Liphakoe FC – Majantja FC – 1:1 /Bantu FC – LCS FC – 5:1 /Lijabatho FC – Lioli FC – 4:0 /Maroala FC – Matlama FC – 0:2

„MORGENS BIS ABENDS FUẞBALL“

06.05.2026
Lesotho Premier Division
Setsoto Stadium
Zuschauer: n/a

MASERU – Wenn man bereits in Südafrika ist, muss man natürlich auch die Länderpunkte Eswatini und Lesotho mitnehmen.
Nachdem Eswatini bereits abgehakt war, ging es nun weiter nach Lesotho.
In Maseru gelandet, brachte mich ein Shuttle direkt zum Hotel, das quasi unmittelbar neben dem Stadion lag. Vom Balkon aus hatte ich einen perfekten Blick auf den schönen Ground und seine Flutlichtmasten.

Am nächsten Tag war es dann endlich so weit: Insgesamt vier Spiele standen im Setsoto Stadium auf dem Programm – Fußball von morgens bis abends.

Die Tickets konnten über eine Person von Sima Tickets organisiert werden. Vor dem Stadion war allerdings auch ein kleines Tickethäuschen aufgebaut, an dem mir schließlich meine Eintrittskarte überreicht wurde.

Es war mein frühester Länderpunkt, denn der Anstoß erfolgte bereits um 10:00 Uhr. Liphakoe FC traf auf Majantja FC, das Spiel endete 1:1.

Zwischen den Partien führte mich mein Weg immer wieder zu den zahlreichen Grillständen rund um das Stadion. Ich probierte sowohl Schweinefleisch als auch Chicken – Geschmackstest definitiv bestanden.

Außerdem kippte ich mir insgesamt fünf Hunter’s Cider rein. Genau so viele Tore erzielte Bantu FC gegen LCS FC. Endstand: 5:1.

Das dritte Spiel sollte schließlich zum absoluten Highlight werden. Die Fans des Lijabatho FC reisten mit einem voll besetzten Bus an und stimmten sich bereits während der vorherigen Spiele lautstark auf ihre eigene Partie ein. Der Grund: Lijabatho benötigte nur noch einen Sieg, um erstmals Meister zu werden. Der Favorit ließ nichts anbrennen und machte durch einen souveränen 4:0-Erfolg tatsächlich die Meisterschaft perfekt.

Beim vierten und letzten Kick des Tages brannte bereits das Flutlicht. Inzwischen war es dunkel geworden. Nun war Rekordmeister Matlama FC an der Reihe. Auch sie hatten einen starken Mob mitgebracht. Am Ende konnte Matlama das Spiel dank zweier verwandelter Elfmeter für sich entscheiden.

Damit endete der lange Fußballtag in Maseru. Am nächsten Tag konnte mit der Bambatha Tsita Sports Arena schließlich sogar noch ein zweiter Ground in Lesotho gekreuzt werden. (fj)

TSV Lohberg – TSV Dörverden – 1:2

„KREISPOKAL ÜBERALL”

02.05.26
Finale Kreispokal Verden
Sportanlage Bettenbruch
Zuschauer: 350

DAUELSEN – Ostern und die Feiertage in den Wochen darauf sind immer wieder super Gelegenheiten, die ein oder andere Groundperle in Deutschland zu kreuzen. Bei bestem Maiwetter steuerte ich am Tag der Arbeit mit den Kollegen (ms) und (nw) zunächst Halle an, wo im Stadion am Zoo um 11.00 der Ball im Finale der Reserven rollte. Entspannt ging es von dort nach Thüringen, wo die SG Traktor Teichel in einem dramatischen Finale den FSV Gräfinau-Angstedt im Weimarer Kreispokal bezwang. Locker 500 Zuschauer sorgten für einen schönen Rahmen und auch das ist ein Grund, diese Endspiele zu besuchen. Übrigens werden die Nebenplätze des Wimaria-Stadions aktuell auf Kunstrasen umgebaut und das dürfte die Zahl der Ansetzungen im Stadion vermutlich verringern.

Am Samstag standen erneut zwei Spiele auf dem Programm. Erst ging es hoch an die Förde zum eigenen Verein, der gegen die Eintracht aus Braunschweig antrat. Die meisten Fans hielten sich an das Spieltagsmotto “Alle in Weiß” und auch die Mannschaft lieferte ab. Mit dem 2:0 wurde der Durchmarsch nach unten in die 3. Liga vermieden. Danke Jungs!

Doch viel Zeit zum Feiern blieb für mich nicht. Schließlich hatte ich meinem Kumpel versprochen, zum Kreispokalfinale (da ist es wieder!) in Verden am Start zu sein. Dank einer pünktlichen Bahn nach Schwechheim und freier Fahrt auf der Autobahn erreichte ich pünktlich den Verdener Norden. Zu Gast war auch (ba), ein treuer Leser des Landboten. Grüße gehen raus!

Das Endspiel zwischen dem TSV Lohberg und TSV Dörverden wurde auf der Anlage vom TSV Dauelsen ausgetragen. Die ist im Prinzip eine Wiese mit drei Plätzen, aber zum Kick des Tages standen etwa 350 Zuschauer um das Flatterband herum und es war einiges los. An dieser Stelle ein großes Lob für die gute Organisation mit Parkplatzeinweisern und einer reibungslosen Versorgung an den Buden. Amateurfußball, wie wir ihn lieben!

Im Vorspiel gewann die Zweite von Lohberg den Kreis-Cup, was ein gutes Omen sein sollte. Angefeuert vom Seitenrand gingen die Jungs aus Luttum in der ersten Halbzeit gegen die favorisierten Dörverdener tatsächlich in Führung. Nach dem letzten Pokalsieg 2022 und der Niederlage im vergangenen Jahr schien der Pott wieder zum Greifen nah. Doch der Tabellenführer der Kreisliga Verden glich nach einer Stunde aus und drehte zehn Minuten später per Elfmeter sogar die Partie. Lange Gesichter bei meinem Kumpel und den Fans von Lohberg. Es war klar, dass es nun schwer werden würde.

In der 75. Minute verwehrte der Schiedsrichter den Schwarz-Gelben einen Strafstoß. Schade, vielleicht wäre es dann ins Elfmeterschießen gegangen. So brachte Dörverden den Sieg über die Zeit und wir philosophierten bei dem ein oder anderen Bier noch über die Vorzüge des Dorffußballs. Und wer an Himmelfahrt und Pfingsten noch nichts vor hat: haltet nach den Endspielen im Kreispokal Ausschau. Es lohnt sich! (hr)

1.FC Nürnberg – FC Schalke 04 – 3:0

„TAXITELLER OHNE GYROS“

09.05.2026

2. Bundesliga
Max-Morlock-Stadion
Zuschauer: 47.000

    NÜRNBERG – Die Freundschaft rief am Samstag in Nürnberg und an die 50.000 Besucher strömten bei bestem Wetter ins einstige Frankenstadion. Nach der Pflicht in 32 Zweitliga-Spielen und dem bereits feststehenden Meistertitel, rief bei Schalke unter der Woche jedoch erstmal die Kür: Ibiza! „Mit einer bisschen Alkohol in den Beinen“ trat der Champion laut Alt-Star Edin Džeko die Reise ins Frankenland an. Der „Club“ mit Miroslav Klose an der Seitenlinie hat eine unspektakulär Saison hinter sich und platziert sich in der Tabelle jenseits von Gut und Böse.

    Die Anhänger der „Knappen“ folgten dem Team scharenweise, wenn auch eher aus Buer oder Bismark und nicht aus Spanien startend. Fast die Hälfte der Arena färbte sich blau und es war gar nicht so einfach im Vorfeld ein Ticket für die Partie zu ergattern. Die Fan-Freundschaft existiert bereits seit den frühen 1980er-Jahren. Oft liest man im Internet, dass Schalke der Bundesliga-Klassenerhalt am letzten Spieltag im Frankenstadion gelang und Fans beider Lager gemeinsam feierten. Aus der Redaktion war zu diesem Zeitpunkt zwar noch niemand geboren, aber so ein Spiel am letzten Spieltag um das Jahr 1980 herum hat es nie gegeben.

    Wie dem auch sei – die Verbundenheit zwischen Nürnberg und Schalke ist nicht zu übersehen. Das Spiel startete mit einer „Halb-Stadion-Choreo“. Glücklicherweise besaß ich ein Ticket für die Haupttribüne und konnte die Choreo in der ganzen Pracht sehen. Mittels Ponchos und Farbtafeln erschufen die Zuschauer neben den Vereinsnamen sogar die Stadtwappen von Nürnberg und Gelsenkirchen. Das sah gut aus! Die Choreo war allerdings schon das große Highlight des Spiels.

    Während aus dem Schalke-Block keine einzige (!) Aktion zum Aufstieg gezeigt wurde und auch niemand in den 90 Minuten eine Fackel anriss oder sonst wie Schwarzpulver zum Leuchten brachte, waren die Nürnberger ein bisschen mehr auf Zack. Zu Beginn feierte der „Club“ die Regionalliga-Meisterschaft der zweiten Mannschaft. Im Laufe der 90 Minute brannte es immer mal wieder in der Kurve und Botschaften wie „Bundesliga ohne Schalke ist wie Taxiteller ohne Gyros“ wurden entrollt. Trotzdem konnte man am Ende über den Hinweis: „Bitte den Platz nach dem Abpfiff nicht zu stürmen“ nur müde lächeln.

    Auf dem Feld kassierten 11 lahme Schalker 5 Dinger von Nürnberg, wobei zwei Tore von Mohamed Zoma zurückgepfiffen wurden. Der Neuzugang aus Italien erzielte dann das reguläre 3:0 und die Freude war ihm sichtlich anzumerken. Sehr viel passierte danach nicht mehr, die restliche Spielzeit wurde damit verbracht ein paar Legenden beider Vereine auf den VIP-Plätzen nebenan zu beobachten. Zum Beispiel: Frank Baumann oder Youri Mulder. Am letzten Spieltag reist mit Braunschweig ein Team mit „ganz anderen Sorgen“ nach Gelsenkirchen in die Arena. Bis dahin sollte Schalke wieder Taxiteller mit Gyros im Angebot haben – sonst macht man sich keine neuen Freunde. (mm)

    FC Eintracht Northeim – 1. SC Göttingen 05 – 0:3

    „AUF DEN TAG GENAU VOR 15 JAHREN…“

    08.05.2026
    Landesliga Niedersachsen
    Gustav-Wegner-Stadion
    Zuschauer: 480

    NORTHEIM – Meine erste und einzige Begegnung mit dem FC Eintracht Northeim lag auf den Tag genau 15 Jahre zurück. Am legendären „Wilschenbruch“ in Lüneburg wurde als Junior-Hopper eine Partie mit Beteiligung der Süd-Niedersachsen geschaut. Acht Jahre später stand genau diese Begegnung dann wieder im Fokus: Northeim traf in der Regionalliga-Relegation als Oberliga-Zweiter auf den LSK. Lüneburg entschied das Play-Off mit einem Sieg in Hin- und Rückspiel für sich.

    Seit diesem verlorenen Play-Off lief es nicht mehr gut für Northeim. 2022 stieg die Eintracht aus der Oberliga ab. Aktuell schlittert der Verein Richtung Bezirksliga. Bedingt durch die Situation in der Oberliga, könnte es am Ende bis zu sechs Absteiger in der Landesliga-Staffel geben. Seit geraumer Zeit war auch das Gustav-Wegner-Stadion von meinem Radar verschwunden. Der Termin gegen Göttingen um 18:30 Uhr passte nun gut in den Kram. Mit dem Deutschland-Ticket in der Tasche, wollte ich am Freitag Richtung Nürnberg aufbrechen und ein Spiel- und Übernachtungsstop in der Mitte Deutschlands bot sich an.

    Bereits in Schwechheim gab es Probleme mit dem einstigen Staatsunternehmen auf der Schiene. Aktuell gibt es wegen Baustellen keine direkten Regionalzüge nach Hannover. Erst ab Buchholz/Nordheide rollt die Bimmelbahn in die Welfen-Metropole. Der Zug nach Buchholz fiel einfach mal aus. Mit dem Auto die 40km in die Nordheide? Klar, aber dafür brauchst du anderthalb Stunden am Freitag-Mittag. Wahnsinn, das Sommerhalbjahr ist angebrochen und irgendwie hat sich die Bevölkerungszahl auf den Straßen und der Schiene über Nacht verdoppelt.

    Es half nichts, der zweite Bahnplan musste sitzen. Tat er auch, doch der Zug von Hannover Richtung Göttingen baute unterwegs natürlich die nächste Verspätung auf. Kurz vor Northeim war klar: Pünktlich zum Anpfiff geht’s nur mit Taxi oder flotten Beinen. Dann aber aus dem Nichts folgende Anekdote: Ein Mitt-Fünfziger zieht sein Handy aus der Tasche und bestellt ein Taxi zum Gustav-Wegner-Stadion! Unterwegs stieg noch ein Kamerad in den Wagen ein und auch ein Lindener aus dem Zug schloss sich uns an. Wo ich herkomme, wollte der Taxi-Rufer wissen. Klar, Schwechheim kenne er, weil er dort mal in die „Entzugsklinik“ eingewiesen werden sollte und macht dabei eine Trinkergeste. Was er für die Taxifahrt wolle? „Gib mir ein Bier aus…“.

    Und plötzlich war der Bahnstress vergessen. Vor dem Eingang bildete sich schon eine nette Schlange und als wir den sehr charmanten Ground betraten, reichte die Zeit sogar noch für eine Runde Bier. Anschließend wurde die erste Halbzeit ohne jede weitere Aktivität auf der Gegengerade verfolgt, die auch von einer schönen Schicht Patina überzogen ist. Ich liebe diese Grounds, die über Jahrzehnte einfach immer nur „besenrein“ erhalten blieben. In Northeim steht so eine Anlage. Alles ist in Würde gealtert und in einem perfekt-nostalgischen Zustand, ohne dabei unbenutzbar zu wirken. Die Holztribüne mit den runden Balken ist wirklich sehr heimelig.

    Göttingen ging mit einem schönen Schuss früh in Führung und ließ den Gegner danach kommen. Bei Northeim viele „Leichtmatrosen“ in der Offensive. Es war klar, dass es schwer werden würde ein Tor gegen die ambitionierten Göttinger zu erzielen. In der zweiten Halbzeit wurde sich dann auf eben jener Holztribüne platziert, das Spiel mit dem Taxi-Mann verquatscht und die etwa 40 bis 50 Göttinger Auswärtsfans aus nächster Nähe betrachtet. Der ehemalige Zweitligist traf noch zwei Mal sehenswert ins Netz. Northeim war weit entfernt vom Anschlusstreffer, dafür rückt die Bezirksliga immer näher. (mm)

    Marmelodi Sundowns – Kaizer Chiefs – 1:1

    „GUTE LAUNE EINFACH ÜBERALL“

    06.05.2026
    Southafrican Premier Division
    Loftos Versfield Stadium
    Zuschauer: 51.000

    PRETORIA – Der Flughafen von Johannesburg dürfte nach dieser Reise einer der am häufigsten genutzten Flughäfen für mich sein. Somit landete ich mal wieder am O.R. Tambo Airport und ließ mich mit einem Uber in die Hauptstadt Pretoria fahren.

    Zunächst stärkte ich mich bei „Eastwoods“ mit einem Burger und einem Cider. Anschließend spazierte ich den kurzen Weg weiter Richtung Stadion.

    Unterwegs entdeckte ich noch eine Kaizer-Chiefs-Cap, die unbedingt als Souvenir mit musste. Mit dem neuen Modeaccessoire ging es schließlich ins WM-Stadion von 2010.
    In dem 51.000 Zuschauer fassenden Stadion traten die Chiefs auswärts bei den „Brazilians“, den Mamelodi Sundowns, an.

    Zwar gab es – wie in Südafrika üblich – keine strikte Fantrennung. Die Mehrheit in meiner Umgebung drückte allerdings eindeutig den Gästen die Daumen.

    Je näher der Anpfiff rückte, desto mehr Menschen strömten ins Rund. Offiziell war das Stadion ausverkauft, viele Sitze hinter den Toren blieben jedoch frei.

    Wie bereits beim Soweto-Derby wurden wieder Chiefs- beziehungsweise Vodacom-Fahnen geschwenkt. Ob darauf unbedingt ein Sponsor zu sehen sein muss, ist eine andere Frage. So etwas würde es in Deutschland im Fanblock bei einem Pflichtspiel vermutlich ebenso wenig geben wie die teilweise verkleideten Fans – Karnevalsvereine mal ausgenommen.

    Es war erneut beeindruckend zu sehen, wie sich die Fans in Schale geworfen hatten. Einer sah verrückter aus als der nächste.

    Neben den Fahnen wurden natürlich auch wieder die Vuvuzelas gespielt. Alle tanzten und feierten zu der Musik, die vom Stadion-DJ aufgelegt wurde. Gute Laune war überall zu spüren.

    Nach dem Anpfiff flaute die Stimmung allerdings merklich ab. Wirklich laut wurde es nur bei den Toren. Ektase nach der Gästeführung – mit wehenden Fahnen und etwas Rauch. Dasselbe Bild dann auch beim Ausgleich der Sundowns auf der anderen Seite. Endstand: 1:1.

    Für die Sundowns war das ein kleiner Rückschlag, denn das Ziel ist klar definiert: sich gegen die Pirates durchsetzen und Meister werden.
    Außerdem gibt es noch die African Champions League zu gewinnen. Im Finale treffen die „Brazilians“ in Hin- und Rückspiel auf Rabat. Mal sehen, wie viele Titel am Ende eingesammelt werden können.

    Nach dem Spiel ging es zurück zum Restaurant, um auf das vorreservierte Uber zu warten. (fj)

    FC Fredericia – FC København – 3:3

    „URLAUB IN DÄNEMARK“

    03.05.2026
    Superliga DK
    Monjasa Park
    Zuschauer: 4.479

    FREDERICIA – Urlaub in Dänemark heißt es seit ein paar Jahren. Nachdem mit dem Kopenhagen-Derby bei Brøndby einst die Superliga komplettiert wurde, werden nur noch die fehlenden Grounds der Aufsteiger oder Neubauten mit den passenden Spielen angesteuert. Bitte bevorzugt in der warmen Jahreszeit und stets ein Doppler mit einer großen Szene aus Sjælland soll es sein – und los geht’s! Mit dieser Rezeptur fühlt sich Groundhopping in Dänemark dann tatsächlich wie Urlaub an und nicht mehr wie „Zeitvertreib aus Mangel an Alternativen“.

    Diesmal gibt es eine Fußnote. Denn genau das Auswärtsspiel vom FCK bei Fredericia sollte im Spätsommer schon mal angesteuert werden. Doch eine Woche vor dem Spiel musste festgestellt werden, dass der „Monjasa Park“ eine Baustelle ist und da die Saison noch lang war, wurde der eintägige Dänemark-Ausflug erstmal zu den Akten gelegt. So plätscherte die Spielzeit dahin. Ab und an wurde mal eine Zusammenfassung von Fredericia auf einem bekannten Video-Portal angeklickt und registriert, dass die Hintertorseiten schon im Herbst fertig waren. Problem danach: Keine Zeit oder nur Scheißspiele in Dänemark.

    Doch am Ende kam alles anders: Kopenhagen rutschte tatsächlich in die „Abstiegsrunde“ der Superliga und so trafen die ungleichen Kontrahenten jetzt im Frühjahr wieder in Hin- und Rückspiel aufeinander. Fredericia ist ein Zusammenschluss aus zwei eigenständigen Sportvereinen, die 1991 ihre Fußballabteilungen gemeinsam auf Profi-Niveau hieven wollten. 34 Jahre benötigte der neue Verein um nach Jahrzehnten der Zugehörigkeit in Liga 2 in die Superliga aufzusteigen. In der Eliteklasse schlägt sich der FCF ganz gut, spielte eine gute Runde bis zu den Play-Outs und glänzte mit Offensiv-Fußball. In der Abstiegsrunde geht dem Neuling langsam die Puste aus und die Konkurrenz punktet eifrig, so dass die Jütländer aktuell auf dem ersten Abstiegpslatz stehen.

    Ich war noch nie ein großer Dänemark-Fan. Doch – wie gesagt – mit einem guten Plan in der Tasche lässt es sich bei unseren nördlichen Nachbarn ganz gut aushalten. Ein Lob geht aber an dieser Stelle raus an die unkomplizierte Durchführung in der höchsten dänischen Liga. Egal wer hier aufsteigt, meistens werden schnelle bauliche Maßnahmen getroffen und in dem betreffenden Stadion rollt ein paar Wochen später der Ball gegen die großen Teams des Landes. So ähnlich lief die Geschichte auch in Fredericia ab, vor ein paar Jahren gab es dort gerade mal eine Haupttribüne und sonst nur Graswälle.

    Das erste Spiel des Tages fand im umgebauten Stadion von Kolding eine Klasse tiefer statt. Die Modernisierungen mit neuer Tribüne und ikonischen Flutlichtern kann man über den grünen Klee loben. Das 1:1 gegen Hvidovre war ganz okay, für Kolding der erste Punkt in einer enttäuschenden Aufstiegsrunde. Hvidovre büßt mit dem Ergebnis den Aufstiegsplatz in die Superliga ein. Aber halten wir uns an dieser Stelle nicht in der zweiten Liga auf, der zweite Aufsteiger neben Lyngby wird nächstes Jahr definitiv auf die Speisekarte rutschen, da Platz 2 bis 5 in den Play-Offs bisher nicht gekreuzt werden konnten.

    Kommen wir lieber 25km weiter östlich zur Sache – und zwar zügig: Nach einer netten Choreo im vollen Gästeblock rappelte es nämlich schon nach ein paar Sekunden im FCK-Kasten! Der Außenseiter traf zur Führung! Fredericia hatte im Laufe der ersten Halbzeit noch einige Chancen, doch als neutraler Zuschauer war es unübersehbar, dass Kopenhagen stets in der Lage war einen Gang höher zu schalten, wenn es drauf ankam. Dennoch ging der Abstiegskandidat mit mutigem Fußball sensationell zwei weitere Male in Führung. Das 3:2 kurz vor Schluss hätte der Sieg sein können, doch ein „dummes Foul“ der Gastgeber verhinderte den zweiten Dreier in Folge gegen die Hauptstädter. Dem FCK gelang der Ausgleich vom Punkt.

    Damit ging ein absolut gelungener, eintägiger Urlaub in Dänemark mit zwei zufriedenstellenden Spielen zu Ende. Untermalt einmal mehr mit einem Top-Auftritt des CL-Teilnehmers aus Kopenhagen. Hier wurde nicht nur immer wieder gezündelt, die Betonstufen im Block wackelten 90 Minuten lang und am Ende waren alle Zuschauer zufrieden mit der Punkteteilung. Auch der kleine Heimblock konnte ein paar Mal auf sich aufmerksam machen. Für Fredericia steht am Sonntag ein Auswärtsspiel beim Tabellenletzten aus Vejle an. Gewinnt der FCF die Partie, kann man am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Silkeborg die Klasse halten. Das hätte sich der Verein nach zuletzt 4 Punkten in den Play-Outs gegen den großen FCK verdient. (mm)

    SK Horní Měcholupy – TJ Sokol Běchovice (2:1)

    Dobré ráno: Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (98) wartet auf euch. Wie im Bericht am vergangenen Dienstag angekündigt, handelt es sich heute um einen Ground im schönen Praha. In diesem Stadion rollte lange Zeit kein Ball, passend für meinen Besuch am 1.5 stand der Termin. Mit einigen deutschen Hoppern ging es bei bestem Wetter zur Sache. Diese Perle darf gerne eure To-Do Liste erweitern. Fahrt in die goldene Stadt und genießt Pivo, Sonne und eine fettige Klobasa. Euer Körper wird es euch danken!

    01.05.2026
    Sportovní centrum Univerzita Karlova
    SK Horní Měcholupy – TJ Sokol Běchovice (2:1)

    Racing Club – River Plate – 0:2

    „EL CILINDRO – HEXENKESSEL ODER KOLBENFRESSER?“

    12.04.2026
    Liga Profesional de Argentina
    Estadio Presidente Juan Domingo Perón
    Zuschauer: 50.000

    AVELLANEDA – Auf Chile folgte der Sehnsuchtsort aller Fußballfans: Buenos Aires. Wobei, nicht direkt. Denn zuvor besuchte ich in der Copa Sudamericana noch das Estadio Centenario in Montevideo, wo Uruguay sich 1930 zum ersten Weltmeister krönte und Geschichte schrieb. Über den Zweitligakick in Paysandú fand ich per Nachtbus den Weg in die argentinische Hauptstadt.

    Ich hatte große Erwartungen im Gepäck und zum Auftakt gab es ein Wiedersehen mit Boca in der Bombonera. Die Hütte ist einfach legendär, lest dazu gerne den Artikel von (tp) und (fj) aus dem letzten Jahr. Übrigens starten im Sommer definitiv die Umbauarbeiten und damit die Erweiterung auf ca. 80.000 Plätze.

    Am Sonntag stand dann ein vermeintliches Highlight der Tour auf dem Plan: der „Cilindro“ von Racing bzw. mit vollem Namen das „Estadio Presidente Juan Domingo Perón“ in Avellaneda südöstlich von Buenos Aires.

    Im Spitzenspiel empfing „El Primer Grande“ die „Millonarios“ von River Plate. Vor dem Kick gönnte ich mir neben einer Choripán noch ein Trikot in den hellblau-weißen Streifen. Normalerweise mache ich das nie, aber für schlappe 15 Euro sagte ich „Sí“ beim Straßenhändler und passte mich den Farben der Tribünen an.

    Das Stadion wirkt schon von außen gewaltig und die runde Form ist unverwechselbar. Definitiv Potenzial für einen Hexenkessel. Die Straße zum „Cancha“ ist nach Diego Milito benannt, dem Bayernschreck und mittlerweile Vereinspräsident bei Racing. Quasi nebenan befindet sich die Spielstätte von Erzrivale Independiente, welche später auf dem Tourkalender stand.

    Bei Bekannten hatte Racing einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen und mitunter war von der „besten Stimmung Argentiniens“ die Rede. Entsprechend war ich gespannt auf den Fanauftritt.

    Zum Einlaufen der Mannschaften zogen die Hinchadas mehrere Blockfahnen hoch und das Publikum kam in Wallung. Leider blieben diese aber wieder nur kurze Zeit in Position, aber das scheint hier einfach so zu sein. Die ersten zehn Minuten waren wirklich stark. Sehr hohe Mitmachquote und eine hammer Lautstärke, Gänsehaut.

    Allerdings flachte die Atmosphäre mit zunehmender Dauer ab und das 0:1 durch Colidio nach einer halben Stunde war ein herber Dämpfer. Auch dieser Eindruck zog sich durch die Spielbesuche in Argentinien: die Stimmung hängt bei vielen Vereinen schon vom Spielverlauf ab.

    Im zweiten Durchgang lief es nicht besser. Obendrein dezimierten sich die Gastgeber selbst. Vizeweltmeister Rojo wurde in der 80. Minute zum Duschen geschickt und war so etwas wie der Kolbenfresser im Zylinder. Danach ging auf den Rängen nichts mehr und in der Nachspielzeit machte Driussi den Deckel für River endgültig drauf.

    Auf keinen Fall möchte ich aber das Gesamtpaket „Cilindro“ schlecht reden. Wer eine Reise nach Buenos Aires plant, sollte Racing unbedingt mit einplanen. Gerade bei Spielen in der Copa Libertadores haben die Fans schon legendäre Auftritte hingelegt. (hr)

    Club Colonial Martinique – Espoir Sainte-Luce – 0:1

    „VIEL EU-FEELING, WENIG KARIBIK-VIBES“

    29.04.2026
    Trophée Gérard JANVION – Regionale 1
    Stade Louis Achille
    Zuschauer: 300

    FORT-DE-FRANCE – Unser vorerst letzter Karibik Bericht kommt aus Martinique. Wurde auf Guadeloupe noch ordentlich gekifft und gesoffen ging es hier viel geordneter zu. Auch die Straßen sind mindestens EU-Würdig. Die Leute wirken reservierter und vor allem nicht mehr so aufgeschlossen, locker und lustig, wie man es sonst aus der Karibik kennt.

    Auch Guadeloupe gehört zu Frankreich und somit zur EU aber dort ticken die Uhren definitiv anders, eigentlich eher so garnicht. Dieses „In den Tag rein leben“, morgens schon benebelt oder besoffen sein fehlte auf Martinique in voller Gänze. Klar, wir haben auch 5 Nächte im besonders behüteten Süden übernachtet, aber auch im wilden, hügeligen Norden war es nicht wirklich anders.

    Einzig am 01.05 wurde auf der ganzen Insel am Tag der Arbeit die Sau rausgelassen. Überall glühten bereits Morgens etliche Grillbuden vor, genau wie die Einheimischen, die diesen Feiertag scheinbar ganz besonders zelebrieren.

    Am besagten Freitag sollte für mich auch eigentlich bei einem Drittligaspiel im Nationalstadion der Länderpunkt fallen. Das Spiel wurde einen Tag vorher kurzfristig verschoben und ich war heilfroh, dass diese Pflichtaufgabe bereits am Mittwoch Abend als erledigt abgehakt werden konnte.

    Witzigerweise hatte ich eigentlich nur zwei Drittliga-Ansetzungen und ein U19 Spiel für Sonntag morgen auf dem Zettel. Am Ende kam alles anders und wir konnten uns ein Erstligaspiel im schönen Louis Achille Stadion anschauen.

    Am 29.04 ging es also gegen 17:00 Uhr mit dem Mietwagen in die größte Stadt Martiniques, Fort-de-France. Kaum in der Hauptstadt angekommen, wurde zuerst ein „Carefour“ aufgesucht und sich mit Biervorräten, Thunfisch, Pasta und Tomatensauce für die restlichen drei Tage eingedeckt. Wir hatten eine wirklich coole Unterkunft mit Outdoor Küche welche wir gerne und oft genutzt haben.

    Nachdem Supermarktabstecher ging es noch zu einem in Stadionnähe gelegenen Burgerladen. Für etwas mehr als dreizig Euro gab es ein großes gezapftes Lorainne Blonde, eine große Orangina, zwei Portion Pommes sowie ein Ham- und Chickenburger. Die Burger alleine hätten eigentlich alle mal gelangt um unseren Hunger zu stillen.

    Am Stadion gab es die obligatorischen fliegenden Händler, welche aus ihren Autos Rum, Bier, Softdrinks und Süßigkeiten verkauften. Endlich läuft mal etwas ähnlich wie auf der symphatischeren Insel Guadeloupe! Noch schnell zwei halbe Lorainne für die erste Halbzeit gesichert, ging es auch schon kostenneutral auf die Gegentribüne.

    Diese war ohne Ticket erreichbar und ein paar Jugendliche und ältere Einheimische gesellten sich zu uns. Super ranzige aber geile Bude in der mit den obligatorischen 7 Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

    Insgesamt sahen wir ein recht spannendes Spiel, wobei die Gäste aus dem Süden die Nase meist vorne hatten. Bis zur Halbzeit passierte nichts erwähnenswertes. In der Pause holte ich erneut zwei große Büchsen Bier bei der Händlerin des Vertrauens. In der 60. Minute trafen die Gäste letztendlich auch per Fernschuss zum 0-1 und ließen danach nichts mehr anbrennen. Mindestens 80 Gäste sind aus Sainte-Luce ihrer Mannschaft gefolgt und feierten den Schützen mit einem brachialen Torjubel ab! Diesen könnt ihr bei Bedarf auf unserem TikTok Kanal abrufen. Cheapau, Holligan28!

    Nach Abpfiff gingen wir noch auf die überdachte, schicke Haupttribüne um auf den gelb-blauen Betonstufen nach einem Mitbringsel für zu Hause zu suchen. Und siehe da, nur wenige Minuten nach Beginn der Aktion hielt die Superspürnase (hd) ein schlichtes aber schickes Ticket in seinen Händen. Ein genauer Betrag stand nicht drauf aber ich vermute, dass der Eintritt pro Person bei 10 EURO liegen müsste.

    Insgesamt war das Nievau auf Martinique deutlich höher als auf Guadeloupe, allerdings sah ich dort auch nur Spiele der zweithöchsten Liga. Das größte Zuschauerinteresse kann auf dieser Reise knapp vor Martinique Barbados zugerechnet werden.

    Sechs Karibik Destination habe ich nun besucht. Martinique belegt damit einen guten (!) letzten Platz. Versteht mich nicht falsch, ich würde Martinique grundsätzlich weiter empfehlen, allerdings haben mir die anderen fünf Inseln einfach besser gefallen, teils deutlich. Dennoch nutzte ich hier auch wieder die Gelegenheit mit euch meine Sightseeing Highlights zu teilen. An der Plage de Anse d’Arlet hat man eine sehr hohe wahrscheinlichkeit in einem natürlichem Raum mit Schildkröten zu schnorcheln, ohne dass diese mit Fischresten für Massen an Touristen angefüttert werden müssen. Im kleinen Ort Sainte-Marie erreicht ihr über den Tombolo (eine Sandbank) die gleichnamige Insel Sainte-Marie. Aber aufgepasst, bevor dass Hochwasser kommt müsst ihr den Rückweg antreten, da die Sandbank sich dann zum Meeresgrund verwandelt. Zu guter letzt möchte ich noch eine klare Empfehlung für „La Savane des Esclaves“ aussprechen. Eine Art Outdoor-Museum über die schlimme Zeit der Sklaverei. Das geht unter die Haut aber gerade deshalb lohnt es sich. (hd)

    Sokol Hostouň – SK Kladno – 0:0

    “DAS GRÜNE HOTEL INS GLÜCK”

    01.05.2026

    3. Česká fotbalová liga
    Stadion Vojtěcha Zeithamla
    Zuschauer: 569

      HOSTOUŇ – Ein wunderbarer Feiertag, manche Leute verbringen diesen Tag auf der Straße und andere fahren eben nach Tschechien. Durch die bundesligafreie Zeit an diesem Tag sollte es auf dem Weg nach Frankfurt zum Spiel der Rothosen eben einen kleinen Umweg geben. Grund hierfür auch die eher dürftigen Ansetzungen im eigenen Land. Somit brachte mich das grüne Hotel für einen Spottpreis von 25€ aus der Hansestadt in die goldene Stadt. Da zögerte ich nicht lange und saß am späten Donnerstagabend im Bus und gönnte mir eine Mütze Schlaf.

      Am nächsten Morgen am ZOB im Bezirk 8 angekommen. Die Sonne strahlte, der Tag nahm somit seinen Lauf. Zunächst enterte man das nächstgelegene Hostel für die feuchte Erfrischung der Haut. Zwei Stunden nach Ankunft stand der erste Termin. Im “Sportovní centrum Univerzita Karlova” rollte der Ball. Ein sehr ansehnlicher Ground, die wenigen vorhandenen Kreuze bei Europlan (35) nach dem Spiel sprechen für sich. Hier rollte lange kein Ball mehr, in einer Stadt, wo wahrscheinlich fast jedes Wochenende hunderte Groundhopper sind. Der ideale Start in den Tag! Dabei reiht sich das Vergnügen in eines der wenigen Kicks ohne vorhandene Verpflegung für mich in Tschechien ein. Dafür brutzelte die Haut und ein paar Kiddies sorgten für schmunzelnde Gesichter mit einem Bengalo im Fanblock.

      Anschließend besuchte ich “endlich” das Stadion von FK Admira Praha, was ein Prachtstück. Meine persönliche To-Do Liste in diesem Land ist endlos lang. Das Gesamtpaket stimmt einfach und wurde zwar schon oft erwähnt, sollte jedes Mal wieder erwähnt werden, wie schön dieses Land doch ist. Nur in meinen Augen “nervige” Deutsche, die lautstark das Spiel mit Ballermann-Gesängen oder sonstigen Parolen störten. Junggesellenabschiede, Mannschaftsausflüge oder Ähnliches sind leider auch ein Sinnbild von nervigen Reisenden. Diese sorgen bei mir immerhin für Fremdscham, ich bin eher der Freund davon, sich an jedem Ort an gewisse Regeln zu halten und Respekt für Einheimische zu haben. Genug Moralapostel!

      Das Drittligaspiel am Abend im Bezirk Kladno war der letzte Kick des kleinen Ausflugs ins Nachbarland. Per Uber erreichte man das schicke Stadion, dort angekommen, staunte ich nicht schlecht. Am milden Sommerabend fand sich das ganze Dorf ein. Naja, nicht ganz. Wenn ich mich nicht verzählt habe, fehlten noch rund 1.000 Einwohner. Die “Ultras Kladno” reisten zahlreich an, der aktuelle Tabellenführer ist auf einem guten Weg in die zweite Liga. Der ehemalige Erstligist hat aktuell 8 Punkte Vorsprung auf seinen direkten Verfolger.

      Die gewohnt gute „Becher-Quote“ auf tschechischem Boden machte einen starken Eindruck. Oft bricht bei so warmen Wetter und nur einem Getränkestand auf der Anlage vieles zusammen, hier lieferte der Zapfhahn Pivo und Malinovka in Massen. Das Drittliga-Spiel brachte Schnelligkeit und öffnete einem von selbst erneut die teilweise schwer werdenden Augen. Teilweise ansehnlicher Fußball ist man in diesem Land kaum gewohnt, was allerdings bis zum Schlusspfiff fehlte, war der Torerfolg.

      Nach dem Spiel ging es per Linienbus zum Bahnhof in Pavlov. Geil! Ein komplett leerstehender Ort, keine Spuren von Zügen, Menschen oder Fahrkartenautomaten. Ich liebe es, wenn die Schaffnerin im Zug rumgeht und Geld kassiert. Für 30 Kronen gibt es das Ergänzungsticket dank der Tageskarte in Prag. Besser als Schwarzfahren!

      Die Augen des Redakteurs mussten sich noch weiter gedulden, erst um 23:00 sollte es erneut ins grüne Hotel nach Frankfurt gehen. Genug Zeit, um noch mal durch die schöne Stadt zu watscheln. Über den Marktplatz zur Moldau und irgendwann zurück zum ZOB. Am Abend geht sowas, zur Mittagszeit ist es für mich unausstehlich. Viel zu viele Touristen aus aller Welt kommen DEFINITIV zurecht in die goldene Stadt. Nach der siebenstündigen Fahrt mit dem Flixbus wurde ich erneut pünktlich auf die Minute ausgespuckt. Dieses Mal Frankfurt, in direkter Nähe zum Bahnhofsviertel. Diese Stadt kann man ebenfalls nur mögen. Der Ausgang der Partie sollte vielen Lesern bekannt sein, die Hamburger sicherten sich den Klassenerhalt in der ersten Bundesliga. Freude im Gästeblock und für mich lohnte sich jeder gefahrene Kilometer. Genau dafür macht man solche Touren. Ein rundum gelungenes und effektives Wochenende. (tp)

      Moeni Pirates FC – Tabankulu Celtics FC – 0:1 / Mbabane Swallows FC – Young Buffaloes – 0:1

      „VON DER SAFARI ZUM LÄNDERPUNKT“

      01.05.2026
      MTN Premier League
      Mavuso Sports Centre
      Zuschauer: ca. 700

      MANZINI — Nachdem ich am Dienstag und Mittwoch im Krüger-Nationalpark beeindruckende Tiere beobachten konnte, war der Donnerstag für die Weiterreise nach Manzini in Eswatini eingeplant.

      In meiner Unterkunft in Nelspruit wusste ich einen Tag vor dem „Reisetag“ immer noch nicht, wie ich dorthin gelangen sollte. Die Entfernung beträgt gerade einmal etwa drei Autostunden. Das Problem: Ich habe keinen Führerschein.

      Meine Recherchen führten mich zu einem Taxi-Rank, von dem aus Minibusse täglich und kostengünstig in alle Richtungen fahren. Von dieser Idee wurde mir jedoch von drei unterschiedlichen Personen dringend abgeraten:

      „Steig niemals in so einen Bus.“
      „Geh auf keinen Fall zu einem Taxi-Rank.“
      „Never, never taxi rank in South Africa.“

      Also entschied ich mich für die sichere Variante. Option B: ein Shuttle-Service. Doch dieser meldete sich nicht mehr und der Donnerstag rückte immer näher.

      Also blieb nur noch eine Lösung: tief ins Portemonnaie greifen und zwei Flüge buchen.

      Am nächsten Tag brachte mich ein Shuttle zum Mbombela Airport, dessen Architektur mich sofort begeisterte. Doch mein Flug ließ auf sich warten – und wurde schließlich aufgrund katastrophaler Wetterbedingungen gestrichen. Glücklicherweise gelang eine Umbuchung auf den nächsten Airlink-Flug.

      Anschließend irrte ich durch den riesigen Flughafen von Johannesburg, um das richtige Terminal zu finden. Mit viel Laufarbeit und freundlichem Vordrängeln an der Sicherheitskontrolle erreichte ich meinen Anschlussflug nach Manzini gerade noch rechtzeitig.

      Am Tag nach meiner Ankunft veröffentlichte der Verein Young Buffaloes auf Facebook, dass am Freitag zwei Spiele im Mavuso Sports Centre stattfinden würden.

      Der Weg zu einem weiteren Länderpunkt schien also frei – zumindest theoretisch. Denn zunächst brauchte ich noch eine Eintrittskarte. Eine Facebook-Seite listete mehrere Verkaufsstellen auf. Leider war ein Geschäft geschlossen und im nächsten wusste man von nichts.

      Auch der QR-Code, über den man per WhatsApp ein Ticket bestellen konnte, funktionierte nicht.

      Schließlich wurde ich an einer Tankstelle fündig – der Engine Filling Station, die ebenfalls auf der Liste stand. Dort erhielt ich erleichtert einen einfachen Kassenzettel.

      Am Drehkreuz wurde dieser gegen ein Papierarmband eingetauscht. Endlich drin – endlich wieder Fußball!

      In dem wunderschönen Stadion fanden, wie angekündigt, gleich zwei Partien statt.

      Nachdem das erste Spiel mit 0:1 für die Tambankulu Celtics endete, überlegte ich kurz: Soll ich auch das zweite Spiel anschauen? Meine Entscheidung fiel auf „Ja“. Ein Spiel mehr für die Jahresstatistik, das Kombiticket war ohnehin bezahlt, und andere Pläne hatte ich nicht.

      Außerdem war auch das zweite Spiel gut besucht. Auf der großen Haupttribüne versammelte sich eine lautstarke Fangruppe, die mit Vuvuzelas und Trommeln ihr Team, die Mbabane Swallows, unterstützte.

      Auf der gegenüberliegenden Tribüne wurden Erinnerungsfotos mit Fans der Young Buffaloes gemacht.

      Ein rundum gelungener Abend, der schließlich mit einem Auswärtssieg der Buffaloes endete. (FJ)

      TuS Schwarz-Weiß Bismark – SV Stahl Thale – 3:0

      „ABENTEUER ALTMARK“

      06.04.2026
      Landesliga Nord/Sachsen-Anhalt
      Werner-Seelenbinder-Stadion
      Zuschauer: 87

      BISMARK – Um die gemütlichen Osterfeiertage in Ostdeutschland etwas aufzupeppen, heckte ich mir einen ganz kruden Plan aus: Wenn schon mal ein Zweirad im Kofferraum des Familien-Bombers liegt, warum nicht eine kombinierte Auto-Fahrrad-Tour über die Elbe nach Sachsen-Anhalt unternehmen? Hinter dem Fluss fängt die Altmark an, eine Region die in Westdeutschland sicher immer noch für große Fragezeichen sorgt. Mit Stendal und Gardelegen wurden 2018 und 2025 zwei der größten Orte in der Altmark fußballerisch besucht – ansonsten viele weiße Flecken auf der Landkarte.

      Neben Sonnenschein kündigte sich für die Osterfeiertage auch ganz pünktlich ein orkanartiger Wind an. Wer auch immer das Wetter in Norddeutschland organisiert: Setzen, Sechs! Da ich ja mit dem Auto unterwegs war, hätte ich einfach nach Bismark durchfahren können. Aber, nein, es wurde eisern an der Fahrrad-Nummer festgehalten und die rund 30km von Osterburg nach Bismark auf dem Sattel absolviert. Der Wind war dabei ziemlich nervig, aber nicht mal das größte Problem. An dieser Stelle ein Lifehack: Wenn ihr mit Fahrrad und Google Maps unterwegs seid, checkt die Route ganz genau. Google sucht euch den kürzesten Weg heraus, aber beachtet dabei kein Kopfsteinpflaster, keine Wald- und Wiesenwege, keinen Treibsand und sonstige fahrradfeindliche Untergründe. Selbst Steigungen werden nur unzureichend gewürdigt.

      Ich wollte ein Altmark-Abenteuer, ich bekam eins. Fernab jeglicher Zivilisation ging es durch Windradparks und menschenleere Wirtschaftswege Richtung Bismark. Die 17 Minuten Puffer büßte ich komplett ein. Als ich das Ortseingangsschild der Kleinstadt passierte, wurde mir immer noch 14:01 Uhr als Ankunftszeit angezeigt. Tatsächlich erreichte ich das urige Waldstadion „Werner Seelenbinder“ um 13:59 Uhr – 1 Minute vor dem Anpfiff. In der Stadt ging es bergab und den Rest erledigten die durchtrainierten Schwechheimer Wadln.

      Wieder mal pünktlich zum Fußball geschafft, der Preis dafür war ein paar Tage später eine Erkältung. Aber jetzt war ich erstmal angekommen am Ziel – und das lohnt sich. Wer hat das Waldstadion in Bismark auf dem Zettel? Vor Ort gab es keine Futbology-Check-ins zu verzeichnen, aber viele urige Details zu entdecken: Ein „Olympisches Feuer“, der kultige Eingang und natürlich die ausgebaute Seite entschädigten für den Langstreckensprint bei Gegenwind. Stilecht für Sachsen-Anhalt wird im Vereinsheim Bockwurst serviert. Die schmeckte so gut, dass es eine zweite gab. Ein Novum. Zwei Bockwürste als Gütesiegel für die Sportplatzverpflegung, das dürfte an dieser Stelle keine offenen Fragen hinterlassen.

      Zu Gast in Bismark: Kein Geringerer als der SV Stahl Thale. In den 1950er-Jahren DDR-Oberligist und an diesem Montag mit genau 9 Leuten aus dem Südharz angereist. Die Realität heißt mittlerweile: Abstiegskampf in der 7. Liga und dafür müssen die Anhänger über zwei Stunden pro Strecke ins Auto steigen. Es blieb bei einer Zaunfahne und Kommentaren in Zimmerlautstärke. Vielleicht hatten sie das Unglück ja auch schon geahnt. Beim Heimteam lief der Ball besser und in der Box kam Thale kaum mal zur Geltung. Am Ende fuhren die ebenfalls abstiegsbedrohten Bismarker einen verdienten 3:0-Sieg ein. Bei den Schwarz-Weißen war auf der Waldseite übrigens eine Junior-Ultragruppe unterwegs, die ihren ersten Auftritt auf die Bretter legte, wie der Instagram-Page der Jungs zu entnehmen ist. Viel Glück möchte man den Beteiligten auf beiden Seiten wünschen!

      Zurück nach Osterburg ging es dann über die gut ausgebaute Landstraße auf der Autoroute, welche nur Vorteile mit sich brachte und deutlich weniger Zeit in Anspruch nahm. Endlich radelte ich entspannt durch diverse Altmark-Dörfer mit ihren Natursteinkirchen, Storchennestern, Lost Grounds und den letzten architektonischen Überbleibseln der DDR. Zuvor wurde auch Bismark mit dem Wahrzeichen „Goldene Laus“ nochmal abgeklappert. Die ganze Stadt ist eine Zeitkapsel und trotzdem hat alles vor Ort seine Ordnung. Es hat sich mal wieder ein weiteres Fragezeichen über Deutschland in Luft aufgelöst. Auf der Rückfahrt hatte sich der Wind auch merklich zurückgezogen und ich fuhr die komplette Strecke offline und nur nach Schildern. Warum nicht immer so? (mm)

      SCW Obermain – SpVgg Obersdorf (1:0)

      Hereingetanzt in den Mai und herzlich willkommen zu unserer BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (97)! Wir eröffnen die Mai-Feiertage mit dem Waldstadion in Weismain. Die letzte Party beim SCW liegt allerdings schon eine Weile zurück. Im April 1997, also vor über 29 Jahren, bat der damalige SC Weismain den 1.FC Nürnberg in einem Pflichtspiel der Regionalliga Süd zum Tanz und 17.000 Zuschauer pilgerten in bester Feierlaune in das Waldstadion. Von diesen Scharen an Fans sind heute nur ein paar Dutzend geblieben. Doch das Waldstadion thront immer noch nahezu unverändert und erhaben über der Stadt.

      Mittlerweile ruft die Kreisklasse in dem 5000-Einwohner-Örtchen und auch der Verein von damals schlitterte bereits vor 23 Jahren in die Insolvenz, wurde sogar aufgelöst und schließlich neugegründet. Was geblieben ist: Das wunderbare Waldstadion mit der vielleicht beeindruckendsten Naturtribüne Deutschlands und viele Spuren der Vergangenheit. Nehmt euch ein Herz und besucht ein Heimspiel auf dem neunten Level in der Kreisklasse 2 – ihr werdet es nicht bereuen! Der Ground vom SCW Obermain ist der beste Beweis dafür, dass Fußball mehr als das berühmte 1:0 ist.


      19.04.2026
      Waldstadion Weismain
      SCW Obermain – SpVgg Obersdorf (1:0)

      APOEL FC – Pafos FC – 3:3

      „DER TRAUM VON EUROPA“

      26.04.2026
      Cyprus League
      GSP Stadium
      Zuschauer: 4.650

      NICOSIA — Als wir Anfang des Jahres die Tour nach Zypern buchten, war völlig unklar, welche Spiele wir sehen können, da die Liga nach der Länderspielpause im März geteilt wurde. Als Anfang April der Spielplan herauskam, war die Freude bei mir relativ groß, da ich die Jungs von APOEL unbedingt sehen wollte. Dieser Verein ist der erste aus Zypern, den ich so wirklich wahrgenommen habe, da sie es als einziger Vertreter dieser Nation ins Champions League Viertelfinale geschafft haben.

      Die Terminierung folgte auch relativ schnell und eigentlich war klar: Am Sonntag um 17 Uhr sehen wir APOEL gegen Pafos. Nur leider wurde unser geplantes Spiel in der Türkischen Republik Nordzypern ebenfalls auf denselben Tag um 16 Uhr terminiert. Scheiße, das führt zu einem Konflikt. Nationalstadion gegen Nationalstadion, Länderpunkt gegen Ligaspiel.

      Am 19.04.2026 tat sich aber noch etwas am Spielplan in Nordzypern und das Spiel von Yenicami AK wurde auf den Freitag vorverlegt. Am Freitag waren wir ohnehin noch ohne gültige Eintrittskarte und somit klappte es mit beiden Spielen.

      Die Tage zuvor liefen sowohl in Nord als auch in Südzypern grandios. Wir trafen auf viele super freundliche Leute, genossen die kulinarischen Leckereien beider Seiten und hatten dazu noch herrliches Wetter.

      Somit ging es am Sonntag mit dem elektronischen Totalschaden alias Mazda 2 wieder nach Nicosia. Direkt vorm Stadion konnten wir kostenlos parken und gingen in kurzer Hose und mit Sonnenbrille ins Stadion. Wir setzten uns auf die überdachte Haupttribüne und sahen rechts von uns alle in Orange. Bei APOEL wird Orange getragen.
      Man merkte sofort, dass der Mob Bock hat, denn heute musste unbedingt ein Sieg her, sonst war es das mit dem internationalen Geschäft.

      Angetrieben von den heimischen Fans spielte APOEL groß auf und ging völlig verdient mit 2:1 zur Pause in Führung. Kurz nach der Halbzeit erzielten sie sogar das 3:1 und alles schien schon entschieden. Europa war greifbar und der finanzstarke Verein aus Pafos war raus. Die Fans wurden immer lauter und auch die Spieler spielten einen sicheren Ball, bis sie in der 94. Minute den 3:2 Anschlusstreffer kassierten.
      Ab diesem Zeitpunkt waren die Spieler von APOEL wie paralysiert und konnten auf einmal gar nichts mehr. Die Nachspielzeit war eigentlich auch schon abgelaufen, aber der Schiedsrichter ließ einen langen Ball noch laufen. Was dann passierte, war klar: Der Ball rutschte zu Derrick Luckassen durch und der schoss das Leder in die Maschen. Doppelpack in der Nachspielzeit und Abpfiff.

      Fassungslos schauten sich alle Zuschauer auf der Heimseite an. Das ist doch gerade nicht wirklich passiert? Der sichere Sieg war weg und die Tür zum internationalen Geschäft ist zugefallen.

      Pafos selbst kann es noch über das Pokalfinale oder über die Liga schaffen, für APOEL heißt es zuschauen. Besonders bitter, weil der direkte Konkurrent aus der gleichen Stadt am 02.05.2026 vor ausverkauftem Haus seine Meisterschaft feiert. Das schmerzt!

      Für uns als neutrale Zuschauer war es allerdings ein packendes Spiel in einem schönen Stadion mit top Ausblick auf die umliegenden Gebiete. Die Stimmung der Heimseite hat uns überzeugt, das Stadion und allgemein das Land auch.

      Wir werden wiederkommen, denn wir haben noch ein paar Baustellen abzuarbeiten. Besonders der Gastauftritt von Anorthosis Famagusta, das Video könnt ihr auf unserem TikTok Kanal sehen, am Montagabend hat Lust auf mehr gemacht. (mb)

      St. Andrew Lions FC – Paradise FC – 1:7

      „I JUST SELL BOTTLES!“

      25.04.2026
      BFA Premier League
      Wildey Turf
      Zuschauer: 300

      CHRIST CHURCH – Einen Tag nach der Landung in Bridgetown machten wir uns per Mietwagen zum Fußballverband von Barbados auf. Hier wurden wir vom Präsidenten höchstpersönlich sehr freundlich empfangen, es wurde uns direkt Wasser gereicht und wir durften in den klimatisierten Räumlichkeiten Platz nehmen. Nach 10 Minuten Wartezeit wurden uns für die Premier-League, die Division One und die Division Two sämtliche Spielpläne als PDF per E-Mail zugesandt. Wer Interesse an diesen Spielplänen hat, kann uns gerne anschreiben, ich leite die Dokumente dann weiter. Im Internet findet man meist nur den Spielplan der Premier League und dieser ist nicht immer aktuell bzw. verlässlich. Es macht also durchaus Sinn am Anreisetag zum Fußballverband zu fahren und sich einmal um die aktuellen Spielpläne zu bemühen.

      Zwei Premier-League-Spiele waren jeweils am Samstagabend sowie eins am Montagabend angesetzt. Ich hätte mir zwar am Samstagabend ein Zweitligaspiel im nahegelegenen St. George angucken können, allerdings war es mir nicht sicher genug, mich auf die Ansetzung am Montagabend zu verlassen. Schließlich sind wir immer noch in der Karibik! So hätte ich zwar zwei verschiedene Grounds kreuzen können, wenn dann aber doch das Spiel am Montag ausfällt, hätte ich nur mit einem wirklichen Amateur-Kick auf einer Kuhwiese ohne Tribüne den Länderpunkt eingefahren. Also die sichere Variante und somit am Samstag um 19:00 Uhr zum Wildey Turf, wo es für 10 Barbados-Dollar eine schicke Eintrittskarte als Souvenir gab.

      In dem Ground, welcher lediglich aus einer langweiligen Stahlrohrtribüne besteht, sammelten sich zur Doppelveranstaltung am Abend rund 300 Leute. Wir entschieden uns dafür, lediglich dem ersten Spiel beizuwohnen. Paradise FC „gastierte“ gegen die Green Boys aus St. Andrews. Von Heim- und Gastmannschaft zu sprechen, ist in der Premier-League of Barbados allerdings obsolet, denn alle Spiele finden im Wildey Turf Ground statt. Nur in der oben genannten First & Second Division (2./3. Liga) werden die Spiele „around the island“ ausgetragen. Meist bieten hierfür Cricket- oder Schulsportplätze Asyl.

      Zurück nach Wildey, zurück zum Paradise FC. Ich war richtig heiß auf den Verein, haben sie doch eine Palme in ihrem Logo integriert, welche auf ihren schicken blau-gelben Trikots prangt. Das Spiel ging flott los, und innerhalb von 30 Minuten stand es 0:3. Kein Wunder, hatte der Keeper der Lions weder Torwarthandschuhe dabei noch die Motivation, auch nur einen Ball vor dem Netz zu retten. In der zweiten Halbzeit kam dann scheinbar erst der richtige Torwart etwas verspätet zum Spiel.

      Ab dem Zeitpunkt waren die Paradiesvögel weiterhin klar besser, hatten aber nicht mehr ganz so viel Glück vorm jetzt nicht mehr leeren Tor und St. Andrews konnte erste Akzente setzen. Im Turf finden die Zuschauer neben einer gut sortierten Rumbar auch allerhand Süßigkeiten und Gegrilltes. Letzteres schlugen wir allerdings dankend aus, da wir zuvor noch im nahegelegenen Streetfood-Dorf essen waren. Witzig war noch, dass man an der Rumbar nur Bier in Einzelgebinden kaufen konnte. Rum sowie Cola wurden nur flaschenweise serviert. Warum meine Freundin dort dankend ablehnte, verstehe ich bis heute nicht, immerhin steuerte ich an dem Abend den Mietwagen.

      Nach dem Spiel ging es zurück ins „Ocean Blue Resort“, für das ich nun ganz offiziell eine Lanze brechen werde. Für rund 65 Euro die Nacht gab es eine sehr saubere und gepflegte Unterkunft mit Pool. Auch verfügte die Unterkunft über ein Frühstücksrestaurant, wo wir täglich für unter 10 US-Dollar gut gefrühstückt haben. Es gab English Breakfast, Pancakes und was das Herz sonst noch so begehrt. Auch zu Abend essen konnte man sehr preiswert vor Ort. Wenn man überlegt, dass im Supermarkt eine Flasche Wasser ab 1,40 EUR beginnt oder ein kleines Flaschenbier ungefähr 2,50 kostet, war das Preis-Leistungs-Verhältnis im Resort unschlagbar. Ein weiteres Highlight war die Tatsache, dass 90% des gesamten Inventars gemauert war. Dies führte dazu, dass es selbst bei deaktivierter Klimaanlage angenehm kühl blieb. 10/10, klare und wahrscheinlich erste Unterkunftsempfehlung vom Landboten!

      Die restlichen Tage verbrachten wir auf der Insel hauptsächlich mit Strandbesuchen. Die Strände, welche uns am besten gefallen haben, waren der Brandons Beach, der Heywoods Beach sowie der Dover Beach. Außerdem haben wir einen Tag lang mit dem Mietwagen die gesamte Insel umrundet. Gerade die untouristische Ostküste hatte so einiges zu bieten. Alte Kirchen, eine Windmühle aus dem 18. Jahrhundert und die alte Bahnstation des St. Nicholas Abbey wussten zu gefallen.

      Ansonsten wurde viel getrunken und gekifft, bei uns nur Ersteres, Karibik pur eben! Barbados reiht sich bei mir nach Bonaire aktuell auf Platz 2 der coolsten Karibikinseln ein, allerdings habe ich auch „erst“ sechs gesehen. (hd)

      Orlando Pirates – Kaizer Chiefs – 1:1

      „VUVUZELAS, CHAOS UND GÄNSEHAUT“

      26.04.2026
      South African Premiership
      Soccer City Stadium
      Zuschauer: 95.000

      JOHANNESBURG – am Sonntag stand eines der großen Highlights meiner Reise an: das Soweto Derby im ausverkauften Soccer City Stadium mit knapp 95.000 Plätzen.

      Ich reiste mit Uber an und musste anschließend noch etwa 30 Minuten zum Stadion laufen. Schon kurz vor dem Eingang begann das typische Derby-Chaos: erste Ticketkontrollen, dichter werdende Menschenmassen und eine immer angespanntere Stimmung.

      Die zweite Kontrolle wurde schließlich von Teilen der Fans überrannt, sodass immer mehr Menschen in Richtung Stadion strömten. Die Polizei versuchte noch, die Menge mit Absperrungen und Schildern zu lenken, aber ich kam letztlich ohne weitere Kontrolle durch.

      Drinnen im Stadion war dann alles relativ unkompliziert: nur noch durch das Drehkreuz – und schon stand ich in diesem riesigen Oval. Ein Ort, an dem 2010 das WM-Finale stattfand, als Spanien gegen die Niederlande Weltmeister wurde.

      Wie damals bei der Weltmeisterschaft war das Stadion auch heute komplett ausverkauft. Die Tickets konnte man zwar schon Wochen vorher problemlos über „myticket“ kaufen, trotzdem musste man den Verkaufsstart genau im Blick behalten – innerhalb weniger Stunden waren alle Plätze weg.

      Es dauerte eine ganze Weile, bis sich das Stadion vollständig füllte. Der Anstoß wurde sogar zweimal verschoben, und auf dem Platz kam es beim Aufwärmen zu einer kurzen Rangelei.

      Auf den Rängen blieb es dagegen friedlich. Fans der Kaizer Chiefs und Orlando Pirates saßen ohne strikte Fantrennung verteilt im gesamten Stadion. Offiziell hatten die Orlando Pirates heute Heimrecht, obwohl sie ihre Heimspiele normalerweise im Orlando Stadium austragen. Die Chiefs wiederum spielen üblicherweise hier im Soccer City Stadium – bei Derbys wird diese Aufteilung jedoch flexibel gehandhabt.

      Mit rund 45 Minuten Verspätung wurde schließlich angepfiffen.
      Vuvuzelas dröhnten, Fahnen der beiden Vereine wurden überall geschwenkt, und die Atmosphäre erinnerte stark an die WM 2010. Fußball pur, laut, chaotisch und emotional.

      Wie es sich für ein Derby gehört, endete auch dieses Spiel unentschieden: 1:1. Nach dem Spiel wollte ich zu meinem vorreservierten Bolt gehen, doch durch das Chaos auf den Straßen und fehlenden Internetempfang war es unmöglich, das Fahrzeug zu finden. Gemeinsam mit einem Orlando-Pirates-Fan, den ich im Stadion kennengelernt hatte, wartete ich schließlich fast zwei Stunden auf Empfang – ohne Erfolg. Inzwischen war es dunkel geworden.

      Es war ein gutes Gefühl, nicht alleine zu sein. Später hielten wir uns in der Nähe eines Polizeiwagens auf. Schließlich fanden wir eine Person, die uns nach Sandton mitnehmen konnte. Sie arbeitete tatsächlich für Uber und brachte uns sicher zur Unterkunft.

      Sandton eignet sich dabei besonders gut als Stadtteil: Im Gegensatz zur teilweise problematischen Innenstadt von Johannesburg gilt das Viertel als deutlich sicherer. Entsprechend erleichtert war ich, wieder in der Unterkunft angekommen zu sein. (fj)

      Durban FC – Orbit College – 1:2

      „DAS EINZIGE WEIẞBROT IM STADION“

      25.04.2026
      South African Premier Division
      Chatworth Stadium
      Zuschauer: Circa 900

      CHATWORTH – Nach einem einwandfreien Flug mit Condor nach Kapstadt brachte mich die Airline Safair ebenso reibungslos nach Durban.

      Mit Bolt sollte es zur gebuchten Unterkunft gehen. Dort angekommen war allerdings niemand vor Ort. Auf Nachrichten und Anrufe wurde nicht reagiert. Also ging es zurück ins Auto, da der Fahrer netterweise gewartet hatte. Noch während der Fahrt wurde schnell ein Hotel gebucht, in dem ich etwa 20 Minuten später einchecken konnte. Die Rückerstattung der ursprünglich gebuchten Unterkunft wurde später ermöglicht.

      Die Liste der Warnungen ist lang, wenn es um Südafrika geht: nicht alleine unterwegs sein, die Innenstadt meiden, nachts nicht rausgehen. Egal – der Länderpunkt musste an diesem Abend unbedingt fallen!

      Also ein Uber bestellt und los ging die Fahrt. Direkt vor dem Eingang wurde ich abgesetzt. Schnell noch die Nummer mit dem Fahrer ausgetauscht – damit war auch die Rückfahrt gesichert.

      Das Stadion betrat ich mit dem zuvor über Webtickets gekauften E-Ticket. Kurz danach entdeckte ich mehrere Hardtickets auf dem Boden. Eines davon wanderte direkt in meine Tasche – Souvenir vom Länderpunkt: check!

      Auf der Tribüne war überraschend viel los. Der Grund dafür dürfte sein, dass viele gerade ihr Gehalt bekommen hatten.

      Von vielen Fans wurde ich angeschaut. Denn es gab einen deutlichen Unterschied zu all meinen bisherigen Spielen: Es war das erste Mal, dass ich der einzige Mensch im Stadion mit weißer Hautfarbe war.
      Natürlich ist es völlig egal, welche Hautfarbe man hat – wir sind alle Menschen. Hier fiel es dennoch auf und entsprechend viele Blicke zog ich auf mich. Eine Person war sogar so begeistert, dass sie ein Foto mit mir machen wollte – gerne doch!

      Auch ich konnte wieder viele Fotos machen: von den Fans, die teilweise verkleidet waren, und vom schönen Chatsworth Stadium. Zum Glück hatte die Tribüne ein Dach, denn es regnete fast das gesamte Spiel über.

      Auch sportlich wurde einiges geboten: Nach einem 0:2-Rückstand versuchte Durban alles, um das Spiel noch zu drehen. Nach dem Anschlusstreffer keimte Hoffnung auf, doch die Chancen reichten nicht aus. Am Ende musste sich Durban FC mit 1:2 geschlagen geben.

      Für mich ging es zurück ins Hotel. Der Fahrer versicherte mir noch einmal: keine Sorgen machen – einfach entspannt bleiben. (fj)

      Juventus Sainte-Anne – U.S. Ansoise – 3:0

      „RUHETAG AUF GUADELOUPE“

      17.04.2026
      Ligue Regionale 2
      Stade Jacques Ponremy
      Zuschauer: 89

      LE MOULE – Nachdem es heute Morgen schon das „Stade St. François Xavier“ als Bilderbuchbude der Woche auf die Titelseite des Landboten geschafft hat, folgt nun noch ein ausführlicher Bericht vom französischen Überseedepartement.

      Guadeloupe ist ein Archipel in der östlichen Karibik und gehört politisch zu Frankreich. Es hat den Status eines Überseedepartement sowie einer Überseeregion und ist damit gleichzeitig ein integraler Bestandteil des französischen Staates. Gemeinsam mit anderen französisch geprägten Inselgebieten wie Martinique, Saint-Barthélemy und Saint-Martin wird Guadeloupe den Französischen Antillen zugerechnet. Als Teil der Europäischen Union profitiert das Gebiet von europäischen Strukturen, gehört jedoch nicht zum Schengen-Raum. Anfang des Jahres 2023 lebten dort knapp 400.000 Menschen, wobei das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei etwa 35,6 Jahren liegt. Die Bevölkerung ist kulturell vielfältig geprägt. Der Großteil der Einwohner hat afrikanische Wurzeln oder eine gemischte Herkunft. Daneben gibt es kleinere Bevölkerungsgruppen europäischer, indischer, libanesischer oder chinesischer Abstammung. Religiös ist die Gesellschaft überwiegend katholisch geprägt.

      Die Ligue Guadeloupéenne de Football (LGF) fungiert als offizieller Fußballverband von Guadeloupe und organisiert den Fußballsport auf den Inseln. Sie ist dem französischen Fußballverband als regionale Organisation angeschlossen, besitzt jedoch keine Mitgliedschaft im Weltfußballverband FIFA. Seit 2013 gehört Guadeloupe dem nord- und mittelamerikanischen Fußballverband CONCACAF an. Dadurch kann Guadeloupe an offiziellen Wettbewerben dieses Kontinentalverbandes teilnehmen.

      Vor ungefähr drei Monaten haben wir einen Gabelflug mit Air France entdeckt und mussten direkt zuschlagen. Für preiswerte 620 EUR konnten wir uns die Tickets für die Verbindung Hannover – Guadeloupe & Martinique – Hannover mit jeweils einem Zwischenstopp in Charles de Gaulle sichern. Auf dem Hinweg verweilten wir vier Stunden in Paris, auf dem Rückflug werden es voraussichtlich nur zwei sein. Vor Ort gelangten wir mit „Caribbean Airlines“ von Pointe-à-Pitre (Guadeloupe) nach Bridgetown (Barbados) und von dort aus mit selbiger Airline weiter nach Fort-de-France (Martinique). Für diese Kurzstreckenflüge von Insel zu Insel zahlt man in der Regel zwischen 70-120 EUR pro Flug.

      Eigentlich bieten sich Karibik-Touren am besten an, wenn Qualifikationsturniere von der CONCACAF ausgetragen werden, da man dann über ziemlich sichere Ansetzungen verfügt und bei den Länderspielen generell auch wesentlich mehr los ist. Bei den drei oben genannten Kandidaten vertraue ich auf den Rahmenkalender, da die Verbände auf den ersten Blick alle relativ seriös und transparent erscheinen. Und so wurde ich direkt auf ein Zweitligaspiel aufmerksam, welches am Freitagabend in LE MOULE ausgetragen wurde. Normalerweise spielt Juventus im Stadion in Sainte-Anne, dieses durfte allerdings die Frauen-Nationalmannschaft von Haiti nutzen, um gegen ihren Nachbarn, die Dominikanische Republik, ein Qualifikationsspiel für die Frauenfußball-WM auszutragen.

      Vorm Spiel haben wir im zwanzig Kilometer entfernten Saint-François noch einen Burger gegessen und ein Corsaire vom Fass genossen, ehe es mit dem Mietwagen nach LE MOULE ging. Leider verfügt das Stadion nicht über eine klassische, gut sortierte Rum-Bar, selbiges wird allerdings vorm Stadion aus einem Kofferraum verkauft! Bier, Softdrinks und kleine Süßigkeiten gibt es ebenfalls zu zivilen Preisen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Preise auf Guadeloupe ungefähr dem deutschen Preisniveau entsprechen.

      Für gerade einmal einen EURO gab es eine schicke Eintrittskarte und wir konnten unsere Plätze auf der überdachten Tribüne einnehmen. Rund 100 andere Zuschauer gesellten sich ebenfalls dazu. Meine Freundin war so nett und steuerte an diesem Abend den Mietwagen, sodass ich dem einen oder anderen Zuschauer mit meinem Bier zuprosten konnte. Das Spiel war kurzweilig und unterhielt uns recht gut, das Niveau war vergleichbar mit einem besseren Kreisliga-Kick in Deutschland. Juventus war klar besser und siegte verdient mit 3:0. Der wahre Hingucker an diesem Abend war aber „Fredo“. Der „Dirigeant“, also Manager des Gastvereins, hatte auf der Vorderseite seines Trikots sich selbst als Bild aufgedruckt und fiel sonst durch skurrile Armbewegungen und merkwürdige Laute auf. Top Lad oder wie der Franzose sagt: „Un mec branché!“

      Generell muss ich sagen, dass das Spielniveau in Le Moule deutlich besser war als beim Spiel von Saint-François am Samstag. Selbe Liga, aber Unterschiede wie Tag und Nacht. Und auch bei den Eintrittspreisen gab es deutliche Ausreißer. Wurde uns am Freitagabend gerade mal ein Euro abgenommen, sollte ich in Saint-François fünf hinlegen. Vermutlich hat der nette Herr vom Kassenhäuschen in Le Moule aber einfach viel zu viel Wechselgeld rausgegeben, laut Ticket betrug nämlich auch hier der Abendkassenpreis 5 Euro.

      Ansonsten lässt es sich auf Guadeloupe sehr gut aushalten. Ohne Französischkenntnisse ist man hier oft aufgeschmissen, selbst in besseren Restaurants und Hotels wird fast kein Englisch gesprochen, wenn sie denn dann keinen Ruhetag hatten. Es war öfters wirklich herausfordernd, eine geöffnete Bar oder ein offenes Restaurant zu finden. Sowohl sonntags, montags als auch dienstags begleitete uns der ständig wiederkehrende Ruhetag.

      Um auch der bergigen Seite der Insel etwas Aufmerksamkeit zu schenken, haben wir zwei Wanderungen durch den Regenwald unternommen, die letzte endete mit dem Anblick des größten Wasserfalls der Insel. Außerdem besuchten wir über zehn verschiedene Strände. Besonders positiv sind dabei der Plage du Souffleur, der Plage de Grande Anse sowie der Plage de Petit-Havre in Erinnerung geblieben. Ein weiteres Highlight war eine dreistündige Mangroven-Tour, welche leider nur auf Französisch angeboten wurde. Dennoch hat sich der Guide größte Mühe gegeben. Guadeloupe, es war sehr schön! (hd)

      C.S. ST Francois – ASC Carenage (2:0)

      Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (96) kommt heute aus Saint-Francois, Guadeloupe.

      In gerade einmal acht Stunden Flugzeit lässt sich das französische Überseedepartement von Paris erreichen. Heute morgen konntet ihr bereits einiges über unseren Besuch auf Guadeloupe erfahren, wem es gefallen hat, der darf jetzt noch der Bilderreihe des Stade Xavier DURIMEL Aufmerksamkeit schenken.
      Vor gerade einmal 25 Zuschauern rollte am vergangenen Samstag bei stabilen 32 Grad bereits um 16:00 Uhr der Ball! Dosenbier und Joints musste jeder selbst mitbringen, die Rumbar war geschlossen!


      18.04.2026
      Stade Xavier DURIMEL
      C.S. ST Francois – ASC Carenage (2:0)

      CD Universidad Católica – CA Boca Juniors – 1:2

      CD Universidad Católica – CA Boca Juniors – 1:2

      „ZU GAST BEI DEN CHILENISCHEN KREUZRITTERN“

      07.04.2026
      Copa Libertadores
      Estadio San Carlos de Apoquindo
      Zuschauer: 18.812

      SANTIAGO DE CHILE – Für meine Südamerika-Reise hatte ich mir ein ordentliches Programm auferlegt und alles ging Schlag auf Schlag. In Rio de Janeiro kreuzte ich noch das Maracanã mit Flamengo versus FC Santos. Mit 68.000 Zuschauern war das „Mario-Götze-Stadion“ offiziell ausverkauft und die Torcida machte ordentlich Dampf. Dieses Stadion sollte auf keiner Hopper-Tour durch Brasilien fehlen!

      Der Spielplan in der Copa Libertadores bescherte mir zwei Partien in Santiago de Chile und so flog ich am Dienstag etwa fünf Stunden in Richtung „Cono Sur“. Die Copas sind bei Hoppern wie Fans gleichermaßen beliebt, denn häufig dürfen Gästeanhänger anreisen.

      Im Fall Universad Católica gegen Boca Juniors gestaltete sich das aber als Hängepartie. Zunächst hatten die örtlichen Behörden Gästefans untersagt. Wenige Tage vorm Spiel konnte man sich allerdings doch zu einem „tragfähigen Sicherheitskonzept“ durchringen, um mal im DFB-Jargon zu sprechen. Etwa 2.000 „Xeneizes“ fanden sich im Gästeblock ein.

      Auf der Heimseite rollten die „Cruzados“ zum Einlauf eine Blockfahne in Form eines -Überraschung- Kreuzritters aus. Begleitet wurde das Ganze von blauen und weißen Luftstangen und einer kleineren Blockfahne auf der Gegengerade.

      Ich hatte mir die Chilenen als eher zurückhaltend im Vergleich zu den anderen Völkern in Südamerika vorgestellt. Auch die Gemeinde „Las Condes“ um das Stadion wirkte mit seinen gepflegten Vorgärten bürgerlich-spießig. Doch die Hinchadas von „La UC“ drehten nach vier Jahren ohne Copa von Beginn an am Rad und die Mitmachquote lag in der ersten Halbzeit weit oben. Ein Fan mit Ritterhelm, Schild und blauem Templerkreuz in der ersten Reihe machte das Bild komplett.

      Auf dem Platz machte indes Boca die bessere Figur. Angeführt von Kapitän Paredes agierte der leichte Favorit geduldig und kontrolliert. Die Nummer 5 nahm dann die Dinge auch selbst in die Hand und erzielte nach einem missglückten Klärungsversuch das 1:0 aus der Distanz. Católica hatte keinen einzigen Torschuss in der ersten Hälfte.

      Nach über einer Stunde entschied Bareiro quasi das Spiel. Sieben Minuten vor Schluss traf Diaz (Juan, nicht Marcelo. Anm. d. Red.) zum Anschlusstreffer und zündete das Publikum noch einmal an. Aber Boca brachte das Ergebnis über die Zeit und der Kreuzritter aus der ersten Reihe zog mit Abpfiff von dannen. (hr)

      Hannover 96 – SC Paderborn 07 – 1:1

      “MARTIN KIND – DU TEIL EINER CHOREO”

      18.04.2026

      2. Bundesliga
      Niedersachsenstadion
      Zuschauer: 49.000

        HANNOVER- nach der frustrierenden Derbyniederlage gegen den HSV führte der Weg in die Region Hannover. Dort stand ein ganz besonderes Ereignis an: das Jubiläumsspiel zum 130-jährigen Bestehen von Hannover 96. Die Anstoßzeit um 20:30 Uhr erwies sich dabei einmal mehr als Glücksfall für jeden Groundhopper.

        Bereits gegen 20:10 Uhr erreichte man das Stadion. Das Flutlicht war eingeschaltet, die Atmosphäre elektrisierend – alles wartete gespannt auf die angekündigte große Choreografie.

        Wenig später war es dann soweit: Mit Ausnahme des Gästeblocks verwandelte sich das gesamte Stadion in ein beeindruckendes schwarz-weiß-grünes Fahnenmeer. Vor der West- und Nordtribüne prangten die Worte:

        „Mit all ihren Höhen und Tiefen, ihren Siegen und Niederlagen, ihrem Stolz und ihrem Schmerz“

        sowie

        „Eine Geschichte, die wir tragen, weiterleben und niemals vergessen.“

        Passend zu diesen Zeilen wurde die bewegte Geschichte des Vereins visuell dargestellt. Aufwendig gestaltete Blockfahnen zeigten die bedeutendsten Momente der Vereinschronik.

        Eine zentrale Fahne trug die Aufschrift:
        „130 Jahre Hannoverscher Sportverein.“

        Erinnert wurde unter anderem an die deutschen Meisterschaften von 1938 und 1954 sowie an das Jahr 1992, als Hannover 96 als Zweitligist sensationell den DFB-Pokal nach einem dramatischen Elfmeterschießen gewann.

        Da ich selbst erst 1996 – also genau 100 Jahre nach der Vereinsgründung – geboren wurde, waren mir vor allem die jüngeren Ereignisse besonders präsent. So etwa die Saison 2011/2012, in der Hannover 96 erstmals auf internationaler Bühne auftrat und mit Spielern wie Jan Schlaudraff, Lars Stindl und weiteren Akteuren unvergessliche Europapokalnächte erlebte.

        Doch auch die dunklen Kapitel der Vereinsgeschichte wurden nicht ausgespart. Besonders bewegend waren die Erinnerungen an das Jahr 2009, als der an Depressionen erkrankte Torwart Robert Enke tragisch verstarb, sowie an den frühen Tod des 19-jährigen Talents Niklas Feierabend, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.

        Auch die anhaltenden Machtkämpfe rund um Martin Kind, insbesondere im Zusammenhang mit seiner kritischen Haltung zur 50+1-Regel, fanden in der Choreografie ihren Platz.

        Auf der Osttribüne waren zudem verschiedene historische Vereinswappen zu sehen. Nachdem die Blockfahnen verschwunden waren, erschienen auf der Westkurve das ursprüngliche Gründungslogo von 1896 und auf der Nordtribüne das klassische runde „96“-Emblem – eindrucksvoll dargestellt durch farbige Ponchos über Ober- und Unterrang hinweg.

        Für mich zählt diese Choreografie zu den beeindruckendsten, die ich je in einem Stadion erleben durfte. Der immense Aufwand und die Detailverliebtheit sind kaum in Worte zu fassen. Über ein halbes Jahr Vorbereitung für eine Inszenierung, die nur wenige Minuten andauert – was dahinter steckt, können vermutlich nur die Beteiligten selbst wirklich ermessen.

        Es zeigt eindrucksvoll, welch großer Verein in Hannover beheimatet ist und wie viel er seinen treuen und leidenschaftlichen Fans bedeutet.

        Doch auch im Gästeblock wurde gefeiert: Die Gruppe „Black Blue Fighters“ beging ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer eigenen Choreografie aus blauen und schwarzen Fahnen. Zusätzlich wurden sowohl beim Intro als auch im Spielverlauf mehrere Fackeln gezündet.

        Das Spiel selbst, das durchaus sportliche Bedeutung hatte, endete schließlich mit einem 1:1-Unentschieden. Der SC Paderborn bleibt damit auf dem zweiten Tabellenplatz, während Hannover 96 auf Rang vier abrutscht.

        Persönlich hoffe ich, dass am Ende mit Hannover 96 und Schalke 04 zwei Traditionsvereine gemeinsam den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffen. Ob dies realistisch ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Fans werden ihrem Verein unabhängig von der Liga weiterhin treu zur Seite stehen.

        Auf die nächsten 130 Jahre Hannoverscher Sportverein. (fj)

        TSV Schwaben Augsburg – SV Wacker Burghausen – 1:0

        „DER SCHÖNSTE GROUND BAYERNS“

        18.04.2026
        Regionalliga Bayern
        Rosenaustadion
        Zuschauer: 367

        AUGSBURG – Das Wochenende begann mit einem großen Loch. Und zwar im rechten Vorderreifen des vierrädrigen Gefährts, das uns zu den schönsten Grounds Bayerns bringen sollte.

        Wochen zuvor wurde sich elegant in ein Hansa-PKW zum Rostocker Auswärtsspiel nach Schweinfurt eingebucht. Ob ich mir einen Revisit im Sachs-Stadion am Samstag gönnen wollte, ließ ich bis zum Schluss offen. Am Freitag der „Schönbusch“ in Aschaffenburg und am Sonntag das „Waldstadion Weismain“, das waren die Gründe für die Mitfahrt.

        Kurz vor Kassel machte es dann „zisch!“ und ich fasse mich kurz: Wir hatten noch Glück im Unglück. Der Reifen verlor seinen Luftdruck gerade als ein Autohof an einer Ausfahrt auftauchte. Im Kofferraum entdeckten wir Dichtmittel und eine mobile Reifenpumpe. Zu guter Letzt gehen Props raus an „Heiko’s Reifenservice“ in Hann. Münden, der die passenden Pneus kurz vor seinem Feierabend nach telefonischer Absprache schon aus dem Lager rollte und auf uns wartete. Selten hat sich eine Werkstatt die positive Google-Bewertung so verdient!

        Trotz anderhalb Stunden Puffer für die Partie in Aschaffenburg konnten wir das Regionalliga-Spiel gegen Aubstadt knicken. Ersatz war mit einem Kreisliga-Derby beim FV Bad Vilbel schnell beschafft. Das war zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber wie gesagt – es hätte uns auch schlimmer treffen können. Doch dank dieser Geschehnisse entschied ich mich am Abend beim Bier in Aschaffenburg für Plan C. Kein Revisit in Schweinfurt und auch das Helmut-Schön-Stadion in Wiesbaden war angesichts der Ereignisse auf der Autobahn am Freitag nicht „gut genug“. Mit dem Deutschland-Ticket ging es nächsten Morgen schließlich Richtung Rosenaustadion, während sich der Rest der Autobesatzung ein 0:0 in Schweinfurt abholte.

        Die Deutsche Bahn war an diesem Samstag-Vormittag verlässlicher als unser tschechisches Automobil am Vortag und konnte selbst eine Umsteigezeit von 6 Minuten in Treuchtlingen einhalten. Bei T-Shirt-Wetter flanierte ich anschließend noch eine Stunde durch das schöne Augsburg, bis schließlich der Regionalliga-Spielort angesteuert wurde. So eine Zeitreise in die 1950er-Jahre hätte ich beim besten Willen nicht erwartet. Das Rosenaustadion spielt in Sachen „Nostalgie“ ganz sicher in der höchsten Liga mit. Einfach cool, diese Holzsitzschalen auf der Haupttribüne und das typische Design dieser Zeit, mit der geschwungenen Linie als Roter Faden. In den Fensterscheiben der Tribüne ist noch die „Erstverglasung“ verbaut und aus den Betonritzen wächst Löwenzahn. Wie schön ein Stadion aussehen kann, wenn man damit kein Geld damit verdienen muss, beweist die Heimat der Augsburger Regionalligisten und steht damit völlig zu Recht seit 2014 unter Denkmalschutz.

        Unter Denkmalschutz würde wohl auch der TSV Schwaben Augsburg in der Regionalliga Bayern gerne stehen. Der Verein wurde 1847 gegründet und steckt mitten im Abstiegskampf. Die Gäste aus Burghausen hätten mit einem Sieg den Klassenverbleib offiziell einfahren können, sind aber praktisch sowieso gerettet. In einer ausgeglichenen Partie mit unkonzentrierten Abwehrreihen, nutzten die Augsburger Schwaben einen Abspielfehler des gegnerischen Teams nach einer halben Stunde zur Führung und schließlich zum Sieg.

        Burghausen hätte nach der Pause ausgleichen können, zielte aber in Person von Ex-HSV-Spieler Tom Sanne jeweils um Zentimeter neben das Tor. Interessant in diesem Zusammenhang auch die Trainerpersonalie bei den Schwaben, wo mit Matthias Ostrzolek ebenfalls ein alter Hamburger auf der Trainerbank sitzt. Übungsleiter in Burghausen übrigens: Lars Bender, Ex-Nationalspieler. Begleitet wurde der ehemalige Zweitligist von einem kleinen, sangesfreudigen Wacker-Mob, bestehend aus vielleicht 40 Mann. Auch auf Seiten der Schwaben gab es etwas Support.

        Wir drücken den Mietern des Rosenaustadions die Daumen. Denn sowohl die Schwaben als auch der FCA II stecken aktuell tief im Abstiegssumpf der Regionalliga fest. Der TSV springt durch den Sieg auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Das 1:0 war vielleicht nicht sehr graziös, aber lebensnotwendig. Fußball im Rosenaustadion ist nur in der Regionalliga Bayern vorgesehen, sollten beide Augsburger Vereine in die Bayernliga relegieren, droht dem Stadion der Status „Lost Ground“. Davon abgesehen, ist in der Sommerpause die Sanierung der Flutlichtmasten geplant und damit einhergehend vermutlich die Demontage der ikonischen Lichtspender.

        Das Derby zwischen der FCA-Reserve und den „Schwabenrittern“ am heutigen Dienstag findet in der Bundesliga-Arena statt. Besser wird’s nicht werden, im Rosenaustadion – für mich seit Samstag der schönste Ground Bayerns. (mm)

        Holstein Kiel – 1.FC Kaiserslautern – 3:0

        “DER FCK BRENNT – ABER KIEL BLEIBT EISKALT“

        17.04.2026
        2.Bundesliga
        Holstein Stadion
        Zuschauer:15.034

        KIEL – Mein zehntes Spiel mit Beteiligung von Holstein Kiel führte mich ins Holstein-Stadion, wo der Traditionsverein 1. FC Kaiserslautern zu Gast war.

        Ein Freitagabendspiel, das mich sofort reizte – und so sicherte ich mir kurzerhand über den Holstein-Fan H. R. eine Eintrittskarte. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank!

        Die Anreise mit der Bahn verlief reibungslos. Bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff befand ich mich im alten Gästeblock des Stadions – jenem Ort, an dem ich mir früher selbst die Stimme heiser geschrien hatte.

        Diesmal betrachtete ich das Spiel mit neutraler Perspektive. Insgeheim drückte ich jedoch den Gästen die Daumen. Fritz Walter, der „Betze brennt“ – mehr Argumente braucht es kaum.

        Gebrannt hat es an diesem Abend allerdings vor allem im Gästeblock: Zum Intro präsentierte sich ein beeindruckendes rot-weißes Fahnenmeer, und der gesamte Block erstrahlte in leuchtendem Rot. Gefühlt bei jedem Liedwechsel wurden neue Fackeln entzündet.

        Doch auch die Anhänger von Holstein Kiel zeigten große Leidenschaft. Beim Einlaufen der Mannschaften erhellte die Westkurve das Stadion mit einem eindrucksvollen Lichterbild. Auf einem Spruchband war zu lesen:
        „WIR FOLGEN DIR WOHIN ES GEHT – AUCH BIS ANS ENDE DIESER WELT.“
        Eine Aussage, die beinahe an ein Nena-Konzert erinnerte – doch die Bühne bildete an diesem Abend die 2. Bundesliga.

        Nach dem wichtigen Auswärtssieg in Düsseldorf trat die „Walter-Elf“ mit großem Selbstbewusstsein auf. Bereits in der 16. Minute erzielte Tohumcu mit einem sehenswerten Treffer die Führung. Die Gäste hingegen präsentierten sich über die gesamte Spielzeit hinweg schwach und fanden kaum ins Spiel. Innerhalb von nur vier Minuten erhöhten Harres (36.) und Zec (40.) und entschieden die Partie frühzeitig. Der 3:0-Halbzeitstand war hochverdient und wirkte am Ende sogar noch schmeichelhaft für die Gäste.

        Dennoch verdienen die Fans aus Kaiserslautern größten Respekt: An einem Freitagabend rund 1400 Kilometer in den Norden zu reisen – für ein Spiel, das sportlich kaum noch Bedeutung hatte –, eine deutliche Niederlage hinzunehmen und dennoch ununterbrochen zu unterstützen, zeugt von außergewöhnlicher Leidenschaft und Qualität.

        Auch inhaltlich setzten die Fans ein starkes Zeichen: Anhänger beider Vereine protestierten gemeinsam mit Spruchbannern gegen das Polizeigesetz in Schleswig-Holstein sowie gegen die Anstoßzeit am Freitagabend. Im Gästeblock wurden zudem kritische Botschaften zu Print@home-Tickets und zur Berliner Polizei präsentiert.

        Insgesamt bleibt dieser Spieltag als gelungener Ausflug in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein in Erinnerung. (fj)

        TSG 1899 Hoffenheim – VFL Osnabrück – 0:1

        “AMATEURTEAMS RAUS AUS LIGA 3!”

        22.02.2026
        3.Liga
        Dietmar- Hopp Stadion
        Zuschauer:1.666

        SINSHEIM – Es ist der 16.09.2007. Die TSG 1899 Hoffenheim empfängt am fünften Spieltag der Zweitliga-Saison 2007/2008 den VfL Osnabrück im Dietmar-Hopp-Stadion.

        Die damaligen Spieler Demba Ba, Carlos Eduardo und Copado zaubern auf dem Platz und schlagen die Osnabrücker mit 3:1. Am Ende der Saison gelingt der TSG tatsächlich der Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga.

        Einen sehr großen Anteil an diesem Erfolg hatte Investor Dietmar Hopp, der durch seine finanzielle Unterstützung die TSG innerhalb weniger Jahre von der Kreisliga auf die Bundesliga-Landkarte setzte. Eine Entwicklung, die bundesweit für viel Kritik sorgte. Der Vorwurf: Die TSG habe sich den Weg in die höchste Spielklasse „erkauft“, während es für Traditionsvereine mit deutlich größeren Anstrengungen verbunden ist aufzusteigen – und andere Klubs die große Bühne sogar ganz verlassen mussten. Als Beispiel wird häufig TuS Koblenz genannt. Damals nach dem letzten Spieltag noch Zehnter der zweiten Liga, spielt der Verein heute nur noch in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

        Auch der VfL Osnabrück spielt aktuell eine Liga tiefer als damals und musste erneut die Reise in das kleine Stadion antreten. Gegen die Hoffenheimer Amateure ging man im Drittligaspiel dennoch als Favorit ins Rennen. Nach zuletzt fünf Siegen in Folge grüßen die Lila-Weißen von der Tabellenspitze und gelten als heißer Anwärter auf den Zweitliga-Aufstieg.

        Was jedoch nie abgestiegen ist, sind die Fans des VfL. Sie lieferten einen wirklich starken Auftritt ab. Bereits vor dem Anpfiff wurde eine Fahne mit der Aufschrift „Amateurteams raus aus Liga 3“ aufgehängt.

        Zum Intro gab es anschließend große lila-weiße Schwenker. Mit mehreren Doppelhaltern präsentierte man den Vereinsnamen „VfL Osnabrück“, dazu zweimal zwei Fußballer-Motive sowie zweimal das Vereinswappen. Die Mob hatte sichtlich Bock, und die Gesänge – inklusive der „Scheiß-Hopp“-Rufe – dürften bis zum Wohnsitz des sechsfachen Milliardärs und SAP-Mitbegründers zu hören gewesen sein.

        Sportlich endete die Partie mit einem 0:1-Auswärtssieg für den lila-weißen Traditionsverein. Den entscheidenden Treffer erzielte Kopacz bereits nach zehn Minuten.

        Für den weiteren Saisonverlauf wünsche ich dem VfL alles Gute. (fj)

        Paysandú FC – CA Rentistas (0:1)

        Die BILDERBUCHBUDE DER WOCHE (95) verschlägt uns diesmal nach Uruguay.

        Fast fünf Busstunden nördlich von Montevideo kickt Paysandú FC in der zweiten Liga. Der Weg dorthin besteht aus schier endlosen Feldern, auf denen die Rinder grasen.

        Doch das Estadio Parque Artigas in dem Städtchen an der Grenze zu Argentinien hat es in sich. Zwei große Tribünen hinter den Toren sowie eine Längsseite mit den hier typischen Betonbänken in Vereinsfarben schmücken den Ground. Nur die Haupttribüne ist aus der Neuzeit.

        Dank der Anstoßzeit am frühen Abend konnte noch ein toller Sonnenuntergang mitgenommen werden und in der „VUK cervecería“ ums Eck lässt es sich nach dem Spiel gut einkehren.

        Aber Achtung: das Stadion wird grundlegend saniert und umgebaut. Die Bauarbeiten sollen zeitnah beginnen.


        10.04.2026
        Estadio Parque Artigas
        Paysandú FC – CA Rentistas (0:1)

        Glentoran FC – Dungannon Swift FC – 5:0

        „ILLEGAL IM OVAL“

        09.04.2026
        NIFL Premiership
        The Oval
        Zuschauer: 2.210

        BELFAST – Ebenso wie am Vortag den „Dalymount Park“ in Dublin, steuerte ich auch das legendäre „The Oval“ nach fast 10 Jahren zum zweiten Mal an. Beim ersten Mal ging der Besuch sprichwörtlich in die Hose. Ich erzähle es kurz und knapp: Auf dem Weg nach Belfast wurde damals noch irgendeine Klosterruine besichtigt. Es regnete schon den ganzen Tag. Auf dem steilen Weg dort hin rutschte ich aus und purzelte den morastigen Pfad ab. Unten lag ich wie ein Kanarienvogel im Matsch. Bis auf ein paar Blaue Flecken blieb ich körperlich unversehrt. Aber meine Garderobe war nicht mehr vorzeigbar. Unter dem Gelächter meiner Kameraden und von oben bis unten mit Schlamm besudelt, musste ich nur in Unterhose und mit geliehenem Pullover eines Mitreisenden im Mietwagen Platz nehmen.

        Den Spielbesuch in Belfast konnte ich knicken und musste mich im Zentrum um neue Klamotten kümmern. Immerhin zogen wir alle zusammen über die Einkaufsmeile von Belfast und die Klamotten von dort hielten jahrelang. Jedes Mal musste ich an die Geschehnisse denken, wenn ich die schwarze „Übergangsjacke“ aus Belfast anzog. Und damit auch an den Sehnsuchtsort „The Oval“. Nun war es also so weit. Die Terminierung passte gut in unseren Pärchenurlaub. Am letzten Tag sollte es ohnehein nach Nordirland gehen. Am Spieltag selbst regnete es zunächst auch nicht. Diesmal sollte mir der Ground nicht durch die Lappen gehen. Dachte ich.

        Denn wir hatten ein ganz anderes Problem. Da bei dieser Reise hauptsächlich Irland im Fokus stand und Belfast maximal einen halben Tag beehrt werden sollte, vergaßen wir im morgendlichen Abreisestress die Reisepässe zu Hause. Ich biss mir auf die Lippe. Und das mit der Vorgeschichte von damals. Eine kurze Recherche ergab zum Glück, dass zwischen der Republik Irland (EU) und Nordirland (UK) keine Grenzkontrollen stattfinden. Zunächst war der Plan, die Grenze irgendwo in einem Dorf zu passieren. Doch schließlich waren wir uns unserer Sache sicher – ab über die M1. Alles was einem auf der Strecke erwartet, ist ein Schild: „Willkommen in Nordirland“. Sollte man im Anschluss nicht polizeilich auffallen, steht dem Fußballbesuch nichts mehr im Wege.

        Illegal ging es also ins Oval. Schon eine Stunde vor dem Anpfiff steuerten wir den legendären Spielort der „Glens“ an und fanden einen Parkplatz, vielleicht 50m vom Eingang entfernt. Bei Glentoran geht es in allen Belangen gemütlich zu. Für 15£ bekommt der Groundhopper am Kassenhäuschen ein weiteres Hardticket für die Galerie in die Hand gedrückt. Mit der Karte darf man jeden Sektor des Stadions betreten. Alles ist geöffnet. Vom Rasenwall hinter dem Tor, bis zum Auswärtsblock. Dungannon rückte mit etwa 20 Leuten an, darunter ein Schreivogel besonderer Güte, der es locker mit den hiesigen Möwen aufnehmen konnte. Als der Himmel nach gut einer Viertelstunde seine Schleusen öffnete und sich ein Platzregen über Belfast ergoss, flüchtete der kleine Mob auf die überdachte Gegentribüne. Für die Swifts geht es um nichts mehr. Der letztjährige Aufsteiger und Pokalsieger ist auf den letzten Drücker in die Meisterrunde gerutscht und feierte somit den sicheren Klassenerhalt. Das Saison-Highlight fand im vergangenen Sommer statt: Die Gäste traten in der Conference League beim FC Vaduz an und siegten dort mit 1:0. Das Rückspiel verlor man 0:3 nach Verlängerung. Aber, egal.

        Ganz anders bei Glentoran. Mit einem Sieg drei Spieltage vor Schluss an diesem Samstag gegen Dungannon war klar: In zwei Wochen können sich die „Glens“ aus eigener Kraft zum Meister krönen! Es wäre der erste Titel seit 17 Jahren. Im Fernduell mit Larne zog der Spitzenreiter zunächst davon und Glentoran benötigte in diesem Spiel im Idealfall einen hohen Sieg. Für Spannung war also reichlich gesorgt. Der Kantersieg gelang, auch dank der Mithilfe des gegnerischen Torwarts, der mindestens drei Treffer verschuldete. Aber auch ohne Torwartfehler waren die Gäste in diesem besseren Regionalliga-Spiel dem Druck irgendwann nicht mehr gewachsen. Zumindest in der zweiten Halbzeit fielen zwei schön herausgespielte Treffer.

        Glentoran bleibt zwei Spieltage vor Schluss weiterhin drei Punkte hinter den Jungs aus Larne. Der Clou: Am morgigen Freitag kommt es in „The Oval“ zum direkten Duell der beiden Kontrahenten. Durch den 5:0-Sieg gegen die Swifts reicht dem GFC ein einfacher Sieg für die Tabellenführung und beide Teams würden punktgleich in den finalen Spieltag gehen. Wir drücken dem sympathischen Verein aus Belfast die Daumen! Das Stadion ist eine Wucht, vor allem die große Haupttribüne lässt die Kinnlade herunterklappen. Alles wirkt irgendwie so geordnet, dabei knabbert der Zahn der Zeit an jeder Ecke. Allein der Hafenblick, die spielenden Kinder auf dem Wall und die Flugzeuge, die über den Ground segeln, wären das Eintrittsgeld wert. Da kümmert es auch nicht, dass selbst im spannenden Meisterschaftsrennen gerade mal 2000 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden. Zwei illegal eingereiste Besucher aus Schwechheim kommen noch dazu. (mm)

        Beşiktaş JK – Antalyaspor Kulübü – 4:2

        „DER ADLER FLIEGT IN RICHTUNG EUROPA“

        10.04.2026
        Trendyol SüperLig
        Tüpraş Stadyumu
        Zuschauer: 32.966

        ISTANBUL – Als ich die Ansetzungen der Süper Lig sah, begann ich mit der Urlaubsplanung, schnell waren die Flüge im Warenkorb und ein paar Tage später begann das Dilemma.

        Ich hatte mir schon im Februar die Passolig gekauft, was ich aber bis dato nicht wusste: Da die Passolig keine Anwendung fand, konnte ich meine Adresse nicht speichern. Selbst mit Hilfe eines weiteren Redakteurs gelang es mir nicht meine Adresse zu speichern, obwohl bei ihm alles funktionierte. Somit war 2 Tage vor Abflug das Problem da, dass ich keine Karten kaufen konnte. Ich versuchte alles, aber ohne Erfolg.

        Am Tag des Abflugs standen mehrere Fragezeichen im Raum. Kann ich den Länderpunkt vergessen? Oder klappt das nur mit türkischer Nummer? Oder, oder..

        Als ich abends im Hotel ankam, schaute ich direkt nach, aber es funktionierte NIX. Im Hotel nachgefragt – das Personal konnte einem auch nicht weiterhelfen. Somit ging es Freitag-Vormittag zum Stadion, in der Hoffnung, dass irgendwer dort helfen kann…

        Der Freitag-Vormittag stand in keinem guten Licht, denn auf dem Weg zum Stadion fing es an zu regnen. Am „Tüpraş Stadyumu“ angekommen, kamen mir auch schon direkt zwei Tickethändler entgegen, die ich aber dankend abwies. Dann hörte ich wie zwei Deutsch-Türken sich auf Deutsch unterhielten – ich also direkt hin und gefragt ob die mir helfen könnten. Auch mit den beiden zusammen hatte es nicht geklappt, was die Jungs ebenfalls sprachlos machte.

        Einer von den beiden ging nochmal zum Ticketschalter, fragte nach, kam zurück und meinte: „Gib die Adresse vom Hotel ein, das ist egal, da gucken die eh nicht nach. Die App spinnt manchmal“. Gesagt, getan und schwupps konnte ich meine Adresse speichern, mir eine Karte online bestellen und zum Schalter gehen für die Passolig. Offenkundig funktioniert das nicht mit einer deutschen Anschrift.

        Nachdem alles geklappt hatte, schlenderten wir zum Stadion-Café, wo mich beide auf ein „Sahlep“ einluden, wir unterhielten uns noch und traten gemeinsam die Rückreise an. Da plötzlich Starkregen einsetzte, nahmen wir uns ein Taxi.

        Als es zum Spiel ging und ich durch drei Sicherheitskontrollen musste, stand dem Länderpunkt nichts mehr im Wege. Zum Spiel selber ist zu berichten, dass Beşiktaş schnell die Weichen auf Sieg stellte, mehr als verdient den Heimsieg einfuhr und weiterhin den vierten Tabellenplatz festigt, der für den europäischen Wettbewerb reicht. Zur Stimmung: Ich war etwas irritiert, da auf drei verschiedenem Tribünen jeweils Ultras standen, weshalb der Gesang nicht immer ganz so koordiniert war. Dennoch war die Lautstärke schon recht beeindruckend.

        Somit war es doch noch ein gelungenes Wochenende in Istanbul, ehe die Reise am Montag weiter ging nach Malta. (sm)

        Bohemian F.C. Dublin – Sligo Rovers F.C. – 1:2

        „DON’T WORRY…“

        08.04.2026
        Premier League
        Dalymount Park
        Zuschauer: 4.018

        DUBLIN – „Wiedergutmachungstour“ auf die irische Insel nach knapp 10 Jahren. Sowohl der „Dalymount Park“ in Dublin, als auch das berühmte „The Oval“ in Belfast, hätten schon lange auf der persönlichen Bucket List abgehakt sein können, wären mir und meinen Reisekollegen damals nicht einige schicksalhafte Dinge passiert. Zu Glentoran und „The Oval“ komme ich im Laufe der Woche noch. Bei den Bohemians war es eher eine Fehlplanung: Drei Tickets für das Derby gegen Shamrock am Spieltag zu bekommen, erwies sich vor Ort als unlösbare Aufgabe. Aus Mangel an Karten ging es damals zu St. Patrick’s und nun konnten die beiden prestigeträchtigen Grounds auf einer neuerlichen Irland-Tour gekreuzt werden – und diesmal in einer ganz anderen Konstellation: Im Pärchenurlaub. Glück mit dem Spielplan und alles unter einem Hut. Das war nur gerecht nach so einer langen Wartezeit.

        Zunächst ging es aber da weiter, wo es damals aufgehört hatte. Der Besuch bei den „Gypsies“ genannten Bohemians, hing die ganze Zeit in der Luft und war von vornherein wieder spontan geplant. Die ersten Tage verbrachten wir an der malerischen Westküste und die „Zurückverlegung“ nach Dublin sollte wetterabhängig erfolgen. Tatsächlich kündigte sich eine große Regenfront am Freitag über Kerry an und gegen Mittag fuhren wir etwas früher als geplant Richtung Osten. Statt der anvisierten 4 Stunden war die Fahrzeit nun mit 6 Stunden angegeben. Gut 1500km Linksverkehr in dieser Woche blieben nicht folgenlos – beim Wenden in Dingle machte die Mietkarre Bekanntschaft mit einem irischen Kantstein, was am Stoßfänger deutliche Spuren hinterließ. Mal gucken, wie das „Don’t worry“ von der Mietwagenstation mit meiner Kreditkarte korrespondieren wird…

        Ich schweife ab. Doch die Laune war nicht wirklich gut und hinzu kam ein Déjà-vu: Das Spiel bei den „Boh’s“ war erneut ausverkauft. Selbst bei so einem 08/15-Gegner muss man bei dem mitgliedergeführten Traditionsverein das Ticketing mittlerweile genau verfolgen. Egal, für den Fall war die Erstliga-Partie in Dundalk geplant. Doch dank der 6h-Fahrt wurde auch dieser Plan zur Hängepartie. In Irland gibt es aktuell ziemlich krasse Proteste, die an die „Trecker-Demos“ in Deutschland vor 2 Jahren erinnern. Dadurch wird zur Zeit die Benzinversorgung teilweise lahmgelegt und Fahrzeuge blockieren die Autobahnen. Der Mob entzündet Lagerfeuer auf den „Motorways“ und hält die ganze Nacht Wache. Diverse Baustellen kommen dazu. Harte Zeiten.

        Aber ich schweife schon wieder ab. Am Ende entschied ich mich für die Bohemians und gegen Dundalk – denn Gästetickets konnte man im Online-Shop für das Spiel noch problemlos buchen. Irgendwie würde ich mich vor Ort schon in den neutralen Bereich reinschnacken. Am Dalymount Park angekommen, war die erste Option zunächst, einfach mit der Karte den Eingang für die Heimfans zu testen. Und siehe da: Auf dem Gerät flammte ein grünes Licht auf und ich war drin! Auf der Hintertortribüne, perfekt.

        Sligo flutete nach Anpfiff den kleinen „Mono-Stand“, aber im Notfall wäre auch dort noch Platz gewesen. Die „Szene“ besteht wohl eher aus Allesfahrern. Im Gegensatz zu den „Gypsies“, die über eine kleine Ultra-Gruppe verfügen, die zum Einlauf der Teams ordentlich zündelte. Alles in allem ging es auf der Haupt- und Hintertortribüne schon kompakt zu. Unter den Augen unzähliger deutscher Dublin-Touristen, kochte im Nieselregen der irischen Hauptstadt richtig authentische Fußball-Atmosphäre auf. Ich hätte nie gedacht, dass Songs der Gruppe „Spandau Ballett“ mal für Gänsehaut bei mir sorgen. Aber die Haupttribüne interpretierte den Hit „Gold“ wirklich exzellent. Kompliment! Es ging nahtlos weiter, denn die „Boh’s“, die oben in der Tabelle mitmischen, trafen früh zur Führung. Nichts deutete auf einen Punktverlust hin, bis Sligo kurz vor der Pause per Hacke zum Ausgleich traf. Erstmals jubelte der „Mono-Stand“, was die Heimszene nicht unberührt ließ. Hier merkt man die kulturelle Nähe zum Vereinten Königreich – „You only sing when you’re winning“.

        Im zweiten Durchgang kam es noch schlimmer für Dublin. Direkt nach Wiederanpfiff gelang den Rovers die Führung. Für die Gäste eine Art Befreiungsschlag, denn bis dahin hütete man mit 5 Pünktchen gerade mal so den vorletzten Platz. Der elfmalige irische Meister wäre vielleicht zurückgekommen, doch ein Platzverweis verwässerte das ohnehin schon eher limitierte Spiel zusehends, am Ende fuhr Sligo den nicht unverdienten Auswärtssieg ein. „Don’t worry“, möchte man den Bohemians da zuflüstern. Trotz der überraschenden Niederlage steht der Verein weiter an dritter Stelle der Premier Division.

        Nicht traurig sein – das könnte vielleicht auch bald für die Groundhopper-Zunft gelten. Denn das Stadion soll schon lange umgebaut werden. Das war bereits vor 10 Jahren der Plan. Seitdem wurde übrigens die halbierte Gegengerade abgerissen und der „Mono-Stand“ als Stahlrohrkonstrukt errichtet. Die Haupttribüne mit der Kirche im Hintergrund und die Hintertorseiten sind noch immer dieselben. Vor allem die gesperrte Seite hinter dem Tor gibt einen ganz wunderbar-morbiden Eindruck ab. Gut, dass der Besuch geklappt hat. Noch ein Fail bei den Bohemians wäre vielleicht nicht mehr drin gewesen. (mm)

        CR Vasco da Gama – Botafogo FR – 1:2

        „OSTERÜBERRASCHUNG MIT CHOREOS UND IRON MAIDEN“

        04.04.2026
        Série A
        Estádio São Januário
        Zuschauer: 20.072

        RIO DE JANEIRO – Beeindruckt von den Erlebnissen der Redaktionskollegen (tp) und (fj) in Südamerika letztes Jahr stand für mich fest, dass ich 2026 nachziehe. Vor einem halben Jahr sah ich für Ostern erschwingliche Flüge von Schwechheim über Madrid nach Rio de Janeiro und zurück. Nebenbei auch noch zwei Urlaubstage gespart, da fiel die Entscheidung nicht schwer.

        Schwerer war hingegen die Ticketbeschaffung. Vereine in Brasilien mit einer Stadionkapazität von 20.000 Zuschauern und mehr müssen ihre Karten mit biometrischer Erfassung verkaufen. Vor Ort schaut man in eine Kamera und nach Bestätigung der eigenen Visage öffnet das Drehkreuz. Ich fühlte mich an China erinnert und war erschrocken, dass sich dieser Mist immer weiter verbreitet.

        Aber es nützte nichts, schließlich sollte ja der Länderpunkt fallen. Die Registrierung mit Reisepass und Selfie klappte schon in Deutschland, aber kurz vor dem freien Verkauf konnte ich mich nicht mehr einloggen. Die Funktion „Passwort vergessen“ klappte auch nicht und so musste ein neuer Account her.

        Allerdings war der Reisepass ja bereits hinterlegt und so nahm ich den alten, der noch in der Schublade lag. Ging letztendlich, war aber super nervig. Im Nachgang stellte sich heraus, dass das System wegen meiner deutschen E-Mail-Adresse Zicken machte. Nehmt besser Google oder Hotmail.

        Vorm „Clássico da Amizade“ verbrachte ich den Tag zunächst in Leblon und Ipanema am Strand. Das Lebensgefühl „Alegria“ ist wirklich ansteckend und ich fühlte mich in Rio auf Anhieb wohl. Caipirinha und das kühle Bier in der „Camisinha“ zu fairen Preisen sorgten für ein Dauergrinsen. Später genoss ich noch eine üppige Feijoada, die selbst einen guten Esser wie mich pappsatt machte.

        Irgendwann wurde es aber Zeit für Fußball und ich traf mich mit (bd) aus Meppen und seiner Frau auf der Ballermeile in Stadionnähe. Grüße gehen raus! Es gab dutzende Grillstände und auch hier frisch Gezapftes zu zivilen Preisen. Im Viertel sind die Graffiti unübersehbar und die Huldigung an die Vereinslegende Roberto Dinamite sollte später noch eine Rolle spielen.

        Etwa 45 Minuten vor Anpfiff betraten wir das altehrwürdige „Estádio São Januário“, welches mit seiner Hufeisenform recht selten sein dürfte. Vasco plant einen Neubau, der sich hoffentlich noch hinzieht. Die langgezogene Stehkurve ist schon phänomenal.

        Auch wenn die Freundschaft in den letzten Jahren etwas bröckelte, durften die Gäste aus Botafogo den kurzen Weg fahren. Die Show des Abends sollte aber der „Força Jovem do Vasco“ vorbehalten sein, die so richtig auftischte.

        Zum Einlauf der Mannschaften zogen die Fans gleich drei Blockfahnen hoch. Zusätzlich gab es ein Hochziehelement auf unserer Seite, dass eine Collage aus Zeitungsartikeln von früheren Derbysiegen zeigte. Ich bin so gar kein Musikkenner, aber die Verbundenheit der Força Jovem zu Iron Maiden war auch für mich nicht zu übersehen.

        Ich kam gar nicht mit dem Fotografieren hinterher, denn die Torcida hatte bereits die Kurve komplett mit schwarzem Rauch eingenebelt. So viel Rauch hatte ich zuletzt beim Belgradderby im September gesehen und der Anpfiff verzögerte sich um mehrere Minuten.

        Auch vom Support her machte Vasco einfach nur Spaß und gefühlt hatte sich die Reise schon gelohnt. Doch das war noch nicht alles. Zur zweiten Halbzeit zeigte die linke Seite eine Blockfahne mit dem Konterfei von Dinamite, der unglaubliche 698 Tore für Vasco schoss. Auf der rechten Seite war ein Meer von weißen Klatschstangen und die Botschaft, dass heute der 12. Mann das Spiel gewinnt.

        Tatsächlich erzielte David nach einer Stunde das 1:0 und sorgte für grenzenlose Ekstase im Estádio. Allerdings währte die Freude nur kurz, weil Botafogo per Kopf ausglich. Auf den Rängen setzte die Torcida mit einer Blinkershow ein letztes Highlight, denn Matheus Martins brachte die Heimseite mit einem Traumtor von der Sechzehnerkante in den Knick zum Schweigen.

        Danach waren nur noch die Anhänger von „Fogo“ zu hören und die Gäste brachten die Führung über die Zeit. War es verdient? Keine Ahnung. An diesem Abend stand der Fanauftritt im Fokus. Vorher hatte ich viel Positives über Vasco gehört, aber das war eine echte Osterüberraschung und Brasilien sortiert sich in meinem „Länder-Ranking“ weit oben ein. (hr)