Unsere BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (85) kommt heute aus Piräus, Griechenland. Schnappt euch ein Alfa Bier für zwei Euro aus dem stadioneigenen Kiosk und genießt das Treiben auf und hinter dem Platz. Direkt hinter dem Spielfeld erstreckt sich der saronische Golf mit seinen hügeliegen Inseln.
07.02.2026 Super League Griechenland Neapolis Piraeus Municipal Stadium Zuschauer: 1.055
ATHEN – Für nur 82 Euro schoss ich bereits letztes Jahr Return-Flüge von Hamburg nach Athen. Mit „Skyexpress“ ging es am vergangenen Freitag also gen Griechenland. Der Name hielt, was er versprach – nichts! Dennoch landeten wir sicher am Freitagabend bei 16 Grad Außentemperatur und setzten uns noch für eine Weile auf die Dachterrasse unseres Apartments.
Der Samstag startete früh am Morgen bei angenehmen 18 Grad und ordentlich Sonne mit einem kleinen Bummel durch den Stadtteil Plaka, welcher den Felsen, auf dem die Akropolis thront, umgibt. Um die Mittagszeit kehrten wir im „Tis theatrou to steki“ Tappas-Restaurant ein. Klare Empfehlung für authentisches, preiswertes, griechisches Essen. Die 4,7 Sterne bei Google Maps hat sich diese kleine Taverne redlich verdient. Gestärkt und ausgestattet mit Kindertickets ging es wieder zurück zur Akropolis. Die Gratis-QR-Codes wurden allerdings nicht akzeptiert. Stattdessen wurden wir feierlich abgewiesen und mussten zum Tickethäuschen, um uns dort für 30 € pro Person Vollzahler-Tickets zu ziehen. Immerhin „Hardtickets“, für die Sammlerbox versteht sich. Auch wenn der Preis recht happig ist, lohnt sich der Anstieg allemal. Athen ohne Akropolis ist wie London ohne Tower Bridge.
Im Stadtteil Korydallos liegt das Stadion „Neapolis Piraeus Municipal Stadium“, in dem Kifisia zurzeit seine Heimspiele austragen darf. Hier wurde uns der Eintritt viel freundlicher gewährt als ein paar Stunden zuvor auf der Akropolis. Bewaffnet mit Dosenbier im Rucksack betraten wir den Innenraum des Stadions. Wäre gar nicht nötig gewesen, es gab unter der Haupttribüne einen kleinen Kiosk, wo man sich für 2,50 € mit Dosenbier eindecken konnte. Ich war einfach zu lange nicht mehr in Griechenland und habe ganz vergessen, wie sympathisch es hier zugeht. Sympathisch fiel uns allerdings auch etwas ganz anderes auf: Fast 300 Gästefans begleiteten ihre Startelf aus Peristeri und nahmen den humanen Anreiseweg von knapp 16 Kilometern auf sich. Leider keine Pyro, aber 90 Minuten Ekstase im wunderschönen Balkanstyle! Großartig, Fentagin! Natürlich wurde sich auch während der Halbzeitpause gebührend mit den Heimfans angelegt und ordentlich bepöbelt. Passiert ist natürlich nichts. Apropos Heimfans: Viel los war auf der Gegengerade nicht, die meisten Zuschauer auf der Heimseite waren ortsansässige Rentner oder Kinder. Nur zwei Dutzend Jugendliche waren bereit, sich 15 Minuten lang mit den Ultras im Gästeblock anzustacheln. Die „Heimkurve“ blieb komplett geschlossen. Auf dem Feld passierte nicht wirklich viel. Nach 90 Minuten konnte Atromitos das Spiel mit 1:0 gewinnen, das geht soweit auch in Ordnung. Somit zieht Atromitos direkt an Kifisia vorbei auf Tabellenplatz 9.
Den Sonntag verbrachten wir bei herrlichem Wetter im Zentrum von Athen und Piräus. Zuerst wanderten wir auf den Philopapposhügel, von wo aus man einen perfekten Blick auf die Akropolis und das von weißen Häusern bedeckte Stadtgebiet hat. Zur anderen Seite blickt man auf die wunderschöne Bucht von Piräus. Im Anschluss sollte es noch in die kleine, eben genannte Hafenstadt gehen. Mit der Metro erreicht man Piräus von Petralona innerhalb von 20 Minuten. Statt Derby stand am späten Nachmittag Amateurfußball und ein neuer Ground für uns an. Bilder davon gibt es am Freitag in unserer Rubrik „Bilderbuchbude der Woche“. (hd)
27.11.2025 Olympiakó Stádio Spiros Louis UEFA Europa League Zuschauer: 21.013
ATHEN – Ein Stadion geprägt von einer bedeutsamen Geschichte. Als Spielort für viele wichtige Sportveranstaltungen. Angefangen vom Olympischen Finale, als Spielort des Endspiels der Champions League oder eben als Austragungsort eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Hamburger SV. Neben Torschützen an diesem Ort wie Felix Magath, Marco van Basten, Filippo Inzaghi oder Carlos Tévez. Neben dem HSV hat auch der 1. FC Lokomotive Leipzig eines seiner Highlights in diesem geschichtsträchtigen Stadion! Anders als die Rothosen verloren die Leipziger ihr Endspiel allerdings gegen Ajax Amsterdam. In der Saison 2011/2012 gab es im Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos Piräus heftige Krawallen. Molotowcocktails flogen durch das Stadion, das Spiel wurde aufgrund dessen abgebrochen. Ehemaliger Leiter der Partie: Marco Fritz. Andere Länder, andere Sitten. Solche Bilder in einer deutschen Arena und Daniela Behrens ist in jeder Talkshow von Markus Lanz Stammgast!
Der ursprüngliche Plan, die Akropolis vorher zu besichtigen, wurde aus guten Gründen auf den nächsten Besuch in der Hauptstadt vertagt. Das Wetter war absolut nicht kulturfreundlich, schüttete es doch den ganzen Tag wie aus Kübeln. Somit wurde das Geld erstmal gespart und die sowieso schon nassen Socken kurzzeitig in der Unterkunft getrocknet. Vorab wurde das leckere Essen der griechischen Küche getestet. Die Prüfung ist definitiv mal bestanden, eine herrliche und für europäische Verhältnisse auch noch kostengünstige Speisemöglichkeit.
Die Anstoßzeit sorgt dank Zeitverschiebung für keine großen Freudensprünge. 22:00 Uhr zur local time. Die Gäste aus Graz, sowie die Heimkurve hielten trotz des schlechten Wetters zum Glück nichts ab. Der Support von beiden Seiten war gut, so richtig schwappte der Gesang des Gate 13 aber nicht auf die anderen Zuschauer über. In so einer großen Schüssel aber auch durchaus als schwer zu betiteln. Parallel spielten die Brüder aus Wien im verschneiten polnischen Częstochowa ihr europäisches Spiel. Die verhassten Gäste heute bei ihren Freunden sollten aber nicht ohne Botschaft zurück nach Österreich fliegen. “Hurns Grazer” und ein Banner für die Freundschaft zwischen Panathinaikos und Rapid zeigte die Heimkurve. Zum Einlaufen der Akteure gab es im Gästeblock ein paar Blinker zu erspähen. Diese wurden am heutigen Tag zahlreich von Anhängern aus Karlsruhe unterstützt. Zum 1:0 gab es auch bei Panathinaikos vereinzelt brennende Fackeln zu erkennen.
Die wichtigste Frage der Ticket-Beschaffung kommt zuletzt. Mit der App: “gov.gr-Wallet” kann man sich Interessierter anmelden. Die Tickets wurden 7 Tage vor dem Kick über den offiziellen Shop des Vereins veröffentlicht. Es erforderte somit eine Registrierung beim Verein und der App. Ich erinnere mich in anderen Beiträgen der großen Groundhopper-Community über viele Schwierigkeiten seit Einführung der Personalisierungen. Dank der App erfuhr ich über den NFC-Chip in meinem deutschen Ausweis, hat ja auch alles Vorteile. Tageskassen ohne jeglichen Aufwand werde ich trotzdem immer vorziehen.
Nach dem Kick ging es zum vorbestellen “freenow”. Eine bessere Alternative zu Uber in dieser Stadt. Zumindest fand ich mit der App viel schneller einen Fahrer. Über Nacht zog ein heftiges Gewitter über Athen, dieses Naturschauspiel sorgt dafür, dass der Bericht schon am Freitagmorgen geschrieben wurde. Mein geplanter Flieger hat dadurch fast 4 Stunden Verspätung. Oder um es mit der Überschrift zu sagen: Der Sturm zieht auf! (tp)
Kaliméra (Guten Morgen) und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (33) – heute präsentieren wir euch das Dimotiko Stadio Ilioupolis!
Das Stadion der Heimmannschaft von GS Ilioupolis, die in der Super League Greece 2 Group 2 spielen, liegt im südöstlichen Teil der Stadt Athen inmitten des Stadtteils Ilioupoli.
Geiler Oldschool-Ground mit dem gewissen Charme, schon gut ranzig und viele Graffitis der heimischen Ultras. Mit den Bergen im Hintergrund und den angrenzenden Häusern, hat es seinen Reiz und weiß zu gefallen.
19.01.2025 Stadio Peristeriou Stoiximan Super League Zuschauer: 1.792
PERISTERI – Der sonnige super Sonntag in Athen begann bei zwei leckeren Getränken auf der Lykavittos Aussichtsplattform. Von dort hat man den besten Blick auf Athen. Mit der Seilbahn ging es wieder runter und wir machten uns auf’n Weg nach Peristeri, den bevölkerungsreichsten Vorort Athens. Gemütlich gingen wir die Gassen zum Stadion entlang und sahen schon einige Leute mit roten Schals. Sind hier heute tatsächlich Gäste erlaubt? Die Antwort lautet: Ja! Olympiacos durfte fahren. Mit kleiner Vorfreude und ohne jegliche Einlassprobleme gingen wir ins Stadion und gönnten uns im Vereinsheim einen Snack und zwei leckere Kaltgetränke. Ein Vereinshein mit direkten Zugang von der Tribüne in einer Top 20 Profiliga in Europa habe ich auch noch nicht oft gesehen. Die Vereinsheime in Hollands erster Liga sind ja nicht wirklich so ausgerichtet, dass man von dort das Spiel verfolgen kann
Rund 20 Minuten vor Anpfiff setzten wir uns auf unsere Plätze und genossen die Sonne und die ersten Gesänge aus dem Gästeblock. Zum Anpfiff waren dann auch die Heimfans sichtbar, nur leider für uns so schlecht einsehbar, dass man den Mob nicht fotografieren konnte. Auf’n Rasen habe ich in den ersten 40 Minuten noch nie eine so dominante Mannschaft wie Olympiacos gesehen. Die Gäste hatten gefühlt 97 Prozent Ballbesitz und gingen auch mit 2:0 in Führung. Nach der ersten Ecke und allgemein der ersten Aktion von Atromitos in der 37. Minute konnten die Hausherren tatsächlich das 1:2 erzielen. In der zweiten Hälfte passierte bis zur letzten Minute gar nichts. Atromitos kam noch einmal in den Strafraum und holte einen Elfmeter raus. Unglaublich! Der Schütze trat an, verschoss und das Spiel war vorbei. Extase im Gästeblock und leere Gesichter auf der Heimseite.
Die heimischen Fans sitzen auf der überdachten Tribüne oder auf der offenen Gegenüber. Die Hintertorseite ist wahrscheinlich nur noch Deko. Die Gäste haben einen eigenen Block schräg hinter der Laufbahn. Leider verlaufen sich hier bei so einem großen Spiel auch keine 2.000 Leute. Ob das mit den personalisierten Tickets zu tun hat? (mb)
Kalimera! Auch im letzten Jahr zog es mich nach Griechenland. Vor dem Derby in Thessaloniki kam ich an der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (13) vorbei: Dimotiko Stadio Megalou Alexandrou Orfaniou. Klingt göttlich, heißt aber übersetzt schlicht städtisches Stadion plus Vereinsname des Drittligisten.
Einfach wirkt auch die einzige Tribüne. Dafür kann der Ground mit einem schönen Ausblick auf die Berge punkten und erlaubt einen Blick in die Nachbarschaft gegenüber.
ATHEN – Wenige Tage nach dem Athener Derby wurde es Zeit für das nächste Traditionsduell in der griechischen Hauptstadt. In der Meisterrunde traf AEK auf PAOK, wobei die Gastgeber nach der Derbyniederlage bei Panathinaikos unter Zugzwang standen.
Beide Vereine verbindet eine gemeinsame Gründungsgeschichte. Nach der Vertreibung aus Konstantinopel gründeten Griechen in den 1920er Jahren sowohl in Athen als auch in Thessaloniki neue Sportvereine. Der Bezug zur alten Heimat wurde sowohl im Vereinsnamen („K“ für Konstantinopel) sowie im Vereinswappen (Doppelkopfadler als Symbol des Byzantinischen Reiches) verankert.
Damit begann allerdings auch die Rivalität. Beide sehen sich als „Erben“ des griechisch geprägten Vereins Pera, der im Zuge der Vertreibung zwangsweise einen türkischen Namen bekam.
100 Jahre später steht AEK bei 13 Meisterschaften und diese sollte zum Vereinsgeburtstag natürlich verteidigt werden. Nach fast zwei Jahrzehnten im Olympiastadion konnten die Gastgeber im September 2022 endlich ihre neue Arena im Norden Athens einweihen und man kann hier wirklich sagen: „mal etwas anderes“.
Benannt nach der (H)agia Sophia Kathedrale spiegeln die vier tragenden Säulen den byzantinischen Stil wieder. Ferner beherbergt das Stadion ein Museum zur Geschichte der Vertriebenen. Eine Doppelkopfadler-Skulptur auf dem Vorplatz darf natürlich nicht fehlen.
Nun aber zum Spiel. Gästefans auch hier verboten, das nur der Vollständigkeit halber. Wie schon im Bericht zu Panathinaikos-AEK angedeutet, halten sich die Ultras mit Pyrotechnik aktuell weitestgehend zurück. So bestand das Intro aus ein paar Kassenrollen, Wunderkerzen sowie schwarzen und gelben Luftballons im Eck-Oberrang. Dafür wusste allerdings das Einsingen akustisch zu überzeugen.
Spätestens mit dem 1:0 war das gesamte Stadion auf Betriebstemperatur. Gate 21 konnte die Stimmung immer wieder anfachen und mitunter war es sehr laut. Mit einer Zwei-Tore-Führung sah AEK wie der sichere Sieger aus, vergeigte den Vorsprung aber durch dicke Fehler in der Abwehr. (hr)
“BEIM BARTE DES ZEUS ! ATHENER DERBY UNTER BESONDEREN VORZEICHEN”
03.04.2024
Stadio Apostolis Nikolaidis
Super League
Zuschauer: 12.101
ATHEN – Ursprünglich war die Tour nach Athen im Rahmen einer Englischen Woche für den Januar geplant. Allerdings verhängte die griechische Regierung nach mehreren Zwischenfällen einen Zuschauerausschluss für zwei Monate und es musste umgebucht werden. Nach einem kurzen Check des Rahmenterminkalenders fiel die Wahl auf den Doppelspieltag nach Ostern mit der Hoffnung auf ein bisschen Normalität und natürlich gute Spiele. Tatsächlich hatte ich dann bei der Terminierung der Meisterrunde Glück und erwischte die zwei Traditionsduelle Panathinaikos-AEK und AEK-PAOK.
Nach Ablauf der zwei Monate waren Zuschauer bei den Spielen tatsächlich wieder erlaubt, jedoch mehr oder weniger auf Bewährung. Flogen früher massenhaft Gegenstände und wurden die Stadien in Pyro-Orgien komplett in Rauch gehüllt, droht die Politik aktuell mit weiteren Geisterspielen auch bei kleinen Vergehen. Darüber hinaus soll die Videoüberwachung intensiviert und eine Art „griechische Passolig“ eingeführt werden. Details wusste keiner, den ich im Stadion fragte. Typisch Griechenland.
Apropos Stadion. Nach dem Genuss einer leckeren Pita für absolut faire 3,20 Euro traf ich circa eine Stunde vor Anpfiff am Apostolis Nikolaidis ein. Was für eine Perle! Es bröckelt an allen Ecken und Enden. Offiziell beträgt die Kapazität nur knapp 16.000 Zuschauer, aber die zwei wuchtigen Kurven hinter dem Tor lassen es größer erscheinen. Rundherum finden sich viele Graffiti und im Inneren der Tribünen haben weitere Sportabteilungen von Panathinaikos ihre Trainings/Wettkampfmöglichkeiten. Übrigens baut Panathinaikos nach langem Rechtsstreit seit einem Jahr einen neuen Stadionkomplex, der 2026 fertig sein soll.
Das ist allerdings Zukunftsmusik und im April 2024 stand erstmal der Kampf um die Meisterschaft an.
Im kleinen Athener Derby war Panathinaikos gegen AEK fast schon zum Siegen verdammt. Wie üblich bei Duellen der Big Five in Griechenland waren Gästefans verboten. Wie erwartet verzichtete Gate 13 auf eine Pyroshow, allerdings auch auf eine Choreo oder sonstige Aktion. Schade. Mit dem 0:1 nach nur 5 Minuten wurde es auch sehr leise im Stadion.
Allerdings drehte Panathinaikos das Spiel noch in der ersten Halbzeit. Nach einem geilen Torjubel ging dann auch die ein oder andere Fackel an und natürlich wurde die Stimmung merklich besser. Neben Wechselgesängen gab es auch Schlachtrufe, bei denen alle Tribünen mit einstiegen. Trotz Dauerdruck in den letzten 20 Minuten brachten die Gastgeber das 2:1 über die Zeit und sicherten sich den Derbysieg.
Mit Blick auf die schwierigen Vorzeichen war ich unterm Strich mit diesem Derby zufrieden. (hr)