1.FC Lokomotive Leipzig – FSV Zwickau – 0:2
05.12.2025
Regionalliga Nordost
Bruno-Plache-Stadion
Zuschauer: 6.112
LEIPZIG – Am Wochenende wartete die Schweiz. Doch über den Anreiseweg und die Freitagabend-Beschäftigung wurde lange Zeit gegrübelt. Schließlich stach ein 6-Uhr-Flug von EasyJet ab Berlin ins Auge, der am Samstag nach Basel abheben sollte. Preislich lagen wir hier bei 3-4 Schachteln Zigaretten, hinzu kam ein Ersparnis in Sachen Übernachtungskosten: Die paar Stunden bis zum Boarding nickerte man am BER ab. Um so richtig müde am Flughafen anzukommen, sollte es kein neuer Ground in der Hauptstadt werden, stattdessen wurde ein Revisit im Bruno-Plache-Stadion vorgezogen. Beim „Bruno“ lag nach einem torlosen Erstbesuch noch eine offene Rechnung vor.
Die Fahrt mit der einzig dafür in Frage kommenden Bahnverbindung klappte hervorragend und in Leipzig angekommen, fuhr die Straßenbahn ebenso zügig Richtung Probtsheida. Erstes Erschrecken an der Kasse. Die „Loksche“ nimmt aktuell Kurs auf die 3. Liga und die Tageskarten-Preise wurden schon mal angepasst: 20€ für den Stehplatz auf dem „Dammsitz“. In der Bundesliga gäbe es Proteste gegen so eine Preisgestaltung. Für 4€ oben drauf ging es auf die „Zusatztribüne“ zwischen Heimkurve und Haupttribüne, die vor 5 Jahren noch nicht im Rund stand.
Die Zusatztribüne passt nicht gut ins „Bruno“. Aber als Groundhopper hat man dort alles im Blick und wird höchstens von ein paar Rentnern flankiert. Alles im Blick zu haben, sollte sich durchaus lohnen. Denn in den ersten 12 Minuten wurde nicht mehr geschwiegen, stattdessen startete Zwickau mit einem Intro, in dem gegen Polizeiwillkür protestiert wurde. Der Block war dabei oben und unten mit einer Stoffbahn eingerahmt. Blinker ergänzten das Kurvenbild optisch ansprechend. Gute Aktion und auch in der Folge präsentierten sich die etwa 800 Auswärtsfahrer aus Westsachsen von ihrer besten Seite. Der FSV hatte in der zweiten Halbzeit dann sogar ein „Double Feature“ am Start: „25 Jahre Ultras Dynamo“ feierte Zwickau mit der Dresdner Zaunfahne vor’m Block, dazu eine Pyroshow und durchgehender Support. „Red Kaos“ wird selten genannt, wenn es um die Top-Acts im Osten geht. Im „Bruno“ lieferten die Gäste aber einmal mehr ab, während die Heimkurve übersichtlich blieb.
Wie dem auch sei, der Kommentar von den Leipzigern ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten: „Zwickau f*ickt Dynaaamoooo in den A*rsch!“ schallte es aus der düsteren Kurve. Die Szenerie in Probstheida so kernig wie eh und je – nach dem Eindruck von vor 5 Jahren hatte man zwar mit einer größeren Freakshow gerechnet, aber das mag an der Dunkelheit gelegen haben. Über 6000 Zuschauer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zeugen jedenfalls von überdurchschnittlichem Interesse an dem Traditionsverein, der übrigens nie eine DDR-Meisterschaft einheimsen konnte. Bis zu diesem Spieltag thronte die „Loksche“ an der Spitze der Liga und verlor kein einziges Heimspiel. Doch der Zug hat eine Bremse und die heißt Zwickau! Spielerisch kam Lok von Beginn an gut in die Partie, kassierte nach einer torlosen Vorstellung in der ersten Halbzeit jedoch einen Platzverweis – im Gegenzug traf Zwickau per Ecke zur Führung.
Leipzig mühte sich wieder Zug in die Partie zu bringen. Doch nun sah man dem FSV das Formhoch an – seit Oktober ist die Elf von Rico Schmitt ungeschlagen. Und eben jener Trainerfuchs sorgte mit einer perfekt eingestellten Mannschaft dafür, dass sich sein Team in keiner Situation die Butter vom Brot nehmen ließ. Im Gegenteil: Defensiv mussten die Gäste keine brenzlige Situation mehr überstehen und vorne trafen die Zwickauer ein weiteres Mal. Aus einer Chance machte der FSV zwei Tore, denn der Endstand entsprang einem Handelfmeter. Kurz vor Schluss gab es dennoch Aufregung auf der Gästebank, als der Busfahrer der Zwickauer von einem Becher getroffen wurde und sich eine Platzwunde zuzog. Mit dem Sieg schleichen sich die Gäste in die Spitzengruppe, doch Lok bleibt aktuell noch Tabellenerster. Ob das herrlich abgerockte Bruno-Plache-Stadion auch so bleibt, sollten die Leipziger den Aufstieg in die 3. Liga packen, steht in den Sternen. Bereits in der Sommerpause wurde eine Rasenheizung installiert und zuvor schon um Spenden für das Stadion gebeten.
Zwar gab es beim zweiten Besuch erneut kein Heimtor zu bestaunen, aber die Nullnummer von einst ist damit getilgt. Die Zeitenwende in Leipzig kann kommen. Viel Glück in der Rückrunde! (mm)





















