Rot-Weiß Erfurt: ausverkauft.

Meine bisherigen Derby-Erfahrungen beschränkten sich auf das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena, wo die Gastgeber 2024 im Landespokal mit 1:0 die Oberhand behielten. Dieses Mal sollte also die Perspektive wechseln.

Nach einem Wochenende in Tschechien mit meinen Redaktionskollegen MM und HR trennten sich unsere Wege am Sonntagvormittag nach dem Spiel beim FC Erfurt Nord. Glücklicherweise traf ich vor Ort auf eine bekannte Hamburger Hopper-Legende, die mich kurzerhand bis direkt vor das Stadion mitnahm.

Vor dem Einlass ging eine kleine Spende an die Jugendkasse – als nette Geste gab es zwei FC RWE-Bierdeckel zurück. Auf meinem Platz angekommen, bot sich bereits ein eindrucksvolles Bild: Der Gästeblock füllte sich zunehmend mit einheitlich in Blau gekleideten Anhängern von Carl Zeiss Jena.
Erste Sprechchöre und Gesten des gegenseitigen Respekts ließen die besondere Brisanz dieses Duells erahnen.

Zum Spielbeginn setzen die Erfurter Fans ein klares Zeichen: Unter dem Motto „OHNE GNADE“ wurde eine aufwändig inszenierte Choreografie präsentiert. Zentralfigur war ein vermummter Fan, der einen Clownkopf mit Horda-Azzuro-Mütze sowie einen Jena-Schal präsentierte. Roter Rauch untermalte die Szenerie eindrucksvoll. Wenig später folgte die Präsentation zahlreicher erbeuteter Fanartikel der Gäste.

Die Jenaer Anhänger antworteten mit einer schlichten, aber wirkungsvollen „FORZA“-Choreografie.

Der Anpfiff verzögerte sich zunächst um rund 15 Minuten, da mehrere Zugänge im Gästeblock blockiert waren.

Dann aber konnte das Spiel endlich beginnen – und entwickelte sich sofort zu einem wahren Spektakel. Bereits in der ersten Halbzeit fielen fünf Tore, mit dem besseren Ende für die Gäste, die mit einer 3:2-Führung in die Pause gingen. Die Chancenverwertung auf beiden Seiten war bemerkenswert effizient.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie intensiv. Der Gästeblock setzte mit einer eindrucksvollen Pyroshow, begleitet von dichtem blauem Rauch und einer großflächigen Blockfahne, ein weiteres optisches Highlight.

Sportlich blieb es ebenso turbulent: In der 81. Minute gelang Erfurt erstmals die Führung, doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Nicolas Wähling traf kurz vor Schluss per Freistoß zum Ausgleich und rettete Jena in die Verlängerung.
Dort setzte sich das verrückte Spiel fort. Zunächst profitierte Jena von einem Eigentor der Gastgeber, doch wenig später unterlief auch Wähling ein folgenschwerer Fehler – Eigentor, Ausgleich. Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen.

Hier behielten die Gäste die Nerven: Während Erfurt nur zweimal traf, verwandelte Jena vier seiner Versuche sicher. Der verdiente Lohn: der Einzug ins Finale.

Nach dem Abpfiff kannte der Jubel keine Grenzen. Spieler und Fans feierten gemeinsam einen emotionalen Derbysieg, der diesem intensiven Spiel einen würdigen Abschluss verlieh.

Weniger erfreulich verlief hingegen die Heimreise: Aufgrund eines Personenunfalls auf der Strecke zwischen Erfurt und Göttingen kam es zu erheblichen Verzögerungen. Zwei Stunden Wartezeit im Zug, gefolgt von einem langsamen Schienenersatzverkehr, der nahezu jeden Ort ansteuerte, machten die Rückfahrt zur Geduldsprobe.

Immerhin: Die aufgehobene Zugbindung ermöglichte flexible Alternativen. Dennoch bleibt einmal mehr die Erkenntnis, dass Bahnreisen in Deutschland selten reibungslos verlaufen.(fj)

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