Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

Hamburger SV – FC Bayern München – 2:2

„DIE LEDERHOSEN HÄNGEN AUF HALBMAST“

31.01.2026
Bundesliga
Volksparkstadion
Zuschauer: 57.000

HAMBURG — Die Bundesliga hat sieben Jahre auf den Nord-Süd-Klassiker gewartet und im September war es in München wieder soweit. Vor dem Abstieg des Hamburger Sportvereins gab es in der Allianz Arena regelmäßig sehr eindeutige Ergebnisse, so auch im September. Mit dem 5:0 waren die Gäste noch sehr gut bedient. Wenn man sich die Statistik genauer anguckt, waren die Ergebnisse in Hamburg deutlich enger als in München. Dies war eigentlich auch die einzige Hoffnung der Hamburger, gegen die Übermacht aus München standzuhalten.

Bei eisigen Minusgraden ging es ins ausverkaufte Volksparkstadion. Die Mannschaften wurden zum Warmmachen von ihren Lagern gefeiert und die Schickeria baute währenddessen ihre Choreographie auf. Auf Hamburger Seite gab es „nur“ ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Verantwortung bleibt“. Ein Hinweis auf die Gedenkaktion für die Opfer des Nationalsozialismus. Als neutraler Beobachter ist dies für das erste Samstag 18:30 Uhr Heimspiel nach der Rückkehr in die Bundesliga ein bisschen dürftig. Aber beschweren will ich mich hier ausdrücklich nicht, denn die Ultras der Heimseite hatten letzte Woche ihr Derby auf St. Pauli und zauberten gleich zwei Choreographien hervor. Dazu muss man auch noch sagen, die Jungs machen dies in ihrer Freizeit und opfern viele Stunden, damit der Rest ein Foto knipsen kann.

Somit sahen die Zuschauer ein großes FC Bayern Logo und dazu ein paar farblich passende Zettel. Leider verpassten ein paar Leute ihren Einsatz, wodurch die Choreographie ein bisschen unsauber aussah.

Gepeitscht vom lautstarken Publikum kämpfte sich der Gastgeber in die Partie. Die Devise war, den Gegner mit vielen kleinen Nicklichkeiten zur Weißglut zu bringen und die Bayern nicht ins Spiel kommen zu lassen. Während auf der Nordtribüne quasi durchgehend ein paar Fackeln angezündet wurden, spielten die Hamburger stark auf. Nach 34 Minuten explodierte das Volksparkstadion das erste Mal. Remberg fädelte bei Kimmich sehr geschickt ein und Fabio Vieira traf vom Punkt. Die Freude hielt aber nicht lange, denn Harry Kane konnte acht Minuten später den Ausgleich erzielen.

Die Fans im Gästeblock sahen das 1:2 direkt nach der Pause nicht, da die Schickeria eine gut organisierte Pyroshow aufs Parkett legte. Es gibt viele Hater gegenüber dieser Gruppierung, aber trotz der Probleme mit der Vereinsführung lieferten sie diese Saison optisch ab.

Wer sich einige Spiele der Bayern anguckt, weiß, dass dieser Spielverlauf immer gleich abläuft. Bayern dreht das Spiel und gewinnt am Ende klar und deutlich. Nicht aber heute, denn der HSV hat ein Juwel in der Innenverteidigung. Luka Vuskovic räumt nicht nur hinten alles ab, sondern erzielt auch regelmäßig Tore. In Minute 53 köpfte er das Leder in typischer Stürmermanier in die Maschen. Extase im Volksparkstadion. Als „Kind der Bundesliga“ muss man eigentlich traurig sein, dass so ein guter junger Spieler nächste Saison zu 99,9 Prozent in der Premier League spielt.

Mit der Euphorie des Tores erspielten sich die Hamburger noch ein bis zwei riesige Torchancen, aber Davies verhinderte das sichere 3:2 für die Gastgeber. In den letzten 20 Minuten spielten nur noch die Bayern, aber die HSVer warfen sich in jeden Ball und verteidigten das Remis mit Mann und Maus. Ein bisschen Glück war auch dabei, denn wenn der Schiedsrichter einen anderen Blickwinkel auf zwei Aktionen gehabt hätte, dann wäre für die Bayern auch ein Elfmeter in der Schlussphase drin gewesen.

Unterm Strich ging das Remis aber in Ordnung. Der Sieger waren die Zuschauer im Stadion und vor den Bildschirmen, denn sie haben einen packenden Klassiker gesehen. So macht die Bundesliga Spaß.

Nach dem Spiel gab es in den Katakomben noch ein paar völlig unnötige Aufreger von den Bayern Spezis aufgrund der „schlechten“ Schiedsrichterleistung. Die Kimmichs und Kanes sollten vielleicht mal lernen, mit einem Dämpfer umzugehen. Immer wenn sie nicht ihren Willen durchkriegen, wird geweint. Das verbessert den Eindruck auf die Bayern auch nicht. Seht es sportlich, die Lederhosen wurden nicht ausgezogen, sondern hängen nur auf Halbmast. (mb)

FC Bayern München – Hamburger SV – 5:0

FC Bayern München – Hamburger SV – 5:0

„DER GRILL BLEIBT KALT“

13.09.2025
Bundesliga
Allianz Arena
Zuschauer: 75.000

MÜNCHEN — Nach sieben Jahren gab es am Samstag wieder den Nord-Süd-Klassiker zwischen dem Rekordmeister und dem Aufsteiger aus Hamburg. Unterschiedlicher konnten die Verhältnisse beim 120. Aufeinandertreffen nicht sein. Die einen haben einen Kaderwert von über einer Milliarde Euro, die anderen vergeigten sechs Jahre in Folge den Aufstieg ins Oberhaus. Umso größer war die Vorfreude aller auf das Duell. Unsere Redakteure aus Schwechheim reisten mit den unterschiedlichsten Verbindungen nach München. Die einen kreuzten vorab noch eine schöne Bilderbuchbude in Ingolstadt, die anderen setzten ihr Kreuz in Heimstetten, und der Schreiberling buchte die volle Experience beim FC Bayern und hörte siebenmal Freed from Desire im Bayern-Campus.

Danach brachte uns ein Redakteursvater in sieben Minuten zur Allianz Arena. Beide Fanlager wurden am Einlass getrennt, um sich dann direkt im Umlauf wiederzutreffen. Den Sinn habe ich noch nicht ganz kapiert. Aber es wurde noch verwirrender. Wer sich als Gästefan ein Bier mit Alkohol kaufen möchte, muss dies im Unterrang holen; oben im Gästebereich wird nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt – und dazu ist der Pfand oben noch teurer. Zwar nur zehn Cent, aber wer bekanntlich den Cent nicht ehrt, ist des Euro nicht wert. Egal, ob man ein Bier mit Alkohol oder ein Wasser in der Hand hat. Mit diesem Getränk oder auch mit jeglicher anderer Nahrung bleibt es den Gästen verwehrt, dies auf ihrem gebuchten Platz zu konsumieren. Das i-Tüpfelchen passierte dann rund 15 Minuten vor Spielbeginn. Ein kleiner Junge bekam von seinem Papa eine Tüte Popcorn und wollte diese mit auf seinen Platz nehmen. Dies war natürlich nicht erlaubt, und der Ordner drückte auch kein Auge zu. Also sollte dieser ca. fünfjährige Junge, der wahrscheinlich zum allerersten Mal ein Auswärtsspiel besuchte, die große Tüte Popcorn in wenigen Minuten vor dem Einlass verspeisen – zehn Meter weiter gingen jedoch zwei ältere Herren im Heimbereich mit ihrem Bier ungehindert zu ihrem Platz und tranken dort in der ersten Hälfte genüsslich. Genau das ist Diskriminierung, FC Bayern! Die DFL wirbt mit „Gib Rassismus keine Chance“ und positioniert sich klar gegen Diskriminierung, aber zehn Prozent der Zuschauer im Stadion wird verboten, Wasser zu trinken, während sie das Spiel verfolgen.

In der Zwischenzeit schlang der kleine Junge traurig sein Popcorn in den Magen, während beide Kurven ihre Choreografien aufbauten. Die Südkurve feierte sich und ihr Gründungsjahr, zugleich präsentierte der HSV stolz seine drei Buchstaben, untermalt von ein paar Rauchtöpfen und jeder Menge Fahnen.

Als beide Seiten ihre Materialien noch abbauten, durften die 75.000 Zuschauer in der restlos ausverkauften Allianz Arena schon zweimal das berühmte „Yabba Dabba Doo“ hören. Der Gast aus Hamburg wurde, wie in den Jahren vor dem Abstieg, hergespielt und teilweise lächerlich gemacht. Die Bayern verzauberten 29 Minuten lang das elitäre Publikum auf den Längsseiten und gingen mit 4:0 in Führung. Danach muss der ehemalige HSVer Vincent Kompany seinen Spielern wohl gesagt haben, dass sie aufhören sollen, Fußball zu spielen, weil sonst der Grill am Volksparkstadion wieder glühen würde. Trotz des einseitigen Ergebnisses wurde besonders im Gästebereich weiter lautstark supportet. Man kann allen Fans des HSV nur für diese Leistung gratulieren, denn der Support war trotz der miserablen Leistung auf’m Platz einfach nur bärenstark. Auch die Schickeria war optisch gut aufgelegt und zündete mehrmals im Verlauf des Spiels. Über die Lautstärke kann man sich in München immer streiten.

Nach dem Spiel kam ich in ein nettes Gespräch mit einem Bayern-Fan, der mir offen und ehrlich die Situation erklärte. „Wir haben 5–10.000 Fans, die die Mannschaft supporten wollen, und dann ist man im eigenen Stadion natürlich gegen die Gästefans nicht in Überzahl und sieht somit immer schlecht aus. Die restlichen 57.000 Zuschauer kommen wegen der Stars und der guten Ergebnisse.“ Um es noch einmal mit den Worten von Uli Hoeneß zu sagen. „Wollt ihr Ribéry und Robben?“ Der Großteil der Besucher will die Stars, und daher gibt es in der Allianz Arena eine viel zu große Anzahl an Hochbetagten und zu wenig echte Fans! (mb)