Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

„CHANCENLOS IN DER HEIMISCHEN GOSEBURG“

06.12.2025
Oberliga Niedersachsen
Nachwuchs-Trainings-Zentrum Goseburg
Zuschauer: 280

LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten.
Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.

Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen.
Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.

Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)

SV Arminia Hannover – SV Wilhelmshaven – 2:0

SV Arminia Hannover – SV Wilhelmshaven – 2:0

„FUßBALLROMANTIK MIT TRADITION“

06.09.2024
Oberliga Niedersachsen
Rudolf-Kalweit-Stadion
Zuschauer: 500

HANNOVER – Traditionsduell in der Oberliga Niedersachen an diesem 6. Spieltag. Traditionsduell mit Lücken, denn seit der Spielzeit 2005/06 waren beide Teams nicht mehr aufeinandergetroffen. Während bei der Arminia mittlerweile die elfte Oberliga-Saison nacheinander ins Haus steht, ging es beim SV Wilhelmshaven bekanntlich drunter und drüber. 10 Jahre ist es her, dass der SVW nach einem Fehlurteil der FIFA aus der Regionalliga zwangsabsteigen musste. Zwei Jahre später fand man sich in der Bezirksliga wieder. Nun folgten zwei Aufstiege in Folge und seit diesem Sommer kämpft man in der Oberliga um Punkte.

Mit der Straßenbahn ist man in wenigen Minuten vom Hauptbahnhof Hannover im Stadtteil Bult, wo sich direkt gegenüber der Tram das traumhafte Stadion der „Blauen“ befindet. An der Kasse ist was von „bis zu 150 Auswärtsfans“ zu hören. Aber so weit ist man in Wilhelmshaven noch nicht: Ein gutes Dutzend Rot-Gelbe schwenken später auf der Tribüne ein paar Fahnen. Die Kulisse von rund 500 Zuschauern an diesem heißen Spätsommertag ist dieser Partie jedoch würdig. Das „Rudolf-Kalweit-Stadion“ atmet an jeder Ecke Historie. Viele Jahre wurde hier in der 2. Bundesliga gekickt. Ende der 60er-Jahre fanden sogar Aufstiegsspiele zur Bundesliga am Bischofsholer Damm statt. Auf der Tribüne knarzt das alte Holz und rundherum ziehen sich viele krumme Stufen. Nur der Bereich hinter dem Tor ist für die Zuschauer tabu – dort haben drei Schafe ihren Stall, die außerhalb der Spieltage auf den Stehplätzen im Stadion grasen und die Anlage in Schuss halten. Eine Maßnahme, die viel mehr Beachtung verdient hat – und nebenbei noch tolle Fotomotive liefert.

In der Vereinsgaststätte „Avanti“ unter der Tribüne bekommt man Speis und Trank zu fairen Preisen und mit einem Glas Bier oder Limonade in der Hand, kann man sich auf die Terrasse oder Tribüne zurückziehen. Das Spiel startet mit einem Knaller: Schon der erste Schuss der Arminia nach drei Minuten zappelt im Netz. Leider verflacht die Partie in der Folge. Wilhelmshaven sieht man den Umbruch an: 19 Spieler kamen neu in der Sommerpause. Alle Gästespieler können gepflegt mit der Kugel umgehen, aber das Zusammenspiel klappt überhaupt nicht. Arminia mit der Führung im Rücken, verhindert unter geringem Aufwand mögliche Gegentore.

In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild. Doch Wilhelmshaven wird stärker und kann sich wenige gute Chancen herausspielen, die jedoch kläglich vergeben werden – unweigerlich stellt sich bei diesen Szenen die Frage, wie die Gäste immerhin 6 Punkte aus 5 Spielen sammeln konnten. Als sich fast alle Zuschauer schon auf den Schlusspfiff vorbereiten, gelingt doch noch etwas Zählbares. Aber auf der anderen Seite: Hannover macht den Deckel drauf – und wie! Nachdem Wilhelmshaven aufgerückt war, schießt der Hannoveraner Chinoso Anoliefotu aus gut 50 Metern auf’s Tor und die Kugel segelt im hohen Bogen über die Linie. Neben dem Torschützen im Fokus, Wilhelmshavens Keeper: Gian-Luca Reck. Sohn der Bremer Torwartlegende Oliver Reck und Halbbruder von Pierre-Michel Lasogga. Verwandtschaftsverhältnisse, fast so verrückt wie dieses Tor.

Eine krude Zusammensetzung ist auch das Publikum am Bischofsholer Damm. Drei Fraktionen stechen hervor: Die alten Hasen, die wahrscheinlich schon zu Zweitliga-Zeiten an der Bande standen und gemeckert haben. Hinter dem Tor: Eine alternative Fanszene mit Regenbogen-Accesoires und Punk-Attitüde. Und die dritte Gruppe: Groundhopper, die knapp 20% der Kulisse an diesem Tag ausmachen. Der norddeutsche Meister von 1920 mit seinem Bilderbuchground ist natürlich längst kein Geheimtipp mehr in der Szene. Auch die Fußballromantiker haben im Rudolf-Kalweit-Stadion mittlerweile eine lange Tradition. (mm)