Wrexham AFC – Ipswich Town – 5:3

Wrexham AFC – Ipswich Town – 5:3

“HOLLYWOODREIFE VORSTELLUNG IN WALES”

21.02.2026
Championsship
Racecourse Ground
Zuschauer:10.610

WREXHAM – Ground 69/92
Mein langfristiges Ziel ist und bleibt die Komplettierung der 92. Dazu gehört seit einigen Jahren selbstverständlich auch Wrexham AFC. Seit der Übernahme durch die Hollywoodstars Ryan Reynolds und Rob McElhenney hat sich der Verein rasant entwickelt. Die beiden Filmstars übernahmen den Klub seinerzeit in der National League – was danach folgte, gleicht einer Fußballromanze.

Unter dem Motto Back to Back to Back ging es Jahr für Jahr eine Liga nach oben. Aktuell ist Wrexham in der Championship angekommen und spielt dort direkt um den Aufstieg in die Premier League mit.
Entstanden ist dieses außergewöhnliche Projekt während der Corona-Pandemie, als Reynolds und McElhenney ihre Begeisterung für die Netflix-Dokumentation Sunderland ’Til I Die entdeckten. Inspiriert davon entstand später mit Welcome to Wrexham eine eigene Serie, die bei Disney+ zu sehen ist und den Verein weltweit bekannt machte.

Bei Fans anderer Klubs stößt dieses Projekt naturgemäß nicht überall auf Zustimmung. Nicht wenige bezeichnen das Stadion in Wales spöttisch als „Disney Stadium“. Reynolds selbst begegnet dieser Kritik gelassen und ist der Meinung, viele seien schlicht neidisch, dass ausgerechnet Wrexham – und nicht ein anderer Verein – ausgewählt wurde.

Unabhängig davon ist unbestreitbar, was die neuen Besitzer erreicht haben: Sie führten einen der ältesten Vereine Großbritanniens zurück in den Profifußball, machten die Stadt Wrexham wieder attraktiver und kurbelten die lokale Wirtschaft spürbar an. Zahlreiche neue Geschäfte, Hotels und Betriebe entstanden, ebenso neue Arbeitsplätze.

Wie auch immer man zu diesem Projekt stehen mag – für die 92 muss auch Wrexham gemacht werden. Doch genau hier wartete die erste Hürde: Wie kommt man an eine Eintrittskarte?
Ich entschied mich für eine Junior-Mitgliedschaft. Doch Mitgliedschaft bedeutet noch lange kein Ticket. Also bewarb ich mich für das Heimspiel gegen Ipswich Town. Wenige Tage später konnte ich mein Glück kaum fassen: Ich wurde tatsächlich gelost. Die Flüge waren schnell gebucht – alles war angerichtet für Ground 69/92.

Am Spieltag kam ich früh im walisischen Wrexham an und hatte genügend Zeit für einen Snack bei Spoons sowie einen Cider im legendären The Turf Pub, der in der Dokumentation eine zentrale Rolle spielt. Kein Wunder, denn hier wurde 1864 der Wrexham AFC gegründet. The Turf gilt als der älteste Pub der Welt, der sich direkt in einem Sportstadion befindet.
Überall in diesem Gebäude atmet man den Verein. Generationen über Generationen haben hier vor und nach den Spielen ihre Zeit verbracht – Geschichte, Emotionen und Fußballkultur in Reinform.

Auch der heutige Abend versprach lang zu werden. Nachdem Wrexham eine Woche zuvor die „Tractor Boys“ im FA Cup mit 1:0 aus dem Wettbewerb geworfen hatte, fielen beim Wiedersehen in der Liga deutlich mehr Tore. Insgesamt bekamen die Zuschauer acht Treffer zu sehen. Am Ende stand ein spektakuläres 5:3 für Wrexham.
Entschieden wurde die Partie in der Schlussviertelstunde, als die Hausherren noch zwei Tore nachlegen konnten.

Unterm Strich ein rundum gelungener Ausflug nach Wales. Wer weiß schließlich, wie schwierig es künftig wird, diesen Ground zu kreuzen, sollte Wrexham tatsächlich in der Premier League spielen. Zumimdest entsteht demnächst eine neue Hintertortribüne, die die Kapazität von den aktuellen 13.500 erhöht.
Laut meinem Sitznachbar soll sie zum Ende der nächsten Saison fertig sein. (FJ)

Ipswich Town – Portsmouth FC – 2:1

Ipswich Town – Portsmouth FC – 2:1

“BEI DEN TRACTOR BOYS FÄLLT NUMMER 57/92”

27.09.2025
Championship
Portman Road Stadium
Zuschauer: 29.141

IPSWICH – Nach einer circa einstündigen Fahrt vom Stansted Airport kam ich schließlich in Ipswich an, und der Weg führte mich durch das Stadtzentrum, wo tatsächlich nahezu jeder ein Ipswich-Trikot trug, weiter zum Wetherspoon. In dieser geliebten Kette ist vor drei Wochen die Idee entstanden, gleich die nächste Tour nach England zu buchen. Irgendwie muss die 92 ja voll werden.


Und da ich vor drei Wochen noch über die Portman Road geflogen war, war das ein eindeutiges Zeichen, die Nummer 57/92 einzufangen.


Nach einem Cider ging es auch schon zum altehrwürdigen Stadion, und natürlich musste ein Besuch im Fanshop folgen. Nachdem mir das Meiste zu teuer war, fielen mir auf einmal die Socken ins Auge. Gut sahen diese aus, und noch besser: drei Paare zum Preis von 10 Pfund – Deal!


Schon wenig später war ich dann auf der Tribüne dieses wunderbaren Stadions. Zufällig landete ich im „Safety-Standing“-Bereich. Wenig später kamen ein paar junge Personen hinzu, die sich selbst als Ultras definierten und ein paar Fahnen dabei hatten. Vorher habe ich die „Tractor Boys“ nur auswärts gesehen. Damals waren mir die Fans noch nicht in dieser Form aufgefallen.
Die Gästefans aus Portsmouth waren mir schon vertrauter. Zwar werde ich den Fratton Park erst in Kürze kreuzen, allerdings habe ich Portsmouth bereits dieses Jahr in Norwich gesehen und bin mit dem trinkfesten Auswärtsmob damals im selben Zug nach London gewesen. Im Gegensatz zum Spiel in Norwich glich der Gästeblock heute eher einer Bücherei. Vielleicht lag es auch daran, dass Portsmouth nach neun Minuten 1:0 hinten lag. Zur Halbzeit stand es dann bereits 2:0. Im Gästeblock war Totenstille.
Die zweite Halbzeit war noch langweiliger als die erste. Das Tor von Portsmouth fiel in der Nachspielzeit – zu spät, um noch mal Spannung zu erzeugen. Am Ende konnte Ipswich das Spiel mit 2:1 gewinnen.
Für mich ging es anschließend weiter: in den Straßen von Ipswich und in den Pubs. (fj)

Fulham FC – Ipswich Town – 2:2

Fulham FC – Ipswich Town – 2:2

“DREISTIGKEIT GEWINNT BEIM REMIS”

05.01.2025
Craven Cottage
Premier League
Zuschauer: 27.042

LONDON – Nach der Ankunft an der Victoria Coach Station spazierte ich knapp 1,5 h zur Craven Cottage. Eine sehr empfehlenswerte Route, vorbei an der Themse und der Stamford Bridge.
Schließlich erreichte ich den Ground und musste am Eingang feststellen, dass der Rucksack zu groß für das Stadion ist.
Eine Erfahrung die ich vorher sehr selten in englischen Fußballstadien erlebt hatte, darf man doch sonst fast immer einen Rucksack mitnehmen. Somit wurde ich auf eine Abgabestelle wenige Meter vom Stadion entfernt verwiesen. Diese suchte ich auf und zahlte 5£ für die Abgabe. Sparen tat ich dafür bei der Eintrittskarte, da mir mein Kollege für knappe 10 pfund eine Under 18 Eintrittskarte organisierte. Ein Vorhaben, das normalerweise immer klappt. NORMALERWEISE! Da ich davon ausgegangen war, eine Eintrittskarte für die neue Tribüne erhalten zu haben, suchte ich den Eingang der “ riverside” auf und musste feststellen, dass ich nicht hineinkam.
Die Ordner baten darum, zum Ticket Office zu gehen. Die Mitarbeiterin glaubte mir nicht so recht, dass ich unter 18 bin und schickte mich zum service center, um das Ticket aufzuwerten. Da schnell aber klar wurde, dass es der falsche Eingang war, suchte ich den richtigen auf und betrat ohne Ticket-Aufwertung den Johnny Haynes Stand. Den Sektor, wo damals auch die HSV Fans standen, als Damien Duff die Träume vom Finale im Volkspark platzen ließ.

Zwar war ich damals nicht vor Ort aber dennoch war es für mich der zweite Besuch dort. Und da ich beim ersten Mal den Blick auf die alte Tribüne hatte, störten mich die heutigen Plätze nicht. Vor allem war ich nun ganz nah an der Cottage, die früher eine Jagdhütte war und nun als VIP Bereich dient. Vor etwa 200 Jahren bestand die Gegend komplett aus einem Wald.

Die von Archibald Leitch errichtete Tribüne zählt zu den schönsten und ältesten Tribünen des Landes und ist zum Glück denkmalgeschützt. Besonderes Highlight neben den alten Sitzen die schwarz-weißen Bilder des 2005 verstorbenen Spieler: Johnny Haynes, nach dem wie beschrieben die Tribüne benannt wurde.

Der einzige Spieler, den ich vom aktuellen Fulham Aufgebot kannte, war der Torwart Bernd Leno, der beim Spiel eine sichere Figur machte und trotzdem zwei Mal hinter sich greifen musste. Das erste Mal nach 38 Minuten, als Szmodics zum 0:1 traf.
In der zweiten Hälfte gab es dann das große Elfmeterschießen. Drei an der Zahl und zwei davon gab es für Ipswich.
Nachdem Jimenez den ersten Elfer für Fulham verwandelte, traf Delap drei Minuten später für Ipswich aus Elf Metern zur erneuten Gästeführung. Nach einem Foul an Jimenez trat der Gefoulte selbst an und erzielte in der 90. Minute seinen zweiten Treffer zum 2:2 Endstand. Das der VAR mehrfach Eingriff soll nicht zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Immerhin wird in England die Situation erklärt und im Nachhinein noch eine Videofrequenz eingeblendet.

Im Vergleich zu meinem ersten Spiel an der Craven Cottage merkt man den Unterschied zum damaligen Zweitliga-Kick. Alleine die Feuerfontänen vor dem Spiel verzaubern das Spiel zu einem Event. Die Klatschpappen gab es damals auch schon und sind kein bisschen besser als vor sechs Jahren.

Die Gästefans sind mit voller Kapelle angereist und sangen zwischendurch Schmähgesänge Richtung FFC Fans: “ your support is shit.” Recht haben sie, denn bis auf das Come on Fulham, welches über die Werbebande zum Support aufrief, war es wieder mal wie in einer Bücherei.
Mal sehen, ob das Stadion ein weiteres Mal besucht wird. (fj)

Hull City FC – Ipswich Town – 3:3

Hull City FC – Ipswich Town – 3:3

“TICKETGLÜCK BEIM TOPSPIEL“

27.04.2024

MKS Stadium

Championship

Zuschauer: 24.298

HULL- Mühsam war der Weg auf die Suche nach einem Ticket. Flüge waren gebucht, Busse waren gebucht und Züge waren gebucht. Da kam die Ticket-Info von Hull: VVK nur an Personen mit Booking-History. Während der Gästesektor bereits ausverkauft war, waren im Hull-Shop noch sehr viele Karten verfügbar. Der Verein zeigte kein Mitleid mit mir und hatte eine Mail Anfrage abgelehnt. Somit wurde in diverse Hull Facebook Gruppen geschrieben. Auch dort wollte man mir nicht helfen und ich wurde für einen tractor boy gehalten. Nachdem zwei Tage vor dem Spiel das Stadion fast ausverkauft war, wurde die Partieankündigung von Hull auf Facebook genutzt. Es wurden insgesamt fünf Leute angeschrieben, die unter dem Beitrag gepostet haben, dass sie zum Spiel gehen. Tatsächlich hatte sich ein Fan gemeldet und bestellte mir eine Karte im südlichen Sektor. Nachdem bereits „the Oakwell“ in Barnsley und das Hillsborough Stadium in Sheffield gekreuzt wurden, sollte mit dem „MKS Stadium“ in Hull nun der dritte 92 Ground an diesem Tag fallen.

Mit 24.298 Zuschauern war die Hütte auch gut gefüllt. Im Gästeblock sorgten die mitgereisten Fans für ordentlich Stimmung. Für ihren Verein geht’s schließlich noch um den direkten Aufstieg in die Premier League. Und da Konkurrent Leeds mit 0:4 gegen QPR gepatzt hatte, war die Euphorie dementsprechend hoch. Auch Hull hat noch eine theoretische Chance, sich über die Playoffs für die Premier League zu qualifizieren.

Die Zuschauer sahen ein sehr unterhaltsames Spiel auf Augenhöhe mit hohem Tempo und vielen Chancen auf beiden Seiten. Insgesamt gab es an dem Tag sechs schöne Tore zu bestaunen.

Kurz vor dem Ende konnte Hull durch Ohio noch den verdienten 3:3 Ausgleich erzielen.

Im Stadion zeigte sich, wie sehr sich der Fußball von dem distanziert, was ein Fußball-Romantiker unter Fußball versteht. Feuerflammen und Lichtshow beim Einlaufen der Mannschaften, die Maskottchen in Gestalt von einem männlichen und einen weiblichen Tiger: Amber und Roary, die die Fans mit Klatschpappen zum Anfeuern motivierten, eine Boxershort die gefühlt alle 10 Minuten mit dem Werbespruch: Keep an eye on the balls beworben wurde und die Vermarktung von jedem Eckball, sowie auch jeder Parade des eigenen Torhüters. What a safe. Präsentiert von: Ihr macht unseren Sport kaputt. Wer in die Königsklasse des modernen Fußballs aufsteigt, wird sich am kommenden Wochenende zeigen. Ipswich hat Dienstag noch ein Nachholspiel in Coventry und trifft am letzten Spieltag im eigenen Stadion auf Huddersfield. Vier Punkte reichen für den Aufstieg. Um sich für die Playoffs zu qualifizieren, muss Hull City neben einen eigenen Sieg in Plymouth darauf hoffen, dass Westbrom zu Hause gegen Preston verliert. Es dürfte spannend werden. (fj)