Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

„FINLAND’S GREATEST HITS“

18.12.2025
UEFA Conference League
Selhurst Park
Zuschauer: 21.302

LONDON – Stell dir vor der Fünfte aus der Premier League bestreitet ein Heimspiel und du kannst eine Stunde vor dem Anpfiff im Ticketshop vor Ort einfach so drei Eintrittskarten auswählen. Der wunderbaren „Conference League“ sei Dank spielte es keine Rolle, dass es wegen eines angeblichen Geoblockers online vorab mit der Ticketbeschaffung nicht klappte. General Sale bei Crystal Palace und Tickets für Jedermann – und das obwohl für beide Teams noch einiges auf dem Spiel stand an diesem Abend.

Während bei Palace mit einem Sieg die Play-Offs hätten vermieden werden können, benötigten die Gäste aus Finnland jeden Punkt für das erstmalige Bestehen einer Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend traten einige hundert Fans aus der Region Savo die lange Reise nach London an und lieferten über 90 Minuten grundehrlichen Support ab. Die meisten Anhänger von KuPs sahen zwar aus wie erlebnisorientierte Fußballmenschen halt aussehen, aber wirklich organisiert traten die Finnen nicht auf und auch der Altersschnitt hinterließ einen munter durchgemischten Eindruck. Aber gerade dieser authentische Auftritt erzeugte letztlich Sympathien.

Hinter dem Eintritt in den Selhurst Park standen aber – wie gesagt – noch einige Fragezeichen. Tickets für das Match waren online einfach nicht zu kriegen. Egal mit welchem Endgerät, in welchem Land und mit oder ohne VPN – der Zugriff auf den Warenkorb wurde immer wieder geblockt. Karten im Shop gab es immerhin reichlich und das ohne Auflagen. Die Hoffnungen ruhten auf der guten, alten Tageskasse und da Onkel Rainer neuerdings eine frühe Verbindung am Donnerstag vom Flughafen Schwechheim nach London anbietet, gab es auch keinerlei Zeitprobleme am Spieltag. Nachdem man am Bahnhof „Norwood Junction“ in einem immer voller werdenden Pub versank, ging es dann zu Fuß eine gute Stunde vor dem Anpfiff zum Stadion. Am Ticket Office gab es nicht mal eine Schlange.

Vor rund 6 Jahren wurde der Erstbesuch im Selhurst Park absolviert. Mit zwei Praktikanten im Schlepptau war das Spiel trotzdem die richtige Wahl an diesem Abend, obwohl auch ein ungekreuzter Ground zur Verfügung stand. Das Stadion und die Lage waren Überzeugung genug für einen Revisit. Auf dem alten Main Stand wurde sich diesmal direkt gegenüber der Gästefans platziert. Und das war ein guter Ort, denn die Nummer 17 von Palace – Christantus Uche – erzielte per Außenrist direkt nach fünf Minuten auf dieser Seite das traumhafte 1:0. Nach diesem Tor gab es noch ein paar gute Aktionen von den Briten und keine einzige Torchance für die Finnen. Bei Palace standen ein 16- und 17-Jähriger in der Startelf und vor allem der jüngste Akteur auf dem Platz – Joel Drakes-Thomas – überzeugte durch gepflegte Ballbehandlung.

So hätte der Europapokal-Abend auch zu Ende gehen können. Irgendwann wäre vielleicht das 2:0 gefallen. Doch die B-Elf von Palace hatte dann doch nicht genug Substanz und Kuopio griff nach dem letzten Strohhalm. Keine Stunde war gespielt, da stand es nach einem Doppelschlag plötzlich 1:2, wobei der letzte Treffer nach einem Eckball etwas glücklich zu Stande kam. Aber egal – jetzt hatten wir ein Fußballspiel und wer hätte ernsthaft gedacht, dass dieser Abend noch in eine Europapokal-Schlacht mündet? Das Heimpublikum war nur kurz konsterniert und gab der Mannschaft akustisch bald wieder Auftrieb. Dabei muss gesagt werden, dass die „Fanatics“ auf der Hintertortribüne trotz der jahrelangen Beständigkeit immer noch wie die Karikatur einer Ultragruppe wirken. Am Anfang waren die Jungs gesanglich noch motiviert, aber auch weil der harte Kern nur aus ein paar Dutzend Leuten besteht, hatte der Auftritt rasch keine Wirkung mehr.

Trotzdem war das Publikum spätestens nach einer Roten Karte für die Finnen ab Minute 73 wieder da und als kurz darauf per Kopfball der Ausgleich fiel, stand das Spiel auf Messers Schneide. KuPs warf sich in jeden Ball und nachdem einige brenzlige Situationen überstanden waren, rissen die Gäste mit dem Schlusspfiff die Arme in die Höhe. Der aktuelle Meister der Veikkausliiga übersteht erstmals in seiner Geschichte eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb! Finland’s greatest Hits at Selhurst Park – die Jungs aus Kuopio feierten eine wahre Abrissparty auf dem „Arthur Wait Stand“.

Und Palace? Die müssen am Samstag (!) schon wieder bei Leeds United ran, weswegen Coach Oliver Glasner die Ehrenrunde in den Play-Offs dank der Startelf-Rotation „ein wenig in Kauf nahm“. Den Finnen dürfte dieser Umstand egal gewesen sein. Allein der Torschütze zum 1:0 für die Engländer weist einen doppelt so hohen Marktwert auf wie der gesamte Kader von KuPs. (mm)

FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

Es ist Freitag, und für viele ist es heute der letzte Arbeitstag im Jahr 2025. Wir haben euch in diesem Jahr viele schöne Stadionperlen präsentiert und möchten euch nun auch zur Weihnachtszeit euer Herz erwärmen. Für die 78. Ausgabe befinden wir uns in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Im Stadion Romprim bekommt der Satz „Fußball live“ eine eigene Bedeutung. Wir hoffen, dass das letzte Bundesliga-Wochenende genauso schön wird wie die Sprecherkabine!


29.11.2025
Stadion Romprim
FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

“ALS DER OOSTERPARK NOCH EINMAL LEBTE”

13.12.2025
Eredivisie
Euroborg
Zuschauer: 22.525

GRONINGEN – Am 13.12. erreichte ich Groningen sicher und pünktlich mit dem FlixBus. Nur wenige Minuten später saß ich bereits im Zug nach Assen. Nach einem kurzen Stopp in einer Frituur stand der erste Ground des Tages auf dem Programm. Meine Wahl war auf ein Spiel im CATAWIKI Sportpark gefallen, da der Ground laut Bildern auf Europlan und Futbology über eine ansprechende Tribüne verfügen sollte.

Die Ernüchterung folgte jedoch prompt: Seit September dieses Jahres ist die Tribüne bereits Geschichte. Immerhin wurden einige Sitzschalen auf den Stufen des Stadions platziert. Sportlich bot die Partie dennoch einiges. In einem intensiven Spiel gelang es den Gästen von IJsselmeervogels, einen 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 umzuwandeln. Kurz vor Spielende vergaben sie sogar die große Chance auf den Sieg per Elfmeter.

Das eigentliche Highlight der Tour sollte jedoch am Abend folgen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem letzten Spiel im legendären Stadion Oosterpark wurde diese Partie nun im Neubau ausgetragen. Ein würdiger Anlass, um die alte Spielstätte mit zahlreichen Aktionen zu ehren.

Rund um das Stadion erinnerten Fotos und Texte an die frühere Heimat des Vereins. Die Mannschaft lief in eigens gestalteten Sondertrikots auf, während auch die Anzeigetafel optisch an vergangene Zeiten angelehnt war. Die aktive Fanszene beteiligte sich mit großem Engagement: Vor dem Spiel wurde zu einem Fanmarsch vom Oosterpark zum Stadion aufgerufen. Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten die Fans auf nahezu allen Tribünen – Gästeblock und VIP-Bereich ausgenommen – eine beeindruckende Choreografie. Dargestellt war das berüchtigte alte Stadion, mittig das bekannte Eingangstor, unter dem sinnbildlich ein Vater mit seinem Sohn stand. Ergänzt wurde das Bild durch einen der markanten alten Flutlichtmasten. Der gezündete grüne Rauch kam dabei leider nicht ganz zur gewünschten Geltung.

Auf der Piet-Fransen-Tribüne formten hochgehaltene Pappen den Schriftzug „Oosterpark“. Auch auf der Koeman-Tribüne wurde mit Pappen gearbeitet. Unterhalb der VIP-Boxen rundeten schwenkende Fahnen in den Vereinsfarben Grün und Weiß das stimmungsvolle Gesamtbild ab.

Für einen kurzen Moment schien es, als sei der Oosterpark wieder zum Leben erwacht. Und als wollte es der Zufall so, endete auch dieses Spiel mit dem gleichen Ergebnis wie vor 20 Jahren. Groningen dominierte die Partie über weite Strecken und nutzte eine lange Überzahl konsequent, um am Ende einen souveränen 3:0-Erfolg einzufahren.

Während die Fans den Sieg noch ausgiebig feierten, verließ ich zügig das Stadion und machte mich auf den Weg zum FlixBus, der mich zurück nach Hamburg bringen sollte. (fj)

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

„62.278 FREUNDE AUF DEM BERGER FELD”

14.12.25

2. Bundesliga
Veltins Arena
Zuschauer: 62.278

GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.

Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.

Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.

Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!

Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?

Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

„VIELE FRAGEZEICHEN STATT VIER ZIFFERN“

12.12.2025
Landespokal Hamburg
Stadion Hoheluft
Zuschauer: 1.512

HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.

Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.

Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.

Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.

Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

„88 MAL UNBESIEGT UND DOCH SHANCENLOS“

04.12.2025
Shopee-Cup – ASEAN Club Championship
Thuwunna Stadium
Zuschauer: 201

YANGON – Reisen nach Asien verlangen dem gemeinen Hopper immer ein gewisses Maß an Geduld, Flexibilität und Leidensfähigkeit ab. Spontane Spielabsagen oder Verlegung in andere Spielorte, natürlich beides kurzfristig und häufig nicht kommuniziert, Flugverschiebungen oder auch ganze Stornierungen stehen häufig auf der Tagesordnung. Nachdem aus vorgenannten Gründen die Komplettierung der ersten Liga in Singapur scheiterte, musste man auch um den Länderpunkt Myanmar zittern, nachdem der gebuchte Flug von 4 Uhr morgens auf 13 Uhr verlegt wurde. Es blieben somit keine drei Stunden zwischen geplanter Landung und Anstoß. Um es vorwegzunehmen: Auf eines ist in Asien dann doch relativ Verlass, die Flieger heben zumeist pünktlich ab, und so war der Stempel bereits 20 Minuten vor avisierter Landung im Pass. Aber von vorn: Bereits im September fiel mir bei der Planung diese Partie im Shopee Cup ins Auge und so wurden die Flüge gebucht und das E-Visum beantragt. Hierbei empfiehlt sich rechtzeitiges Handeln, zwar wird eine Bearbeitungszeit von 7 Tagen angegeben, dies ist aber nur als Richtwert zu verstehen und hat den Einen oder Anderen schon den LP gekostet, da der Flug ohne Visum nicht angetreten werden konnte.

Der Shopee-Cup ist ein Wettbewerb mit Sponsornamen und wurde vor zwei Jahren reformiert wieder neu aufgelegt. Es ist eine internationale Meisterschaft nur für die 11 südostasiatischen Länder, es qualifizieren sich die Meister und Pokalsieger. Länder mit schwächeren Ligen, wie zum Beispiel Timor-Leste oder Brunei, durchlaufen vorher eine Qualifikation. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mannschaften. Die Termine sind sehr verlässlich und lassen auch eine längerfristige Planung zu. Mit Landung dauerte es dann keine 10 Minuten bis man den Grenzer von der vorhandenen Hotelbuchung und Rückflug überzeugen konnte und der Stempel geschwungen wurde. Am Airport gibt es dann die Möglichkeit eine eSim zu kaufen, welche mit ca. 8€ kein allzugroßes Loch im Reisebudget hinterlässt. Da im Land die gängigen Kartenaussteller keine Zahlungen zulassen, sollte man ausreichend Bargeld mitnehmen. Grab funktioniert mit Barzahlung einwandfrei. Der Umtauschkurs am Flughafen war deutlich besser, als vorher im Netz nachzulesen war. Es empfiehlt sich trotzdem vorerst nur kleinere Summen zu tauschen, da der Kurs in der Stadt dann doch nochmal besser ist. (1:4500 anstatt 1:3500). Es existiert zudem auch ein Schwarzmarkt mit Geldtausch aus dem Kofferraum, dieser wurde jedoch nicht genutzt; Kurse sollten hier aber nochmal besser sein. Das vorher auf Booking gebuchte Hotel konnte sogar in Euro bezahlt werden. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns vom Flughafen direkt zum Ground zu düsen. Das Gepäck gaben wir im Goal Hotel zur Verwahrung ab, wobei man hier nicht einmal unser Tipp annehmen wollte.
Das Thuwunna Stadium ist das Nationalstadion von Myanmar und neben den Länderspielen finden hier auch sämtliche internationale Clubspiele statt. Bei unserer Stadionrunde vor dem Spiel fiel uns auf, dass wir hier nicht nur eine traumhafte Gammelbude erwischt haben, sondern dass sich auch einige Menschen im Umlauf häuslich eingerichtet haben und wir gerade durch ihre Wohnzimmer spazierten.
Gastgeber am heutigen Tag war Shan United, ein professioneller Verein aus Taunggyi, im Shan-Staat von Myanmar. Der 2005 gegründete Club ist der aktuelle Ligakrösus mit 5 Meisterschaften in Folge. Auf der sehr aktuellen Instagramseite des Clubs verrät man auch mit Stolz, dass man bereits seit 88 Ligaspielen ungeschlagen ist. International reißt man jedoch keine großen Bäume aus und so gab es eine verdiente 0:3 Niederlage gegen den vietnamesischen Vertreter Nam Dinh FC, den ich bereits letztes Jahr besuchen durfte. Nam Dinh kann man getrost als Traditionsverein bezeichnen, der nicht zuletzt dank eines potenten Sponsors, der auch im offiziellen Namen wiederzufinden ist, zu alter Stärke zurückgefunden hat. So konnte man auch unter Mithilfe einiger überwiegend brasilianischer Legionäre zuletzt zwei Meistertitel in Folge feiern.

Nach dem Spiel ging es zum Hotel zum schnellen Check In und man verabredete sich mit einer Hopperlegende, die zufällig mit gleichem Ziel im Flieger saß zum Länderpunktbier. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur 19th Street, dem Hotspot für abendliche Aktivitäten in Yangon. Aber auch schon der Weg dorthin war ein Schmankerl: unzählige teils katzengroße Ratten, die sich zwischen schlafenden Obdachlosen und Müllbergen austobten säumten unser Weg. Auch das ist eben die Realität in einem der ärmsten Ländern der Welt und ließ einen mal wieder erden. Die andere Seite der Medaille wurde dann in der angesprochenen Partymeile vorgefunden, in der viele überwiegend junge Myanmaren die Nacht zum Tag machten. Wir schlossen uns an, genossen unser gezapftes LP Bier für umgerechnet 86 Cent und beobachteten das Treiben und die zunehmenden Alkoholleichen. 23 Uhr war dann aber in allen Läden Schluss und die Straßen waren auffallend leer auf unserem Nachhauseweg. In Myanmar hat die aktuell regierende Militärjunta eine Ausgangsperre von 0 bis 4 Uhr durchgesetzt, was auch zur Folge hat, dass die Grab App nicht funktioniert.
Der Folgetag wurde mit Sightseeing gut rumgebracht, wobei besonders die Pagoda auf jeden Fall zu empfehlen ist. Insgesamt ein sehr interessanter Aufenthalt, man ist vielen netten Menschen begegnet und die vom Auswärtigen Amt genannten Horrorszenarien können definitiv nicht bestätigt werden. Vom Landboten gibts daher eine Reiseempfehlung – natürlich ohne Haftung. (CvS)

Borussia Dortmund II – SV Elversberg

Es ist wieder soweit:
Der Freitag ist da und somit auch eine neue Ausgabe von der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (77).
Heute stellen wir die Kampfbahn Rote Erde vor, besser bekannt als Stadion Rote Erde, das sich direkt hinter der Osttribüne des Westfalenstadions befindet.
Der Begriff Rote Erde ist eine historische Bezeichnung für das Westliche Westfalen zwischen Niederrhein und Weser.
Das Stadion wurde von 1924 bis 1926 von Arbeitslosen im Rahmen von Notstandsarbeiten erbaut, und ist für mehrere Veranstaltungen erbaut wurden (Fussbal, Boxen, Leichtathletik).
1929 fand hier das Viertelfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft 1928/29 statt, zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC, das die Alte Dame mit 4:1 für sich entschied.
Die Rekordkulisse stammt vom 19.01.1948 und beträgt 46.000 Zuschauer im Oberligaspiel zwischen dem BVB und dem S04.
Die heutige Kapazität beträgt nur noch 25.000.


29.04.2023
Stadion Rote Erde
Borussia Dortmund II – SV Elversberg

Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

Lüneburger Sport-Klub Hansa – MTV Wolfenbüttel – 1:1

„CHANCENLOS IN DER HEIMISCHEN GOSEBURG“

06.12.2025
Oberliga Niedersachsen
Nachwuchs-Trainings-Zentrum Goseburg
Zuschauer: 280

LÜNEBURG – Am vergangenen Samstag fand um 14 Uhr auf dem Sportplatz in der Goseburg das Oberliga-Spiel zwischen dem Lüneburger SK und dem MTV Wolfenbüttel statt. Und das im Dezember bei 12 Grad und leichtem Regen – unfassbar, dass man bei diesen Temperaturen doch noch die Chance hat, in Norddeutschland ein Fußballspiel zu sehen. In Mecklenburg-Vorpommern bei den „Meckis“ – da hat man noch Eier, schrieb mal ein Redaktionskollege. Aber in Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein sollte man sich schon glücklich schätzen, wenn man bei diesen Außentemperaturen auf einem Rasenplatz ein Fußballspiel sehen kann. Trotz des ungemütlichen Wetters fanden sich 280 Zuschauer auf der Anlage ein, davon rund 30 aus Wolfenbüttel. Auch die frisch gegründete Lüneburger Fangruppe „Salzstadt Legion“ war mit fünf Leuten vor Ort. Zu ihnen gesellten sich noch weitere 25 Fans, sodass in der „LSK-Fanecke“ ungefähr 30 Personen lauerten und sich am akustischen Support beteiligten. Schlachtrufe im englischen Stil kamen gut an, da wurde es unter der Beteiligung einiger Fans richtig laut. Bei melodischen Liedern hörte man einzig und allein den Vorsänger. Das war aber nicht nur dem Aspekt geschuldet, dass die Mitmachquote der anderen Fans bei nahezu 0% lag, sondern vielmehr an dem Aspekt, dass eben genannter Einpeitscher ein Megafon im Anschlag hatte. Ich persönlich feiere es sehr, wenn sich ein paar Jugendliche zusammentun und den örtlichen Verein supporten. Mir erschließt es aber bis heute nicht, warum man für einen Fanblock, der aus keinen zwanzig Leuten besteht, ein Megafon nutzt. Letzten Endes hört man dann nur den Menschen am Megafon – wie sollen da auch 4-5 andere Supporter dagegen anschreien? Kleine Randnotiz: Nur 400 km Luftlinie östlich von uns hat fast jeder Amateurverein eine kleine Fanszene von 20-80 Leuten. Und selbst bei 80 Leuten nutzt da keiner ein Megafon. In Polen kann man sich also noch was abgucken, ähnlich wie sich Ende der 90er die großen deutschen Ultragruppen ihre Inspirationen in Italien oder (Ex-)Jugoslawien abholten.
Sei es drum, die Jungs und Mädels geben alles, und sie sind ja auch gerade erst am Anfang ihrer hoffentlich noch langen Fankarriere.

Ein paar schwarz-weiße Fahnen haben sie auch schon am Start, und so ergab sich ein schönes Bild zum Einlaufen der Mannschaften. Die Fans waren ab diesem Moment hellwach und heiß wie Frittenfett. Ganz im Gegensatz zu der Defensivabteilung der Hausherren. Nach nur drei gespielten Minuten lag der LSK bereits zurück. „Die Abwehr pennt doch noch, da geh ich mir lieber ein Bier holen“, hörte ich von Weitem. Das muss Günther gewesen sein, LSK-Fan seit eh und je. Bereits in der 9. Minute klingelte es erneut! Günther, bewaffnet mit Bier und Wurst, hat davon wahrscheinlich nichts gesehen, gefreut hat er sich aber wie ein kleines Kind an Weihnachten. So soll’s sein, beim Amateurfußball. Davon lebt dieser geile Sport. Den Rest des Spiels umschreiben die Worte „Der eine kann nicht, der andere will nicht“ wohl am besten. Da wäre für beide Seiten mehr drin gewesen.
Die Schlussphase hatte es noch einmal in sich, ins Tor wollte das runde Leder dennoch nicht.

Apropos Tor: Zur 85. Minute entfernten sich die Salzstadtlegionäre aus der Fanecke und platzierten sich hinterm Heimkeeper. Ein Spruchband mit Weihnachtsgrüßen an Fans und Mannschaft wurde ausgerollt und so wurde sich auch von den aktiven Fans gebührend in die Winterpause verabschiedet. Auf den Einsatz von Pyro wurde heute leider verzichtet, auch wenn die Gerüchteküche diesbezüglich vorm Spiel ordentlich am Brodeln war. Aber nächstes Jahr wird es sicherlich wieder heiß hergehen, ist die Salzstadt doch immer für eine Überraschung bekannt. Hier an der Ilmenau, im wunderschönen Lüneburg. (hd)

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

FC St. Gallen – FC Zürich – 1:2

„AUF DIE SCHWEIZ IST VERLASS“

06.12.2025
Super League
Kybunpark
Zuschauer: 18.854

SANKT GALLEN – Die Anreise nach St. Gallen lief wie folgt ab: Autofahrt von Schwechheim nach Potsdam, Zugpendel via Leipzig, paar Stunden Schlaf in Berlin, Flug nach Basel, Tingelfahrt mit der Bahn über Deutschland nach Gottmadingen, Weihnachtsmarkt-Besuch in Konstanz und schließlich eine 30-minütige Zugfahrt mit der SBB nach St. Gallen, die fast so teuer war, wie alle anderen Fahrten und Flüge zusammen. Dabei hätte man noch locker im Hotel am Bahnhof in St. Gallen einchecken können. Doch die Schweizer Bundesbahn hat – wie erwähnt – ihren Preis und wartete in Konstanz nicht wenige Minuten auf die Anschlussreisenden.

Das Spiel war dadurch zum Glück nie in Gefahr, doch natürlich galt es das Gepäck vorher noch wegzubringen und das kann immer knifflig werden, wenn man es vorher nicht mehr ins Hotel schafft. Durch die spätere Bahn ging es sofort zum Stadion. Der „kybunpark“ liegt außerhalb, aber sowohl Bus- als auch Zugverbindungen bringen den Fußballkonsumenten in 5-10 Minuten zur Arena, die ein klassischer Neubau aus den 2000ern ist. Recherchen und Nachfragen hatten ergeben, dass es keine Taschenaufbewahrung gibt. Da aber eh der Umtausch von E- in Hardticket anstand, wurde an der Kasse auf doof gestellt – und siehe da: Es gibt Schließfächer. Kostenlos. Perso gegen Schlüssel. Auf die Schweiz ist eben Verlass – im Stadion wie auf der Schiene.

Nun lief die Zeit wieder gemächlich, wie den ganzen Tag über eigentlich schon. Durch die frühe Landung um 7.30 Uhr am EuroAirport in Basel gönnte man sich den Luxus bei der Anreise die „Banane“ über Deutschland zu fahren, was im Besitz des Deutschland-Tickets sehr viel Geld spart und zur Folge hatte, im südbadischen Gottmadingen auf einer alten Holztribüne noch kostenneutral Landesliga schauen zu können. Über die Schweiz wird ja immer viel gemeckert, das ist altbekannt, aber die hohen Kosten für Zugfahrten sind seit dem letzten Besuch bei den Eidgenossen irgendwie explodiert. Gut 60€ für etwas über 1h Fahrt mit der Regionalbahn an 2 Tagen oder umgerechnet gut 100 Straßenkilometer, das ist schon eine Ansage. Wenn man die moderaten Spritpreise sieht, die sich simultan zu Deutschland ziemlich genau zwischen 1 und 2 Euro bewegen, kann man das doch auch als Schweizer nicht gutheißen, für ein Massentransportmittel den zigfachen Preis wie für den Individualverkehr zu berappen.

Zum Glück wurde nicht viel Strecke auf Schweizer Gebiet zurückgelegt. Und abgesehen vom letzten verpassten Zug verlief der Tag ohne Ärgernisse. Hinein ging es in den „kybunpark“ zum Top-Spiel in der „Super League“. 25 CHF für ein Sitzplatz war hier ein mehr als fairer Kurs, doch der gebuchte Platz hinter dem Tor hatte zur Folge, dass man die Auswärtsfans nur im Seitenprofil sah und sowohl Gitterstäbe als auch Netze die Sicht auf’s Spielfeld trübten. Tickets auf den Geraden für 80 CHF waren nicht vermittelbar. Immerhin genoss man an der Ecke vom Block perfekte Sicht auf die Choreo des „Espenblocks“. Hier wurde eine Blockfahne mit „grünen Weihnachtsmännern“ passend zum Nikolaustag hochgezogen und mit Blinkern und „Schneekonfetti“ komplettiert. Sah knuffig aus und unter dem Strich überrascht die Heimkurve schon auch durch ihre Größe. Die Hintertorseite war voll, die Mitmachquote stabil und mit ihren olivgrünen Einheitsjacken gab der Espenblock ein gutes Bild ab. Auf die Schweiz ist Verlass.

Ab der Halbzeit wurden die Eingänge nicht mehr überwacht. So ging sich der zweite Abschnitt mit Frontalsicht von der Haupttribüne auf den Gästeblock aus. Über Zürich müssen wir da eigentlich nicht reden. Auch der Auswärtsblock pickepackevoll, mit viel Chaos, Lautstärke und Pyro. Dazu kam das Spiel, in dem Zürich mit gezielten, schnellen Angriffen zwei Mal in Führung ging. St. Gallen als Tabellenzweiter zunächst mit viel Mut am Ball und dem schnellen Ausgleich, doch im zweiten Abschnitt ging den Hausherren die Puste aus, das galt auch ein wenig für die Kurve. Zürich machte seine Sache nämlich wirklich gut, beschäftigte die „Espen“ in der eigenen Hälfte und hätte noch höher gewinnen können. Durch den Auswärtssieg mischt der FCZ wieder im Meisterschaftsrennen mit. Seit dem Trainerwechsel im Oktober befindet sich „Züri“ im Aufwind.

An der Spitze der Liga thront weiterhin – sensationell – der Aufsteiger aus Thun mit nun 6 Punkten Vorsprung. Doch nun, wo es Richtung Meisterschaftsrunde geht, scharren auch die großen Vereine mit den Hufen. Mittendrin liegt der FC St. Gallen weiterhin auf Rang zwei. Wenn es mit dem Titel klappen sollte, wäre es die dritte Meisterschaft in der Vereinsgeschichte und die erste seit dem Jahr 2000. Wenn es nicht klappt, wäre es auch nicht so schlimm: Auf den zweiten Titel wartete der älteste Fußballverein Kontinentaleuropas (Gründungsjahr: 1879) satte 96 Jahre. Wie gesagt: In der Schweiz sollte man viel Zeit mitbringen. (mm)

Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

Hamburger SV – SV Werder Bremen – 3:2

„FOTOREIHE NORDDERBY“

07.12.2025
Bundesliga
Volksparkstadion
Zuschauer: 56.100 (Ausverkauft)

HAMBURG – Anmerkung der Redaktion:
Aufgrund fehlender Neutralität seitens der Berichterstatter kommt von uns zum Nordderby kein vollständiger Bericht, dafür aber überpünktlich eine Fotoreihe (hd)

SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

SV Dessau 05 – SV Eintracht Emseloh – 3:0

„BAU DIR DEINEN TAG IN DESSAU!“

29.11.2025
Verbandsliga Sachsen-Anhalt
Stadion am Schillerpark
Zuschauer: 80

DESSAU – Ein schöner Tach in… der Mitte Deutschlands sollte es am Samstag werden und der Ausgangspunkt nach dem Thüringen-Derby lautete: Weimar. Immer gab es irgendwo einen Haken. Für einen Kick in Bernau bei Berlin oder in Lauchhammer hätte man vor 6 Uhr aufstehen müssen, überall lauerte die Nebenplatzfalle und es waren kaum zwei Spiele an einem Tag aufzutreiben. Außerdem sollte der Ort ein bisschen was bieten, um in der Zeit vor und nach dem Fußball durch ’ne Altstadt zu bummeln.

Kaum hatte man sich für Dessau entschieden, verspätete sich der Zug. Informationen wurden von der DB nur tröpfchenweise herausgegeben und für den Fall der Fälle sollte es Fortuna Leipzig werden, sah Plan B vor. Doch die Bahn kam und holte sogar noch ein paar Minuten heraus. Also tingelte man über den weihnachtlichen Leipziger Hauptbahnhof und fuhr weiter nach Dessau. Irgendwie eine graue Maus, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Irgendwie mit zwei UNESCO-Weltkulturstätten aber auch interessant und eine gute Größe zum Bummeln.

Zwei Fußballspiele warteten ebenfalls in der Stadt. Das erste Spiel der Reserveteams von Dessau 97 und Empor Waldersee führte einmal quer durch das Bauhausviertel zum Sportplatz „Kienfichten“. Bau dir deinen Tag in Dessau: Damit waren schon mal zwei „Module“ eingesackt! Die Bauhaus-Geschichte ist ganz interessant und hier wimmelt es auch von gutbürgerlichen Touristen. Der fast schon kubische Gropius-Bau in der Stadt, gilt als erstes Bauwerk dieser Epoche und wurde in dieser Machart sicher zigtausende Male kopiert. Der Sportplatz von Dessau 97 hat mit Bauhaus nicht viel zu tun. Das Vereinsheim ist ein Mix aus DDR-Chic und 90er-Jahre-Interieur, konnte in Sachen Gemütlichkeit und Kaffeetafel dafür aber überzeugen. Das Spiel fand auf dem Nebenplatz statt und als wirklich nennenswerten Fakt möchte man anführen, dass die Sonne den Ground 90 Minuten in voller Montur beleuchtete.

Schön war’s an den Kienfichten. Der Schiri pfiff die Partie sogar 7 Minuten zu früh an, so dass für den knappen Fußmarsch in den Schillerpark etwas mehr Zeit blieb. Als wären die 7 Minuten ein Fingerzeig gewesen, wurde der Verbandsliga-Ground um exakt 13:53 Uhr betreten. Wie viele Minuten noch zum Anpfiff blieben, dafür ist kein abgeschlossenes Mathematik-Studium nötig. Der Fußweg betrug gute 3,5 Kilometer. Vor Ort war nicht besonders viel los und am Verkaufswagen fielen die durchaus hohen Preise auf. Bier und Bratwurst für je 4€ wurden dankend abgelehnt, doch ein Glühwein für 2€ war ein willkommener Trunk in dieser Jahreszeit.

Auf ganzer Linie überzeugen konnte aber letztlich der Ground, der mit einer pfiffigen Tribüne punktet und rundherum Stufenausbau präsentiert. Hier und da fallen Aufkleber und Schriftzüge ins Auge, die von einer Dessauer Fanszene künden und auch eine Zaunfahne hing hinter dem Tor. Von Support aber keine Spur. Ohne den gut aufgelegten Stadionsprecher („…und hier eine Durchsage für die Vertreter der Medien, Rundfunkanstalten und Zeitungen“) hätte es vor den Augen der 80 Zuschauer eine trostlose Veranstaltung werden können. Doch da war einerseits auch die Heimelf, die dem Aufsteiger aus Emseloh körperlich und technisch überlegen war, schöne Tore erzielte und höher hätte gewinnen können. Und anderseits war da „Ecki“. Ein 05-Edelfan, der nach dem Spielende auf die Tribüne gebeten und von der ganzen Mannschaft mit einem Trikot geehrt wurde, weil er im September bei einer MDR-Reportage über den SV Dessau 05 die Hauptrolle spielte. Der Clip ist in der Mediathek verfügbar und dauert nur 3 Minuten, strotzt aber vor Liebensgewürzigkeit. Eine kleine Sequenz für den Kameramann, eine große Bühne für Ecki.

Eine größere Bühne könnte es bei dem lockeren Heimsieg ja vielleicht irgendwann auch wieder für Dessau geben. Das hätte der Verein als erster FDGB-Pokalsieger und Gründungsmitglied der DDR-Oberliga sicher verdient. Zurück ging es schließlich wieder zu Fuß in das Zentrum, wo ein angenehmer Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Hier wurde sich am russischen Stand mit einer heißen Portion Borschtsch wieder Leben in den kalten Körper eingehaucht und so bestieg man am frühen Abend die Bahn nach Schwechheim.

Ein schönes Wochenende, das man sich da in Mitteldeutschland zusammengebaut hatte ging langsam zu Ende. Dessau lieferte ab und die Bahn ausnahmsweise mal auch. (mm)

NEC Nijmegen – Sparta Rotterdam – 3:1

NEC Nijmegen – Sparta Rotterdam – 3:1

„EINE MALERISCHE REISE“

29.11.2025
Eredivisie
Goffertstadion
Zuschauer: 12.650

NIJMEGEN — Vor neun Jahren und einem Monat begann die Reise mit dem ersten Länderpunkt bei Vitesse Arnheim. Am heutigen Samstag sollte es dann endlich soweit sein. Der Spielplan bot für mich die perfekte Kombination: Um 16.30 Uhr wurde bei Excelsior angepfiffen und um 21 Uhr in Nijmegen. Die beiden letzten Mosaiksteine fehlten noch für das „Big Picture“ Eredivisie. Die Kartenbeschaffung für die beiden „immer ausverkauften“ Stadien verlief problemlos. Ich kontaktierte beide Vereine, und sie hinterlegten beziehungsweise schickten mir die Tickets.

Am Nachmittag bei Excelsior lief alles reibungslos, und rund 75 Minuten vor Anpfiff kamen wir am Goffertstadion an. Dort durften wir jedoch nicht auf dem Parkplatz direkt vor dem Stadion parken, da wir natürlich kein Parkticket besaßen. Keine 15 Meter weiter fanden wir allerdings einen öffentlichen Parkplatz und zahlten für 3½ Stunden gerade einmal 40 Cent.

Glücklich und entspannt liefen wir zum Stadion, tauschten das digitale Ticket gegen ein Hardticket, holten uns ein Heineken und setzten uns genüsslich auf unsere Plätze. Auf der gegenüberliegenden Seite bemerkten wir bereits einige Vorbereitungen – dort würde es heute wohl eine Choreografie geben.

Und genauso kam es. Auf der „All Day, All Night“-Choreografie sahen wir mehrere Spraydosen, was direkt zur nächsten Aktion überleitete. Zum 20-jährigen Jubiläum der Legio Noviomagum präsentierten die Ultras zunächst einen Bilderrahmen. Etwa 20 Minuten später begannen sie, das Bild mithilfe farbiger Rauchtöpfe zu gestalten. Am Ende trat ein Fan hervor, der das Banner für die nächste Choreo hochhielt. In Absprache mit dem Verein wurde in der Halbzeit ein großes Banner über ein Tor gezogen. Es folgte die Choreografie des zuvor „gemalten“ Bildes – inklusive Pyrotechnik, die gekonnt und sicher abgebrannt wurde. Hut ab für diese Leistung der Ultras! Besonders das Sprayen während des laufenden Spiels war für mich neu und äußerst beeindruckend.

Ebenso beeindruckend war die Leistung beider Teams im ausverkauften Goffertstadion. Beide Mannschaften pressten über 90 Minuten jeden ballführenden Spieler und versuchten, alles spielerisch zu lösen. Der Tabellendritte setzte sich am Ende mit 3:1 durch, auch weil Gonzalo Crettaz mehrere sensationelle Paraden zeigte. Wäre das Spiel 6:4 ausgegangen, hätte sich wohl niemand beschwert. Es war definitiv eines der besten Eredivisie-Spiele auf meiner Reise zur Komplettierung.

Diese endet nun im schönen Goffertstadion, das zwei Besonderheiten aufweist: Es gibt 150 sogenannte „Fieldseats“, bei denen die Zuschauer direkt hinter der Bande sitzen. Außerdem konnten wir die Gästefans kaum sehen, weil die Glasscheibe nahezu undurchsichtig ist.

Nach dem Spiel ging es die 420 Kilometer zurück in die Zentrale nach Schwechheim. Passenderweise fuhren wir kurz nach der Abfahrt am GelreDome vorbei – dort, wo die Reise einst ohne Clubcard begann. Insgesamt besuchte ich 19 Spiele in der Eredivisie und habe diese ominöse Clubcard nie benötigt. Wenn man die Vereine freundlich anschreibt und ihnen sein Anliegen schildert, helfen sie in der Regel gerne. Denn unsere niederländischen Nachbarn sind keine schlechten Leute: Sie geben einem gerne mal ein Bier aus, und jeder spricht „ein bisschen Deutsch“. (mb)

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

Hertha BSC – 1. FC Kaiserslautern – 6:1

“BERLIN HAT BOCK AUF DIE HERTHA”

02.12.2025
DFB Pokal
Olympiastadion Berlin
Zuschauer: 51.193

BERLIN – DFB-Pokal in Deutschland. Grund genug, auch unter der Woche mal den Weg in die Hauptstadt auf sich zu nehmen. Den Arbeitstag hinter sich gebracht und rechtzeitig die Segel gestrichen. Ein Auto mit voller Besatzung aus Schwechheim nahm den kurzen Weg auf sich. Es fühlt sich schon fast wie Zuhause an, zählt es mittlerweile auch als mein zweitmeist besuchtes Stadion im deutschen-Profifußball. Das Auto wurde souverän in einer Nebenstraße abgestellt. Routiniert und zielorientiert den Weg in die blau-weiße Welt gestartet. Zuerst ging es zu den Traditions-Tickets der Herthaner. Was eine geile Aktion, für fünfzig Cent gibt es das Papierticket als Alternative für dieses trostlose print@home-Ticket des Vereins. Macht bitte weiter damit und danke für das kurze aber nette Gespräch!

Die roten Teufel aus der Pfalz mal wieder in der geschichtsträchtigen Spielstätte. Da werden wahrscheinlich nicht nur meine Erinnerungen wach, im Jahr 2024 spielten die Lautrer im Finale des Pokals gegen das Bayerkreuz. Mein erstes besuchtes Finalspiel in Deutschland, ein phänomenaler Auftritt der Jungs und Mädels vom Betzenberg. Für viele ein Highlight ihrer aktiven Fan-Karriere. Und heute? Circa 5.000 Fans nahmen den Weg unter der Woche auf sich, die ersten zwölf Minuten wurden auf beiden Seiten wie im Ligaalltag geschwiegen.

Während des Boykotts klingelte es das erste Mal im Kasten, die Alte Dame traf zum 1:0. Bitterer hätte die Partie für die Gäste kaum starten können. Nach dem wirklichen Anpfiff zum Spiel zeigte die Ostkurve die heutige Choreo: “Sehet die Fahne der alten Dame, fliehet ihr feindlichen Dämonen“. Der Startschuss war gesetzt. Ein solides Bild und ein brachialer Support der Herthaner. Wie so oft, kam es darauf an, lieferten die Fans ab. Oftmals gab es an diesem Ort Fan-Invasionen anderer großer Vereine. Die Ostkurve ist bei jedem dieser besuchten Spiele meinerseits mindestens mal konkurrenzfähig oder sogar besser. Die aktuelle Leistung stimmt, ein Lauf in der Liga und heute auf dem Platz sah es richtig gut aus. Die Angriffe und Abläufe stimmten, die Abwehr der Gäste wurde fast schon überrollt. Die Zuschauer wirkten fasziniert vom Auftritt ihrer Dame. Kurz vor dem Pausentee stand es 3:0, Marlon Ritter gelang noch der Anschluss. Ein kurzes Gefühl von erneuter Spannung bis zur 60. Minute. Hertha drehte wieder auf, die nächsten drei Tore und die Stimmung im Stadion erreichte erneut Höhepunkte. “Einer geht noch, einer geht noch rein” schallte es durch das weite und kalte Rund.

Der Mythos des Pokals lebt weiterhin, schafft es Hertha dieses Jahr bis ins Finale? Ein Traum vieler Herthaner, der sich vielleicht mal ergeben sollte. Der heutige Gast hat es vorgemacht, auch ein aktueller Zweitligist und schlafender Riese kann es verwirklichen. Mit Spannung warten wir auf die Auslosung. Für uns ging es mehr als zufrieden zurück ins Bett. 2 1/2 Stunden später erreichten wir die Heimat, hätte man ein Bezirksliga-Spiel in Lüneburg mit Anpfiff um 20:00 Uhr vor der Haustür gesehen, wären wir allesamt später zu Hause gewesen. DFB-Pokal um 18:00 Uhr, in meinen Augen eine top Anstoßzeit! (tp)

Seoul E-Land FC – Seongnam FC – 0:1

Seoul E-Land FC – Seongnam FC – 0:1

„DANKE FUSSBALLGOTT, KEIN E-LEND IN LIGA 1“

27.11.2025
K League 2 – HF Aufstiegsrelegation
Mok-Dong Stadium
Zuschauer: 2.394

SEOUL – Erst am Vortag erspähte ich im Schnellzug von Seoul nach Ulsan diese offensichtlich sehr kurzfristig angesetzte Partie zwischen dem Dritt- und Viertplatzierten der bereits beendeten Zweitligasaison. So wurde der ursprüngliche Plan, donnerstags weiter nach Pohang zu reisen, um dort die AFC CL 2-Begegnung der Steelers zu sehen, über den Haufen geworfen. Wir buchten spontan den letzten Zug aus Ulsan nach Seoul. Die Entscheidung hatte gleich aus zweierlei Gesichtspunkten Vorteile: Zwar hatten wir in Ulsan bereits eine Unterkunft gebucht, die nicht stornierbar war, jedoch hielt sich der Verlust in Grenzen, da Unterkünfte in Südkorea zumindest in unserem Reisezeitraum generell sehr günstig sind. Selbst in guten Lagen oder auch in Airportnähe findet man brauchbare Zimmer für unter 15 € p.P./Nacht. Außerdem war die Busfahrt nach dem Spiel aus Pohang zum Incheon Airport nicht online buchbar, was zu weiterem Nervenkitzel geführt hätte, ob wir unseren Abflug am Freitagmorgen überhaupt erreichen würden.

Ein weiterer Vorteil war zudem, dass wir so noch einen Tagesausflug in die DMZ machen konnten. Dieser 4 km breite Grenzstreifen zwischen den offiziell noch im Krieg befindlichen Ländern Nord- und Südkorea ist mit 25 € nicht nur bezahlbar, sondern auch absolut empfehlenswert.

Der Seoul E-Land FC wurde erst 2014 von einem liquiden Unternehmerverbund gegründet und bereits im Folgejahr in Liga zwei eingegliedert, ohne eine sportliche Qualifikation durchlaufen zu müssen. Tatsächlich hat sich in den 10 Jahren seit der Gründung eine kleine Fanbase entwickelt, und so fanden sich hinter einem der Tore ca. 150 Menschen ein, die einen sehr südamerikanisch geprägten Supportstil pflegten. Generell ist nach sechs gesehenen Kurven mein Eindruck, dass Lateinamerika als Vorbild dient, was sich sowohl in der Beflagung, den typischen Handbewegungen als auch im durchaus melodischen Liedgut, begleitet durch entsprechende Trommeln, widerspiegelt. Ansonsten war der Heimbereich eher mau besucht, was den Plastikverein aber nicht davon abhielt, einen absolut nervigen Animateur inklusive vier leicht bekleideter Damen mit Mikrophonanlage auf der Gegengerade zu platzieren, um das Publikum durch ununterbrochene Beschallung zum Klatschen zu motivieren. Fußball, wie ihn wirklich niemand braucht.

Den Seongnam FC kann man getrost als das komplette Gegenteil zum Heimverein bezeichnen. Bereits auf dem Briefkopf findet man sechs Meisterschaften, und auch in der Gästekurve war das Bild ein komplett anderes. Ca. 1.500 Schlachtenbummler versammelten sich hier und machten das Spiel über 90 Minuten mit einem grandiosen Support für uns sehr unterhaltsam und die Temperaturen um den Gefrierpunkt aushaltbar. In der 83. Minute gab es dann die komplette Eskalation, als ein Gästespieler nach einer perfekt getimten Flanke zum 0:1 einnicken konnte und wir den Torpogo des Jahres bestaunen durften.

Die Relegation wird in Korea in vier Spielen ausgetragen. Das Halbfinale spielt Platz 3 gegen Platz 4 der Abschlusstabelle, wobei dem Heimverein ein Unentschieden gereicht hätte, um das Finale zu erreichen. So darf nun Seongnam weiter hoffen, ist aber am Sonntag beim Bucheon FC zum Siegen verdammt. Auch dann ist man jedoch noch nicht aufgestiegen, das eigentliche Finale steigt dann gegen den Vorletzten der ersten Liga mit Hin- und Rückspiel. Unsere Daumen sind gedrückt.
Ergänzend ist noch zu erwähnen, dass auch der Zweitplatzierte in die Relegation muss und gegen den Drittletzten ais Liga 1 antritt.

Generell haben wir die Stadionbesuche in Südkorea als entspannt empfunden. Keine großen Sicherheitskontrollen, wobei man sogar Rucksäcke problemlos mit ins Stadion nehmen kann. Bei allen Spielen gibt es eine Tageskasse, und der Romantiker erhält ein Hardticket. Auch die Fraktion Untappd kommt auf ihre Kosten. Einzig und allein die Zuschauerzahlen waren etwas enttäuschend. Bei der Begegnung in Ulsan gegen Buriram fanden sich lediglich 2.500 Zuschauer im WM-Stadion ein, der übliche Schnitt liegt bei 18.000. Hintergrund ist, dass die AFC Champions League einen nicht ganz so großen Stellenwert besitzt, die Gegner aus Ostasien häufig uninteressant sind und der Südkoreaner seinen Fußball lieber an Samstag- oder Sonntagnachmittagen gegen den bekannten Rivalen bei Sonnenschein konsumiert.

Da es auch uns langsam zu kalt wird, freuen wir uns jetzt auf einen Temperaturunterschied von 30 Grad: Next Stop, Südostasien. (CvS)

FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

FC Rot-Weiß Erfurt – FC Carl Zeiss Jena – 3:1

„JA, IST DENN HEUTE SCHON WEIHNACHTEN?“

28.11.2025
Regionalliga Nordost
Steigerwaldstadion
Zuschauer: 15.040

ERFURT – Es ist schon sinnvoll, sich so manches Stadion für ein besonderes Spiel aufzuheben. Nach Erfurt verschlug es mich schon einige Male, aber bisher wurde nur in der Stadt flaniert und genächtigt. Das Thüringen-Derby an einem Freitag um 20:20 Uhr und vor Ort noch über den berühmten Weihnachtsmarkt spazieren? Diesmal war das Eis gebrochen! Doch keiner wollte mitreisen. Alle waren schon mal da gewesen. Ganz klarer Plan also: Rein in den Zug und mit dem Deutschland-Ticket einmal quer durch das Land! Genächtigt wurde witzigerweise nicht in der Stadt. Während in Erfurt zur Vor-Weihnachtszeit keine Bude für unter 200€ zu kriegen war, reichten in Weimar 15 Münzen aus um ein warmes Bett zu bekommen.

Dank der gesperrten Strecke nach Berlin, beträgt die Reisezeit per Bahn von Schwechheim nach Erfurt aktuell schlanke 7 Stunden. Doch die Städte, in denen man Station macht und Umstiegszeiten von immer etwas mehr als 20 Minuten, machen die Reise erträglich. Da die Bahn sich diesmal an ihre Ankunftszeiten hielt, blieb vor dem Spiel noch genug Zeit für den Weihnachtsmarktbesuch. Erfurt wird hier seinem Ruf mehr als gerecht: Eine tolle Stadt zur Adventszeit! In der ausgedehnten Innenstadt ist genug Platz für alle, überall duftet und weihnachtet es und vor dem Dom baut sich schließlich ein Markt auf, der mit einer historischen Kulisse punktet und keine Wünsche offenlässt.

Positiv auch die Straßenbahnverbindung, die den Glühwein- und Lebkuchenkonsument in nur etwa 15 Minuten zum Stadion kutschiert. Obwohl das Steigerwaldstadion in dieser Saison eine Rekordkulisse erwartete, konnten 25 Minuten vor dem Anpfiff keine Einlassschlangen ausgemacht werden. Hinein ging es mit der „sichtbehinderten“ Karte, mit der man in der ersten Reihe wirklich gegen eine Betonwand und einen engmaschigen Zaun starrt. Irgendwo ist immer ein Plätzchen frei und so war es auch diesmal, so dass von weiter oben perfekte Sicht auf das Geschehen genossen wurde.

Die ersten 12 Minuten hätte man auch gegen die Betonwand starren können. Die Fußballer taten sich schwer und die Fans schwiegen im Steigerwaldstadion, dank der nahenden „Innenministerkonferenz“. (Bei dem Begriff sträuben sich die Nackenhaare). Nach 12 Minuten und 12 Sekunden ging das Derby langsam los. Zuerst startete Erfurt – und zwar auf den Rängen. Hinter dem Banner mit der Aufforderung an den thüringischen Innenminister, den Populismus in der Fußball-Frage zu stoppen, lugte schon sowas wie eine Choreo hervor. Und die Choreo kam. Was für eine! „Ausnahmezustand“ stand auf einer Stoffbahn. Nachdem rote Rauchtöpfe den Ausnahmezustand farblich untermalten, wurde kurze Zeit später das Silvesterfest um 33 Tage vorverlegt und es knallte minutenlang über dem dunklen Steigerwald. Ein ganz starkes Kurvenbild!

Und es sah so aus, als wenn der Auftritt die Mannschaft beflügelte. Nachdem Jena zu immer mehr Spielanteilen kam, konterte sich Erfurt nach einer halben Stunde zum 1:0. Oder besser gesagt: Der Spieler mit der Nummer 11 besorgte im Alleingang das 1:0. Drei Mann ließ Stanislav Fehler aussteigen und schob am Ende lässig zur Führung ein. Ganz klar: Diesen Abend in Erfurt zu verbringen, war gewiss kein Fehler! Nur Minuten später folgte das 2:0, ebenfalls nach einer schnellen Umschaltaktion. Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Das Derby war endlich durchgestartet und wenig später ging es auch schon wieder in die Kabine. Die Erfurter Szene feierte Silvester und Weihnachten an einem Tag – und das am 46. Geburtstag von Coach Fabian Gerber.

In der Halbzeit wurde ordentlich Bewegung im Gästeblock registriert. Mit Flatterband markierte Jena verschiedene Sektoren und ließ eine Blockfahne von oben herab. Mit dem Wiederanpfiff raschelte es minutenlang im Block, bis das Bildnis zur Seite gezogen wurde und sich die Szene in blau-gelb-weißen Ponchos präsentierte. Auch hier wieder ein starkes Motiv, unterstrichen von dem Spruch: „Diese Schlacht gewinnen wir“. Der Zeitpunkt der Choreo war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Denn mit der Vollendung des Auftritts fiel das 3:0. Romarjo Hajrulla, der nach dem Schlusspfiff einen Platzverweis kassierte, weil er den Torwart-Trainer von Jena umnietete, drosch einen weiteren Vorstoß trocken zur vermeintlichen Vorentscheidung in die Maschen. Schweigen im Gästeblock.

Spätestens zu dem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass „der RWE“ das Derby zieht und zwar in allen Belangen. 10 Minuten später klingelte es im Erfurter Kasten nach einem sehenswerten Freistoß. Immerhin konnte man nochmal Jubel aus dem Auswärtsblock vernehmen. Erfurt spielte den Vorsprung danach ziemlich souverän runter und beschenkte sich selbst damit, dass der große Rivale im Aufstiegskampf nicht davonzog. Bei all dem Derby-Ausnahmezustand durfte man nämlich nicht vergessen, dass der Tabellendritte den Zweiten empfing und Erfurt den Vorsprung Jenas auf nun 4 Punkte verkürzen konnte. Ein echtes 6-Punktespiel also, aber ein Sieg im Thüringen-Derby lässt die Tabelle für einen Moment vergessen. (mm)

Ümraniyespor – Bodrum Belediyesi Bodrumspor – 1:0

„BILETINIAL PROBLEME ÜBER DEN DÄCHERN VON ISTANBUL“

23.11.2025
Ümraniye Belediyesi Şehir Stadyumu

1. Lig
Zuschauer: 500

    ISTANBUL — Der letzte Tag der Istanbul Tour begann mit einer kleinen Weltreise durch Istanbul. Mit der Fähre und mehreren Bussen brauchten wir knapp zwei Stunden von unserer Unterkunft am Galata Kulesi bis nach Ümraniye, und wir waren bei weitem noch nicht am Ende von Istanbul.
    Am Stadion angekommen trafen wir auf zwei weitere Deutsche, die versuchten, Karten für das Spiel zu bekommen. Normalerweise würde man mit der Passo App ganz entspannt Tickets für ein Spiel in der zweiten Liga bekommen, aber nicht bei Ümraniyespor. Denn seit kurzer Zeit müssen die Zweitligisten ihre Karten nicht mehr über Passo verkaufen, sondern können dies auch auf anderen Wegen tun. Die Karten müssen jedoch über ein Portal verkauft werden, bei dem man sich mit seinem Pass registrieren und den Account per SMS aktivieren muss. Nur kommt bei Biletinial eben nicht immer eine SMS an. Der eine Deutsche bekam einfach keine SMS zur Aktivierung und durfte deswegen tatsächlich nicht ins Stadion. Von den Ordnern und Verkäufern gibt es auch kein Mitleid. Entweder man hat bei Biletinial einen gültigen Account, oder man muss draußen bleiben. Für die Groundhopper heißt das scheußliche Duo in der Türkei also seit neuestem Passo und Biletinial.
    Wir hatten glücklicherweise gute Kontakte zum Verein und ersparten uns diesen Mist.

    Wir kamen wie alle Nicht VIPs auf die Hintertortribüne, wo sich die Ultras rechts neben uns formierten. Der Support ging rund 20 Minuten vor Anpfiff los und wurde nur für die Hymne unterbrochen. Viele jüngere Türken standen im Block und machten mit. Wer nicht ordentlich mitmachte, wurde vom Capo höchstpersönlich entfernt. Zucht und Ordnung bei Ümraniyespor!
    Auf dem Rasen wurde in den ersten 24 Minuten ebenfalls ordentlich aufgeräumt, denn sowohl bei Ümraniyespor als auch bei Bodrum musste einer duschen gehen. Zwei rote Karten nach 24 Minuten hatte ich auch noch nie. Auf ein Tor mussten wir bis zur 69. Minute warten. Der Gastgeber konnte quasi aus dem Nichts treffen und brachte dieses eine Tor über die Zeit. Warum Bodrum vor dem Spieltag Zweiter war, ist mir schleierhaft. Von denen kam gar nichts. Für Ümraniyespor waren die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt Gold wert. Nach dem Spiel wurde noch ein Foto mit der Mannschaft und den Fans gemacht. Möglicherweise sieht man mich als Fotograf von oben.

    Das Highlight vor Ort ist natürlich die Lage des Stadions. Von der Hintertortribüne kann man die Skyline von Istanbul sehen und die anatolische Seite in ihrer vollen Pracht bestaunen. Viel mehr Panorama geht beim Fußball in Istanbul wahrscheinlich nicht.

    Der ursprüngliche Plan war, nach dem Spiel eigentlich noch zu Besiktas zu fahren, aber dort ist es nicht möglich, seinen Rucksack abzugeben. Ohne Rucksack hätten wir jedoch nicht zum Stadion fahren können, da unser Flieger um 21:55 Uhr Ortszeit abhob. Bei einem Anstoß um 17 Uhr und einem Ende kurz nach 19 Uhr ist die Zeit für einen Umweg leider nicht drin.
    Deswegen fuhren wir nicht zu Besiktas, sondern stiegen ins Taxi, um noch etwas Leckeres zu essen. Unser Taxifahrer war tatsächlich bis vor dieser Saison noch Stadionsprecher bei Ümraniyespor und zeigte uns stolz seine Fotos aus der Zeit in der Super Lig. Zufälle gibt es!
    Er lieferte uns in Kadiköy ab und dort fanden wir schnell einen Laden mit viel Fleisch. Die Grillteller wurden serviert und es war einfach nur köstlich! Ein gelungener Abschluss einer schönen Tour am Bosporus.
    Trotzdem muss man sagen, dass die Ticketbeschaffung einem die Nerven raubt. So gerne ich auch in der Türkei bin und zum Fußball gehe, aber diese Umstände sind einfach bescheiden. (mb)

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    Galatasaray SK – Gençlerbirliği SK – 3:2

    „PASSO-WAHNSINN AM BOSPORUS“

    22.11.2025
    RAMS Park
    Süper Lig
    Zuschauer: 44.556

    ISTANBUL — Mein Vater und ich machen jedes Jahr eine Vater- und Sohn-Tour mit Fußball, Sightseeing und ein paar leckeren Kaltgetränken. Dieses Jahr lockte uns Pegasus mit super Flugzeiten und einem fantastischen Preis von 85 Euro für Hin und Rückflug in die Türkei. Freitagmorgen landeten wir pünktlich um 05:55 Uhr in Istanbul, fuhren in die Stadt und gönnten uns erst einmal mit einem anderen Redakteur ein leckeres türkisches Frühstück. Im weiteren Verlauf des Tages besuchten wir noch ein paar Arbeitskollegen und inhalierten den einen oder anderen Raki sowie ein paar Efes auf einer Bootstour.

    Am Samstagabend sollte dann das Hauptspiel unserer Tour stattfinden: das Heimspiel von Galatasaray mit den Stars um Icardi, Sané und Gündoğan. Um Zutritt zu einem Süper-Lig-Spiel zu haben, muss man die Hürde „Passo“ meistern. Und hier wurde es dann tatsächlich mal wieder anstrengend. Drei Tage vorher kamen die Tickets in den Verkauf und natürlich konnten nur Personen mit dem Galatasaray-Logo auf ihrer Passo-Tickets kaufen. Mein Vater und ich hatten aber nur eine neutrale Passo, damit wir auch weitere Spiele besuchen können. Daher bin ich beim ersten Versuch der Beschaffung gescheitert, denn auch eine neutrale Karte kann man nicht umwandeln. Somit hieß es, schnellstmöglich zwei neue Passo-Karten mit dem Galatasaray-Logo zu besorgen. Über zwei Handys kaufte ich zeitgleich die Karten und kehrte in den Ticketshop zurück.

    Nächste Hürde: Pro Account kann nur eine Karte gekauft werden. Also blätterte ich auf beiden Handys hin und her und suchte einen Block, in dem ich zwei Plätze nebeneinander beziehungsweise übereinander fand. In Kategorie 7 von 11 wurde ich fündig und wählte parallel jeweils eine Karte aus. Eine kaufte ich mit meiner Mastercard, die andere mit der Visacard. Ein paar Minuten später waren die Karten im Warenkorb und wir waren pro Karte 102 Euro ärmer. Mir schlotterten nach dem Kauf die Knie und ich brauchte erst einmal etwas zu trinken.

    Mit der Bestellbestätigung und unseren Reisepässen ging es dann zur Kasse, und dort erhielten wir problemlos unsere Zugangsberechtigung. Da wir uns bei den hohen Kosten die volle Gala-Experience gönnen wollten, holten wir uns vorher für einen Zehner noch ein Trikot auf dem Basar und wurden auch im offiziellen GS-Shop fündig. Für uns gab es je ein T-Shirt für 11,50 Euro und für einen geschätzten Kollegen besorgte ich noch das neue Legendentrikot. Dieses ist so beliebt, dass Gala in den ersten vier Tagen schon mehr als drei Millionen Euro damit eingenommen hat!

    Mit den hohen Ticketpreisen und der ganzen Euphorie der fanatischen Fans kann man das Star-Ensemble gut bezahlen. Im Stadion liefen wir dann natürlich auch einem weiteren Deutschen in die Arme, der uns bestätigte, dass die Tickets bei Gala immer so teuer sind. Für Champions-League-Spiele gegen St. Gilloise oder Bødo Glimt muss man hier für ein normales Ticket auch mal umgerechnet 300 Tacken auf den Tisch legen.

    Nun fragt man sich natürlich, ob es sich lohnt, für 100 Euro ein Fußballspiel in der Türkei zu sehen. Ich kann dies definitiv mit „Ja“ beantworten, denn was hier auf den Rängen abging, war absolut krass.
    Zum Anpfiff erhob sich das komplette Stadion und blieb stehen. Über 90 Minuten stand das gesamte Stadion und feuerte ihre Elf lautstark an. Wenn der Gegner am Ball war, gab es jedes Mal ein Pfeifkonzert, das immer lauter wurde, je länger der Gegner am Ball blieb. Nach 22 Minuten waren jedoch alle Heimfans schockiert, denn Gençlerbirliği konnte in Führung gehen. Das Stadion war aber nur gut drei Minuten leise, denn kurz nachdem die ersten Spieler des Gastes den sterbenden Schwan spielten, war die Stimmung wieder voll da. Insgesamt acht verschiedene Spieler von Gençlerbirliği lagen in der ersten Hälfte am Boden. Was für eine Heuchlertruppe! Zur Pause musste sich jedoch etwas ändern. Ilkay Gündoğan kam rein und Gala wirkte wie ausgewechselt. Direkt zu Beginn der zweiten Hälfte drehte Gala das Spiel in wenigen Minuten und das Dach flog weg. Alter Falter, war das laut! Das Stadion bebte und nachdem ein Schauspieler der Gäste frühzeitig vom Platz musste, war eigentlich alles klar.

    Trotz Überzahl mussten alle Gala-Fans noch zittern, da Gençlerbirliği noch einmal rankam und bei Sané und co die Knie schlotterten. Der Kollege neben uns musste frühzeitig raus, da er es nicht mehr aushielt. Er war nervlich völlig am Ende. 124 Minuten nach Anpfiff konnten alle Heimfans durchatmen: Die drei Punkte blieben im RAMS Park!

    Wir gingen entspannt aus dem Stadion, bekamen sofort die erste Metro und waren keine 40 Minuten später schon in einer Bar am Hotel, wo wir uns noch zwei leckere Efes auf den gelungenen Abend gönnten.

    Es war unglaublich anzuschauen, wie spielbezogen der Support der Fans ist. Hier leidet jeder bei jedem Fehlpass mit und jeder Ballgewinn wird frenetisch gefeiert. Das 3:2 war für alle Fans eine Achterbahn der Gefühle. Vom totalen Tiefpunkt bis zum tollsten Tag ihres Lebens war in 90 Minuten alles dabei. Mega!

    Nach diesem tollen Abend waren auch alle Passo-Probleme bei uns vergessen. Wahrscheinlich gehört dieses Leiden um die Zugangsberechtigung in der Türkei für uns Ausländer einfach dazu. Die Fans leiden mit ihrer Mannschaft und wir Ausländer leiden am Handy an der Passo-App. (mb)

    Calcio Lecco – AS Cittadella – 0:1

    Calcio Lecco – AS Cittadella – 0:1

    “JEDE FEHLENDE STUNDE SCHLAF ZAHLT SICH AUS”

    23.11.2025
    Stadio Rigamonti Ceppi
    Serie C Girone A
    Zuschauer: 2.383

    LECCO – Wieder einmal wurde eine Reise zum Auswärtsspiel des eigenen Vereins inklusive Tour geplant. Das Programm drumherum wurde nochmal überdacht und am Ende des Tages zahlte es sich vollkommen aus. Ein Spiel in der Bundesliga im südlichen Raum ist perfekt für einen Sonntag in Italien. Das fahrende grüne Hotel brachte mich von München nach Mailand binnen sieben Stunden. Die Auswahl an Spielen ist in diesem Land so gut wie immer enorm hoch. Zufälligerweise stand der Besuch beim Mailänder Stadtderby zur Debatte, bei Ticketpreisen um die 180€ strich ich diese Option schnell von meiner Agenda. Hinterher mit dem Drama um das Banner der “Sodalizio” die richtige Entscheidung. Dann folgte die Terminierung der Serie C und diese Liga beschenkte mich mit einem Heimspiel am Abend vor den Toren Mailands. Perfekt, dieser Verein stand sowieso schon lange auf meiner Liste, sei es wegen des Schwärmen meines Redaktionskollegiums oder aufgrund der tollen Lage der Stadt.

    Mit meinem Vorspiel in Novara, einem weiteren Drittligisten und ehemaligen großen Club aus Italien traf ich die richtige Wahl. Wer Näheres über diesen Verein erfahren möchte, empfehle ich den Bericht vom Kollegen (hr) aus Novara. Mega Geschichte, um einen am Boden liegenden Traditionsverein. Zu früher Nachmittagsstunde trat ich also den Weg von Novara nach Lecco an, vorm Spiel wollte ich noch dem Tipp meines Kollegen nachgehen. “Pizzeria del Corso”. Herrlich, für den Norden Italiens eine hervorragende Pizza mit dünnem Teig. Die Empfehlung gebe ich gerne und mit ruhigem Gewissen weiter. Die Stadt Lecco glänzte mit einer phänomenalen Aussicht auf Wasser und Berge, selbst in der Dunkelheit versprach ich mir nicht zu viel. In den Lokalen um das Stadion herum tummeln sich die Ultras der Stadt. 45 Ospitis aus Cittadella nahmen die rund 2 1/2H Fahrt auf sich und folgten ihrem Verein. Eine herrliche Atmosphäre!

    Zum Start des Spiels zeigte eine kleine Gruppe auf der Gegengerade ein Banner, dieses kritisierte die Anstoßzeit um 20:30 Uhr an einem Sonntag. Aus meiner Sicht finde ich gerade diese Spiele geil, aber klar aus Fansicht ist es nunmal der größte Schrott. Der aktuelle Zweitplatzierte dominierte das Spiel, es gelang aber nicht ein Tor zu erzielen. Der Einsatz stimmte auf dem Platz und die Kurve brachte mein Knie zum mitschwingen. Ein herrlicher sympathischer Auftritt italienischer Ultras. So muss es sein, da vergisst der Mensch schnell, dass er bei Temperaturen um die 2 Grad eigentlich frieren müsste. Nein, die Begeisterung siegt. Wieder einmal jeder Kilometer, Verzicht auf Schlaf oder aufs eigene Bett wurde nicht bereut. “Lecco Mio” – Die Sympathie ist gesichert.

    Über das ganze Spiel vergaben die Gastgeber Chancen, kurz vorm Ende des Spiels passierte das, was in solchen Spielen immer geschieht. Heutzutage VAR-Einsatz und die Überprüfung eines möglichen Elfmeters für die Gäste. Ein paar Minuten später läuft der Schütze an und trifft ins Eck. Die Gäste führten und wussten wahrscheinlich genauso wenig wie ich, was hier gerade abgeht. Führung! In den letzten Minuten sollte der Ausgleich auch nicht mehr fallen, die Gäste gewannen drei Punkte und sicherten sich somit den Anschluss an die obere Tabellenregion. Für mich kam der Startschuss in die Unterkunft, der beliebte Rückflug aus Italien in die heimischen Gefilde stand an. Zum Glück, vergeht nicht so viel Zeit bis zum nächsten Aufenthalt im Stiefel. (tp)

    FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

    FC Augsburg – Hamburger SV – 1:0

    “IN DEN FARBEN GETRENNT – IN DER SACHE VEREINT”

    22.11.2025
    Bundesliga
    WWK Arena
    Zuschauer: 30.660

    AUGSBURG – Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr führte mich der Weg in die Fuggerstadt am Lech. Nachdem im Mai das schöne Rosenaustadion, die alte Heimat des FC Augsburg, besucht worden war, ging es nun zum fünften Mal in den „Baumarkt“ des FCA. Jedes Mal handelte es sich um das Spiel FC Augsburg – HSV, und nur einmal gelang dem Gast ein Auswärtssieg. Der letzte Besuch lag fast acht Jahre zurück, als der FCA mit 1:0 gewann. Besonders im Fokus stand damals die Fahne der HSV-Ultras „Clique du Nord“, die von Augsburger Fans entwendet, aber wieder zurückerobert werden konnte.

    Heute jedoch galt – wie bereits bei der Fandemo in Leipzig, bei der Fanvertreter aus dem ganzen Land auf die Straße gegangen waren – das Motto:
    Getrennt in den Farben – der Sache vereint.
    Denn auf der Innenministerkonferenz sollen womöglich schwerwiegende Veränderungen beschlossen werden. Dazu zählen unter anderem personalisierte Tickets oder Stadionverbote auf Verdacht – Maßnahmen, die das Ende der deutschen Fankultur bedeuten würden. Mehr Informationen gibt es unter: derfußballistsicher.de

    Aus diesem Grund wurden erneut diverse Aktionen durchgeführt. Rund um die WWK-Arena waren Spruchbänder wie „POPULISMUS STOPPEN“ zu sehen. Im Stadion gab es weitere Spruchbanner. Außerdem schwiegen die Fans in den ersten zwölf Minuten des Spiels und verzichteten auf den Einsatz von Fahnen. Nach Ablauf der zwölf Minuten wurde losgelegt – Fankultur, wie sie sein sollte: laut, bunt und voller Tifo.

    Dannach folgte ein gemeinsamer Wechselgesang: „SCHEISS IMK“ schallte durch das Rund. Kurze Zeit später brannte der Gästeblock, und es wurden rote Fackeln sowie blauer Rauch gezündet.

    Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Der FC Augsburg ist immer noch der freundliche Verein aus Bayern, der die Gäste in seiner Hymne willkommen heißt. „Rot, Grün, Weiß“ ist in meinen Augen eine der schönsten Hymnen des deutschen Fußballs.
    Auch beim Endergebnis gab es keine Überraschung: Am Ende stand – wie schon im Januar 2018 – ein 1:0 auf der Anzeigetafel. Ein insgesamt verdienter Heimsieg in einem sehr schwachen Fußballspiel. Besonders der Gast aus Hamburg präsentierte sich äußerst harmlos.

    Der Sieg der Augsburger sichert dem wackelnden Trainer Sandro Wagner vorerst den Job. Man darf gespannt sein, ob sich der FCA nun stabilisieren kann.
    (fj)

    FK Iskra Danilovgrad – FK KOM Podgorica

    Moin und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe DER BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (74).
    Aus der Rubrik Oldschool haben wir heute das Stadion Braća Velašević in Danilovgrad. Hier trägt der Zweitligist FK Iskra Danilovgrad seine Heimspiele aus.
    Die Haupttribüne ist komplett erneuert worden, während die Gegengerade schön vor sich hin gammelt.
    Von der Haupttribüne hat man einen super Panoramablick.
    Getränke und Snacks gibt es in einem kleinen Kiosk um die Ecke.
    Der Verein wurde 1919 gegründet. 2015 gewann man die Zweitligameisterschaft, und sogar international war man vertreten. In der Saison 2020/21 spielte man in der UEFA Europa League, wo man die Vorqualifikation gewann, aber in der ersten Qualifikationsrunde dann Plovdiv unterlag.
    Auch in der Saison 2022/23 scheiterte man in der ersten Qualifikationsrunde der Conference League.
    Ein Besuch dort lohnt sich definitiv.
    Der Landbote wünscht euch allen ein schönes Wochenende beim Fußball.


    10.09.2025
    Stadion Braća Velašević.
    FK Iskra Danilovgrad – FK KOM Podgorica

    NK Rudar Velenje – NK Tabor Sežana – 5:1

    NK Rudar Velenje – NK Tabor Sežana – 5:1

    “SLOWENIEN – WIEDERSEHEN MACHT FREUDE”

    16.11.2025
    Štadion Ob Jezeru

    2. SNL
    Zuschauer: 160

      VELENJE – Endlich wieder Länderspielpause, na, ich weiß ja nicht. Wie schon in der BBW in der letzten Woche, ist es Fluch und Segen zugleich. Ziel an diesem Wochenende sollte die Metropole Wien sein oder anders gesagt nur der Airport als Zielflughafen. Mit Flug Nummer 50 im Jahr 2025 startete das Abenteuer mit der unbeliebten Airline Eurowings. Da fliege ich persönlich lieber mit “Billigairlines”, da weiß ich was ich bekomme und wenn es schiefgeht, habe ich immerhin wenig bezahlt. Nach der Landung sackten wir das Auto schnell ein und weiter ging die Reise. Der ursprüngliche Plan wurde halbwegs durchgeführt und bot uns die Möglichkeit, das wunderschöne Stadion in Csepel zu kreuzen. Wahnsinn, gleichzeitig werden die “Gammelbuden” in Europa weniger. Dieses Stadion zählt definitiv dazu.

      Ungarn, ich sag es ungern sollte eigentlich noch einen Bericht in dieser Woche bei uns füllen. Das Nationalmannschaftsspiel zwischen dem Orbán-Staat und Irland im Nationalstadion stand zuerst auf unserer Agenda. Schwieriger als gedacht! Probleme in der Beschaffung der Tickets, eine sehr gute Ausgangslage, da sich der Gewinner für die Playoffs qualifiziert und eine zu große Reisegruppe, um es einfach mal so vor Ort zu probieren. Na gut, umplanen und Spontanität ist des Groundhoppers (hoffentlich) größte Tugend. Slowenien wurde in diesem Jahr noch nicht besucht, galt daher aus dieser Sicht immerhin als lukrative Alternative.

      Ich liebe ja Orte, an denen man ohne Fußball wahrscheinlich nie sein würde. Velenje ist tatsächlich keiner davon, bei der Anreise durch die Stadt fiel es mir allerdings erst auf. Im letzten Jahr auf einer Balkan-Tour mit Kollege (fj) nächtigte man in einem Hotel in dieser schönen Stadt. Hier bekommt das Sprichwort “Man sieht sich immer zweimal im Leben” eine neue Bedeutung. Das Stadion am See war mir damals nicht unbedingt aufgefallen, sollte es eben heute der Star des Tages sein. Der Verein, ein ehemaliger Pokalsieger und Erstligist aus Slowenien, gleicht heutzutage eher einen grauen Maus. Spiele in europäischen Wettbewerben gegen den 1. FC Köln, Tottenham oder Roter Stern zählen heute zur Vergangenheit. Weniger Zuschauer, eine Fanszene, die sich wohl unter den schlafenden “Riesen” einreiht. Aber gut, bei acht Euro Eintritt zu einem Zweitligaspiel wohl kein Wunder. Da lässt sich der Jugendliche nicht von der Couch oder im Sommer vom See locken. Schade!

      Die Mannen auf dem Platz stellten schnell die Verhältnisse klar, der souveräne Sieg im schönen Stadion war ansehnlich. Das Verhalten der Ordner dagegen ein wenig übertrieben, eine Stadionrunde wurde leider untersagt. Dann ging es eben in der Halbzeit fix aus dem Stadion, um die Haupttribüne mit dem Bergpanorama abzulichten. Passend zum Sonntag in Deutschland, genauer gesagt in Leipzig, kämpfen auch Groundhopper immer mehr für ihre eigenen Freiheiten beim Ausüben ihres “Hobbys”. In meiner persönlichen Bilanz ziehen Stadion, in denen man sich nicht frei bewegen kann, einen Punktabzug.

      Nach dem Kick kam das eigentliche Highlight des Tages: “Gostilna Amerika” in Celje. Wahnsinn! Eine Fleischplatte für drei Personen, das Bild spricht Bände. Ab nach Slowenien, ein sehr unterschätztes Land mit mega Landschaften. Mit dem mehr als gefüllten Magen ging es zurück nach Vienna. Die Länderspielpause mal wieder überlebt, am nächsten Wochenende geht’s weiter. (tp)

      SV Hohenlimburg – FC Borussia Dröschede – 3:2

      SV Hohenlimburg – FC Borussia Dröschede – 3:2

      „IM RUHRGEBIET SCHELLT DAS TELEFON“

      16.11.2025
      Landesliga Westfalen 2
      Erich-Berlet-Stadion
      Zuschauer: ca. 160

      HAGEN – In einem Hotel in Essen aufgewacht, rief ich beim Verein VfB Lohberg an, um nachzufragen, ob wirklich in der Dorotheen-Kampfbahn gespielt wird. Die Antwort „könnte sein, dass es nicht im Stadion stattfindet“ überzeugte mich jedoch nicht, weshalb ein Alternativprogramm hermusste.

      Somit entdeckte ich über die Matchkalender-App ein Spiel im Erich-Berlet-Stadion in Hohenlimburg. Im Gegensatz zum Heimverein hatte der Gast einen soliden Social-Media-Auftritt und den Rasenplatz als Spielort angekündigt. Da sich das Spiel zudem mit dem Nebenplatz kombinieren ließ, stand der Plan fest.

      Nach einer Bahnfahrt durch das Ruhrgebiet erreichte ich Hohenlimburg frühzeitig. Ich spazierte durch die Innenstadt und am Wildwasserpark vorbei zum Stadion. Dort fragte ich sicherheitshalber noch einmal den Trainer der zweiten Herrenmannschaft, ob das Spiel der Ersten wirklich im Stadion stattfinden würde. Er bestätigte, dass trotz Regens auf dem Rasenplatz gespielt wird.

      Die 90 Minuten vergingen wie im Flug, und pünktlich nach Abpfiff ging es hinüber zum Hauptplatz, wo kurz darauf der nächste Anpfiff ertönte.

      Das Stadion, das 1976 eröffnet wurde, sorgte damals für Schlagzeilen, da es rund 16 Millionen Mark gekostet haben soll. Vieles verlief anders als geplant: Ursprünglich sollten hier 15.000 Personen Platz finden, tatsächlich fasst das Stadion aber lediglich 7.500 Zuschauer. Dennoch gehört es mit seiner überdachten Haupttribüne zu einer echten Stadion-Perle, in der sich bereits internationale Größen wie Slavia Prag oder Celtic Glasgow vorgestellt haben.

      Heute trafen die Kontrahenten SV Hohenlimburg und FC Borussia Dröschede aufeinander. In diesem kleinen Derby ging es hin und her. Zwischenzeitlich erzielte Lennart Merz in der 76. Minute das „Tor des Jahres“ zum 2:2-Ausgleich. Die Antwort folgte jedoch prompt: In der 79. Minute war es Anri Jaiani, der nach schönem Zusammenspiel traf. Das Spiel blieb bis in die lange Nachspielzeit spannend. Dann war es so weit – die „Derbysieger“-Rufe schallten von der Tribüne.

      Großes Lob gilt dem tollen Catering des SV Hohenlimburg: Sucuk im Brötchen ist einfach ein Genuss! (fj)

      SV Hamborn 90 – FSV Duisburg – 1:4

      SV Hamborn 90 – FSV Duisburg – 1:4

      „DUISBURG – DAS HAT BOCK GEMACHT!“

      09.11.2025
      Kreisliga A Duisburg-Mülheim-Dinslaken
      Sportpark Iltisstraße Nordplatz
      Zuschauer: ca. 100

      DUISBURG – Der Vortag wurde unter denkwürdigen Umständen in Bulgarien verbracht. Nach Airportsleeping und Flügen jeweils um 6 Uhr, stand für den Sonntag ein bisschen Erholung auf dem Plan. Und wo könnte man sich besser einer Frischzellenkur unterziehen als in Duisburg? Ehrlich: Ein gemütlicher Hartplatz-Doppler lockte in die Großstadt am Rhein. Davor, danach und zwischendrin gab es ein nettes Rahmenprogramm und einen kleinen Schwenk in die Vergangenheit.

      Vom spartanischen „Terminal 1“ des Flughafens in Sofia ging es in aller Früh nach Dortmund. Kein großer Unterschied zwischen den beiden Städten auf den ersten Blick. Die mobile Situation am DTM ist wirklich unterirdisch und der graue, regnerische Morgen um kurz vor 8 ließ die Perspektive nicht besser werden. Der Shuttle-Bus zum Hbf in Dortmund kostet mittlerweile einen Zehner pro Nase. Kein Wunder, dass an der Bushaltestelle in Dortmund die „Taxi-Mafia“ herumgeistert und Leute mitschnacken will. Kaum zu glauben, aber als ich der Buslenkerin mein D-Ticket unter die Nase hielt und sie tatsächlich 10€ kassieren wollte, fühlte sich das wie im falschen Film an. Also hieß es: Kehrtmachen und im Stechschritt die gut 15 Minuten zu Fuß in die Nachbarstadt Holzwickede, wo die Züge Richtung Hbf fahren. Doch das Ziel hieß eigentlich Duisburg und dort kam ich schließlich auch ohne weitere Zwischenfälle an.

      In der Duisburger Innenstadt musste dringend mal eine Nahrungsmittelaufnahme stattfinden. In der Königstraße öffnete gerade ein Lokal und das kam mir bekannt vor: Im „Café Dobbelstein“ wurde bei der allerersten NRW-Tour vor rund 18 Jahren gefrühstückt und nichts an der Fassade hatte sich geändert. Also rein in den guten Laden, schick war es innen. Was das Frühstück angeht, bin ich eigentlich nicht mehr bereit 15€ für ein Brötchen und ’nen Kaffee zu bezahlen. Aber gut, damals hat man sich was gegönnt und diesmal ebenso. Weiter ging der Tag in Duisburg im „Landschaftspark Nord“, strategisch sowieso gut Richtung Ground gelegen, aber auch für sich genommen eine wirklich gelungene Sehenswürdigkeit. Für alle, die auch nicht für 15€ frühstücken wollen hier die wichtige Info: Der Park kostet keinen Eintritt. Highlight ist definitiv der alte Hochofen im Zentrum der Anlage, auf dem man hochklettern kann und einen ganz wunderbaren Blick auf Duisburg und das Rhein-Ruhrgebiet genießt.

      Das Novembergrau war mittlerweile einem leichten Azurblau gewichen. Wie in einem Roadmovie wurde per E-Scooter endlich das erste Spiel des Tages beim 1.FC Hagenshof in der Kreisliga angesteuert. Eine richtige Grandperle inmitten feinster Nachkriegszeit-Architektur, mit kleiner Tribüne und eigentlich Teil einer 80er-Jahre-Waschbeton-Schule, die allein schon den Besuch wert ist. Das ganze Ensemble dort wirkt wie die Filmszene einer Ruhrpottkomödie mit Ralf Richter und Hilmi Sözer. Aber genau deswegen war man ja nach Duisburg gekommen. Das Spiel bot überdies Spannung, denn die Heimelf holte ein 0:2 auf und verlor in letzter Sekunde doch mit 2:3. Film ab!

      Nun hätte es nach dem Abpfiff auch stur zum nächsten Kick gehen können. Doch irgendwann vor Jahren googlete ich mal die Straßenbaufirma von Nottingham-Jahrhundertfan und DSF-Legende „Ebby“ Kleinrensing und schrieb mir die Adresse in die Handynotizen. Mit fünfminütigem Umweg und ohne große Erwartungen summte der Leihscooter also erstmal nach Alt-Walsum in ein Industriegebiet. Und vor Ort schlabberte die Kinnlade doch gefährlich nah am Boden: Alles war noch fast genauso wie vor etwa 25 Jahren in der legendären Reportage von Peter Trimborn! Damit nicht genug, auf der Mauer saß ein Mann und wartete auf eine Mitfahrgelegenheit. Natürlich blieben ihm meine Fotos nicht verborgen und als wir kurz ins Gespräch kamen, antwortete er sofort: „Ebby, klar, der Fußballfan, kenn ich!“. Klingelschilder und Messingtafeln tragen den Namen der Kleinrensings. Entweder leben seine Eltern dort noch oder es befindet sich zumindest in Familienbesitz.

      Coole Geschichte, dabei folgte das eigentliche Highlight des Tages noch: Der Hartplatz vom SV Hamborn. Und ja: Der Platz ist ein Kleinod! Alleine der Eingangsbereich mit den Graffitis und natürlich der zweiseitige Ausbau, sind schon was Besonderes. Auch in Duisburg ist die Spezies der Ascheplätze mittlerweile eine Rarität. Der Platz nebenan wurde jüngst zum Kunstrasen umgebaut und auch bei Hamborn 90 sammelt man bereits Gelder für eine geplante Umrüstung auf Plastik. An diesem Sonntag war aber alles nochmal ganz klassisch und die Akteure jagten auf dem „roten Rasen“ dem Ball hinterher.

      In derselben Kreisliga wie beim Spiel zuvor empfingen die Hamborner mit dem FSV Duisburg einen „gefallenen Riesen“. Noch vor 2,5 Jahren ging der Gast in der Oberliga Niederhein auf Punktejagd, doch dann legte der Verein aus Marxloh eine endlose Negativserie hin, belegte drei Jahre hintereinander einen Abstiegsplatz und findet sich mittlerweile in der Kreisliga wieder. In dieser Saison sieht es besser aus. Mit vielen bekannten Lokalspielern soll es nun erneut nach vorne gehen. Das bestätigt aktuell auch der erste Platz im Klassement. Bestes Beispiel ist Haluk Türkeri, einst Zweitliga-Kicker beim VfL Bochum und nun auf dem Ascheplatz in der Iltisstraße unterwegs. In Hamborn lag der FSV zunächst zurück, konnte den Spieß in einem flotten Spiel aber wie ganz selbstverständlich umdrehen. Respekt, wie es auf dem sprichwörtlichen Hartplatz zur Sache ging. Bis auf das ein oder andere Lamento blieb das Spiel in einem fairen Rahmen und technisch durfte man bisweilen sogar mit der Zunge schnalzen.

      Was für’n schöner Tach im Pott! Alles was nach dem Spiel noch auf dem Programm stand, war die Hauptmahlzeit des Tages. Da beim SVH neben frittierten Kartoffelstäbchen nur Sesamkringel angeboten wurden, fiel die Wahl auf einen schmackhaften „Taxiteller“ in Bahnhofsnähe. Heute ein König! Fehlte nur noch das „KöPi“, mit dem die deutsch-griechische Mahlzeit heruntergespült wurde. Duisburg – das hat Bock gemacht! (mm)

      VfB Homberg – Rot-Weiß Oberhausen – 1:2

      VfB Homberg – Rot-Weiß Oberhausen – 1:2

      “WER HAT AN DER UHR GEDREHT”

      15.11.2025
      Niederrheinpokal
      PCC-Stadion
      Zuschauer: 2.000

      DUISBURG – Länderspielpausen sind einfach nervig. Das hat sich damals vermutlich auch Ebby Kleinrensing aus Duisburg gedacht, als er nicht auf die Insel reisen konnte, um sein geliebtes Nottingham Forest in der Premier League zu sehen. Ob er sich dann die Länderspiele vor dem TV angeschaut hat oder stattdessen den Amateurfußball vor der eigenen Haustür verfolgte, bleibt offen.

      Ich persönlich habe mich spontan für eine Reise ins Ruhrgebiet entschieden.
      Eigentlich sollte es zum Pokalspiel FC Büderich – Wuppertaler SV (1:0) gehen. Doch leider wurde der Wecker nicht gehört, und es ging erst gegen 07:00 Uhr mit dem Deutschland-Ticket aus Schwechheim los.
      Da eine pünktliche Ankunft dadurch nicht mehr möglich gewesen wäre, entschied ich mich alternativ für das Pokalspiel zwischen dem VfB Homberg und Rot-Weiß Oberhausen.

      Nachdem auch noch mein Anschlusszug ausgefallen war, musste ich mir zusätzlich ein Ticket für den FlixTrain kaufen.

      Duisburg wurde dann jedoch pünktlich erreicht, und es folgte ein Besuch bei einem Schnellimbiss, um einen Taxi-Teller zu testen.
      Gut gestärkt ging es anschließend in den Ground und auf die gut gefüllte Haupttribüne. Offensichtlich waren viele Anhänger des MSV Duisburg vor Ort, um sich den Auftritt des Reviernachbarn nicht entgehen zu lassen.

      Aber auch die Fans aus Oberhausen waren zahlreich vertreten, der Gästeblock war komplett ausverkauft. Die Fanszene trat hinter einer breit gezogenen rot-weißen Fahne auf und verzichtete vollständig auf Gruppenmaterial. Die Lautstärke war zeitweise durchaus ordentlich.

      Spielerisch hielt Homberg gut dagegen und forderte den Gast heraus. Somit brauchte es den Ex-Bundesliga-Profi Moritz Stoppelkamp, der den Unterschied machte. Binnen zwei Minuten (38./40.) schnürte er einen Doppelpack und sorgte für eine 0:2-Halbzeitführung. In den zweiten 45 Minuten fiel zwar noch der späte Anschlusstreffer (81.) durch Luca Thissen, doch der Ausgleich wollte nicht mehr gelingen, sodass der Favorit ins Viertelfinale einzog.

      Für mich ging es im Anschluss weiter ins Ruhrstadion nach Mülheim, um den Tag mit einem Doppler abzuschließen. (fj)

      FC Pro Vercelli – US Triestina – 3:1

      FC Pro Vercelli – US Triestina – 3:1
      Novara FC – Calcio Lecco 1:0

      „AUF DEN SPUREN DES REKORDTORSCHÜTZEN”

      09.11.25
      Serie C Girone A
      Stadio Silvio Piola
      Zuschauer: 883/2.236

      VERCELLI/NOVARA – Dieser Bericht ist eine Premiere im Landboten, denn gleich zwei Stadien kommen darin vor. Warum? Beide sind nach Silvio Piola benannt. Silvio wer? Wirklich geläufig war mir der Name vorher nicht, muss ich zugeben. Erst bei der Tourplanung für das Wochenende fiel mir die Namensgleichheit auf. Mit 274 Toren in 537 Spielen von 1929 bis 1954 ist “Il grande Piola” bis heute der Rekordtorschütze der Serie A, noch vor Francesco Totti. Ein Titel auf Vereinsebene blieb ihm allerdings verwehrt.

      Beide Orte trennen nur 30 Autominuten und dank der Anstoßzeiten von 14.30 und 17.30 Uhr waren die Partien gut doppelbar. Los ging es beim Altmeister in Vercelli und die sieben Meisterschaften für ein Städtchen in Piemont sind bis heute außergewöhnlich. Über ein Jahrhundert nach dem letzten Scudetto finden sich die “Leoni” in der Serie C wieder und das Meisterbanner hinter der Curva ist auch schon ziemlich verblasst.

      Für Groundhopper ist heutzutage die alte Haupttribüne mit dem Säuleneingang der Star in Vercelli. Auf dem Platz setzten sich die Gastgeber gegen die finanziell gebeutelten Gäste durch und sorgten für großen Jubel bei der “West Side” in der Curva. Übrigens begann Piola seine Karriere in Vercelli, allerdings erst nach der Meister-Ära.

      In Novara war fantechnisch mehr Action zu erwarten, denn zwischen beiden Lagern hat sich in den letzten Jahren eine gewisse Rivalität entwickelt. Die 470 Ospiti aus Lecco kamen aufgrund von intensiven Einlasskontrollen erst nach neun Minuten in den Gästebock. Die Staatsmacht kassierte u.a. die Zaunfahne der “Shamrock” ein und die meisten anderen Gruppen hängten deshalb verkehrt herum auf. Mit ordentlich Wut im Bauch skandierte der Mob gegen die Polizei und Gastgeber.

      Leider hat das dortige Piola aufgrund der hinzugestellten Stahlrohrtribünen an Charme eingebüßt und wie auch in Vercelli verlegte man irgendwann Kunstrasen. Als Piola nach dem Zweiten Weltkrieg in Novara seine Karriere beendete, kickten die Azzurri noch im alten “Stadio Enrico Patti”. Dafür brachten die Tifosi Leben in die Bude. Der “Vaffanculo” und “Merda”-Zähler schnellte in die Höhe und Lecco sorgte neben gutem Support mit dem ein oder anderen Rauchtopf für Akzente.

      Sportlich besorgte da Graca mit dem Tor des Tages die nächsten drei Punkte für Novara. Für mich endete der Nostalgietag mit dem dritten Besuch im Mailänder San Siro, wo sich der Abriss hoffentlich noch etwas verzögern wird. (hr)

      Flacãra Moreni – CSO Tricolorul Breaza (5:0)

      Bunã ziua aus Rumänien und herzlich Willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (73). Das Wochenende steht vor der Tür und damit auch wieder eine Länderspielpause. Fluch und Segen zugleich, der eigene Verein pausiert in den meisten Fällen und damit auch die europäischen Ligen. Zeit zum Hoppen für mehrere Leute, ab in die Niederungen des Fußballs. Genau, an der Basis. Dort, wo es sich nicht um Millionen, Spielergehälter oder Sponsoren dreht. So auch in Rumänien, in der kleinen Stadt Moreni steht ein wahres Schmuckkästchen. Dieser Ground überzeugt mich bei meinem Besuch in allen Belangen! Schaut euch die Bilder an und setzt den Ground auf eure To-Do Liste. Wir wünschen eine angenehme Länderspielpause!


      31.10.2025
      Stadionul Flacara
      Flacãra Moreni – CSO Tricolorul Breaza (5:0)

      FC Casertana – Catania SSD – 2:2

      FC Casertana – Catania SSD – 2:2

      “ZWISCHEN APEROL UND BORGHETTI“

      31.10.2025
      Serie C – Girone C
      Stadio Alberto Pinto
      Zuschauer: 3.876

      CASERTANA – Nach der Ankunft in Neapel und einem leckeren Cappuccino folgte eine Stadterkundung. Zwar wurde die Stadt bereits vor zwei Jahren besucht, damals blieb jedoch nur Zeit für das spanische Viertel. Dieses Mal sollte daher mehr in das Touri-Programm investiert werden.

      Zu Fuß ging es etwa 40 Minuten hinauf zum Aussichtspunkt Castel Sant’Elmo, wo mich ein herausragender Ausblick auf die Stadt am Hafen, im Schatten des Vesuvs, erwartete. Nachdem ich mich mit einem Hopper-Kollegen verabredet hatte, suchten wir eine Pizzeria auf, genossen die italienische Küche und schlenderten anschließend durch die Gassen der Stadt, ehe uns die Trenitalia nach Caserta brachte.

      Dort besichtigten wir – wenn auch nur von außen – die Piazza Carlo di Borbone, einen riesigen Königspalast mit einem der größten Plätze Europas. Anschließend ließen wir uns in einer Bar nieder, wo unter anderem fleißig Aperol getrunken wurde.

      Das Spiel rückte näher, und so spazierten wir weiter zum Stadio Alberto Pinto. Doch schon aus der Ferne hörte man Fangesänge aus einer Seitenstraße und konnte roten Rauch erkennen. Die Ultras, die eine Freundschaft zu den Anhängern von Mainz 05 pflegen, verabschiedeten sich gerade von ihren Stadionverbotlern.

      Diese Fans waren jedoch nicht die einzigen, die vom Spiel ausgeschlossen wurden. Da es vor kurzem auf einer Autobahn zu einer Auseinandersetzung zwischen Anhängern von Caserta und Catania gekommen war, erhielten sowohl die Fans von Caserta als auch die Gäste aus Catania ein drei Monate gültiges Auswärtsfahrverbot. Folglich blieb der Gästeblock heute leer.

      Trotzdem war es laut im Stadion. Die Heimfans zeigten über die gesamten 90 Minuten einen sehr starken, geschlossenen Auftritt mit gutem Liedgut und hoher Mitmachquote.

      Ich gönnte mir in der Zwischenzeit meinen allerersten Borghetti – den süßen Espresso-Geschmack empfand ich allerdings als etwas gewöhnungsbedürftig.

      Im Spiel musste Casertana zwei Rückstände hinnehmen. In der Nachspielzeit gab es jedoch tatsächlich noch einen Strafstoß, der auch der VAR-Überprüfung standhielt. Liotti trat an und traf zum 2:2, was zugleich den Endstand bedeutete.

      Abschließend musste noch auf den Bus nach Neapel gewartet werden, ehe es mit einem Uber zum Flughafen ging. Für eine Airport-Nacht war dieser Flughafen allerdings wenig geeignet, da die Türen erst um 03:30 Uhr geöffnet wurden. Die Zeit verging aber wie im Flug und wenig später saß ich schon im Onkel Rainer. (fj)

      PFC Levski Sofia – PFC CSKA Sofia – 0:1

      PFC Levski Sofia – PFC CSKA Sofia – 0:1

      „HAPPY END. HAPPY GRILL.“

      08.11.2025
      Parva Liga
      Stadion Vasil Levski
      Zuschauer: 29.595

      SOFIA – Freitag erst ab 15 Uhr Feierabend und Sonntag muss es schon wieder nach Hause gehen? Kein Problem, ab nach Bulgarien! Die beliebte Billigflug-Destination Sofia machte es möglich, dass ein Hinflug um 6 Uhr am Samstag von Berlin mit einem Rückflug um 6 Uhr am Sonntag nach Dortmund kombiniert werden konnte – und das für nicht mal 50€. Die Zubringerfahrten per Bahn waren im Deutschland-Ticket inkludiert und der Spielplan der Parva Liga trug sicher auch zu der Entscheidung bei: „Eternal Derby“ im Vasil Levski und als Vorspiel fiel sogar noch Loko Sofia ab.

      In Berlin konnte nach der Anreise ein Landesliga-Derby im Brandenburger Umland als Beifang mitgenommen werden, ehe es nach dem eiskalten Abend am nördlichen Stadtrand ofW zum BER ging, wo etwa 2,5h auf dem gepflegten Marmorboden Augenpflege betrieben wurde. Dabei musste man nicht alleine nächtigen – Grüße nach Braunschweig! Um kurz nach 4 klingelte der Wecker, da war die Sicherheitskontrolle schon knackenvoll, aber alles sollte pünktlich über die Bühne gehen und in den frühen Morgenstunden landete der Ryanair-Vogel in der bulgarischen Hauptstadt.

      Im ersten Spiel des Tages passierte nicht viel. Star bei Loko ist sicher das Stadion. Immerhin fiel ein Tor für die Gäste und in der zweiten Halbzeit regnete es sich im Norden der Stadt ein. Kurz vor dem Abpfiff sollte eigentlich ein Taxi bestellt werden, doch die Zahlung scheiterte in der Yellow-App – warum auch immer. In den folgenden Minuten wurde mit internationalen Groundhoppern aller Art im strömenden Regen ein Kampf ums Taxi geführt und leicht durchnässt saß man nach kurzer Verzweiflung schließlich in einer der begehrten Mietkutschen.

      Das Nationalstadion der Bulgaren bebte schon gewaltig, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff und auf den „billigen Plätzen“ des Stadions hatte sich die handverlesene deutsche Groundhopper-Prominenz versammelt, an vorderster Front grüßte der „König der Groundhopper“ aus dem Schwarzwald. Tolle Konstellation – und das galt auch für das „Ewige Derby“, denn Levski thronte vor dem Spiel mit einigen Punkten Vorsprung am Platz an der Sonne, während CSKA mit 16 Punkten weniger im Tableau einen klassischen Fehlstart auf’s Parkett legte. Auch der große Favorit in der Liga aus Razgrad, mit einer Serie von zuletzt 14 (!) Meisterschaften in Serie, strauchelte in der bisherigen Saison.

      Die Rollen waren also klar verteilt und dementsprechend euphorisch zeigte sich die Kurve von Levski. Zum Intro gab es eine Choreo mit einem „Opa“ und den sinngemäßen Worten „…bis zum Ende treu“, dazu immer wieder „Kampion“-Gesänge. Bei CSKA erblickte man die Vorbereitungen zu einer Choreo, zunächst blieb aber alles ruhig. Die Anfangsphase gehörte Levski und das galt auch für das Spielgeschehen. Die Gastgeber hinterließen einen motivierten Eindruck, kombinierten gut nach vorne, ließen aber die letzte Torgefahr vermissen. Dadurch brachte der Spitzenreiter die Gäste wieder ins Spiel, die auch auf den Rängen loslegten und eine Zettelchoreo starteten. Levski zog mit einer Choreo nach und ging in Sachen Tifo in Führung. Derweil schlichen die Akteure in einem immer schlechter werdenden Spiel torlos in die Kabine.

      Die zweite Halbzeit begann mit einem Feuerwerk. Freilich nur auf den Rängen. CSKA bot eine Pyro-Show zum Besten. Das Spiel wurde unterbrochen. Und so blieb es die nächsten 20 Minuten: Anti-Fußball vom Feinsten und wirklich 0 Spielfluss. Auch diesmal zog Levski nach und die Heimkurve glühte. Doch der Rauch waberte in die andere Richtung ab und der Zuschauer bekam für 10 Minuten vernünftigen, unterbrechungsfreien Fußball zu sehen. CSKA hatte in diesen paar Minuten die Nase vorn und ging in der Schlussviertelstunde tatsächlich verdient durch einen Distanzschuss in Führung. Völlige Ekstase im Gästeblock, der im Gegensatz zu der Mannschaft wirklich über die ganze Spieldauer glänzend aufgelegt war.

      Es folgten fast 20 Minuten Nachspielzeit, inklusive Massenschlägerei und Schein-Elfmeter. Levski hatte sein Pulver vollkommen verschossen und dieses Spiel geht vielleicht als Wendepunkt in die Saison ein. Gewinner der Partie wird vermutlich Ludogorets Razgrad gewesen sein. Oder aber die Groundhopper aus dem deutschsprachigen Raum, die sich nach einem zähen Spiel mit Happy End durch die Bank weg zufrieden zeigten und anschließend in bunter Besetzung noch ein nettes Zusammenspiel in der ständigen Vertretung der Hopperzunft in Bulgarien genossen – die Rede ist natürlich vom „Happy Grill“ in Sofia. (mm)

      MTV Egestorf – TSV „Deutsche Eiche“ Bardowick – 9:10 n.E.

      MTV Egestorf – TSV „Deutsche Eiche“ Bardowick – 9:10 n.E.

      „DAS DORF BRENNT, DIE EICHE WACKELT!“

      30.10.2025
      Bezirkspokal Lüneburg
      Sportplatz am Ahornweg
      Zuschauer: ca. 300

      EGESTORF – Feierabendkick im Bezirkspokal Lüneburg. Kennt ihr diese Tage? Alles ist angerichtet, der Stift fällt pünktlich auf der Arbeit, das Navi zeigt 15 Minuten Puffer an. Und dann geht’s los – Moloch Schwechheim, Unfall auf der Autobahn, Straßensperre am Zielort. Der gemütliche Kick im Herzen der Lüneburger Heide avancierte zum Stresstest. Fünf Minuten vor dem Kick-off wurde das Vehikel auf einem Feldweg neben der Gegengerade abgestellt und der Ground inoffiziell betreten.

      Der unerwartete Stress sollte aber schnell abfallen. Nachdem man das eher unscheinbare Areal des MTV endlich erreicht hatte, musste zwei Mal geguckt werden, was hier am Ahornweg los war. Über 300 Zuschauer versammelten sich an der Bande und am Vereinsheim zog eine Support-Gruppe mit Doppelhaltern und Plakaten die Blicke an. Schon Minuten vor dem Einlauf konnten allerlei pyrotechnische Erzeugnisse in den Händen der Männer und Frauen erblickt werden und für den Anpfiff war natürlich klar, wo die beste Sicht auf das Geschehen herrschte. Bei so viel Klimbim steuerte man auch gerne nochmal den Schatzmeister am offiziellen Eingang an und ließ 4€ Eintritt in die Kasse springen.

      Für den MTV Egestorf stand das Spiel des Jahres auf dem Programm. Bezirkspokal-Viertelfinale gegen den Landesliga-Absteiger aus Bardowick. Oder wie es die Egestorfer ausdrückten: Noch 7 Siege bis zu den Bayern, bis zum DFB-Pokal. Zum Einlauf der Teams gab es dann tatsächlich eine Pyromanie! Das wiederholte sich zur zweiten Halbzeit und auch am Ende der Partie. Wassereimer standen bereit und die Feuerwerksaktion störte niemanden auf dem Dorf. Ganz ehrlich – warum auch? Der Rahmen und schlussendlich der Mehrwert, der durch die Aktionen erzeugt wurde, ist sicher hoch einzuschätzen. Nach dem Anpfiff probierten es die „Äsdörper“ auch mit Gesängen, doch die Lichteffekte hinterließen den besseren Eindruck.

      Reden wir über das Spiel, das intensiv begann, weil zwei gute Teams aus der Bezirksliga aufeinandertrafen. Nach kurzer Zeit war zu erkennen, dass Bardowick an diesem Abend das etwas bessere Handling besaß, besonders die Angreifer der Gäste wirbelten den heimischen Abwehrverbund durcheinander und kurz vor der Pause war es so weit: Der Gästespieler mit dem schönen Namen Don-Vaios Dovas traf per Direktabnahme ins lange Eck zur Führung. Alles deutete nun auf einen Auswärtssieg hin, doch Bardowick kassierte nur zwei Minuten später einen umstrittenen Platzverweis und die Uhren waren wieder auf 0 gedreht, als der Schiedsrichter in die Kabine bat. In der Pause wurde mit dem ersten Glühwein der Saison das Winterhalbjahr eingeläutet und im Vereinsheim wanderte ein Leberkässemmel mit süßem Senf über die Theke. Da auf dem brachliegenden Feld nebenan Karotten wuchsen, gab es mit der kostenneutralen Nachspeise sogar noch einen Schub für den Vitamin-C-Haushalt. Verpflegung in der Lüneburger Heide immer top!

      Egestorf arbeitete am Ausgleich, doch die Angelegenheit gestaltete sich zäh. Ein Strafstoß musste zum Ausgleich herhalten, ehe es ins Elfmeterschießen ging. 16 Schützen verwandelten ohne große Mühen vom Punkt. Mittlerweile war das Zeiteisen auf halb 11 geklettert. Die Deutsche Eiche wackelte. Und dann ging es ganz schnell: Fehlversuch Egestorf, Matchball Bardowick. Dass auch auf der Heimseite fast ausschließlich zufriedene Gesichter und Kommentare zu sehen und hören waren, zeigt einmal mehr, dass nicht immer nur das Ergebnis zählt, sondern vor allem auch der Sportsgeist und das Wir-Gefühl – gerade auf dem Dorf.

      Vielen Dank an den MTV Egestorf für diese gelungene Veranstaltung und Gratulation an die Gäste aus Bardowick zum Einzug in die nächste Runde! (mm)

      Lysekils AIK – Tranemo IF (5:0)

      Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (72) kommt endlich mal wieder aus Skandinavien. Lysekil – ein Ort, der bisher unter dem Radar lief. Bilder zum Spielort suchten wir vergebens. Den heißen Tipp bekamen wir von einem norwegischen Groundhopper. Diese Perle direkt an der Küste schoss sich sehr schnell in das Schwedenherz. Schöner Amateurfußball und durch einen Fund nicht unbedingt weniger schwedische Kronen, gönnte sich die Reisegruppe einen frisch gegrillten Burger vom Grill. Herrlich! Für den nächsten Urlaub in Schweden lohnt sich der weite Weg entlang der Westküste bis nach Lysekil. Wir wünschen ein schönes Wochenende und eine gute Fahrt!


      12.10.2025
      Gullmarsvallen
      Lysekils AIK – Tranemo IF (5:0)