1.FC Nürnberg – FC Schalke 04 – 3:0

„TAXITELLER OHNE GYROS“

09.05.2026

2. Bundesliga
Max-Morlock-Stadion
Zuschauer: 47.000

    NÜRNBERG – Die Freundschaft rief am Samstag in Nürnberg und an die 50.000 Besucher strömten bei bestem Wetter ins einstige Frankenstadion. Nach der Pflicht in 32 Zweitliga-Spielen und dem bereits feststehenden Meistertitel, rief bei Schalke unter der Woche jedoch erstmal die Kür: Ibiza! „Mit einer bisschen Alkohol in den Beinen“ trat der Champion laut Alt-Star Edin Džeko die Reise ins Frankenland an. Der „Club“ mit Miroslav Klose an der Seitenlinie hat eine unspektakulär Saison hinter sich und platziert sich in der Tabelle jenseits von Gut und Böse.

    Die Anhänger der „Knappen“ folgten dem Team scharenweise, wenn auch eher aus Buer oder Bismark und nicht aus Spanien startend. Fast die Hälfte der Arena färbte sich blau und es war gar nicht so einfach im Vorfeld ein Ticket für die Partie zu ergattern. Die Fan-Freundschaft existiert bereits seit den frühen 1980er-Jahren. Oft liest man im Internet, dass Schalke der Bundesliga-Klassenerhalt am letzten Spieltag im Frankenstadion gelang und Fans beider Lager gemeinsam feierten. Aus der Redaktion war zu diesem Zeitpunkt zwar noch niemand geboren, aber so ein Spiel am letzten Spieltag um das Jahr 1980 herum hat es nie gegeben.

    Wie dem auch sei – die Verbundenheit zwischen Nürnberg und Schalke ist nicht zu übersehen. Das Spiel startete mit einer „Halb-Stadion-Choreo“. Glücklicherweise besaß ich ein Ticket für die Haupttribüne und konnte die Choreo in der ganzen Pracht sehen. Mittels Ponchos und Farbtafeln erschufen die Zuschauer neben den Vereinsnamen sogar die Stadtwappen von Nürnberg und Gelsenkirchen. Das sah gut aus! Die Choreo war allerdings schon das große Highlight des Spiels.

    Während aus dem Schalke-Block keine einzige (!) Aktion zum Aufstieg gezeigt wurde und auch niemand in den 90 Minuten eine Fackel anriss oder sonst wie Schwarzpulver zum Leuchten brachte, waren die Nürnberger ein bisschen mehr auf Zack. Zu Beginn feierte der „Club“ die Regionalliga-Meisterschaft der zweiten Mannschaft. Im Laufe der 90 Minute brannte es immer mal wieder in der Kurve und Botschaften wie „Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros“ wurden entrollt. Trotzdem konnte man am Ende über den Hinweis: „Bitte den Platz nach dem Abpfiff nicht zu stürmen“ nur müde lächeln.

    Auf dem Feld kassierten 11 lahme Schalker 5 Dinger von Nürnberg, wobei zwei Tore von Mohamed Zoma zurückgepfiffen wurden. Der Neuzugang aus Italien erzielte dann das reguläre 3:0 und die Freude war ihm sichtlich anzumerken. Sehr viel passierte danach nicht mehr, die restliche Spielzeit wurde damit verbracht ein paar Legenden beider Vereine auf den VIP-Plätzen nebenan zu beobachten. Zum Beispiel: Frank Baumann oder Youri Mulder. Am letzten Spieltag reist mit Braunschweig ein Team mit „ganz anderen Sorgen“ nach Gelsenkirchen in die Arena. Bis dahin sollte Schalke wieder Taxiteller mit Gyros im Angebot haben – sonst macht man sich keine neuen Freunde. (mm)

    1.FC Nürnberg – SpVgg Fürth – 3:0

    1.FC Nürnberg – SpVgg Fürth – 3:0

    „LEGENDÄRE CHOREO BEIM 274. FRANKENDERBY”

    16.03.2025
    Max Morlock Stadion
    2.Bundesliga
    Zuschauer: 47.300

    NÜRNBERG – Nach einem Wochenende in Tschechien holte mich der Wecker bereits um 04:00 Uhr morgens aus dem Bett. Die erste Herausforderung war bereits das Verlassen vom Hotelgrundstück, da die Hotelpforte um diese Zeit noch geschlossen war und keiner der drei Schlüssel dazu in der Lage war, das Tor zu öffnen. Dass die Check-out-Zeit ab 06:00 Uhr morgens angegeben war, wurde freundlich ignoriert und so musste ich mein Talent fürs Klettern unter Beweis stellen.
    Nachdem der Schlüssel im Briefkasten abgegeben wurde, machte ich mich auf die Socken zum Flixbus. Dieser beförderte mich zunächst nach Prag, wo die letzten Kronen in Kofola investiert wurden. Anschließend sollte es mit dem nächsten Bus nach Nürnberg gehen. Doch auf dem Weg wartete an der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland die Bundespolizei. Ganz besonders intelligent waren dabei zwei junge Männer, die zum Feiern in Prag waren und dabei Drogen im Gepäck hatten. Dank dieser wunderbaren Idee musste der Bus über 30 Minuten warten, was mich im Bezug zu der frühen Anstoßzeit um 13:30 Uhr etwas nervös werden ließ.

    Letztendlich war der Bus um 12:00 Uhr am Nürnberger HBF und mit einem Scooter konnte das Max-Morlock-Stadion eine Stunde vor Anpfiff erreicht werden. Beim heutigen Aufeinandertreffen handelte es sich um nichts Geringeres als die 274. Ausgabe des Frankenderbys. Und nachdem der „Club“ das Hinspiel mit 0:4 für sich entscheiden konnte, war das Kleeblatt motiviert, sich zu revanchieren. Dafür reisten über 4.000 Fürther in das benachbarte Nürnberg und zeigten als DERBYSIEG-Choreo ein gegen den 1.FCN gewonnenes Tauziehen mit dem Spruch: “MIT VEREINTEN KRÄFTEN DIE DREI PUNKTE AUF UNSERE SEITE ZIEHEN”

    Auch die Nürnberger waren heiß auf dieses Derby. Bereits beim Abschlusstraining kamen zahlreiche Clubberer, um sich auf das Spiel einzustimmen. Dazu wurde auch die ein oder andere Fackel angerissen. Leider schien dann aber der Pyrovorrat aufgebraucht gewesen zu sein, da beim heutigen Aufeinandertreffen nicht eine Fackel gezündet wurde. Entschädigt wurde man allerdings mit einer Weltklasse-Choreo, die es auf der gesamten Nordkurve zu sehen gab. Dabei trugen die Fans rote und weiße Ponchos über die gesamte erste Halbzeit. Während im Oberrang der Schriftzug: “DIE LEGENDE” zu lesen war, konnte man im Unterrang folgendes auf einem Spruchband lesen: “DEIN NAME GEREIFT, DURCH RUHMREICHE ZEIT – DEINE GESCHICHTE WÄHRT FÜR DIE EWIGKEIT.” Außerdem waren links und rechts außen die Nürnberger Wappen zu sehen. Vor dem Spiel bekam ein Mitglied der Ultras Nürnberg das Stadion-Mikrofon und gab die Choreo-Anweisungen. In Begleitung von Trommelschlägen wurden die Buchstaben FCN gerufen. Abwechselnd sollten Choreo-Elemente hoch und runter gehalten werden. Wurden die Elemente hochgehalten war: “FÜR IMMER” zu lesen. Wurden sie wieder heruntergenommen war: “DIE LEGENDE” zu lesen. Auch der Unterrang veränderte sich von weiß zu rot.

    Legendenstatus haben dürfte nun auch der Spieler Justvan, der in diesem Derby zwei Tore erzielen konnte. Sein erstes gelang ihm bereits nach vier Minuten, das zweite schoss er in der 39. Minute. Entschieden wurde das Derby noch vor dem Seitenwechsel. In der Nachspielzeit war es Tzimas der das 3:0 erzielte. Das Halbzeitergebnis war zugleich der Endstand.

    Wärend die Fans in der Nordkurve mit einem Spruchband: “DIE NUMMER 1 IN FRANKEN” den Derbysieg feierten, waren die Kleeblatt-Fans bedient und schickten die Mannschaft wieder weg, als sie sich bei den Fans bedankten. Für die Fürther Fans war es nun die zweite Derbypleite nacheinander. Mal sehen an wen das 275.Frankenderby gehen wird. (fj)

    SpVgg Greuther Fürth – 1. FC Nürnberg – 0:4

    SpVgg Greuther Fürth – 1. FC Nürnberg – 0:4

    20.10.2024
    2. Bundesliga
    Sportpark Ronhof
    Zuschauer: 16.126

    „273. FRANKENDERBY“

    FÜRTH – Nach den internationalen Festspielen der letzten Wochen war es für mich an der Zeit, wieder etwas bodenständiger unterwegs zu sein. Also ging es am Freitagmittag von Schwechheim mit der Bahn ab nach Bayern zum Derbywochenende. Den Auftakt machte das Aufeinandertreffen von Würzburg und Schweinfurt im Mainfrankenderby, wobei sich die Kickers knapp mit 1:0 durchsetzten. Fast 7.000 Zuschauer sorgten für eine Rekordkulisse und den Auftritt beider Fanlager fand ich mit Blick auf die Spielklasse in Ordnung.

    Ein vielversprechender Start, dem am Samstag mit Regensburg gegen Düsseldorf eine handelsübliche Zweitligapartie folgte. Mit Wehmut dachte ich dabei an den letzten Besuch vor 11 Jahren zurück, damals noch im alten Jahnstadion an der Prüfeninger Straße mit dem legendären Turm. Wie die Zeit doch rast…im Hier und Jetzt kickt der Jahn in einer modernen Arena direkt an der A3. Das Stadion dürfte sicherlich so manche Hochglanzbroschüre zieren, wenn in Amtsstuben zwischen Flensburg und Garmisch über einen Neubau sinniert wird. Auf dem Platz verloren die Oberpfälzer am Ende deutlich mit 0:3 und befinden sich mit nur einem Törchen am Tabellenende.

    Getreu dem Motto „Erst die Pflicht, dann die Kür“ wackelte ich anschließend vom Süden der Stadt noch 40 Minuten zum Trainingszentrum am Kaulbachweg. Dort gewann immerhin die zweite Mannschaft in der Bayernliga Nord deutlich gegen Ammerthal. Übrigens boten beide Städte für mich als Dauerknipser genug Material und vielleicht schafft es bald ein Schnappschuss aufs Postkartenmotiv der Woche.

    Nun aber genug des Vorgeplänkels. Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Frankenderbys. Etwa zwei Stunden vor Anstoß traf ich bewaffnet mit zwei Flaschen Grüner in Fürth ein und gönnte mir am Rathaus noch mehr Gerstensaft. Aber nicht zu viel, schließlich sollte dieser Bericht vernünftig aussehen. Zum insgesamt 273. Mal standen sich die Spielvereinigung und der Glubb gegenüber: das meistausgespielte Derby Deutschlands, Greuther steht für Vestenbergsgreuth (und muss weg!), Legende Miro Klose beim FCN…man kennt die Plattitüden der Medienkollegen. Für den Landboten aber ist entscheidend aufm Platz und vor allem auf den Rängen!

    Dort eröffneten die Färdder das Derby mit einer dreiteiligen Choreographie und zogen zunächst eine Blockfahne hoch. In schwarz-weiß gehalten und mit der Mahnung, die eigene Geschichte nicht verblassen zu lassen. Im zweiten Akt lösten die Fans den Stoff teilweise ab, sodass der Schriftzug SpVgg Fürth nun in Grün zu lesen war und forderten auf, die Historie als Auftrag für die Zukunft zu verstehen. Clever gemacht. Das Finale bildete der Vereinsname in großen Buchstaben, dahinter grüne und weiße Fähnchen. Das V blieb lange verdreht, konnte aber schließlich korrekt gezeigt werden. Leider kein Einsatz von Pyrotechnik.

    Auf der anderen Seite starteten die Clubberer mit dem bekannten ANTI FÜ Schriftzug vorne auf einer großen Fahne, dahinter Schals sowie ein Schwenker mit der gleichen Botschaft. Dazu stieg schwarzer und weißer Rauch auf. Im Anschluss Schals gedreht, eine gute Portion roter Rauch und dem Ultrà Lebensstil gehuldigt.

    Danach konnte es auch auf dem Rasen losgehen, wo beide zunächst auf Augenhöhe agierten. Erst nach circa 10 Minuten spielte Nürnberg mehr nach vorne und ging durch ein Traumtor aus 20 Metern in Führung. Die Gastgeber wirkten konsterniert, während der FCN einfach weitermachte und das zweite Tor nachlegte. Selbstverständlich Ekstase im Gästeblock und die Fackeln ploppten. Im Prinzip erstreckte sich der Gästeanhang bis zum Lohner und auch bei mir auf der Gegengerade konnten sich einige den Torjubel nicht verkneifen.

    Das 0:2 zog stimmungsmäßig bereits den Stecker auf Heimseite. Die Mitmachquote schrumpfte auf einen Kern in der Mitte der Nordtribüne zusammen und nur bei den Sympathiebekundungen Richtung FCN kam mehr Lautstärke rüber. Die wiederum in bester Laune: im Minutentakt wurden Fackeln angerissen, manchmal begleitet von Rauchtöpfen und insgesamt gab der Gästeblock mit vielen Doppelhaltern und Fahnen ein farbenfrohes Bild ab.

    Tzimas sorgte dann auch noch mit seinem zweiten Tor schon nach 35 Minuten für die Vorentscheidung. Denn zu fast keinem Zeitpunkt präsentierten sich die Fürther Spieler derbyreif und entwickelten wenig Druck nach vorn. Mit dem 0:4 kurz vor Schluss war die Demütigung perfekt und damit auch der erste Nürnberger Derbysieg in Fürth seit 2017. (hk)