„RUHETAG AUF GUADELOUPE“
17.04.2026
Ligue Regionale 2
Stade Jacques Ponremy
Zuschauer: 89
LE MOULE – Nachdem es heute Morgen schon das „Stade St. François Xavier“ als Bilderbuchbude der Woche auf die Titelseite des Landboten geschafft hat, folgt nun noch ein ausführlicher Bericht vom französischen Überseedepartement.
Guadeloupe ist ein Archipel in der östlichen Karibik und gehört politisch zu Frankreich. Es hat den Status eines Überseedepartement sowie einer Überseeregion und ist damit gleichzeitig ein integraler Bestandteil des französischen Staates. Gemeinsam mit anderen französisch geprägten Inselgebieten wie Martinique, Saint-Barthélemy und Saint-Martin wird Guadeloupe den Französischen Antillen zugerechnet. Als Teil der Europäischen Union profitiert das Gebiet von europäischen Strukturen, gehört jedoch nicht zum Schengen-Raum. Anfang des Jahres 2023 lebten dort knapp 400.000 Menschen, wobei das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei etwa 35,6 Jahren liegt. Die Bevölkerung ist kulturell vielfältig geprägt. Der Großteil der Einwohner hat afrikanische Wurzeln oder eine gemischte Herkunft. Daneben gibt es kleinere Bevölkerungsgruppen europäischer, indischer, libanesischer oder chinesischer Abstammung. Religiös ist die Gesellschaft überwiegend katholisch geprägt.
Die Ligue Guadeloupéenne de Football (LGF) fungiert als offizieller Fußballverband von Guadeloupe und organisiert den Fußballsport auf den Inseln. Sie ist dem französischen Fußballverband als regionale Organisation angeschlossen, besitzt jedoch keine Mitgliedschaft im Weltfußballverband FIFA. Seit 2013 gehört Guadeloupe dem nord- und mittelamerikanischen Fußballverband CONCACAF an. Dadurch kann Guadeloupe an offiziellen Wettbewerben dieses Kontinentalverbandes teilnehmen.
Vor ungefähr drei Monaten haben wir einen Gabelflug mit Air France entdeckt und mussten direkt zuschlagen. Für preiswerte 620 EUR konnten wir uns die Tickets für die Verbindung Hannover – Guadeloupe & Martinique – Hannover mit jeweils einem Zwischenstopp in Charles de Gaulle sichern. Auf dem Hinweg verweilten wir vier Stunden in Paris, auf dem Rückflug werden es voraussichtlich nur zwei sein. Vor Ort gelangten wir mit „Caribbean Airlines“ von Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) nach Bridgetown (Barbados) und von dort aus mit selbiger Airline weiter nach Fort-de-France (Martinique). Für diese Kurzstreckenflüge von Insel zu Insel zahlt man in der Regel zwischen 70-120 EUR pro Flug.
Eigentlich bieten sich Karibik-Touren am besten an, wenn Qualifikationsturniere von der CONCACAF ausgetragen werden, da man dann über ziemlich sichere Ansetzungen verfügt und bei den Länderspielen generell auch wesentlich mehr los ist. Bei den drei oben genannten Kandidaten vertraue ich auf den Rahmenkalender, da die Verbände auf den ersten Blick alle relativ seriös und transparent erscheinen. Und so wurde ich direkt auf ein Zweitligaspiel aufmerksam, welches am Freitagabend in LE MOULE ausgetragen wurde. Normalerweise spielt Juventus im Stadion in Sainte-Anne, dieses durfte allerdings die Frauen-Nationalmannschaft von Haiti nutzen, um gegen ihren Nachbarn, die Dominikanische Republik, ein Qualifikationsspiel für die Frauenfußball-WM auszutragen.
Vorm Spiel haben wir im zwanzig Kilometer entfernten Saint-François noch einen Burger gegessen und ein Corsaire vom Fass genossen, ehe es mit dem Mietwagen nach LE MOULE ging. Leider verfügt das Stadion nicht über eine klassische, gut sortierte Rum-Bar, selbiges wird allerdings vorm Stadion aus einem Kofferraum verkauft! Bier, Softdrinks und kleine Süßigkeiten gibt es ebenfalls zu zivilen Preisen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Preise auf Guadeloupe ungefähr dem deutschen Preisniveau entsprechen.
Für gerade einmal einen EURO gab es eine schicke Eintrittskarte und wir konnten unsere Plätze auf der überdachten Tribüne einnehmen. Rund 100 andere Zuschauer gesellten sich ebenfalls dazu. Meine Freundin war so nett und steuerte an diesem Abend den Mietwagen, sodass ich dem einen oder anderen Zuschauer mit meinem Bier zuprosten konnte. Das Spiel war kurzweilig und unterhielt uns recht gut, das Niveau war vergleichbar mit einem besseren Kreisliga-Kick in Deutschland. Juventus war klar besser und siegte verdient mit 3:0. Der wahre Hingucker an diesem Abend war aber „Fredo“. Der „Dirigeant“, also Manager des Gastvereins, hatte auf der Vorderseite seines Trikots sich selbst als Bild aufgedruckt und fiel sonst durch skurrile Armbewegungen und merkwürdige Laute auf. Top Lad oder wie der Franzose sagt: „Un mec branché!“
Generell muss ich sagen, dass das Spielniveau in Le Moule deutlich besser war als beim Spiel von Saint-François am Samstag. Selbe Liga, aber Unterschiede wie Tag und Nacht. Und auch bei den Eintrittspreisen gab es deutliche Ausreißer. Wurde uns am Freitagabend gerade mal ein Euro abgenommen, sollte ich in Saint-François fünf hinlegen. Vermutlich hat der nette Herr vom Kassenhäuschen in Le Moule aber einfach viel zu viel Wechselgeld rausgegeben, laut Ticket betrug nämlich auch hier der Abendkassenpreis 5 Euro.
Ansonsten lässt es sich auf Guadeloupe sehr gut aushalten. Ohne Französischkenntnisse ist man hier oft aufgeschmissen, selbst in besseren Restaurants und Hotels wird fast kein Englisch gesprochen, wenn sie denn dann keinen Ruhetag hatten. Es war öfters wirklich herausfordernd, eine geöffnete Bar oder ein offenes Restaurant zu finden. Sowohl sonntags, montags als auch dienstags begleitete uns der ständig wiederkehrende Ruhetag.
Um auch der bergigen Seite der Insel etwas Aufmerksamkeit zu schenken, haben wir zwei Wanderungen durch den Regenwald unternommen, die letzte endete mit dem Anblick des größten Wasserfalls der Insel. Außerdem besuchten wir über zehn verschiedene Strände. Besonders positiv sind dabei der Plage du Souffleur, der Plage de Grande Anse sowie der Plage de Petit-Havre in Erinnerung geblieben. Ein weiteres Highlight war eine dreistündige Mangroven-Tour, welche leider nur auf Französisch angeboten wurde. Dennoch hat sich der Guide größte Mühe gegeben. Guadeloupe, es war sehr schön! (hd)








