Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)

Herzlichen willkommen zur BILDERBUCHBUDE DER WOCHE! In der 82. Ausgabe unserer beliebten Kategorie melden wir uns aus Deutschland zurück! Bevor der hiesige Amateurfußball unter der aktuellen Schneedecke völlig in Vergessenheit gerät, gibt es einen Schwenk in die Landesliga Westfalen. Hereinspaziert in die ehrwürdigen „Kampfbahn Schwansbell“, wo der Lüner SV seine Heimspiele austrägt.

Der Spielort wurde im Jahre 1952 errichtet und erlebte in den 1960er- und 70er-Jahren legendäre Spiele. In der zweitklassigen Regionalliga West empfing der LSV unter anderem Borussia Dortmund zum Punktspiel. Viel verändert hat sich in der Kampfbahn seitdem nicht. Vor etwa 15 Jahren gab es eine kleine Frischzellenkur für das Stadion, aber die schiefen Stufen und die Tribüne aus jener Zeit sind geblieben.

Ein echter Geheimtipp im dichtbesiedelten NRW, der viel zu selten genannt wird, wenn es um die Groundperlen im Ruhrgebiet geht.


06.10.2024
Lüner SV – SV Hohenlimburg (2:3)
Kampfbahn Schwansbell

Onchan AFC – Ayre United – 6:1

Onchan AFC – Ayre United – 6:1

“ROTES LICHT – GRÜNES LICHT”

10.01.2026
Isle of Man Football League
Nivision Stadium
Zuschauer: 50

DOUGLAS – Es ist Freitag, der 09.01.2026. Der Schulunterricht ist abgesagt. Eine große Boulevardzeitung spricht von Lebensgefahr und rät dringend dazu, unbedingt zu Hause zu bleiben.
Zuhause zu bleiben wäre für mich jedoch nur dann eine Option gewesen, wenn mein Freitagabendflug von Hamburg nach Manchester gestrichen worden wäre. Und nachdem ich in der Woche zuvor bereits zwei Spielabsagen erlebt hatte, wäre es die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahne gewesen, wenn auch dieser Plan nicht hätte realisiert werden können.

Doch es kam anders. Das Unwetter war letztlich nicht so dramatisch, und mit nur einer halben Stunde Verspätung brachte mich die Airline meines Vertrauens auf meine Lieblingsinsel: England. Dieses Mal sollte es allerdings nur ein Zwischenstopp sein. Weniger als zehn Stunden nach der Landung in Manchester saß ich bereits im Flieger von Liverpool zur Isle of Man. Mit rund 25 Minuten Flugzeit dürfte es mein bislang kürzester Flug gewesen sein.

Nach der Ankunft auf der Isle of Man wurde der Tag zunächst im 2025 eröffneten Wetherspoon geplant. Gerne wäre ich mit der Isle of Man Steam Railway gefahren, doch die Fahrzeiten sind leider nur von März bis November. Stattdessen spazierte ich ein wenig an der Küste entlang. Von Douglas bis Onchan benötigte ich etwa 45 Minuten, und unterwegs gab es einiges zu fotografieren. Besonders beeindruckend fand ich die Steilküste direkt am Meer.

Der Ground des ersten Spiels des Tages war nicht mehr weit entfernt. So schaute ich bereits einige Stunden vor dem Anpfiff vorbei, um herauszufinden, ob das Spiel tatsächlich stattfinden würde. In einer Werkstatt, die zum Stadion gehört, fragte ich einen Mitarbeiter nach Informationen. Er rief schließlich einen Kollegen an, und die Anstoßzeit um 14:00 Uhr wurde bestätigt. Genug Zeit also, um mir weiterhin ein Bild von der Umgebung zu machen.

Nach einem Spaziergang in der Natur war ich etwa eine Stunde vor Spielbeginn zurück im Stadion. Die Eckfahnen wurden aufgestellt, die Spieler wärmten sich auf. Dem Länderpunkt – ob er nun einer ist oder nicht – stand nichts mehr im Weg.
Ziemlich erleichtert setzte ich mich auf die Tribüne und genoss einfach den Ort. Von der Haupttribüne an der Seitenlinie hat man nicht nur einen tollen Blick auf die alte Tribüne, die sozusagen das Herzstück des Stadions ist, sondern auch die beste Sicht auf die Irische See.

Doch damit nicht genug: Das Nivision Stadium, mitten im Onchan Park gelegen, ist wirklich außergewöhnlich. Rund um den Platz liegen mehrere Autoreifen, dahinter befindet sich eine Radrennbahn beziehungsweise eine Speedway-Strecke. Hier wurde sogar schon eine Rad-Weltmeisterschaft ausgetragen. Heute finden neben Fußball auch Stockcar-Veranstaltungen statt. Entlang der Bahn stehen überall mehr oder weniger demolierte Fahrzeuge sowie mehrere Ampeln.

Die Ampel für den heutigen Kick zeigte glücklicherweise Grün, und das Spiel der Isle of Man Football League wurde pünktlich angepfiffen. Das Niveau der Liga ist klar auf Amateur-Ebene angesiedelt. Alle Teams stammen von der Isle of Man, sogar auf Linienrichter wurde bei diesem Spiel verzichtet. Die Partie begann zunächst ausgeglichen, entwickelte sich jedoch schnell zu einer klaren Angelegenheit. Am Ende stand ein deutliches 6:1 für den Gastgeber.

Nach dem Spiel stärkte ich mich erneut im Wetherspoon, bevor es weiter zu „The Bowl“ ging, der Heimat des FC Isle of Man. Dieser Verein ist – im Gegensatz zu den anderen Teams der Insel – an das englische Ligasystem angebunden und spielt in der North West Counties Football League Division One. Die meisten Spieler stammen ebenfalls von der Isle of Man, spielten zuvor bei kleineren Vereinen und treten nun auf einem höheren sportlichen Niveau an. Der Endstand in diesem aus meiner Sicht sehr „sterilen“ Stadion lautete 0:1 aus Sicht der Gastgeber gegen den Burscough FC.

Insgesamt war es ein schöner Ausflug auf die Insel. Empfehlenswert ist es allerdings, länger als nur einen Tag zu bleiben, um noch mehr von der Isle of Man zu sehen. Aus Zeitgründen musste ich allerdings schon am Sonntagmorgen den Rückweg antreten.
Leider wurden mir durch den Sturm Steine in den Weg gelegt und der Flug wurde gestrichen. Also schnell zum Schalter. Entweder Manchester oder London-Heathrow. Da mein Anschluss in Manchester ohnehin nicht mehr zu erreichen war, wurde es Heathrow. Mein erster Flug mit einer Propellermaschine dauerte knapp 90 Minuten, und schon war ich in Heathrow.

Da an diesem Wochenende eigentlich ein FA-Cup-Wochenende geplant war, hatte ich tatsächlich noch einen Rückflug von Heathrow nach Hamburg in der Tasche. Kurz noch im Wetherspoon in Terminal 5 einen Cider getrunken und dort die Landboten-Besatzung getroffen, die am Wochenende das FA-Cup-Programm durchgezogen hatte. Mit etwas Verspätung hob der BA-Airbus dann aber schließlich nach Hamburg ab. (fj)

Charlton Athletic FC – Chelsea FC – 1:5

Charlton Athletic FC – Chelsea FC – 1:5

„THE ADDICKS MACHEN DAS FLUTLICHT AN“

10.01.2026
FA CUP
The Valley
Zuschauer: 26.475

LONDON – Charlton Athletic gegen Chelsea, das ganz große Los am Samstagabend der 3. Runde des FA Cups. Das erste FA-Cup-Spiel für beide Londoner Klubs in diesem Jahr. Denn: Dritte Runde FA Cup bedeutet zugleich erste Runde für die Erst- und Zweitligisten. In England werden die ersten Runden ohne die Profis ausgetragen.
Eigentlich eine klare Sache, dachte ich mir: Charlton wird ordentlich auf die Mütze bekommen. Die Restchance auf ein wirklich attraktives und spannendes Fußballspiel bestand dennoch. Aus diesem Grund bemühte ich mich rechtzeitig, an Tickets für diese Partie zu kommen. Problemlos konnte über ein bis zwei verschiedene Kontakte ein Mitglied von Charlton Athletic ausgemacht werden. Für das Spiel wurde recht schnell ‚Sold-Out‘ gemeldet, umso glücklicher war unsere Reisegruppe, dass wir die Tickets in den Händen hielten. Und damit noch nicht genug: Es sollte sich wirklich lohnen.

In der ersten Halbzeit kämpfte Charlton Athletic um jeden Ball. Chelsea klar besser, war mit 74 % Ballbesitz die dominierende Mannschaft. Dennoch: Der Kampfgeist der Addicks war einfach ausgesprochen hoch. Die gesamte erste Halbzeit schafften sie es, kein Gegentor zuzulassen. Ein, zwei gute Chancen hatten sie selbst, aber das Durchdringen der Defensive von Chelsea war dann schon der Knackpunkt. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit passierte es dann doch noch: Hato traf in der 49. Minute zum 1:0 für Chelsea.

Die Stimmung war überragend. Es war ein Flutlichtspiel, das den Rahmen würdigte. Beide Seiten, vor allem die von Charlton Athletic, feuerten ihre Mannschaft durchgehend an. Hier passte wirklich alles: Spektakulärer Ground, das Flutlicht war an, ein schnelles, attraktiv Spiel und sehr gute Stimmung. Das bekommt man in England nicht alle Tage. Aber wenn all diese Komponenten aufeinandertreffen, dann macht es einfach nur Spaß auf der Insel.
Der Spaß, zumindest für Charlton Athletic, war allerdings schnell vorbei. Bereits in der 50. Minute traf Adarabioyo zum 2:0 für Chelsea. Nun hörte man den Away End etwas deutlicher – aber nicht lange. In der 57. Minute traf Leaburn für Charlton – Anschlusstreffer. Die Stimmungslage kippte schnell, die Athletic-Fans drehten durch, Chelsea wurde ganz leise. Aber auch dieser Zwischenstand erwies sich als äußerst unkostant: Nur fünf Minuten später traf Guiu für Chelsea. 3:1 – erst mal kurz durchatmen. Man merkte den Leuten um uns herum die Anspannung förmlich an, aber auch ich selbst fieberte für Charlton mit.

Irgendwie finde ich den Ground „The Valley“ schon seitdem ich mich mit Groundhopping auseinandersetze, sehr cool. Das Vereinslogo mit einem Schwert in der Mitte setzt dem Ganzen noch die Krone auf. In London habe ich in den ersten vier Ligen nun fast alle Vereine besucht. Auf das Spiel bei Charlton Athletic freute ich mich schon ewig und irgendwie passt hier einfach alles vor Ort. Bereits vor dem Spiel habe ich mir bei einem Fanshop am Straßenrand eine Mütze für 15£ besorgt. Zuletzt habe ich mir einen Fanartikel im Spätherbst ’24 bei Hajduk Split gekauft, davor wahrscheinlich fünf, sechs Jahre nirgendswo. Ich sammle schließlich Stadien und keine Fanartikel. Aber alle paar Jahre muss auch ich zuschlagen, wenn es mir so richtig gut gefällt. So ein Tag war nun mal wieder bei Charlton Athletic gekommen – einfach schön hier im Bezirk Greenwich!

Zwei Tore Abstand – geht hier noch was?
Eine halbe Stunde ist immerhin noch zu spielen, dachten sich die meisten Leute um uns herum. Sie hörten einfach nicht auf, ihre Mannschaft lautstark zu unterstützen. Wahnsinn, wahrscheinlich die beste Stimmung, die ich in meinen bisher 35 besuchten Paarungen in England erleben durfte. Die Mannschaft kämpfte ebenfalls bis zum bitteren Ende. Ein schneller Treffer, dann ist alles wieder drin. Aber es sollte einfach nicht sein: In der 91. sowie 94. Minute machte Chelsea den Sack zu – 5:1 Endstand. Unabhängig vom Ergebnis war das ein irre spannendes Spiel mit wirklich beeindruckender Stimmung in einem der schönsten Stadien, die ich bisher in England besucht habe. Auch mit Tom, der uns dankenswerterweise die Karten besorgte, verstanden wir uns super. Er war hochkonzentriert aufs Spiel fokusiert und nahm sich dennoch immer mal wieder die Zeit, mir ein paar Dinge über das Stadion, den Stadtteil und vor allem den Verein zu erzählen. Leider fehlte uns die Zeit für einen gemeinsames Pub Beusch, da meine Reisegruppe und ich zuvor noch bei Leyton Orient waren.
Tom, ich werde wieder kommen. A beer is on me mate (hd)

PPSM Magelang – Persibas Banyumas – 1:3

PPSM Magelang – Persibas Banyumas – 1:3

“INDONESIEN – LIEBE AUF DEN ERSTEN KLICK”

08.01.2026
Liga 4 Jawa Tengah
Stadion Dr. H. Moch Soebroto
Zuschauer: 2.378

MAGELANG – Am Tag darauf, vom gestrigen Bericht über Bali United, hob also der Flieger in Richtung Semarang ab. Das Ziel war die Insel Java. Was mich hier erwartete, war mir noch völlig ungewiss. Als ich die Buchung abschloss, war das Zweitligaspiel zwischen Kendal Tornado FC und PSS Sleman noch im Stadion Jatidiri angesetzt. Der Jackpot: Die Fans des Gastes sollen zu den besten des Landes gehören. Eine Reise wäre nicht schön, wenn nicht auch mal etwas schief läuft und sich dadurch neue Türen öffnen. So auch hier, das Spiel wurde leider knapp zwei Wochen vorher in das Stadion Sriwedari in Surakarta verlegt. Als dann zwei Tage vor dem Termin die Info veröffentlicht wurde, dass Zuschauer leider nicht zugelassen sind, bereute ich schon fast meine Entscheidung. Als dann der Flieger von Denpasar nach Semarang eine Stunde Verspätung verkündete, verpasste ich dadurch meinen gebuchten Bus nach Surakarta. Nach Landung schnell ein Grab gebucht, die Kosten hielten sich im Rahmen für eine fast zweistündige Fahrt und der Besuch in diesem Spielort ist zu empfehlen. Die Frage, ob ich das Spiel überhaupt besuchen darf, war noch ungewiss. Vor Ort kam dann die Bestätigung: “Wow, from Germany?“ Yes! Zack, so saß ich relativ schnell zwischen den Familienmitgliedern beider Mannschaften.

Doch warum diese Zeilen hier sind, sollte der Bericht eigentlich über das Spiel in Magelang berichten. Neben mir im Stadion Sriwedari saß ein wichtiger Kontakt im Laufe meiner Reise, er zeigte mir Profile bei Instagram, die mir helfen, Spiele zu finden, besonders im Amateurbereich. Zudem erzählte ich ihm, welche Spiele für mich interessant waren, weil: Achtung, viele Spiele im Amateurbereich werden ohne Zuschauer ausgetragen. Gründe hierfür sind verschieden, oft ist der Grund: es gibt kein vernünftiges Sicherheitskonzept für den Austragungsort. Der Kontakt wusste ebenso gut Bescheid, wo und welche Fans aktuell zu ihren Spielen fahren dürfen. Somit gab er mir klare Empfehlungen: Dienstag (06.01.26): Ein Spiel in der vierten Liga in Yogyakarta, zwar ohne besondere Fanszene, dafür mit vielen Zuschauern und Catering durch „fliegende“ Verkäufer. Das Spiel wurde im Netz als “Big Match” angekündigt. Zum Ende hin waren sicherlich 500 Zuschauer anwesend, grandios! Für den Mittwoch (07.01.26) gab er mir das Spiel zwischen Persik Kendal und Persibara. Kurz und knapp: Eine singende Heimkurve und ein Gästeblock, gefüllt mit circa 40 Fans. Dritter Tipp: Das Spiel dieses Berichts am 08.01.26. Die Nummern der zuständigen Ticketchefs oder Instagram-Profile der Vereine gab er mir auch noch mit. Solche Menschen sind Gold wert! Somit habe ich während meines Aufenthaltes in Indonesien jeden Tag ein Spiel sehen können, wer kann das schon behaupten? Für das Spiel im Stadion Dr. H. Moch Soebroto habe ich meinen eigentlich geplanten Rückflug am Spieltag sausen lassen und mir einen neuen Flug aus Surabaya nach Kuala Lumpur am Freitag gebucht. Es hat sich gelohnt!

Über die offizielle Verbandsseite findet man lediglich Ansetzung für die erste, zweite und dritte Liga. Die ersten beiden Ligen spielen im Land verteilt, auf den vielen Inseln und Regionen gibt es Vereine. Die dritte Liga hingegen ist aufgeteilt in vier Gruppen und je nach Region wird der Verein in die jeweilige Gruppe aufgeteilt. Der Account auf Instagram: “pssijateng” postet Ansetzungen unterklassiger Vereine im zentralen Teil Javas. Wer also mal vor Ort sein sollte, für den lohnt sich der Blick auf das Profil. Zudem hat die dritte Liga ein eigenes Profil, wo man die Ansetzungen nochmal überprüfen kann. „liga3matches“. Der komplette Spieltag wird dort inklusive Spielort gepostet. Viele Vereine spielen in kleinen schönen Stadien. Zudem hat jeder Verein, zumindest die welche ich besucht habe, ein eigenes Profil bei Instagram und pflegt dort Informationen ein.

Der Tag der Partie in Magelang startete früh, ich wollte unbedingt noch ein bisschen mehr Natur sehen. Bei Google fand ich den “Suroloyo Peak”. Die Fahrt mit dem Grab dorthin war billig, im Internet fand ich den Eintrittspreis von 10.000 IDR. Vor Ort wollte es keiner haben, auch hier wieder das Thema in der Hauptreisezeit wird es hier sicherlich etwas kosten. Wir reden hier übrigens von umgerechnet 50 Cent! Rund eine Stunde führte mich der Grab Fahrer zu meinem ausgewählten Punkt, als Einheimischer wie er sagte, sei er das erste Mal überhaupt hier oben gewesen. Er freute sich richtig, ich überzeugte ihn, auf mich zu warten, damit wir privat die Fahrt weiterfahren können. Eine weise Entscheidung, denn ob mich ein weiterer Grab Fahrer hier oben wieder abgeholt hätte, ich wage es zu bezweifeln. Eine sogenannte Win-Win Situation. Von dem Suroloyo Peak geht es ungefähr 5 Minuten in einem fitten sportlichen Zustand die Treppen hinauf auf den Berg, der Ausblick ist der Wahnsinn und lohnt sich allemal!

Nach der Entspannungs-Wanderung brachte mich der Fahrer zum Borobudur Tempel, ich informierte mich im Vorfeld nicht über diesen Tempel. “Einfach mal hinfahren und gucken.” Als ich an der Kasse ankam und die Kassiererin 445000 IDR haben wollte (ca. 23€) drehte ich wieder um und besuchte lieber einen anderen Tempel, der nicht so auf den Massentourismus aus ist. In meinen Augen definitiv zu viel Geld, egal wie spektakulär er sein soll. Kultur macht mir nur Spaß, wenn es entweder gar nichts kostet oder in einem angemessenen Verhältnis zum Preis steht. Da fahre ich lieber in die Natur, erlebe die Einheimischen und habe einen wunderbaren Ausblick über die Landschaft! Zum Glück darf jeder Mensch selber entscheiden, was er eben machen will und was nicht. Mein Grabfahrer war schockiert über den Preis und sagte selbst: Er war noch nie drin und das obwohl er als Einheimischer nur umgerechnet 5€ Eintritt zahlen müsste. Als Beispiel: Im letzten Jahr habe ich für das “Cristo Redentor” 20€ bezahlt, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt inklusive An- und Abreise mit dem Zug. Mein Fahrer ist übrigens gerne bereit, Leser von uns über die Insel Java zu kutschieren. Wer Bedarf hat, dem darf ich die Nummer weiterleiten. So unterstützt man Einheimische statt irgendwelche Leute oder Firmen, denen das Geld sowieso schon aus dem Hintern rauskommt. In Magelang selbst gibt es noch den “Mount Tidar”, einen ungefähr 500 Meter hohen Berg, der bestiegen werden kann. Affen bewohnen diesen Felsen und oben hat man ebenso einen schönen Blick über die Stadt und das Tal.

Das Mittagessen genehmigte ich mir in einem der bestbewerteten Restaurants der Stadt. Zu einem Preis von umgerechnet 2€ bekommt der Gast von der Speisekarte ein perfekt gegrilltes Stück Hähnchen inklusive Reis. Diese Preise kann man nur lieben. Falls jemand mal in Magelang sein sollte: “Lombok Idjo Magelang”. Als Europäer gilt hier natürlich besondere Vorsicht, ich esse nicht in jedem Laden das Stück Hähnchen. Andere Länder, andere Sitten. Ich hatte aber bei keinem meiner Aufenthalte im Restaurant danach Probleme mit der Verdauung oder Ähnlichem. Zumindest nicht vom Essen.

Nach einer kurzen Abkühlung im Pool des gebuchten Hotels ging es zum Stadion. Das liegt außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums, welches geprägt von Streetart des heimischen Vereins ist. Am Stadion wurde ich schon freundlich vom Offiziellen erwartet, ich sprang auf seinen Roller und er brachte mich auf die VIP Tribüne. In Indonesien habe ich bisher sehr freundliche Menschen kennengelernt, egal ob Taxifahrer, Hotelrezeptionist, Einheimische irgendwo in der Stadt oder Ähnliches. Alle freuen sich und viele winken einem ganz interessiert zu. Zum Start der Partie war das Stadion quasi leer, nach ein paar Minuten trudelten die Fans von PPSM Magelang ein, auf der Gegengerade wurde sich mit einer Musikbox eingestimmt. Zu “Country Roads” oder „Don’t Look Back in Anger” sang der Block mit. Ab der 30. Spielminute kam auch die Trommel zur Hilfe, die Musikbox wurde ausgestellt und der Support der mittlerweile höheren Anzahl an Supportern gestartet.

Der Heimverein und das finde ich ja immer irgendwie stark, wurde mir als typischer „Verlierer Verein“ vorgestellt. Für solche Vereine habe ich einfach ein Herz, umso faszinierender, wie sehr dieser Verein von den Leuten der Stadt getragen wird! Als Grund für das späte Ankommen im Stadion, wurde mir die Arbeit der Leute genannt. Anpfiff war auch am Mittwoch um 15:00 Uhr Ortszeit. Das 0:1 für den heutigen Gast, bekamen gar nicht mal so viele Fans mit. Den Ausgleich vor der Halbzeit hingegen schon, der Jubel war brachial. Herrliche Szenen – ich spreche hier von der vierten Liga in Indonesien. Einfach nur top top top!

In der zweiten Halbzeit setzte sich der Gast durch und führt aktuell die Tabelle an, gilt somit als Aufstiegsaspirant. Die Liga ist mit 27 Vereinen in sieben Gruppen aufgeteilt worden. Nach der Gruppenphase geht es in die KO-Runde. Der Erstplatzierte, Zweitplatzierte und die zwei besten Drittplatzierten kämpfen um den Aufstieg in Liga 3.

Nach dem Spiel ging es per organisiertem Fahrer des Vereins (!) zurück nach Yogyakarta, die neue Flugbuchung brachte einige Strapazen mit sich. Der Zug von Yogyakarta nach Surabaya fuhr knapp 5 Stunden und kostete umgerechnet 10,50€. Gebucht habe ich diesen zwei Tage vor Abfahrt. Wahnsinnig gastfreundlich, als ich meinem Kontaktmann von den Strapazen und Herausforderung erzählte, nur damit ich dieses Spiel und das Stadion noch mitnehmen kann, strahlte er vor Begeisterung. Er war stolz auf das, was seinen Verein ausmacht. Und ich war glücklich, denn das Land Indonesien gefiel mir wahnsinnig gut. Ich würde sagen, es reiht sich in meinen TOP-5 bereisten Ländern ein, es stimmt einfach vieles! Als kleine Anekdote, am Bahnhof angekommen, standen 5 Züge an der Anzeigetafel: Alle “on time”. Grüße nach Deutschland, wenn mir mal ein Leser so ein Bild vom Hamburger, Berliner oder Münchner Hauptbahnhof schicken kann, geht das nächste Bier auf mich. Unser Zug rollte selbstverständlich pünktlich auf die Minute in Surabaya ein und ab ging es zum Flughafen. (tp)

Bali United FC – Arema FC – 1:0

Bali United FC – Arema FC – 1:0

“EIN ORT DER GLÜCKSELIGKEIT“

04.01.2026
Super League
Kapten I Wayan Dipta Stadium
Zuschauer: 8.501

GIANYAR – Die Reise ging weiter. Nach den Berichten aus Äthiopien und Bangladesch ging es für mich nach Indonesien. Die Auswahl, aus Dhaka in ein anderes Land zu fliegen, war begrenzt, keine Destination war gerade billig, außer zahlreiche Inlandsflüge oder Indien. Das war für mich keine Option, da investiere ich doch lieber mal ein paar Groschen mehr und somit hatte ich freie Auswahl. Für das gleiche Geld kam Malaysia, Thailand oder eben Indonesien ins Gespräch. Thailand veröffentlichte Mitte Dezember immer noch keine weiteren Spiele für den Januar und Malaysia kommt irgendwann sowieso in meine Reiseroute. Für einen schmalen dreistelligen Betrag ging es also nach Denpasar. Über die Insel Bali habe ich schon so einiges gehört: „Bali oder Ballermann” ist quasi das “Arda Güler oder Messi” der deutschen Reisebüros. Massen an Touristen strömen hier über das Jahr verteilt ein. Wer mehr Fakten zur Insel und Tipps haben will, dem empfehle ich den Beitrag vom Kollegen (hd) bei uns auf dem Profil (30.09.2025). Dafür bin ich einfach nicht zuständig, mich interessiert eigentlich nur Fußball, Fans, günstiges Konsumieren und alle anderen Spartipps.

Die Einreise nach Indonesien verlief sehr simpel, wenn Touristen sich vorher informieren. Wenn nicht, müssen sie sich in langen Schlangen zum Ausfüllen der sogenannten “Arrival Card” anstellen. Meine Person betrifft es zum Glück nicht, ganze zwei Minuten habe ich mich vorab damit befasst. “Visa on Arrival” gibt es zudem, zahlt man mit Bargeld (Euro wird akzeptiert), spart man sich auch noch die 5% Bearbeitungsgebühr bei Kreditkartenzahlungen. Wusste ich vorher auch nicht, aber Euro dabei zu haben schadet nirgendwo auf diesem Planeten. Der entsprechende QR-Code für die Arrival Card muss nach den Passkontrollen vorgezeigt werden, somit dauerte meine Einreise keine 15 Minuten. Ab in die Abholzone vom Grab und auf ins Hotel. Verkehr? Auch hierüber habe ich so einiges Schlechtes gehört. Bei meinem Aufenthalt war es weder am Sonntag noch am Montag dermaßen gefüllt, überall war gutes Durchkommen und die Routen dauerten vielleicht mal +10 Minuten. Vollkommen okay, ist halt nicht Rio de Janeiro, sondern am Ende nur Bali. Aber klar, der Faktor wird sein: Es ist eben keine Hauptreisezeit auf Bali.

Ab zu den wichtigen Themen: Der Spielort des Erstligisten liegt weit außerhalb, das Hotel wurde in der Nähe des Stadions gebucht. Die Eintrittsberechtigung auf der Gegengerade kostete 4€ und war lediglich online zu erwerben, der Verein pflegt das Instagram-Profil täglich mit News. Eine Tageskasse wird nicht beworben und gesehen hab ich auch keine, schade für die Sammler unter uns, somit bleibt den Fanatikern das Abspeichern in die Wallet oder das PDF ausdrucken. (GROẞER MIST!!)

Arema FC? Wieso kam mir der Verein so bekannt vor? Ein trauriger Hintergrund. Am 01.10.2022 geschah in Indonesien eine der größten Katastrophen im Fußball. Das Kanjuruhan Stadion war der tragische Ort einer ausgebrochenen Massenpanik. Nach dem Spiel zwischen Arema FC und Persebaya stürmten die Fans des Gastgebers den Platz. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Fans zurück auf die Tribünen zu scheuchen. Was folgte, sind Bilder, die um die Welt gingen. Eine dreistellige Anzahl an Todesopfern. Schweigeminuten in vielen Ländern, auch in Europa. Der Fußball in Indonesien lag brach, die Liga wurde zu Recht ausgesetzt. Momente, die kein Fußballfan, Konzertgänger oder sonst jemand erleben möchte. Doch auch in Deutschland habe ich schon oft Situationen erlebt, wo es brenzlig wurde, weil irgendwelche „Sicherheitsbedingungen“ ausprobiert werden. Oft lag es an der Besonnenheit einiger Fußballfans, die zum Glück die Nerven behalten haben. Ich denke mal, jeder Leser der ein paar Spiele insbesondere als Auswärtsfan mitgemacht hat, weiß wovon ich hier schreibe. Wir können nur hoffen, dass solche Vorfälle nicht oder am besten nie wieder vorkommen.

Der zweimalige Meister von der Touristeninsel Bali agiert aktuell unter dem dritten Vereinsnamen seiner Geschichte. Nach der ersten Nennung als “Putra Samarinda” gab es im Jahr 2003 durch finanzielle Engpässe einen Zusammenschluss mit dem Verein Persisam. Nach der Entscheidung ging es dann weiter mit dem Namen: “Persisam Putra Samarinda”. Zu guter Letzt wurde 2014, mit dem Hintergedanken, einen Erstligisten auf Bali zu festigen, der Verein erneut umbenannt zu Bali United FC, so steht der Name auch 11 Jahre danach noch. Die Namensänderung hatte auch einen Umzug des Stadions mit sich, vor dem Jahr 2014 absolvierte man die Heimspiele noch im Stadion Segiri. Die Spielstätte liegt auf der Insel Borneo und in der Stadt Samarinda. Aktuell spielt in dem Stadion ein Erstligist, welcher auch aus der Stadt Samarinda kommt: Borneo FC Samarinda. Irgendwie ist alles schon verrückt.

Besonders erstaunt war ich, als ich im schönen Stadion angekommen bin. Die Nordseite des Stadions war noch nicht gefüllt. Über Instagram entdeckte ich das Profil der “northsideboys12”. Hier wurde ein Aufruf gepostet, heute zahlreich und leidenschaftlich, ihre Tridatu-Warriors zu unterstützen. Auf der anderen Seite war der Gästeblock. Zum Start der Partie übernahmen die mitgereisten Anhänger ganz klar die Oberhand. Ich war erstaunt, wie viele Supporter diesen Weg auf sich nehmen. Sofern die Reise mit Autos oder Bussen bewältigt wurde, sind es laut Google Maps immerhin rund 10 Stunden Fahrt + die Überfahrt mit der Fähre. Wahnsinn! Im Laufe der Spielzeit füllte sich der benachbarte Block noch mit weiteren Anhängern des Gastes, so waren es am Ende sicherlich gut und gerne 2.000 Fans aus Malang. Das Spiel startete zäh und wurde auch nicht großartig erwähnenswert. In der zweiten Halbzeit fiel das Tor für die Heimmannschaft. Währenddessen genoss ich die Stimmung der Fans, die Version mit Trommeln von “You’ll Never Walk Alone” habe ich vorher nie gehört. Kurios, aber irgendwie auch interessant.

Mit dem vorbestellen Grab ging es in den Pool der Unterkunft, während der “Regenzeit” in Indonesien gibt es richtig gute Unterkünfte für unter 20€ zu erwerben. Das ist top, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es unbedingt großartig teurer wird. Vielleicht sollte man seine Augen breiter fächern und nicht nur in beispielsweise Kuta oder Sanur nach Unterkünften Ausschau halten. Den Bericht schrieb ich am vierten Tag meines Indonesien-Aufenthalts. Meine Arme, Nacken und Beine erhielten einen kostenfreien Sonnenbrand. Obacht, also auch während der Regenzeit. Von der Insel Bali ging es schon nach 24 Stunden Aufenthalt, der Weg führte mich auf die Insel Java. Weg von den Touristen-Horden dieser Welt, gefällt es mir doch meistens irgendwo am besten, wo sich eben nicht die Masse aufhält. Ein weiterer Bericht aus Indonesien wird sicher noch folgen, wir lesen uns! (tp)

Eisbären Berlin – Löwen Frankfurt – 2:3

Eisbären Berlin – Löwen Frankfurt – 2:3

„IN DER NOT FRISST DER GROUNDHOPPER EISBÄREN“

02.01.2025
Deutsche Eishockey-Liga (DEL)
Mehrzweckhalle am Ostbahnhof
Zuschauer: 14.200

BERLIN – Nach einem wunderbaren Ausflug tags zuvor in London zu Leyton Orient, wollte nicht mehr viel klappen. Zu spät machte ich mich auf zum „Alexandra Palace“, um noch für das Viertelfinale der Darts-WM auf dem Schwarzmarkt rumzublöken. Das Bierchen in der High Road schmeckte einfach zu gut. Trotzdem wurde noch ein Blick auf die windigen Typen vor dem „Ally Pally“ geworfen und ein 125£-Ticket auf 50 Pfund gedrückt. Luke Littler war mit seiner Session aber fast schon durch und am Ende fiel die Entscheidung auf: Geld sparen. Der Abend fand seinen lockeren Ausklang im Wetherspoon an der Baker Street.

Einfach Füße hoch und im Hotel chillen, kam nicht in Frage, da auf ein Hotelbett verzichtet wurde. Der Grund: Ein 6-Uhr-Flug vom Horror-Airport Stansted, für den aktuell die Empfehlung ausgesprochen wird, wegen Personalmangel 3 Stunden früher anzureisen. 10 Tage zuvor wurde man Augenzeuge von diesem „Personalmangel“, als der Flieger zurück nach Schwechheim erst 15min vor dem Abflug bestiegen werden konnte. Immerhin öffnet die Sicherheitskontrolle in STN mittlerweile um kurz nach 2 und während sich die Massen an Passagieren in der Fresshalle breitmachte, wurde einfach schon der Weg Richtung Ryanair-Gates eingeschlagen und in aller Ruhe und ohne weitere Mitschläfer ein paar Stunden auf einer Sitzbank abgeratzt.

Ganz früh in Berlin angekommen, hieß es: Zeit totschlagen im Stadtteil Steglitz. Zwischen Karstadt, Bierpinsel und Streuselkuchen herrscht hier eine Atmosphäre wie vor dem Mauerfall. Dazu die grauen Gesichter und der Schneeregen an diesem zweiten Tag des Jahres. Das war gut um ein bisschen runterzukommen, nach dem actionreichen Tag in London. Gegen 12 Uhr sollte ich von der Familie eingesammelt werden und danach stand das Naturkundemuseum auf dem Programm. Vorher äußerte der Sohnemann noch den Wunsch mal zum Eishockey gehen zu wollen. Und siehe da: Am Abend spielten die Eisbären und bei Kleinanzeigen ploppte eine frische Anzeige für das ausverkaufte Spiel auf: „Ticket für 25€ wegen Krankheitsfall abzugeben, Übergabe vor der Eishalle.“ So fand das Wochenende doch noch ein versöhnliches Ende im Sinne des Sports, wenn auch mit 24 Stunden Verspätung. In der Not frisst der Groundhopper eben Eisbären oder Löwen.

Was sollte da noch schiefgehen? Nichts. Allerdings hatten wir nur nur 1 Ticket. Ob Kinder ohne Ticket mit in die Halle dürfen? Das Internet spuckte unterschiedliche Meldungen darüber aus. Also ging es am Abend Richtung Ostbahnhof und das Motto lautete: „Wird schon schiefgehen“. Und genauso kam es: Am Einlass wurde uns erklärt, dass nur Kinder bis zum dritten Lebensjahr ohne Karte reindürfen. Schließlich wurde der Gang zur Information empfohlen, wo unserem Erstklässler mit seinem Hundeblick ohne Diskussionen eine Schoßkarte ausgehändigt wurde, weil das Spiel offiziell als ausverkauft galt – dafür klingelte auch nochmal ein kleiner Betrag in der „Kaffeekasse“. So gewinnt man neue Fans.

In der ausverkauften Halle war es natürlich kein Problem zwei Sitzplätze nebeneinander zu finden. Am Ende war aber auch hier Glück im Spiel. Denn in der zweiten Drittelpause kamen die eigentlichen Dauerkarteninhaber der Plätze vorbei, um den liebgewonnenen Sitznachbarn „Hallo“ zu sagen und stolz mitzuteilen, dass sie für diesen Tag VIP-Plätze gewonnen hatten. Läuft in Berlin. Das kann man über die Eisbären aber aktuell nicht wirklich sagen. Der amtierende Meister kämpft zur Stunde noch um die Teilnahme an den Play-Offs und auch gegen Frankfurt stand am Ende eine unnötige Niederlage auf dem Videowürfel.

Dabei gingen die Eisbären am 70. Geburtstag der kanadischen Klublegende Peter John Lee früh in Führung. Zuvor führte eben jener Peter Lee schon durch das Programm vor dem Spiel und durfte den symbolischen Bully vor dem eigentlichen Face-off durchführen. Gut was los also in der modernen Arena, auch wenn hier auf Pyro-Effekte zum Einlauf der Akteure verzichtet wird, aber das tut dieser eventisierten Sportart mal ganz gut. Während sich das Spiel auf überschaubarem Niveau einpendelte und mit dem 1:0 in die Drittelpause ging, lieferten sich die „Hartmut-Nickel-Kurve“ und der Gästeblock nette Wechselgesänge und immer wieder wurde gemeinsam gegen die Adler Mannheim Stimmung gemacht, die zeitgleich eine herbe Niederlage beim Tabellenletzten in Dresden einstecken mussten.

Die „Freunde aus Frankfurt“ bedankten sich im zweiten Drittel mit der überraschenden Führung. Nun kam endlich mal Spannung in die Partie und die Eisbären berannten das Gästetor. Der Puck zappelte aber erst im letzten Drittel im gegnerischen Netz. Während nun alle in der Halle heiß auf die Schlussoffensive waren, gelang den Löwen im Gegenzug sofort wieder der Führungstreffer. Ein komisches Spiel, dem Berliner Powerplay in der Schlussphase fehlte es an den letzten Zentimetern Präzision und so verließen die Berliner Eishockey-Fans nach dem Ertönen der Schlusssirene fluchtartig und enttäuscht die Arena, während der kleine, kompakte Gästeblock seine Mannschaft abfeierte.

Die viel zitierte „gute Stimmung“ bei den Eisbären ist natürlich relativ, wenn man aus dem Fußball-Business kommt. Es gibt eine nette Kurve mit viel Bewegung und Gesang und dazu passend: Dynamo-Support für den Verein aus Hohenschönhausen. Dass nahezu jedes Spiel ausverkauft gemeldet wird, beeindruckt mittlerweile. Und der Rahmen in der DEL, fast immer mit zwei Fanszenen, hat schon ordentlich an Attraktivität gewonnen. Am Ende ist es halt ein Eishockey-Event mit all seinen Vor- und Nachteilen. So sah das auch der Sohnemann, der die Veranstaltung zwar cool fand, aber auch ein bisschen langweilig. Amen. (mm)

Arsenal FC – Aston Villa – 4:1

Arsenal FC – Aston Villa – 4:1

„WE’RE TALKING ABOUT A LIBRARY, AREN’T WE?“

30.12.2025
Premier League
Emirates Stadium
Zuschauer: 60.207

LONDON – Der Tag startete entspannt im Lieblings-Wetherspoon am Ealing-Broadway. Hier, in einem kleinen Außenbezirk Londons, zahlt man für sein IPA on Draught 3,2£ statt 7,9£ in den Pubs des Zentrums. Selbst in unserer geliebten Kette muss man mitten in London mittlerweile knapp 6£ auf den Tresen legen.

Etwas aufgeregt war ich ja schon, sollte es heute endlich zum letzten „großen“ Premier-League-Verein gehen. Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham sowie Chelsea können als „erledigt“ betrachtet werden. Arsenal ist der letzte Große auf meiner persönlichen Liste. Und schon kommt die große Frage auf: Kann man bei Arsenal eigentlich wirklich von einer Bibliothek sprechen? „The Library“, ein Begriff, den jeder schon einmal im Zusammenhang mit Arsenal gehört haben sollte. Nachdem es für Arsenal damals aus dem Highbury Ground in das neu geschaffene Emirates Stadium ging, welches etwas über 60.000 Plätze fasst, dachten sich die Reichen und Schönen: „Das kann ja nur großartig werden.“ Sie sollten sich irren! „50 % Asiaten, keine Stimmung, scheiß Kommerz-Ground.“ So in etwa klingt es, wenn man andere Fußballreisende nach ihren Erlebnissen bei den „Gunners“ fragt. Kann ich das bestätigen?
Die einfache Antwort lautet ganz klar: Nein! Ich habe mich tatsächlich gewundert, wie gut die Stimmung ist.

Mittlerweile kommen scheinbar wieder mehr junge Leute an Karten bei den großen Vereinen Englands und interessieren sich für den Fußball, aber eben auch ums Drumherum. Fünf bis sechs Dutzend Jugendliche haben für ordentlich Stimmung gesorgt und ebenfalls dafür, dass diese auf die ganze Hintertortribüne überschwappte. So oder so ähnlich habe ich es auch letztes Jahr schon an der Craven Cottage beim Fulham FC gesehen. Sowohl damals als auch heute bei den Gunners waren die jungen Erwachsenen mit Trommeln und zwei bis drei Schwenkfahnen ausgestattet. Chapeau, es passiert was auf der Insel. Aber eine Bitte an das Nachwuchs-Fanklientel: Bitte schön ‚Casual British‘, nicht zu sehr ‚Ultrà‘
Jeder wünscht sich doch, dass es nördlich von Calais weiterhin traditionell zugeht.

Was war sonst noch so los bei den Gunners?

Die Spieler legten den Fans so kurz nach dem Boxing Day noch nachträglich ein Geschenk unter den Baum. Sie bekamen ein wunderschönes Fußballspiel mit insgesamt fünf Toren. Zwar ging es in der ersten Halbzeit relativ zaghaft los, doch das waren ja nur die ersten 45 von 90 Minuten. Ich war noch nicht ganz vom Bierstand wieder an meinem Platz, als es das erste Mal knallte. 48. Minute: Gabriel trifft für Arsenal – 1:0.

Dann ging es ganz schnell: Bereits vier Minuten später traf Zubimendi zum 2:0. Die Fans rasteten aus, der Away End, in einem Eckblock im Unterrang positioniert, wurde langsam immer stummer. Aston Villa sah in den nächsten 30 Minuten keine einzige Chance mehr. In der 69. Minute traf Trossard zum 3:0 für Arsenal. Knapp zehn Minuten später machte Gabriel Jesus den Sack zu: 4:0 Arsenal. Einen Ehrentreffer konnte Ollie Watkins in der 94. Minute noch für „The Villans“ erzielen, interessiert hat es eigentlich niemanden mehr.

Fröhlich und überraschend positiv war ich nach dem Spiel gestimmt:
60.000 Zuschauer, fünf Tore und wirklich gute Stimmung für englische Verhältnisse.
Arsenal, ich werde wiederkommen. (hd)

Hanwell Town FC – Uxbridge FC – 1:1

Herzlich willkommen zur BILDERBUCHBUDE der Woche (81). Wir befinden uns im Stadtteil Perivale in London. Hier trägt Hanwell City FC seine Heimspiele im Reynolds Field aus. Den Ground erreicht man über die U-Bahn-Haltestelle Perivale oder alternativ per Bus.

Apropos Bus: Genau dieses Gefährt macht diesen Ground so besonders. Ein schöner roter Doppeldecker steht im Stadion parat und dient des öfteren als Verkaufsbude für „Burger and Beer“. Hier in der 7. Liga in England ist die Welt noch in Ordnung, hier darf man Mensch sein und sein Bier am Spielfeldrand schlürfen.


27.12.2025
Reynolds Field
Hanwell Town FC – Uxbridge FC – 1:1

Oxford United – Swansea City – 0:1

Oxford United – Swansea City – 0:1

„SWANSEA CITY AUF DEN SPUREN VON HARRY POTTER“

29.12.2025
Championship
Kassam Stadium
Zuschauer: 11.413

OXFORD – Als ich neulich beim gemütlichen Kaminabend mit einem Glas Bier in der Hand meine Jahresstatistik für Facebook erstellte, bemerkte ich, dass ich 2025 tatsächlich in England die meisten auswärtigen Spiele besucht habe. Mit 13 gesehenen Spielen im Vereinigten Königreich liege ich damit unweit hinter Deutschland – 33 Spiele waren es hier. Eins davon war am 29.12. in Oxford, der Stadt, die oftmals als Filmkulisse für Harry Potter diente.

Auch die Swansea-Fans waren da. Sie waren augenscheinlich auf den Spuren von Harry Potter, allerdings machten sie sich nicht in der Bibliothek der Innenstadt bemerkbar, sondern im Away End im Kassam Stadium. Ungefähr 1.000 Fans dürften mitgereist sein. Das Stadion von Oxford United, etwas außerhalb am Stadtrand gelegen, ist eigentlich relativ langweilig. Es verfügt über drei voneinander getrennte Tribünen, und man sitzt, wie so oft in England, nah am Spielfeldrand und ist somit direkt am Geschehen. Hinter den Tribünen gibt es Cider, Bier und Pie – alles wie immer auf der Insel.

Der Spielverlauf gestaltete sich anfangs direkt attraktiv, ein schnelles Spiel mit schnellen Toren. Schon in der 14. Minute traf Vipotnik für die Swans zum 0:1. Die Fans drehten durch und wurden ab hier eigentlich nicht mehr richtig leise. So soll es sein! Vipotnik kennt der eine oder andere sicherlich vom NK Maribor.
Von den Heimfans kam meist nicht allzu viel, ein paar Schlachtrufe wirkten ganz nett. Lediglich „Yellows!“-Wechselgesänge schwappten auf die Menge rüber und animierten einige Briten zum Mitmachen.
Die zweite Halbzeit war ebenfalls schnell und chancenreich, aber klingeln sollte es im Kasten nicht mehr. Nach Abpfiff gingen wir zügig zur Busstation, wo wir ewig auf einen Bus warteten – der aber einfach nicht eintreffen wollte.

Also haben wir uns kurzerhand mit einem anderen deutschen Fußballfan, der vor Ort war, ein Uber geteilt und sind zurück in die beschauliche Innenstadt von Oxford gefahren. Nachmittags waren wir noch im Wetherspoon „Swan & Castle“, um nun nahegelegen an der Gloucester Road, dem Busbahnhof von Oxford, dem zweiten Spoon der Stadt einen Besuch abzustatten. Das war für mich JD Pub Nr. 132. Es gibt noch einen dritten in Oxford, weit außerhalb vom Stadtzentrum gelegen und auch nicht in Stadionnähe, weshalb dieser noch auf einen weiteren Besuch warten muss.

Aber vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren, denn Oxford United plant schon wieder einen Neubau. Das Kassam Stadium, gerade mal geschätzt 15 Jahre alt, ist irgendwie nicht mehr so „in“. Nun möchte die Stadt zusammen mit Oxford United ein neues Stadion, auch wieder außerhalb der Stadt, bauen. Nördlich gelegen, in Kidlington, soll ein „voll elektrisches“ Stadion entstehen. Eine traurige Entwicklung, wenn man bedenkt, dass doch gerade England für die Stadien mitten in der Stadt, zwischen Wohnblocks und Kneipen, bekannt ist.
Apropos Neubau: Während wir nachmittags im Spoon dinieren, hat mir ein Kontakt von uns doch tatsächlich noch eine Zugangsberechtigung für das anstehende Arsenal-Heimspiel besorgt. Was im „Emirates Stadium“ los war, lest ihr morgen beim Schwechheimer Landboten. (hd)

T&T Club Motijheel – Bangladesh Boys Club – 1:0

T&T Club Motijheel – Bangladesh Boys Club – 1:0

„AUCH EIN MOLOCH HAT EINE MENSCHLICHE SEITE“

03.01.2026
Dhaka Senior Division League
Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium
Zuschauer: 50

DHAKA – Die Hauptstadt von Bangladesch dürfte nicht nur bei Groundhoppern eher weiter unten auf der Wunschliste stehen, gilt sie doch als dreckigste Stadt der Welt. Doch günstige Flugverbindungen mit Stopp in Bahrain führten mich und (tp) in Versuchung und so drückten wir Ende November den Buchungsknopf.

Nach der Landung wurden für die Einreise 50 USD fällig. Das ganze Prozedere war schon recht chaotisch und nur ein Vorgeschmack auf das, was uns vor der Ankunftshalle erwartete.

Dort drängten sich Menschenmassen und die bewaffnete Polizei bildete ein Spalier, damit die Fluggäste überhaupt rauskommen konnten. Draußen steigt einem sofort ein beißender Geruch aus Abgasen in die Nase. Es kratzt im Hals und man muss husten. Dazu ein Höllenlärm durch die hupenden Autos, abgeranzten Busse und Auto-Rikschas in den verstopften Straßen. An vielen Stellen liegt Müll herum.

Wir liefen erst einmal weg vom Airport, fanden aber nach kurzer Zeit eine Auto-Rikscha zum Hotel. Unter Mithilfe der Einheimischen wurde dem Fahrer der Weg gezeigt und mit den Worten „It’s OK, not too much“ sein Fahrpreis bestätigt. Hier zeigte sich zum ersten Mal die menschliche Seite dieser Megacity. Komplett erschlagen von den Eindrücken fielen wir drei Stunden nach der Landung ins Bett.

Am nächsten Morgen lief alles zunächst entspannt. Uber funktionierte und brachte uns mit relativ wenig Stau zum „Bir Shreshtha Mostafa Kamal Stadium“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Fluss neben der Straße glich einer Kloake und die Sichtweite betrug durch den Smog vielleicht 100 Meter. Ich hatte mit Manila erst neulich eine sehr dreckige Stadt gesehen und auch bei meinen ersten China-Reisen vor über 10 Jahren einiges erlebt, aber Dhaka toppt leider alles.

Trotz der schwierigen Lebensumstände waren auch hier die Menschen freundlich und neugierig. Der Trainer vom T&T Club erzählte, dass der Kunstrasen erst vor zwei Monaten verlegt wurde. Seitdem werden hier alle Spiele der „Dhaka Senior Division League“ ausgetragen.

Das Stadion mit seinen zwei großen Stehkurven mitten im Großstadtchaos wirkte surreal. Zudem wohnten einige Familien in der Haupttribüne und Kinder nutzten das Areal als Spielplatz. Sportlich wertvoll war die Partie eher weniger. Der Star war hier ganz klar der Ground. Und wie sollte es auch anders sein trafen wir noch einen weiteren Hopper aus Schwechheim, Grüße gehen raus!

Tatsächlich absolvierten wir an diesem Tag sogar noch einen Doppler. Etwa zwei Stunden nördlich von Dhaka in Gazipur traf in der „Premier League“ die Polizeimannschaft auf Rahmatganj. Es gab sogar eine Eintrittskarte und die Ränge in dem Cricketground füllten sich mit zunehmender Dauer immer weiter.

Nach dem Spiel bahnten wir uns mit Auto-Rikschas in Etappen den Rückweg in den Moloch, da kein Uber-Fahrer annehmen wollte. Auch hier vermittelten die Einheimischen. Der letzte Fahrer sorgte mit seiner spektakulären Fahrweise abermals für einen erhöhten Puls. Beim Anfahren machte sein Gefährt wie ein bengalischer Tiger einen Satz nach vorne und landete immer beinahe im Heck des Vordermanns, aber nur fast. Dhaka eben.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich schon wieder im klimatisierten Airport auf dem Rückweg nach Deutschland. Bei aller Kritik an den Zuständen bei uns hat mir der Ausflug nach Dhaka erneut gezeigt, wie gut wir es immer noch haben. (hr)

Ethiopia Nigd Bank – Ethiopian Medhin – 2:1

Ethiopia Nigd Bank – Ethiopian Medhin – 2:1

“DIE JAHRESUHR STEHT NIEMALS STILL”

31.12.2025
Ethiopian Premier League
Adama Science and Technology University Stadium
Zuschauer: 110

ADAMA – Bei diesem Reiseziel fallen bei einigen Leuten aus meinem privaten und beruflichen Umfeld die Hände über das Gesicht zusammen. Äthiopien! Aus Mailand sollte es über Jeddah in dieses noch unbesuchte Land gehen. Die Hauptstadt Addis Abeba, mit rund fünf Millionen Einwohnern, steht wahrscheinlich nicht bei jedem Reisebegeisterten auf Platz eins der Wünsche. Ein paar Hürden sind zu überwinden, der einheimische Kalender tickt ein wenig anders als auf vielen Teilen der Welt. Beispiel: Am 03.01.2026 schreibe ich diesen Bericht, laut dem äthiopischen Kalender haben wir den 25.04.2018. Die Geburt Christi ist nach ihrem Kalender später erfolgt und zudem hat das Kalenderjahr 13 Monate. Zusätzlich ticken die Uhren ebenfalls anders. Die einheimischen Uhren laufen nach dem Aufgang der Sonne. Geht die Sonne auf, startet der Tag für die Einheimischen. Warum ist das so wichtig?

Auf Facebook gibt es Profile, die Auskunft über die aktuellen Spiele der Liga geben. “Ethiopian Football Federation” ist meiner Meinung nach das Inhaltlich am sinnvollsten. Die Spiele der Ligen werden mit Zeit, Datum und Spielort veröffentlicht, doch Obacht! Auch hier gelten die Zeitangaben inklusive Datum nach dem einheimischen Kalender und Uhrzeit. Für unseren Aufenthalt mussten wir also die Zeitangabe mit +6 Stunden berechnen. Die Spiele der ersten Liga finden aktuell in Addis Abeba, Awassa oder in unserem Spielortes dieses Berichts (Adama) statt. Am ersten Aufenthaltstag gab es für uns somit die Gelegenheit das Stadion in Addis zu besuchen und am Tag darauf nach Adama zu fahren. Ideal, die Termine waren zuverlässig und sie wurden allesamt eingehalten.

Adama liegt circa 90 Minuten Autofahrt südöstlich von der Hauptstadt entfernt. Sofern man den Großstadtdschungel überstanden hat, geht es auf die Autobahn. Hervorragend ausgebaut, bessere Straßenverhältnisse als auf der A7 Richtung Süden nach Hannover. Auch der beschriebene Dschungel ist nicht so extrem, die Straßenverhältnisse in der Großstadt waren deutlich besser als erwartet. Mit der Taxi-App “Ride” bekommt man schnell einen Fahrer.

Wir haben uns für die Variante eines persönlichen Fahrers entschieden, wir wollten kein Risiko eingehen. Die Maut kostete umgerechnet 90 Cent. Der Fahrer stand den ganzen Tag für uns zur Verfügung, nach seinem eigenen Willen verbrachte er sogar das Spiel ebenfalls im Stadion. Die Länderpunkt-Runde Bier hat er leider förmlich ausgelassen. Doch, kein Problem: Der Bierpreis in einem Lokal liegt bei ungefähr 60 Cent! Und auch sonst: Dieses Land bringt Spaß, entgegen der Erwartung.

Beide Vereine verfügten über einen Edelfan. Der Anhänger und wahrscheinlich auch Mitarbeiter oder Kunde der Bank, trudelte das komplette Spiel entlang der Gegengerade. Verhalf seinem Team quasi lautstark als Co-Trainer. Sein Verein wurde gegründet von der “Commercial Bank of Ethiopia”. Der noble Fan des Gastes trug einen blau-weißen Sportanzug, wesentlich behutsamer verfolgte er das Gekicke auf dem Rasen.

Zum Ende des Spiels freute sich unser Fahrer auf den Schlusspfiff. Dank ihm kamen wir rechtzeitig in der Nähe des Airports an. In einem ausgesuchten Lokal genossen wir billiges Bier, einen Mega-Cheeseburger mit Pommes (2,64€) und den nebenbei laufenden Africa Cup. Geiles Land, nette Leute und Hammer Preise. Das freut die Redaktion. Die Reise ging ja noch weiter, wohin? Das erfahrt ihr morgen. (tp)

Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

Leyton Orient F.C. – AFC Wimbledon – 1:3

„AM ENDE KACKT DIE ENTE“

01.01.2026
League One
Brisbane Road
Zuschauer: 8.643

LONDON – Frohes neues Jahr! Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fast vier Wochen Fußballpause wären zu herb gewesen, also wurde für den 1. Januar eine Ticket-Anfrage „übernommen“, die ich für einen Kollegen in die Umlaufbahn der britischen Fußballwelt geschickt hatte. Für Brentford gegen Tottenham sollte ein Ticket her. Dann wurde das Spiel allerdings verlegt, dem Kollegen passte der Termin nicht mehr in den Kram und im Falle einer positiven Nachricht, wäre ich einfach als Ticket-Holder eingesprungen. Anlass für diesen Plan waren auch 20€-Flüge vom reaktivierten Flughafen Schwechheim, direkt vor der Tür. 20h-Trip nach London mit zwei Spielen. Das klang verlockend und unkompliziert.

Der Haken an der Sache: Beim FC Brentford gibt es mittlerweile so heftige Ticket-Auflagen, dass selbst mit den besten Kontakten eine Karte schwierig wird. Tickets gibt es nur in der vereinseigenen App und diese können nicht beliebig weitergeschickt werden. Nur Mitglieder-verifizierte Accounts sind in der Lage so ein Ticket sichtbar zu machen. Das heißt also, für eine Karte benötigt man die Zugangsdaten inklusive Passwort eines Mitglieds. Natürlich kann mit einer Membership auch nur 1 Ticket gekauft werden und vielleicht hätte es sogar geklappt mit einer Einlassberechtigung – aber ich sag es mal ohne Umwege: Die Bettelei war mir zu dumm. Viel Geld gespart für ein frustrierendes 0:0, das es am Ende geworden ist. Ein Mitglied der Redaktion wurde vorm Stadion beim Sichten des Schwarzmarkts von der Polizei sogar mit einem Platzverweis belegt.

Brentford: Wir sehen uns irgendwann in der Championship oder League One wieder. Am Ende kackt die Ente. Die Daumen sind gedrückt. Vielleicht folgt hier die Tage nochmal ein „Classic-Bericht“ aus dem „Griffin Park“, Brentfords alter Heimat. Um mal zu veranschaulichen, wie beschissen sich die Dinge im Westen der Stadt entwickelt haben.

Der Trip nach London wurde natürlich trotzdem angetreten. Schließlich war der Tisch für das 15-Uhr-Spiel vor Ort reichhaltig gedeckt. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Charlton Athletic und Leyton Orient entschied man sich am Ende für die Brisbane Road. Stadtderby gegen Wimbledon und zusammen mit einem Kollegen vom „Intourist Babelsberg“ konnten vor und nach dem Spiel noch ein paar Pints geleert werden. Nachdem zusammen vor dem Spiel im Zentrum noch ein Blick auf die „London Parade“ abfiel, ging es zurück in den Nordosten der Stadt. Klassische Straßenzüge mit Pubs und Ladenzeilen verrieten uns, dass wir hier richtig waren. Viel Stadtteil-Flair rund um die Brisbane Road ließ die Vorfreude auf den Kick steigen, für den es am Tag zuvor nur noch Resale-Karten gab. Wollen wir mal hoffen, dass Leyton bei dem anhaltenden Erfolg das Ticketing nicht auch bald auf eine App abwälzt.

Nach 6 Siegen in den letzten 6 Spielen in der Vor-Saison, erreichten die „O’s“ nämlich nach dem Wiederaufstieg 2023 sensationell die Play-Offs für die zweite Liga gegen – genau: Charlton Athletic! In einem engen Spiel vor rund 80.000 Zuschauern in Wembley musste der Außenseiter den „Addicts“ mit einem 1:0-Sieg den Vortritt lassen. 2019 war Orient erst aus der National League in die EFL zurückgekehrt. Der rasante Aufstieg hat übrigens Folgen, so wurden im Herbst letzten Jahres Neubaupläne für ein Stadion bekanntgegeben.

Ganz so weit ist man bei Orient am ersten Tag des Jahres 2026 dann aber doch noch nicht. Die Brisbane Road wurde auf der alten Tribüne mit Solarpanels ausgestattet, ansonsten ist im Leyton-Stadion alles wie immer und auch die Mannschaft hat sich wieder im unteren Mittelfeld der Liga eingruppiert. Mit Fußballfeinkost war nicht zu rechnen, zumal Wimbledon als Aufsteiger und Tabellennachbar in der League One das Rad vermutlich nicht neu erfunden hatte. Daher erfreuten wir uns zunächst nur an dem Ground, der irgendwie traditionell ist, aber teilweise auch neu und herausgeputzt. Integriert in den Stadtteil, mit Wohnblöcken an den Ecken und einer alten Tribüne. Die Proportionen und die Atmosphäre stimmen bei Leyton einfach, zudem ist man unglaublich nah dran am Spielgeschehen, wie es sich auf der Insel gehört.

Nach 5 Minuten klingelte es auch schon direkt vor der Nase. Orient ging in Führung. Das Jahr war 15 Stunden und ein paar Minuten alt, da konnte schon festgehalten werden: 2026 läuft gut an! In der Folge machte sich auch der volle Gästeblock das ein oder andere Mal bemerkbar. Das lag daran, dass die Anfangsoffensive der Heimelf langsam verpuffte. Wimbledon fand in alter Manier und mit kompromissloser Zweilampfstärke zunehmend in die Spur zurück. Per Eigentor gelang tatsächlich der verdiente Ausgleich und für die zweite Hälfte deutete sich an, dass die Gäste nicht locker lassen würden. Nach 5 sieglosen Spielen hintereinander hatte der AFC was gut zu machen und mit einem trockenen Schuss gelang nach über einer Stunde schließlich die Führung. Nun war der laute Gästeblock der Star dieser Veranstaltung.

Orient hatte der Spielweise von Wimbledon nichts mehr entgegenzusetzen. Das verdeutlichte die Tatsache, dass die Zuschauer trotz des knappen Rückstands die Spielstätte ab der 80. Minute verließen. Als dann kurz vor Schluss ein Freistoß über eine schlecht gestellte Mauer zum Endstand ins Tor segelte, saßen wir binnen Sekunden fast alleine im Stadion. Das ist in England auch nicht anders – darf man bei all den Lobliedern in diesem Text nicht unerwähnt lassen. Dafür explodierte erneut der gut aufgelegte Gästeblock und Wimbledon feierte den dringend benötigten Auswärtssieg. Fußball ist halt ein Geben und Nehmen – auf dem Platz und auch bei solchen vermeintlichen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel dem Ticketing. (mm)

US Cremonese – SSC Napoli – 0:2

US Cremonese – SSC Napoli – 0:2

“EIN TAG DER SCHANDE – DIE BESEITIGUNG”

28.12.2025
Serie A
Stadio Giovanni Zini
Zuschauer: 14.286

CREMONA – Einen Absatz lang gibt es eine Reise in die Vergangenheit. Wir blicken zurück auf den Oktober 2022. Redakteur (fj) und meine Wenigkeit waren an einem regnerischen Sonntag in Turin beim Spiel im “Stadio Olimpico Grande Torino”. Der Zeitplan war eng getaktet, wie so oft als Groundhopper. Geplant war, die Partie in der heutigen Spielpaarung am damaligen Sonntagabend zu verfolgen. Ihr könnt es euch denken, das vorab Spiel inklusive der damaligen Nachspielzeit zögerte sich heraus. Die Marathon artigen Sporteinlagen nach Abpfiff blieben erfolglos, der gebuchte Zug wurde verpasst. Wir wurden die Tickets auch nicht mehr los und die Zusatzkosten explodierten. Es musste ein neuer Zug gebucht werden, aber immerhin hat ein Spiel des US Alessandria in der Serie C stattgefunden. Die Alternative war noch zu erreichen, um später wieder in Milano bei der Unterkunft aufzukreuzen. Zu den Jahren Anfang der Zwanziger ein teures Vergnügen und nicht unbedingt in jedem Budget enthalten. Mittlerweile wurde die Lücke und der absolut schwarze Tag von beiden Redakteuren abgehakt und das Stadion besucht.

Drei Jahre später ergab sich mir die Chance, die gleiche Paarung in diesem Stadion zu sehen. Mein innerer Monk findet sowas immer gut. Unsere heutige Reisegruppe startete früh aus Pisa, wozu dies später gut sein sollte, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst sollte der Magen mit einem Frühstück gefüllt werden. Apfelkuchen statt Cornetto und dazu natürlich einen Cappuccino. Diese süße Mentalität am Morgen kann man nur mögen. Danach startete die Fahrt und bis Cremona ohne Vorkommnisse. Kurz vor der Abfahrt zeigte Google Maps rot. Die Mautstelle nach der Ausfahrt Cremona wurde von der Staatsmacht kontrolliert, dies sorgte natürlich für einen längeren Stau. Alle Gäste aus Napoli mussten sich mit ihren Autos hinter der Mautstelle sammeln. Eine ganze Stunde kostete uns die Sperrung der Polizei. Wenn man es positiv sieht: Die Gäste waren anwesend.

Letzterer Satz war auch die Quintessenz, rund 2.500 Tifosi nahmen den weiten Weg auf sich. Eine stattliche Zahl. Die Neapolitaner sind in der Tabelle dicht dran an den Topklubs aus Mailand. Das Spiel ist in der Serie A, wie eigentlich immer. Vieles spielt sich im Mittelfeld und in der Abwehr ab, irgendwann fällt dann ein Tor für den Favoriten oder es fällt keins. Die großen Sensationen bleiben oft aus, so auch an diesem Tag. Für Sensationen in den letzten Jahren sorgte dieser Spieler: Im Sturm bei den Gastgebern probierte sich Jamie Vardy. Als Teil des Sensations-Teams von Leicester City in der Saison 2015/2016. 81 Punkte holte das Team um Jamie Vardy in dieser Spielzeit. Nur die Torjägerkrone erhielt er mit seinen 24 Toren nicht. Mit seiner Statistik bei Leicester City von 183 Toren in 440 Spielen bleibt er wahrscheinlich der beste Torschütze. Seit September/2025 schnürt er seine Schuhe für Cremonese, vier Tore gelangen ihm bisher in der laufenden Saison.

Das eigentliche Highlight befand sich aber definitiv im Gästeblock. Für die erste Liga in Italien, wo ich persönlich Stimmung beispielsweise in der Serie B oder C besser finde, war das am heutigen Tag großes Kino. Das bekannte Knie wippte mit. Glückselig wurde nach dem Abpfiff das Stadion verlassen. Der Weg ging in die Unterkunft und zum Füttern der dritten Pizza am dritten Tag des Aufenthalts in Italien. Italien ist einfach jede Reise wert. (tp)

Eccleshill United – Campion AFC 0:1

Happy New Year!
Und somit herzlich willkommen zur ersten BILDERBUCHBUDE der Woche im neuen Jahr (80). Wir befinden uns im Cougar Park in Keighley, einem wunderschönen Rugby-Ground, in dem Eccleshill United aktuell seine Heimspiele in der Northern Counties East Premier Division (neunte Liga) austrägt. Im Sommer des vergangenen Jahres absolvierte zudem der PSV Braunschweig hier ein internationales Testspiel.
Besonderes Highlight dieses Stadions ist der Danny Jones Stand, der bereits seit 1947 existiert. Leider gibt es jedoch Pläne, die rund 500 Plätze fassende Tribüne umfangreich zu modernisieren. Ein konkreter Baubeginn ist bislang allerdings nicht bekannt.
Dennoch solltet ihr die Chance nutzen, diese Groundperle zu kreuzen, bevor es womöglich zu spät ist.

27.12.2025
Cougar Park
Eccleshill United – Campion AFC 0:1

Manchester United – Wolverhampton Wanderers – 1:1

Manchester United – Wolverhampton Wanderers – 1:1

„THE THEATRE OF NIGHTMARES“

30.12.2025
Premier League
Old Trafford
Zuschauer: 74.000

MANCHESTER — Die Ticketbeschaffung bei Manchester United für ein Spiel in der Premier League war über Jahre hinweg nahezu unmöglich. Manchester meldete bereits vor Saisonbeginn stets „Sold Out“ für alle Spiele. Mittlerweile spielen die Reds jedoch seit Jahren einen absolut bescheidenen Ball auf gepflegtem Rasen, und auch die Touristen werden dadurch weniger.

Mit diesem Hintergrundwissen klickte ich mich am 30.09.2025 durch die Ticketseite von Manchester United und entdeckte für dieses Spiel tatsächlich einen freien Verkauf. Die Flüge waren noch nicht gebucht und eine grobe Planung existierte ebenfalls noch nicht, aber die ersten Tickets landeten sofort im Warenkorb. Old Trafford war gebucht, egal wann dieses Spiel angesetzt werden würde. Erst Anfang November wurde die Partie terminiert, und ab diesem Zeitpunkt begann die Feinplanung für diese letztlich erfolgreiche Tour.

In den Tagen zuvor verweilten wir an der Nordseeküste, da Sunderland und Middlesbrough ihren Weg in den virtuellen Informer gefunden hatten. Pünktlich wurde dort ausgecheckt, anschließend ging es mit dem Flixbus nach Manchester. Dort checkten wir im Ibis ein und verprassten gegen 17:30 Uhr unser letztes Restaurantguthaben auf der Amex im „The Ivy“.

Per Straßenbahn fuhren wir anschließend zum Old Trafford und steuerten zunächst den Mega Store an, um zu prüfen, ob es dort vielleicht ein geniales Schnäppchen zu ergattern gibt. Fünf Minuten später hielten wir jeweils ein Trikot aus der Vorsaison für unschlagbare 24 £ in den Händen. Mit den neuen Utensilien stellten wir uns in die Schlange am Eingang und wurden von oben bis unten komplett gefilzt. So etwas hatte ich in England noch nie erlebt. Sekunden später zeigte der Ticketscanner die gelbe Ampel, das Drehkreuz öffnete sich, und wir befanden uns in dieser altehrwürdigen Stätte.

Im Stadion wurden wir von einem Ordner direkt auf unsere Plätze geschickt, denn im Gang stehen und noch schnell ein Foto machen ist hier „nicht erlaubt“. Wenig später begann das Spiel ohne großes Einlaufprozedere.

Auf dem Rasen waren sich alle sicher, dass es heute einen Heimsieg geben würde, denn die Gäste hatten seit Anfang Oktober keinen Punkt mehr geholt und davor insgesamt nur zwei Zähler gesammelt. Doch wie sollte es anders kommen: United bekam überhaupt nichts auf die Kette, der Trainer wechselte zur Halbzeit den einzigen fähigen Spieler und Torschützen aus, und Wolverhampton spielte wie in den Jahren zuvor. In der 89. Minute erzielten die Red Devils zwar den vermeintlichen Siegtreffer, doch der Torschütze stand im Abseits. Unterm Strich geht das Remis in Ordnung, da auch die Wolves einige Chancen liegen ließen.
In der zweiten Hälfte gab es zudem noch ein paar lustige Anekdoten, die ich mit euch teilen möchte. Der Schiedsrichter pfiff gleich zwei falsche Einwürfe zurück, und Manchester erhielt eine Ecke, weil der Torwart den Ball zu lange in den Händen hielt. Ein „gellendes Pfeifkonzert“ begleitete die Spieler in die Kabine und uns aus dem Stadion.

Auf der Pressekonferenz behauptete der Trainer, dass die Reservespieler nicht die Qualität für die erste Elf hätten. Wenn sich Ruud van Nistelrooy, Paul Scholes und Ryan Giggs über die aktuelle United Elf unterhalten würden, könnten sie vermutlich ganze Seen mit Tränen füllen, denn diese Truppe ist schlichtweg schlecht. Das hat nichts mehr mit dem unbesiegbaren Manchester von früher zu tun. Mittlerweile ist es nur noch eine mittelmäßige Premier League Mannschaft. Man kann nur hoffen, dass Sir Alex Ferguson bei diesem Team auf der Tribüne niemals einen Herzinfarkt erleidet.

Für uns war es trotz der bodenlosen Performance der Reds ein schöner Abend in einem genialen Stadion. Old Trafford gehört definitiv auf die Bucketlist aller Groundhopper, und man kann nur hoffen, dass die neuen Stadionpläne niemals realisiert werden und im „Litter“ verschwinden. (mb)

Tranmere Rovers – Fleetwood Town 1:0

Tranmere Rovers – Fleetwood Town 1:0

“BOXING DAY IN BIRKENHEAD”

26.12.2025
League Two
Prenton Park
Zuschauer: 7.933

BIRKENHEAD – Schon seit mehreren Jahren führt mich der Fußball zur Weihnachtszeit auf die Insel. Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Tour geplant, deren Auftakt in Birkenhead stattfinden sollte.

So landete die vierköpfige Gruppe in Liverpool, stärkte sich bei Wetherspoon und machte sich schließlich auf den Weg zum Prenton Park, der Heimat der Tranmere Rovers.

Schon bei der Ankunft wurde uns warm ums Herz: ein herrliches englisches Stadion, das 1912 eröffnet wurde, mitten in einem Wohngebiet liegt, über vier unterschiedliche Tribünen verfügt und mit erstklassigen Flutlichtmasten ausgestattet ist.

Wir verfolgten das Spiel von der Fantribüne „The Kop“, wo es unter dem Dach zeitweise Support mit Trommelbegleitung gab.

Die Partie endete mit einem 1:0-Erfolg. Whitaker erzielte in der 23. Minute den einzigen Treffer des Spiels.
Für mich war es bereits das zweite Spiel der Tranmere Rovers. Das erste sah ich Anfang 2020 im FA Cup, als der Underdog Tranmere Rovers einen 0:3-Rückstand noch in ein 3:3 umwandeln konnte. Im Rückspiel, das es damals bei einem Unentschieden noch gab und inzwischen durch eine Verlängerung ersetzt wurde, gelang den Rovers sogar ein 2:1-Erfolg.

Der Abend wurde bei Wetherspoon verbracht.
(fj)

Spezia Calcio – Delfino Pescara – 2:1

Spezia Calcio – Delfino Pescara – 2:1

„ICH HAB‘ NEN DELFINO IN MEINER BAUCHTASCHE“

27.12.2025
Serie B
Stadio Alberto Picco
Zuschauer: 9.251

LA SPEZIA – Nach dem Lesen der Überschrift sollte bei einigen die Aufmerksamkeit da und der Ohrwurm zurück sein, gern geschehen!

Dieser Bericht knüpft an den Ostermontag an, an dem ich eigentlich mit Kollege (tp) Spezia und Parma kreuzen wollte. Leider machte uns das Ableben des Heiligen Vaters einen Strich durch die Rechnung und die Grounds mussten vertagt werden.

Doch vor Jahresende ergab die Terminierung eine neue Chance und wir entschieden uns für Spezia. Bei herrlichem Sonnenschein und über 15 Grad trafen wir uns in der ligurischen Hafenstadt. In puncto Wetter greift man bei Bella Italia eben selten daneben.

Im Abstiegsduell empfingen die „Aquilotti“ die Delfine von der Adria. Das „Stadio Alberto Picco“ war gut gefüllt und die Ticketpreise ab neun Euro wirklich fair für die Serie B. Allerdings nicht im Gästeblock, dazu später mehr.

Die „Curva Ferrovia“ legte auch gleich ordentlich los mit vertrauten Melodien und den italienischen „Bodenbengalos“. Manchmal wünsche ich mir eine kontrollierte Zündung für einen besseren Effekt, aber so ist es hier eben. Auch so setzte sich häufiger einiges an Rauch unter dem Dach fest.

Aus Pescara waren etwa 400 Tifosi angereist, von denen die Szene erst mit Verspätung im Gästeblock ankam. Der Mob machte zunächst seinem Ärger über die teuren Gästekarten Luft (25 Euro) und peitschte anschließend den Tabellenletzten nach vorne. Ein wirklich guter Auftritt. Mir fiel auch wieder eine sehr alte Zaunfahne von 1976 auf. Teilweise sind die Jungs in Italien ja selbst noch auf dem Zaun und das kann man gar nicht hoch genug anrechnen.

Auf dem Rasen machten die Adler von Ex-Milanstar Donadoni die bessere Figur und gingen schon nach acht Minuten durch einen satten Schuss von di Serio in Führung. Doch Pescara antwortete mit einem Knaller unter die Latte, wobei die Nachspielzeit der ersten Hälfte schon abgelaufen war. Das Schiedsrichtergespann lief unter nicht so weihnachtlich-harmonischen Rufen in die Kabine.

Im zweiten Durchgang trafen beide Aluminium und später sah es nach der typischen Punkteteilung im Keller aus. Doch nach etwas Pingpong im Strafraum in der 92. Minute schaltete Artistico (ja, der Name ist korrekt) am schnellsten und spitzelte die Kugel zum 2:1 ins Netz. Kollektive Ekstase bei den „Bianconeri“ und ein extrem wichtiger Sieg im Abstiegskampf.

Nach dem Spiel vertraten wir uns an der mit Palmen gesäumten Promenade noch ein wenig die Beine. Ohne die Weihnachtsdeko hätte man denken können, es sei Frühling. Übrigens ist La Spezia der ideale Ausgangspunkt für einen Ausflug zu den malerischen „Cinque Terre“. Allerdings rief in unserem Fall erneut der Calcio und wir steuerten Pisa für das Abendspiel an. (hr)

Sunderland AFC – Leeds United – 1:1

Sunderland AFC – Leeds United – 1:1

„SUNDERLAND – MEHR ALS NUR EINE NETFLIX DOKU“

28.12.2025
Premier League
Stadium of Light
Zuschauer: 46.675

SUNDERLAND — Zum ersten Mal in meinem Leben gönne ich mir über die Feiertage die volle Portion England. Zehn Tage im Land der Erfinder der Wetherspoon-App. In den letzten Jahren war ich über den Jahreswechsel immer mal wieder für ein paar Tage vor Ort, allerdings nie vom Boxing Day bis ins neue Jahr. Dieses Jahr sollte es – dank fairer Flug- und Hotelpreise – das „All-in-Paket“ werden.
In den ersten beiden Tagen lief in Bradford und Burnley alles reibungslos, und auch heute lieferte Flixbus auf ganzer Linie. Da am Sonntag in England fast gar nicht gespielt wird, war schnell klar: Es kann nur nach Sunderland gehen. Der heutige Gegner war kein Geringerer als die Farke-Truppe, die ich zuletzt am 29.12.2024 gesehen hatte.

Da wir hier mittlerweile über ein Premier-League-Spiel sprechen, ist die Ticketbeschaffung natürlich wieder ein Knackpunkt. Kein General Sale, und die Karten gingen im Mitgliederverkauf weg wie warme Semmeln. Zum Glück konnten uns ein England-Experte aus unserem Redaktionsumfeld sowie ein weiterer Deutscher helfen. Beide verfügten über eine Booking History aus der letzten Saison und hatten damit Zugang zu den Tickets. An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an die beiden Top Lads!

Nach der Ankunft in Newcastle brachten wir unser Gepäck ins Hotel und fuhren anschließend mit der Metro zum Stadium of Light. Wer die Netflix-Dokumentation „Sunderland ’Til I Die“ in voller Länge durchgesuchtet hat, erkennt hier sofort die ein oder andere Wandbemalung sowie den Weg zum Stadion wieder. Besonders prägend in Erinnerung geblieben sind mir auch die Ticketdrucker im Ticket Office. Wir gingen direkt dorthin, um unsere QR-Codes gegen Hardtickets zu tauschen, wurden jedoch enttäuscht: Es gibt nur noch digitale Tickets. Willkommen in der Premier League!

So gelangten wir ohne weitere Kontrolle ins Stadion und gönnten uns vor dem Anpfiff noch ein paar Chicken Tenders mit Pommes. Der Preis an der Kasse war zwar ein anderer als auf dem Preisschild, aber über einen „Rabatt“ regt man sich bekanntlich nicht auf. Geschmacklich war das Essen für englische Stadionverhältnisse absolut in Ordnung – ein Foto war es dennoch nicht wert.

Im Stadion trennten sich dann unsere Wege, da unsere Plätze in den Bereichen P6 und P16 lagen. Ein Platzwechsel während des Spiels war nicht möglich, da wirklich kein einziger Platz frei war.
Beim Einlaufen der Teams wurden beide Mannschaften mit einem kleinen Feuer begrüßt. Leeds und Sunderland spielten in der ersten Halbzeit mutig nach vorne, und zur Freude der meisten Fans gingen die „Black Cats“ nach 28 Minuten in Führung. Kurz nach dem Pausentee erzielte Leeds den Ausgleich und ließ den Gästeblock eskalieren. Die Mannschaft von Daniel Farke drängte anschließend sehr dominant auf das 2:1, brachte den Ball trotz eines Expected-Goals-Werts von 2,03 jedoch kein zweites Mal über die Linie.
Trotz Aufstieg und veränderter Favoritenrolle ziehen sie ihren ansehnlichen Fußball weiterhin konsequent durch und haben nun sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Für einen Aufsteiger ist das nach 18 Spielen ein Top-Ergebnis. Der ein oder andere Sunderland-Fan war nach dem Spiel etwas enttäuscht, da die Jungs das letzte Heimspiel des Jahres nicht gewinnen konnten. Dennoch sollte man nicht vergessen, wo Sunderland herkommt: 2022 stieg man in die Championship auf, und dreieinhalb Jahre später steht man mit 28 Punkten auf Platz sieben – nur vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Das ist schlichtweg sensationell.

Sensationell war die Stimmung vor Ort zwar nicht, für Premier-League-Verhältnisse jedoch sehr gut und leidenschaftlich. Sie hat uns definitiv abgeholt, und wir verließen das Stadium of Light rundum zufrieden.

Allen Netflix-Abonnenten kann ich nur empfehlen, nach der Dokumentation selbst nach Sunderland zu reisen und das „Matchday“-Erlebnis mitzunehmen. Das hat richtig Bock gemacht und rundet für mich die Sunderland-Story perfekt ab. (mb)

FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0

Das Redaktionsteam vom Schwechheimer Landoten wünscht allen Lesern eine gute Verdauung nach den zwei Speisereichen Tagen bei Muttern und Vatern. Nachdem der ganze Weihnachtstrubel vorbei ist, hat der Groundhopper noch zwei Ziele in den letzten Tagen im Kopf. Entweder der Boxing Day oder die Vierschanzentournee. Passend dazu wollen wir euch mit der BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (79) auf die Festtage in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen einstimmen. Nichts passt da besser, als die einzige Skisprungschanze Europas, die auch für Profifußball genutzt wird. Auf der Salpausselkä-Schanze flogen einst Janne Happonen & Matti Hautamäki tausenden frenetischen Fans entgegen und ließen die Massen im Winter eskalieren. Im Sommer geht es eher ruhiger zu, wenn der FC Lahti an Ort und Stelle gegen den Ball tritt. Nach einem schwierigen Jahr in der zweiten Liga durfte im Oktober 2025 wieder gefeiert werden, denn nächstes Jahr spielen ihre schwarzen Drohnen wieder erstklassig.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für die Fotografen in der Runde: Wer vorm Spiel ein Foto vom Absprungbalken machen möchte, sollte vor dem Mannschaftsbus da sein, denn ab 90 Minuten vor Anpfiff wird der Aufgang gesperrt.

14.07.2019
Lahden Stadion
FC Lahti – Tampereen Ilves – 1:0

Hannover Scorpions – EC Hannover Indians – 4:1

Hannover Scorpions – EC Hannover Indians – 4:1

„DER DUNKELSTE TAG DES JAHRES“

21.12.2025
Oberliga Nord
Ice House Wedemark
Zuschauer: 2.700

WEDEMARK – Alle Fußballspiele am Sonntag waren unerreichbar, obwohl der Flieger aus London schon um 11 Uhr in Schwechheim auf dem Flughafen aufsetzte. Ein Blick in den Randsport-Spielplan spuckte gleich mal das Eishockey-Derby in Hannover aus. Haken: Das Spitzenspiel war ausverkauft. Doch dank einer Annonce im Landboten dauerte es nicht lange, bis uns ein Ticket für das Oberliga-Spiel zugespielt wurde.

Ausgetragen wird dieses Duell allerdings nicht in Hannover, sondern in Mellendorf, in der Wedemark. Da Mellendorf auf der Strecke Buchholz/Nordheide – Hannover liegt und von der Bahn bedient wird, ging es mit dem Auto am dunkelsten Tag des Jahres zunächst nach Buchholz. 1 Stunde und 45 Minuten später steht man vor der Eishalle, wenn der Zug pünktlich ist. In der Bahn war gar nichts los, so dass man sich mit einem Blick auf das Ticket nochmal vergewissern musste, ob das Spiel wirklich an diesem Sonntag um 19 Uhr ausgetragen werden sollte. Aus dem Norden scheinen keine Fans für dieses Spiel anzureisen. Die kommen wohl alle aus dem Süden: Denn die Schlange vor der Eishalle begann 45 Minuten vor dem ersten Bully schon auf der B3, 200 Meter vor der eigentlichen Kontrolle.

Eigentlich wollte ich nicht vordrängeln. Nach ein paar Minuten des Wartens preschte ich nach vorne, um zu schauen bis wohin die Schlange geht und überhaupt, was da vorne los ist. Danke an den Autofahrer, der etwa bei der Hälfte der Schlange lauthals hupte, das Fenster runterkurbelte und mich mit dem Worten bedachte: „Runter von der Straße, du Bastard!“. Diese Worte legitimierten mich einfach in die Schlange zu hüpfen, ohne böse Blicke zu ernten. Im Gegenteil, die Leute hatten Verständnis für mich. Auch ohne Drängeln wäre es eine Punktlandung gewesen, denn das Spiel fing 10 Minuten später an.

Drinnen platzte die kleine, kompakte Eishalle schon aus allen Nähten und die Scorpions hatten eine Choreo zum fünfzigjährigen Bestehen des Deutschen Meisters von 2010 angekündigt. Streng genommen haben die Scorpions von 2025 nichts mit dem Vorgängerverein aus der Wedemark gemein, denn die DEL-Lizenz wurde 2013 nach einem letzten Platz an die Schwenninger Wild Wings verhökert. 1996 gab es die Zeitenwende im Hannoveraner Eishockey, als die Indians aus der DEL abstiegen und die Scorpions, noch unter der Bezeichnung des Stammklubs ESC Wedemark, in die höchste Klasse aufstiegen. Als in den 90er-Jahren die Kommerzialisierung im Eishockey voranschritt, benannte sich der Verein in „Hannover Scorpions“ um und trug auch eine Weile seine Spiele in der Halle auf dem Expo-Gelände aus.

Das soll es an dieser Stelle aber gewesen sein mit tiefgründigen Infos in Sachen Eishockey. Denn für eine Spielanalyse fehlt mir die Kompetenz. Dass die Scorpions seltener den Puck verloren und öfter zentral vor dem Tor zum Schuss ansetzten, fiel selbst mir auf. Aber dafür hätte ein Blick auf die Anzeigetafel gereicht, auf der nach dem ersten Drittel ein 3:0 prangte. Die Indians kamen im zweiten Drittel nochmal kurz ran, aber das 4:1 wenig später nahm selbst dem Eishockey-Laien die Spannung. Die Choreo zeigte einen großen Wimpel und ein paar zeitungsausschnittmäßige Motive, die für die Machart der Tribüne durchaus zu gefallen wussten, wie man so schön sagt.

Stimmungsmäßig hatten die Scorpions alles im Griff und stellten hinter dem Tor und auf einer Stehergeraden eine nette Crowd. Während die zuvor gelobten Indians zwar einen Block auf der Geraden vollkriegten, aber ziemlich passiv blieben, abgesehen von ein paar Gesängen und Fahnen vor und nach dem Spiel. Der harte Kern hinter dem Tor auf der Heimseite fiel durch dieselben Casual-Klamotten wie beim Fußball auf. Die Hassgesänge auf die Indians waren kernig und auch das eher gutbürgerliche Publikum auf der Geraden stieg in die Gesänge mit ein. Als am Ende ein „Derbysieger“-Plakat präsentiert wurde, durfte man die Kurve nicht fotografieren. Schließlich wurde die Mannschaft auf dem Eis mit dem Plakat abgefeiert und nach ein paar letzten Fotos ging es zu Fuß bei eiskaltem Wind zum Bahnhof, wo die RB38 nach Buchholz schon wartete.

Die letzte Verbindung in den Norden war pünktlich. Das war wichtig, denn es folgte die dunkelste Nacht des Jahres, nicht nur kalendarisch, an diesem Tag der Sonnenwende. Bis Soltau schnurrte die Bahn auf der Schiene, als der Zug dann ein paar Minuten zu lange am dortigen Bahnhof zum Stehen kam, wurde man schon stutzig. Die Durchsage: „Kurzfristiger Personalausfall, bitte alle mal aussteigen“, war dann der Anfang vom Ende. Mit mir wollten sich noch zwei weitere Fahrgäste, die kaum Deutsch sprachen, dieses Himmelfahrtskommando antun bzw. waren auf einen nun organisierten SEV nach Buchholz angewiesen, der nach einer halben Stunde kommen sollte. Natürlich kam der Bus nicht. Wenn man sich auf eines im Schienenverkehr verlassen kann: Dass wenig klappt.

Zwei Stunden vergingen ohne jedes Ereignis, bis man die ersten Maßnahmen ergriff, inzwischen war es etwa 1 Uhr nachts. Zunächst wurde bei der Polizei angerufen, um den Vorfall für spätere Handlungen zu registrieren. Dann rollte doch noch eine Regionalbahn vom gleichen Beförderer ein und der angekommene Zug mit Endstation Soltau wurde kurzerhand „besetzt“.

Schnell sprang ich in die kuschelig-warme Bahn um dem Zugpersonal die Pistole auf die Brust setzen, dass ich das Gefährt nicht verlassen würde, bis ein Transport für mich und die weiteren Leidtragenen nach Buchholz bereitstünde. Natürlich wurde sich beim Personal auch zeitgleich für die Maßnahme entschuldigt. Aber das kennen wir ja auch vom Fußball: Protest funktioniert nicht, ohne wehzutun. Nach zwei Stunden in der Kälte und ohne jede Perspektive auf einen Weitertransport, wurde es langsam auch gesundheitlich bedenklich. Die drei Stunden in der Eishalle kamen ja noch dazu.

Für meine Situation hatte das angekommene Personal kaum Verständnis. Stattdessen wurde gleich mal nachgeguckt ob der SEV nicht schon gefahren war und meine Wenigkeit für dumm verkauft. Anschließend verständigten die Bediensteten via Fahrdienstleiter die Polizei und mir wurde Angst gemacht, dass ich den Einsatz bezahlen müsste. Dass man den Passagieren gegenüber eine Fürsorgepflicht besitzt, spielte selbstredend keine Rolle. Schließlich trudelte unser Freund und Helfer mit großem Getöse im Bahnhof ein und forderte mich auf den Zug zu verlassen.

Ohne weitere Aufforderung überreichte ich den Polizisten meinen Personalausweis und die Beamten waren wohl überrascht, dass sie keinen alkoholisierten Penner vor sich hatten. Der Polizeimensch hatte schnell Verständnis für mich, konnte die Situation aber nicht lösen. Stattdessen wurde mir mitgeteilt, dass eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohe. Von Fürsorgepflichten und anderen Sachverhalten zu meinem Nachteil war natürlich auch hier wieder keine Rede. Man stelle sich nur vor, ich hätte unseren 5-jährigen Nachwuchs-Redakteur mit auf diese Reise genommen. Am Ende hieß es, ich hätte „Glück gehabt, dass von einer Anzeige abgesehen werde“ und ich entgegnete, dass ich höchstens Pech gehabt hätte, bei dem was hier abgelaufen ist.

Der nächste Schock dann, als ich mein Handy an die Powerbank stöpseln will und das Ding nicht lädt. Powerbank kaputt und um halb 2 in Soltau an diesem Pissnelkenbahnhof mit 10% Akku unterwegs. Na, gute Nacht. Immerhin muss man sagen, dass die Polizei soweit war, mir ein warmes Plätzchen auf der Wache anzubieten und „ein Ladekabel haben wir auch“, hieß es von Seiten der Beamten. Als ich im Kopf hin und herwog, ob es nun ein Taxi auf eigene Kosten wird oder freiwillig die Wache, kam tatsächlich der SEV-Bus um die Ecke gewackelt. Mit zweieinhalb Stunden Verspätung.

Immerhin gab es noch einen Anpfiff für den Busfahrer vom Zugpersonal, das ich aufgehalten hatte, und Augenzeugen, dass der Bus nicht schon ohne mich abgefahren war. Dass der Bus um 3 Uhr nachts noch an jeder Milchkanne anhalten muss, weil theoretisch jemand vier Stunden bei der Kälte in Büsenbachtal (die Haltestelle gibt es wirklich) hätte warten können, veranlasste mich zu dem Gedanken, trotzdem (!) ein Taxi zu rufen. Schließlich war klar, dass man Schwechheim nicht vor 4 Uhr erreichen würde und nächsten Morgen wartete eine wichtige Redaktionssitzung. Es gewann der Masochist in mir und ich stieg in den Bus, der für die 45 Kilometer fast 2h benötigte. Zum Glück musste zwischendrin nicht der Busfahrer gewechselt werden, der dann nicht kam.

Wir wünschen allen Lesern und auch dem Beförderer „Start Niedersachsen Mitte GmbH“ mit Sitz in Soltau schöne Feiertage. Eigentlich empfehlen wir hier sonst den Konsum von Fanzines, aber schon vor über 2000 Jahren hieß es in der Bibel, nach Lukas, Kapitel 6, Vers 35: „Doch liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, wo ihr nichts zurückerhofft. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist auch gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! (mm)

Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

Holstein Kiel – SG Dynamo Dresden – 2:1

“ADVENT ADVENT – DAS STADION BRENNT”

20.12.2025
2.Bundesliga
Holstein Stadion
Zuschauer: 15.034

KIEL – Das letzte Bundesliga-Wochenende des Jahres stand an, und kurz vor Weihnachten bescherte uns die DFL einen wunderbaren Doppler. Um 15:30 Uhr sollte der eigene Verein, der HSV, ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt austragen, und um 20:30 Uhr folgte das Topspiel des Tages: Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden. Zwei der besten Fankurven zu Gast im hohen Norden – und das an einem Tag. Was will man mehr?

Der Spieltag begann im Hamburger Volkspark, wo die Hamburger Gruppe Sektion Schleswig-Holstein ihr 15-jähriges Jubiläum feierte und dabei eine Choreografie zeigte.

Die Gäste vom Main zündeten zu Beginn der zweiten Halbzeit Pyrotechnik, während auch der Förderkreis Nordtribüne sein zehnjähriges Jubiläum feierte. Das Spiel endete vor dem ausverkauften Haus mit 1:1.

Nach dem Abpfiff ging es zum Auto, das in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen abgestellt war. Nach circa einer Stunde Fahrt erreichten wir die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins und parkten in der Nähe eines Edeka-Marktes. Schnell noch im genannten Supermarkt mit einem nicht allzu leckeren Frikadellenbrötchen gestärkt, stand man kurze Zeit später im alten Gästeblock des Holstein-Stadions: Block L. Die knapp 17 Euro Eintritt sollten sich definitiv lohnen. Bereits vor dem Anpfiff zeigten die Cheerleader, was sie draufhaben. Eine einstudierte Aufführung direkt vor dem Gästeblock wurde zunächst mit Applaus begleitet. Als am Ende jedoch die Holstein-Fahne zum Vorschein kam, wurden die Damen und der Herr mit „Fotzen“-Sprechchören verabschiedet. Mindestens genauso sehenswert wie der Auftritt der cheerleader war das, was in den Fanblöcken abging. Dynamo zeigte zum Intro ein Schachbrettmuster in den Vereinsfarben. In der Mitte des Blocks war eine Blockfahne angebracht, auf der das Wappen der SG Dynamo zu sehen war.

Auf der anderen Seite wünschte die Kieler Ultra-Gruppe New Connection allen Kasselern und Kielern frohe Weihnachten, da die Gruppe eine Fanfreundschaft mit Kassel pflegt. Bei ihrer Choreografie wurden drei Weihnachtselemente gezeigt: ein Weihnachtsbaum, ein Kaminofen mit KSV-Socken sowie ein weiterer Weihnachtsbaum in der Mitte des Blocks. Aus dem Kaminofen brannten mehrere Fackeln, und auch neben den genannten Basteleien funkelte, blinkte und qualmte es lichterloh.

Das Spielgeschehen war von Beginn an zweitrangig, da das Drumherum deutlich interessanter war. Dynamo sang mehrere Gassenhauer, wie zum Beispiel: “Von Dresden bis zum Kosovo, immer wieder Dynamo“. Beeindruckend, wie es die Fans aus Dresden immer wieder schaffen, ein geschlossenes Bild abzugeben. Nahezu jeder – inklusive der Spieler beim Aufwärmen – trug einen Schlauchschal, der für einen Zehner als Mottoartikel verkauft wurde. Zudem folgte fast jeder dem Aufruf: „Alle in Bomberjacke“. Die Mitmachquote beim Support dürfte im hohen Neunzigerbereich gelegen haben. Besonders laut wurde es, als Vermeij die Gäste in Führung brachte. Auch wenn es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, waren alle Dresdner im Block bereit für die zweiten 45 Minuten. Knapp fünf Minuten nach Wiederanpfiff brannten bereits vereinzelte Lichter im Gästeblock. Schließlich sauste eine Rakete in die Luft – doch noch bevor diese explodierte, explodierte das Stadion. Kiel traf zum 2:1, und Millisekunden später brannte der Dynamo-Block. Neben Raketen wurden auch gelbe Farbfontänen in die Luft geschossen. Es rauchte gelb und blinkte hell – ein absolut eindrucksvolles Bild.
Auch als der gesamte Block der SG Dynamo „Walzer tanzte“, zeigte sich die geballte Qualität der Dynamo-Anhänger: Champions League! Lichtjahre davon entfernt ist allerdings die Mannschaft der Gäste. Dresden überwintert nach drei Niederlagen in Folge auf dem letzten Tabellenplatz. Wie von einem Aufsteiger erwartet, wird es sehr schwer, die Liga zu halten. Der Absteiger aus Kiel hingegen verschaffte sich etwas Luft von den unteren Rängen und konnte entspannter in die Festtage gehen.

Einen großen Weihnachtswunsch äußerte noch der Holstein-Fan (hr): Er hoffe, dass Kollege (tp) sich eine Rückrunden-Dauerkarte holt, da er aus 13 KSV-Spielen nur eine Niederlage der Kieler miterlebte. Ich persönlich hoffe, dass (tp) in Zukunft mehr dem HSV Glück bringt und man in der kommenden Saison nicht auf Holstein Kiel treffen wird.

Der Schwechheimer Landbote wünscht allen frohe Weihnachten! (fj)

Go Ahead Eagles – FC Groningen – 1:1

Go Ahead Eagles – FC Groningen – 1:1

“FUTTERN, EAGLES UND TECHNO”

21.12.2025
Eredivisie
De Adelaarshorst
Zuschauer: 9.997

DEVENTER – Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Bevor es wieder auf große Tour zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem neuen Jahr gehen soll, wurde das letzte Wochenende im eigenen Bett verbracht. Nach dem Sonnabend in heimischen Gefilden bot sich am vierten Advent ein Tagesausflug in das direkte Nachbarland an. Die Eagles waren zuletzt negativ in vielen Deutschen Mündern. Das europäische Auswärtsspiel der Schwaben schlug Wellen: übertriebene Polizeigewalt oder ein Spieler mit einer obszönen Geste gegenüber Angelo Stiller. Absurd und zum Fremdschämen. Das Stadion zählt zu den schwierig zu besuchenden Stadien der höchsten Spielklasse des Landes. Eine Hand wäscht die andere und so versorgt mich ein Kontaktmann über den Zweitmarkt des Vereins in der Woche vor dem Spiel.

Die kleine Stadt liegt in einem Radius: “Tagestour-möglich”. Nach knapp vier Stunden parkten wir das Gefährt des Tages in unmittelbarer Nähe der Spielstätte. In der “Cafeteria Johnny’s” gab es heiße Waren aus dem schwimmenden Fett. Nicht der beste Schuppen, aber mit wenig Zeit zwischen Ankunft und Anpfiff kann man diesen Laden mal ansteuern. Für Kipcorn, Fritten und Krokett muss einfach Zeit sein. Die Häuser rund um das Stadion wurden schick hergerichtet. Überall wehen kleine Fahnen des Vereins. Besonders auffällig ist die gestrickte Ware in Vereinsfarben um jede Regenrinne herum. Die Stadt lebt ihren Verein und ihren diesjährigen Pokalsieger. Der erste Titel nach 92 Jahren ohne Feier. Der Klub startet in die vierte Saison als Erstligist in Folge.

Die Gäste aus Groningen füllten ihren Auswärtsblock und starteten mit einer Pyroshow in das Spiel. (Achtung, aufmerksame Leser: Ja, schon wieder ein Bericht mit Beteiligung aus dem hohen Norden) Meine Sicht hinter dem Tor auf den Gästebereich im Stadion war suboptimal, aber hier will man nicht meckern. Das Foto im Bericht stammt von meinem Mitfahrer, danke dafür! Das Spiel ist schnell erzählt, Endstand 1:1 und irgendwie war es die typische Marke eines Spiels im Tulpenland. Alles wie immer und so trat man zufrieden die Heimreise an. Ein Kreuz mehr in der Liga und Sonntagabend pünktlich zum Tatort wieder in Schwechheim. Gelungener Tagesausflug! (tp)

Queen’s Park Rangers F.C. – Leicester City F.C. – 4:1

Queen’s Park Rangers F.C. – Leicester City F.C. – 4:1

„GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN“

20.12.2025
EFL Championship
Loftus Road Stadium
Zuschauer: 17.500

LONDON – Für die Tage um den 4. Advent stand ein Touri-Wochenende in London mit zwei Praktikanten und wenig Fußball an, aber der berühmte 15-Uhr-Slot am Sonnabend konnte natürlich nur mit einem Spiel gefüllt werden. Und während meine beiden Mitreisenden Eichhörnchen am Buckingham Palace streichelten, ging es am Nachmittag auf eigene Faust zur Loftus Road, in den Stadtteil Shepherd’s Bush. In der Zeit, in der es noch kein EU-Daten-Roaming gab – und im UK wird es demnächst ja vielleicht wieder rückgängig gemacht – verlief ich mich am Spieltag mal im Londoner Westen und musste im strömenden Regen das Spiel an der Loftus Road quittieren. Seitdem stand noch eine Rechnung mit QPR offen.

Mit dem E-Ticket in der Tasche ging es ganz gemütlich die etwa 10 Minuten Fußweg vom Bahnhof zum Stadion. Vor Ort wird das Ticket sogar gebührenfrei in ein Hardticket umgetauscht. England halt. Das Stadion liegt mitten im Wohngebiet, wirkt von außen aber völlig unscheinbar. Innen fällt gleich die Enge auf und eine schöne Schicht Patina, die sich wie Puderzucker auf das Stadion gelegt hat. Verbeueltes Metall, Flutlichtmasten mit Flugrost, bröckelnder Beton und ausgeblichene Farbe. Außerdem sorgen die sogenannten „Safe-Standing-Plätze“ hinter dem Tor für Wohlgefallen und hier ist man noch so nah am Geschehen dran, dass die Spieler beim Einwurf mit den Zuschauern sprechen können. Der alte „Griffin Park“ vom Nachbarn aus Brentford wurde immer genannt, wenn es um den letzten Sehnsuchtsort in Englang ging, aber nur ein paar Kilometer weiter – in Shepherd’s Bush – steht eine weitere Zeitkapsel, die aktuell auch nicht von irgendwelchen kühnen Neubauplänen bedroht ist.

Als Gast an diesem 22. Spieltag kündigte sich der englische Meister von 2016 an: Leicester City. Der Neunte empfing den Zehnten. Nichts Besonderes und das sah wohl auch Leicester so, die den Auswärtsblock irgendwie einigermaßen füllten, aber gar nicht auf sich aufmerksam machten. Keine Zaunfahnen, keine Gesänge und farblich fiel man auch nicht auf. Dazu kam ein Spiel, bei dem der PL-Absteiger von Beginn an nichts zu melden hatte. Schon nach 2 Minuten klingelte es im LCFC-Kasten und gerade, als die Gäste etwas besser ins Spiel kamen, legt QPR nach. Damit nicht genug, kurz darauf folgte das 3:0 und die Loftus Road verwandelte sich in ein Tollhaus, das zwischen den ganzen Toren immer wieder Hits wie „Zombie“ von den Cranberries oder „Last Christmas“ von George Micheal aus vollen Kehlen zum Besten gab. Es verging keine Minute, in der nicht gesungen und abgefeiert wurde. Es ist lange her, dass man auf der Insel von so einer ausgelassenen Stimmung umgeben war. Stichwort: Zeitkapsel.

Der absolute Höhepunkt folgte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als der Senegalese Amadou Salif Mbengue praktisch von der Torauslinie den Ball ins Tor drosch und die Loftus Road endgültig im Freudentaumel versank. 4:0 zur Halbzeit: Die Spieler und Zuschauer der „R’s“ verabschiedeten sich ungläubig und euphorisiert in die Pause. Damit war aber auch klar, dass das Spiel entschieden war. QPR würde einen Gang zurückschalten und Leicester versuchen, sich noch irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Nach einem guten Beginn der „Hoops“ und keinem weiteren Treffer, kam es auch genauso: Die Rangers wollten nicht, Leicester konnte nicht mehr. Obwohl die Gäste zu keiner einzigen Chance im ganzen Spiel kamen, erhielten die „Foxes“ in der Schlussphase einen Handelfmeter. Doch auch der ging an den Pfosten, immerhin wurde der Nachschuss hineingestolpert, was zum Endstand führte. Die große Zeit von Leicester scheint endgültig vorbei zu sein. Aber die große Zeit von QPR hat vielleicht gerade wieder begonnen. (mm)

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

Crystal Palace F.C. – Kuopio PS – 2:2

„FINLAND’S GREATEST HITS“

18.12.2025
UEFA Conference League
Selhurst Park
Zuschauer: 21.302

LONDON – Stell dir vor der Fünfte aus der Premier League bestreitet ein Heimspiel und du kannst eine Stunde vor dem Anpfiff im Ticketshop vor Ort einfach so drei Eintrittskarten auswählen. Der wunderbaren „Conference League“ sei Dank spielte es keine Rolle, dass es wegen eines angeblichen Geoblockers online vorab mit der Ticketbeschaffung nicht klappte. General Sale bei Crystal Palace und Tickets für Jedermann – und das obwohl für beide Teams noch einiges auf dem Spiel stand an diesem Abend.

Während bei Palace mit einem Sieg die Play-Offs hätten vermieden werden können, benötigten die Gäste aus Finnland jeden Punkt für das erstmalige Bestehen einer Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb. Dementsprechend traten einige hundert Fans aus der Region Savo die lange Reise nach London an und lieferten über 90 Minuten grundehrlichen Support ab. Die meisten Anhänger von KuPs sahen zwar aus wie erlebnisorientierte Fußballmenschen halt aussehen, aber wirklich organisiert traten die Finnen nicht auf und auch der Altersschnitt hinterließ einen munter durchgemischten Eindruck. Aber gerade dieser authentische Auftritt erzeugte letztlich Sympathien.

Hinter dem Eintritt in den Selhurst Park standen aber – wie gesagt – noch einige Fragezeichen. Tickets für das Match waren online einfach nicht zu kriegen. Egal mit welchem Endgerät, in welchem Land und mit oder ohne VPN – der Zugriff auf den Warenkorb wurde immer wieder geblockt. Karten im Shop gab es immerhin reichlich und das ohne Auflagen. Die Hoffnungen ruhten auf der guten, alten Tageskasse und da Onkel Rainer neuerdings eine frühe Verbindung am Donnerstag vom Flughafen Schwechheim nach London anbietet, gab es auch keinerlei Zeitprobleme am Spieltag. Nachdem man am Bahnhof „Norwood Junction“ in einem immer voller werdenden Pub versank, ging es dann zu Fuß eine gute Stunde vor dem Anpfiff zum Stadion. Am Ticket Office gab es nicht mal eine Schlange.

Vor rund 6 Jahren wurde der Erstbesuch im Selhurst Park absolviert. Mit zwei Praktikanten im Schlepptau war das Spiel trotzdem die richtige Wahl an diesem Abend, obwohl auch ein ungekreuzter Ground zur Verfügung stand. Das Stadion und die Lage waren Überzeugung genug für einen Revisit. Auf dem alten Main Stand wurde sich diesmal direkt gegenüber der Gästefans platziert. Und das war ein guter Ort, denn die Nummer 17 von Palace – Christantus Uche – erzielte per Außenrist direkt nach fünf Minuten auf dieser Seite das traumhafte 1:0. Nach diesem Tor gab es noch ein paar gute Aktionen von den Briten und keine einzige Torchance für die Finnen. Bei Palace standen ein 16- und 17-Jähriger in der Startelf und vor allem der jüngste Akteur auf dem Platz – Joel Drakes-Thomas – überzeugte durch gepflegte Ballbehandlung.

So hätte der Europapokal-Abend auch zu Ende gehen können. Irgendwann wäre vielleicht das 2:0 gefallen. Doch die B-Elf von Palace hatte dann doch nicht genug Substanz und Kuopio griff nach dem letzten Strohhalm. Keine Stunde war gespielt, da stand es nach einem Doppelschlag plötzlich 1:2, wobei der letzte Treffer nach einem Eckball etwas glücklich zu Stande kam. Aber egal – jetzt hatten wir ein Fußballspiel und wer hätte ernsthaft gedacht, dass dieser Abend noch in eine Europapokal-Schlacht mündet? Das Heimpublikum war nur kurz konsterniert und gab der Mannschaft akustisch bald wieder Auftrieb. Dabei muss gesagt werden, dass die „Fanatics“ auf der Hintertortribüne trotz der jahrelangen Beständigkeit immer noch wie die Karikatur einer Ultragruppe wirken. Am Anfang waren die Jungs gesanglich noch motiviert, aber auch weil der harte Kern nur aus ein paar Dutzend Leuten besteht, hatte der Auftritt rasch keine Wirkung mehr.

Trotzdem war das Publikum spätestens nach einer Roten Karte für die Finnen ab Minute 73 wieder da und als kurz darauf per Kopfball der Ausgleich fiel, stand das Spiel auf Messers Schneide. KuPs warf sich in jeden Ball und nachdem einige brenzlige Situationen überstanden waren, rissen die Gäste mit dem Schlusspfiff die Arme in die Höhe. Der aktuelle Meister der Veikkausliiga übersteht erstmals in seiner Geschichte eine Gruppenphase in einem europäischen Wettbewerb! Finland’s greatest Hits at Selhurst Park – die Jungs aus Kuopio feierten eine wahre Abrissparty auf dem „Arthur Wait Stand“.

Und Palace? Die müssen am Samstag (!) schon wieder bei Leeds United ran, weswegen Coach Oliver Glasner die Ehrenrunde in den Play-Offs dank der Startelf-Rotation „ein wenig in Kauf nahm“. Den Finnen dürfte dieser Umstand egal gewesen sein. Allein der Torschütze zum 1:0 für die Engländer weist einen doppelt so hohen Marktwert auf wie der gesamte Kader von KuPs. (mm)

FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

Es ist Freitag, und für viele ist es heute der letzte Arbeitstag im Jahr 2025. Wir haben euch in diesem Jahr viele schöne Stadionperlen präsentiert und möchten euch nun auch zur Weihnachtszeit euer Herz erwärmen. Für die 78. Ausgabe befinden wir uns in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Im Stadion Romprim bekommt der Satz „Fußball live“ eine eigene Bedeutung. Wir hoffen, dass das letzte Bundesliga-Wochenende genauso schön wird wie die Sprecherkabine!


29.11.2025
Stadion Romprim
FC Dinamo II București – AS FC Agricola Borcea 0:1

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

FC Groningen – FC Volendam – 3:0

“ALS DER OOSTERPARK NOCH EINMAL LEBTE”

13.12.2025
Eredivisie
Euroborg
Zuschauer: 22.525

GRONINGEN – Am 13.12. erreichte ich Groningen sicher und pünktlich mit dem FlixBus. Nur wenige Minuten später saß ich bereits im Zug nach Assen. Nach einem kurzen Stopp in einer Frituur stand der erste Ground des Tages auf dem Programm. Meine Wahl war auf ein Spiel im CATAWIKI Sportpark gefallen, da der Ground laut Bildern auf Europlan und Futbology über eine ansprechende Tribüne verfügen sollte.

Die Ernüchterung folgte jedoch prompt: Seit September dieses Jahres ist die Tribüne bereits Geschichte. Immerhin wurden einige Sitzschalen auf den Stufen des Stadions platziert. Sportlich bot die Partie dennoch einiges. In einem intensiven Spiel gelang es den Gästen von IJsselmeervogels, einen 0:2-Rückstand noch in ein 2:2 umzuwandeln. Kurz vor Spielende vergaben sie sogar die große Chance auf den Sieg per Elfmeter.

Das eigentliche Highlight der Tour sollte jedoch am Abend folgen. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach dem letzten Spiel im legendären Stadion Oosterpark wurde diese Partie nun im Neubau ausgetragen. Ein würdiger Anlass, um die alte Spielstätte mit zahlreichen Aktionen zu ehren.

Rund um das Stadion erinnerten Fotos und Texte an die frühere Heimat des Vereins. Die Mannschaft lief in eigens gestalteten Sondertrikots auf, während auch die Anzeigetafel optisch an vergangene Zeiten angelehnt war. Die aktive Fanszene beteiligte sich mit großem Engagement: Vor dem Spiel wurde zu einem Fanmarsch vom Oosterpark zum Stadion aufgerufen. Zum Einlaufen der Mannschaften präsentierten die Fans auf nahezu allen Tribünen – Gästeblock und VIP-Bereich ausgenommen – eine beeindruckende Choreografie. Dargestellt war das berüchtigte alte Stadion, mittig das bekannte Eingangstor, unter dem sinnbildlich ein Vater mit seinem Sohn stand. Ergänzt wurde das Bild durch einen der markanten alten Flutlichtmasten. Der gezündete grüne Rauch kam dabei leider nicht ganz zur gewünschten Geltung.

Auf der Piet-Fransen-Tribüne formten hochgehaltene Pappen den Schriftzug „Oosterpark“. Auch auf der Koeman-Tribüne wurde mit Pappen gearbeitet. Unterhalb der VIP-Boxen rundeten schwenkende Fahnen in den Vereinsfarben Grün und Weiß das stimmungsvolle Gesamtbild ab.

Für einen kurzen Moment schien es, als sei der Oosterpark wieder zum Leben erwacht. Und als wollte es der Zufall so, endete auch dieses Spiel mit dem gleichen Ergebnis wie vor 20 Jahren. Groningen dominierte die Partie über weite Strecken und nutzte eine lange Überzahl konsequent, um am Ende einen souveränen 3:0-Erfolg einzufahren.

Während die Fans den Sieg noch ausgiebig feierten, verließ ich zügig das Stadion und machte mich auf den Weg zum FlixBus, der mich zurück nach Hamburg bringen sollte. (fj)

FC Winterthur – FC Basel – 1:2

FC Winterthur – FC Basel – 1:2

„RACLETTE STATT KUNST“

07.12.2025
Super League
Stadion Schützenwiese
Zuschauer: 8.700

WINTERTHUR – Eigentlich sollte hier ein Text aus Bern stehen. Doch statt ins Wankdorfstadion ging es ins Elisabeth-Schwarzhaupt-Krankenhaus nach Schwechheim. Kein Flieger in die Schweiz und kein Spektakel bei den Young Boys Bern, dafür eine Irrfahrt ins Hospital und Schlagseite in der Notaufnahme. Der Daumen unseres Redakteurs (tp) hing nach einem tiefen Glasschnitt am seidenen Faden und die Reise ins Ausland wurde gestrichen. Wie gut, dass ein Teil der Redaktion ein Wochenende zuvor in der Schweiz weilte.

Die Entscheidung letzte Woche einen Bericht aus St. Gallen oder Winterthur zu bringen, war ohnehin eine ganz knappe gewesen. Hätten wir einen Volksentscheid ausgerufen, dann wäre das Votum vermutlich 51:49 ausgefallen. Aber so folgt an dieser Stelle nochmal ein kurzer Abriss über den Besuch beim FC Winterthur, auch weil sich tatsächlich letzte Woche neue Entwicklungen angekündigt haben, die wir hier gerne erwähnen möchten.

Nach einer Sightseeing-Runde im schönen St. Gallen ging es per Zugfahrt nach Winterthur. Hier profitierte man tatsächlich von einer Zugverspätung der SBB, ohne die Winterthur eine halbe Stunde später erreicht worden wäre. Auch in der sechstgrößten Stadt der Schweiz wurde eine kleine Touri-Runde durch den Stadtkern gedreht und der Ort als eher unspektakulär eingestuft. Nach der Bummelei und vor dem Fußballspiel musste noch ein kleines Problem gelöst werden – der Rucksack stand dem Spielbesuch im Weg. Die Schließfächer im Hauptbahnhof waren alle belegt und Plan B sah vor, wahllos in einem Hotel nachzufragen ob die Tasche gegen einen kleinen „Obolus“ verwahrt werden könne. Nur war in der Altstadt irgendwie kein großes Hotel aufzutreiben und der Weg ging schon wieder Richtung Spielort, um sich vielleicht irgendwie ins Stadion reinzusabbeln…

Am Rande der Altstadt passiert man ein großes Gebäude – das Kunstmuseum. Und da fiel plötzlich der Groschen: In den Museen gibt es ja oft Spinde, um seine Habseligkeiten zu verschließen. Und das Kunstmuseum Winterthur ist in dieser Hinsicht wirklich exzellent aufgestellt. Abschließbare Schränke ohne Gebühr bietet das KMW an. Zugegeben: Die feine englische Art war das nicht, aber der Zweck heiligt die Mittel. Außerdem sollte sich der „Move“ auch noch etwas rächen. Beim Verlassen des Museums musste an der Kasse unbedingt noch die Öffnungszeit ermittelt werden, diese fiel mit 17 Uhr positiv aus. Doch auf dem Weg zum Stadion fing es an zu tröpfeln. Und der Regenschirm? Der lag im Spind. Nochmal ins Museum? Das wäre einmal zu viel gewesen.

Also ab zur Schützenwiese – und viel zu früh hinein in die Bude. Das Stadion war am Ende ausverkauft und auch aufgrund der stolzen Preispolitik in der Schweiz lag der gebuchte Platz hinter dem Tor, neben den Gästefans. Ein Weg zur Haupttribüne bestand nicht, das einzige Tor war bewacht und abgeschlossen. Auch Regenschutz war kaum vorhanden. Die Hoffnung noch ein Stückweit auf der Geraden zu stehen, wie das gegenüber bei der „Sirupkurve“ der Fall ist, erfüllte sich nicht. Immerhin biegt sich in Winterthur die Kurve etwas Richtung Eckfahne, so dass die Sicht auf die Gästefans am Ende ganz passabel ist. Für 25 Franken ist das okay. Basel konnte den Block restlos füllen und punktete mit Dauersupport. Allerdings verzichtete der FCB auf jegliche Effekte und auch die Mitmachquote fiel teilweise mager aus, so dass die „verklausulierte Sicht“ auf die Gästefans am Ende nicht wirklich schadete.

Die Veranstaltung gefiel eher aus Sicht des Heimvereins. „Winti“ steht auf dem letzten Platz der Super League. Dennoch ist aktuell fast jedes Spiel ausverkauft und der Verein scheint einfach tief verankert zu sein im Ort. Das geflickschusterte Stadion vereint die ganze Silhouette der Stadt. Der große Klotz hinter dem Gästeblock ist das „Sulzer-Hochhaus“. Bis 2003 das höchste Gebäude der Schweiz. Hinter der „Bierkurve“ grüßt der Turm der St.-Peter-und-Paul-Kirche und der Bahnhof ist auch keine 10 Fußminuten von der Schützenwiese entfernt.

Das Stadion ist wirklich unkonventionell und bringt Spaß. Neben einer alten Haupttribüne gibt es Stufen hinter dem Tor und ausgerechnet die neue Tribüne auf der Längsseite ist eine reine Stehplatztribüne. Entsprechend authentisch ist die Stimmung Einfach top! Doch nur ein paar Tage später flatterte die Nachricht ins Haus, dass dem FCW 35 Millionen Franken bewilligt wurden, um das Stadion auszubauen. Die Hintertorseiten sollen durch neue Tribünen ersetzt werden.

Es könnte gut sein, dass das modifizierte Stadion in der zweiten Liga eingeweiht wird. Denn „Winti“ konnte sich an diesem verregneten Sonntag-Nachmittag nicht mit einem Punktgewinn belohnen, dabei spielten die Nordostschweizer den Favoriten teilweise an die Wand. Ex-Bundesliga-Keeper Marwin Hitz im Kasten der Basler scheint nicht viel von seinen Fähigkeiten verlernt zu haben und vereitelte Chance um Chance. Der FCB verwandelte gleich die erste Möglichkeit nach rund einer halben Stunde in Person von Xherdan Shaqiri. Doch der FCW glich direkt nach der Pause per Kopfball aus. Auch danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Basel ein VAR-Elfmetergeschenk nicht verwandeln konnte. Ein Punkt für beide Teams wäre echt okay gewesen, doch die Gäste duselten Sekunden vor Schluss nach einer Ecke mit mehreren abgeblockten Schüssen noch einen Ball ins Netz – und ließen sich nach einer überaus mäßigen Leistung am Ende als großer Sieger feiern. Wird schon seinen Grund haben, warum Winti auf dem letzten Platz steht.

Nach dem Schlusspfiff führte der Weg über die Haupttribüne aus dem Stadion heraus – netterweise wurde nun das Eisentor geöffnet. Auf der Tribüne fand sich nicht nur eine Eintrittskarte als Souvenir, sondern auch ein herrenloser Regenschirm und nachdem der Niederschlag mit dem Spielende nochmal eine Schippe draufgelegt hatte, ging sich der Weg zum Museum mehr oder weniger trockenen Fußes aus. Den Rucksack aus dem KMW zu holen, war anschließend überhaupt kein Problem und das Geld, das man für die Schließfächer oder den Museumseintritt gespart hatte, landete letztlich auf dem Weihnachtsmarkt und sorgte für einen vollen Magen. Raclette und Gerstensuppe waren für den Redakteur aus dem fernen Schwechheim genauso „unique“ wie das wunderbar zusammengewürfelte Stadion Schützenwiese. (mm)

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

FC Schalke 04 – 1. FC Nürnberg – 1:0

„62.278 FREUNDE AUF DEM BERGER FELD”

14.12.25

2. Bundesliga
Veltins Arena
Zuschauer: 62.278

GELSENKIRCHEN – Erst neulich berichtete Kollege tp begeistert vom Nebenplatz des Südstadions Haidekamp. Wenn man schon bei Nebenplätzen ins Schwärmen gerät, kann es sich fast nur um Gelsenkirchen handeln. Die “Stadt der 1000 Feuer” ist ein Paradies für alle Groundhopper, die auf der Suche nach morbidem Charme alter Sportanlagen sind. Auch mich zog es am vergangenen Sonntag in den Pott, allerdings war der Tag (mal wieder) anders geplant.

Eigentlich standen Sparta Rotterdam und AZ in den Niederlanden auf der Agenda, aber das Spiel von Alkmaar wurde verlegt. Ein vernünftiger Doppler ließ sich nicht mehr finden und so steuerte ich das Ruhrgebiet an. Kurzfristig organisierte mir Hopperkollege fw eine Karte für das “Freundschaftsspiel” zwischen Schalke und Nürnberg, danke nochmal! Vorher trafen wir uns an der Plutostraße, wo bei Kaffee die Partie verquatscht wurde. Selbstredend ist die dortige Sportanlage Tossehof mit Ascheplatz und Stufenausbau empfehlenswert.

Mit Abpfiff musste ich mich sputen, konnte aber mein Auto rechtzeitig im Stadtteil Beckhausen abstellen und lief den Rest durch das Naturschutzgebiet zur Arena auf dem Berger Feld. Nach dem Spiel kommt man von dort auch deutlich besser weg als von der östlichen Seite. Wie erwartet meldete Schalke ausverkauft und mit einem Sieg gegen die Clubberer winkte die Herbstmeisterschaft.

Auf den Rängen erwartete ich nicht unbedingt eine Riesenvorstellung, denn die Nordkurve hatte erst im Heimspiel zuvor eine fette Choreo zum 150. Stadtgeburtstag abgeliefert. Doch die Schalker belehrten mich eines Besseren: gekleidet in blauen und weißen Ponchos formte die Tribüne das Vereinswappen. Zum Einlaufen der Mannschaften hielten die Fans schwarze und rote Folien hoch und zeigten das Wappen der Nürnberger Freunde. Das Ganze lief dann ein paar Mal im Wechsel. Absolut synchron und eine starke Präsentation, Hut ab!

Die Ponchos blieben die ganze erste Halbzeit an und insbesondere bei den Hüpfeinlagen ergab das ein top Bild, wenngleich akustisch schon mehr hätte gehen können. Im Gästeblock spulten die Glubb-Fans ein solides Programm ab. Das Geschehen auf dem Rasen war dürftig, aber wen der 62.728 Freunde juckt das an so einem Tag?

Schalke gewann letztlich 1:0 und ich gönnte mir im Anschluss noch den obligatorischen Taxiteller. Mit etwas Wehmut fuhr ich zurück nach Schwechheim, denn in der “Active City” erwarten mich die zumeist trostlosen Plastikwiesen ohne Seele. Doch Gelsenkirchen sieht mich im neuen Jahr bestimmt wieder, denn die To-Do-Liste an urigen Sportplätzen ist noch lang. (hr)

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

SC Victoria Hamburg – Altonaer FC 93 – 1:0

„VIELE FRAGEZEICHEN STATT VIER ZIFFERN“

12.12.2025
Landespokal Hamburg
Stadion Hoheluft
Zuschauer: 1.512

HAMBURG – Was wurde nicht schon alles über diese Begegnung und diese Vereine geschrieben. Das älteste Derby Deutschlands soll es sein, seit 1898. Erwin Seeler lief im Trikot der Victoria als Verräter der Arbeiterklasse auf. Altona als erster Austragungsort um die Deutsche Meisterschaft, sorgte schon 1903 für Furore. Sogar ein Spiel auf Helgoland zwischen den beiden Vereinen wurde einst ausgetragen. Aus Promo-Zwecken fand vor 101 Jahren eine Begegnung der Traditonsklubs auf der Hochseeinsel statt. Spiele auf Helgoland, die viel Aufsehen erregen, sind im Groundhopper-Kosmos ja noch gut bekannt.

Der Hamburger Klassiker – also ein Duell, das die neutralen Fußball-Fans und Atmo-Hopper anlockt wie die Motten das Licht. So war es die letzten Jahre und auch diesmal durfte „Vicky“ sich über rund 2000 Zuschauer freuen. Die offizielle Zuschauerzahl wurde nämlich vom Stadionsprecher mit dem Zusatz garniert: „…und bestimmt 1000 Kindern und Jugendlichen, die freien Eintritt erhielten“. Wie dem auch sei, am Ende einigte man sich auf 1512 Personen vor Ort. Aber das ist natürlich vollkommen in Ordnung. Die Holztribüne und der Gästeblock waren jedenfalls rappelvoll und das ist ja die Voraussetzung für ein stimmungsvolles Derby.

Ein stimmungsvolles Derby – so sah es vor dem Anpfiff auch aus. Beim Betreten des ehrwürdigen Grounds wurde schon eine große Zaunfahne vor dem Gästeblock mit der Aufschrift: „Die Macht von der Griegstraße“ gesichtet. Daneben versammelte sich eine Handvoll Heimfans hinter einer neuen Gruppenfahne mit der erwartungsfrohen Kunde: „Tresensport Victoria“. Während im Auswärtsblock lediglich eine Konfettikanone gezündet wurde, gab es bei „Vicky“ Rauch in den Vereinsfarben und Blinker zu sehen. 1:0 für Victoria und das nicht nur auf den Rängen, denn der Oberligist ging gegen den Regionalligisten früh in Führung und keiner konnte ahnen, dass es mit der Durchsage des Torschützen schon vorbei war mit den Highlights an diesem Abend. „Sönke Otto Karl-Heinz Meyer“ traf per Direktabnahme zum 1:0, wie der Stadionsprecher brühwarm und voller Stolz verkündete, was die Tribüne sehr erheiterte.

Victoria blieb nach der Führung gefährlicher und erstickte die lahmen Versuche der Gäste den Ausgleich zu erzielen im Keim. Da die Heimelf komfortabel in Führung lag, passierte nicht mehr viel. Die Darbietungen der Schwarz-Weiß-Roten fanden zu Beginn der zweiten Hälfte ihr Echo im Gästeblock, wo eine Choreo gestartet wurde, die auf vier Doppelhaltern das Gründungsjahr „1893“ zeigen sollte und vollkommen verhunzt wurde. Viele Fragezeichen statt vier Ziffern: Alles durcheinander, schief und krumm, dass man sich ernsthaft die Frage stellte, ob der AFC dieses „Choreo-Ding“ mit der Aktion persiflieren wollte. Auch sonst stinkte der gut besetzte Gästeblock mit mindestens 500 Fans gegen die Suff-Elite vom Lokstedter Steindamm ab, die mit einem Dutzend Leuten hinter dem Wellenbrecher mehr Eindruck hinterließ als die erprobte AFC-Szene.

Es läuft einfach aktuell nicht gut bei Altona. Dazu passt die erste Derby-Niederlage seit über 7 Jahren und das Aus im Pokal-Achtelfinale, das man nicht mehr abwenden konnte, obwohl in der Schlussphase die Zügel auf dem Kunstrasen angezogen wurden. Auch das letzte Stadtderby im April auf der AJK mit dem goldenen Tor in der Nachspielzeit war nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht sollten es die beiden Vereine mal wieder auf Helgoland versuchen… (mm)

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

Shan United FC – Nam Dinh FC – 0:3

„88 MAL UNBESIEGT UND DOCH SHANCENLOS“

04.12.2025
Shopee-Cup – ASEAN Club Championship
Thuwunna Stadium
Zuschauer: 201

YANGON – Reisen nach Asien verlangen dem gemeinen Hopper immer ein gewisses Maß an Geduld, Flexibilität und Leidensfähigkeit ab. Spontane Spielabsagen oder Verlegung in andere Spielorte, natürlich beides kurzfristig und häufig nicht kommuniziert, Flugverschiebungen oder auch ganze Stornierungen stehen häufig auf der Tagesordnung. Nachdem aus vorgenannten Gründen die Komplettierung der ersten Liga in Singapur scheiterte, musste man auch um den Länderpunkt Myanmar zittern, nachdem der gebuchte Flug von 4 Uhr morgens auf 13 Uhr verlegt wurde. Es blieben somit keine drei Stunden zwischen geplanter Landung und Anstoß. Um es vorwegzunehmen: Auf eines ist in Asien dann doch relativ Verlass, die Flieger heben zumeist pünktlich ab, und so war der Stempel bereits 20 Minuten vor avisierter Landung im Pass. Aber von vorn: Bereits im September fiel mir bei der Planung diese Partie im Shopee Cup ins Auge und so wurden die Flüge gebucht und das E-Visum beantragt. Hierbei empfiehlt sich rechtzeitiges Handeln, zwar wird eine Bearbeitungszeit von 7 Tagen angegeben, dies ist aber nur als Richtwert zu verstehen und hat den Einen oder Anderen schon den LP gekostet, da der Flug ohne Visum nicht angetreten werden konnte.

Der Shopee-Cup ist ein Wettbewerb mit Sponsornamen und wurde vor zwei Jahren reformiert wieder neu aufgelegt. Es ist eine internationale Meisterschaft nur für die 11 südostasiatischen Länder, es qualifizieren sich die Meister und Pokalsieger. Länder mit schwächeren Ligen, wie zum Beispiel Timor-Leste oder Brunei, durchlaufen vorher eine Qualifikation. Gespielt wird in zwei Gruppen mit jeweils 6 Mannschaften. Die Termine sind sehr verlässlich und lassen auch eine längerfristige Planung zu. Mit Landung dauerte es dann keine 10 Minuten bis man den Grenzer von der vorhandenen Hotelbuchung und Rückflug überzeugen konnte und der Stempel geschwungen wurde. Am Airport gibt es dann die Möglichkeit eine eSim zu kaufen, welche mit ca. 8€ kein allzugroßes Loch im Reisebudget hinterlässt. Da im Land die gängigen Kartenaussteller keine Zahlungen zulassen, sollte man ausreichend Bargeld mitnehmen. Grab funktioniert mit Barzahlung einwandfrei. Der Umtauschkurs am Flughafen war deutlich besser, als vorher im Netz nachzulesen war. Es empfiehlt sich trotzdem vorerst nur kleinere Summen zu tauschen, da der Kurs in der Stadt dann doch nochmal besser ist. (1:4500 anstatt 1:3500). Es existiert zudem auch ein Schwarzmarkt mit Geldtausch aus dem Kofferraum, dieser wurde jedoch nicht genutzt; Kurse sollten hier aber nochmal besser sein. Das vorher auf Booking gebuchte Hotel konnte sogar in Euro bezahlt werden. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns vom Flughafen direkt zum Ground zu düsen. Das Gepäck gaben wir im Goal Hotel zur Verwahrung ab, wobei man hier nicht einmal unser Tipp annehmen wollte.
Das Thuwunna Stadium ist das Nationalstadion von Myanmar und neben den Länderspielen finden hier auch sämtliche internationale Clubspiele statt. Bei unserer Stadionrunde vor dem Spiel fiel uns auf, dass wir hier nicht nur eine traumhafte Gammelbude erwischt haben, sondern dass sich auch einige Menschen im Umlauf häuslich eingerichtet haben und wir gerade durch ihre Wohnzimmer spazierten.
Gastgeber am heutigen Tag war Shan United, ein professioneller Verein aus Taunggyi, im Shan-Staat von Myanmar. Der 2005 gegründete Club ist der aktuelle Ligakrösus mit 5 Meisterschaften in Folge. Auf der sehr aktuellen Instagramseite des Clubs verrät man auch mit Stolz, dass man bereits seit 88 Ligaspielen ungeschlagen ist. International reißt man jedoch keine großen Bäume aus und so gab es eine verdiente 0:3 Niederlage gegen den vietnamesischen Vertreter Nam Dinh FC, den ich bereits letztes Jahr besuchen durfte. Nam Dinh kann man getrost als Traditionsverein bezeichnen, der nicht zuletzt dank eines potenten Sponsors, der auch im offiziellen Namen wiederzufinden ist, zu alter Stärke zurückgefunden hat. So konnte man auch unter Mithilfe einiger überwiegend brasilianischer Legionäre zuletzt zwei Meistertitel in Folge feiern.

Nach dem Spiel ging es zum Hotel zum schnellen Check In und man verabredete sich mit einer Hopperlegende, die zufällig mit gleichem Ziel im Flieger saß zum Länderpunktbier. Zu Fuß ging es durch die Altstadt zur 19th Street, dem Hotspot für abendliche Aktivitäten in Yangon. Aber auch schon der Weg dorthin war ein Schmankerl: unzählige teils katzengroße Ratten, die sich zwischen schlafenden Obdachlosen und Müllbergen austobten säumten unser Weg. Auch das ist eben die Realität in einem der ärmsten Ländern der Welt und ließ einen mal wieder erden. Die andere Seite der Medaille wurde dann in der angesprochenen Partymeile vorgefunden, in der viele überwiegend junge Myanmaren die Nacht zum Tag machten. Wir schlossen uns an, genossen unser gezapftes LP Bier für umgerechnet 86 Cent und beobachteten das Treiben und die zunehmenden Alkoholleichen. 23 Uhr war dann aber in allen Läden Schluss und die Straßen waren auffallend leer auf unserem Nachhauseweg. In Myanmar hat die aktuell regierende Militärjunta eine Ausgangsperre von 0 bis 4 Uhr durchgesetzt, was auch zur Folge hat, dass die Grab App nicht funktioniert.
Der Folgetag wurde mit Sightseeing gut rumgebracht, wobei besonders die Pagoda auf jeden Fall zu empfehlen ist. Insgesamt ein sehr interessanter Aufenthalt, man ist vielen netten Menschen begegnet und die vom Auswärtigen Amt genannten Horrorszenarien können definitiv nicht bestätigt werden. Vom Landboten gibts daher eine Reiseempfehlung – natürlich ohne Haftung. (CvS)